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Full text of "Romanisches etymologisches Wörterbuch"

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SAMMLUNG 

ROMANISCHER ELEMENTAR- 

UND HANDBÜCHER 



UNTER MITWIRKUNG VON 

PH. AUG. BECKER, E. BOVET, W. CLOETTA, V. CRESCINI, 

P. E. GUARNERIO, J. HADWIGER, E. HÖPFFNER, 

E. LEW, W. KÜCHLER, S. PUSCARIU, C. SALVIONI, 

FR. ED. SCHNEEGANS, O. SCHULTZ-GORA. E. STAAFF, 

H. TIKTIN, J. VISING, M. L. WAGNER, K. WARNKE, 

L. WEIGERT, B. WIESE, A. ZAUNER 



HERAUSGEGEBEN VON 

W. MEYER-LÜBKE 

lil. REIHE: WÖRTERBÜCHER 

3. ROMANISCHES ETYMOLOGISCHES 
WÖRTERBUCH 



■ÖS©- 



HEIDELBERG 1911 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 



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ROMANISCHES ETYMO- 
LOGISCHES WÖRTERBUCH 



VON 



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W. MEYER-LUBKE 




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HEIDELBERG 1911 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 

Verlags -Nr. 532. 



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MS 



Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung iu fremde Sprachen, 
werden vorbehalten. 



S- 



Meiner lieben Frau 

zugeeignet. 



V»' 



Zur Einführung. 

Das vorliegende Werk setzt sich zum Ziele, die ungemein zahl- 
reichen und vielfach weit zerstreuten etymologischen Untersuchungen 
auf dem Gebiete der romanischen Sprachen zu sammeln, kritisch zu 
sichten, das nach dem heutigen Standpunkte unserer Erkenntnisse 
Unhaltbare als solches zu kennzeichnen oder ganz der Vergessenheit 
zu überliefern, einzelne Probleme zu lösen oder durch richtige Frage- 
stellung der Lösung näher zu bringen, damit weiterer etymologischer 
Forschung als solcher und all den anderen Studien, die die Etymologie 
als Voraussetzung haben, eine verläßliche Grundlage bietend. 

Zur Darstellung gelangt der gesamte romanische Erbwortschatz, 
soweit er lateinischen Ursprungs ist. Die übrigen Quellensprachen 
dagegen w'urden im allgemeinen nur soweit herangezogen, als die 
von ihnen gelieferten Wörter über ein weiteres Gebiet verbreitet sind. 
Grundsätzlich weggeblieben sind danach die nichtlateinischen Elemente 
des Rumänischen, die jüngeren deutschen aus der deutschromanischen 
Sprachgrenze, vorab die fast nicht umgestalteten in Graubünden, die 
slavischen in Friaul und Venezien, die griechischen in Süd- und 
Mittelitalien, die bretonischen in Westfrankreich. Ebenso sind die 
lateinischen Buchwörter neueren Datums weggelassen worden, da sie, 
so wichtig sie für eine Geschichte des Wortschatzes sind, in einem 
etymologischen Wörterbuch keinen Raum beanspruchen dürfen. 

Berücksichtigt sind alle romanischen Sprachen mit Einschluß 
des Dalmatischen, und zwar sind im Prinzip die Formen angeführt 
aus Rumänisch, Vegliotisch, Italienisch, Sardisch, Engadinisch, Friau- 
lisch, Französisch, Provenzalisch, Katalanisch, Spanisch, Portugiesisch 
in der hier gegebenen Reihenfolge dieser Sprachen. Die Mundarten 
wurden nach Maßgabe der zu Gebote stehenden Hilfsmittel überall 
da herangezogen, wo das Stichwort in den Grundsprachen fehlt, 
ferner da, wo eine mundartliche Form, sei es in der Lautentwickelung, 
sei es in der Bedeutung, ein gewisses Interesse beansprucht. Auch 



VIII Einführung. 

einen ungefähren Begriff von der geographischen Verbreitung der 
einzehien Wörter zu geben ist, soweit es möglich war, angestrebt, 
aber nirgends prinzipiell durchgeführt worden, da selbst für Frankreich 
das gewaltige Material, das der Atlas Linguistique bietet, nur vor- 
läufige Resultate zu gCAvinnen ermöglicht. 

Die lateinischen Wörter über das Gebiet der Romania hiuaus 
bei Germanen, Kelten, Basken, Albanesen, Griechen, Südslaven und 
Berbern zu verfolgen liegt außerhalb der hier gezogenen Grenzen. 
Nur gelegentlich, wo es zur Erklärung oder Verdeutlichung der 
romanischen Formen dienen konnte, ist auf solche Fremdlinge hin- 
gewiesen worden. Eine Geschichte des lateinischen, des gallischen 
und des älteren romanischen Wortschatzes, in der die zeitliche und 
örtliche Verbreitung wenigstens der wichtigeren Wörter zur Darstellung 
kommen wird, soll am Schlüsse des vorliegenden Werkes versucht 
werden, und dabei wird dann auch das außerromanische lateinische 
Element seine gebührende Berücksichtigung finden. 

Für die Anordnung erwies sich die rein alphabetische nach dem 
Grundworte als jetzt noch allein durchführbar. Der Grundsatz, den 
Diez seinerzeit befolgt hatte, ist heute nicht mehr möglich, bedingt 
übrigens ja auch einen gesonderten Wortindex. Wohl hätte man 
eine Sonderung vornehmen können nach lateinischen, gallischen, 
germanischen Elementen usw., aber wo ist die Grenze zu ziehen 
zwischen gallisch und lateinisch? Wer wird z. B., wenn er nicht mit 
lateinischer Sprach- und Wortgeschichte gut vertraut ist, rarrus im 
gallischen Teile suchen? Oder man hätte, den Diezschen Gedanken 
weiter verfolgend, in der Art, wie A. Fick sein Vergleichendes Wörter- 
buch der indogermanischen Sprachen angelegt hat, gewisse Sprach- 
areen schaffen und danach die Darstellungen richten können. Ich 
bezweifle, daß die Vorteile einer solchen V^erteilung die Nach- 
teile überwiegen, glaube aber auf alle Fälle, daß die Zeit hierfür 
noch nicht gekommen ist. Selbst im Rumänischen, dessen lateinischer 
Wortschatz so klein ist, bringen uns neue Mitteilungen aus Mundarten 
immer wieder versteckte lateinische Wörter, deren Vorhandensein man 
bisher kaum ahnte — in wieviel höherem Grade gilt dies von den anderen 
Sprachen! Andererseits ist namentlich die Durchforschung des älteren 
spanischen Wortschatzes noch nicht so weit gediehen, daß man da, 
wo die gröbsten lautlichen Kriterien versagen, beurteilen könnte, was 
alles aus dem Französischen entlehnt ist, so daß man heute Gefahr 
läuft, W^örter als zum Grundstock des Spanischen gehörig oder als 
Beweise einer spanisch-französischen Einheit zu verzeichnen, die 
weitere Forschung als Entlehnungen wird erkennen lassen. Wörter- 
bücher pflegt man gern als etwas Festes, wenig Verrückbares zu be- 



Einführung. IX 

trachten, wogegen synthetische Darstellungen dazu da sind, den 
jeweiligen Stand unserer Kenntnisse zum Ausdruck zu bringen, also 
fortwährendem Wechsel zu unterliegen. Eine solche synthetische 
Darstellung soll ebenfalls am Schluß des Werkes kommen. 

Das Stichwort soll stets eine P'orm darstellen, die wirklich 
bestanden hat. Als Rekonstruktionen, als Substrate sind daher nur 
solche W^orte gegeben, die nicht innerhalb der romanischen Sonder- 
entwickelung entstanden sein können. So kann ital. avanzare, frz. 
avancer nicht aus ital. avanti, frz. avant gewonnen sein, wohl aber ist 
von lat. abante eine Ableitung *abanHare möglich, also ist *abantiare 
vorronianisch. Oder von lat. arare hätte arainra gebildet werden können, 
ist vielleicht auch gebildet worden, aber ebenso kann ital. aratura 
erst innerhalb des Italienischen von arare, afrz. areure innerhalb des 
Französischen von arer gewonnen worden sein. Daher habe ich '■^'ahaniiare 
angesetzt, dagegen ital. aratura als Ablt. unter arare eingereiht, nicht 
ein ^aratura erschlossen. Häufig sind auch die romanischen Ab- 
leitungen nach Maßgabe ihrer Bedeutungen nicht direkte Fortsetzung 
der materiell sich mit ihnen deckenden Wörter. So heißt lat. ad- 
vocare „einen als Sachverständigen berufen", „einen Rechtsanwalt 
nehmen" als objektives Verbum, wogegen ital. avvocare bedeutet „je- 
manden vor Gericht vertreten", span., portg. abogar „Sachwalter sein", 
letzteres also ausgesprochen subjektiv. Man wird kaum direkt von 
der einen zu der andern Vorwendung von advocare gelangen können, 
muß vielmehr sagen, daß von advocahis „Sachwalter'' aus ein neues 
Verbum advocare „Sachwalter sein" gebildet wurde, das nicht als Fort- 
setzung des alten advocare gelten kann. In beiden Fällen, in der 
Frage des Alters von Ableitungen wie in der des Zusammenhanges 
zwischen lateinischer und romanischer Bildung, ist es oft unmöglich, 
eine sichere Entscheidung zu geben. Ich bin im ganzen sehr zurück- 
haltend gewesen oder, was dasselbe besagt, ich habe die romanische 
Selbständigkeit in der Wortbildung höher eingeschätzt, als es oft ge- 
schieht, glaube aber, daß damit kein Unheil angerichtet wird. 

Unter dem Stichworte sind die romanischen Vertreter in der 
oben angegebenen Reihenfolge angeführt, so zwar, daß die Bedeutung 
nur dann gegeben wird, wenn sie von der des Stichwortes abweicht. 
Besondere Bedeutungen in den Mundarten folgen dann, durch (;) von 
den Grundformen getrennt. Bei den Ableitungen und Zusammen- 
setzungen gilt eine Bedeutung für sämtliche ihr vorangehenden 
Formen. 

Die Transkription ist eine möglichst einfache. Daß die schul- 
gerechten Schreibungen der Schriftsprachen beibehalten, daß auch die 
Vereinfachungsversuche, die man seit etwa einem Jahrzehnt in Frank- 



X Einfühlung. 

reich einzuführen versucht, nicht berücksichtigt werden, bedarf einer 
Rechtfertigung nicht. Auch für das Katalanische liegen feste Normen 
vor, von denen abzuweichen ein Grund nicht vorhanden i«t, für das 
Altprovenzalische habe ich mich an Levy, für das Neuprovenzalische 
im ganzen an Mistral, für das Engadinische im ganzen an Pallioppi 
gehalten mit ein paar Vereinfachungen, die leicht verständlich sind. 
Unverändert ist selbstverständlich auch alles geblieben, was aus alten 
Texten übernommen wurde. Dagegen war es untunlich, in den Mund- 
arten alle die verschiedenen Systeme beizubehalten, die die jeweiligen 
Quellen boten; es galt eine Einheitlichkeit durchzuführen, die aller- 
dings nicht alle Feinheiten aufweisen konnte, die für phonetische 
und phonologische Untersuchungen nötig sind, die aber doch ein 
annähernd richtiges Bild bietet. Am schwersten ist es Avohl, die 
Qualität des -e zu ermitteln; manches, was den Quellen gemäß als -e 
geschrieben wird, wäre vielleicht richtiger -^, manches, was als -e er- 
scheint, wird vielleicht überhaupt nicht gesprochen. Weiter ist es 
namentlich in Italien oft nicht zu erkennen, ob -s- stimmhaft oder 
stimmlos ist, und ob s in Verbindung mit folgendem stimmhaften 
Konsonanten ebenfalls stimmhaft wird oder stimmlos bleibt (genauer 
wohl stimmlos einsetzt), wird ebenfalls gar häufig nicht verraten. 
Ungenauigkeiten oder gar Unrichtigkeiten in dieser Hinsicht tun aber 
dem eigentlichen Zweck des Ganzen keinen Abbruch und müssen als 
das kleinere Übel mit in Kauf genommen werden. 
Das verwendete Zeichensystem ist das folgende: 

: offen 
: geschlossen 
: reduziert 
: nasaliert 

: palatale Konsonanten 
: präpalatale Reibelaute 
: postpartaler Reibelaut 
: interdentaler Reibelaut 
: stimmlos 
: stimmhaft. 

Die Schreibung der portugiesischen Mundarten nach dem System 
der portugiesischen Schriftsprache ist beibehalten worden. 

In den Literatiirangaben bin ich stets bis auf Diez, nur selten 
hinter ihn zurückgegangen. Mehrfach habe ich auch solche Auf- 
stellungen des Begründers der romanischen Sprachwissenschaft an- 
geführt, deren Unrichtigkeit heute niemand bezweifelt, die aber zu 
kennen unter Umständen einen gewissen Wert haben kann. Aber 
alles und jedes anzuführen, was verfehlt ist, schien mir ebenso 



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Einführung, XI 

pietätlos, wie es falsche Pietät wäre, wollte man alles und jedes ver- 
schweigen, was verfehlt ist. — Sonst war ich hemüht, stets die Stellen 
anzuführen, wo die mir richtig scheinende Etymologie zum erstenmal 
oder doch nach der Meinung dessen, der sie publizierte, zum ersten- 
mal veröffentlicht worden ist, ferner die Stellen, an denen die Deutung 
weiter begründet und erläutert wird. Dagegen hielt ich es für über- 
flüssig überhaupt alle Stellen zu nennen, wo ein Wort besprochen wird, 
also z, B. im Italienischen jedesmal etwa auf Pieris Aufsatz über die 
„Omeotropi" (AGlItal. XV, 131), beim Rumänischen auf Pu§carius 
etymologisches Wörterbuch, beim Französischen auf den Dict. G6n. 
hinzuweisen. Die Zitate sollen vor allem die Möglichkeit weiterer 
Belehrung vermitteln, Sie sind danach denn auch eine bibliogra- 
phische Angelegenheit, daher nur das bibliographische Zitat, d. h, der 
Titel des Buches von Wichtigkeit ist. Daraus folgt naturgemäß, daß 
ich zwar die Zeitschriften nach Band und Seite, nicht aV>er den 
Namen dessen anführe, der sich an dem betreffenden Orte geäußert hat. 
Das hat nicht nur den Vorteil einer sehr großen Raumersparnis, es 
hat auch den weiteren pädagogischen, daß es vor dem Abschreiben 
hütet. Zitate, bei denen ein Name steht, werden gar leicht un- 
besehen nachgeschrieben und ein bloßer Name kann gar oft allfällige 
Zweifel oder Bedenken im Keime ersticken, gilt als guter Deckmantel, 
wenn man sich nicht sicher fühlt. Es hat aber noch einen weiteren 
Vorteil. Sehr oft bin ich in die Lage gekommen, eine Erklärung 
eines anderen in ihren Grundzügen zwar anzunehmen, im einzelnen 
aber ihr eine andere Wendung zu geben. Wäre nun der Autor dazu 
genannt, so wäre daraus die Verpflichtung erwachsen, auch auf die 
Verschiedenheit der Auffassung hinzuweisen, sie womöglich zu recht- 
fertigen, was häufig genug einen Raum in Anspruch genommen hätte, 
der innerhalb des großen Ganzen nicht im richtigen Verhältnis zur 
Wichtigkeit gestanden hätte und außerdem für gar viele Benutzer 
ziemlich wertlos gewesen wäre. Dem, der weiter arbeiten, sich ver- 
tiefen will, sind die Wege gewiesen und der wird denn auch die 
Namen finden — dem, der nur die Tatsache Avissen will, besagen 
auch die Namen weiter nichts. 

Dieser sozusagen unpersönlichen Darstellung steht eine ganz 
persönliche Auffassung in der Auswahl der abgelehnten Deutungen 
gegenüber. Auch hier galt es auszuwählen. Wo jemand eine von 
ihm aufgestellte Etymologie selber zurückgenommen hat, habe ich sie 
nicht weiter erwähnt; daß die vielen Versuche nicht berufener Dilet- 
tanten einfach übergangen sind, wird niemand tadeln, aber auch unter 
dem, was die mit dem etymologischen Rüstzeug ilirer Zeit Versehenen 
vorgebracht haben, ist gar vieles, dessen Unhaltbarkeit heute eines 



XII Einführung. 

Beweises nicht bedarf, das daher auch nicht weiter geschleppt zu 
werden verdient. Aber in zahlreichen anderen Fällen ist dem nicht 
so, oft verleiht der bloße Name ihres Urhebers einer Etymologie einen 
gewissen Grad von Sicherheit; oft liegen die Einwände nicht auf der 
Hand, bestehen nur für den, der ein weiteres Gebiet übersieht, sind 
rein subjektiver Art. Hier war nun für die Auswahl hauptsächlich 
maßgebend, wer jedesmal die Erklärung vorgebracht hat, ob es ji'mand 
ist, der wirklich als sachverständig bezeichnet werden kann. Ich 
hoffe, damit der Gerechtigkeit Genüge geleistet, vor allem auch den 
Schein vermieden zu haben, daß, was ich vortrage, das einzig mög- 
liche sei und einer Rechtfertigung nicht bedürfe. Die Gründe für 
die Ablehnung finden ihren Ausdruck in kurzen Schlagworten, 
Wegweiser für diejenigen, welche die Sache weiter verfolgen, unter 
Umständen die Unrichtigkeit des von mir vertretenen Standpunktes 
dartun wollen. 



Abkürzungen. 



I. Literaturnachweise. 



AANapoli = Alti della R. Accademia 
di Napoli. Napoli. 

AARom. = Analele Academiei Romane. 
Bucure§ti. 

AASTorino. = Atti della R. Accademia 
delle scienze di Torino. Torino. 

Abh. A. Tobler dg. = Abhandlungen 
Herrn Prof. Dr. Adolf Tobler zur 
Feier seiner 25 jähr. Tätigkeit als oö. 
Professor an der Universität Berlin 
von dankbaren Schölern in Ehr- 
erbietung dargebracht. Halle, 1895. 

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diretto da G. J. AscoU, Vol. I— XV; 
da C. Salvioni, Vol. XVI. Torino, 
1873—1905. 

AGlItal., Suppl. = Supplementi perio- 
dici all' Archivio glottologico ita- 
liano, dedicati a indagini linguistiche 
estranee o non limitate al neola- 
tino, e ordinati da G. J. Ascoli, 
Dispensa I-VlII. Torino, 1891 bis 
1909. 

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AStItal. = Archivio storico italiano. 
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AStLomb. = Archivio storico lombardo. 
Milano, 1874 ff. 

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von L. Herrig und H. Viehoff, Bd. 
I— V. Elberfeld, 1846—1849; von 
L. Herrig, Bd. Vl-LXXXIII. Braun- 
schweig, 1849-1889; von J. Waet- 
zold und J. Zupitza, Bd. LXXXIV 



bis LXXXXHL 1890-1894; von 
A. Tobler und J. Zupitza, Bd. 
LXXXXIV-LXXXXV. 1895; von 
A. Brandl und A. Tobler, Bd. 
LXXXXVI— CX. 1896—1902; von 
A. Brandl und H. Morf, Bd. CXI ff. 
1904 ff. 

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Battisti, Vok. A = C. Battisti, La vocale 
A tonica nel ladino centrale. Trento, 
1907. 

Baust, z. rom. Phil. = Bausteine zur 
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für Adolf Mussafia zum 15. Februar 
1905. Halle, 1905. 

BDRom. = Bulletin de dialectologie 
romane, dirige p. A. Alcover, 
J. Anglade, M. G. Bartoli, A. Doutre- 
pont, L. Gauchat, J. Geddes, .T. Jud, 
J. Leite de Vasconcellos, R. Menen- 
dez Pidal, 0. Nobiling, A. Rivard, 
C. Salvioni, B. Schädel, E. Staaff. 
Bruxelles, 1909 ff. 

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herausgeg. von H. Paul und W. Brau- 
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XIV 



Abkürzungen. 



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J.-A. Candrea-Hecht §i Ov. Densu- 
§ianu, Dic^ionarul otimologic al 
limbii romine. Elementele latine. 
Bucure§ti, 1907. 

GL. = Convorbiri Literare p. p. J. Ne- 
gruzzi. Ja§i §i Bucure§ti, 1868 ff. 

Cohn, Suffwandl. = G. Cohn, Die Suf- 
lixwandlungen im Vulgärlatein und 
im vorliterarischen Französisch 
nach ihren Spuren im Neufranzö- 
sischen. Halle, 1891. 

Cuervo, Dicc. = R. J. Cuervo, Diccio- 



naiio de conslruccion y reginien de 
la lengua castellana. Paris, 1886 
-1893. 

Dante-Leopardi = Da Dante al Leopardi, 
Raccolia di scritti scrilici per lo 
nozze di M. Scherillo con T. Negri. 
MIanoi, 1904. 

Densusianu, Hist. 1. roum. = 0. Den- 
susianu, Histoire de la langue rou- 
maine. Paris, 1901. 

Dict. G6n. = Dictionnaire g^n6rnl de 
la langue fran(;aise du commen- 
cement du XVIi" si^cle jusqu'a nos 
jours, Par MM. A. Hnlzfeld, A. Dar- 
niesteter, M. A. Thomas. Paris. 

DieJ. Limb. Rom. = Academia romäiift, 
Dic^ionarul limbii romüne. Bucu- 
rc^tl, 1907. 

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IV. Aun. Bonn, 1876-1877. 

Diez, Wb. = F. Diez, Etymologisches 
Wörterbuch der romanischen Spra- 
chen. Mit einem Anhang von 
A. Scheler. IV. Ausg. Bonn, 1878. 

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Berlin, 1880—188.5; A. Fresenius, 
Bd. VII-XII. Berhn, 1886—1891; 
P. Hinneberg, Bd. XIII ff. Berlin, 
1892 ff. 

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W. H. Engelmann, Glossaire des 
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renze, 1863. 



Abkürzungen. 



XV 



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Adolf Tobler zum siebzigsten Ge- 
burtstage dargebracht von der Ber- 
liner Gesellschaft für das Studium 
der neueren Sprachen, Braun- 
schweig, 1905. 

Förster, Erec — Erec und Enide von 
Christian von Troyes. Herausgeg. 
von W. Förster. Halle, 1890. 

Förster, Yvain = Der Lövvenritter(Yvain) 
von Christian von Troyes. Heraus- 
geg von W. Förster. Halle, 1887. 

Fryklund, Changem. de signif. de droite 
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dans les langues romanes et spe- 
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Heidelberg, 1908. 

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geg. von G. Körting und E. Kosch- 
witz, Bd. I— VII. Heilbronn. 1881 
bis 1888. Neue Folge, Heft 1. 
Berlin, 1893. 

Gade, Handwerkzgn. = H. Gade, Ur- 
sprung und Bedeutung der übliche- 
ren Handvverkzeugnamcn im Fran- 
zösischen. Kiel, 1898. 

Gärtner, Rätor. Gram. = Th. Gärtner, 
Rätoromanische Grammatik. Heil- 
bronn, 1883. 

Gillieron-Mongin, Scier dans la Gaule 
rom. = J. Gillieron et J. Mongin, 
Scier dans la Gaule romane du 
sud et de Test. Paris, 1905. 

GLig. =• Giornale ligustico di archeo- 
logia storia et letteratui'a fondato e 
diretto da Belgrani e Neri. Spezia, 
1873-1893. 

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Cercetari lexicogratice. Bucuresti, 
1909. 

Gr. Gr. = G. Gröber, Grundriß der 
romanischen Philologie, Bd. P. 
Straßburg, 1888; Bd. 11 Straßburg, 
1904 — 1906. 

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natsschrift, herausgeg. von H. Schrö- 
der in Verbindung mit F. Holt- 
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W. Streitberg. Heidelberg, 1909 ff. 

GStLItal. = Giornale storico della let- 
teratura italiana, diretto e redatto 
da F. Novati e R. Renier. Torino, 
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GSlLLig. = Giornale storico e letterario 
della Liguria. Spezia, 1900 ff. 

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Jaberg, Sprachgeograph. = K. Jaberg, 
Sprachgeographie, Beitrag zum Ver- 
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JBIRumSpLeipzig = Jahresbericht des 
Instituts für rumänische Sprache 
(Rumänisches Seminar) zu Leipzig, 
herausgeg. von G. Weigand. Leip- 
zig, 1894 ff. 

JbRESpL. = Jahrbuch für romanische 
und englische Literatur, herausgeg. 
von A. Ebert, Bd. I-III. Berlin, 
18.59-1861; Bd. IV— V. Leipzig, 
1862—1864; von L. Lemcke, Bd. 
VI— XV. Leipzig, 1865-1876. 

JLZ. = Jenaer Literaturzeitung, im 
Auftrage der Universität Jena her- 
ausgeg. von H. Klette. Jena, 
1874—1879. 

Joret, Caract. pat. norm. = Ch. Joret, 
Des caracteres et de l'extension du 
patois normand. Paris, 1883. 

Joret, Mel. phonet. norm. = Ch. Joret, 
Melanies de phonetique normande. 
Paris, 1884. 

Jud, Rech, sur la gen. et la diff. des accus, 
en -ain et en -on. = J. Jud, Recher- 
ches sur la genese et la diffusion des 
accusatifs en -ain et en -on. Halle, 
1907 

Kass. Gloss. ^= P. Marchot, Les glosses 
de Cassel. Le plus ancien texte 
reto-roman. Freiburg, 1895. 

Kemna, „Schiff" im Frz. = K. Kemma, 
Der Begriff „Schiff'' im Franzö- 
sischen. Eine lexikographische 
Untersuchung. Marburg, 1901. 

KJBFRPh. = Kritischer Jahresbericht 
über die Fortschritte der roma- 
nischen Philologie, herausgeg. von 
K. Vollmöiler, Bd. I. München, 
1892; Bd. IL Leipzig, 1896; Bd. 
HI ff. Erlangen, 1898 ff. 

LBlGRPh. = Literaturblatt für germa- 
nische und romanische Philologie, 
herausgeg. von O. Behaghel und 
F. Neu mann, Bd. I— X. Heilbronn, 
1880 bis 1889; Bd. XI tf. Leipzig, 
1890 ff. 

LCBl. — Literarisches Centralblatt für 
Deutschland, herausgeg. von F. 



XVI 



Abkürzungen. 



Zarncke, Bd. I-XXXXII. Leipzig, 
1851—1892 ; E. Zarncke, Bd. XLIIIff. 
Leipzig, 1893 ff. 

Leite de Vasconcellos, Mirand. = J. Leite 
de Vasconcellos, Estudos de philo- 
logia mirandesa. Lisboa, 1900. 

Littre, Dict. = E. Litlre, Dictionnaire 
de la langue fran(jaise. Paris, 
1885. 

LNP. = Le Nuove Pagine, Periodico 
mensile di letteratura e di storia 
delle terre friulane. Vol. L Gorizia, 
1907. 

Lorck, Abergam. Sprachd. = J. E. Lorck, 
AltbergamaskischeSprachdenkmäler 
9.— 15. Jahrh. Halle, 1893. 

Luchsinger, Molkereiger. = Chr. Luch- 
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Schweiz. Zürich, 1905. 

M61. Kurth = Melanges Godefroid Kurth. 
Liege, 1908. 

Mel. Walilund = Melanges de philologie 

romane, dedies ä Carl Wahlund ä 

■ l'occasion du cinquantiömeanniver- 

saire de sa naissance, 7. janvier 

1896. Macon, 1896. 

Mel. Wilmotte = Melanges de philo- 
logie romane et d'histoire litt^raire 
offerts ä M. Maurice Wilmotte ä 
Toccasion de son 25* anniversaire 
d'enseignement. Paris, 1910. 

Merlo, Stag. mes. = C. Merlo, I nomi 
romanzi delle stagioni e dei mesi. 
Torino, 1904. 

G. Meyer, Alban. Wb. = G. Meyer, 
Etymologisches Wörterbuch der 
albanesischen Sprache. Straßburg, 
1891. 

MILomb. = Memorie dell' Istituto lom- 
bardo. Milano. 

Mise. Ascoli = Miscellanea linguistica 
in onore di Graziadio Ascoli. Torino, 
1901. 

Mise. Ceriani = Miscellanea Ceriani, 
Raccolta di scritti originali per 
onorare la memoria di M^ Antonio 
Maria Ceriani. Milano, 1910. 

Mise. fil. ling. = Miscellanea di filologia 
e linguistica in memoria di Napo- 
leone Caix e Ugo Angelo Canello. 
Firenze, 1885. 

Mise. Graf = Miscellanea di studi cri- 
tici, edita in onore di Arturo Graf. 
Torino, 1903. 

Mise. Hortis = Miscellanea di studi in 
onore di Attilio Hortis. Trieste, 
1910. 



Mise. Rossi-Teiss = Miscellanea nuziale 
Rossi-Teiss. Bergamo, 1897. 

Moreira, Est. ling. portg. = J. Moreira, 
Estudos da lingua porluguesa. Lis- 
boa, 1907. 

MPh. = Modern Philology. A Quar- 
terly Journal devoted to research 
in Modern Languages and Litera- 
lures. Editors: Ph. S. Allen, Fr. J. 
Garpenter, C. v. Klenze. Chicago, 
1903 ff. 

MSLParis = Memoires de la societe de 
linguistique de Paris. Paris, 1868 ff. 

MSp. = Moderna Sprftk, Svensk Tid- 
skrift tV^r Undervisning i de tre 
HuvudsprÄken Tyska, Engelska, 
Franska, utgiven av C. S. Fearen- 
side, E. A. Meyer, C Polack under 
Medverkan av E. Rohde. Lund, 
1907 ff. 

Mussafia, Beitr. = A. Mussafia, Beitrag 
zur Kunde der norditalienischen 
Mundarten im 15. Jabrh. Wien, 
1873. 

NPhM. = Neuphilologische Mitteilungen, 
herausgeg. vom ^euphilologischen 
Verein in Helsingfors. Helsingfors, 
1889 ff. 

Ott, Etud. coul. franq. = A. G, Ott, 
Etüde sur les couleurs en vieux 
fran<;ais. Paris, 1899. 

Parodi-Rossi, Poes. dial. tabb. = E.G.Pa- 
rodi e Girolamo Rossi, Poesie in 
dialetto tabbiese del sec. XVH, il- 
lustrate da E. G. Parodi. Genua, 
1904. 

G. Paris, Mel. ling. = G. Paris, Me- 
langes linjjuistiques p. p. M. Roques. 
Paris, 1906—1909. 

PDSt. = Prager Deutsche Studien, her- 
ausgeg. von C. von Kraus und 
A. Sauer. Prag, 1905 ff. 

PIstr. = Pagine istriane, periodico men- 
sile scientifico - letterario - artistico. 
Capodistria, 1903 ff. 

Pu§cariu, Wb. = S. Pu§cariu, Etymo- 
logisches Wörterbuch der rumä- 
nischen Sprache. Heidelberg, 1905. 

R. = Romania, recueil trimestriel con- 
sacr6 ä l'etude des langues et des 
litteratures romanes, p. p. P. Meyer 
et G. Paris, Bd. I— XXXII. Paris, 
1872—1903; p. P. Meyer et A. Tho- 
mas, Bd. XXXni-XXXV. Paris, 
1904—1906; p. P. Meyer, Bd. 
XXXVI-XXXVm. Paris, 1906 ff. 
Dazu Table analytique des dix pre- 
miers volumes (1872 -1894) p. J. Gil- 



Abkürzungen. 



XVII 



lieron. Paris, 1885. Table dos 
Irente premiers volumes (1872 bis 
1901) p. le Dr. A. Bos. Paris, 
1906. 

RaBLItal. = Rassegna bibliografica 
tlella letteratura italiana. Direttori : 
A. D'Ancona e F. Flamini. Pisa, 
1893 ff. 

RCelt. = Revue Celtique, p. p. H. Gai- 
doz, Bd.I— XV. Paris, 1870—1884; 
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XVI ff, Paris, 1885 ff. 

RDRom. = Revue de dialectologie 
romane, dirigee par A. Alcover, 
J. Anglade, M. G. Bartoli, A. Doutre- 
pont, L. Gauchat, J. Geddes, J. Jud, 
J. Leite de Vasconcellos, R. Menen- 
dez Pidal, 0. Nobiling, A. Rivard, 
C. Salvioni, B. Schädel, E. Staaff. 
Bruxelles, 1909, 

RFICl. = Rivista di filologia e d'istru- 
zione classica. Direttori: J. Müller 
e D. Pezzi. Torino, 1873. 

RHisp. = Revue Hispanique, p. p. 

Foulche-Delbosc. Paris, 1894 ff. 
-RILomb. = Rendiconti del R. Istituto 
Lombardo. Milano. 

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estudos philologicos e ethnologicos 
relativos a Portugal, p. p. J. Leite 
de Vasconcellos. Porto, 1887 ff. 

RLRom. = Revue des langues romanes, 
p. p. la societe pour l'etude des 
langues romanes. Montpellier et 
Paris, 1870 ff. 

Rockel, Goupil = K. Rockel, Goupil, 
Eine semasiologische Monographie. 
Breslau, 1906. 

Rolla, Elina, dial. sard. -- P. Rolla, 
Alcune etimologie dei dialetti sardi. 
Cagliari, 1893. 

Rolla, Fauna pop. sard. = P, Rolla, 
Fauna popolare sarda, Casale, 
1895, 

Rolla, Second. sagg. di un vocab, etim. 
sard, = P. Holla, Secondo saggio 
di un vocabolario etimologico sardo. 
Gagliari, 1895. 

Rolla, Topon. calabr. =. p. Rolla, To- 
ponimia calabrese con una appeu- 
dice lessicale. Casale, 1895. 

Rom F. — Romanische Forschungen. 
Organ für romanische Sprachen 
und Mittellatein, herausgeg. von 
K, Vollmöller. Erlangen, 1883 ff. 

Rom. Gram, = W, Meyer-Lübke, Gram- 
matik der romanischen Sprachen, 
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RomSt. = Romanische Studien, heraus- 
geg. von E. Böhmer, Bd. I — VI. 
Straßburg, 1871 — 1886. 

RPhFrqProv. = Revue de philologie 
francaise et provencjale, p. p. L. G16- 
dat. ' Paris, 1889 ff. 

RSlav. = Rocznik slawistyczny wyda- 
wany przez Jana Losia, Leona 
Marikowskiego, Kazimierza Nitscha 
i Jana Rozwadowskiego. Revue 
slavistique publice par Jean Los, 
Leon MaiikoAvski, Casimir Nitsch 
et Jean Rozwadovi^ski. Kraköw- 
Cracovie; Lipsk-Leipsick; Warszawa- 
Varsovie, 1908 ff. 

Salvioni, Gloss. Arbed. = Glossario del 
dialetto d'Arbedo per V, Pellandini, 
con illustrazioni e note di C. Sal- 
vioni. Bellinzona, 1895, 

Salvioni, Lampyr. ital. = G. Salvioni, 
Lampyris italica. Saggio intorno ai 
nomi della „Lucciola" in Italia. 
Bellinzona, 1892. 

Salvioni, P*. — Postille italiane al vo- 
cabolario latino-romanzo. Memoria 
di C. Salvioni. Milano, 1897, 

Salvioni, P^. = Nuove postille italiane 
al vocabolario latino-romanzo. Nota 
del S. C. C. Salvioni. Milano, 1899. 

SBPhHKlAWWien = Sitzungsberichte 
derphilosophisch-historischen Klasse 
der kaiserlichen Akademie der Wis- 
senschaften. Wien. 

SBPreußAWBerlin = Sitzungsberichte 
der königlich preußischen Akademie 
der Wissenschaften. Berlin. 

Schneller, Rom, Volksmd. = Chr. Schnel- 
ler, Die romanischen Volksmund- 
arten in Südtirol. Gera, 1870, 

Schuchardt-Mussafia = Hugo Schuchardt 
an Adolf Mussatia. Graz, 1905, 

Schuchardt, Vok. Vulglat. = H. Schu- 
chardt, Der Vokalismus des Vul- 
gärlateins, Bd. I— 111. Leipzig, 
1866—1869. 

Simonet, Glos. Mozära b. = F. J, Simo- 
net, Glosario de las voces ibericas y 
latinas usadas entre los Mozärabes, 
Madrid, 1888. 

Solmi, Cart. volg. Cagl. = A, Solmi, 
Le carte volgari dell'archivio arci- 
vescovile di Cagliari. Firenze, 1905. 

Spräkvet. Sällsk. Uppsala B"'örh. = Spräk- 
vetenskapliga Sällskapets i Uppsala 
Förhandlingar 1906—1912. Upp- 
sala. 

StFR. =- Sludi di filologia romanza, 
p. d. E. Monaci, Bd. I— VII. Roma, 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



II 



XVIII 



Abkürzungen. 



1884—1897; d. E. Monaci e C. de 
Lollis; Bd. VIII. Roma, 1903. 

StGlItal. = Studi glottologici italiani, 
d. d. G. de Gregorio. Torino, 
1899 ff. 

StllalFCl. = Studi italiani di Filologia 
classica, ed. A. Vitelli. Firenze- 
Roma, 1893 ff. 

StR. = Studi romanzi, editi a cura di 
E. Monaci. Roma, 1901 ff. 

Streng, Haus und Hof im Frz. = Walter 
0. Streng. Haus und Hof im Fran- 
zösischen. Helsingfors, 1907. 

Subak, Propos. test. sard. = G. Subak, 
A proposito di un anlico testo sardo 
bricciche linguistiche. Trieste, 1903. 

Tappolet, Verwandtschaften. — E. Tap- 
pelet, Die romanischen Veiwandt- 
schaftsnamen. Slraßburg, 1895. 

Thomas, Ess. — A. Thomas, Essais de 
Philologie fran<;aise. Paris, 1897. 

Thomas, Mel. = A. Thomas, Melangcs 
d'etymologie francaise. Paris, 190:2. 

Thomas, Nouv. ess. = A. Thomas, Nou- 
veaux essais de philologie fran<jaise. 
Paris, 1904. 

Thurneysen, Keltorom. = R. Thurneysen, 
Keltoromanisches. Halle, 1884. 

Tiktin, Wb. =. H. Tiktin, Rumänisch- 
Deutsches Wörterbuch, Bukarest, 
1903. 

Tobler, Cato = A. Tobler, Die altvenez. 
Übersetzung der Sprüche des Dio- 
nysius Gato. Berlin, 1884. 

Tobler, Verm. Beitr. = A. Tobler, Ver- 
mischte Beiträge zur französischen 
Grammatik, II. Aufl. Leipzig, 190S2. 

Upps. Rom. Fil. = Uppsatser i romansk 
filologi tillägnade Professor P. A. Gei- 
Jer pä hans sextioärsdag, den 
9. April 1901. Uppsala, 1901. 

Vidossich, Stud, dial. triest. = G. Vidos- 
sich, Studi sul dialetto triestino. 
Trieste, 1901. 

VMKAWAmsterdam = Verslagen en 
Mededeelingen der koninklijke Aka- 
demie van Wetenschappen. Amster- 
dam. 

WS. = Wörter und Sachen. Kultur- 
historische Zeitschrift für Sprach- 
und Sachforschung, herausgeg. von 
R. Meringer, W. Meyer -Lübke, 
J. J. Mikkola, R. Much, M. Murko. 
Heidelberg, 1909. 

WSt. = Wiener Studien, Zeitschrift für 
klassische Philologie, herausgeg. 
von W. Hartel und K. Schenkl, 
Bd. I— XVHI. Wien, 1879—1897; 



von K. Schenkl und Fr. Marx, Bd. 
XIX— XX. Wien, 1898— llKK); von 
K. Schenkl und E. Hauler, Bd. XX. 
Wien, 1901; von E. Hauler und 
H. von Arnim, Bd. XXI ff. Wien, 
1902 ff. 

Zanardelli, App. less. top. = T. Zanar- 
delli, Appunli lessicali e topono- 
mastici. Bologna, 1902. 

ZCeltPh. -- Zeilsclirifl für celtische 
Philologie, herausgeg. von K. Meyer 
und L. Chr. Stern. Halle. 1897 ff. 

ZDWF. ^ Zeitschrift für deutsclie Wort- 
forschung, herausgeg. von F. Kluge. 
Straßburg, 1900 ff. 

ZFrzSpL. = Zeitschrift für neufran- 
zö.sische Sprache und Literatur, 
herausgeg. von G. Körting und 
E. Koschwitz, Bd. I— VIII. Oppeln 
und Leipzig, 1879-1886; von 
l). Behrens und H. Körting, Bd. IX 
und X. Zeitschrift für französische 
Sprache und Literatur, herausgeg. 
von D, Behrens und H. Körting, 
Bd. X — XII. Oppeln und Leipzig, 
1887—1895; herausgeg. von D.Beh- 
rens. Bd. XHI. Oppeln. und Leipzig, 
1891; Bd. XIV ff Berlin. WH IW 

Zöckler, Beteuerungsform. — H. Zöckler, 
Die Beteuerungsformeln im Fran- 
zösischen. Cliemnilz und Leipzig, 
19(X). 

ZRl'h. = Zeitschrift für romanische 
Philologie, herausgeg. von G. Gröber. 
Halle, 1870 ff. 

ZRPh., Bhft. =^ Beihefte zur Zeitschrift 
für romanische Philologie, heraus- 
geg. von G. Gröber. Halle, 1905 ff. 

ZRSch. = Zeitschrift für das Realschul- 
wesen, herausgeg. von J. Kolbe, 
J. G. Hofmann und W. Wachanek, 
Bd. I— IL Wien 1870—1877; von 
J. Kolbe, A. Bechtel und M. Kuhn, 
Bd. HI-XIH. Wien, 1878—1888; 
von J. Kolbe, A. Bechtel und 
M. Glöser, Bd. XIV-XIX. Wien, 
1889 — 1897; von C. Czuber, A. 
Bechtel und M. Glöser, Bd. XXH fl'. 
Wien, 1898 ff. 

ZVglSpF. = Zeitschrift für vergleichende 
Sprachforschung auf dem Gebiete 
des Deutschen, Griechischen und 
Lateinischen, herausgeg. von A. 
Kuhn, Bd. I— XXII. Beriin, 18.52 
bis 1874. Zeitschrift für ver- 
gleichende Sprachforschung auf 
dem Gel)iete der indogermanischen 
Sprachen, herausgeg. von A. Kuhn, 



Abkürzungen. 



XIX 



Bd. XXIII— XXIV. IJerlin, 1877— 
187'J; lierausi,'eg. von A. Kulm, 
E. Kuhn und J. Schmidt, Bd. XXV. 
Berhn, 1881; von E. Kuhn und 
J. Schmidt, Bd. XXVI -XXXVII. 
Berlin, 1883 — 1885; Gütersloh, 
1887—1900; von E. Kuhn und 



W. Schulze, Bd. XXXVIII-XL. 

Gütersloh, 11)05-1907. Neue Folge, 
vereinigt mit den Beiträgen zur 
Kunde der indogermanischen Spra- 
chen, herausgeg. von A. Bezzen- 
berger, E. Kuhn und W. Schulze, 
Bd. XLIir. Götthigen, 1907 11". 



11. Sprachen und Dialekte. 



abruzz. = Mdart der Abruzzen. 

abt. = Mdart von Abtei (Tirol). 

agnon. = Mdart von Agnone (Abruzzen). 

ags. = angelsächsisch. 

alban. = aPoanesisch. 

alemt. = Mdart von Alemtejo (Por- 
tugal). 

aleman. — alemannisch. 

alessand. = alessandrinisch. 

algarv. = Mdart von Algarve (Süd- 
portugal). 

ampezz. = Mdart von Ampezzo (Süd- 
tirol). 

ancon. = Mdart von Ancona. 

andal. = andalusisch. 

anglonorm. = anglonormannisch. 

anj. = Mdart von Anjou. 

aprigl. = Mdart von Aprigliano (Ka- 
labrien). 

apul. = ai)ulisch. 

aquil. = Mdart von Aquila (Abruzzen). 

arab. = arabisch. 

arag. — aragonesisch. 

arbed. ■= Mdart von Arbedo (Tessin). 

arcev. = Mdart von Arcevia (Marche). 

aret. = aretinisch. 

arpin. = Mdart von Arpino (Terra di 
Lavoro). 

ascol. -— Mdart von Ascoli. 

astur. = asturisch. 

aun. = Md. von Aunis. 

auvergn. = Mdart von Auvergne. 

avell. = Mdart von Avellano (Neapel). 

aveyr. = Mdart von Aveyron (Söd- 
frankreich). 

nzor. = Mdart der Azoren. 

banat. = Mdart des Banat (Südungarn). 

bask. = baskisch. 

bayon. = Mdart von Bayonne. 

bearn. = bearnisch. 

beir. — Mdart von Beira (Portugal). 

beif. = Mdart von Bei fort. 

bellinz. = Mdart von Bellinzona. 

bellun. = Mdart von Belluno. 



bergam. = bergamaskisch. 

bergell. = Mdart des Bergeil (Grau- 
bünden). 

bergün. = Mdart von Bergün (Grau- 
bünden). 

berrich. == Mdart von Berry. 

bess. = Mdart von Bessin (Normandie). 

bitt. = Mdart von Bitti (Sardinien). 

blais. = Mdart von Blois. 

b.-manc. = Mdart von Bas-Maine. 

bologn. = bolognesisch. 

bordel. = Mdart von Bordeaux. 

borm. = Mdart von Bormio. 

boul. = boulognesisch (Pikardie). 

bourb, = Mdart von Bourberain (Cöte- 
d'or). 

bourn. = Mdart von Bournois (Doubs). 

bresc. = brescianisch. 

bress. ^= Mdart von Bresse. 

bress.-louh. =^ Mdart der Bresse-Louhan- 
naise (Ostfrankreich). 

breton. = bretoniscb. 

brianz. = Mdart der Brianza (Mailand). 

buchenst. = Mdart von Buchenstein 
(Tirol). 

bukow. = Mdart von Bukowina. 

bürg. = burgundisch. 

cagl. = Mdart von Cagliari (Sardinien). 

camer. = Mdart von Camerino (Mace- 
rata). 

campid. — campidanisch (Sardinien). 

campob. —- Mdart von Campobasso 
(Molise, Abruzzen). 

campodolc. = Mdart von Compodolcino 
(Puschlav). 

canav. = Mdart vou Canavese (Piemont). 

canistr. = Mdart von Canistro (Abruz- 
zen). 

cant. = Mdart von Cantal. 

carc. = Mdart von Carcassonne. 

castel. = Mdart von Castelnuovo (Pie- 
mont). 

cerign. = Mdart von Cerignola (Capi- 
tanata), 

II* 



XX 



Abkürzungen. 



cliamp. = Mdart der Champagne. 

chian. = chianaiolisch (Arezzo). 

chiavenii. = Mdart von Chiavenna. 

comask. = co maskisch. 

corez. = Mdart von Coreze. 

cosent. = cosentinisch (Kalabrien). 

crem. = cremonesisch. 

dahnat. = dalmatinisch. 

dauph. = Mdart des Dauphine. 

dem. = Mdart von Demuiii (Pikardie). 

doml. = Mdart von Domleschg. 

emil. = emilianisch. 

engad. = engadinisch. 

engl. = englisch. 

ert. = Mdart von Erto (Tirol). 

estrem. = Mdart von Estremadura (Por- 
tugal). 

ferr. = ferrarisch. 

lium. = fiumanisch. 

fläm. = flämisch. 

flandr. = flandrisch. 

florent. = florentinisch. 

forez. = Mdart von Forez. 

fourg. = Mdart von Fourgs (Doubs). 

franche-comt. = Mdart der Franche- 
Comte. 

fränk. = fränkisch. 

freib. = freiburgisch. 

friaul. = friaulisch. 

fries. =^ friesisch. 

frz. = französisch. 

gäl. = gälisch. 

galiz. = galizisch. 

gall. = gallisch. 

gallur. = gallurisch (Sardinien). 

garonn. = Mdart der Garonne, 

gask. = gaskonisch. 

gay. — Mdart von Gaye (Marne). 

gen. = genuesisch. 

genf. = Mdart von Genf. 

germ. = germanisch. 

gevaud. = Mdart von Gevaudan (Söd- 
frankreich). 

gilb. = Mdart von Gilhoc (Südfrank- 
reich). 

gir. = Mdart von Gironde. 

grey. = Mdart von Greyerz. 

griech. = griechisch. 

grödn. = grödnerisch. 

got. = gotisch. 

hd. = hochdeutsch. 

hebr. = hebräisch. 

henneg. — Mdart des Hennegau. 
herem. = Mdart von Heremence (Wal- 
lis). 
h.-pyr. = Mdart des Departements Hau- 

tes-Pyrenees. 
imol. = Mdart von Imola. 



inleram. = Mtl.ui von Trasos-Rios 
(Portugal). 

ir. = irisch. 

irp. = irpinatisch. 

islr. = istrisch. 

isti-.-rum. = iitro-rumänisch. 

ital. = italienisch, 

judik. = judikarisch. 

judfrz. = judenfranzösiscb. 

judspan. = judenspanisch. 

jur. = jurassisch. 

kalabr. = kalabresisch. 

katal. = kaLalanisch. 

kors. = korsisch. 

kymr. = kymrisch. 

lanc. = Mdart von Lanciano (Al)ruz- 
zen). 

land. = Mdart der Landes. 

langob. = langobardisch. 

langued. = Mdart der Languedoc. 

lat. = lateinisch. 

lecc. = Mdart von Lecce (Apulien). 

ledrot. = Mdart vom Ledrot al (Süd- 
tirol). 

ligur. = ligurisch. 

limous. = limousinisch. 

livorn. = livornesisch. 

lod. = Mdart von Lodi. 

log. = logudoresisch. 

lomb. = lombardisch. 

lothr. = lothringisch. 

loz. = Mdart von Loz^re (Südfrankreich). 

lucch. = lucchesisch. 

lütt. = Mdart von Lüttich. 

lyon. = lyonnesisch. 

macer. = Mdart der Macerata. 

magyar. = magyarisch. 

niail. =■ mailändisch. 

mallork. = mallorkanisch. 

maiit. = mantuanisch. 

march. = marchisanisch. 

mars. = Mdart von Marseille. 

mass.-carr. = Mdart von Massa-Carrara. 

mazed. = mazedonisch. 

niegl. = Mdart von Meglen. 

menork. = menorkanisch. 

messin. = Mdart von Messina. 

metaur. = Mdart des Metaurogebietes. 

metz. = Mdart von Metz, 

mexic. = mexikanisch. 

minh. = minhotisch (Portugal). 

mirand. = Mdart von Miranda (Por- 
tugal). 

mirandol. = Mdart von Mirandola (Mo- 
dena). 

misox. = Mdart des Misox. 

raoden. = modenesisch. 

modic. = Mdart von Mod' 



Abkürzungen. 



XXI 



mol. — ■ Mdart der Molise. 
iiiold. = Mdart der Moldau. 

molfett. = Mdart von MoUetta. 

mondov. = Mdart von Mondovi (Pie- 
niont). 

monferr. ■= monferriniscli. 

montal. = montalesisch (Pistoja). 

niontbel. = Mdart von Montbeliard. 

morv. = Mdart des Morvand, 

mozarab. = mozarabisch. 

mugg. — Mdart von Muggia (Istrien). 

münstert. = Mdart des Münstertales 
(Graubünden). 

niurc. = Mdart von Murcia (Spanien). 

nam. = Mdart von Namur. 

nd. = niederdeutsch. 

neap. = neapolitanisch. 

neuen b. = neuenburgisch. 

nicos. = Mdart von Nicosia (Sizilien). 

nidwald. = nidwaldisch. 

niederl. = niederländisch. 

nivern. — Mdart des Nivernais. 

nizz. = Mdart von Nizza. 

nonsb. = nonsbergisch. 

nord. = nordisch. 

norm. ^= normannisch. 

not. = Mdart von Noti (Sizilien). 

obwald. = obwaldisch. 

orm. = Mdart von Ormea (Piemont). 

orviet. = Mdart von Orvieto. 

osk. = oskisch. 

ossol. = Mdart von Domodossola. 

otrant. = otrantisch. 

päd. = paduanisch. 

parm. = parmigianisch. 

perpign. = Mdart von Perpignan. 

perug. = peruginisch. 

piac. = piacentinisch 

piazz. — Mdart von Piazza Armerina 
(Sizilien). 

piem. = piemontesisch. 

pikard. = pikardisch. 

pisan. = pisanisch. 

pistoj. -— pistojesisch. 

poitev. = poitevinisch. 

portg. = portugiesisch. 

prov. = provenzalisch. 

puschl. = Mdart des Puschlav (Grau- 
bünden). 

ragus. = ragusäisch. 

rtätor. r= rätoromanisch. 

reat. = i-eatinisch. 

regg. = Mdart von Reggio (Eniilia). 

regg.-kalabr. = Mdart von Reggio (Ka- 
labrien). 

reims. = Mdart von Reims. 

rom. = romanisch. 

röm. = römisch. 



romagn. = romagnoliscli. 

rouch. = Mdart des Rouchi. . 

rouerg. = Mdart des Rouergue. 

rover. = Mdart von Rovei-eto (Süd- 
tirol). 

rovign. = Mdart von Rovigno (Istrien). 

rum. = rumänisch. 

Saint Hub. = Mdart von Saint- Hubert 
(Belgien). 

saintong. = Mdart der Saintonge. 

saintpol. = Mdart von Saint-Pol (Pi- 
kardie). 

salern. = Mdart von Salerno. 

San-Frat. = Mdart von San Fralello. 

sard. = sardisch. 

sarz. = Mdart von Sarzana (Genua). 

sassar. = Mdart von Sassari (Sar- 
dinien). 

sav. = savoyisch. 

Schweiz. = schweizerisch. 

schweizd. = Schweizerdeutsch. 

sen. = senesisch. 

serb. = serbisch. 

serb.-kroat. = serbo-kroatisch. 

siebeiib. = siebenbürgisch. 

sill. = Mdart von Sillano (Toskana). 

siz. = sizilianisch. 

slav. = slavisch. 

soran. = Mdart von Sora (Terra dl La- 
voro). 

span. = spanisch. 

stall. = Mdart von Stalla (Engadin). 

subiac. = Mdart von Subiaco (Rom). 

sulzb. = sulzbei'gisch. 

tagg. = Mdart von Taggia (Genua). 

tarent. = tarentinisch. 

temp. = Mdart von Tempia (Korsika). 

teram. = Mdart von Teramo. 

tess. = tessinisch. 

tirol. = tirolisch. 

torton. = Mdart von Tortona (Piemont). 

tosk. = toskanisch. 

toul. = Mdart von Toulouse. 

transmont. = transmontanisch (Por- 
tugal). 

trevis. = trevisanisch. 

trient. = trientinisch. 

triest. = triestinisch. 

türk. = türkisch. 

umbr. = umbrisch. 

urb. = urbinatisch. 

val-anz. = Mdart der Val Anzasca. 

val-blen. =. Mdait der Val di Blegno. 

val-canobb. = Mdart der Val Canobbia. 

valenc. = valencianisch. 

val-gand. = Mdart der Val Gandino. 

val-levent. = Mdart der Val Leventina. 

val-magg. = Mdart der Val Maggia. 



XXII 


Abkürzungen. • 


val-sass. = Mdart der Val Skssina. verzas. = Mdarl der Verzasca. 


val-ses. = Mdart der Val Sesia. 


viar. = Mdart von Viarejrgio. 


val-soa. = Mdart der Val Soana. 


vicent. = vicentinisch. 


vegl. = vegliotisch. 


vionn. = Mdart von Vioniiaz. 


velletr. = velletrisch. 


vivar. = Mdart von Vivarais. 


veltl. = veltlinisch. 


viver. = Mdart von Viverone (Piemonl), 


vend. = Mdart der Vendee. 


vulglat. = Vulgärlatein. 


venez. = venezianisch. 


waatl. = waatlnndisch. 


ventimigl. = ventimiglianisch. 


wald. = waldensisch. 


veron. = veronesisch. 


wallon. = wallonisch. 


Versil. = Mdart der Versllia. 


Wallis. = wallisisch. 



III. Andere Abkürzungen. 



a. = alt. 

Ablt. = Ableitungen. 

Adj. = Adjektiv. 

adj. = adjektivisch. 

Adv. = Adverbiura. 

bzw. = beziehungsweise. 

dergl. = dergleichen. 

Dial. = Dialekte. 

dial. = dialektisch. 

Fem. = Femininum. 

id. = idem. 

imperat. = imperativisch. 

Inf. = Infinitiv. 

Interj. = Interjektion. 

Konjekt. = Konjektur. 

Konj. = Konjugation. 

Konjunkt. = Konjunktiv. 

Konj. W. = Konjugationswechsel. 

m. = mittel. 

Mask. = Maskulinum. 

n. = neu. 

Neubild. = Neubildung. 

Neutr. = Neutrum. 



Nom. = Nominativ. 

ob. = ober. 

Partizip. = Partizipium. 

Part. Präs. = Partizipium PräseiUis. 

Plur. = Plural. 

Poss.-Pronom. = Possessiv-Pronomen. 

Präf. = Präfix. 

Pnlf. VV. = Präfl.x Wechsel. 

Präp. = Präposition. 

Rückbild. == Rückbildung. 

s. = siehe. 

Sing. = Singular. 

spr. = sprich. 

Subst. = Substantiv. 

Suflf. = Suffix. 

SufT. W. = Suffixwechsel. 

u. = unter. 

usw. = und so weiter. 

vgl. = vergleiche. 

volksetym. = volksetymologisch. 

Zssg. = Zusammensetzung. 

z. T. = zum Teil. 



IV. Zeichen. 



* Nicht belegte, sondern erschlossene 
Form oder Bedeutung. 

[ ] Buchwort. 

() Nicht annehmbare Etymologie. 

(>) Das darin eingeschlossene Wort ist 
aus dem vor dem > -Zeichen 'stehen- 
den Worte entlehnt. 



-f Kontaminierte Form. 

Mit kursiven Zahlen wird auf die Num- 
mer der einzelnen Artikel des Wörter- 
buches hingewiesen. 

(x) In Klammer gesetzte einzelne Buch- 
staben bedeuten, daß das betreffende 
Wort auch ohne diesen Laut üblich ist. 



IC 



ROMANISCHES ETYMOLOGISCHES 
WÖRTERBUCH 



A. 



1. ä ab ^von". 

Asard. ava, ave, vielleicht in engad. 
a döss entsprechend a tebgo , hinter", 
^über", „an", afrz. as diables me faz 
pofter en pai-'eis; a droite nach A dex- 
TEiiA; ä bei laisser, faire mit Inf. und 
dergl., ebenso prov. Mit d- von de: 
ital. da, alog. dava, dave, nlog. dae, 
obwald., engad. da. E. Richter, Ab im 
Komanischen, 1904; ZRPh. XXV, 602. 

2. abäcus „Rechenbrett". 

[Ital. ahbacOf sen, albaco, frz. abaque, 
prov. nbac, katal. abach, span., portg. 
abaco. — Ablt.: ital. abbacare, pistoj., 
lucch. ambacare, sen. albacare „*rech- 
nen", „hin und her sinnen", „phanta- 
sieren", „ungereimt reden", messin. 
hak-iari „schätzen", StGlItal. I, 31, siz. 
obbakiari „genau beobachten", „foppen", 
„hinziehen"]. Diez, Wb. 351. 

3. *aballinca (gall.) „Alpenmispel". 
Prov. ab(e)lanco, aberlenco, amelenco, 

(> frz. amelanche). Thomas, Mel. 14; 
ZRPh. XXVI, 4-21. 

4. abaute „vor" (2. Jhrh.), ALLG. 
V, 335. 

Arum. ainte Präp., Pu§cariu, Wb. 46, 
ital. avanti, engad. avaunt, friaul., frz. 
arant, prov. avans Präp. Adv., abans 
„eher", „vielmehr" mit auffälligem -b-, 
katal. avant { > aspan., portg. avante Adv.) 
ALLG. I, 437. — Ablt.: frz. avantage 
O \iü\. rantaggio , span. ventaja, portg. 
ventagem) „Vorteil", pikard., norm, arä, 
fivät „lief", avätör „Tiefe", siz. vantali, 
mantali, fantali, regg.-kalabr. fandali 
{nach falda) RILomb. XL. 1050, portg. 
avantal, avenial RL. I, 298 „Schürze". 

— Mit Präf. W. : frz. devant. — Ablt. : 
afrz. devantail, westfrz. dvätyö, ostfrz. 
<h'äti (-ier), westfrz. dväty^r (-Ure), 
wallon. (djvätre, lyon. deväti „Schürze*. 

— Zssg. : ital. davanti, prov. davon. — 
Ablt.: prov. davantalh, danmntal, -ail. 



-au, VdXdl. dabantal „Schürze". At. Ling. 
1274. 

5. *abantiare „vorwärts bringen", 
„vorwärts kommen". 

Ital. aranzare,, engad. (ajvaunzer, 
friaul. vantsd, frz. avancer, prov., katal. 
avansar (^ span. avanzar, portg. avan- 
f«r). ALLG. I, 240. 

6. abarka (bask.) „Schuh". 

Nprov. barco, span., portg. abarca 
„Bundschuh aus der behaarten, rohen 
Tierhaut". ZRPh. XXXII, 43. (Zusam- 
menhang mit BARCA 950, ZRPh. XV, 
115 ist sachlich nicht begründet). 

7. abax, -äcis „Schenktisch". 
Span. abdz. — Ablt.: abacero „Vik- 

tualienhändler". 

8. abbas, -ätis (2. Jhrh.) „Abt". 
Ital., [log.] ab(b)ate, [engad.], friaul. 

abad, afrz. dbes ahet, nlrz. abbe, aprov. 
äbas abdt, katal. abat, span. abad, porfg. 
abbade. — Ablt.: span. Okatal.) abadejo 
O portg. badejo) „Stockfisch". 

9. abbaiia (7. Jahrh.) „Abtei". 

Ital. badia, [log., engad. abadia, engad. 
abazia], iriaul. badie, frz. abbaye, prov., 
katal., span. abadia^ portg. abbadia. 

10. abbatissa (6. Jahrh.) „Äbtissin". 
Ital. (ajbadessa (/> log.), engad. aba- 

dessa, friaul. badese, frz. abbesse, prov., 
katal., span. abadesa, portg. abbadessa. 

11. abbattuere (6. Jahrh.) „herab- 
schlagen". 

Rum. abate „ablenken", ital. abbattere, 
engad. abdter, frz. abattre, prov., katal. 
abatre, .span. abatir, portg. abater, 

12. *abbiberare „tränken". 

Ital. abbeverare, engad. bavrer, friaul. 
beverä, frz. abreuver, prov., katal. abeu- 
rar^ span., portg. abrevar, portg. ahe- 
berar. ALLG. 1, 250. — Ablt. : ital. ab- 
bevei-atoio, engad. bavraduoir , frz. 
abreuvoir, prov., katal. abeurador, span. 
abrevadero „Tränke". At. Ling. 20. 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



2 



13. *abbrachicare — 25. *abieteus. 



13. *abbrachicare ,umarmen\ 
Span., portg. aharcar „umfassen", 

Diez, Wb. 430. — ? 

14. abbreviare (4. Jahrh.) „abkürzen". 
Ital. abbreviare (y engad. abrevier), frz. 

abreger, prov., akatal. abreujar, span., 
portg. abrevtar. ALLG. I, 233. Die 
nicht ganz durchgeführte lautliche Ent- 
wickelung im Ital. wird durch den 
Einfluß von breve zu erklären sein. 

15. *abbürare „verbrennen", vgl. 
buratum: incensum CGIL. V, 272,43; 
444, 9. 

Rum. aburä und -i „verdampfen", 
ital., log. abburare, sen. burare, nprov. 
abrä, span., galiz. abwar; lyon. abiirö, 
forez. aberä „Schmerz verursachen", 
wohl auch sublac. abburare „überlaufen" 
(von siedendem Wasser u. dergl.) Caix, 
Stud. 132; Rom. Gram. II, 141 ; R.XXV, 
130. — Ablt. : rum. boare „Dunst", 
abur „Dampf". Tiktin, Wb. ; Pu§cariu, 
W^b. 5; frz. biire „Freudenfeuer", „der 
Platz, auf dem ein Feuer angezündet 
wird" SBPhHKlAWWien CLVI, 5, 77. 
(Aburä AVOLAitE „wegfliegen" wegen 
alban.rt»Mio« „dampfen" AARom. XXIX, 
201 liegt begrifflich fern). 

16. a b c. 

Aspan. auze „Geschick", aportg. ave- 
ziböo „glücklich", avezimao „unglück- 
lich", ausgehend von der vielfach be- 
zeugten zauberisch-mystischen Verwen- 
dung des Ä. B. C. ZRPh. XXX II, 423. 
(auspicium Diez, Wb. 423 ist lautlich, 
*AVEXzvi AVIS R. X, 76 morphologisch, 
^P£X ZRPh. VI, 167; VIll, 224 begrifl-- 
lich unmöglich). 

17. abellana {nux) „Haselnuß". 
Rum. alunä, ital. avellana, veron. 

olano, urb. ulen, campid. oddana, judik, 
ffulana, prov. avelana (^mfrz. avelaine, 
nfrz. aveline), westprov. au(g]lano, cant., 
aveyr. ouglano, katal. ballana, span. 
avellana, porig. avellä. (Rum.-«- lautlich 
Tiktin, Wb., aber ohne Analogie; Um- 
stellung aus *ulana ZRPh. XXVIII, 641 ; 
Suff. W. -und statt -ona KJBFRPh. 
VI, 1, 160; Pu^cariu, Wb. 78 bringt ein 
sonst nicht übliches Suffix). — Ablt.: 
rum. alun, ital. aveUano, prov. ave- 
lanier, frz. avelinier, katal. ballaner, 
span. avellanar, portg. avelleira „Hasel- 
strauch"; galiz. avelendo -etum. — 
Es scheint schon lat. *aullana neben 
ABELLANA bestanden zu haben, vgl. 
AVOLANA CGIL. III, .3.58, 53. — ZRPh. 
XXVIII, 641; At. Ling. 918; 919, vgl. 



18. (Mazed. alunar „Juli" nicht hierher 
gehörend, sondern aus ngriech. alonaris 
„Dreschmonat" G. Meyer, Alban. Wb. ; 
Pu§cariu, Wb. 70). 

18. *abellania „Haselnuß". 
Ostprov. oulaüo, dauph. olafii, alaAi, 

sav. oloflf, afiol^, Schweiz, aloüe, bress.- 
louh. alön. Die Ableitung gehört haupt- 
sächlich dem südostfranzösischen Ge- 
biete an und zeigt z. T. Umstellung von 
au-ä zu a-äti, bzw. Angleichung zu 
a-A. Thomas, Ess. 81 ; ZRPh. XXVIII, 
641; At. Ling. 918; 919. 

19. aberrare „abirren". 

Log. aerrare „irren". Salvioni, P.*. 
Kann auch Neubildung sein. 

20. ab extra „von außen". 
Kalabr. avestrn „ausgenommen". 

21. ab hiiic „von hier". 

Alog. avinche „jenseits" AGlItal. XIII, 
109. 

22. ab h5c „von da". 

Afrz. avnec Adv. „zugleich", nfrz. avec 
Präp. „mit", n\or\ihel.,he\f.d^v6, franche- 
comt. dvo, dvö. Die Bedeutungsenlwicke- 
lung ist: „von da", „unmittelbar nach",^ 
„zu gleicher Zeit", „zusavnmen mit", 
„dabei", „bei", „mit". E. Richter, Ab im 
Romanischen 103; ZRPh. XXVI, 548. 
(Bei APUD HOC Diez, Wb. 513 bleibt 
unerklärt, wie in Nordfrankreich apui> 
neben od [566] auch *«/> hätte ergeben 
können, das die Grundlage für avuec sein 
müßte. Ad ffOf Baust, z. rom. Phil. 61 ; 
KJBFRPh. IX, 1,64 macht begrifflich 
und lautlich Schwierigkeit). 

23. abhorrescerc „verabscheuen". 
Ital. ab{b)orrire, [afrz. aborrir], lyon. 

avorri, prov. aorrir, akatal. avorrir, 
nkatal. aborrir, aborreixer (y log. ab- 
borressere), aspan. aborrir, nspan. abur- 
rir, aborrecer, aportg. avorrecer, n portg. 
abwrir, aborrecer. 

24. abies, -ietis „Tanne", 2. abete 
Einführung 110. 

2. Ligur. ave, ossol. eved, val-ses. avei, 
Tß\?iC. aved, venez., päd. «^feco; mit auf- 
tälliger Behandlung des -b-: ital. abeto, 
apul., kalabr. apitu, siz, abbitu, march. 
ubbeta, [span., portg. abeto, gask., katal. 
abet, ital. abete]. Mussafia, Beitr. 25; 
RlLomb. XXXLX, 621 ; AGlItal. XVI, 286. 

25. *abieteus „aus" oder „von Tan- 
nen", 2. „Tanne". 

2. Tirol., crem, avets, bergam., bresc. 
a(v)es, puschl, uengad. viets, bergeil. 
amblets, [ital. abezzo, mail. abies, mant> 
abets] RILomb. XLI, 202; XLU, 977. 



2G. *abietinus — 39. abrötönum. 



'■IQ. *al)ietimis ^Weißlanne". 
Venez. avedin, friaul. lavadhi. Sal- 
vioni, P.^ 

27. *abi^o, -onis ^Viehknecht". 
Portg. abegoo, azor. ahugäo „Wagner, 

der Pflüge und Karren macht". 

28. abinde „von da". 

Alog. avinde, obwald. davent „davon", 
navent „weg davon" (portg. amrf« 4566"), 

29. abintro „von drinnen". 
Abruzz., mol. davendre, aquil. da- 

ventro „drinnen". Doch ist auch laut- 
HcheEntwickelungaus daentro möglich, 
vgl. march. nivente aus niente AGlItal. 
XVI. 215. 

30. abintns „von drinnen". 
Engad. davains, afrz., wallon. devenz 

„innerhalb", im Anlaut an dedans und 
defors angelehnt. (*defintus nachD^;- 
F0RA8 als Grundlage von devenz ist 
nicht wahrscheinlich, da jede sonstige 
Spur von *1)EFINTUS fehlt). 

31. *abi8nius „Hölle", „Abgrund". 
Frz. abime, prov. abisme, span. (> 

log.), portg. abismo. ALLG. I, 233. Un- 
erklärte Weiterbildung von abyssos 56, 
kaum *abissimns Dict. Gen. oder ein 
Superl. *abississhmis Diez, Wb. 3, da 
die Synkope des Nachtonvokals im 
Span., Portg. auffallen würde, ehe)' An- 
bildung an andere griechische Wörter 
auf -ismus. Berger, Lehnw. 287. 

32. *ablnta „das Abgewaschene", 
„Abschaum", „Schmutz". 

Aital. bmta „fettige Schmiere zum 
Glätten der Dreschtenne", pistoj. biuta, 
bologn. biuda, parm. bida „Kuhmist"; 
romagn. biuda „Eiweiß", dauph. bliido 
„Schlamm", jur. yü „Jauche", vgl. 
alban. btute, serb. bluta „Kahm auf dem 
Wein", ngriech. blufu „roter Ausschlag 
am Körper" (bvcita AGlItal, Suppl. 
V, 173 ist ohne weiteres abzulehnen, 
eher *obluta AGlItal. XV, 373). 

33. ab ociills „blind". 

Aital. (njvocolOf amail. avögal, frz. 
aveugle (^ nprov. avugle). — Ablt.: 
aital. avocolare, frz. nveugler. Das Wort 
entstammt der Sprache der Mediziner 
und ist eine Nachbildung des Griech. 
ap' onrmaton „ohne Augen". Diez, 
Wb. 32; ALLG. I, 2.33; Berger, Lehnw. 
275. (Aus albmn oculi „Star", albios 
oculos : starapUnter Kass. Gloss. 173: 
ZRPh.XXVI, 732; XXX, 85 kommt nicht 
in Betracht, da ab occlis belegt ist. 
Nachahmung des Byzantinischen auf 
dem Wege der Rechtsprache G. Paris, 



M61. Ling. 325 ist historisch unwahr- 
scheinlich; für Annahme einer Bildung 
durch Germanen AGlItal. III, 355 fehlt 
jeder Anhaltspunkt. — Piem. lajöl 
„Eidechse" AGlItal. XIV, 369 gehört 
kaum hierher, da ab oculis hier nicht 
bodenständig ist. Vgl. 4821. Rum. 
bazaochiü „schieläugig", *bisaboculus 
Tiktin, Wb. i.st ebenfalls abzuweisen, da 
AB 0CULI8 zu jung ist, um im Rum. 
zu erscheinen und das -z- nicht paßt, 
vgl. eher slav. bezokij „augenlos"). 

34. abominatns „mit Abscheu er- 
füllt". 

Afrz. ff&o(s)m^ „entsetzt", „außer Fas- 
sung", abomer „mit Entsetzen erfüllen" 
Diez, Wb. 502; Tobler, Verm. Beitr. 
I, 147. (Zu balma 916 ZRPh. XIX, 57 ist 
begrifflich und lautlich unmöglich, Ein- 
fluß von VOMERE R. XXVII, 231 un- 
nötig, zu ATOSTEMA ZRPh. XXX, 470 
begrifflich nicht ohne weiteres ein- 
leuchtend und bei dem Mangel des ein- 
fachen Wortes im volkstümlichen Ro- 
manischen und der Fraglichkeit des -s- 
im Afrz. bedenklich). 

35. abonnis (7. Jahrb.) „Art Mütze". 
Frz. bonnet, prov. bonet (^ span. 

bonete), Herkunft unbekannt. (Dict. Gen. 
ursprünglich Stoff' hezeichnung nach dem 
ältesten Belege; un chapel ot de bonet 
en sa teste stimmt zu dem lateinischen 
Worte nicht). 

36. aboogerdan (afrikanisch) „Silber- 
reiher". 

Frz. boeuf-garde, garde-boeuf. RomF. 
HI, 488. 

37. abortare „eine Fehlgeburt ma- 
chen". 

Tosk. aortare „beschmutzen", sill. 
avortar, frz. avorter Salvioni, P.^. — 
Ablt.: s^din. artuna, ortufla „Schaf, das 
zu früh geworfen hat". RL. III, 132. — ? 

38. abortire „eine Fehlgeburt ma- 
chen". 

Log, {a)ortire, campid. ortiri „ver- 
kümmern", piem. a(v)ui'ti, prov. avortir; 
venez., triest. {a)bordir, ferr., mant. bur- 
dir, prov. abordir „ausarten", vgl. katal. 
bordeyar id. — Ablt.: triest. abordo. 
Das -d- stammt \on bubdo „Maulesel", 
„Bastard". Salvioni, P.'-^. 

39. abrotönuiu „Stabwurz". 

Ital. abrotano, veron. ambrogano, 
bresc. ambro», piem. (l)avröu, campid. 
pärdumu, frz. vrogne „Waldrebe", wal- 
lon. ivroi\, lütt, levron, prov. aurono (> 
frz. aurone), toul. broittf, katal. broida?, 

1* 



40. abscisa — 55. abusus. 



[porig, alrotea ,AsphodilP, gabz. ahro- 
teqa\diX — Ablt.: frz. vroncelle ^Acker- 
winde\ Diez, Wb. 512; Salvioni, P.^-^; 
RomF. III, 492; Thomas, M6I. 37. 

40. abscisa „das Abgeschnittene ^ 
Obwald. cize „großer Heustock ", 

, Schicht Garben". RomF. XI, 450. 

41. abscöndere „verbergen^ 
Rum. ascunde, vegl. askondro, ital. 

aseondere, friaul. skuindi, afrz., prov. 
escondre, katal. ascondir, aspan., aportg. 
asconder, span., porig, esconder. Auf 
*scondere weist äsen, niscondare, das 
wie ital. nascondere das -n der Präp. 
in enthält. — Ablt.: ital. nascondiglio 
„Versteck" AGlItal. XIII, 411 ; afrz, es- 
conset; namentlich soleil csconsant „die 
untergehende Sonne", lotbr. sloKkösiä; 
aspan., judspan. escosa „Jungfrau" 
KJBFRPh. VI, 1, 389 (judspan. escosa zu 
escosar 2993 R. XXIX, 348). 

42. abscönse „verborgen". 

Log. ascuse, campid. ascusi RILomb. 
XLII, 674. 

43. absentia „Abwesenheit". 

Ital. senza „ohne", aital. sanza id.,. 
engad. sainza id., prov. sensa id. 

44. absinthium „Absinth". 

Ital. assenzio (> log. sentsu), piem. 
insens, horm. asens, log. attentu, uengad. 
usents, obwald. isiens, friaul. sinz, frz. 
absinthe (> rum. ahsint), prov. aissens, 
katal. absinta, span. ajenzo, portg. ab- 
sintho. Annähernd volkstümliche Ent- 
wickelung nur in ital. Mundarten, im 
Rälor., Prov.; volksetym.: in westfran- 
zösisch arb set, erb set. Diez, Wb. 428 ; 
Salvioni, P.i-^; MILomb. XXI, 294; At. 
Ling. 5. 

45. absis, -I'dis (griech.) „Chor der 
' Kirche". 

Portg. aus{a, „veraltete Bezeichnung 
der Hauptkirche" RL. HI, 178. 

40. absölverc 1. „lösen", „ablösen", 
2. absolvere jejunia „frühstücken". 

1. [Ital. asciogliere, afrz. assoudre, 
nfrz. absoudre, aprov. asolver, span., 
porig, absoh'^er]. 

2. Ital. asciolvere Diez, Wb. 353; 
AGlItal. IH, 365. 

47. absqne „von". 

Lomb., apav. asca „au&er". Diez, 
Wb. 353. 

48. abstSrgere „abwischen". 

Rum. §terge, campid. striziri, prov. 
esterzer. Kann ebensogut extergebe 
sein, mazed. a^terge entscheidet nicht. 



49. abstractns „entrückt*. 

Ital. (a)stratto „seltsam", „zerstreut". 
Diez, Wb. 404. (Distractus „zerstreut" 
ebenda, liegt begrifflich ferner und 
paßt nicht zu der Nebenform astratfo). 

.50. absurdus „sinnlos", „unvernünf- 
tig", „unbegabt". 

Span, ziirdo „ungeschickt", „linkisch", 
„links". ZRPh.VH,125.Zweifelhaf». (Diez, 
Wb. 500 zu sürdus ist lautlich un- 
möglich). 

51. absns (mlat.) „unbebaut". Wo- 
her? 

Aprov. abs, aus, limous. ase. — Ablt. : 
aprov. ajisar „unbebaut bleiben", ab- 
sina „unbebautes Land", limous. de- 
zusinä „roden". Thomas, Nouv. Ess. 
172; 239; 363. 

52. abuiidare „überfließen". 

Siz. annnari „Überfluß bringen", 
neap. nonnd „gedeihen", log. nundare 
„überfließen", norm, aud^ „sättigen", 
aprov. aondar „im Überfluß da sein", 
„fördern",„genOgen",südostfrz. aö(/ö„ge- 
nügen", beir. bondar id. — Ablt.: 
transmont., intcram. bonda, azor., al- 
garv. aonda „genug". [Ital. abbondare, 
frz. abonder, katal., span.. portg. abun- 
dar; kalabr. abbunnare de niattse „mit 
Prügel überschütten", abbunnare „stra- 
fen"]. Diez, Wb. 508; Salvioni, P.^-^; 
ZRPh. XXXI, 699. 

.53. abfinde „hinreichend", „genug". 

Engad. nim§nde, val-levent. aonda, 
friaul. avonde. — Zssg. : val-levent. jnunda 
PLUS, pronda, borm. jmrunda I'ER. 
AGlItal. I, 265; VII, .591; Salvioni, V.^\ 
In Tirol dringt ital. assai mehr und 
mehr durch. Gr. Gr. P,614. (Nicht von 
AMUNDE + A, sondern von abundark 
stammend R. VIII, 389; ZRPh. XXXI, 
711 scheint wenig wahrscheinlich, weil 
gerade hier abundare fehlt. Die 52 
angeführten portg. Wörter für „genug" 
können auch hierher gehören. — Emil. 
dimondi R. XXXVI, 233, s. 574:9). 

54. abusio „Mißbrauch". 

Porig, abusäo, abujäo „Schreckgestalt" . 
RL. III, 131. 

55. abnsns „Mißbrauch". 

[Ital. abuso, frz. abus, span., portg. 
abuso. — Ablt.: ital. abusare, frz. abuser, 
span., portg. afew-wr „mißbrauchen", „be- 
trügen": gask., limous. abüzä, lyon. 
abüizi, bürg, abüz^ „durch List ab- 
lenken " , „ zerstreuen " , „ unterhalten ", viel- 
leicht in der Bedeutungsentwickelung 
durch amuser beeinflußt. Das mlat 



56. abyssus — 67. accSndgre. 



Wort, das im Rom. seit dem 14. Jhrh. 
erscheint, knüpft nicht an Abusus , Ver- 
brauch" an, sondern muß von Geist- 
hchen oder Humanisten neugebildel 
worden sein]. 

56. nbyssus (griech.) „Abgrund", 
„Hölle". 

[Ital. ahisso, afrz., aprov. ahis. — 
Ablt. : \i-A\.nabisso aus inabisso, nabissare 
und mit Präf. W. sobbissare „ver- 
senken"]. Diez, Wb. 3. Vgl. 31. 

57. ac „und". 

Ital. a in vattel'a pesca, tutt'a due, 
diciassette, span. ambos d dos; viel- 
leicht in com a (7054). AGlItal. XIV, 453; 
ZRPh. XXIII, 334; 478; Salvioni, P.^. 
(Zweifelhaft span. aqueste Rom. Gram. 
II, 564 und dagegen AGlItal. XV, 308). 

58. acacia „Akazie", 2. griech. 
acacla. 

[1. Ital. acacia, frz. 14. Jhrh. acace, 
(ichace, acacie, 17. Jhrh. acacia, span., 
portg. acacia]. (Rum. aca^, siebenb. 
((rcat stammt aus dem Deutschen). 

[2. Ital. gaggia „farnesische Akazie", 
frz. cassie]. AGlItal. III, .388; XV, 376. 

59. acastns (griech.) „Ahorn". 
Prov. agas{f), agar. At. Ling. 478. 

Vgl. 93. 

60. acatliartus (griech.) „unrein"; 
'2. *„ Flockseide". 

2. Ital. cntarzo, aprov. cadarz, span. 
cadarzo, portg. cadarqo. ZRPh. XXVI, 
;!98; Einführung 88. 

61. *afcadere „zufallen". 1. „sich 
ereignen". 2. „zukommen", „sich zie- 
men", „müssen". 

1. Ital. accadere, span. acaecer (>■ 
campid. akkadesiri), portg. aquecer. 

2. Istr. akade, nonsb. kyade, trient. 
kader, abruzz. akkadd. Diez, Wb. 413; 
Mussafia, Beitr. 101. 

62. *accapitare „erhaschen", „bet- 
teln" (zu CAFEKf^. 

Aital. accattare, aprov., katal., valenc. 
acajitar. (Ital. accattare „kaufen" s. 65). 

63. *accapitare 1. „zu Ende bringen", 
2. „als Herrn anerkennen" (zu caput 
1. „Ende", 2. „Haupt"). 

1. Aspan. acabdar „erreichen". 
AGlItal. XI, 428, algarv. acabedar „ge- 
deihen", astur, akkaldare „sich fertig 
machen", „schmücken", campid. akka- 
bldai „zurecht machen", „anpassen". 
(Frz. acheter s. 65). 

2. Mlat. accaptare. — Ablt.: katal. 
acabde „Lehensbrief". 



64. ^accapitiare „zusauimen brin- 
gen". 

Ital. accapezzare „zusammen bringen", 
„in Ordnung bringen". — Zssg.: racca- 
pezzare „ermitteln", „ausfindig machen". 
(Wohl von CAPUT trotz der begrifflichen 
Schwierigkeiten. Gegen capitare zu 
üAPERE ist einzuwenden, daß zu den 
Verben auf -itare Rom. Gram. II, 587 
bisher keine Weiterbildungen auf -iare 
nachgewiesen sind). 

65. *aceaptare „annehmen", „kau- 
fen". 

Aital. accattare, piem. katd, gen. akatd, 
avenez. acatar, siz. akkattari, tarent. 
akkattare, neap., abruzz. akkattä, alog. 
acccUtare, frz. acheter, prov. acaptar, 
aportg. alcaldar „handeln", Gr.Gr.P,979; 
vgl. auch avenez. acatar „erwerben", 
alomb. acatar „sammeln", „erwerben". 
AGlItal. XII, 384; log. ogatare „erwer- 
ben", „finden" mit auffälligem -g-. Das 
eigentliche prov. Wort für „kaufen" ist 
COMPARAEE {2095) At. Ling. 6 ; das -pt- 
zeigt Anlehnung an captal 1632. — Span. 
acatar se „sich auf etwas beziehen", 
eigentlich „fassen"? — Zssg.: afrz. 
descheter,, prov. descaj)tar „entäußern"; 
ital. riscattare, frz. racheter „zurück 
kaufen". — Diez, Wb.5; ALLG. I, 234; 
SBPhHKlAWWien CXLV, 5,63; LBIGR 
Ph. XXVII, 369. (Frz., prov. zu accapi- 
TARE von c'APrr RomF.VJII, 512; Tho- 
mas, Mel. 2; Bernitt, Lat. caput 72 
scheitert an den ital. Formen und paßt 
begrifflich nicht, eher *accapitare von 
CAPERE, in welchem Falle das frz. Wort 
andern Ursprungs ist als das ital. Prov. 
acaptar „betteln" s. 62). 

66. acceia „Schnepfe". 

Aital. acceggia, afrz. acte, nfrz. Dial. 
asie, bresc. arsia, abruzz., neap. aröera, 
span. arcea; katal. arcera „Star", siz. 
arcirotta „Schnepfe". Das -r- ist un- 
erklärt. Auch Name eines Fisches: 
„Lauben"; aprov. aseia, bordel. assde, 
nprov. assiege, siege, siejo (> frz. siige). 
— Diez, Wb.5; ALLG. I, 234; Sal- 
vioni, P.2; Thomas, Mel. 2, 177; ZRPh. 
XXVI, 405; R. XXXVI, 255. 

67. accendere „anzünden". 

Ital. accendere, prov. acendre, span., 
portg. accender; pisan. acdeüere nach 
speüere „auslöschen", log. akkensu de 
famine „hungrig". — Ablt.: nordsard. 
aööisd „bezaubern", „verführen", aöäisti 
„Zauber", „Nymphe" (> log. aööisare, 
acdisu). 



6 



68. acceptor — 88. accümbgre. 



68. acceptor , Habicht". 

Aspau. aztor (> ital. astore, campid. 
stori, uengad. ustur, prov. austor > 
frz. nutour), nspan. azor, portg. agor. 
Das -au- in austor stammt von avis. — 
R. VIII, 609; ZRPh. II, 166; ZFrzSpL. 
XIIP, 18.5. — Ablt.: ital. accertello 
^Wannenweihe" ZRPh. I, 420. {äcci- 
piTER Diez, Wb. 351 ist nicht nötig, 
da ACCEPTOR belegt ist, und steht for- 
mell ferner, astvr Mise. fil. ling. 42 ist 
sachlich nicht begründet und z. T. laut- 
lich nicht möglich). 

69. acceptorarius „ Falken wärter". 
Span, cetrero „ Falkenjäger " (accipi- 

TRAMiTJS Diez, Wb. 439 ist lautlich 
nicht möglich). 

70. accessio , Fieberanfall ". 
[Span, cicion] R. XXIX, 345. 

71. accessus , Zugang". 

Obwald. rt«ßes , Grenze" AGlItal. I, 
18, 1. Begrifflich besser passend als 
INCESSUS. [Ital. accesso, frz. acc^Sy span. 
acceso, portg. accesso; auch mail. aöes 
„Zufahrt zu einem Hause", , Privatweg" 
dürfte kaum Erbwort sein]. 

72. accingere , umgürten", „sich an- 
schicken". 

Ital. accingere, afrz. aceindre, pikard. 
ased „ergreifen". 

73. accTpere „empfangen". 

Neap. aöiepire, reflex. „dahinsiechen", 
vgl. ACCIPERE FEBREM, log. alckijyire 
„vorwärts kommen", akkipidu „einer, 
der ans Ende gekommen ist". RILomb. 
XLH, 667^ 

74. accTsa „Steuer" zu accidere. 
[Frz. accise (> aital. assisa, span., 

portg. sisa)] Dict. Gen. (Diez, Wb. 510 
assisa + accidere ist nicht nötig, accensa 
Schuchardt, Vok. Vulglat. I, 348 ist ab- 
zulehnen, da es sich um einen Aus- 
druck der mittelalterlichen Amtssprache 
handelt, bei dem ein Schwund des -n- 
nicht denkbar ist). 

75. *accismare „herrichten". Woher? 

K\is\.accismare „übel zurichten", „spal- 
ten ", agen . acesm«;-, anordnen ",„ schmük- 
ken", afrz. acesmer id., prov. asermar, 
valenc. ajusmar. (Diez, Wb. 128 aus 
prov. azesmar 139 scheitert an -c-, 
pikard. -ch- ZRPh. VI. 112; *adschis- 
mare R. XI, 445, *ADC'ENsiMARE Misc. 
Rossi-Teiss 339 sind formell und be- 
griff lieh nicht einleuchtend). 

76. acclta „herbeigerufen". 
Alog.kita „Gefolgschaft", „Abteilung", 

nhg.kida „Woche". SBPhHKlAWVVien 



CXLV, 5,58; R. XXXIII, 52; alucch. 
ßfjYrt „Gesellschaft", „Abordnung", im An- 
laut an gire angelehnt ZRPh. XXXIl. 
498. (Alog. kita societas ZRPh. XXXIll, 
480 ist formell unmöglich). 

77. accliiilä „geneigt". 
Afrz., prov. oclin. 

78. *accognitio „Bekanntschaft". 
Afrz. acoinson. 

79. *accögnitus „bekannt". 

Aital. occonto „vertrauter Freund", 
„Korrespondent", tarent. akknntf „Kun- 
de", neap., abruzz. akkund^ id., afrz. 
acointe „befreundet", „bekannt", alyon. 
acoinde. — Ablt.: aital. accontare „in 
Beziehung stehen", „kennen", afrz. 
acointier, prov. acoindar „kennen ler- 
nen", lyon. acoindö „schmeicheln"; 
amail. hescuinto „unkundig". 

80. accogiiöscere „kennen lernen*. 
Aital. acconoscere, afrz. aconoistre. 

81. acc51a „Nachbar". 

Obwald., engad. akla, apuschl. accola 
„GutmitStallung, außerhalb des Dorfes". 
AGlltal. VII. 411; RomF. XI, 527; 
RILomb. XXXIX, 605. 

82. '*'accolIigere „sammeln", „auf- 
nehmen". 

Ital. accogliere, frz. accueillir, prov. 
acolhir, katal. acullir, span. acoger, 
portg. acolher. 

83. *accordare „die Saiten stimmen", 
„in Übereinstimmung bringen". 

Ital., log. accordare, engad. accurder, 
friaul. akordd, frz. accorder, prov., ka- 
tal., portg. acordar. — Ablt.: ital. ac- 
cordo, frz. accord, prov. acort, span. 
acuerdo Diez, Wb. .5. (Zu cor cordis 
ALLG. I, 234 ; Cuervo, Dicc. ist begriff- 
lich weniger wahrscheinlich). 

84. *accordinm „Cbereinkunfl". 
[Aital. accordio, siz., agen., log. ac- 

cordiu, prov. acordi], Rom. Gram. II, 
404; Einführung 178. 

85. *accorrigere „verbessern". 
Ital. accorgersi, engad. s'inakörger, 

friaul. akuärzisi „wahrnehmen", eigent- 
lich „sich verbessern", „eine falsche 
Annahme durch Berücksichtigung der 
Tatsachen aufgeben". Diez, Wb. 366. 

86. accredere „geneigt sein zu glau- 
ben", „glauben". 

Afrz. acroire. 

87. accrescere „hinzuwachsen". 
Ital. accrescere, frz. accroitre, prov. 

acr eiser, span. acrecer, portg. accrescer. 

88. accunibere „sich hinlegen". 
Tarent. akkommere „legen", „stellen". 



89. accürrSre 



98. acetum. 



89. acciirrere , herbeilaufen " , „hel- 
fen \ 

Ital. accorrere, log. accurrere, engad. 
accuörrer, frz. accourir, prov. acorre, 
liatal. acorre, span. acorrer, portg. ac- 
c'orrer. Die rom. Bedeutung ist vor- 
wiegend, im Westen ausschließlich: 
^iheispringen", „helfen", daraus dann 
katal. „beschämen". 

90. acedia „mürrisches Wesen", „üble 
Laune". 

[Ital. accidia, afrz. accide, aprov. 
accidin, span. acidia, portg. accidia. Be- 
achtenswert sind romagn. akziga, ferr., 
parm. aJczidia]. Die Aussprache des 
Griechischen -e- als -i- und die An- 
lehnung an ACCiDEBE ist in der Kloster- 
sprache früh vollzogen worden, die 
Form ACCIDIA begegnet oft in Glossen. 
ALLG. IX, 359; Diez, Wb. 5. 

91. acer, -eris „Ahorn", 2. *acre, 
3. *acu8 Neutr., vgl. zu 1 und 2 Ein- 
führung 115. 

1. Ital. dcero, romagn. ffs'ar, bologn., 
parm., bresc. azer, ferr. ars, span. arce 
{> katal. ars), [portg. acer]. Auf katal. 
*aure scheint uro zu Aveisen, wenn es 
nicht auf *acerone beruht. — Ablt.: 
rum. ari,ar Pu§cariu, Wb. 131. 

2. Friaul. äyar, grödn. äyer, lomb. 
ager, agre, arbed. agru, val-ses. eigti; 
wohl auch triest. aire. Die lautlichen 
Verhältnisse von siz. ättsaru. äggyaru 
sind nicht klar. 

3. Katal. achs. — Diez, Wb. 5; Mus- 
safia, Beitr. 24; Salvioni, P.^'^; Rom. 
Gram. II, 15, vgl. 93. 

92. acer „sauer", 2. acrus. 

2. Rum. acru, ital. agro, log. agru, 
frz. aigre, prov., katal. agre, span., 
portg. agro. — Ablt.: frz. grioite 
„Weichselkirsche", nprov. aigreto, katal. 
agrella „Sauerampfer" ; nprov. agreno, 
agruno „Schlehe", vgl. 294, niozarab. 
acrion, portg. agriäo „Brunnenkresse"; 
span. agriar „sauer machen", agrio 
„sauer", agrios „säuerliche Früchte". 
— Zssg. : frz. besaigre „säuerlich". 
Diez, Wb. 522. (Ital. agresto, span. agraz 
s. 112). 

93. acerabnlus „Ahorn" aus acer- 
arbor. 

Frz. trabte, prov. ardzerable, izrable, 
alezabre, azerofo, auzerol, gask. auzeral, 
südostfrz. izrable, üzrable, dilrable. Die 
-s'-Form gehört Süd- und Südost- 
Frankreich an und zieht sich bis in die 
Vogesen hin; das westliche Süd-Frank- 



reich zeigt im Auslaut Formen, die auf 
•aul- hinweisen, -{-agas (59): loz. aga- 
zabre. — Diez, Wb. 6; R. I, 388; ZRPh. 
XIX, 72; Thomas, Mel. 88; 89; At. Ling. 
478. (Rum. ar}ar Tiktin, Wb., s. 91). 

94. acerbus „bitter", „herb". 

Ital. acerbo „herb", „sauer", „unreif", 
siz. gerbu, gerfu, agnon. öierv§, piac, 
mail. zerb, log. kervu, engad. uSierv 
„feucht", „kalt", m\msi&x\. giervi,6h\ss\di. 
zarv^ „frischer Käse". — Ital. gerbo, 
gerba „Gestrüpp", gerbido „mit Gestrüpp 
bewachsener Ort", lomb. gerb id., siz. 
gerbu „unbebautes Feld", puschl. ^erfej« 
id.. AGlItal. Suppl. V, 90; StGlItal. I, 31 ; 
RILomb.XXXlX,483; 512 fällt jenseits 
des Apennin mit -g- statt -ö- auf; lomb., 
venez. garb „bitter" RILomb. XXXIX, 
483, piem. garv „unbebautes Feld" sind 
im Vokal und im -g- schwer zu recht- 
fertigen. — Ablt.: ital. cerboneca 
„schlechter Wein" AGlltal. IV, 389, vgl. 
teram. öefeke; cervastro „Heidekraut" 
AGlltal. Suppl. V, 90? span. cermeüa 
„Muskatellerbirne"? — Nprov. a«e&re, 
arebre „hart", „scharf" ist formell auf- 
fällig. (Lecc. üferu, mit dem Anlaut 
von tieneru AANapoli, N. Serie 1,167 
gehört wohl nicht hierher, da es auch 
im Vokal Schwierigkeiten macht; garb 
aus ahd. harw Diez, Wb. 375 setzt eine 
bis jetzt nicht genügend gestützte Be- 
handlung des h- voraus). 

95. acereus „Ahorn". 

Obwald. azier, engad. azer, puschl. 
azd. RomF. XI, 558; RILomb. XXXIX, 
507. 

96. acernia „Meerwolf", 2. acerna. 
2. Ital. chierna über serb.-kroat. kiyer- 

na'i andal., galiz., portg. cherna „Säge- 
barsch", „Orphe" über arab. khernia? 

97. acernus „Ahorn". 

Avenez. aierno Mussafia, Beitr. 24, 
lies azerno'^, saintong. aze(r). — (Ob- 
wald. a^ier s. 95). 

98. acetum „Essig". 

Vegl. akait, ital. aceto, log. agedu, 
engad. azaid, aprov. azet; friaul., judik. 
azet, mail. aze Fem. nach paret oder 
wie campob. cita, stall, azaia, bergam. 
azit, romagn. azMa und az4 wegen des 
o- StFR. VII, 217; afrz. aisil (> piem. 
azil), wallon. izi aus -etlu R. XXI, 87; 
span. acedo, -a, portg. azedo, -a, gask. azet, 
-da, log. agedu, -a, Adj. „sauer", herem. 
Ze/«^ id.? — Ablt. : ital. «ce/osff, span. 
acedera, portg. azedinha „Sauerampfer", 
vgl. 92; 104; gask. azetd „die Zähne 



99. acharisUa — 113. acrifolium. 



stumpf machen". Diez, Wb. 505. — 
(Rum. o}et aus dem Slav). 

99. acharistia (griech.) /Unbehagen% 
,*Mißwachs'', „Teuerung". 

Ital., prov., span., portg. carestia. — 
Ablt.: ital. carestoso, gen. kaesHnzn 
, geizig "Zanardelli, App. less. top. 11,45; 
pro7. carestios , notleidend" ZRPh. III, 
318. (Zu carns Diez, Wb. 89 oder carere 
R. VIII, 264 ist formell nicht zu recht- 
fertigen; der Ansatz eines griech. *c/ire- 
steia RomF. XV, 882 entbehrt jedes 
Anhaltspunktes). 

100. Acharins. 

Frz. acariatre ,toll" im 14. Jahrb., 
später „eigensinnig", „mürrisch", „zän- 
kisch". Der hl. Acharius heilt nach 
mittelalterl. Auffassung die Tollen R. 
X, 302. (Von griech. acharis „reizlos" 
von einem Humanisten gebildet, wenig 
wahrscheinlich ZRPli. IV, 375). 

101. Acht geben (hd.). 

Obwald. dar ad aig, ver ad aig „auf- 
passen" ; dachiar, dichiar „Acht geben". 
— AGlltal. I, 88; 551; VII, 563. 

102. acia „Einfädelfaden". 

Rum. a^ä, ital. accia; engad. aca „ge- 
sponnener Hanf", „Strähne", „Docke". 

103. aciarinm „Stahl", 2. *aciale. 

1. Ital. acciaio, log. attardzu, friaul. 
atsar, frz., prov. acier, katal. asser, 
span. acero, portg. aceiro. — Rückbild. : 
portg. aQO. 

2. Aital. acciale, venez. asal, veron. 
asal, engad., grödn. acel. — Ablt.: 
dauph. seluiro, piem. sloira, lomb. siloira 
„Pflug". AGlltal. 111,12; ZRPh. XXIX, 
10. Der Ausgangspunkt scheint Piemont 
zu sein. (Rum. o\el aus dem Slav.). 

104. *acidala „Sauerampfer". 
Piem. zlvola, gen. azevora, piazz. 

aSebuli, puschl. zigula, bergeil. uzikla, 
engad. uzievla, obwald. Seula, friaul. 
azMule, afrz. osille, nfrz. oseille. Das 
frz. Wort ist namenthch zentral- und 
ostfrz. At.Ling.954, das -o- stammt von 
oxALis ZRPh. XXVI, 401. — Ablt.: lothr. 
o£lot und oUot. — (Zugrunde liegt eher 
AciDUs als ACETUM, weil engad., ob- 
wald. mit jenem besser vereinbar sind ; 
siz. acitula kann zu beiden gehören). — 
Diez,Wb. 650; Rom. Gram.l, 488; Cohn, 
Suff. W. 304; Salvioni, P.^; RomF. 
XXni, 533; MILomb.XXl,260; RlLomb. 
XXXIX, 512; XU, 212; XLll, 980. 

105. acidns „scharf". 

Log. aida „stark gesalzen", engad.es, 
grödn. eze, aprov. aise. — Ablt. : tirol. 



äzya „Johannisbeere", friaul. nzhun 
„saure Molken". SBPhHKlAWWien 
CXXX VIII, 1,43; Salvioni,P.2. [Ital.rtWrfo. 
— Ablt.: triest. zidella „Zuckerplätz- 
chen" Vidossich, Stud. dial. triest. 37]. 
(Ital. lazzo „herb" Diez, Wb. 380 ist 
mit l- und tonlosem -zz- kaum möglich). 

106. acies „Schlachtordnung". 
Aspan., aportg. haz. 

107. acies „Schärfe", 2. *acia. 

2. Log. atta „Schneide", „Berggrat", 
„Abhang", sassar. aöia „Schneide", 
„Mut". AGlltal. XIV, 387. (Oder aöia 
„Mut", log. attsa audacia JBIRumSp 
Leipzig XI, 84). 

108. *acimen „Schärfe". 

Prov. azimd „die Zähne abstumpfen". 
Thomas, Mel. 2, vgl. 98; 137. 

109. acina „Trau benbeere". 
Log. agina. Salvioni, P.*. 

110. aciniis „Traubenbeere". 

Ital. acino, friaul. Azin, frz. aine, 
reims. g>i „Treber", prov. aze, auvergn. 
aize „Heidelbeere", portg. azeo. — 
Ablt.: beif. ^not „Eisbeere", grtj^ «Els- 
beerbaum". Diez, Wb.505; Salvioni, P.-; 
(auvergn. aise aus avia ZRPh. Bhft.VI, 
24 ist lautlich unmöglich und unnötig). 

111. *aciolare „einfädeln" (zu acia 
102). 

Abruzz.aftswZW, venez atsolar, ostlomb. 
sola, moden. atsuler, mant. intsular. — 
Ablt.: avenez. deszolar, lomb. desfsola 
„ausfädeln". Mussafia, Beitr. 3 1 . 

112. *acrestis „nicht zur Reife ge- 
langte Traube". 

Ital. agresto, siz., neap., log. agresta; 
siz. agrestu „herb"; mit anderem Suff.: 
afrz. aigras, lyon. egrd, prov. eigras, 
piazz. airats, span. agraz, portg. agrago; 
mit anderer Bedeutung: kors., log. 
agrattsu, argattsn „wilde Weinrebe". — 
Ablt.: prov. (> frz.) agrassol „Stachel- 
beere", berrich., blais., b.-manc. ^grasö 
„wilder Apfel- oder Birnbaum", land. 
agrasii, h.-pyr. graserolo, span. agrazon 
„Stachelbeerstrauch". Nach Suff, und 
Betonung verschieden: rum. dgre§,ägri§ 
„Stachelbeere" ; vgl. noch breton. an- 
groaz „Hagebutte", egroas „Säuerling". 
— Ob ACER oder agrestis vorliegt 
oder eine Vermischung beider, ist nicht 
zu sagen. Diez, Wb. 9; Thomas, Mel. 6. 

113. acrifolium „Stechpalme", 2. 
*acrifoluni, 3. *acifolium. 

1. Ital. agrifoglio, afrz. aigrefueille, 
prov. agrefuelh, limous. agrafulh. — 
Rückbild. : mail. ager. 



114. acror — 127. aculeus. 



"2. Morv. egrü, egryo, jur. egnlu, 
\)ves». agreFi, forez. agreim, lyon. egrSlo, 
(laupli. grevu, vionn. agrebdn, langued. 
greful, gask. (a)grer, katal. grevol, arag. 
krerol. 

3. Span, acebo Rückhild. aus *aceboJo; 
mit SufT. W. : portg. azevinho Rom. 
(Tram. I, G05; piov. agremurU Nach- 
bildung nach murie „Maulbeerbaum", 
Hückbild. agremo. — At. Ling. 701. 
(ALLG. VI, 133, portg. *acevo > span. 
(tceho aus *acifolum). 

114. acror , Schärfe". 
Ailix].(icrore, frz. a/grenr, prow. agror, 

span. agror. 

115. *acrumeii , saure Frucht". 
Altai, aerume, ital. agriime, neap. 

(if/rumma, siz. agriimi, nprov. eigrüm, 
afrz. aignim, nfrz. nlgrain, egrain 
Junger Apfel- oder Birnbaum". Thomas, 
Ess.285. — (Rum. ocrum „Mundfäule" 
ist griechisch; arcev. In gruma „finsteres 
Gesicht", ühGWviW. agruni „unangenehme 
Sache" sind bei den völlig verschiedenen 
Bedeutungen Neubildungen). 

116. actio „Handlung". 

[Ital. (IG. Jhrh.) lazzo „Grimasse", 
chian. azzo, Mise. Ascoh425; KJBFRPh. 
VIII S 130]. 

117. actus „Handlung". 

[Ital. Otto, frz. acte, span., portg. auto. 
Diez, Wb. 428. — Ablt.: iial atteggiare 
.in bestimmte Stellung bringen"]. (Portg. 
rifo ZRPh. III, 564; VII, 116 s. 4254). 

118. *acucella „Nadel". 

Neap. akocella, campob. akuö^lla. 

119. *acücula „Nadel". 

Ital. agucchia „Stricknadel", gucchia 
„gespitzter Eisenpfahl" AGUtal. III, 351 ; 
afrz. aiguilh (spr. -iUe-), aprov. agtilha, 
katal. aguUa, span. agnja, portg. agtilha. 
Das -ü-, das auch die meisten ital. 
Mundarten zeigen, ist nicht in Ablei- 
tungen in tonloser Silbe entstanden 
(AGlItal. XIH, 390), da dafür andere 
so weit verbreitete Beispiele fehlen, 
eher als Anlehnung an acutts zu er- 
klären R. III, 330; spätatVz., nfrz. -ni- 
statt -M- kann nicht aus dem -f- -er- 
klärt werden (R. II, 479; ZRPh. HI, 626). 
da sich eine solche Entwickelung sonst 
nicht findet, auch nicht aus dem Ein- 
tlur3 des Schriftbildes (ZRPh. III, 515), 
da der BegritT zu volkstümlich ist, eher 
als wirklicher Suß. W. oder Einfluß von 
aiguiser u. dergl., Mise. hl. ling. 39; 
ALLG. I, 235; Rom. Gram. 1, 67. Pikard. 
awil, wallon. aivei, berrich. agei ent- 



sprechen genau frz. aignille Rom. Gram. 
I, 34. — Diez, Wb. 9. (Frz. aü/uille aus 
*AQUicuLACohn,Suff. W. 334;* R. XXXI. 
499 ist bei der räumlichen Begrenzung 
und dem späten Auftreten von aiguille 
abzulehnen). 

120. acucnla „Nadel". 
A.\\»\.agocchia, aasW.avogla, tess. voßa, 

bergam. goga, gen. gufa, parm. agoia, 
bologn. agä6a, regg. goöa, apav. aogga, 
engad. aguogla. — Ablt.: friaul. glane 
„eingefädelter Zwirn" AGlItal. XVI, 228. 
— Rückbild, engad. agna „Busennadel". 
(Afrz. aigouille Förster, Erec 2643 be- 
steht nicht, da das damit im Reime 
stehende Puille apulia afrz. stets mit 
-ii- erscheint. Lothr. avui hat -u- vor -/ 
lautlich aus -(7-). 

121. acucnlariiis „Nadler" (Konjekt. 
CGIL. III, 309, 26 für cudajuus). 

Frz. aiguülier, prov. agnlhier, katal. 
agiilher, span. agujero, portg. agulheiro. 
Oder Neubildung? 

122. acula (griech.) „eßbare Eichel". 
Engad. cgla „Eichel". — Ablt.: ital. 

gogliolo, gugnollno „Eicbelnäpfchen". 

123. *acülea „Stachel", 2. *aqnilea. 

1. Abruzz. kuyi/e „Bienenstachel". 

2. Aital.^'/i/^^m „Fischgräte", „Nadel" 
StFR. VII, 246. 

124. *acnleare „stacheln", „stechen". 
Bresc. goyd, engad. aguler, span. 

aguijar „antreiben", portg. agulhar „die 
Ohren spitzen", „auf der Hut sein". — 
Zssg.: amail. xaguliar, gen. mgihjgä. — 
Ablt.: gen. sagügu, piem. savüi „Sta- 
chel". (Das s- ist unerklärt, eher ex 
GStLItal. Vni, 417: ZRPh. XI, 556 als 
SUB AGlItal. XIV, 344). 

125. acnleatus „stachelig". 

Venez. agiigd, moden. giige, piem. 
nyd, lomb. gyä, regg. agye „Ochsen- 
stachel", crem, agnyat, parm. gyn 
„spitziger Stock, um die Pflugschar zu 
reim'gen" ; trient. gtiyada, parm. gyada, 
friaul. guyade „Ochsenstachel". — Ablt.: 
pav. gyad^, parm. gi/adel, mant. qoyadel, 
moden. guyadel id." RFICl. I, 386. 

126. *aciileo „Stachel". 

Aital. aguglione, frz. aiguillon, prov. 
agulhö, katal. agullö, span. agnijon, 
portg. aguilhäo; kaum Neubildung, da 
ACULEVS fast nicht romanisch ist. 

127. acfilens „Stachel", 2. aqnileus. 

1. Abergam. goio, bresc. la goi. 

2. Trient. aguei, engad. aguat, ob- 
wald. {H)veil. 



10 



128. acumen — 146. adaptus. 



128. acumen „Schärfe". 
Portg. gume. 

129. acupenser „Stöhr". 

VJcent., flum. hophe, venez., päd., 
triest. köpeze. ZRPh. XXVJI, 750; 
XXXI, 6.51. 

1 30. acüs Fem. , Nadel " , 2.*acns, -oris. 

1. Rum. ac, ital. ago, log. agu Mask.; 
vegl. yuak, abruzz. ake, aret. eka. — 
Ablt.: istr. gada, venez. aveta , Faden 
an der Nadel"; triest. agon, neap. la- 
gone „Ährenfisch", lomb. agon ,Else", 
gen. a^'nw, Nadelhecht" ZRPh. XXIV, 41 4. 

2. Plur. ital. agora , Sing, romagn. 
egur AGlItal. XVI, 447. — Ablt.: ital. 
ogoraio „Nadler", lucch. gorata, kors. 
kurata , Faden vom Rocken zur Spin- 
del" AGlItal. XIV, 393; veron. a^OMaro 
.eingefädelter Faden." (ZRPh. XXII, 465 
ogoraio als Bildung vom Plur. aus, ist 
nicht wahrscheinhch und nicht nötig, da 
ein Neutr. acus auch sonst gesichert 
ist, s. 132). 

131. acus, -eris , Spreu". 

Abruzz. äcere „Korn". — Ablt.: aö^rä, 
aöptä „Körner ansetzen". 

132. *acuscellHm „Nadel", vgl. 130,2. 
Neap. akosielle. 

133. *acutia '„Schärfe". 

[Katal. agucia, span. acucia „heftiger 
Schmerz", „Geschäftigkeit", „Eile", portg. 
agriQa „Eile". — Ablt.; span. acuciar, 
portg. ngiiqar „eilen", „betreiben". Diez, 
Wb. 414]. 

134. acntiare „wetzen". 

Ital. aguzzare, log. akutare, engad. 
gütser, bellun. gusar, trevis. usar, friaul. 
utsd, frz. aiguiser, prov. aguzar, katal. 
aguar, span. aguzar, portg. agugar. — 
Ablt.: ital. aguzzo, log. akutu, engad. 
güts „spitzig". ALLG. I, 235. 
■ 135. acutus „spitzig", „scharf". 

Ital. acuio, frz. aigu, prov., katal. 
agut, span., portg. agudo. — Aital. aguto, 
prov. agut „Nagel" AGlItal. III, 370. — 
Ablt.: abruzz. akutd, venez. (a)guar {y 
friaul.^tjrt) „schärfen", „schleifen", da von 
venez. güa (> friaul. güe) „Scheren- 
schleifer". 

136. ad „zu". 

Rum. a, heute fast nur in adverbialen 
Redensarten, ital., log., engad., friaul. 
a, frz. ä, prov., katal. a, span. d, portg. 
a, hat autjer im Rum. die Funktionen 
des Dative übernommen. Rom. Gram. 
III, 45; IV, 338. 

137. *adaciare. 

Afrz. aacier hs dents, lothr. asd „die 



Zähne durch scharfe Flüssigkeiten ab- 
stumpfen", später umgestaltet zu agacei; 
s. 275; Thomas, M61. 1 (ahd. adhazian 
Diez, Wb. 8; adazian FrzSt. VI, 66, ad- 
hu-atian R. VIII, 435 sind lautlich und 
begrifflich unbefriedigend. Die Beden- 
ken gegen die Bedeutungsentwickelung 
von adaciare AStNSpL. CX, 241 heben 
sich, wenn man für acies die Bedeu- 
tung „Säure" nach acidus, aceh an- 
nimmt, vgl. 108). 

138. adaeqoare „gleich machen". 
Afrz. a'iver, poitev. §g^, prov. azegar, 

(/-ital. adeguare). Mit Präf. W. : Schweiz. 
evuä, eiiiä „verzetteln". BGlPSRom, 
VIII, 33, Salvioni, P.«. 

139. adaestiinare „berechnen", 
„schätzen". 

Afrz. aesmer (> avenez., abellun. 
asmar „heucheln" AGlItal. XVI, 287, 
aspan. aesmar, asmar), aprov. azesmar 
(> ital. azzimare BSDItal. III. 95, 
aspan. azemar), nprov. zeimd „blicken". 
(Aspan. azemar aus aesmar ZRPh. VI, 
117 ist nicht wahrscheinlich). 

140. adalaro (afränk.) „Adler". 
Frz. aUr-ion Diez, Wb.' 505. (Die 

Deutung ist fraglich, da das Suff, un- 
klar ist). 

141. adalinc (bürg.) „Edeling". 
Prov. adelenc Diez, Wb. 503; FrzSt. 

VI, 45. 

142. adainas, -nntis, 2. *adimas, 3. 
dianias (Anlehnung an griech. diaphanes 
Gr. Gr. I'-*, 798) „Diamant". 

1. Amail. adamanta. 

2. Afrz. ahnant, nfrz. aimant, prov. 
aziman (^ span., portg. iman) „Magnet". 

3. Ital. diamante, frz. diamant, prov, 
diaman, span., portg. diamante. Die 
Geschichte des Wortes ist unklar. Diez, 
Wb. 119. 

143. *adamplicare „erweitern". 
Engad. adampcer. 

144. adancus „nach innen ge- 
krümmt". 

Rum. adinc „tief" Pu§cariu, Wb. 25. 
(Tiktin, Wb. aduxcus paßt lautlich 
weniger gut). 

145. adaptare „anpassen". 

Ital. adattare , aportg. adoutarse 
„gleichen". 

146. adaptus „passend". 

Ital. adatto, prov. azaut „hübsch", „ge- 
schickt". — Ablt.: prov. azantar, katal. 
altarse „Gefallen nn etwas linden". 
Diez, Wb. 515; ALLG. I, 218. Die Be- 
deutung läßt das prov. katal. Verbum 



147. adaquare — 164. ad id ipsum. 



11 



eher als Keubild. erscheinen als zu 
145 gehörend. 

147. adaquare 1. , tränken", 2. „be- 
wässern". 

Rum. adäpä , vergiften" 1, ital. ad- 
acqnare 2, log. abbare 1, 2, afrz. aavier 
2, prov. azeigar 1, arag. adaguar 2. 

148. *a(lastare , anstehen". 

Rum. adästä „erwarten", aital. ad- 
ttstare „zögern". Pu§cariu, Wb. 22. 

149. aduugure „vermehren". 
Rum. adaoge, at'rz. aoire. 

150. adauctarc „vermehren". 
Afrz. aoitier. 

151 . ^'addeusare „dicht machen", „sich 
nähern". 

Afrz. adeser, wallon. adiize, prov. ade- 
zar (y aital. adesare), katal. atensar 
mit -«- von aianyer 766; R. IV, 501; 
RomF. 1,183; ALLG. I, 235. 

152. addicare „anzeigen". 

Rum. (ideeä „nämhch" ATriest. XXX, 
420 (ad quoi) ist syntaktisch unmöglich, 
Ai>m: QUOI) ZRPh. XXIV, 525; R. XXXI, 
296; Pu§cariu, Wb. 23 hätte adec er- 
geben, oder setzt, wenn man annimmt, 
die Verwachsung sei jünger als der 
Wandel von qvod zu cu, ein Fortleben 
von ADDERE im Rum. voraus, für das 
jeder andere Anhaltspunkt fehlt; dica 
ZRPh. XXVII, 502 liegt begrifflich ab). 

153. addicere „zusagen". 

[k\\.?i\. addire „zuweisen", \idi\. addirsi 
„passen", addetto „zugetan"]. 
1.54. addiscerc „hinzulernen". 
Aneap. adissere. Erbwörtlich? 

155. *addoininare „bewältigen". 
k\iA\. adonare, Dante, Inferno VI, 34; 

afrz. adamer SBPreußAWBerlin 1907, 
747. 

156. *addonare reflex. „sich hin- 
;:eben", „fügen". 

Aital. addonarsi, frz. s'adonner, prov. 
xe adonar, span. adonarse; siz. addu- 
narisi, sOdital. addunare.se, katal., va- 
lenc. adonarse, vionn. s'adund „wahr- 
nehmen", valenc. auch „sich erinnern"; 
nprov. In ven aduno „der Wind läßt 
nach". Diez, Wb. 351. 

157. addormire „einschlafen". 
Rum. adi(i-m), aital. addormirsi, prov., 

katal., span., portg. adormir. 

158. addormiscere „einschläfern". 
Siz. addnrnüsiri, span., porig, ador- 

mecer; kalabr. addtirmisutu „einge- 
schlafen". 

159. ^addnbbare (germ.) „ausrüsten". 
Afrz. adouber „herrichten", „aus- 



rüsten", namentlich adouber a Chevalier 
„zum Ritter schlagen" (> prov. arfoftar 
„herrichten", ital. addobbare „bewaff- 
nen", „ausrüsten", „ausschmücken", 
„gerben", log. „prügeln", span. adobar 
„herrichten", „ausbessern", „einsalzen", 
„gerben", portg. adnbar „ausbessern", 
„würzen", „düngen", „gerben"). — Ablt.: 
afrz. adoub, prov. adop „Ausrüstung", 
„Lohgerbe" C^nfrz.adoux). Diez,Wb.6; 
FrzSt. VI, 23, Das germ.Verbum ist nur als 
anord. dubba belegt, so daß es sich um 
einen Ausdruck der Wickinger handelt. 

160. .addncere „herbeiführen", 
Rum. aduce „bringen", ital. addurre, 

avenez. adur „bringen", log, batture, 
battire, fcr/tov; „bringen", „tragen" SBPh 
HKlAWWien CXLV, 5, 35, engad, adür 
„erwähnen", „anführen", friaul. adüzi 
„bringen", afrz. aduire, lyon., dauph. 
adiire, sav. adüir „bringen", prov. 
aduire, katal. aduhrr „erwähnen", span. 
aducir„ bringen " , portg. adduzir. — Ablt. : 
galiz. adoito „Leiden", „Pein" wird sich 
aus dem Begriffe „Schickung" nach der 
schlechten Seite hin entwickelt haben. 

161. adeps, -ipis „P'ett", 2. aleps 
Einführung 1.50; ALLG. XI, 63. 

Abergam. alef, log. äbile, morv. or, 
limous. auvo Behrens, Frz. Wortg, 11; 
SBPhHKlAWWien CLII, 6, 89. Eigent- 
lich erwartet man morv. op. (Oder 
alef zu *lerä, liquare „Fett auslassen" 
AStSard. V, 213V). 

162. aderigere „sich an etwas auf- 
richten". 

Ital. adergersi „sich erheben", avenez. 
adfr^er „anhängen", afrz. soi aerdre 
„sich anhängen", pikard. aerd „ergrei- 
fen", „packen", prov. [a)d erzer „erheben", 
„sich anheften", „verheiraten". Tobler, 
Cato 33; LBlGRPh.IV,279. [ädhaerere 
Diez, Wb. 503: ALLG. 1,236; ZRPh. 
XXIV, 88; XXVII, 123 ist formell 
schwieriger und begrifflich nicht nötig). 

163. adescare „heranfüttern". 
Campid. aiskai „füttern", prov. ,ie 

azescar „sich nähren". Salvioni, P.*. 
{Afrz. aeschier „ködern" ist Neubild.). 

164. ad id ipsaiii [tempus] „zu eben 
dieser Zeit". 

Ital.adesso „jetzt", „sofort", afrz., prov. 
ades „sofort", aspan. adieso. ALLG. 
VI, 377. (Ad ipscm Diez, Wb. 129; 
ZRPh. XV, 240 erklärt afrz., prov. -d- 
nicht; -g-, dessentwegen Herleitung aus 
irsuM R. VIII, 156; Gr. Gr. l\ 506: 
RomSt. IV, 88; AGlItal. XIV, 269 ver- 



12 



165. adimplere — 178. admittere. 



worfen wurde, erklärt sich wie prov. -s 
statt -is durch Anlehnung an ad pbes- 
tiUM 196. Zusammenhang mit EN Gr. 
Gr. I', 506 und ad eum ipsum ZRPh. 
XVI, 521 ist formell, adde ipso ZRPh. 
XXIV,^25 begrifflich nicht annehmbar. 
Ital. adesso statt addesso erklärt sich 
durch Dissimilation oder ist nordital. 
Lehnwort. Neap. adessa ist kaum boden- 
ständig, auch nicht abruzz. adess adesse 
,nach und nach"). 

165. adimplere „anfüllen". 

Ital. adempiere, afrz. aemplir, prov. 
azemplir. 

166. adirare „erzürnen". 

Ital. adirare, afrz. airer, prov. azirar, 
span., portg. airarse. 

167. aditns „Zugang". 

Log.airZw Salvioni,?.^ SBPhHKlAW 
Wien CXLV, 5, 20, portg., galiz. eido, 
eito „Vorraum vor dem Bauernhause", 
„Ort, den man nicht näher bezeichnen 
will". Mise. fil. ling. 224; RL. III, 62. 

168. adjacens „Umgebung einer 
Stadt", „freier Raum", adjacentia id. 

Afrz. aise „Bequemlichkeit", a aise 
„nach Bequemlichkeit", nfrz. aise „be- 
quem"; afrz. aisance „Gerechtsame 
einer Stadt"; prov. atze (> ital. agio, 
portg. azo) „Bequemlichkeit", lyon. ezo, 
forez. eze, Schweiz, eze „Küchengeschirr", 
Schweiz, eze, ize „Sennereigeräte". 
Luchsinger, Molkereiger. 16. — Ablt.: 
afrz. aisier, aa ister (^ aital. adesare, 
pistoj. addesare „in Ordnung bringen" 
ZRPh. XXX, 295, venez. aziar, mail. 
ziä „herrichten", comask. „gerben" 
R. XXVIIl, 111); lothr. aimä „Küchen- 
geschirr" At. Ling. 1350, montbel. ezmä 
„Tafelgeschirr", „Einschuß in der We- 
berei" ; prov. se aizir „sich nähern", 
aizit „Nähe" aizina „Bequemlichkeit", 
„Geräte", katal. eyna, ahina „Tafelge- 
schirr", „ Küchen geschirr" (> campid. 
aina, log. aimine „Geräte"); valenc. 
ayna „Handwerkszeug". Thomas, Ess. 
217 (got. azHs Diez, Wb. 8; *ansium 
zu ANSA „Henkel" R. IV, 349 sind for- 
mell und begrifflich unannehmbar). 

169. adjacere „dabei liegen". 
k\[.A\.aggiacere „angrenzen", „passen", 

afrz. agesir „sich hinlegen", prov. ajazer 
id., kalal. ajaure id. — Ablt.: ital. ag- 
ghiaccio „Pferch". 

170. adjectain „das Hinzugeworfene". 
hal aggetto „Vorsprung", „Kragstein", 

bologn. udzet id., pikard., wallon., genf, 
aie „die Räumlichkeiten eines Hauses", 



südvvestfrz. «i«? „Trinkgeld", „Zugabe zu 
dem angemessenen Preise", norm, azc 
„Falz einer Tür", b.-manq. ai^ „die aus 
einem Graben herausgeworfene, die 
Böschung bildende Erde", galiz. ageitos 
„der Raum außerhalb der Mauern". — 
Ablt.: ital. aggettare „hervorragen", 
abruzz. ayyettd „anstecken", ayyettatf 
„Nebengelände". 

171. adjnngere „hinzufügen". 
Rum. ojnnge „einholen", ital. ag' 

giungere, log. ajungere, frz. adjoindre, 
prov. ajonher, [katal. ajtinijir, span. 
adjungir], 

172. adjntare „helfen". 

Rum. aiutä, ital. aintare, apav. aiagar 
R. XXXVI, 224, log. adzudare, engad. 
agiider, friaul. yudd, afrz. aiue, aidier 
(> aital. aitare), nfrz. aider, berrich. 
a^idd, gay. e'id^, prov., katal. ajudar, 
span. ayudar, portg. ajudar. Apav. 
dexaya, alomb. demaida, apad. demü aus 
deo itiaiuti; venez., istr. meide, alomb. 
madesl aus m'aiuti deo AGlItal. XVI, 
299, daraus puschl. maidi, engad. w«- 
disi „vielmehr" RILomb. XLI, 210; 
afrz. si ma'it dieus „so wahr mir Gott 
helfe", später maidieu, midieu, noch 
heute dialektisch zm^diö Zöckler, Be- 
teuerungsform. 147. — Ablt.: afrz. aiue, 
a'ie auch Interjektion, prov., katal. ajuda, 
span. ayuda, portg. ajuda. — Diez, Wb. 
515; Rom. Gram. II, 188; Frz. Gram. 60. 

173. adjntoriniu „Hilfe". 

Rum. ajutor, [avenez., alomb., agen. 
ai{u)torio, altorio, Si\nem.eitori; avenez. 
altruio, abellun. altrui, afrz. aitoire, 
■pvo\.ajutori\. Mussafia, Beitr. 25; AGl 
Ital. VIII, .321; ZRPh. XXII, 465. 

174. adjuvare „helfen". 
Siz. aguvari. 

175. *ad mente habere „in Erinne- 
rung haben". 

Afrz. amentevoir, prov. amentawe 
„erwähnen" Diez, Wb. 209. 

176. '^'adiiiinnare „verkleinern". 
Akatal. aminvar „erschöpfen", valenc. 

amimbar, abimhar, span. amenguar, 
portg. amingoar. 

Vil. adinissarins „Zuchthengst", 
2. ariuissarius Gr. Gr. I^, 486, 67. 

1. Log. ammessardzu, asüdital. am- 
messaro. 

2. Rum. armesariu, bitt. armissarin, 
mlat. armissarius (emissar?HS KJBFRPh. 
VII, 1,118 erklärt weder «- noch -mm-). 

178. admittere „in Gang setzen", „los 
lassen". 



179. admoneie — 199. ad satis. 



13 



Sen. animettere , hetzen". 

179. iidmoiiere „mahnen ■*. 
Ital. nmmontre Salvioni, P.^ 

180. *adnione8tare , ermahnen", , zu- 
reden" Aus*MONESTrs AGiaal.IV,393-, 
Rom. Gram. II, 334. 

Aital. ammonestare, afrz. amonester, 
nfrz. admoneter (^ siz. ommunüari 
„einen zu überreden suchen"), prov., 
katal., span. amonestar, portg. nnioestar. 
— Ablt.: afrz. moneste. R. VIII, 264. 
(*ADMOLESTAiiEl^. III, 377, admodestare 
VII, 365 sind begrifflich und lautlich 
weniger befriedigend). 

181. *adiiiordere „anbeißen". 

Afrz. amordre. — Ablt. : frz. amorce 
, Köder", öf}>Jorcer„ködern" ; „überfeilen", 
(imorqoir „Lunte", „Nagelbohrer". Diez, 
Wb. 643; Gade, Handwerkzgn. 21. 

182. ^ndmordinni „Frühstück", 2.*ar- 
inordiuiu (zu admordere) Gr. Gr. P, 
486, 67. 

Span, almuerzo, portg. almoqo. LBl 
GRPh. XXII, 297. Die Nebenform al- 
»inesto kann *AMonsiTirM sein. 

183. *admorire „das Feuer löschen", 
2. *armorire Gr. Gr. I^, 486, 67. 

2. Abruzz. armnri. 

184. *adniortare 1. „abtöten", 2. „lö- 
schen". 

1. Afrz. amorter, katal., span. amor- 
far. {Portg. anwrtar „einsargen" ist Neu- 
bildung). 

2. Aital. ammoi'tare, bologn. amurtär, 
asiz. ammurtari, aprov. amortar. StGlItal. 
1. 35; II, 250. 

185. *admortiare „das Licht löschen", 
„dämpfen". 

Ital. ammorzare, bologn. omiirtsär, 
comask. motisd, aprov. amorsar. Mit 
Präf. W.: ital. smorzare. 

186. *adinortire „abtöten". 

Rum. amorpi „starr werden", „ein- 
schlafen", ital. ammortire „entkräften", 
„auslöschen", log. ammnstreskere „ohn- 
mächtig werden" AStSard. V, 211, frz., 
prov., katal. aniortir „ertöten", „dämp- 
fen", span., portg. amortccer. 

187. admnnire „zur Mauer hinzu- 
fügen". 

Romagn. ainuni „mit Erde aus- 
füllen " . 

188. *adoccare „mit Erde bedecken". 
Afrz. aochier „ersticken" Thomas, 

Ess. 240. 

189. *adocuIare „anschauen". 

Ital. adocchiare, log. aojare, friaul. 
vogUi, afrz. aoillier, prov. azolhar, ka- 



tal. aullar, span. aojar, a portg. aolhar, 
nportg. olhar R. XI, 90. 

190. *ado[)erare „anwenden". 
Crem, druvä, engad. drovei\ brauchen " , 

„gebrauchen", obwald. duvrcir. 

191. adoperire „öffnen". 
Afrz. oouvrir, aprov. azubrir. 

192. adorare „anbeten". 

Ital. adorare, afrz. aourer, prov. azorar, 
akatal., aspan. aorar. 

193. adornare „schmücken". 

Ital. adornare, afrz. oourver, aprov. 
azornar. Amail., avenez. aornar, afrz. 
aourner, aprov. azornar „herrichten", 
„in Ordnung bringen" kann auch *adob- 
DiNARE sein. 

194. adorta „emporgehoben", „ge- 
tragen", vgl. adoiia : assumpta CGIL. 
IV, 10,46. 

Aquil. adorta. 

195. adpost „nach". 

Rum. o^oe „dann", s\t»\.appo „hinter", 
„nach", „bei", alog. appiis „hinter" 
SBPhHKlAWWien CXLV, 5, 69, aportg. 
apoz, alemt. ap6s. (Ital. ap)po APUDÜiez, 
Wb. 22 ist formell und begrifflich ab- 
zulehnen). 

196. ad pressnm „nahe* ALL6. X, 
421. 

Ital. appresso „bei", frz., prov. 
O aportg.) aprh „nach". 

197. ad prope „nahe bei". 

Rum. aproape, lomb. apröf (^ aital. 
ajiruovo), amarch. aprope, log. approbe, 
afrz. apruef, aprov. ap7-op ALLG. II, 103. 

198. ad retro „zurück", „hinter". 
Tosk. addreto, emil. adri AGUtal. II, 6 ; 

arbed. dri; ital. addietro, frz. arrüre 
(y siz. arreri, arri „von neuem'', „wie- 
derum"), prov. arreire, katal. arrera, 
span. arredro. — Ablt.: norm, arrip- 
„Herbst", vgl. lothr., wallon. arribre- 
saison id., neuenb., waatl., genf. darite, 
dari, edari id. BGlPSRom. 111,54; Merlo, 
Stag. mes. 72, lyon. an-t de grä „Ur- 
großvater" ; span. arredrar „zurück- 
stoßen", „Furcht einjagen", portg. ai-i-e- 
dar „entfernen", arredio „entfernt", „ge- 
trennt" RL. III, 182. (Ital. kann auch a + 
dietro sein, portg. arredio auch errati- 
vus 2905, portg. arredor „rings herum", 
„rundum" fügt sich begrifflich schwer). 

199. ad satis „zur Genüge". 

Ital. assai „sehr", afrz. assez „sehr", 
„genug", nfrz. assez „genug", aprov. 
asatz, akatal. asau „genug", „ziemlich", 
span. asaz „sehr", portg. assaz „genug", 
„ziemlich" Diez, Wb. 29 ; ALLG. III, 521 . 



14 



200. ad supra — 217. adventare. 



— Zsfeg.: ital. piirassai , genug" Mussafia, 
Beitr. 91. (Span., portg. assaz ad sa- 
TiEM RL. II, 2G7; RHisp. V, 418 ist 
an sich möglich, reißt aber das Wort 
vom Frz., Ital. los, vielleicht ist span., 
portg. entlehnt aus prov. KJBFRPh. V, 
J,407). 

200. ad supra „über". 
Rum. amprä, log. assubra. 

201. ad tenus „bis". 

Aspan. atanes aqui, apoi'tg. atem, ate 
Diez, Wb. 490. (Portg. atinar „zielen" 
Diez, Wb. 491, s. 8835). 

202. ad trans „jenseits". 

Prov., katal., span., portg. atras „hin- 
ter" Diez, Wb. 325, 

203. ad transactum „unverzüglich", 
„sofort". 

Romagn. atarsatt „auf einmal", 
aprov. atrasait, vgl. 4523. 

204. ad ubi „wo". 
Südital. adduve, aspan. ado. 

205. adnlter „Ehebrecher". 

Aital. avoltro, afrz., aprov. avoutre 
„Ehebrecher", „Bastard" Uiez,Wb. 515; 
Salvioni, P.l (Das -«;- ist unerklärt: ab 
statt AD G. Paris, Mel. hng. 264; 
R. XXIII, 597 ; lautlich G. Paris, Mel. 
ling. 340 macht beides Schwierigkeit). 

206. adulterare „die Ehe brechen". 
Aital. avolterare, afrz. avoutrer, ]}tov. 

avoutrar. 

207. adnltei-iam „Ehebruch". 
[Aital. avoltero, afrz. cwoutire, prov. 

acouteri]. 

208. adiimbrare „beschatten". 

Ital. adombrare, frz. aomhrer, aprov. 
azomhrar. Mit Konj. W. : rum. adumbrl. 

209. adunare „vereinigen". 

Rum. adunä, ital. adunare, afrz. 
auner, prov. azunar (^ aital. asunare), 
katal., span., portg. aunar. — Avenez. 
assunav, apad., avicent. arsunar, amail., 
venez., veron., ferr. sunar, sen. asciu- 
nare Mussafia, Beitr. 30. — Zssg. : ital. 
radunare, lucch. arunare ZRPh. XXX, 
301 ; judik. ardünar „anhäufen", engad. 
runer „aufschochen", obwald. 7-unä 
„schleppen", davon engad., obwald. 
rüna „Garben-Haufen" RomF. XI, 529. 
(Die -s-Formen sind unerklärt, *adsem- 

NABE von *SEMEN — SEMEL, AGUtal. 

II, 406 ist nicht wahrscheinlich, da 
*SEMEN hier fehlt; *EXUNAJtE AGlHal. 
XVI, 430 ist begrifflich nicht erklärt, 
Einfluß von assonare"? Zugehörigkeit 
von obwald. rimndr „sammeln" RomF. 
XI, 529 ist zweifelhaft; vgl. 7495.) 



210. adnncare „sich krümmen". 
Lucch. aoncare „sich übergeben". — 

Ablt. : aonco, livorn. onco „Brechreiz* 
(*advomicare ZRPh. XXVIII, 642 ist 
lautlich nicht möglich). 

211. ad iiiium „in Einem". 

Rum. de adun „zugleich", „zusammen" 
Pu§cariu, Wb. 31 ; alonib. adun, tirol. 
adun Battisü, Vok. A 105 „zugleich", 
Asti: dene „sofort", piem. dilna id. 
RILomb. XXXVII, 522; engad. adiina 
„immer" AGlItal. VII, 515; span. aün 
„noch". (Aün hus adhuc Diez, Wb. 17 
ist lautlich schwer möglich). 

212. adurere „anbrennen". 
Aital. aduggere. 

213. ^adursare „anbrennen". 

Afrz. aorser. (Fällt auf, da auch bei 
einem Partizip -*URSUS -ü-, nicht -u- 
zu erwarten wäre). 

214. *advelare „das Feuer mit Asche 
bedecken", 2. arvelare Gr. Gr. l'^ 
486, 67. 

1 . Bologn. avUir, romagn. avuU, abruzz. 
abhelä. — Ablt.: imol. avule d maron 
„gekochte Kastanien". 

2. Abruzz. arbelü. 

215. *advenicare „ankommen". 
Afrz. avengier „zu Ende kommen", 

forez. avegä „zeigen", poitev. aväSi 
„vorwärts kommen", b.-manq. aväU 
„vorwärts kommen", „ausreichen", mit 
-«- von avant. 

216. adveiiire „vorkommen", „sich 
ereignen". 

Ital. avvenire, afrz., prov., katal. ave- 
nir, aspan. advenir, aportg. avir, nportg. 
advir. Sav. aveni „jemanden erreichen", 
„einem nachkommen und mit sich neh- 
men", val de Saire: avSre „erreichen", 
frz. aveindre „wegnehmen". Littre, Dict.; 
ZRPh. XVI, 380; XXIV, 105; saintong. 
avedre „ einem passen " , „ gut stehen " , afrz. 
avenant, prov. avinen „hübsch", nfrz. 
avenant „geziemend"; ital. avvegnacM 
„obgleich". Diez, Wb. 513. i^rz. avenir 
„ Zukunft " s. 9528. — Aveindre abemere 
Diez, Wb. 513; Rom. Gram. II, 129; 
Dict. Gen. ist unwahrscheinlich, weil 
afrz. aviembre fehlt. Der Konj. W. muß 
vom Futurum ausgegangen sein, was 
zu der Bedeutung gut paßt, -ei- statt -e- 
nach atteindre ZRPh. XXIV, 105 oder 
dialektisch). 

217. adventare „dem Winde aus- 
setzen". 

Ital. avventare „schleudern", teram. 
niendd id., kalabr. abbentare „wittern". 



!218. adventare — 'iSl. *aequaliare. 



15 



log. appentare „spielen", „sich unter- 
halten", nizz. s'aventa „sich auf etwas 
stürzen " , span, aventarse „ fliehen * , portg. 
fivenfar „lüften", „wittern" Diez, Wb.354 
(oder nizz. zu 218; rum. a se avintä 
„sich werfen" ist Neubild.). 

218. adventnre „ankommen", 12. ar- 
ventare Gr. Gr. l', 486,67. 

1. Aital. aivH^rt/-« „gedeihen", „in die 
Augen fallen", siz. abbintari „Ruhe fin- 
den", WQA^.abbendä id., abruzz. abbendd 
„ruhen", „aufhören", airz. aventer ^zu- 
stolien", dauph. avetu „ankommen", 
lyon. aventö „erreichen", sav. aventd 
„herunterreißen". — Ablf.: siz. ahbentu, 
neap. abbiende, abruzz. abbende „Ruhe". 

i2. Abruzz. arvendä „ruhen". 

219. advcutor „Gast". 
Ital. ovi-entore „Kunde". 

220. *adventurft „Vorkommnis", „Er- 
eignis", „Abenteuer". 

Ital. {av)venhira, engad. Ventura „gute 
Heirat", frz. aventure, prov., katal. O 
span., portg.) aventura. Span., portg. 
Ventura „glückliches Ereignis" sind aus 
dem Afrz. entlehnt. — Diez, Wb. 32; 

, , ALLG. I, 236. 

V 221. adversariiis „Gegner", 2. „Teu- 
fel". 

[2. Aital. avversaro, -iere, moden. 
arvmri AGlItal. II, 18; III, 303, afrz., 
prov. aversier, span., portg. adversario. 
— Ital. la versiera aus l'aversiera, regg. 
arvsaria „Wehrwolf"] Mise. fil. ling. 74. 

222. advertere „benachrichtigen". 
[Ital. avvertire, frz., prov. avertir, 

span., portg. adrert/'r; dauph. avertl n 
ize „einen Vogel zähmen"]. 

223. *advitlare „gewöhnen". 

Ital. avvezzare, neuenb. avesi, prov., 
katal. avesar, span., portg. avezar Diez, 
Wb. .344, vgl. i-^44. 

224. ad vix „kaum". 

IXwm. abea, aspan. aves Diez, Wb. 428; 
ALLG. VI, 145. (Afrz. a-visonques 
macht lautlich Schwierigkeit. Das Rum. 
aus oBviAM ESSK „unnütz sein" ATriest. 
XXX, 420 ist unwahrscheinlich). 

225. advocator „Advokat". 
Avenez. avo(/a{d)ro, arbed. iigadrn; 

aital. avvocatore Salvioni, P.*. Auch 
astur., galiz. abogador „Pedell"? 

226. advocatiis „Advokat". 

Ital. avvocnto, engad. avuo „Vormund", 
uengad. gtiyea „Gemeindevorstand" 
AGUtal. I, 1.50, afriaul. avogal, Salvioni, 
P.*, frz. avone, prov. avogat, span. abo- 
gado, aportg. (n)vogado, nporfg. advo- 



gado. — Abu.: ital. avvocare „vor Ge- 
richt vertreten", span. abogar, portg. 
avogar „Sachwalter sein". (Die Be- 
deutung schließt direkten Zusammen- 
hang des Verbums mit aüvocaue „her- 
beirufen" aus). 

227. advolatns „herzugeflogen". 
Afrz. avole „Fremder", „Heimatlcser", 

„Vagabund"; val de Saire: avoU „Frem- 
der". 

228. ae „ja". 

Engad., buchenst, ei, ledrot. ai. 
(Puschl. ai weicht im Akzent ab, gegen 
Ajo Diez, Gram. II, 479 spricht das- 
selbe). 

229. aediflcare „erbauen". 

Afrz. aigier, portg. eivigar Gr. Gr. P, 
986; RL. III, 147. 

230. aeger „krank". 

(Afrz. heingre, nfrz. malingre, ital. 
mingherlino Diez, Wb. 614 ist un- 
möglich). 

23L aegrotns „krank". 

[Venez. ingrotio, grotolo „kränklich", 
mail. crott id., crem, krott „kränklich", 
„bartlos" , romagn. grot „kränklich", 
„frostig", afrz. engrot „Krankheit", en- 
groie „krank" Diez, W^b. 614]. 

232. aegrypius (griech.) „Geier". 
Ital. gheppio Caix, Stud. 34. {gyps 

Diez, Wb. 375 ist formell ungenügend). 

233. *aegyptaiuis „Ägypter". 
Span., portg. </rtff>!0 „Zigeuner" AStN 

SpL. CIX, 280; CX, 421. 

234. aegyptiäcus (dies) „Unglücks- 
tag". 

Span, aziago, valenc. abciach „von 
schlechter Vorbedeutung". Simonet, 
Glos. Mozärab. (Diez, Wb. 428 zu 
span. auce ist lautlich und formell un- 
möglich). 

235. aegyptins „schwärzlich", 2. 
aegiiptins CGIL. II, 11,54. 

Ital. ghezzo, agnon. itts „schwarz", 
abruzz. gettse „Naturfarbe der Wolle", 
lomb. gels „Eidechse", modic. yittsu, 
Bari: gittsf, molfett. ittsek§ „Geier" 
AASTorino XLIII, 623, RDRom. I, 253. 

2. Trient. agots „Geier". 

236. Aegyptus „Ägypten". 

lial. ghetto „Judenviertel", prov. giiet id. 

237. *aequaliare „gleich machen". 
l[a\.nguagliare, engad. ugnaCer, friaul. 

tiayd, prov. egalhar; tirol. agaiS „stüt- 
zen". — Ablt. : tarent..9M«^^<o „Gergel". 
(Westfrz. (d)egag^ „zerstreuen" R. VIII, 
439 ist begrifilich und formell be- 
denklich). 



16 



238. aequalis — 249. aesluare. 



2.38. aequalis , gleich". 

Aitid. iguale, i[a].ugiuale, engad.inguel, 
friaul. anal, afrz. ivel, prov. engal, spaii. 
{> kalal.), portK. igual; ital. avale „so- 
gleich % log. galu „auch". — Ablt.: ital. 
gualivo, engad. gualif, friaul. ualif 
„eben", „glatt". Die Ablt. ist raetisch, 
iiordital., tosk. Mussafia, Beitr. 65; Bat- 
tisti, Vok. A 10.3 ; portg. galivar Jormen'^ , 
„zurecht schneiden". „Balken behauen". 

239. aequare „gleich machen". 
Afrz. ever, prov. egar „ordnen", nprov. 

e[i)gä, engä „herrichten", „kastrieren", 
aspan., aporig, ignai: 

240. aer „Lult". 

Rum. aier^ aital. aire, engad., friaul. 
ager, frz. ah; prov., katal., span". aire, 
portg. ör; bergeil. air „schlechtes Wet- 
ter", „Sturm" RILomb. XLII, 970. Vom 
griech. Akkusativ *aeba: ital. aria, 
mazed. aerä „Kühle". — Ablt.: prov. 
airial „Kellerfenster" NPhM. 1809, 111 : 
katal. enlairarse „übermütig w«rden" 
ZRPh. XXXIII, 479 ;Diez,Wb. 6; RILomb. 
XXXIX, 611. {aria aus *aerea AGlItal. 
III, 401 macht lautlich Schwierigkeiten, 
für einen Plur. Neutr. *aera ist kaum 
ein Vorbild zu finden. Die Annahme 
griech. Ursprungs auf dem Wege dos 
Seeverkehrs wird durch die geographische 
Verbreitung von aria nahe gelegt. — 
Aria „Art", „Melodie", „Gesicht" s.276). 

241. aera „Zeitraum", Plur. von aes 
„Zahl". 

[Ital. era, frz. ere, span., portg. era. 
Diez, Wb. 126. — Zs?g.: alog. querra, 
QUA AEBA „wann" RILomb. XLII, 84.5 
ist zweifelhaft]. 

242. aerauien „Kupfer", 2. aramen 
Einführung 120. 

2. Rum. aramä, ital. i-aine, log. i-a- 
mine, engad. aram, obwald. mit auf- 
fälligem Anlaut irovi, afrz. aroin, nfrz. 
airain „Erz", prov., katal. aram, span. 
uramhre, alamhre, portg. arame „Mes- 
sing". — Ablt.: afrz. airaine „Trom- 
pete" nach dwiQaine Cohii, Suff. W. 165. 
— Diez, Wb. 262 ; ALLG. I, 242. (Ital. 
ramarro s. 7111). 

243. aeru^o „Rost", „Grünspan", 
2. *aerigo Rom. Gram. II, 359. 

1. Ital. rnggine, veron. marüzene 
„Groll", „Haß". — Ablt.: rum.rjt^'mi, da- 
von ruginä, ital. arrngginirsi „rosten"; 
montal. rugginare „wütend sein". 

2. Romagn. redzna, span. orin, Mask. 
Diez. Wb. 278. (Obwald. rulna ALLG. 
V, 238, s. 7i02). 



244. aesculus „Speiseeiche". 

Aital. ischio Diez, Wb. 379; ALLG. II, 

278. 

245. aestas Fem. „Sommer". 

Ital. istate, anordital. instae AGlItal. 

III, 443, march. istata, hiv.distä, bellun. 
destd, istr. listd, campid. isfadi, engad. 
sted, fiiaul. instat, trz. ete, prov. estal. 
Tirol., nordital., südital., prov. mehrfach 
Mask. nach hihkbnvm Rom. Gram. II, 

380, woher auch zum Teil das i-, ATriest. 
XXX, 155. — Ceiign. statoif, abruzz. 
statire, tarent. statiu aestate -\- aes- 
Tivo {248). — Ablt.: log. istadiale, 
gallur. statiale „Sommer" ; avenez. sta- 
dnlimt, amail. staorina, lomb. stadarina, 
atadorela „Altweibersommer", sonst in 
dieser Bedeutung ital. istate di S. Mar- 
tino, venez. istadela de S. Martin, frz. 
^te de la S. Martin oder eti de la S. 
Denis, Mussafia, Beitr. 110; Merlo, Stag. 
mes. 29. 

246. aestimare „schätzen". 

Ital. stimare (^ engad. stimer), log. 
istimare, aengad. astmaer, ohwalii. stuniä 
„einpfänden", tirol. stomS „Rätselraten", 
afrz. esmer, prov., katal. esmar (> span. 
asmar, aspan., aportg. osinar mit Anlaut 
von husmar {6112) ZRPh. Bhft. VI, 53). 
— Ablt.: ital. stima, afrz., prov. esme 
O aital. esimo) „Schätzung", nfrz. etn- 
mes „in Zwischetuäumen errichtete Erd- 
hügel, welche das Profil eines zu er- 
bauenden Dammes, Walles usw. an- 
geben", katal. esme „Behutsamkeit"; 
berrich. emäs „Verstand" Thomas, Mel. 
93; aspan. estemado „verstümmelt" 
ZRPh. XIX, 575. — Zssg.: lothr. dezome 
„sich in derSchätzungirren"R. XXXVIII, 

381. (Span. e.S'<<'»i«c?o ist zweifelhaft; zu 
STIGMA oder zu germ. stemb KJBFRPh. 

IV, 1,314 ist auch lautlich bedenkheh). 

247. aestivare „den Sommer zu- 
bringen". 

Span, estiar „sich aufhalten", „anhal- 
ten" Diez, Wb.4.50. {Porig, estiar, s. 248). 

248. aestivus „sommerlich". 

1. Ital., limous. estio „Sommerleinen" 
Diez, Wb. 404. 

2. Aapul. stibo, log. isiiu, prov., katal, 
valenc. estiu, span., portg. estio „Som- 
mer". — Ablt.: portg. estiar „aufhören 
zu regnen", „aufheitern", „abkühlen". 
Merlo, Stag. nies. 31 {estiar wegen der 
Bedeutung nicht zu 247; ilal. stivale 
„Stiefel" Diez, Wb. 307, s. 8345). 

249. aestuare „in leidenschaftlicher 
Bewegung sein". 



250. aesluariuni — 2G1. afflare. 



17 



Zssg. : afiz. desver „von Sinnen kom- 
men", nfiz. j-eoer ^träumen'' R. XXXVII, 
157. (Teils lautlich, teils l»e{?nftlich kön- 
nen Dissii'KUE Diez, Wb. 561 ; *i>iiiVA- 
DEHK R. VIII, 264; ZFrzSpL. XVIII, 271 ; 
*DisviAHK Upps. Rom. Fil. 251; *dksu- 
ATUs ZRPh. XVIII, 202; ^desaevirk 
ZRPh. V, 178; *1)Isäequare ZRPh. 
XXIII, 118; bzw. BAiiiARE Diez, Wb. 
€69; Rückbild, von kebellabe Abb. 
A. Tobler (!{.'. 269; ^-uequiahe AGlItal. 
XIV, 297 nicht mehr in Betracht kom- 
men). • 

250. nestnarinin „Seelache". 

Frz. i'ticr, prov. estier, span. estero, 
portg. estciro „Layrune". — Ablt. : frz. 
Miage , niedrigster Wasserstand". 

251. aetas „Alter", 2. ae(v)itas, 3. 
*ae(T)ita. 

1. Log. edade, airz. ae, prov., kalal. 
cdatf span. edad, j:ortg. idado. — Ablt. : 
afrz. eaqe, nlrz. dge; portg. {i)doso „he- 
tiigt" RL. III, 21 ;'XI, 43, aportg. adiano 
„erfahren", „erprobt" RL. XI, 44. 

2. Ital. ctä, piem. eitä, viver. itä, 
apisan. aitade. sen. etiä, abruzz. oijetd, 
jieap. aitä, engad. eted, Iriaul. eint. 

3. Fvia-ü].!/ete, engad. ctfo. „Zeitpunkt", 
„Augenblick", vgl. alban. yete (> mazed. 
■i'fä). (Das Verhältnis von 1 und 2 ist 
dunkel; la etate AGlItal. XVI, 207 er- 
klärt -t- nicht; dieses -^ dem ae zuzu- 
schreiben, wie au den Wandel von -t- 
zu -d- hindert, AGlItal. XVI, 183, geht 
nicht, weil e aus ae älter ist als -t- zu 
•d-. Das Verhältnis von 2 zu 3 ist das 
von JCVEXTAS zu jrvEyTA)^j^,^„...-o 

252. *afannare „sich abnvmien''. 
Ital. offannarsi, afrz. ahaner „das 

Feld bearbeiten", prov., katal. (> span., 
portg.) afanar. — Ablt.: ital. äff anno, 
afrz. ahan, auch zur Anstrengung auf- 
lordernde Interjektion, lian „Qual" ; 
prov., katal. (> span., porig.) afan 
„Qual": lütt, ahä „junge Saat" ; ital. afa 
„Schwüle", „Ekel", f-\\h\&.c.yeUä i/dffilti, 
canistr., vellelr. tfeitd l'afa „den Vogel 
behexen durch den Blick der Schlange", 
velletr. äffjdo „Verzauberung"; lyon. 
ofanih-f, ofanay§ „Anteil der Schnitter 
und Drescher am Getreide". Diez. Wb. 7. 
Ursprung dunkel, kaum gallisch. Es 
scheint ein Ausdruck der Feldarbeit, 
und Nordfrankreich Ausgangspunkt zu 
sein, vielleicht liegt ahav als Interj. zu- 
grunde. Prov. so/"<T»)fl'r „höhnen", „spot- 
ten" ZRPh. VI, 110 liegt begrifflich 
.fern). 



253. »affactare „herrichten". 
Ah'z.a fault r „herrichten", „schmük- 

ken" (> piem. {a)faiU „düngen", 
avenez. affaitar „gerben", span. afettpr 
„schmücken", „den Bart scheren", porig. 
enfeitar „schmücken"); wallon. afati 
„gewöhnen", norm, afete „würzen", 
lyon. afeti „Getreide wannen", prov. afa- 
char „herrichten", „schmücken". — Ablt.: 
lyon. afetü „Sieb". (Die Beschränkung auf 
das Frz. macht lat. Bildung zweifelhaft, 
aber die Bedeutung läßt Ablt. von frz. 
fait ebensowenig zu wie Herleilung von 
AFFECTAJiE Portg. enfeitar ineectare 
Diez, Wb. 415 ist nicht nötig). 

254. affßctns „Gemütsstimmung". 

Afrz. afit „Neigung", „Schimpf", „Be- 
leidigung". — Ablt.: aftter „beleidigen". 
Foerster, Yvain 70. {Afiier ist Neubild., 
da es begrifflich nicht zu affectare 
paßt). 

255. affectiis, -a „beschaffen". 
Aspan. nfecho „gewöhnt". 

256. •afferrare „festhalten", „ergrei- 
fen". 

Ital., log. afferrare, prov., span., portg. 
aferrar. 

257. afflbnlare „mit einer Spange 
befestigen". 

Ital. affibbiare, fvz.affublei- „den Man- 
tel anziehen", „sich vermummen", reims. 
afi'de „mit einem Kopfputz versehen", 
prov. afublar, afiblar, katal. afiblar; 
log. altibbiare mit -tt- von attaccare. 
— Ablt.: afrz. afuhlail, prov. afiblalh 
O ital. affibbiaglio) , katal. afiball 
„Haftel", „Schließhaken"; prov. afible 
id.; afrz. afnloir „ein Kleidungsstück", 
morv. afiyur „Schäferinnenmantel", 
wallon. afiilör „Mantel", pikard. afiilür 
„BVauenkopfputz" R.XXXVIII, 357; Diez. 
Wb.503; ALLG. I, 236; Rom. Gram. I, 
28; AGlItal. XIII, 362. 

258. "affidlcare „vertrauen*. 

Log. affifi-are „auf etwas bauen", „hof- 
fen". (Oder zu 3289?). 

259. affigere „heften". 

Ital. affiggere, tarent. affinere „auf- 
hören", katal. afeqir „hinzufügen", 
„übertreiben" ZRPh! XXIX. 418. 

260. *affllare „schleifen". 

Ilal., log. affilare, frz. afiier, prov., 
katal. afilar, portg. afiar (span. ahilar, 
portg. afilar gehören nach ihrer Bedeu- 
tung zu 3805). 

261. afflare „zuwehen", 1. „*finden*, 
2. 'arflare „packen". 

1. Rum. aflä, dalmat. aflar, obwald. 



Meyer-Lübkc, Roman, elymolog. Wörterbuch. 



18 



262. afflgctere. — 276. ager. 



anflä, tarent., apul. akkyare, kalabr. 
ciKHare, neap. asä, siz. asari, amarch. 
afflare ZRPh. XXXII, 607, span. hallar, 
portg. achar. Die Bedeutungsentvvicke- 
lu'ng ist entweder „anblasen\ ,an- 
steciien% „packen", „finden" Diez, Wi). 
414; 457; ZRPh. XXXI, 579, oder „bla- 
sen", „rierhen", „aufspüren" (von Hun- 
den) ZRPh. XXXII, 231. 

2. Tosk. arfiare ZRPh. XXXI, 579. 
(Span. a)ar, ahajar, astur, afai/ar „be- 
schimpfen" Diez, Wb. 458 ist lautlich 
kaum zu rechtfertigen; ital. arfiare zu 
7085 ZRPh. XXXI, 719). 

262. afflectere „hinlenken". 
Teram. afflette „verleiten". 

263. affligere „einen bekümmern". 
Afrz. aflire. — Ablt.: amail. afizi- 

mento, alod.afectivamenteSalvioni, P.^'^; 
GStLltal. XLIV, 423. 

264. "afforare „taxieren" {forum 
„Markt"). 

Airz. afeurer. prov., katal., span., 
portg. aforar Diez, Wb. 146. 

265. afforas „draußen". 

Rum. afarä, ailal. affuori, avenez. 
afora, afrz. afors, span. afuera, portg. 
afora. 

266. affractuin „zerbröckelt", 2. 
„Kleie". 

2. Span, afrecho, galiz. afreifo R.XVII, 
52. 

267. •affrontare „die Stirn bieten", 
„trotzen". 

Ital., log. affrontare, frz. affronter, 
prov., katal., aspan. afrontar, nspan. 
afrentar, portg. afrontar Diez, Wb. 8. 

268. *affnmare „räuchern". 

Rum. afumä, ital., log. affutnare, 
prov., katal. afumar, span. ahumar, 
portg. afumar. 

269. *affaiidare „versenken". 
Rum. afundä „verliefen", ital. affon- 

dare, afrz. afonder, span. afondar, portg. 
afundav. Mit aufföUigem Konj.W.: prov. 
afondre. — Ablt.: log. affungare „ein- 
tauchen". (Rum. eher Neubildung, viel- 
leicht auch die anderen). 

270. arhaleu (niederl.) „herunter- 
holen". 

Frz. affaler „Tau werk herunterziehen " , 
prov. afalä, gen. afalä Diez, Wb. .503. 
(Die geograph. Verbreitung und gen. -l- 
spricht gegen chalare 1487). 

271. africiae „Art Backwerk". 
Mazed. afreaß „auf Kohlen teuer go- 

backenes, ungesäuertes Brot" JBIRum 
SpLeipzig XU,. 101. 



272. africns „afrikanisch". 

1. Ital. af(f)rico AGlItal. Xill, 141, 
serb.-kroat. i/apr/c, span. abrego „West- 
sfldwestwind", aportg. abrego, avrego, 
avergo „Südwind" Moreira, Est. ling. 
portg. 188; Diez, Wb. 413. 

2. Neap. afrek^, tarent. afrikf „Art 
Naht"? 

273. aftojän (iangob., vgl. got. af- 
dojan) „autreiben". 

kvei.atojare „ermüden", pistoj.w^/H/re^ 
„unterwerfen" Caix, Stud. 169. 

274. agaso „Pferdeknecht". 
Log. (b)asone, bitt. agaxone. 

275. *agatza (ahd. Koseform zu ago 
ZVglSpF. XXXIV, 350) „Elster". 

Piem. {a)yasa, grödn. gada, frz. agace, 
prov. agasa, katal. garsa; wallon., 
neuenb. agas „Hühnerauge". — Ablt.: 
lyon., prov. agasin, piem. ai/asin 
„Hühnerauge", afrz. agacier „schreien 
wie eine Elster", „reizen" ; mit aacier 
137 vermischt: nfrz. agacer. Das Wort 
ist allgemein prov. aufser gask., dann 
südostfrz., ostfrz. und nordoslfrz., fehlt 
im Zentrum und Westen. At. Ling. 1010. 
Die Bewahrung des -(f- fällt ayf. (Agaldra 
Diez, Wb. 159; FrzSt.VI, 12 i.st lautlich 
unmöglich, obwald. hatzla ZRPh, XVI, 
321 ist schweizerd. hatzle. — Ital. gaz- 
za s. 3640). 

276. ager „Acker", „Feld". 

Rum. agru, hev^am. ager, avenez. agro, 
afrz. aire „Adlerhorst", „Nest", „Her- 
kunft", „Art" Cy ital. aria in Anlehnung 
an aria 240 „Art", „Weise", „Melodie", 
span. aire „Anmut", „Gebärde", portg. 
ar „Miene", „Gebärde", „Benehmen", 
„Eitelkeit". Die Bedeutung „Melodie" 
scheint sich in Italien entwickelt zu 
haben und auf frz. air, span. aire, 
portg. ar übertragen worden zu sein), 
prov. «^r<?„ Nest", „Familie", „Herkunft", 
galiz. agro „umgrenztes Grundstück", 
agra „Acker". — Ablt.: val-sass. agroü 
„Alpe", prov. agreira „Zehnten". — 
Zssg. : afrz. de bon aire „von guter Art", 
nfrz. debonnaire „gutmütig". Zum Ge- 
schlechte des afrz. Wortes AStNSpL. XCIX, 
208; C, 169; Salvioni. P.'. (Die Ver- 
knüpfung mit AF.R 240 Diez, Wb. 7; 
Dict. Gen.; ZRPh. XXX, 296 ist begriff- 
lich schwieriger, namentlich ist die Ver- 
bindung von „Luft" und „Weise" nicht 
hergestellt. Für afiz. aire „Nest" area 
zugrunde zu legen, verbietet prov. agre, 
mlat. ad nidum suum qui a quibusdaui 
area appellatur bei Friedrich IL, De 



in. agyer. — 294. *ayranio. 



1» 



venatione II, 3 ist falsche Latinisierung. 
Atkium ^V^ohxwm^'^, „Geschlecht" ASt 
NSpL.LXXVIl, 118 ist begriiriich nicht 
hepründet. Obwald. er AGlltal. 1,95 eher 
zu 626; aspan., aport^,'. aro s. 692). 

"211. ag-ger, -eris „Danini", 2. arger 
Gr. Gr. I^, 48(i, 67. 

i2. Venez. ärzare, veron. aldzaro, 
^'en. erze; ital. argine, piem. erzu, spaii. 
urchi „Rand", „Brustwehr" Diez, Wb. 
L>4; ALLG. I, Wi; Salvioni, P.i. 

278. agglomerare „zum Knäuel bin- 
den". 

Tarent. ayyumhrä, avell. adiomarare. 

279. aggravare „beschweren". 

Ital. iiggravare, afrz. agrever, prov., 
katal., span. agravar, portg. aggravar 
oder []V 

280. agilis „schnell". 

Rum. ager „schnell" (vom Pferde 
usw.), „flink", „scharfsinnig" Pu§cariu, 
Wb. 37. Auch münstert. «/."feZ „tlink"? 

281. *aglna „das Treiben", 1. „Trilt", 
2. „Eile". 

1. Ital. aggina. 

2. Aital. {a)gina, march., röm. aina, 
aspan. ahina, aportg., transqiont. nr^/n//«, 
galiz. aizinJia, nportg. asinha „schnell" 
aus a aninha. Auch avet. gina „Gier"? 
— Ablt. : sen. aglnarsi, march., abruzz. 
(ii/inars, reat. ainasse „sich beeilen", 
liiez, Wb. 8; ALLG. I, 236. (Astur, an- 
tainar „beeilen" R. XXIX, 374 ist in 
der ersten Silbe unklar, span. trajlnar 
s. 8303; friaul. agine „Fingerknöchel" 
AGiItal.XVI,219; engad. «//;« „Hechel", 
uengad, «j/jör „hecheln" sind begrifflich 
nicht zu verbinden; ital. acciannarsi 
„sich abrackern" Caix,Stud. 135 paßt nach 
Form und Bedeutung nicht. Agina zu 
-4«/A':Ai?£ „handeln", „verkaufen", „Krieg 
führen" ist begrifflich, aggina lacinia 
ZRPh. XXIII, 514, portg. asinha ad 
SIGNUM Diez, Wb. 427 lautlich und be- 
Krifllich abzulehnen. Lomb. giiia, emil. 
dzina, gen. zinna, siz, yina „Zarge in der 
Fafsdaube" RaBLItal. 11, 149 i.st begriff- 
lich nicht zu rechtfertigen, ebensowenig 
gehört es zu griech. gyne „Frau" Lorck, 
Abergam. Sprachd.2()6; noch zu deutsch 
.Zinne" AGlltal. XV, 105. — ZRPh. 
XXVI, 416 gibt über die Verbreitung 
von dzina Auskunft, führt aber zu keiner 
Etymologie). 

282. agina „ein Bestandteil der 
AVage". 

Zssg. : campid. sants-aiiwdda „Schau- 
kel", vgl. santsiai „schaukeln". 



283. agitare 1 . „hm und her bewegen", 
2. „wiegen". 

2. Abruzz. asetd, obwald. d'üä RomF. 
XI, 473. 

284. ag-nellus „Lamm". 

Rum. niiel, ital. agnello, engad. agni, 
friaul. aüel, frz. agneau, prov. anhel, 
katal. anyell. Femininum überall -a, 
doch in den nordfrz. Mundarten im 
ganzen wenig üblich. — Ablt.: ital. 
agnelloiti, lomb. aüolin „ Fleischpastet- 
chen". {Agnellotti zu anello Gaix, 
Stud. 144 ; AGlltal. XV, 136 ist weniger 
wahrscheinlich, gleichbedeutendes parm. 
anolen eher Anlehnung an anel). ALLG. 
VI, 377; At. Ling. 11. 

285. Agnes (Eigenname). 

Trient. fies, romagn. fleza, nizeüa 
„dumme Person", triest. züizola 
„schwächliche Person" Vidossich, Stud. 
dial. triest. 37. 

286. agiiile „Schafstall". 
Log. annile Salvioni, P.'. 

287. agninus „lämmern". 
Aital. agnino. 

288. *agnio „Lamm". 

Ossol. aiion, log. andzone. — Ablt.: 
log. andzare, campid. angai „Junge 
werfen" Salvioni, P.^; ZRPh. Bhft. XII, 
59. (Auch *ANNiONE „Jährling" Rom. 
Gram. II, 459 wäre möglich. — And- 
zare *iNDiciAJiE ZRPh. XXIX, 608 geht 
lautlich nicht). 

289. *agnötare (zu agnoscere). 

Log. annod-itare „schwach unter- 
scheiden", „kaum erkennen". (Zu^vorr^i: 
AGlltal. XV, 481 liegt begrifflich ferner). 

290. agnas, -a ,Lamm". 

Ital. agno, tarent., neap., arpin. ain^, 
kalabr. üyun^, avune, amiine, abruzz. 
ay§nf, portg., galiz. anho. Nur Fem. 
afrz. aigne. — Ablt. : kalabr. aniarese 
„sich begatten" (von Schaf und Widder) 
AGlltal. XV, 481. 

291. agouia „Todesangst". 

[Afiz. a(n)goine, venez., katal. angunia 
„Angst" mit -n- von angor]. 

292. agoniare (zu agonia). 

Ital. agognare „ängstlich verlangen" 
Diez, W^b. 351. 

293. aj^oiios (griech.) „unfruchtbar". 
Campid. agonu. 

294. *agraniO; -oue (gall.) „Schlehe" 
(ir. atme, kymr. eirinen). 

Gare, agraniln, westprov. arafiün, 
katal., mallork. aranyö, arag. araflon. 
— Ablt.: katal., mallork.; valenc. aran- 

2* 



20 



295. agrestis — 309. *alauus. 



Iraner ^Schlehenstaude\ \- marana: 

span. marafion ZRPh. XXXI, 586. 

295. agrestis ,,wild''. 

Lecc. riestu, siz. arestu, log. areste 
Salvioni, P.^ — Zssg.: ital. gnaresta 
^Ait herbe Traube", vinea agrestis 
StFR.11,5. (Nicht hierher ital. yreggio, 
(jrezzo, s. 3860, afrz. engrh 4451). 

296. *agru „Hebelstütze", , Heber. 
Woher? 

Prov. agre, aigre, forez. ^gre, lyon. 
egri, obwald. agi'a, judik. agro. — 
Ablt.: judik., trient. agrar , wegbringen". 
(Ursprung unbekannt, acris, griech. 
acros , spitzig" liegen begrifTlich ab, 
auch von aggerare „aufdämmen" 
kommt man schwer zu agrar. Priori- 
tät des Verbums würde das Schwanken 
im Geschlechte leichter erklären). 

297. agfilia „Obelisk". 

Ital. guglia; auch ital. agiiglia, log. 
agudza „Nadel". Identisch mit ^crz-i'^i 
123'i 

298. 'ag^aini (arab.) „barbarisch". 
Aital. agcmina O mfrz. azemine) 

„Ziselierarbeit"; span. «?;a^Hiff „Sprache 
der arab. sprechenden Christen in Spa- 
nien" Dozy-Engelmann,Gloss.45; ZRPh. 
XXXII, 41 ; XXXIII, 62. 

299. ahlas (arab.) „braunrotes Pferd". 
Span. alazan{o) (> frz. alezan, portg. 

alazäo) Eguilaz y Yanguas, Glos. 96. 

300. *albom (gall.) „Äußeres", „Mie- 
ne". 

Prov. rt/^ „Sitte", „Gewohnheit", lyon. 
tva „Art", „Rasse", agen. aibo, averon. 
aibo „Sitte" Thurneysen, Keltorom. {^8; 
portg. eiva „Fehler", „Gebrechen" ZRPh. 
XI, 270. (Aip HABEO RomF. I, 237 ist 
begrifflich unmöglich; eiva aus * Labia, 
LABES Mise. fil. ling. li^5 erklärt den 
Schwund des l- nicht). 

301. aifrs (germ.) „scharf", „bitter". 
Aital. «/"ro „herb", „ sauer ",tarent.rt/y(o, 

frz. äff res „Schreck", „Angst", prov. afre 
„Schrecken". — Ablt.: ital. affricogno 
„säuerlich", fricogno „Art Traube", frz. 
offreux „häßlich", morv. efrü „gierig". 
Diez, Wb. 503; Caix, Stud. 93; FrzSt. 
VI, 180; ZRPh. XXIV, 70. 

H02.aign (germ.) 1. „eigen", 2. „hörig", 
3. „eigner Grund und Boden". 

1. Antilonorm. ein{e). 

2. Judfrz. ain. 

t.o ^^^''^^- ""'('^) ^- XV, 280; XXV, 
518; XXXIX, 133. Es handelt sich wohl 
Ulli Entlehnungen aus verschiedener 
Zeit und von verschiedenen Seiten her. 



.303. aker (ahd.) „Acker". 

Ital. acro, frz., namentlich norm, acre 
„ein Feldmaß" Diez, Wb. 503; FrzSt. 
VI, 63; ZFrzSpL. XXVI, 182. 

304. ala „Flügel". 

Ital., log. ala, engad. ela, friaul. ale, 
frz. alle, prov., kalal., span. ala, aportg. 
rtrt, Plur. US, daraus nportg. Plur. asas. 
Sing, asa Gr. Gr. ^^ 970. — Ablt.: 
engad. aler „Spulenflügel am Spinnrad", 
frz. hallier „Netz zum Wachtelfang", 
span. alar „Dohnen", alero „Steckgarn", 
„Dachtraufe", „Tellerrand" Thomas, Mel. 
1 2 ; ZRPh. XXVI, 404 ; Irz. aleroii, aileron, 
alichon, prov. aleinin „Radschaufel" 
Thomas, Mel. 11; beir. atkfa „fliegende 
Ameise" : alemt. aselha „Achselhöhle" 
RL. IV, 228; \i-A\. alegyiare, aliare „mit 
den Flügeln schlagen", alia „Flügel" 
Mise. Ascoli 465; afrz. aleter „pochen" 
(vom Herzen), „keuchen", nfrz. haleter 
SBPreußAWHerlin 1893, 16; R. XXII. 
340. — Zssg. : log. alibedde vellis 
„Fledermaus". (Afrz. ha reter „klopfen" 
= haleter ZRPh. XVIH, 219 unwahr- 
scheinlich; portg. asa ansa Leite de 
Vasconeellos, Mirand. II, 153 gekün- 
stelt). 

305. alii „Alant". 

Katal., Span. (> portg.) ala. 

306. alabastruni, Alabaster", 2. "ala- 
baustrum. 

1. [lla.l.alahaslro, afrz. {a)lehastre, nfrz. 
albtUre, span., portg. alabastro]. 

2. Prov. alabau>iire (> afrz. (n)le- 
baustre) G. Paris, Mel. ling. .561. 

.307. alacer „munter". 

liAl.allegro C^leccliegru, log. allegrii, 
campid. allirgu), arbed. alegar „Gruß 
beim Abschied", friaul. legri, afrz. ha- 
laigre, prov., katal. (> span., portg.) 
alegre. Ital., prov. scheint *alicer, 
*ALECRis vorauszusetzen, doch ist nicht 
ganz sicher, ob das Wort in Italien 
bodenständig ist. Das afrz. h- von germ. 
hau Gr. Gr. P, 796. — Diez, Wb. 12; 
ALLG. 1, 237 ; RomSt.IV, 53 ; Rom. Gram . 
I, 273 ; Ital. Gram. 50 ; StltalFCl. I, 395 ; 
Einführung 112; RILomb.XLII,668. 

308. alamauuiis „Alemanne". 

Frz. allemande (^ ital. allemanda, 
alamanna, span. alamanda, portg. alla- 
manda) „eine Art Tanz". 

.^,09. •alauus „Dogge". Woher? 

Ital. alano, airz., prov. alan, span. 
alano (> porig, alüo) (Ursprung unbe- 
kannt, albamis Diez, Wb. 10 ist lautlich 
unmöglich, Verknüpfung mit dem Volks- 



310. *alapa — 325. *alhuca. 



21 



nanieii der Alanen .sachlich nicht be- 
grüiulet. Wäre Nonlfrnnkreich der Aus- 
^'anpspunkt, so könnte man zur Not an 
(las Part. Präs. von aller denken). 

310. 'aläpii ,Sch\vinge\ ^Plügel". 
Rum. (tripä „Fiüjrel'', ^Padschaufel", 

afrz. unee, nfrz. aube „Radschauf'el", 
, Verbindungsstücke der zwei Satlel- 
liogcn", prov. aubo, nrbro, alibre „Rad- 
schautel", sjian. älaba ^Radschaufel", 
,Rohrgetlecht an beiden Seiten des 
Wagens", ,, Dachtraufe", ^herabhängen- 
der Zweig", portg. aha „Flügel eines 
Gebäudes", „Schirm der Mütze", „Rand". 
— Ablt.: log. alahnre = frz. auhe 2, 
l)rov. alnhart id. ZRPli. XXXI, 582; 721. 
Ursprung unbekannt, vielleicht Zusam- 
menhang mit alapore „ohrfeigen". 
(Rum. äripä von ALiVKfi Densusianu, 
Hist. 1. roum. 1,307, frz. auhe von alba 
Liltre Dict.; MSLParis X, 325, span. 
(Uahc entlehnt aus frz. auhe Rom F. 
XII, 652 sind begrifflich und zum Teil 
lautlich unmöglich). 

311. nlapnrc „sich brüsten", „prah- 
len". 

Span., portg. alahar „loben" ZRPh. 
lll, 103. [Allaudare Diez, Wh. 415 
ist lautlich unmöglich). 

312. alatcrnns „Wegedorn". 
Perug. latcrno, röm. lanterno, salern. 

Utfono, florent. lintevno, istr. adran 
ZRPh. XXIV, 419, log. aladerru, ali- 
(lemt, campid. ay-rideli, prov. aJadern, 
daradi, taj-ndern, lairodo-no, katal. ala- 
dern, aJahern, {U)adern, spnn.aladierno, 
labi^rnago, portg. adei-no Salvioni, F.'. 

313. alaiula (gall.) „Lerche". 
Rrosc. sarloda, avenez. loa, obengad. 

ahtuda, afrz. aloe, prov. alauza Okatal. 
alosa), aspan. aloa. — Ablt. : ital. (al)- 
lodola (y engad. lodola, friaul. lodule), 
siz. lodana, lonara RILomb. XL, 1113; 
frz. alouette „Lerche", aloyau „Art 
Lendenbraten", ursprünglich vielleicht 
„Fleischsorte, die wie ein kleiner Vogel 
am Spieß gebraten wird" SBPreußAW. 

i^erlin 1893, 19. h calakdra: wald. 

fnndfo, si)an. aJondrn. Diez, Wb. 13; 
Mussafia, Beitr. 74; SlFR. IX, 419. 

314. alansa (gall.) „Also"? 

Frz. alose, prov. alanzo, span. alosa. 

315. Alava (baskische Provinz). 
Ablt.: prov., katal. alavesa, span. ala- 

hesa „Art Lanze". 

316. *albaiins „W^eihe" von albus? 
Prov. alban. — Ablt.: ital. albanella, 

prov. albanel, frz. {h)obereau aus *obe- 



neau, aubrier Diez, Wb. 10. (Portg, «?- 
väo „schwalbenähnlicher Vogel" entfernt 
sich in der Bedeutung, ist also wohl 
Neubildung von aho). 

317. *albäris, 2. albarins „weißlich". 

1. Prov. albar „Wasserholunder", 
„Weide", span. albar, portg. alrar; auch 
galiz. albar „Mühlstein"?, vgl. negral 
id. — Ablt.: mant., bresc. albaröl „zwei- 
jähriges Kalb", i)ori^. alcarinho „weiß- 
lich", „schwächlich". — Mit Suff. W.: 
prov. aubö „Wasserholunder". 

2. Frz. obier „Wasserholunder" ; neu- 
enb. nb^r, waatl. ober „Südwind", eigent- 
lich der Wind, der aus der hellen, son- 
nigen Gegend kommt BGlPSRora. II, 63. 

318. illbarus „Weifspappel" ALLG. 
XIII, 50. 

Ital. albero, albaro, lomb. albera, 
venez. albara, gen. arbua, piem. alb)-a 
„Schwarzpappel", siz. ärbann id., log. 
sälvaru, prov. aubro, katal. alba. — 
Ablt.: bologn. albaraz, piem. arbron, 
katal. albareda „Pappelhain". — Auch 
ital. älvano „Esche", siz. arvanu „Erle"? 
Diez, Wb. 351. 

319. albaster „Aveißlich". 

Rum. albastric „hellblau", mazed, 
albastrn „grau", nalbastra „graues 
Schaf". 

320. albesoere 1. „weiß werden", 
2. „Tag werden" zu alba. 

1. Rum. alb\. 

2. Siz. arbisiri, kalabr. brisire; aW 
arbesennu „bei Tagesanbruch", log. «7- 
beskere. 

321. albicare „Aveiß machen". 

Ital. albicare „weißen", campid. ar- 
bigai, abbrigai „Eisen schweißen" Sal- 
vioni, P.S span. albegar. 

322. •albicellus „weißlich". 
Lucch. arbugello „weiße Feige". 

323. 'albispiiia „Weißdorn". 

Frz. aub^pine, prov. albcspi ALLG. I, 
237; Rom. Gram. 11.543; At. Ling. 68. 
Die Wortstellung und das Adj. albus, 
das im Frz., Prov. fehlt (331), weisen 
auf lat. Bildung. Die männliche Form 
ist auch südwe.stfrz. ; wo die weibliche 
im Prov. vorkommt, liegt wohl reichs- 
sprachlicher Einfluß vor. 

324. *albor „Morgenröte" zu albes- 
cere 320. 

Rum. alboare „Tageshelle", „Licht", 
siz. albiiri. afrz. auhour, prov. albor, span. 
albor, porig, alror ZRPh. XXXI, 698. 

325. 'albuca (gall.) „weiße mergel- 
haltige Erde". 



326. albucium — 339. *alicunus. 



Morv. obii, saintong. öbüK, prov. au- 
hngo. 

326. albncium ^Asphodyll" ALLG. 
XII, 89. 

Piazz. auhuttsa, log. armnttn, mozarab. 
ahuch. Mit Suff. W.: mallork. m(h6. 

327. albnelis ,eine Rebenait". 

Ital. albiglio. Mit Sutl. W. : mail. al- 
bera. 

328. albula „Weißflsch^ 2. 'abnla. 

1. Coinask.rt^ftor«. Auch venez. älhoro 
„Rötling"? — Ablt.: lomb. arborela, 
afrz. auvelle, ouvette, iifrz. avelle, ovelle 
Thomas, Mel. 22. 

2. Ital. avolo, venez., veron., mant., 
bresc. aola, frz., katal. able. — Ablt.: 
frz. ablet, ableite, ablenne RPl)Fr(jProv. 
XXI, 241, auch portg. ablena „Blicke", 
„kleiner Weißfisch". 

329. alburnnm „Splint". 

Rum. alburn AJa§I XVI, 322, venri. 
obur, span. alborno. — Mit Suff. W. : 
lucch. arbaJe, crem, biöm, fiz. aubier, 
morv. abör, prov. oiibüni, aubil, anbento 
At. Ling. 1446, span. albnra, portg. al- 
vura. — Auch span. ior/ie „Art Eiche"? 
— Ablt.: Ahz. aiiboiirnaz, auboti)-ne 
„blond" Ott, Etud. coul. fran(;. 78; 
Diez, Wb. 511; Rom. Gram. 11,361. 

330.alburnus „ein Flußfisch", „Lauk". 

Afrz. aubour, saintong. abnrn, bearn. 
anbnr (> katal. albor, span. alhuv) R. 
XXXVI, 254. 

331. albus „weiß", 2. alba „Morgen- 
röte", 3. alba „Priestergewand", 4. al- 
ba „Weißpappel", 5. albnm „das Weiße 
im Auge", 6. album „Eiweiß". 

1. Rum. alb, Plur. Fem. mazed. albe 
„Elfen", vegl. tjualb, engad. alf, portg. 
aho. — Ablt.: ital. albagio, gen. arbazu, 
neap. arbase, siz. dbbrucu, log. albahe 
„grober Wollstoff", msälalbas „schlecht 
gebrannter Ziegel" mit unklarem Suff. 
R. XXVIII, 91; RILomb. XLII, 835; 
genf. arbina, wallis. orbena, bergün. 
arblana, obengad. ravulauno, obwald. 
amblana, lomb. erbolana „Rebhuhn", 
„Schneehuhn" RomF. XI, 511 ; .531; 
AASTorino XLII, 300 oder gall. : awal- 
lon. abenghe „eine Münze",' prov. au- 
beiro „Reif" At. Ling. 1577; transmont. 
ohetro „weiße Schürze". — Zssg : rum 
(Mb „weiß", „hold", „heblich". 

2. Rum. alba, ital. alba, engad. aha, 
frz. aube, prov. anba, katal., .span. alba, 
portg. aha. - Ablt.: prov. albaisia, 
gen. albasia „Morgenwind", „Abend- 
wnid", venez., bergam. albasia, ital. 



albagia (^ neap. albasia, siz. albaggia, 
engad. albaschia), siz. arasla „Eitel- 
keit", „Hochmut" R. XXVIII, 91; 
RILomb. XL, 1143 mit dunklem Suffixe; 
daraus mit Suff. W.: comask., mail. «?- 
bera. — Rückbild.: arbed. alba. 

3. Ital. alba, frz. aube, prov. auba, 
katal., span., portg. alba. 

4. Nprov. aubo. — Ablt.: frz. aubeav, 
obeau Thomas, Ess. 158. 

5. Rum. alb, portg. alvo. 

6. Log. at-bu. — Ablt.: rum. albii§. 

332. alcyoii „Eisvogel". 

Siz. alöuni „Möwe*. — Röckbild.: lanc. 
alfk^. 

333. alea „Würfel". 

[Ital. aliosso „Knöchel zum Spielen". 
Unverständliche, nicht volkstümliche 
Bildung aus alka und ot^svid]. (Siz. yol- 
e l'ali „Würfelspiel" StGIItal. IV, 321. 
s. 2486). 

334. alga „Tang". 

Ital. al{i)ga, neap. aleka, venez., triest. 
alega, gen. ilga, log. aliga „Kehricht", 
prov. augo, transmont. auga. 

335. algere „frieren". 
Obwald. auhjer. 

336. 'alibaniis „anderswo befindlich" 
(zu alibt). 

Frz. anbain „Fremder", aubaine „Erb- 
nachfolge eines Fremden", „unerwarteter 
Fund" Diez, Wb. 511. 

337. alica, -e, -iiiii „Speltgraupen". 
Log. alige, -u „gelbes Brot", span. 

alaga „Spelt" Diez, Wb. 416; Salvioni, 
P.\ (Rum. aide kann wegen des Ak- 
zents und des -l- nicht direkt Jx/Cvi sein : 
mazed. al{i)cä „Rahm" AARom. XXIX, 
201 steht begrifflich fern, wohl entlehnt 
aus alban. aik^). 

338. alicnbi „irgendwo". 

Mazed. *arcHO, tirol. invalgo, aportg. 
algures. Das mazed. Wort ist nicht 
überhetert, zeigt aber seine Spur in 
arcö. aroä „irgendwo in der Ferne" 
ZRPh. XXXII, 606. 

339. "alicnnus „irgendeiner" aus 
aliquis-unus. 

Ital. alcuno, frz. aucun, aprov. alcun, 
span. alguno, portg. algum; mit Anleh- 
nung an HOMO', afrz. alcuen Rom. 
Gram. I, 67. Das Wort wird nament- 
Mch in Verbindung mit der Negation 
gebraucht, daher aital. alcuno, frz. au- 
cun geradezu „keiner" bedeutet. Diez. 
Wb. 1 1 ; ALLG. I, 237 ; Rom. Gram. II, 
567: III, 692. 



I 



340. alienus — 355. allectare. 



23 



340. alicuus ^ fremd". 

Loj,'. andzenu, span. ajeno, poitg. 
alht'o Diez, Wb. 415 ; Einführung 1 10. 

341. aliua (i^erm.) „Elle". 

Frz. oune O ital. aunn), prov., katal. 
alna (> aspan., aportg. ahia, nspan. nna) 
Diez, Wl). 14, wo ital. alna angeführt 
ist, das nicht vorzukommen scheint, und 
alla, das „englische Elle" bedeutet, also 
wohf junge Entlehnung aus dem Eng- 
lischen ist ZFrzSpL. XXXIIP, 48. — 
Abu : afrz. auner „durchprügeln" ZRPh, 
XI, 4.30. (Der Mangel des Wortes als 
Erbwort in Italien und vielleicht auf 
der iberischen Halhinsel macht eine lat. 
Nebenform *alxa zu «Zna ALLG. 1,238 
unwahrscheiiilich und spricht iür germ. 
Ursprung). 

34i2. alioqui , sonst". 

Obwald. sUoh, aengad. usitö AGlItal. 
Vll. 540. 

343. aliöi'sniu „anderswohin", „an- 
derswo", 2. *aliör-. 

2 Rum. aiurea, engad. Ingür, obwald. 
mgl'mratder „anderswohin" AGlIlal.VII, 
538, rover. iüuri, tess. h'igx, frz. ail- 
lews, prov. alhor(s), aspan. allur ZRPh. 
XV, 231, aportg.rt//iHr(es), algures ZRPh. 
XXIll, 411. (Frz. ailleurs statt *ail- 
lonvs nach den Subst. auf -eur G. Paris, 
Mel. ling. 259 ist unwahrscheinlich 
und erklärt die außerfranzösischen For- 
men nicht; -s als Nominativzeichen 
gefafst, und darum weggelassen R.XXIX, 
1 1 (3 ist syntaktisch unmöglich und würde 
auch sonst nicht genügen ZRPh. XXIV, 
611). 

344. aliquando „einst". 

Alog. alicando, aspan. alguandre, nur 
in verneinten Sätzen R. X, 75; SBPh 
HKlAWWien CXLV, 5, 67 ; Einführung 
205. 

345. aliquem „irgend jemand", ali- 
quid „irgend etwas". 

Span, alquien, portg. alguem; engad. 
alk, tirol. (WA-, Iriaul. «/^• Gr.Gr.P,ti31, 
afrz. (iiiques, alothr. ak, fk, freib. ok, 
aprov. auques, span., porig, algo, be- 
deutet aspan., aportg. auch „Habe", „Be- 
sitz", daher span. hidulgo „Edelmann" 
ALLG. I, 237. 

340. alisna (got.) „Ahle". 

Ital. li'sina, frz. alenc, prov. alesna, 
span. (rt)^(;Ä«rt. Auch ital. /fs^in^O frz. 
Usine) „Knauserei" (nach einer Knauser- 
gesellschaft, die sich ihre Schuhe selber 
flickte und danacli Compagnia della Le- 



sina nannte). Diez, Wb. 192; FrzSt VI,4ü; 
Gade, Handwerkzgn. 1. 

347. aliubi „anderswo". 

Aspan. aiubre Diez, Wb. 421. (Rum. 
aiurea Pugcariu, Wb. 48, aportg. al- 
hur es, s. 343). 

348. alius „ein anderer", 2. *al-sic, 
3. aliaiiicnte. 

1. Afrz. el, al, aprov. (> aspan., 
aportg.) al. Grundlage ist *ale oder 
*ALUM aus dem überlieferten alid in An- 
lehnung an die Neutra auf -e oder -um 
gebildet. Diez, Wb. 10; ALLG. I, 237. 

2. Frz. anssi (> aital. alsi), obwald. 
asi, engad. usS. Danach frz. autant, 
autel; wallon., lothr., franche-comt. ostä 
aus anssitant. Diez, Wb. 512; AGIItal. 
VII, 510; ZRPh. XVIII, 226. 

3. Rum. aimintrea „anders" Pu§cariu, 
Wb. 44. 

349. nliuiide „anderswo", 

Rum. ainde SBPhHKIAWWienC,2.35; 
ZRPh. XII, 220; R. XXXI, 299, siebenb. 
alinderea, prov. alhondre, alhonz. Mit 
Einmischung von alter: altuengad. alt- 
Ignonder AGIItal. VII, 539. 

350. *aliza (germ.) „Erle", „Else". 
Afrz. alis, nf'iz. alise, langued. aUo, 

span. aliso. Mars, aligo mit unklarem 
-g-, langued. albio zeigt Einfluß von al- 
hespl. Diez, Wh. 420. Dazu kalabr. äu- 
dzinu ZRPh. Bhft. VI, 36? 

351. allactare „stillen". 

Ital., log. allattare, engad. aUacher, 
friaul. lata, frz. allaiter, prov. alachar, 
katal. allefar. 

352. *allargfare „in die Weite gehen". 
Rum. alergä, mazed. alagare, megl. la- 

ß^artj „rennen", ^en.alargarse, log. allai'- 
garese „sich entfernen". Rum. -e- statt 
-«- nach nierge „gehen" Rom. Gram. I, 
273. (Ital. allargare „ins Meer stechen" 
ist Neubildung von largo „das offene 
Meer"). 

353. *allatiare „erweitern". 

Afrz. alaisier. — AbJt. : aUze „Aus- 
füllbrett" Thomas, Mel. 11. 

354. '^allatsire (langob., vgl. got. 
lat „träge"). 

Sen. allazzire „ermüden" Diez, Wb. 
352. 

355. allectare „anlocken". 

Rum. aieptä „verleiten", „schmei- 
cheln" Pu§cariu, Wb. 41, ital. allettare, 
canistr. ralleitd „die Hühner rufen", 
münstert. illechar. — Ablt.: münstert. 
illeth „Köder". (Oder illectareI). 



24 



356. *allenire — 373. *allupatus. 



356. *alleiüre „ mildern ^ , schwä- 
chen" (vgl. allenimentum „Linderungs- 
mittel"). 

Arcev. allenire , ohnmächtig werden", 
montal. allenüo „atemlos". 

357. *allentare (zu lentns „bieg- 
sam"). 

Rum. alintä „verhätscheln", ilal., 
log. fillentare „nachlassen", abruzz. 
allendä, arcev. allentave „aufhören zu 
regnen", „schneien" usw., afrz. alenier 
„verlangsamen", prov. alentar id. 

358. *alIeTameu „junge Zucht". 
Piac, parm. alcam „junges Vieh", 

„Schößling", nfrz.aleiain und nach at- 
TRIMEN (6004) alevin (> katal. alevi, 
span. alev'mo) „Fischbrut", morv. alve 
„junges Vieh", portg. alahcio de gali- 
nhas „Schar Hühner" ZRPh. XXXII, 87, 
beir. alaväo „junge Schafe und Ziegen, 
die Milch geben und im Frühjahr von den 
nicht milchenden getrennt werden". — 
MitSufT.W. : ital.rt//mw^„Brut", „Wurf". 
R. V, 149. (Afrz. avoir son olicier cou- 
rant „keinen Widersacher zu fürchten 
haben" ist nicht mit G. Paris, Mel. 
ling. 464 eine Umdeutung von alevin, 
sondern unaufgeklärt ZRPh. XIII, 330; 
R. XXXII, 450. Annahme eines *alle- 
viMEN Thomas, Ess. 375 ist unbegrün- 
det und vom lat. Standpunkte aus 
schwer zu begreifen). 

359. allevare „emporheben". 

Ital. allevare „großziehen", prov, 
«?örrtr „Steuer erheben", „erziehen". — 
Abu.: ital. allievo „Zögling" (> frz. 
4leve); romagn. alvd „Spalier". (Span. 
llecar Leite de Vasconcellos, Mirand. 
I, 263, s. 4999). 

360. *allevatniu „Hefe", 
Rum. aliud, vgl. 5005. 

361. alleviare „erleichtern". 
Pisan. allehbiare, log. allehiare, engad. 

sluhger, frz. alleger, prov. alenjar (^ 
ital. alleggiare), span. aliviar, portg. al- 
Ubiar. — Ablt.: saintpol. mer alleres 
„Hebamme". 

362. *allicicare „ködern" (zu alli- 
cere). 

Frz. alUcher (> siz. addikkarisi „sich 
an etwas gewöhnen") Mise. Ascoli 94. 
(Eher als allecticare ZRPh. IX, 140; 
ZFrzSpL. X2, 242 ; span. alechigar ZRPh. 
XXIV, 556, s. 4816). 

363. alligave „anbinden", „verbin- 
den". 

llix\. allegare „beisehließen", „Metalle 
zusammen schmelzen", „legieren", alle- 



gare i denti „die Zähne zusammen 
ziehen", frz. allier und aloger (> span, 
alear) „legieren", .^'allier (> ital. al- 
learsi) „sich verbinden", span. allegar 
„sammeln", „hinzufügen". — Ablt.: ital. 
lega, frz. aloi „Legierung" ; bologn. 
aligaint „herb" (von Früchten). ZRPh. 
VI, 108; AGlItal. HI, 374 {inALLEdARE 
Diez, Wb. 191. 'S\iAn. allegar „nähern", 

S. 5:^8'). 

364. alligere „auswählen". 

Rum. alege, dalmat. alege, aital. alleg- 
gere LBlGRPli. VIII, 359; R. XXH, 
307; XXXI, 299; Salvioni. P.». (Rum. 
kann auch eligere sein). 

365. allisiis „angestoßen". 

Ital. liso „abgenützt", aret., alod. 
aliso, obwaki. tis. — Mit Präf. W. : 
lomb. sUs Caix, Stud. 147; afrz., west- 
frz., prov. alis „ungesäuertes Brot" 
R. XXXVHI, 358. — Ablt.: log. ali- 
zedda „leere Ähre", „leere Bohne"; 
emil. lizds „abnutzen". 

366. alliniii „Knoblauch". 

Rum. am, ilal. aglio, engad. agl, friaul. 
ai, frz. ail, aprov. alh, katal. all, span. 
ajo, porfg. alho. 

367. allivescere „erblassen". 
Ital. allibbire AGlItal. XHI, 383. 

368. allocare „unterbringen". 

Ital. allogare, afrz. aloer, nfrz. allotier 
„Geld anweisen", prov. alogar, katal, 
allogar. — Ablt.: afrz. aloijere „Geld- 
beutel" R. XXXVIII, .556. 

369. allöd (tränk.) „Ganzbesilz", 
„Lehen", 2. nllodiiiiii (mlat.). 

1. Afrz. aliief, nfrz. allen. 

2. Ital. allodio, aprov, alodi, span. 
alodio, portg. allodio Diez, Wb. 12; 
ZRPh. X, 266. 

370. allucere „leuchten". 

Rum. a se alici „in der Ferne glän- 
zen", „sich bessern vom Wetter" Dic^. 
Limb. Rom., neap. allocire, log. allt'igere 
„anzünden". 

371. allndere „kosen". 

(Portg. allnir „schütteln", „rütteln" 
Diez, Wb. 421 ist begrifflich und mor- 
phologisch unmöglich). 

372. *allumiiiare „anzünden" nach 
illuminare. 

Ital. alluminare, frz. allumer, prov. 
alumenar, span. alumbrar, portg. alu- 
miar. 

373. *allupatus „hungrig wie ein 
Wolf". 

Ital. allupato. — Mit Suff. W.: frz. 
alouvi, prov. alobit. — Ablt. : lisX.alhipare 



:]74. alnetanus — 385. *altiare. 



25 



(Jtilla fanie, frz. rt/oKc/r Colin, Suffwandl. 
l.S(i. 

:}74. alnetanns, Erlengehölz", „Erle" 
(:(;iL. VI, 2Ü5, 51. 

Neap. mitane, siz. antanu „Lärche", 
sarz. aiietan, ilal. ontnno, i)ann. lodan, 
niarch. amedano, boldgn. amdän, inaoer. 
olmetä Diez, Wb. 387; AGlltal. XV, 
452, 453. 

375. alneiis „Erle". 

Bergell. an, trieiit., inant. oü, bresc. 
ona, engad. uqna Rom. Gram. I, 477; 
AGIIlal. XV, 450. 

376. ainns Fem. „Erle". 

Plem. nima, misox. nlna, val canobb. 
ildvna; Mask.: val-levent. ävdan, log. 
(dinn, friaul. aal, frz. aune, ngaliz. alno\ 
— -\- ULMVS: val-magg. alma, friaul. 
(onbli, agaliz. almo. — Ablt. : rum. anin, 
(Irin Rom. Gram. I, 477, vend. aJe „Pap- 
pel" ; tess. arnim, tirol. aonice, bergam. 
annis, mail. onisa, abruzz. alniöc^, ane- 
luöce „Pappel"; ascol. ancetana, kalabr. 
cilanu; friaul. «?»!«;•; obwald. ö7m, mon- 
ferr. arnü „Erlengehölz" -ore; pikard. 
(tnel; mail. onts^, abergam. uniz, mail. 
Ollis, piac. nitsal, pav., lod. lunisi, mant. 
onisy veiiez. oner, päd. onar, galiz. 
ameneiro, aheneiro, portg. amieiro, 
astur, onnu'irn. AGlltal. XV, 449 — 456; 
Diez, Wb. ;]87. In Frankreich macht 
VKRKA 9560 stark Konkurrenz. (Prov. 
am mit alxus zu verbinden ist schwer 
möglich: span. älamo „Ulme" gehört 
wegen des zweiten -a- kaum hierher 
KJBFRPh. VIII, 1, 206; frz. aune aus 
fränk. alira AStNSpL.CXXI, 78; CXXIV, 
83 ist nicht nötig und formell nicht 
unbedenklich ZRPh. XXX, 431). 

377. aloxTiium „Wermut". 

Afrz. aluisne, aloiyne, nfrz. aluine, 
wallon. al^n, b.-manc. al(^ne byäs „Ar- 
femisia", prov. aloise, valenc. aloixa 
O span. aloja), span. alosna O portg. 
loanci) At. Liiig. 5; Behrens, Frz. Wortg. 3. 

378. ulp (hd.) „Alpdrücken". 
Parm. alpo. 

371). alpes „Alpen". 

Ilal. alpi, tess. alp Mask ; piem. arp 
„Sennhütte". — Ablt.: nordital. alpezar, 
idpegar „auf die Alpe ziehen", arbed. 
alpadti „Alpenhirt", wald. arpeage 
„Pacht für die Alpe", Wallis, arpyezo 
■ der als Pacht gelieferte Käse", „Käse 
überhaupt" BGIPSRom. VI, 15, vionn. 
fiiarpä „das Vieh auf die Alpe führen". 



380. altanas „Südwest wind". 

Prov. (/■ frz.) autan, span. altano 
„Südwind", „Südostwind". 

381. altare „Altar", 2. altarinin. 

1. IXum.altar, ital.rt/<c//v, engad. n^e/*, 
afrz. anter, nfrz. autel, prov. autar, 
katal., span., portg. altar. Der Wandel 
von frz. -er zu -et ist utierklärt, Cohn 
SutTwandl. 239; in frz. Mundarten ist 
das Wort Fem., Rom. Gram. II, 372. 

2. Span, otcro, porig, onteiro „An- 
höhe", ursprünglich „Anhöhe, auf der 
ein Altar stand"? Oder eine Bildung 
*ALTARius von ALTUs7 Diez, Wb. 473. 

382. alter „ein anderer". 

Rum. alt, vegl. i/ultro, ital. altro, log. 
atteru, engad. oter, friaul. altri, frz., 
prov. untre, katal. altre, span. otro, 
portg. ontro. — Zssg. : ital. altrex), al- 
trettale, altrettanto, altrieri „vorgestern", 
altrove „anderswo"; engad. utro „an- 
derswo", afrz. anti-esi, atitretant, auire- 
tel, antrier; prov. atresi, atretal, atretan, 
atrier; span. otrosi, otrotal, otro tanto, 
portg. outrosim, outrotal, oidro tanto. 
Das ital. -tt- weist auf *altertale oder 
altro e tale zurück; prov. atrestal, 
atrestan zeigt unerklärtes -s-. Ob und 
inwieweit die Zssg. schon lat. sind, 
ist nicht zu sagen. Diez, Wb. 14. 

.383. alterare „ändern", „verschlim- 
mern". 

Frz. altirer „ändern", „verwirren", 
älterer la gorge „Durst verursachen". — 
Zssg.: d^saltirer „den Durst löschen". 
(*ARTERIARE Von ARTERIA „Schlag- 
ader" Diez, Wb. 506 ist zu künstlich). 

384. alfcrcare „streiten". 

[Galiz. latricar nach ladrar „bellen"]. 
(Auch sen. attriccare Caix, Stud. 171V; 
taroccare Caix Stud. 621 ist unmöglich). 

385. *altiare „emporheben", „er- 
höhen". 

Rum. inälfä, ital. alzare, engad. 
^itsh; friaul. altsä, frz. hansser, prov. 
ausar, katal. alsar, span. alzar, portg. 
algar; nicos. sonts^ „weihen" MILomb. 
XXI, 295. — Ablt.: ital. alzaja, parm. 
antsana, friaul. altsane, frz. hanssihr, 
prov. autitfro „Zugseil". — Zssg.: 
portg. algapäo „Falltür", Imperativische 
Bildung: al^a pöe Mise. til. ling. 117: 
Rom. Gram. II, 547. — Diez, Wb. 14; 
AGlltal. II. 31; ALLG. I, 238; Rom. 
Gram. II, 576. (Frz. haussier usw. zu 
gerin. „hals" Dict. Gen. ist um .so we- 
niger wahrscheinlich, weil die frz. Ne- 



26 



386. altitia — 399. amare. 



benform aussiere zeigt, daß das Wort 
aus dem Süden stammt). 

386. altitia ,Hölie% „Hoheit\ 
Ital. altezza (> frz. altesse, span., 

portg. alteza als Titulatur), engad. otetsa, 
frz. hautesse, prov. autesa, katal. altesa, 
span., portg. alteza. 

387. altus ,hoch'. 

Ital. alto, log. altu, engad. ot, friaul. 
alt, frz. haut mit h- von fränk. 7ioÄ:, 
prov. aut, katal. oZ^, span., portg. alto. 
Rum. (I)wrt/^ /J\r ^lto, amail. adolt, 
nmail. oro/i, katal. dalt ad altum. — 
+ erto: luccli., pisan. elto AGlItal. 
XII, 1U9; XVI, 441. — Ablt.: ital. 
altana ,.oberer Teil des Hauses", 
emil., romagn., bergam , trient., venez. 
antana Mussafia, Beitr. 2.5; dauph. 
ätana „Scheune", portg. oiitäo „Seiten- 
wand eines Hauses", comask. altana 
„Netz zum P^orellenfang"? Afrz. hautain 
„hoch", nfrz. „hochmütig", afrz. hantif, 
prov. autiu (]> ital. altiero ^ frz. al- 
tier Rom. Gram. II, 467), span , portg. 
altho „hochmütig". Frz. hantln, prov., 
piem. «?<<?■« „hocbgezogene Rebe", „Na- 
me eines Fisches"? — Zssg. : Amboise: 
n otö HORA „verspätet" Thomas, Mel. 
92; ostfrz. änö in alto „Heuboden" 
WS. I, 119. Auch portg. ontar „die 
Spreu zusammen häufen", outo „Haufen 
Spreu"? — Diez, Wb. 613; Cohn, Suff- 
wandl. 300. (Siz. auta „Maurerkübel" 
StGlItal.IV,2.50 bedarf der begriftlichen 
Erklärung). 

388. aFud (arab.) „ein Saiteninstru- 
ment". 

Afrz. leut (> ital. liuto, Itudo), nfrz. 
luth, prov. laut, span. Idud, portg. 
alai'ide. Rum. {a)läutä wohl aus dem 
Deutschen? Diez, Wb. 195; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 60; RomF. IV, 348. 

389. alnnien „Alaun". 

Ital. allume, frz. ahm, prov. alnm, 
span. alumhre, portg. 2iedra hume. 

390. aluta „Alaunleder". 

Afrz. alue, prov. ahtda (> ital. alluda), 
katal. aluda, span. luda. 

391. nlveolng „kleine Wanne", 
.Trog". 

Aital. albuolo „kleines Gefäß", lomb. 
albiö(l), piac. orbiö, regg. albiol „Futter- 
napf für Vögel", comnsk. albüi „Rinne", 
bergam. arbiöl „Kessel"; mass.-carr. 
abiol, lucch. arbuolo „Getreidewanne", 
„Wurfschaufel', engad. arbuol „Mul- 
de", „Backtrog". — Ablt : ital. albe- 
rello „Gefäß für Konserven", siz. 



arvaretta, arvanetta id., mail. albarel, 
mail., pav. albarella, gen. arhanela; 
lucch. arbolare „worfeln". — Caix, Stud. 
146; Mussafia, Beitr. 25; Salvioni. P.*; 
Schneller, Rom. Volksmd. 94; R.XXVH, 
235; GStLLig. VI, 306. (Eine Form 
*ALBUS anzusetzen ist nicht nötig, da 
-uö- statt -iuo- sich nach -Ib- lautlich 
erklärt und -ie- in tonloser Silbe, nament- 
lich vor -;*- kaum anders als -e- lauten 
kann; rum. o^Woo/-«, erweist sich durch 
-i- nicht -i- als Neubildung). 

392. alvens „Trog", 2. albeiis. 
'i.Rum.albie „Trog", „Flußbett", piem. 

arbi „Traubenkufe", lomb. albi, losk., 
venez. albio, emil. albi „Freßtrog für 
Vögel", fiz. auffe Fem. „Trog" Rom. 
Gram. II, 378; 388. Diez, Wb. 512; 
Mussafia, Beitr. 25; R. XXVll, 235. — 
(Span, alvafial, albaüar, arbollon, arag. 
albellon, valenc. arbellö „Abzugsgraben" 
Diez, Wb.416 s. 9()8a; frz. ogive „Spitz- 
bogen" Dict. Gen. ist zweifelhaft). 

393. *alviiia „Bienenstock". 

Rum. albinä „Biene" Diez, Wb. 22; 
Pu^cariu, Wb. 59. 

394. amaiija (germ.) „Ameise". 
AlUer, Puy de Dome: maz. — Ablt.: 

Creuse, Cantal, Puy deDöme: m{u)az{e)d^, 
Rhone: mnazöt, berrich. mazet R.XXX, 
115; At. Ling. 605. 

395. amalocia „Art Kamille". 
Prov. maruso mit Anlehnung an 

AMARUS. Thomas, Mel. 105. 

396. anialasta „Art Kamille". 

Frz. ma rollte, afrz. amoKnistre mit 
Anlehnung an amarus, bzw. amorf. — 
Mit Suff.W.; frz. ameruche^ lothr. ^m^rot, 
norm, amuerok. Thomas, Mel. 106. 

397. ainära (arab.) „Strick". 

Ilal. nlamar[r)i , span. alamai- „mit 
Schnüren verzierte Knöpfe" Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 54; Caix, Stud. 145; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 87. 

398. ainaracns „Majoran". 

Rum. mugheran, ital. majorana, mag- 
giorana, fiz. marjolaine, i)rov., span. 
majorana, span. niejorana, portg. mato- 
1-ano, niangerona Diez, Wb. 200; StR. 
I, 3, 3. Die Grundform scheint *ama- 
RAGANA zu seiii. Die Wanderung des 
Wortes bedarf noch der Untersuchung. 

399. ainare „lieben". 

Ital. amare (^ engad. amer), friaul. 
amä, frz. ahner, prov., katal., span., 
portg. amar. — Ablt.: aital. (a)manza 
„Geliebte" , smanziere „Verliebter", 
smanzeria,-ceria „Liebkosung", „Schmei- 



4(K). amarescere — 410. ambilus. 



27 



clielei" Caix, Slud. 574. Zu afiz. aim, 
oiiicr slimrnt noch amant und ani^. Im 
Hätischen ist omare durch roler hene 
und aver gu(je)>t „gern haben" ganz 
oder fast ganz ersetzt, vgl. 7006. 

4(»0. amarescere „bitter werden". 

l\\\\\\.aiuäri , bitter machen", tarent. 
aniaresere. 

401. aiiiaricare , erbittern", „bitter 
machen". 

Ital. amaricare, prov., katal., span., 
\>ori^. amavgar. — Ablt.: katal. «wmr^', 
span., portg. amargo „bitler"; span. 
nmargon „Löwenzahn". — Zssg.: ital. 
rammancarsi „sich beklagen", ram- 
murico „Kummer" Diez, \Vb. 15. 

40'2. *ainarico8US „bilter". 

Rovign. zmaragus, campid. marigosu, 
span., portg. nmargoso, vgl. vegl. mar- 
kus, das auf -t'cev weist. 

4(«. amaritia „Bitterkeit". 

V^wm. amäreajä, ital.,engad. amarezza, 
])rov. amaresa. 

404. amaritiosus „bitter". 

Rum. amäräcYos. 

40."i. auiaritudo „Bitterkeit". 

Frz. onu'jiunie. 

40(5. aiiiarns „bitter". 

Rum.rt»)«;-, ilal. rt»(rt>"0, engad. rtwjer, 
friaul. mar, frz. amer, prov. amar. — 
Siz., neap., abruzz. mar a mmi „ich 
Unglücklicher". — Ablt.: mazed. warrt^ 
„unglücklich", amar'it „zornig", „vei'- 
bittert" AJa§i XVI, 324; ital. («jwarflfsco', 
lomb. marena, frz. ;HP/7>t', Sauerkirsche"; 
siz. amarostiku, neap. amarnost^ke 
.etwas bitter": Marne: am^r „Galle" 
RomF. XIV, 509; mozarab. am{a)Tron 
O span. alniiro», portg. almeiräo) 
„Cichorie". (Afrz-mor StR.VI,i28 s.^i78; 
»lärat MALE HABITUS GL. XXXIX, 297 
ist lautlich schwierig). 

407. aiiiator „Liebhaber". 

[Ital. amatore, log. amadorc, engad. 
anteder], afrz. ameour, prov., katal., 
span., portg.] amador. Nprov. aruadii 
„Feueischwamm" (> Irz. aniadon 
„Zunder", agarir amadonvicr „Zünd- 
-chwannu" Uict. Gen.). — Ablt. von 
prov. aniadon: IVz. aniadouer „lieb- 
kosen" üict.Gen.;L(;Bl. 1884,50. (Ama- 
doiier zu anord. ntafa „atzen" Diez, 
AVb. r;ür.; FrzSt. VI. 48 erklärt das -ou- 
und das späte Auftreten nicht, ami- 
doiix ZRPh. X, 576 wird durch pikard. 
amidiüe. amitnU nicht gestützt, da da- 
neben aucli dem. amiole, aniioti stehen. 
Zu ital.. log., engad. s. ZRPh. XXXI, 097). 



408. amali'ix „die Liebende". 
Friaul. madrese, afrz. ameresse, prov, 

amairitz ZRPh. XXXI, 097. 

409. aiiibitare „herumgehen", „ge- 
hen". 

Ital. andare, pikard. üdi „Schritt für 
Schritt messen", prov., .sav. andä „lau- 
fen", katal. anar, span., portg. andar 
„gehen"; katal. amirfar. Auch prov. aw<i>* 
„gehen" als zunächst imperat. Kurzform. 
— Ablt.: pikard. udi Fem. „Schritt- 
länge", „Schritt", bürg. äd^. „Fußweg", 
berrich. äd4 „Baumallee", afrz. ondie 
„mal"?, vgl. 410. — Zssg.: prov. mala- 
nan „leidend", „krank". ALLG. I, 238; 
ZRPh. XXIX, 514. (Auch siz. amwri, 
asüdital. andare RILomb. XL, 1046?). 

410. ambitns „der Umgang um ein 
Objekt von beiden Seiten", „der freie 
Raum zwischen zwei Häusern". 

Siz. antu „Schwaden", „.Arbeitsplatz 
und Ruheplatz der Feldarbeiter", otrant. 
anto „die erste für die folgenden als 
Maß dienende Furche", kalabr. antu 
„die letzte noch gezogene Furche auf 
einem nicht fertig gepflügten Acker", 
abruzz. and^ „Reihe von Schnittern", 
mail. ant „Schwaden", franche-comt. 
ät „was man mit einem Schnitt mäht", 
berrich. rät „der bei jedem Schnitt ab- 
gemähte Raum", „Mahd". \- aditus: 

ital. O span., portg.) andito „Galerie um 
ein Haus herum", „Korridor", „Vorzim- 
mer", neap. ann§f§ „Gerüst, auf dem die 
Maurer arbeiten", prov. ande „Raum, 
in dem man sich bequem bewegt". — 
Ablt.: ital. andana „Raum zwischen 
zwei Reihen", piem., lomb. andana 
„Heuschwaden" (oder zu 447), pikard. 
äden, blais. ädin, saintong. öden „ein 
Feldmaß", comask. andana id., prov. 
andano „Gang", frz. andain „Schwa- 
den", pikard. ärf'e'„der beim Gehen von 
beiden Füßen umspannte Raum", lothr. 
edi -ARiu „Schwaden" ; aprov. an- 
(?<>;■ „Marktplatz", „Gerichtsplatz" ; piem. 
andana „eine Sichel voll Heu", fiiaul. 
antan, nonsb. antana „Schwaden", auch 
friaul. alfaif, nonsb. antano, jenes -f- 
AXTEs {'»Ol), dieses -f altu; lyon., 
waatl. ädani „Schwaden bilden", wal- 
lon. dezüdone, waatl., treib, dezädaül, 
prov. desendeinä „die Schwaden weg- 
bringen" ZRPh. XXIX, 513; XXX,42iJ: 
XXXII, 004; BGlPSRom. VII, 12; vgl. 
noch 447. (Siz., abruzz. paßt begrifflich, 
aber nicht formell, es ist vielleicht von 
AXTEs 501 beeinflußt, aber kaum direkt 



k 



28 



411. ambo — 422. amicus. 



damit zusammenhängend StGlItal. I, 40; 
MILomb. XLI, 27.5, 1, da begrifflich die 
Verknüpfung fehlt. Wallon. htm Fem. 
^Ortscheit" ZRPh. XXIX, 402 fällt mit 
l- auf und ist begrifflich nicht gestützt; 
frz. auvant, prov. ouran ZRPh. XXIX, 
534 ist lautlich nicht gerechtfertigt; 
frz. andain indagine G. Paris, Mel. 
ling. 457 ist formell und begrifflich 
abzulehnen. Afrz. onde „mal" ZRPh. II, 
313; A1>LG. 1,239 ist mit -o- schwierig, 
eher unda Tobler, Verm. Beitr. 1, 188). 

411. ambo „beide\ 2. ambi, -ae. 

2. Arum. imhi, ital. ambi, log. amhos, 
afrz. am, nfrz. noch ambes as, prov., katal. 
am, aspan. amos, nspan., portg. ambos. 
— Zssg. : rum. amindoi, ital. ambedue, 
amendue (^ engad. amandnos), afrz., 
prov. amduf, katal. abdos, span., poitg. 
ambos d dos. Megl. ^imindoili enthält 
siBi AJa§I XVI, 129. Die rum., ital. 
Formen mit -n- scheinen in dvo zu 
sein, sind aber begrifflich nicht ver- 
ständlich. Zu ä im Span, und Portg. 
s. 57. (Schon lat. Zssg. ALLG. I, 239 
ist bei der Verschiedenheit der roma- 
nischen Fo)"men nicht wahrscheinlich). 

412. ainbulare „gehen"'. 

Rum. umblä, ital. ambiare, friaul. la, 
frz. aller, ambler, prov. amblar. Ital. 
ambiare, frz. ambler, prov. amblar 
bedeuten „den Paßgang gehen''. ZRPh. 
XIII, .528; XV, 117; XVI, 25 1 ; XXII, 265; 
308; 509; Rom. Gram. 11,262. (Eine Zu- 
s/unmenstellung der zum Teil sehr phan- 
tastischen Deutungsversuche von frz. al- 
ler bis 1902 gibt G. Stucke, Französisch 
aller und seine romanischen Verwandten. 
Er spriciit sich für adnare, prov. ««w 
frz. aller aus *e)i aner mit Dissimilation 
aus. Die Herleitung aus ambnlare stützt 
sich auf die Tatsache, dafs die späteren 
lat. Texte vabo ambulare genau in 
derselben Weise verteilt gebrauchen wie 
das Frz. Die Assimilaticwi amblar zu 
aller wäre erklärlich als eine beim Be- 
fehl entstandene Kurzform : *alldtis, 
*allämHS, vgl. das Kommando ambvla 
KJBFRPh. Vn, 1, 110 und arum. blämu, 
blea}i, dann auch blämafi „vorwärts". 
EineAssimilation in umgekehrtem Sinne, 
mit Bewahrung des labialen Nasals und 
Umwandlung des dentalen -/- in dentalen 
Nasal zeigen inazed. imnare, megl. am- 
nari, isir.-ruin. amnä, doml. 2. Plur. 
amnad, obwald. mäis Gärtner, Rätor. 
Gram. 185; AGlltal. VII, 492; .535. Ital. 
andare s. 409). 



413. ainbulatorhis porticus „Wan- 
delhalle", 2. ambulatoria. 

1. Gen. aniion „Laube" Salvioni, P.^ 

2. Rum. nmblatoare „Abort" Pu§- 
cariu, Wb. 1797. Zur Bedeutung vgl. 
450. 

414. *ainbntrum „beide". 

Afrz. ambonre (> aital. ambiiro) 
R. XI, 109. (Amborvm oder griech. 
amphoieron Dicz, Wb. 506 sind, jenes 
lautlich und begrifflich, dieses als griech. 
Wort nicht befriedigend und nicht 
nötig). 

415. ameiitare „schleudern". 
Afrz. amenter, span. amentar, 

416. amentia „Veirücktheit". 
Afrz. amance „Sorge", „Schrecken". 

417. ainentum „Wurfriemen", „Rie- 
men " . 

Log. amentii „Jochriemen" Salvioni, 
P.', aspan. amiento, agaliz amento 
„Helmband", portg. amento „Pfeil". — 
Ablt. : afrz. ameniin „Schnur für den 
Kreisel" R. XII, 104; küXühv.ammentare, 
span., portg. amentar „anbinden", portg. 
auch „das Vieh behexen". 

418. anieriiia „Weide" (aus Ameria). 
Prov. amerina. — Rückbdd. : prov. 

amera, lyon., forez. ambre Thomas, 
Nouv. es«. 154; .362; At. Ling. 9.55. 

419. ames, -itls „Stellgabel", ami- 
tes „Tragstangen der Sänfte". 

Aprov. ant „ein hölzernes Werkzeug", 
bearn. lant „Totenbahre", fourg. äto 
„Stelze", prov. anta „Brustwehr", span. 
andas „Sänfte", aportg. amedas id. — 
Ablt.: arbed. andans „Gatter*, lyon. 
antiro „Probestück in Holzböndeln" 
R. XV, 435; span. anqarillas „Trag- 
bahre". Diez, Wb. 4.35; RL. XI, 40. 
(Afrz. haust e „Lanzen.schaft" Diez, Wb. 
610 gehört wegen h-, -s- und der Be- 
deutung nicht hierher, s. 4068). 

420. amctz (bask.) „eine Eidienart". 
Span, mesto „Zerreiclie" ZRPh. XXlll, 

198. 

421. *amicitas „Freundschaft". 
Frz. nmitie, prov., kaial. amistat (> 

ital. amistä, engad., bergell. mustet „Ver- 
lobung" RILomb. XLI, 211, span. ami- 
stad), portg. amizade ALLG. I, 239; 
VIII, 330; AGlltal. XIII, 426. 

422. ainicns, -a „Freund, -in". 
Vegl. amaik, \i-A\.aniico, -a, log. amign, 

-a, engad. amih, -la, friaul. ami, -ige, 
frz. ami, -e, prov , katal. amie, -iga, 
span., portg. amigo, -a. Nordital. amis 
hat -s vom Plur. aus ZRPh. XXIH, 514; 



i'2'.i. aniir — 435, *.iraurcula. 



2» 



l\. XXIX, r)4(!. Afiz. m'amie zu nfrz. 
)na mie und faire des maniies Diez, 
VVb. 63i). (Amis vom Vokativ aus 
AGlItal. XV, !27() ist nicht wahrschein- 
lich, da der Vokativ auf -e schon in 
lat. Zeit verschwunden ist; frz. nmadoitei' 
ZRPh. X, 57(), s. 407). 

4!2o. amir (arah.) „Befehlshaber", 
•2. aiiiiras, -ados (mgriech.). 

:2. Afrz. amire, prov. amirat; ital. 
(ihnirante, airz. aumirant, prov. amiran, 
span., porig, almii-ante; ital. almiraglio, 
aDuiiirnylio, frz. a{d)miral, pvov.ainiralh 
Diez, Wb. 13; Dozy-Engelniann, Gloss. 
105; RomF. IV, 3G8. Die Geschichte der 
verschiedenen Endungen und der Be- 
ilcutung des Wortes bedarf noch der 
Aufklärung. 

4iJ4. ninita ^Tante". 

Gen. (hnea, venez. (hnia (> friaul. 
Olle), engad. amda, ampezz. ämeda, 
buchenst, mada, afrz. ante, Wallis, cita. 
— Ablt.: vnm.mätu^ä. — Mit kosender 
Doppelung: frz. tante (> prov. tanto), 
mit Poss.-Pronom.: wallon. inatät, auch 
piem. maüa'i Die schriftsprachliche 
Form beherrscht fast ganz Frankreich, 
land. tasyä zeigt Verwachsung mit zia 
(8798) südvvestpiov. täfä und fa(a sind 
Lallwörter. — Diez, Wb. 684 ; AGlItal. III, 
341; Mussafia, Beitr. 26; Rom. Gram. 

II, 364; Salvioni, P.^; Tappolet, Ver- 
wandtschaftsn. 93; At. Ling. 127. (Piem. 
»laüa *AMITANKA RomF. XXIII, 538?). 

425. ainnia „Amme". 

Arum. imä „Mutter", span., portg. 
ama „Anmie", „Haushälterin", danach 
amo „Hofmeister", „Oberknecht", „Haus- 
herr" Diez, Wb.421; ZRPh. XXX, 314. 
(Oder rum. aus m-amma 5277'^). 

426. ammer (mhd.) „Ammer" {em- 
heriza citnnella „Goldammer"). 

Piem. anbra. 

427. ainor „Liebe". 

Ital. amore, engad. antut; friaul. amor, 
frz. amour, prov., katal., span., portg. 
amor. — Ablt.: ital. moroso, friaul. 
marns „Geliebter"; span., portg. amorio 
„Liebelei", „Freundschaft" ZRPh. XXXI, 
32. — Zssg. : obengad. mnrdieu, uengad. 
mardieu: DAT.s: „Bettler" ; '\{n\. per amor 
(//„um — willen", „wegen", venez., lomb. 
pei- mor de, pisan. perammodi, ol)wald. 
murt, morv. 2)k»iord, Schweiz, plamöd, 
bearn. premnde, galiz. j^or amor de, 
pramode; \oihr. j^ramnk „weil", aspan. 
por amor que .damit" AGlItal. I, 25; 

III, 102; Rom. Gram. III, 4.30; ZRPh. 



XXVIII, 357, alomb. jfjfr mo de zo 
„immerhin"; AStLomb. XXXV^ 2.32. 
Log. esser in fiamore „verliebt sein", 
Einfluls von flamma AGlIfal. XV, 486. 

428.amphisbeticiis „zweifel", „streit- 
süchtig*. 

[Ital. bisbetico „launisch" JbRESpL. 
XIV, 341. — Ablt.: veuez. betegar, lomb. 
betegar „stammeln", chian. botekere 
„murren", log. (ab}(b)etfiare „streiten"], 

429. ainphora (griech.) „Krug". 
Nprov. ambro RomF. XV, 829. (-b- fällt 

auf, etwa zu ahd. ambar, ags. ambor 
„Eimer"?). 

430. ainplus „weit". 

Ital. ampio, log. amprti, engad. ampel, 
frz., prov., katal. ample, span., portg. 
ancho Diez, Wb. 422. Komparativ: 
afrz. amplois ZRPh. XI, 2.50; Gr. Gl. 
12, 790. 

431. ainpulla „Flasche". 

Ital. ampolla, log. ampu^da, aengad. 
ampuoUa, frz. ampoule, prov. ampola, 
span. ampolla, portg. empola ALLG. 
VI, 378. (Gallur. ämbnla nicht Einfluü 
von ampJiora AGlItal. XIV, 152, son- 
dern entweder ngriech. dmbula oder zu 
4023). 

432. aiiirä (arab.) „weißlich". 
Span, amarillo, porig, amat-ello „gelb" 

KJBFRPh. Vni, 1,206. (Zu amabus 
Diez, Wb. 422; ZRPh. XXVII, 123 oder 
zu anbar „Ambra" ist begrifflich nicht 
genügend begründet R. IX, 297; ZRPh. 
IV, 480). 

4.33. aiuurca „ölschaum", 2. amurgu 
(griech.). 

1. Aret., borm. morka, friaul. morUe, 
katal. morca. 

2. Siz. müfara, mura, neap. inorra, 
tarent. morya, venez. morga, campid. 
nmrga, span. morga. Kalabr. murga 
kann zu 1 oder 2 gehören. — Ablt.: 
vxww.mnrg „braun", „braunrot" (nament- 
lich von Pferden), alban. murk „dunkel", 
„schwarz", „grau" ZVglSpF. XX, 2.50; 
G. Meyer, Alban. Wb.; Diez, Wb. 217; 
AGlItal. II, 403; ALLG. IV, 120. (Rum. 
mnrg zu mtirä „Maulbeere" JBIRumSp. 
Leipzig XII, 103 ist formell bedenklich). 

434. *amnrcea „Ölschaum". 

Ital. morcia, lo};. tuuiia, campid. 
murtsa AGlItal. II, 403; XIII, 121. 

435. *amurcula „Ölschaum". 

Ital. morchia, mail. moröa, bergani. 
mukla, venez. moröa, log. mn§a AAS. 
Torino VII, 867; AGlItal. II, 403. 



30 



43G. amygdala — 446. ancus. 



436. amygdala , Mandel, 2. amyu- 
dala, 3. *amandola, vgl. amagdalinus 
bei Marcellus. 

1. Prov. amella, katal. anietlla, va- 
lenc. almela. 

2. Siz. mennola, iarent. amendoln, 
neap. ammemiel§, abruzz. mennele, log. 
mendula, span! ulmendra, portg. amen- 
dra. 

3. Ital. mandola, mandorla, abruzz, 
mannele, imol. amandel, frz. amande, 
alemande. — Auch ostprov. amelü, 
amendo, mentiyu „ Pfirsichkern " At. 
Ling. 926? (Ruui. migdalä aus dem 
ngriech., engad. mandel aus dem nhd.). 
Diez, Wb. 202: ALLG. I, 240. (Frz. 
amadou R. XXVI, 569 ist formell und 
begrifflich nicht annehmbar; s. 407). 

437. amylum ^Kraftmehl", „Stärke". 
Ital. aniido (/■ portg. amido und unter 

Einfluß der gelehrten Aussprache 
amildn: frz. amidon, span. ahnidon, 
portg. amidäo) Diez, Wb. 16; Dict. Gen. 

438. ana (griech.) „je". 

Alog. cana aus ayia + cata (1755) 
SBPhHKIAWWienCXLV,5,70. Aus dem 
rnlat. wird ana gelegentlich in die ro- 
manische Urkundensprache verschleppt 
RomF. II, 361 [cota { wn« ATriest. XXX, 
57 hätte flektiertes *canu, nicht unflek- 
tiertes cana ergeben). 

439. auas, -atis „Ente", 2. *aiiitra. 

1. Engad. anda, afrz. one, prov. 
(a)nedo, aledo, katal. aneda, anada, 
anek, valenc. anet, span. anade, portg. 
adem ; log. anäde RILomb. XLII, 684. 
Mit ^ica für '-ita: pav. ania, torton. 
anga. 

2. Ital. änatra, dnitra, avicent. ärena, 
venez. änera, trient. änedra, bologn., 
ron)agn. anädra, regg., moden. nadra, 
imol. anandra. — Ablt.: ivQ\\s.anaratsa, 
trevis., triest. ratm Vidossich, Stud. 
dial. triest. 37; ZRPh. XXII, 475; pi- 
kard. anet „weibliche Ente". — 
Zssg. : frz. Mdäne (^ parm. viadana) 
„Stemmeisen" (hec d'ane) G. Paris, Mel. 
ling. 474. - ALLG. I, 240; AGlItal. VII, 
444. (Frz. ane aus anas ALLG. I, 240 
ist lautlich nicht möglich, ebensowenig 
*atine Behrens, Rec. Met. 65, als ostfrz. 
ZRPh. XVI, 530 stimmt nicht zu den 
Belegen; triest. raza aus dem Slav. 
DLZ. 1902, 2152 ist nicht möglich, da 
das slav. Wort nur südslav., also eher 
aus dem Triest. entlehnt ist DSchAWPh 
HKlWien, L, 50, während allerdings 
rum. raß aus dem Slav. stammt). 



440. aiiaticnia „kleine Ente", 2. „Tiir- 
klopfer", „Riegel" ALLG. VIII, 393, 

3. *„die eiserne Achse des Mühlsteins", 

4. *„ Fensterwirbel", 5. *„Krücke". 

2. Siz., reat. natikkya, Bari : natikki/e, 
aret. antikkya, bergam., vicent. naega, 
piem. navia, uengad. nadiglia. 

3. Parm. nadiöa, prov. anadilha, 
katal., valenc. nadilla, span. nabija, 
vgl. frz. nille „Handgriff an der Kurbel". 

4. Prov. anadilha, wallon. ätig. 

5. Afrz. anellle, nfrz. anille, vgl. frz. 
nille „Gabel an der Rebe" Dict. Gen.; 
Thomas, Mel. 17; ZRPh. XXVI, 403. 
Auch flandrisch aniy „Dachvorsprung"? 
(Span, -b- ist auffaUig; bergam., vicent., 
piem. NAVicuLA Salvioni, P.^ ist für 
bergam. und piem. möglich, nicht für 
vicent. und entbehrt der begrifflichen 
Stütze. Zieht man vicent. zu den süd- 
ital. Formen, so hat piem. sekundäres 
-V- und bergam. mulj entlehnt sein. 
Aret. zu anta Caix, Stud. 154 reißt 
das Wort von den südital. Formen los). 

441. anbai* (arab.) „Ambra". 

Ital. ambra, frz. ambre, span., portg. 
ambar, alambar, alambre. Diez, Wb. 16; 
Dozy-Engelmann, Gloss. 188; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 258. 

442. aubiq (arab.) „Destillierkolben". 
Ital. lambicco, lintbicco, lambiccio, frz. 

alambic, span. alambiqne, portg. tarn- 
bique. — Ablt.: ital. lambiccarsi il cer- 
vello „sich den Kopf zerbrechen". Diez, 
Wb. 187; Dozy-Engehnann, Gloss. 56; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 81. (Ital. fc^c- 
caisi il cervello „sich in Kleinigkeiten 
verlieren" AGlItal. III, 396 gehört eher 
zu 1013). 

443. ancilla „Magd". 

Ital. ancella, alog. ankid^a, afrz. 
anc^lle, prov. ancela. Afrz. aticel ä 
Viaue beneoite „Weih Wasserkessel", bürg. 
äsyö id. [Ancel zu hama Behrens, Frz. 
Wortg. 5 ist ebenfalls möglich). 

444. ancon (griech.) „Bucht". 
Span, ancon. — Rückbild.: portg. anco 

„kleine Bucht". Diez, Wb. 422. (Ital. 
ancona Mussafia, Beitr. 26 paßt begriff- 
lich nicht, s. 2833). 

445. aiicoravus (gall.) „Hakenlachs". 
Apikard. ancreu, wallon. okraw Fem. 

— R. XXXV, 169; ZRPh. XXX, 717. 

446. aucns „gekrümmt". 

Portg. öjjco „Ellbogen", galiz. „Krüm- 
mung des Weges". (Griech. axcos 
„Tal" Diez, Wb. 422 paßt begriffhch 
nicht). 



447. *andago — 461. angullla. 



31 



447. '^Aiidag'O, -Ine ,Raum zwischen 
zwei Reihen". 

Lo[^. andania, ital. nndnna (\g].410), 
gen.andania, Schweiz, ätlä , Schwaden", 
Span, avden, valenc. andü , Galerie" 
ZRPh. XXIX, .040. (Zu ambitvs 410 
ist betjriniich last zwingend, aber mor- 
phologisch noch nicht aufgeklärt. Ein- 
lluii von INDAGO paßt begriflh'ch 
wenig). 

448. nndbnhtjan (fränk.) „einen 
Auftrag geben", vgl. ahd. andbaht 
, Richter" aus gall. ambnctus. 

Afrz. ambassier. — Ablt. : ambaissi^e, 
prov. ambaissada (^ ital. ambasciata, 
> fi'z. ambassade, span. amhajada, porig. 
(tmbeixada), afrz. ambasscotir, aprov. 
ambaissador (> ital. ambasciatore, ^ 
frz. ambassadeuf , span. ambajador, 
portg. ambaixador) „Gesandter", prov. 
ambaissat „Aufgabe", „Verrichtung". 
Diez, Wb. 15; ALLG. I, 238; ZDVVF. 
IX, 32. (Ilal. ambascif, *„dringliche Auf- 
gabe", „Atemnot" ZDWF. IX, 33 ist 
begriffücii nicht genügend gefctützt, Zu- 
sammenhang mit A^fxiA 509, oder 
APiiAsiA Diez, Wb. 15 ganz abzulehnen). 

449. *aiidß'ra (gall.) „junge Kuh" 
(vgl. kymr. anner id., ir. oinder „junges 
Weib"), 2. *„Feuerbock". 

2. Afrz. andier, nionthel. ädye, nfrz. 
hindier, prov. ander(re), kdiAl. anderris; 
gilh. üdero „der Haken, an dem der 
Kessel hängt". — Ablt: frz. alandier 
„Herd am Backofen", eigentlich place 
ä r andier R. XXIX, 135; ZRPh. XXX, 
414; Schuchardt-Mussafia 5. {*amita- 
mus ZRPh. VIII, 233; XXIII, 422 ist 
lautlich und sachlich unmöglich SBPh 
HKlAWWien, CXLIII. 2, 38; *am- 
BiTARius ZRPh. XXIX, 527 sachlich 
und formell; alandier aus limitarius 
ZRPh. XXIII. .527 geht lautlich und 
begrifflich nicht, zu prov. alandä 
„Raum .schaffen" Thomas, Mel. 10 paßt 
es geographisch und begrifflich nicht). 

4.50. androii, -öiia (griech.) „Gang". 

\\n\.(I)androne „breiter Gang". „V^or- 
haus", bologn. androuna, ferr. androna 
„Abort" (vgl. 413), romagn. andron, -a 
% «Gang beim Bett", bresc. andrü, triest. 
androna „Sackgasse". — Rückbild. : 
piac. dndar. 

451. ancllnriiis „Ringverfertiger". 

Rum. inelai-, afrz., aprov. anelier. 
Die Bedeutung des nur in den ti ro- 
nischen Noten vorkommenden Wortes 



ist nicht bekannt. Die romanischen 
Formen können Neubildungen sein. 

452. anellns „Ring". 

Rum. inel, vegl. agnial, ital. anello, 
engad. ane, frz. anneau, prov, anel (^ 
portg. annel), span. anillo, portg. elo 
RL. I, 301; log. anedda, katal. anella; 
obwald. niala „Haarlocke". ALLG. VI, 
378. 

453. anemone (griech.) „Anemone". 
Ital. anSmolo, neap. aneni§l^, ferr. 

aninml, piac. anhnol, parm. anemon. 

454. '*'anethnluiii „Dill". 

Span, eneldo, pori'^. endro RL. II, 268. 

4.55. fluethnni „Dill". 
Ital. aneio, lothr. anoi. 

4.56. aiietzau (ahd.) „antreiben". 
Afrz. anessier ZRPh. Bhft. VII, 137; 

R. XXXVII, 296. (Ital. annizzare Caix, 
Stud. 153, aportg. anaziar „Räuberei 
treiben", anaziador, nportg. anagar 
„schütteln" R. VIII, 612 sind lautlich 
abzulehnen). 

457. anfrnctaia „WegkrOmmung". 
Ital. afjratto. 

458. aiigaria (griech.) „Spanndienst", 
„Fron fuhrwerk". 

Ital. angheria „Erpressung", span. 
atiguera, engiiera „Entschädigung für 
unberechtigte Benützung eines Zug- 
tieres", aportg. angueira „Mietgeld für 
Zug- und Lasttiere" R. IX. 431. (Angera 
zu EQVAiiiA ZRPh. VII, 117 paßt laut- 
lich und begrifflich Aveniger gut. Zu- 
sammenhang mit avania 4085 ist laut- 
lich unmöglich). 

459. aiigaron (gi'iech.) „Signalfeuer". 
Aspan. ängaro Diez, Wb. 423. 

460. angrn „Schlucht". 

Kalabr. angra „der noch feuchte aber 
bepflanzte Streifen längs eines Flusses", 
span., portg. angra „Bucht" Diez, Wb. 
423. (Beides paßt begrifflich nicht 
recht, span., portg. auch lautlich nicht, 
da die besser beglaubigte lat. Form 
ANCKA ist. Kalabr. zu griech. acra 
AGlItal. Xn,_88 stimmt auch nicht). 

461. augnilla „Aal", 2. angaila Gr. 
Gr. I^ 476. 43. 

1. Vegl. angiola, ital. anguilla, log. am- 
bidda, friaul. anzile, frz. angiiillr, bearn. 
aüele Salvioni, P.^ — Mask. „Blind- 
schleiche": frz. enroi/e, lothr. {d)ärö, 
morv. lävio, Schweiz, dania, sav. lävni, 
piem. anvei, nprov. orguei, berrich. 
(l)dgti, garonn. nadyi'iil, katal. anull, also 
namentlich ost-, südost- und südfrz. 
ZRPh. XXIV, 400; At. Ling. 952. Auch 



32 



46^. anguis — 478. anmarren. 



lothr. Icigeaw , Molch " V Dann + orbus : 
i'rz. oi'vef. 

2. Span, angnila, portg. enguia. 

462. anguis Fem. „Schlange^ 
Venez. {l)nma, mant. anza, anga 

, kleine Schlange', veron. an^fo „Wiesen- 
natter^ iv\mi.lanza „Pfeilschlange". — 
Ablt. : ^\2iZZ. nguizna , weiße Schlange" 
Salvioni,P.^ — Zssg.:bologn.6<>ssaMf/0^«, 
roinagn. bessandzula „Natter" R. XXXI, 
284. — Die Palatalisierung des -g- vor 
-M- und zum Teil auch l- lassen das 
Wort als Wanderwort erscheinen. 
(Friaul. niagne Salvioni, P.^ s. 476). 

463. aiigul (ahd.) „Angel". 

Piazz. angnli MILomb. XXI, 2.59. — 
Ablt.: nfrz. soi angler „anbeißen von 
Fischen". 

464. aiigulare „Ecke". 

Rum. unghier, afrz. angler, prov. 
anglar. 

465. aiignliis „Winkel". 

Rum. unghtu. — Ablt.: siz. {a)fiiini, 
kalabr. angyuni, kovs.aflone „Hausecke" 
RILomb. XL, 1110. Sonst [J, auch siz. 
angru „Fels", wenn es hierher gehört. 

466. angurinin (griech.) „Wasser- 
melone". 

Venez., veron. {l)angnHa, ferr. langno- 
ria, moden. langöria, bergam. angöria, 
span. angurria Mussafia, Beitr. 27. — 
Zssg.: march. melanguera. 

467. augnstare „verengen". 
Rum. ingnstä, span. angostar. 

468. aiigüstia „Angst". 

Ital. angoscia, emil. angosa „Ekel", 
ho\o^r\. ganosa „Ärger", engad.««(jfj/osrt, 
frz. angoisse, prov. angoisa (^ span., 
portg. congoja). Diez, Wb. 21; ALLG. 
I, 240; LBlGRPh. XXII, 297. (Ital. 
guscio GStLItal. XXIX, 455 ist lautlich 
und begrifflich bedenklich). 

469. augnstiare „beengen". 

Ital. angosciare, afrz. angoissier, prov. 
angoisar (> span., portg. congojar), 
morv. s'ägoas4 „ersticken" (bei zu 

schnellem Essen). \- steangulake: 

Asti : Siran gossiare. 

470. angiistiosus „ängstlich", „be- 
ängstigend". 

ital. angoscioso, afrz. angoisseus, prov. 
angoisos. 

471. angustns ,eng". 

Rum. tngust, span., aportg. angosto. 
— (Ablt.: ital. gnastada, prov. engre- 
stara „Flasche mit engem Halse" 
R. II, 477 S.3700). 



472. anliela „Atem", 2. alena 
CGIL. III, 597, 38. 

2. Ital. (a)lena, frz. haieine, prov., 
katal. alena Thomas, Nouv. ess. 276. 

473. auhelare „atmen", 2. *alenare. 
2. Ital., log. alenare, frz. haleiner, 

prov. alenar Diez, Wb. 12; ALLG. I, 
237; At. Ling. 1152. 

474. anhelitiis „Atem". 

Span, eneldo. (Span, alienlo ZRPh. 
VIII, 227 s. 4:001). 

475. anima „Seele". 

Rum. inimä, vegl. ganina, ital., log. 
anima, engad. o/-wr/, [friaul. o»u'»it'], afrz. 
arme, nfrz. äme, prov. anma, prov. (> 
aital.), kalal., span., portg. ahna; aber- 
gam. arnm „Obstkern", cornnsk. arma 
„Nüsse" oder „Kastanien in der Schale" 
Diez, Wb. 21. — Ablt. : siz. animulu 
„Garnwinde" Schuchardt-Mussafia 24, 
ital. rtn/wf^/rt „Kalbsgekröse", „Nußkern", 
„Knopfform", moden. rM»»f/a,piac., mant. 
armella „Nußkern", veltl. „Eichel", 
abruzz. netnell^, lemell^ „Knopf aus 
Bein", span. almilla „knappes ausge- 
schnittenes Leihchen mit Halbärmeln, 
das unter dem Harnisch getragen wurde". 

— Zssg. : engad. pallorma veh „Leichen- 
mahl", siz. pggyu d'arma, venez. fio 
d'anema „Adoptivkind" RILomb. XL, 
1109; Puy-de-Döme: fiomo „niemand". 

476. aniinal ,Tier", 2. animalia. 

1. Val-ses. rimd „Vieh"; piac. litnal, 
paim. nimal, bellun. mnüal, misox. af\i- 
mal, regg. yiimä „Schwein", obwald. 
annal „Rind", friaul. nemal „Ochse". 

2. Rum. (dial.) namaie „kleines Horn- 
vieh", mazed. nätnatu „Schlachttier", 
megl. naniaFu „Rind", obwald. limari, 
engad. almeri „Schwein", frz. aumaille 
„Vieh", val de Saire: aome, lütt, amd 
„junger Ochse", span. alimana, portg. 
alimayiha „kleines Raubtier", minh., 
galiz. armalho „Stier". Diez, Wb. 512; 
R. XVH, 53; Pu§cariu, Wb. 1151. 
(Zweifelliaft ist friaul. mafie „Schlange", 
vgl. 462). 

An. *ankya (germ.) „Röhre". 

Ital. ancia „Mundstück am Blasin- 
strument", frz. anche id., lothr. äs „Faß- 
hahn", vend. äs „Röhre, durch die der 
Wein aus der Kelter in die Kufe fließt". ■* 

— Ablt.: reims. äcet „kleiner Trichter". 
Diez, Wb. 16; FrzSt. VI, 52. 

478. aniiiarrcn (niederl.) „anbinden". 

Frz. amarrer (y ilal. amarrare, span., 
portg. amarrar) ZDWF. IV, 272; (arab. 
marr „Strick" Eguilaz y Yanguas, Glos, 



479. annavigare — 490. ansa. 



33 



^58, neap. oniniarrn zu ivm-ra, ital. 
harra ZRPli. XXIV, 128 sind uiiniöj,'- 
litli, da das Wort zuerst in Frankreich 
erscheint). 

471). annavigare ^.hernnfahren". 

Ahruzz. annar^ha „schwanken". 

480. annectere , hinzufügen". 
Ital., log. annetterc. 

481. nnnicnlus , einjährig", ':2. anun- 
culus. 

1. Neap. «MM/M-t/f ,, einjähriges Rind", 
abruzz. vtiekh/^ ^.einjährige Ziege", tess. 
iieö , einjähriges Rind", val-blen. nega 
„Ziege", log. nnnhju „einjähriges Pferd ", 
span. anejo (> portg. nnnejo) „einjähriges 
Lamm", aportg. atnuUio „all". — Ablt.: 
val-blen. tiegin „Zicklein", val-magg. 
<tn(ji</a, vegido, val-anz. iv'gla „Kuh, 
die ein J.ahr nicht gekalbt hat", nuor. 
nnnigrardzii, annigrirm „Land, das ein 
Jahr lang brach gelegen hat", log. 
hfikkd annigardzn „Kuh, die zwei Jahre 
hindurch Milch gibt". 

Ü. Veltl. noga, puschl. nnga „Ziege", 
judik. nnkJa mit ü- von a^el agnellu 
„Ziege", obwald. anuF „einjähr. Scliaf", 
norm, aniti „junger Ochse", gask. anulh, 
nprov. auch amihle id., span. aüojo 
(5> portg. annojo) „Lamm"; — nprov. 
onni „Brachfeld". — Ablt.: veltl. nvgel 
„Zicklein", puschl. knngela „Ziege, die 
noch nicht geworfen hat", mit k- von 
^apra, pikard. länger, vend., norm., ber- 
rich. ras(a)nuyq'r „Kuh, die ein Jahr 
lang nicht gekalbt hat" ; span. anojal 
„Brachfeld". — Schuchardt, Vok. Vulg- 
lat. 111.23'.); AGlllal. Vll, 515; Thomas, 
Mel. 112: Behrens, Frz. Wortg. 150; 
R. XXXV, 300; RILomb. XXXIX, 614. 
— (Auch neap. annnf^le „einjähriges 
Rind" ZRPh.XXXll, 463 'oder zu 485). 

482. 'annodicare „zuknöpfen". 
Span, atliifigar „vor Zorn ersticken" 

ZRPh. XXXil, 464. (Bask. anuska 
„Schlund" Diez, Wb. 423 besteht nicht). 

483. *anno(lulare„ zusammenknoten". 
Log. annogare „verbinden". — Ablt.: 

innojare „die Knochen verrenken" 
ZRPh. XXXII, 464; RILomb. XLII,671. 
{-NODivAUE Subak, Propos. lest. sard. 
10 ist lautlich bedenklich). 

484. *annoticns „jährig". 

Morv. anog „jähriges Schaf", poitev. 
noi „junpre Ziepe", prov. anoge „jähriges 
Schal" ZRPh. XXI, 44»; At. Ling. 878. 
•(Siz. annotiku Rom. Gram. II, 483 ist 
nach Maßgabe von -q- Umbildung von 
ital. anngtino 485). 



485. annotiuns „voijährig". 

Rum. anoa'.in „einjähriges Tier", log. 
annodlnu id., \\{a\. annotino], — Ablt.: 
afrz. antenois „Schaf vom Vorjahr", 
norm. ättt4 „zweijähriges Füllen", vend. 
„jährig von Tieren" G. Paris, Mel. ling. 
4(;4; ZRPh. XVII, 320. (Auch neap. an- 
mtffJ^ „einjähriges Rind" oder zu 481). 

486. aiHiualis „jährlich". 
Obwald.j«<«MZ.s„ kirchliche Totenfeier", 

afriaul. innoval „Jahrestag", „Geburts- 
tag", imol. anvel, afrz. anvcl „jährhch", 
aprov. anoal „Seelenmesse". 

487. annns „Jahr". 

Rum. an, vegl. gan, ital. anno, log. an- 
mi, enpad., friaul., irz., prov. an, katal. 
ang, span. ano, portg. anno. — Rum.o», 
tosk., röm., venez. anno „vergangenes 
Jahr" Mussafia, Beitr. 27. — Ablt.: ital. 
annaia „Erntezeit", lo^.annada „schlech- 
te Ernte", lothr. ane „Sommer", nizz. 
anada „Olivenernte", mallork., valenc, 
astur, aüada „Ernte". — Zs.sg. : apav, 
uncMn „nie" BSPavStP. II, 238; venez. 
amunano „voriges Jahr" aus ha mo' 
un anno Baust, z. rem. Phil. 309; 
moden. alhwv „Ruf in der Sylvester- 
nacht", katnl «/rto« „Weihnachtsabend", 
\\Yo\.nonii „Neujahr" annu N0vu;e\\%9.^. 
büman, bourb. bona „Neujahr" Boxxu 
ANNU AASTorino XLII, 298; ital. nia- 
lanno, frz., prov. malan „Elend", ital. 
tnannaggia „Verwünschungsformel" aus 
mahtnno aggia habeat', piazz. oralan, 
oggaJan „vergangenes Jahr". — ALLG. I, 
240. Hoc ANNO s. 4165. 

488. *anqiie „auch". Woher? 
Rum. inen, mazed. ningä, nikii, ital. 

anche, engad. aunka, tirol. nur in Zu- 
sammensetzungen: famd, friaul. ankamö 
Gr. Gr. P, 612, afrz. ainc, prov. am-, 
astur., galiz. anque. (Atque R. VIII, 
93; ALLG. I, 241, Rückbild, aus an- 
cora AGlItal. IV, 171, *anqve aus an 
Rom. Gram. 111, 495, a + unquam 
Pu§cariu, Wb. 804 sind alle unbefrie- 
digend. Der Auslaut könnte auch -c« 
gewesen sein, vgl. trient. anka, nur 
müßte dann das -a im Frz. vor der 
Palalalisierung des -c geschwunden sein. 
Oder -qne ist im Rum. zu -ca umge- 
staltet worden, bevor que zu ce wurde.) 

489. anqaina „Raaschlinge". 
Ital. anchini, frz. anquil. 

490. ansa „Henkel", „Griff". 
Abruzz. asa „Türangel", lomh. aza 

„Öse", veron. aza „Ortbrett", kalabr.. 
log., span. ffs« Diez, Wb. 429; Mussiilia, 



Mcyer-Lübke, Roinau. clymolog. Wörterbuch. 



34 



491. ansula — 505. antiphona. 



Beitr. 30. — Ablt.: lomb. (a)zeta , Schlin- 
ge" RDRoni. 1,108. (Engad, «h^;«, puschl. 
onsa „Öse" ist wegen -n- zweifelhaft; 
portg. aza , Henkel" ist wohl identisch 
mit aza , Flügel", s. 324). 

491. ansnla , kleiner Henkel", „Ring", 
,Öse". 

Ital. asola , Knopfloch"; -{- passabe : 
abruzz. pasole , Knopfloch", , Schleife". 
Mask. tarent. amlo , Henkel". Auch 
val-ses. azna „Öffnung, durch die der 
Tragstock eines Eimers gesteckt wird"? 
Mussafia, Beitr. 31 ; Caix, Stud. 1 ()8 ; ZRPh. 
XXXII, 462; AGlItal. III, 366; XVI, 189. 
(Abruzz. nassele s. 8838, ilal. usoliere 
Caix, Stud. 168, °s. 4198). 

492. anta , Türpfosten". 

Siz., kalabr., pieni., lomb., log. anta, 
venez lanta, uengad. anta , Sägebrett", 
Remüs: antedel hzöl „Käsebrett", mün- 
stert. aunta. — Ablt.: lomb. antina 
„Türpfosten" Caix, Stud. 154; Salvioni, 
P.^'l (Aret. anticchia „Riegel" Caix, 
Stud. 1-54, s. 439. Log. antaline, an- 
tarile „Türecke" s. 1615). 

493. •antanens. 

Rum. Intiiü „der Erste" Pu§cariu, 
Wb. 883. (Auffällige Bildung, Avenn 
man propeanus dagegen hält. lUy- 
rischer Einfluß R. XXX, 113 ist wenig 
wahrscheinlich). 

494. ante „vor". 

Aital. anti, not. anti, log. ante, engad. 
aunt, span. antes, portg. ante{s) Rom. 
Gram. III. 553; AGlItal. X, 238; Ital. 
Gram. 107. Vor Vokalen: anti, ital. 
anzi, afrz. ainz, prov., katal. ans „vor", 
„eher", „vielmehr" Rom. Gram. III, 533. 
— Ablt: log. antedda „Schürze" LBl 
GRPh. XXIV, 244, afrz. angois und, in 
Anlehnung an ainz, aingois „eher" ZRPh. 
XI, 250; [ital. anziano, frz. ancien, prov. 
ancian, portg. anciäo „alt" Thomas, 
Mel. 16]. (Anzi antea paßt nicht für 
das Frz., wo man *ance erwarten würde, 
docli fallen vor Vokalen antj{a) ad- 
VENiT und ANTJ ANNUM zusammen; 
ANTE ID ZRPh. VI, 260 trägt der in 
alter Zeit stark ausgeprägten präpositio- 
nalen Geltung nicht genügend Rechnung ; 
*ANTIU Adv. zu *ANTIUS ZRPh. XV, 
240 setzt ein Adj. voraus, das kaum 
zu rechtfertigen ist; *anteo R. XIV, 572 
läßt den ital. Auslaut unerklärt, ^n- 
gois IP.SUD Diez, Wb.505; ZRPh. VI, 260 
ist lautlich unmöglich, s. ZRPh. XI, 250; 
""ANTrius B. XIV, 573; XVII, 95 und 
*ANTiJ)jus ZRPh. XV, 240 sind vom 



lateinischen Standpunkt aus nicht zu 
rechtfertigen). 

495. anteannuni „vorjährig". 

Afrz., aprov. antan, span. antaüo 
(> portg. antanho) ALLG. I, 240. (Frz. 
antenois s. 485). 

496. antecessor „Vorgänger". 
Afrz. ancestre, ancessour, nfrz. an- 

cetre, altuengad. antschw. Afrz. anceis- 
sour Alexis 74 zeigt Einfluß von anceis 
R. XIV, 577, bzw. in noch älterer Zeit 
der Komparative auf -iohe Diez, Wb. 
507. 

497. antenatus „vorher geboren", 2. 
„Stiefsohn". 

2. Span, andado, alnado, portg. ante- 
ado Diez, Wb. 421; ALLG. I, 240; 
Tappolet, Verwandtschaftsn. 137. (Afrz. 
ainzne, nfrz. ain^ Diez, Wb. 505 ist 
Neubildung mit ainz. Abruzz. ande- 
nate paßt formell, aber die Bedeutung 
„Führer der Mäher" knüpft an 4i0 an). 

498. antenna „Segelstange". 

Ital. antenna, siz. ntinna, lomb., emil. 
auch „Stützbalken". 

499. *aiiteobviare. 
^^an.antuviar „zuvorkommen", „be- 
schleunigen" Diez, Wb. 496. 

500. *anteoculare. 

Mfrz. antoillier, nfrz. in Anlehnung 
an andouille (4383) andouillier „Augeti- 
sprosse am Hirschgeweih" R. IV, 349. 
(Wenig wahrscheinlich, da das Wort 
schon lat. sein und dann doch auch 
anderswo sich finden müßte, zudem 
mfrz. auch entouillier lautet). 

501. antes Plur. Mask. „Reihe von 
Weinstöcken " . 

Siz. antu StGlItal. I, 40; MILomb. XXI, 
275; ZRPh. XXXH, 604. —Ablt.: bresc. 
antti „der Raum zwischen zwei Reihen 
von Rebstöcken", vgl. 409. 

502. •antevisnra. 

Aspaii. anviso, ambiso „klug", „vor- 
sichtig" MPhil. VII, 49. 

•50.3. anticus „vorn befindlich". 

Piac. äntag „Flur", im Akzent wohl 
an *a'stracum 6118 angelehnt. 

.504. anticus, -qua „alt". 

Ital. antico, antica, afrz. anti, antive, 
dann entweder Mask. antif oder Fem. 
antie Rom. Gram. 11,61 ; 62, prov. antic, 
antiga, aspan. antiqo, antigua, heute 
meist antiguo, antigua, seltener antigo, 
antiga, portg. umgel<ehrt. 

505. antiphona „kirchlicher Wechsel- 
gesang", 2. antepliona. 

1. Afrz. antoine. 



506. antistes. — 520. aphye. 



35 



!2. Frz. .foitieiine. Aital. antefana kann 
l)eides sein. Diez, Wb. .508. 

.')0(j. antistes „Vorsteher". 

Altacjuil. antüte, nouacjuil. amJiste 
, lebhaft", „unruhig"', ahvuzz. )uUste ,auf- 
jj^eweckt", neap. „hartnäckig", abruzz., 
neap. auch ndzisfg nach insistehe. 
(Die Bedeutungsentwickelung ist nicht 
klar). 

507. antsiiiga (mlat., genn.?) „ein 
Flächenmaß". 

Afrz. ansänge. 

.508. nnns „After" , „Mündung des 
Mastdarms". 

Campid. antis mit -s von pettus 
RILomb. XLII, 075. 

.50i). anxia „Angst". 

Ital. ansia, log. ansa, afrz. ainse, 
aprov. aissa^ span., portg. ansia; aret. 
(tnscio, moden. lans. üiez,Wb.21 ; 423; 
ALLG. I, 242; 564; AGlItal. II, 52. 

510. anxiare „ängstlich atmen". 
Ital. ans(i)are, aret. a{ti)sciare, log. 

ansare, prov. aissar (> ital. asciare), 
span. ansiar. — Ablt. : chian. a(n)öo 
„das Keuchen" Caix, Stud. 139. {Ani- 
basciare Caix, Stud. 139, 3..519; *pax- 
TASIAHE Caix, Stud. 111, s. 6'555). 

511. anzarot (arab.) „Fleischleim". 
Aspan. azaro, azarote, aprov., akalal. 

aiif/t'Iot Thomas, Nouv. ess. 1.59. 

512. apalus „zart", „weich" (von 
Kiern). 

Siz. apuln, vapulu, papulu, paparu, 
kalabr. apiile, neap. (v)apele, abruzz. 
(ibbele, ralbele, Kvabbele, niarch. mapolo, 
tess. awre Salvioni, P.^ Das v- stammt 
von OVUM RILomb. XL, 1123. 

513. aper „Eber". 

Ablt. : campid. sirboni AASTorino VII, 
SS2 ; ZRPh. Bhft. XII, 67 ; log. äbrinu 
.vom Eber". — Zssg. : log. ptorkabru, 
ix:\\\\ir. polkarru AGlItal. XV, 481. 

514. apere „anpassen". 

Frz. atir „die Ränder eines Gefäßes 
umbiegen" Cohn, SulYwandl. 128,2. (Un- 
sicher, weil APEUE vielleicht nur eine 
(trammatikerfiktion ist). 

515. aperire „öffnen". 

Mazed.. megl. upirire „anbrechen" 
(vom Tage), „früh aufstehen", vegl.orjM'ar, 
ital.ajj/'//v, venez. vcrzer, log. abberrere, 
eugad. airir, friaul. rierdzi, frz. otirrir, 
prov., katal. obrir, span., portg. abn'r. 
Die durch copejure hervorgerufene o- 
Form ist noch piem., apad., piazz., mon- 
tal., sen., umbr.. röm. und aquil. — 
Campid. oben-iri kann lautlich aus aber- 



riri entstanden sein. Zu venez., friaul. 
-z- s. ZRPh. XVI, 318. — Ablt.: i.str. an- 
viefta, trevis., pav., vicent. vierta, friaul. 
(lavierte „Frühling" Merlo, Stag. mes. 48. 
— Z.ssg. : span. abrojo, portg. abrolho, 
katal. nbrnlls ocuLott „Fußangel" 
Diez, Wb. 413; venez. daverzer, crem. 
darver, judik. darvir, Erto: dravi ZRFh. 
XVI, 318, prov., piem. dürhi; prov. «?«- 
lapert „ungeschickt", vgl. apert „auf- 
geweckt". — Diez, Wb. 612; ALLG. I, 
377; At. Ling. 1651. 

516. apertura „Öffnung". 

Ital. apertura, log. abbertura, frz. 
Ouvertüre, prov., katal., span., portg. 
abertnra. 

517. apetouia (mgriech.) „die Angel- 
leine mit einem oder mehreren Angel- 
haken". 

Ndalm., triest., venez., tarent. toüa 
ZRPh. XXV, .501, 

518. apex „äußerste Spitze". 
Lomb. anes „der Punkt, wo unter der 

Erde das Wasser aus dem Boden quillt", 
„das Niveau des Grundwassers in der 
lombardischen Ebene", brianz. naves 
„die Wasseradern, die von einem Berg- 
rücken in die Ebene hinuntergehen" 
Salvioni, Gloss. Arbed. 14. (latex 
AGlItal. XIII, 287 trägt dem -r- zu wenig 
Rechnung und paßt begrifflich nicht). 

519. aphasia „Sprachlosigkeit". 
(Ital. ambascia „Qual" Diez, Wb. 15 

ist lautlich und begrifflich bedenklich; 
zu 510 Caix, Stud. 139 geht nicht, 
solange der Anlaut unerklärt bleibt). 

520. aphye „Sardelle", 2. 'apinva, 
vgl. apyia CGIL. III, 256,66. 

2. Ital. acciuga, siz., gen. andova 
(/>nizz. amplova), span. anchoa O frz. 
anchois), portg. anchova Diez, Wb. 5 ; 
Rom. Gram. I, 17. (Die Geschichte des 
Wortes ist nicht aufgeklärt. Ital. -c& 
weist nach dem Süden oder nach Ge- 
nua; siz. -0- fällt auf und erweckt den 
Verdacht der Entlehnung aus dem Span. ; 
im Span, ist -vh- aus -pi- nicht die üb- 
liche Entwickelung, auch bleibt -v- zu 
erklären. Bask. antzu Dict. Gen. paßt 
nicht, da das Wort nicht „trocken" be- 
deutet und somit auch nicht die Sardelle 
als getrockneten Fisch bezeichnen kann, 
die wirkhche Bedeutung ist vielmehr 
„keine Milch gebend". Ein nicht be- 
legtes begrifTlich wenig passendes griech. 
AXCHIOPA „engäugig" RomF. XV, 813 
macht auch lautlich Schwierigkeiten). 

3* 



36 



521. apiaiium — 539. *appanum. 



521. apiarium ^Bienenkorb". 

Afrz. achiet-, pikard. apye , Bienen- 
stand" Diez, Wb. 22; At. Ling. 1174. 
(Piem. avtß s. 523). 

522. apiarins , Bienenwärter". 
Aital. apiaio AGlItal. III, 404. 

523. apicnla ,Bienchen", 2. apicula. 
2. lia].peccMa, bress.-louh. aviy, prov. 

ahelha (> frz. aheille), katal. abella, 
Span. abeja, \)orig.abeIha. — Diez,Wb. 22; 
ALLG. I, 242; At. Ling. 1. Wo in ital. 
u. frz. Mundarten -iya, -iy erscheint, 
zeigt auch auricula als Ton vokal -i-, 
so dala Lautwandel, nicht -Icvla vor- 
hegt. — Ablt. : piem. amß „Bienenkorb". 
{Avye zu 521 AGlItal. XV, 277 geht 
lautlich nicht). 

524. *apiola ,Bienchen", „Biene". 
Log. ahiolu „Wespe", bergam. viöla 

„Leuchtkäfer", bologn. viola „Marien- 
käfer", engad. aviöl. — Rückbild.: louib. 
ävia, lyon. ävi „Biene" Rom. Gram. II, 
355; ZRPh. XXVII, 151. 

525. apis „Biene". 

Vegl. yuopa, ital. aj)e, log. abe, 
friaul. af, afrz. ef, prov. ojt»; heute noch 
in Pas de Calais e, treib, o Mask., gir. ap, 
abruzz. lape, ahz. auch es. — Ablt.: 
norm, avet, Schweiz, esat ZRPh. XVIII, 
214; ital. apone „Drohne", imol. aron 
„Hummel" ; montbel. ezye, log. abuddu, 
tarent. avukkya „Bienenkorb". — Zssg. : 
log. abe mam masculu „Drohne". — 
Das eigentliche nordfrz. Wort ist seit 
dem 16. Jahrli. mouche ä miel At. Ling. 1. 

— Diez, Wb. 22; AGlItal. 11, 37. 

526. apiniit „Eppich". 

Ital. appio, fi'z. ache Fem , prov. api, 
katal. cqn{f), span. apio, portg. aipo; siz. 
acca, abruzz. lacce Fem. — Ablt.: frz. 
eprault „Art Sellerie" Thomas, Mel. 60. 

— Diez, Wb. 503. 
■527. apluda „Spreu". 

(Ital. pula, bula Diez, Wb. 391 ; AGl 
Ital. II, 329 ist lautlich unmöglich). 

528. apodeixis „Quittung". 

Ital. Polizza (> frz. ptolice, katal. po- 
lissa, span. pöliza), prov. podiza, po- 
lissia R. X, 620. (Pollex und polyp- 
tycha Diez, Wb. 253 sind lautlich und 
begrifflich abzulehnen). 

529. apopores Isidor XVII, 10, 25. 
Woher ? 

Portg. abobora „Kürbis", mozarab. 
(a)bobra, buebra. 

530. apostolicns „Papst". 

[Afrz. apostoile] Berger, Lehnw.(*^po- 
STOLius ist nicht belegt und nicht nötig). 



531. apotheca (griech.) „Niederlage". 
l.Aspan. abdega, portg. adega „Keller", 

„Weinkeller" R. XXIX, 334; KJBFRPh. 
VI, 1, 383. 

2. Ital. bottega mit -tt- von botte, log. 
biittega, span. bodega. — Ablt.: ital. 
bottegaio „Inhaber oder Kunde eines 
Ladens", agen. boegono, venez. sbofegoso 
„verschnupft" Mise. Rossi-Teiss 410. 

3. Prov., katal. botiga. 

4. Neap. potega, s.Z. putiga, südital. 
puteica AGlItal. XV, 353. 

5. Frz. boutique, span., portg. botica. 
— Diez, Wb. 62; ALLG. L 252; VL 379. 
Das Wort ist zu verschiedenen Zeiten 
aus dem Griech. übernommen worden, 
die Geschichte im einzelnen bleibt noch 
zu untersuchen. 

532. apozenia (griech.) „Absud". 
Ital. Z»o^2jma „WeberschHchte" AGlItal. 

111,391, abruzz. posema „Stärke", kalabr. 
ptiosimu id., span. pocima „Arzneitrank" 
StFR. II, 12. (Auch ital. bozzina „Sie- 
den", „Kochen" AGlItal. m, 391? Span, 
von roTiSMA Diez, Wb. 477 ist lautlich 
schwieriger). 

533. '^'appactum „Vertrag". 

(Ital. appalto O rum. apalt) steht 
lautlich isoliert da). 

534. appararc „herrichten". 
Jium.apärä „schützen", „verteidigen", 

„abwehren", ital. apparare, afrz. aparer, 
lyon. apard „erhaschen", span. o^«;-«;-, 
porig. appai-ar. — Ablt.: rum. apürä- 
turä , mazed. cqyärare „Schonung", 
„junger Wald". Das Rum. zeigt die 
Bedeutungen von parare 6228; ital., 
span., porig, vielleicht []. 

535. apparere „erscheinen". 

Rum. apäreä, ital. a2)parere, log. ap- 
pärret-By engad. apurair, frz. apparcnr. 

536. *apparescere „erscheinen". 
Ital. apparire, frz. apparattre, prov. 

apareise); katal. apareixer, span. apa- 
recer, portg. apparcce)- ALLG. I, 242. 

537. *apparicnlare „herrichten" (zu 
apparare). 

Ilal. appa}-ecchiare, frz. appareiller 
(^ ital. apparigliare), prov. aparelhai; 
span. aparejai; portg. apparelhar. 

538. apparitio „Erscheinung". 
[Akatal. ijaricia „Epiphanias"]. 

539. *apparinm „Zurüstung", 2. 
„Ackergerätschaften " . 

2. Valenc. apei', span. apero, portg. 
apeiro. — Ablt.: span. aprisco „Schaf- 
stall" ? Diez, Wb. 424. 



&40. appectorare — 554. apprehendere. 



37 



540. appectorare „an die Brust 
diiicken", 2. , drängen", ^drücken". 

Span, apretar (> siz. appritfari, ka- 
labr. apprettare, nenp., velletr. apprettd, 
ahruzz. apprettd, appletid „drücken", 
, belästigen"), portg. apertar. — Ablt. : 
span. j)rieto, porig, pt-cto, perto „eng", 
„knapp", „schwarz" üiez,Wb.478. Zur 
Bedeutung „schwarz" vgl. 327!K (Ferto 
zu i*/;Ä<;/;i;A' Gr.Gr.1-,925 i.st hegrifTlich 
kaum wahrscheinlich zu machen). 

541. *appedare „Fufs fassen". 
Prov. apezar, lyon. npiö „erreichen", 

nizz. aphi id. R. XXXIII, 213, span. 
<//)<?«;• „stützen", „herahnehmen". (Portg. 
apear „umreißen" ist Neubildung). 

542. appellare „anrufen". 

Ital. appellare, log. appeddare „ bellen " , 
vgl. campid. appcddiai „bellen", „heftig 
verlangen", frz. appeler, prov. apelar, 
|span. apelar], portg. appellar. — Ablt.: 
span. apellido, frz. appeau „Lockspeise" 
Dicz, VVb. .508, frz. appel. Vielleicht außer 
log. überall [ ]. (Dazu frz. rampeati, 
prov. raiiipel „wenn beim Kegelspiel 
von beiden Parteien die gleiche Zahl 
Kegel geworfen wird, findet rampeau 
statt" ZRPh. XXX, 4()0 ist wegen -ni- 
zweifelhaft). 

543. *appendere „aufhängen". 

Ital. appendere, frz. appendre, prov. 
apendre, A.?,])a.n.apender, povig.appendcr. 
— Ablt. : afrz. apeson .Gewicht an der 
Spindel", lothr. epsö „Spindel", alothr. 
finbesson, nlothr. obso, opso, wallon. 
ohisö „Pilz" ZRPh. XXVII, 350; frz. 
(ippenti „Wetterdach", „angehängter 
Schuppen", limous appens „Schuppen", 
i:ask. apeyit „Schafstall"; neap., abruzz. 
iippennecd „einschlafen", vgl. 6502. 

•544. *appeusare „bedrücken", „be- 
schweren". 

Rum. aj)äm, afrz. apeser, lyon. apezö 
„lest stützen", prov. apesar. 

545. appertinere „angehören", 2. ap- 
partenere mit Einmischung von paus. 

Ital. appartcnere, \'rz. appartem'r, prov. 
(ipartener, span. apertenecer. 

54t). appeterc „anstreben". 

Velletr. appete „erreichen". 

547. *appicare „ankleben" (zu pix 
„Pech"). 

Prov., katal., span., porig, apegar 
Diez,Wb. 240. [-ficcare: ital. appiccare. 

548. applicare „anfügen", von Schif- 
fen „landen". 

Rum.a se aplecä „sich niederbeugen", 
„säugen", letzleres zunächst von Mutter- 



tieren gesagt, die sich hinlegen, dann 
auch von Frauen, kalabr. akkikare „er- 
reichen", afrz. aployer, bress. aplie, 
lyon. aplay^, „Ochsen ins Jochspannen", 
Schweiz, apliei „anschirren", katal. ap- 
legar „sammeln", valenc. „ankommen", 
span. allegar „sammeln", „nähern", 
„hinzufügen" , portg. achegar „an- 
kommen". — Ablt.: rum. aplecäfoare 
„Mutterschaf", katal. apler/a „An- 
häufung", „Magendrücken" ZRPh. XXIX, 
418; At. Ling. 6(5. 

549. *applictni)i „Anhäufung", 2. 
„Werkzeug". 

1. Neap. akkijelt^, parm. apiet „durch- 
einander", lucch. appietto „ohne Unter- 
schied", „gänzlich" AGlItal XV. .330; 
ZRPh. XXX, 295; AGlItal. XVI, 441. 

2. khz.aploit, \)'ox\.apl^, \\ox\x\. aphl 
„Ociisengesehirr", „ein Paar eingespann- 
ter Ochsen", nfrz. aplet „Heringsnetz", 
lütt. apU „Bienenstock", prov, apleit 
„ Schnitz messer", „Ptlugschar* ZRPh. 
XXIX, 8. 

5-50. appodiare „stützen", „anlehnen", 

Ital. appoggiare, engad. pozzer, frz. 

apuyer, prov. apoiar, katal. ajMiiar, 

span. apoyar, portg. apoiar. — Ablt. : 

engad. pozza, frz. appui „Stütze". 

551. apponere „hinstellen", „hin- 
legen". 

Rum, apnne „untergehen von der 
Sonne", mazed. „heruntersteigen", „bei- 
legen", „besänftigen", ital. apporre, afrz. 
apondre, morv.g;>ö(/re„ einholen", bress.- 
louh. apodre „verlängern", beif. f /)orfre 
„die zwei Enden eines Stückes zusam- 
menknoten", lyon., dauph. apodre „er- 
reichen", prov. aponre, aspan. aponer, 
portg. appör. — Ablt.: rum. apxis 
„Westen", afrz, aponse „Stützbalken", 
lothr, ^Jös „Kopfende des Bettes", Schweiz. 
apösa „Verlängerung an Kleidern",. — 
Zssg : abruzz. appnvimette In lendzole 
„die Leintücher einschlagen", lu sole s'e 
appummesse „die Sonne ist unterge- 
gangen". 

552. apposita. 

Frz. les aputres „Klüvhölzer". 

553. appositicins „verfälscht". 

Ital. posticcio (> frz. posliche), span. 
postizo, poitg. posligo Diez, Wb. 254. 

5.54. apprehendere „erfassen", 1, „*an- 
zflnden", 2, „*lernen", .erfassen", 

\. Rum, aprinde, nordital, aprender 
AGlItal, XII, 388. 

2. Ital. apprendere „lernen", arcev. 
apprenne „aufmerken", frz. apprendrer 



38 



555. *apprivatiare — 570. aqua. 



prov. aprender, katal. apendrer, span., 
portg. aprender „erfahren". 

555. *apprivatiare , zähmen". 

Frz. apprivoisei-, prov. aprivazar R. 
XVIII, 551 ; At. Ling. 1439. 

5.56. approbare , billigen". 

Ital. approvare, frz. apprOHver, prov., 
katal. aproar, span. aprohar, portg. ap- 
probar. 

557. *appropiare „nähern". 

Rum. apropiäy log. approhiare, frz. 
approcher (> ital. approcciare), prov. 
apropchar Diez, Wb. 661 ; ALLG. I, 242. 

558. appropinquare „sich nähern". 
Prov. aprohencar. 

559. approximare „nahe kommen". 
Afrz. aproismier, montbel. gponie, 

prov. aproismar. 

560. apricare „sonnig halten", „*vor 
Kälte oderWind schützen", 2. „*schü1zen". 

2. Log. abrigare „sich decken", lothr. 
evrie, prov. ahriyar (> afrz. ahrier), katal. 
ahrigar „sich an die Sonne legen", span., 
portg. ahrigar. — Ablt. : frz. ahri, prov. 
ahric, span., portg. abrigo „Schutz", 
l(itt. älahri del plef „dem Regen aus- 
gesetzt", afrz. desbrier „berauben" R. 
IV, 348; ZRPh. XXI, 449. (Die Zweifel 
R. XXVIII, 433 sind unbegründet, frz.-6- 
weist auf westfrz.-prov. Ursprung hin, 
was durch die östlichen -«-Formen be- 
stätigt wird. Damit entfällt die R. XXIX, 
115 versuchte Deutung, vgl. ZRPh. XXIV, 
590; R. XXXV, 293; ZRPh. XXXI, 505). 

561. apricns „sonnig". 

Log. abrigu „geschützt" (rum. äprig 
„wild" steht formell und begrifllich zu 
fern, vgl. 4054). 

562. aprilis „April". 

Rum. prier, ital. aprile, log. ah-ile, 
engad. avriF, friaul., frz. avril, prov., 
katal., span., portg. obril. Rätor., frz. 
und prov. Formen weisen auf -?7 neben 
■il, was wohl trotz megl. aprilu sekundär, 
nicht alte Anbildung: *aprilius an 
MARTius ist. Obwald. avrel erinnert an 
Schweizer-deutsch rtfcre7. — Salvioni, P.^; 
Merlo, Stag. mes. 118. 

563. aptarc „anfügen". 

Katal., span., portg. atar „anbinden" 
Diez, Wb. 427. 

564. *apticiilare „herrichten", 
„putzen" (zu aptus). 

Afrz. atilier (> ital. attiUare, portg. 

atilar), prov. atilhar. \-AitTE: afrz. 

artilUer „ein Schiff ausrüsten", frz. 
artillerie (> ital. artiglieria, span. ar- 
ülleria, portg. artilharia) Thomas, Ess. 



244. (Auffällig ist ital., portg. -^: span. 
atildar s. 8854. TiTULVs Diez,Wb. 3U 
ist formell unmöglich, germ. tilun ZRPh. 
XV, 241 macht mit -t- Schwierigkeit. — 
Artillerie direkt zu ABS Diez, Wb. 28 
ist auch möglich. — Uum. ateiä „sich 
.schmücken" ZRPh. XXXI, 294 paßt im 
Vokal nicht). 

565. aptiflcare „zureciit machen" 
(Merowinger Latein, s. Du Gange, Gloss.). 

Afrz. attefier, nfrz. affier „Bäume 
pfropfen", berrich. atfi^, morv. §tefie, 
lyon. afofni/e, nprov. ntefaga Thomas, 
Mel. 5. 

566. aptas „passend". 

Lucch. atto „bereit", „geneigt", orviet. 
atto „tüchtig", [afrz. ate], aprov. at „das 
Nötige" G. Paris, Mel. Ling. I. 697 ; LBl 
GRPh. XX, 275; Thomas, Mel. 22. — 
Ablt.: \{?[\. atticciato „kräftig". — Zssg. : 
ital. sciatto „ungeschickt" Gaix,Stud.29; 
ZRPh. XXII, 477; AGlItal. XV, 110. 
(Afrz. aatir Diez, Wb. 7.52 s. 2020. Ate 
zu HABiTim G. Paris, Mel. Ling. 628; 
ZRS. XIV, 258 paßt begrißlich weniger). 

567. apud „bei", im yall. Latein „mit" 
ALLG. II, 26. 

Afrz. od, aprov. ab, vor Nasalen am, 
daraus nprov. amb{e), ante Diez, Wb. 22; 
Rom. Gram. III, 246; ZRPh. XXVI, 532. 
(Ital. a2)po 195, frz. avec Diez, Wb. 513 
s. 22; lomb. inävol, arinäf, alindu-ru 
„hinter dem Winde" ZRPh. XXII, 473 be- 
darf noch der genaueren begrifflichen 
und morphologischen Rechtfertigung). 

568. Apulia „Apulien". 

Rovign. liouga „fruchtbares Land". 

569. aqrav (arab.) „Skorpion". 
Span, alavran, portg. alacräo, valenc. 

alacrä. Diez,Wb 416; Dozy-Engelmann, 
Gloss. 53 ; Eguilaz y Yanguas, Glos. 82. 

570. aqua „Wasser". 

Rum. aj)^, ital. aequo, log. abba, 
engad. ova, friaul. age, afrz. eve, eaue, 
nfrz. eau, prov. aiga, katal. aygua, span. 
agua, portg. agoa. Loinb. uvn, bergeil. 
voga „vom Wasser ausgewaschener 
Steig" ZRPh. XXII, 478 ; RILomb. XLI, 
406. — Ablt.: engad. ovel „Bach", prov. 
aigal „Wasserleitung" ; rouerg. eigal 
„Südwind"; vend. egale „regnen"; afrz. 
evage, span. aguaje, portg. agiiageni 
„starke Meeresströmung". — Zssg.: ital. 
acquavite, [yon.aguardenta, genf., Avaatl., 
sav. (ajgnarze, span. agnardiente, portg. 
aguardente „Branntwein" BGIPSR. III, 
36; At. Ling. 431; log. ahbagotta COCTA 
„Leim", assuahbare „baden" Mise. fil. 



571. aquaeduclus — 591. aiag. 



39 



linj,'. litU; frz. ean hSntte , Weihwasser", 
eaubhiitier, morv.aweniti^, franche-comt. 
ov§»otl „Weihwasserkessel". — Diez,Wb. 
565: At. Linf,'. 1701. — Zur Lautent- 
wickelung vgl.: C. Hürlimann, Die Ent- 
wicklung von aqua im Romanischen 
1903; LBIGRPI). XXIV, 334; ZRPh. 
XXVIII, 378. 

571. aqitneductas , Wasserleitung". 
Ital. acqnidotto (> er\^a.A. aquadottel), 

beigell. lavadU RILomb. XLII, 973. 
<Span. arcadiiz, alcaduz, astur, caduf, 
catufol s. 1456). 

572. aquaeinanalis ,, Waschbecken". 
Span, aguamauil „Gießkanne zum 

Hände waschen". 

573. aqiiana , Wassernixe". 

Aital. yana, alomb. a(i)guana, avicent. 
anguana, venez. longana, veron. sigar 
come n'anguana ,,schreien wie ein Ad- 
ler", friaul. sagane ,Hexe" mit s- von 
SiLVAxrs 7991. — Schneller, Rom. 
Yolksmd. 106; AGlItal. IV, 334; GStL 
Ital. XXIV, 567. 

574. aquariola „Tränke". 

Ferr. anqirola, moden. itigirola „Vogel- 
näpfchen"" AGlItal. III, 175. 

575. aqaariolus „Wasserträger". 
Ital. acquainolo. 

576. aqnariuui, -a 1. „Gußstein", 2. 
„Wasserfurche", 3. „Kübel". 

1. Ital. acqunio, frz. evier, reims. lavye, 
prov. oignier, portg. agueiro, auch nprov. 
geiro At. Ling. 1562. — Ablt.: siz. ak- 
kwaloru, mail. akuirÖH, obengad. i-a- 
qnröl, uengnd. avaröl, bergeil. ogairöl 
RILomb. XLII, 974. 

2. Log. ahbardzu, venez. alguoro 
„Furche", friaul. agor id., portg. agueiro, 
vgl. apul. akkwara, span. aguera. — Sal- 
vioni, P.-. 

3. Arum. apäri ZRPh. XXXI, 292, 
pieni. igera, mant. inguera „Vogelnäpf- 
chen", afrz. eviere, eviei; prov. aiguiera 
(^ frz. aigniere). 

577. aquarios „Wasserträger". 
Rum. apar. (Oder Neubildung). 

578. aquatio „Bewässerung". 
Engad. ovazun, montbel. avezö, beif. 

fN'fiö „Überschwemmung", [ital. acquaz- 
zo, neap. akkivatts^, siz. akkirattsu, 
venez. agatso (> ital. giiazzo), piem. 
arazi, friaul. aqat^, vend. aka.'^ „Platz- 
regen" RFICI. 11,188; AGlItal. XVI, 332. 
Oder Ablt. von a(^va'^ 

579. *aquatorla „Bewässerungs- 
graben". 



Piem. dojra, friaul. dwje AGlItal. XVI, 
224. 
580. aquatns „wässerig". 
Log. ahhadu. — Ablt.: rum. a2)ätos. 
.581. ^aqaidacium „Wasserleitung". 
Ital. acquidoccio. 

582. aqnila „Adler". 

Rum. acerä, ital. aquila, piem. agola, 
siz., abruzz. akida, piazz. yekula, bresc, 
bergam. agla, log. abile, sassar. abila, 
cagl. akili, obengad. airla, obwald. ea«/«, 
[friaul. acnile], frz. aigle, prov. aigla, 
kalal. aguila, aliga, span. dguila, poilg. 
aguia; puschl. a/</«Z, bresc. agla „Geier". 
Eine -j- Weiterbildung von acula schei- 
nen zu enthalten : gen. aguga, avenez. 
agoia, her6m. iiTa. Zum Teil erscheint 
das Wort in nicht ganz erbwörtlicher 
Form, vgl. zu der schwierigen, lautlichen 
Entwickelung Mussafia, Beitr. 24; AGl 
Ital. I, 210: R. XVIII, 595; XXI!, 309; 
GStLItal. XV, 266; XXV, 124; StFR. 
IX, 420. 

583. »aquileia „Acklei". 

Frz. ancolie, span. guilefia Diez, Wb. 
508; RomF. III, 492. (Für span. ist 
nicht -INA Diez, Wb. 456 anzusetzen, 
sondern Umdeutung von -eia). 

584. *nquilentnui „Hagebutte" (wohl 
zu aculeus, aquileus). 

Afrz. aiglent, prov. aguilen Dict. Gen. 
— Ablt. : ^glantier, ^glantine Berger, 
Lehnw. 124. {Acucvlentum Diez,Wb. 
504). 

585. aqnllcutns „wässerig", „feucht". 
Gahz. agoento ZRPh. XXVH, 124. 

586. aqnilo „Nordwind". 
Portg. aguiäo. 

587. aqnilns „Nordwind". 
Ital. ventavolo Diez, Wb. 409. 

588. aquosns „wasserreich". 

Rum. apos, ital. acquoso, beif. avii, 
span., portg. agiioso. (Oder Neubildung). 

589. *arabiscus „arabisch". 

Ilal. (a)rabesco „Schnörkelzeichnung* 
Diez, Wb. 22. 

590. Arabs „Araber". 

Katal., valenc. alarb, span. alarbe, 
portg. alarre „roher Mensch* Diez, Wb. 
416; Dozy-Engelmann, Gloss. 56: ZRPh. 
XXIX, 418, saintpol. arap „habsüchtig", 
prov. arabe „habgierig", „geizig", nprov. 
arabro „roh", auch prov. alabre „ge- 
fräßig". 

591. arag (ahd.) „geizig", „arg*. 
Comask. argaii, bergam. argen „Feig- 
ling" Diez, Wb. 424. (Span, haragan 



40 



592.,ar(a)m — 606. arbor. 



„FauUenzer" Diez, Wb. 4i24 ist fern zu 
halten). . 

592. ar(a)in (ahd.) ,Arm% ^Deichsel- 
arme". 

Frz. armon, iremont, nprov. aramun, 
lyon., langued. alamo ^ Pflughaupt " 
ZRPh. XXVI, 41 9. (Zu armus Thomas, 
Mel. 19 ist begrifflich und formell un- 
möglich). 

.093. aranea 1. „Spinne^ 2. „Krätze\ 

1. Ital. {a)ragna ,Spinne% „Spinnge- 
webe^ afrz. araigne, iragne, jur. iran, 
prov. aranha, katal. aramja, span. ara- 
na, portg. aranha. — Zssg. : ital. ra- 
gnatela, afrz. arantUe Gohn, Suffwandl. 
218, katal. taranyina ZRPh. XXVIII, 
357, span. telarana , Spinngewebe". 

2. Rum. rite ZRPh. VIII, 215; WÖt. 
XXV, 91, vgl. 596. 

.594. araneola „kleine Spinne". 

Span, aranuela. 

595. araueolns , kleine Spinne". 

Log. randzolu, campid. arangolu , Ta- 
rantel" Mise. Ascoli 231, afrz. areignol, 
prov. aranhol, span. araüuelo. 

.596. araiieus 1. , Spinne", 2. „Drachen- 
fisch", 3. „Krätze". 

1. Ital. ragno, friaul. raü, uengad. 
araiü, verzas. varaü, i>ro\. aranh „Spinn- 
gewebe". — Abu.: obengad. aranun 
„Spinne", piem., arbed. ö>-a/lmrt „Spinn- 
gewebe" Salvioni, P.'*. (Unerklärt ber- 
^am.g)-eng „Spinne", zugriech, arachne 
Ettmayer, Bergam. Alpenmd. 6 ist sehr 
zweifelhaft). 

2. Venez. varaüo, istr. arano. 

3. Portg. ranho. 

597. arapaitöii (langob.) „arbeiten". 
Ital. arrahattarsi „sich abmühen" 

Caix, Stud. 164. (Zu *vaditare von 
mdere R. XXVII, 200 ist begrifflich sehr 
-bedenklich; siz. arbitriat-i Caix, Stud. 
164, s. 605). 

598. arare „pflügen". 

Rum. arä, ital., alog. arare, engad. 
arer.^ friaul. arä, afiz. arer, prov., katal., 
span., portg. arar. — Ablt. : rum. ara- 
turä, ital. aratura, log. aradura, engad. 
aradüra „Pflügerlohn", afrz. areure, 
norm, erür, prov., katal, span., portg. 
aradura „das Pflügen" Thomas, Mel. 
67, frz. lorandler „Pflugknecht" Cohn, 
Suffwandl. 80?, span. arämio, galiz. 
aramia „ackerbares Land" R. IX, 429? 

599. 'arata (arab.) „entfernen". 

Siz. arrassari, kalabr. arrassare „sich 
entfernen", siz. arrassu „entfernt" 
SlGlItal. IV, 248. 



600. arator „Pflüger". 

Rum. arätor, ital. aratore, log. ara- 
dore, engad. aradur, friaul. arador, 
afrz. areour, prov., katal, span., portg. 
arador. 

(iOl . ai'atoriiis„zum Pflügen geeignet" . 

Rum. päm'mt arätor „Ackerhoden", 
averon. terra araora RFIGl. XXXV, 82, 
aportg. aradoura „Arbeitstag". 

602. aratrnui „Pflug". 

Mazed. aratii, ital. arato, aratolo, log. 
aradii, engad. arMer, afrz. arere Mask. 
und Fem. ZRPh. IX, 149; XXIX, 3 und 
232, prov. araire, katal. aradre, aladrc, 
arad{r)a, astur, aladru, span., portg. 
arado. — Mit Suff. W. : afrz. areaii, wal- 
lon. arel, gask. aret. Arere ist fast nur 
nordostfrz., sonst carrvva 1720 At. 
Ling. 246. — Ablt. : engad. arade, 
puschl. aradel, veltl. radel. Diez, Wb. 23. 

603. Arbe (Name einer Insel im 
Quarnero). 

Ablt.: aital. arbascio, frz. herbage 
„eine Art Segeltuch" RomF. III, 499. 
(Ital. albagio s. 331). 

604. arbitriare „einen Schiedspruch 
fällen", „entscheiden". 

k\\?i\.albitrare, prov. albirar. — Ablt.: 
ital. albitro, prov. alblr. 

605. arbitrium „Meinung". 

Afrz. a(r)voire, arviere, prov. albire, 
span. albedrio „Wille" Diez, Wb. 416; 
JLZ. 1877, 7.52. Auch siz. arbitriu 
„Werkzeug", arbitriu di wirtW „Fischerei- 
geräte". — Ablt. : arbitriari „das Land 
bebauen", „Handel treiben", arbltrianti 
„Pächter" ZFrzSpL. XXXIIP, 49. {Ar- 
bitriari *VERVACTARE -^*AI)VETERARE 

RILomb. XLI, 882 leuchtet nicht ein). 

606. arbor Fem. „Baum". 

Rum. arbur(e), vegl yuarbul, ital al- 
bero, log. arbure, arbere, engad. alber, 
friaul. arbul, frz., prov., katal. arbre, 
span. ärbol, portg. arvore. Nur log. und 
portg. Fem. — Lomb. arbol, speziell 
„Kastanienbaum", auf subalpinem Ge- 
biet stark beschränkt, im Nonstal durch 
pianta ersetzt, im Westen durch bösU, 
im Zentrum auch durch län lignum 
ZRPh. XVI, 318. — Ablt.: rum. aburcä 
„hinaufsteigen" ZRPh. XXXI, 616, vgl. 
tosk. abbriccare „hinauf klettei'n" ; ital. 
inalberarsi „stolz werden", albcrare, 
spRU. arbolar (^ frz. arborer), portg. 
arborar „einen Mastbaum aufrichten"; 
span. alborotar „Aufsehen erregen", „be- 
unruhigen", „aufwiegeln" Diez, Wb. 10. 



G07. aiboretum — 618. arcus. 



41 



{Alhorotär von *>i/>yfrrr/.'.iWA' R. V, 165 
i.st lautlich unmöglich). 

607. arborctnm ^Baumpflanzung*. 
.Mazed. arbiiret , Eichenwald", ilal. 

(ilhereto, pieni. arbrei, lo^. arburedu, 
afVz. arbroi, span. arboleda, portg. av- 
roredo Salvioni, ?.'■*. 

608. *arbiiscelliini (zu *ni-busadHnt 
aus arbustlnm) ^Bäumchen". 

Ital. arboscello uiul nach albero : al- 
boscello, abeigam. erbosel, at'iz. arbrois- 
sel, nfrz. arbrisseau, prov. arbrissel 
nach (irbre R. VIII, 618; Rom. Gram. 
II, 502; ALLG. I, 24i2; GStLItal. XLI, 
1 10. (AHBUSTL'LLLTMDiez, Gram. l,''23\ ; 
* ASBoiiJCELLVs Ca.\x,Si.ud. 2 gehen laut- 
lich nicht; ital. bruscello „Lied bei 
Maskenaufzügen", „Lärm", eigentlich 
*, Maibaum" Caix, Stud. 227 bedarf noch 
der sachlichen Begründung). 

60i». arbutens „Erdbeerbaum". 

Log. armtUtu, ramuttu, campid. ar- 
vutsu, evrutsu, erbutsn, prov. (^ frz.) 
orbos, prov. arbossa, katal. arbos, va- 
lenc. albors, span. a(l)borzo. — Ablt. : 
frz. arbousier, katal. arboser. An die 
log. Form erinnert mlaf. armorinus, 
gen. armoin GLig. XXII, 400. — Diez, 
Wb. 416; Thomas, Ess. 81. 

610. arbiitns „Erdbeerbaum", 2. ar- 
bitns. 

1. Altai, ärbntro, ital. älbatro, span. 
('dborto, portg. eriodo. 

2. Ital. arb'äro, astur. albMro, galiz. 
i'rbedo. — Ablt.: kors. nrbitronu AGlItal. 
XIV,388. — Diez,Wb.416; StIFCl 1,427; 
Mise. fil. ling. 136; ZRPh. XXIV, 412; 
XXVIII, 192. (Ital. corbezzolo StIFCl. I, 
428, s. 2367). 

611. arca „Kiste". 

Ital.«>r«, frz.arche „Kiste", „Brücken- 
bogen", \\o\\n. artse Plur. „Balkenwerk", 
prov., katal., span., portg. arca. Das 
Wort bezeichnet im Mittelalter in Frank- 
reich, Nord- und Mittelitalien namentlich 
den Getreide- und Mehlkasten GSlLLig. 
VI, 1<)4. - Ablt.: aligur. arcone „Ge- 
treidekasten"; ferr. arkar, mirand. dar- 
har, romaj^n., hoXo^n. adarkär „worfeln " ; 
ital. arcaccia (> Irz. arcasse) „Kastell 
am Hinterteil des Schiffes" Diez, Wb. 
509; span. areaz „Totenbahre"; ital. 
«/•m/;»« „ Gerippe", -|- carcassooder carne: 
i-arcame „Aas" Diez. Wb. 88. — Zssg. : 
avenez. arcibanco „Truhe, die sich zum 
Sitzen eignet" Mussatia, Beitr. 28, prov. 
(irqnibanc, ital. ciscrana Caix, Stud. 22 
id., amail. archemetisa „Getreidekasten". 



(Frz. forÄi,' „Brückenbogen" kaum zu arc 
Dict. Gen.). 

612. Aroachon (Bucht bei Medoc, 
Guyenne). 

Prov. arcassonn, arcansoun O frz. 
arcauson) „Fichtenharz" Thomas, Ess. 
241. 

()I3. arcella „kleiner Kasten". 

Ital. arcella „Windkasten", agnon. 
aröella „Bienenkorb", mail. artsella 
„Schote", „Hülse", comask. arseln 
„Schale von Muscheltieren". 

614. architricliitiiä „Tafelwart". 
[Lucch. arcideclino „Küchenmeister* 

Caix, Stud. 159]. 

615. *arcile „Trog, Kasten". 

Aital. arcile „Mehlkasten", lucch. «/•- 
öile, bologn. artsil „Backtrog". 

616. *arcio, -oiie „Sattelbogen". 
Ital. arcione, frz. ar^on, prov. arsö, 

span. arzon, porig, or^äo Diez, Wb. 23; 
ALLG. I, 242; Rom. Gram. II, 4.59. 

617. arctas (griech.) „Bär". 

Neap. artone „das Sternbild des 
großen Bären". 

618. arciis „Bogen". 

Rum. arc, ital. arco, log. arm, engad. 
ark', friaul., frz., prov., katal. arc, span., 
portg. arco. — Ablt.: ital. arcolaio 
„Haspel", „Winde", aret. nrcoleo „Ge- 
rumpel" Misc.Ascoli75; rum.«rc«r, aital. 
arcaro „Bogner", frz. «;r/te/'(> ital. ar 
eiere) „Bogenschütz", span. «rg?«<';-o „Reif- 
macher", „Bogenschütz", iporig. arqueiro 
„Bogenschütz", langued. arkiero, gask. 
arkerc „Dachfenster", eigentlich „Schieß- 
scharte" ; i'Qgg. adrakerse „schwach 
werden", ital. arcwegyiare „sich über- 
geben", pistoj, far archeggiaiuento di 
stomaco, sen. far arco dl stomaco „ Ekel 
erregen", span. arcada „W'ürgen vor 
dem Erbrechen", portg. arcar, arquejar 
„erbrechen"; cant., corez. {d)arkü „über- 
springen". — Zssg.: ital. archivoUo, ob- 
wald. arviiil, revuil, afrz. arvont, lült. 
arv6, prov. arkiolf „Schwibbogen", 
wallon. arvo „Säulenhalle" ; frz. arbois 
„Markweide". — „Regenbogen": aquil. 
arkit, ital. arcobaltno, siz. arkii di ÄW, 
arbed. arka de Noe, abruzz. arkevinie, 
arkecene vexeris?, arke verg^tif, venez. 
arcoverzeue, abruzz. arke n dzerine 
sERENl's, tirol. erko beviido, nam. erdy4 
DEVS, pikard. ark ed se Ja, .«e Miöe 
IgF. VHI. 114; Mussafm, Beitr. 28; 
ZRPh. XXX, 344; At. Ling. .54. (Ob- 
wald. reniil revoltv RomF. XI, 542 
ist nicht nötig). 



42 



618a. ard — 636. argella. 



618a. ard (arab.) , Heerschau". 

Katal., span., portg. alavde Diez, Wb. 
416; Dozy-Engelmann, Gloss. 57; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 9i2. 

619. ardea , Reiher". 

Rum. barzä, ital., span. garza, porig. 
goi-Qa. — Ablt.: span. garzo , blau- 
äugig" ZRPh. XXX, 567. (Der Anlaut 
der romanischen Wörter ist unerklärt, 
ital. alhardeola , Löffelgans" und alban. 
harth ,weiß" klingen an die rum. Form 
an ZRPh. III, 469; Densusianu, Hist. 
1. rouni. I, 28; aber wer hat jenes ital. 
Wort geschaflen? Die Zusammenstel- 
lung mit ^rowgarso , Mädchen" ZRPh. 
XXX, 569 scheitert an dem in alter 
Zeit tönenden -s-Laute. Ital. garzo 
, Baumschwamm" zu garza ZRPh. XXX, 
570 ist begrifflich bedenklich). 

620. ardere „brennen". 

Rum. arde, vegl. ardär, ital. ardere, 
engad. ärder, friaul. ardi, ordd, afrz 
ardre, ardoir, lütt, at „anzünden", prov. 
ardre, katal. ardrer, span., portg. ar- 
der. Partizip, inonferr. ers „trocken" 
Salvioni, P.^ — Ablt.: mirand. arsi 
„durstig", prov. arsina „Brand". (Afrz. 
3. Sing. Konj. n'argue, Part. Präs. 
n'argant, daraus nfrz. narguer SBPreuß 
AWBerhn 1902, 97 ist bedenklich, vgl. 
5821). 

621. *ardesia „Schiefer". 

Frz. ardoise (> ital. ardesia, portg. 
ardosia). (Ursprung unbekannt, das 
Suffix erinnert an die gall. camisia, ce- 
reinsia, auch der Begriff könnte sehr 
wohl gall. sein. Die Herleitung von 
Ardes, einer Stadt in Irland, Diez, Wb. 
509, hat sachliche, von ^rrfe/iH^« ebenda, 
lautliche, von kymr. or-ddii „sehr 
schwarz" lautliche und formale Be- 
■ denken Thurneysen, Keltorom. 89). 

622. *ardicare „brennen". 

Portg. «r^^e^ro „feurig", „hitzig" ZRPh. 
XIII, 531. 

623. arditus (Name einer Münze?) 
Mlat. ardicus, arditns seit dem 15. 

Jhrh., span. ardtte, bearn. ardü, li- 
jnous. ordi. (Bask. ardi „Schaf" Diez, 
Wb. 424 ; Gr. Gr. P, 425 ist abzulehnen ; 
Zusammenhang mit ital. leardo, frz. U- 
ard ebenso). 

624. ardor „Glut", „Brand". 

Ital., Intr. ardore, engad. ordur, frz. 
ardenr, prov., katal., span., portg. ardor. 

625. ardura „Glut", „Brand". 
Aital., lo^.arduro, nivz.ardure, prov., 

katal, span., portg. ardura. 



626. area „Tenne". 

Rum. ar{i)e, ital. aja auch „Garten- 
beet", engad. era „die auf einmal auf 
die Tenne gebrachten und gedroschenen 
Garben", „Gartenbeet", „Gottesacker", 
friaul. ar/'e, frz. aire, Haute-Saone: ir 
„Garten", prov. aira, katal., span. era, 
portg. eira. Auch bess. er hat die Be- 
deutung „Gartenbeet", obwald. er „Feld" 
Salvioni, P.2. — Ablt.: loinb. dei „Söl- 
ler", dirom id. ZRPh. XXII, 470, ostfrz. 
are-ATA „Tenne". — Zssg. : prov. mes 
dis iero „Juli" Merlo, Stag. mes. 144. 
(Oder obwald. tr zu 276; ]iortg. leira 
Mi.sc. fil. ling. 1.34; ZRPh. XXX, 466, 
s. 4913). 

627. arealis „zur Tenne gehörig". 
Obwald. iral, engad. irel „Teinie", 

limous. airati „Hot". 

628. *areHare „dürr worden". 
Log. areddare. 

629. *areinorica (gall ) „am Meere 
befindlich". 

Limous. ännärigo „Westwind" Tho- 
mas, Nouv. ess. 164. 

630. areiia „Sand". 

Rum. arinu, ital. (a)rena, log. i-ena, 
.span. arena, portg. areia. 

631. arenariniii „Sand". 

Ital. renaio, log. arenardzu Salvioni, 
P.^ 

632. areola „kleine Tenne". 

Ital. ajuola, log. ardzöla „Tenne", 
vgl. serb.-kroat. jarnla. Dazu ital. 
ajuolo „Vogelherd". — Zssg.: campid. 
inesi de ai-golas „Juli" Merlo, Stag. nies. 
145. 

633. *areola „Meeraal". Woher? 
Portg. eiro Fem., galiz. eiroa RL. III, 

144. (*Aiif:N£OLA KJBFRPh. IV, 1, 344 
ist formell bedenklich und begrifflich 
nicht begründet). 

634. arepennis (gall.) „ein Ackermaß". 
Frz. arpent, aspan. araiiende Diez, 

Wb. 510; TImrneysen, Keltorom. .32. 

635. arez (hehr.) „Zeder", 2. erze 
(arab.). 

1. Siz. arzanii „Tanne". 

2. Span, alerce „Lärche", vgl. katal. 
cedro d'olor „Lärche" Diez, Wb. 419: 
Dozy-Engelmann, Gloss. 98; R. XIII, 285; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 151. 

636. argeUa (dacisch ?) „Lehm- 
hütte". 

Rum. argea Densusianu, Hist. l.roum. 
1,38; 199. - (Oder türk. ai-ga „Schach- 
tel", vgl. argea „Balkenwerk eines Ge- 
bäudes" Dic^. Limb. Rum.?). 



637. argentarius — 650. arma. 



43 



637. argentarins ^Silberarbeiter", 
, Geldwechsler". 

Rum. argintar „Silberarbeiler", ital. 
uryentaio id., frz. orgentier (^ ital. ar- 
(jentiere) ,. Geld Wechsler", prov. argenter 
^Silberarheiter". 

638. ai'grenteoliis , silberne Münze". 
Alog. arqenthola ^silberner Becher", 

iilo^'. aiyentolu „Kehle" SBPhHKIAW 
Wien CXLV, f),57. 

639. argentcus , Silbermünze". 
Aspan. arienzo, portg. arenzo R. XIII, 

297. 

(»40. argentiim , Silber", 

Rum. nrgint, ital. argeuto, log. ar- 
geiitu, friaul. arint, frz. argent, prov., 
katal. argen. — Ablt. : re^g., parm. ard- 
zintela „Eidechse"?, abruzz. argendeüf 
StR. VI, 8 „lebhaftes, unruhiges Kind", 
wohl von argende rh-e „Quecksilber" 
aus. (Ailal. ariento, kalabr. arigentn, 
ahruzz. ariende, aaquil. arigento, afriaul. 
arigint, velll., brianz. arient aregen- 
TVM, vgl. osk. aragetn StR. I, 33; VI, 
49: R. XXXVI, iM ist bedenklich 
KJBFRPh. VIII, 1, 129, da das Lat. ana- 
pyklische Vokale nicht kennt und osk. 
-a- niclit zu den romanischen Formen 
paßt. — Engad. argint statt *argaint 
scheint entlehnt aus dem Obwald. — 
Regg. ardzintcla StR. VI, 8 zu lacehta). 

641. argilla(griech.) „Tonerde", 2.är- 
gilJa. 

1 . Ital. argilla, engad. argilla, frz. ar- 
gile, lütt, arzei, prov. argilla, katal. 
terra gila, span. arcilla, portg. argilla. 
In vielen frz. Mundaiten ardile Thomas, 
Mel. 20, etwa nach ardoise'i — Ablt.: 
lütt, arzi „mit Ton bekleiden". 

2. Kalabr. ärgada. 

6i2. argilleus „von Tonerde", ar- 
gillea „Tonerde". 

Itnl. argiqlia, tosk. giqlia, gigghia 
en^'ad. arzita RFICI. XXXV, 83'. 

643. argntare „drängen", „bedrän- 
i^on". 

Afrz. argner; nfrz. argiier „schließen", 
„folgern". Das Afrz. geht entweder von 
AnavTABi der Walker „mit den Füfsen 
stampfen" aus oder von aruvtari 
„schwatzen", „mit Schwatzen belästi- 
gen". Das Nfrz. ist entweder \arguere] 
oder durch argmnent beeinJlußt. 

644. aridus „trocken", „dürr". 

Ital. arido, alido mit -l- von gelido, 
venez. alio „mit trockenen Dauben", 
afrz. are, aprov. arre, [span., portg. 
crido]. — Zssg.: log. melarda „getrock- 



nete Apfel", campid. pilarda „getrock- 
nete Birnen", prunalda „getrocknete 
Pflaumen" RILomb.XLII,841. — (Ablt.: 
vend. aridelle „trockener Boden", frz. 
haridelle „schmaler Schiefer" (zum Be- 
decken von Kirchtürmen), „alte Stute' 
ZRPh. XXVI, 329 ist sehr zweifelhaft, 
s. R. XXXI, 453). 

645. aries, -etis „Widder". 

Rum. arete, monferr. arei, gen. ayoic, 
champ. aroi, zentral- und ostprov. arS 
Salvioni, P.'-^; At. Ling. 124. (Ital. «io 
„Lockruf für die Schafe" aries AGIItal. 
XIII, 213 ist begrifflich und, da -ies im 
Lat. schon zu -es geworden war, Ein- 
führung 110, auch lautlich abzulehnen). 

646. arillus „Kern der Weinbeere' 
CGIL. VI, 17. 10.— 11. Jhrh. 

Aneap., aabruzz. arillu, siz. ariddaru. 
[Mlat. arillus, ital. arillo, frz. arille, 
span. arilo, -a, portg. arillo „Samen- 
hülse"] ZRPh. XXIII, 420. 

647. arir (arab.) „Lärm". 

Afrz. aride „Kriegsruf der Sarazenen", 
span., portg. alarido „Kriegsgeschrei* 
Diez, Wb. 416; Dozy-Engelmann, GIoss. 
120; Eguilaz y Yanguas, Glos. 92; 
R. XXII, 319. (Ululatvs ZRPh. XVI. 
520 steht begrifflich und lautlich 
ferner). 

648. ai'isfa „Granne", 2. *aresta. 

1. Log. arista, engad. araista, piem. 
reska. 

2. Ital. (a)r^sta, log. reste de ispiga, 
grödn. resta, friaul. rieste, afrz. ärgste, 
wallon. aries, prov., katal. aresta, span. 
ariesta, portg. aresta Diez, Wb. 25; 
ZRPh. XXI, 449; Einführung 151. Die 
Verteilung der -e- und -t-Formen fällt 
auf, ebenso -k- in kalabr., lomb. reska, 
pikard., norm, arek, flandv. erek „Fisch- 
gräte". — Ablt.: frz. aretier, hMtier 
„Grätsparren des Daches" RomF. 111,503. 
(Span, aresta „grobe Sackleinwand" 
Diez, Wb. 25 liegt begrifflich fern), 

649. *aristula „kleine Granne". 
Grödn, ristla, abt. arisklo, friaul. 

riskle, montbel. oletre, prov. aresklo, -e 
„Holzsplitter" Thomas, Es.s. 242, Das 
friaul. -/- kann aus -ie- entstanden sein, 
nicht aber das lirol. und langued. 
ariskle. 

650. arma, -orum „Waffen", 2. ar- 
ma, -ae „die Waffe", 

2. Rum. armä, ital., log., engad. 
arma, friaul., frz. arme, prov., katal., 
span., portg, arma. Der Plural bedeutet 
zumeist „Wappen". Ital, all'arme (> 



44 



651. armare — 666. *arradicare. 



frz. alanne, span., port;,'. alanna, runi. 
larmä) ,Läl•m^— Ablt.: log. arntinzu, 
campid. ormingu , Ackergeräte " nach 
ordinzu 6091 Solmi, Gart. volg.Cagl.58; 
log. arniamenta , Hörner des Viehes*. 
{hAi. ARMAMENTA ^Takelwerk" Salvioni, 
P.i liegt begrifflich ab). 

651. armare , bewaffnen ". 

Rum. annä, ital. armare, log. armare 
, ausrüsten ", , schmücken ", engad. armer, 
friaul. armd, frz. armer, prov., katal., 
span., portg. armar. — Ablt.: ital. 
armata, frz. arm6e ^Heer", span. ar- 
mada „Flotte"; span. armadillo (> 
portg. armadilho) „Gürteltier". — Zssg.: 
span. arma-toste (> frz. 16. Jhrh. 
armatöt) „Armbrustspanner" R. XXIX, 
338. 

652. arinariiim „Schrank". 

Rum. almar, armar, istr.-rum. rmar. 
[Ilal. armadio, Bari: remere Fem , veltl. 
azmari, mondov. rt3mar, march. azmrt>7'o, 
frz. aumaire, armoire, prov., katal. ar- 
mari, span., portg. armario]. — Diez,Wb, 
510; Berger, Lehnw.; ZRPh. XXII, 480. 

653. armatura „Bewaffimng", „Rü- 
stung". 

Arum. armatura, ital. armatura, log. 
armadura, engad. armadiira, friaul. 
armedure „Balkenwerk', trz. armure, 
prov., katal., span., porig, armadura. 

654. arnieniaca „Aprikose". 

Ital. meliaca, muliaca, nmlUaca , 
mail. monaga, bresc. rominaga, am- 
hronaga, bergam. biilaga, crem, biinaga, 
imol. munega Diez, Wb. 384; Salvioni, 
P.*; Lorck, Abergam. Sprachd. 260. 

655. armeniiiuiu „Aprikose". 

Ital. armellino, veriez. armelin. — Mit 
Suff. W. : piem., canav. armunan AGlItal. 
XV, 139; 494. 

656. armenius „Hermelin", eigent- 
lich „armenische Maus". 

Afrz. ermine, nfrz. hermine, prov. 
ermini, span. armiüo, portg. arminho. 
— Ablt.: ital. armellino, frz. herminette 
Diez, Wb. 25. (Ahd. harmo ist aus- 
geschlossen, da die afrz. Form kein h- 
zeigt und die Endung -ine dabei un- 
erklärt bliebe). 

657. armentarins „Rinderhirt". 
Alog. armentarzit, „ein liöherer Be- 
amter" Solmi, Gart. volg. Gagl. 51. 

658. armentuiii „Großvieh". 

Ital. armento, log. armentu, bergell. 
arment, uengad. armaint, tirol. ormenta, 
trient., bellun. armenta, friaul. armente, 
afrz. arment; bedeutet in den rätor. 



Mundarten „Kuh" Salvioni, P.*'-: 
RILomb. XLI, 203. 

659. arinilla „Armband", „Hals- 
band". 

Trient. armela „Hundehalsband", 
Schweiz, armala „Henkel eines Holz- 
gefäßes" Salvioni, P.'; ZRPh., Bhft. 
VII, 27. [Ital. armilla, frz. armiUes, 
prov., katal., span. rt/-w«7/rt > portg. ar- 
milha Colin, Suffwandl. 54]. 

660. armoracea „Meerrettich". 

Ital. ramolaccio (> frz. remoulache, 
span. remolacha „rote Rübe"), log. ar- 
muratta, armuranta, aburlanta, campid. 
ambur(l)attsa, RILomb. XLII, 669; wal- 
Ion. ramonas, ramonas, rouch. re- 
molat, prov. ramolat. — Ablt.: frz. 
remoulade „Sauce". — Diez, Wb. .392: 
483; Behrens, Frz. Worlg. 223. (Frz. 
remoulade zu ital. remola Thomas, Mel. 
125 ist historisch und sachlich nicht 
begründet). 

661. armuä „Schulterblatt". 

Rum. rtr/H „Oberarm", log. ormu id., 
kors. ermu id., frz. ars „Schulterblatt 
der Pferde", norm, möle a nar „ohne 
Sattel reiten" Diez, Wb. 5^0; Thoma«. 
Nouv. e?s. 298. 

662. Aroald (Eigenname). 

Amail. arnaldo „töricht", paschl.. 
veltl. arnal „träge", abt. naldo „Tor", 
frz. rtrnß?td„feiger Mensch", „Schreihals", 
\M-o\. arnaut „töricht". — Ablt.: pikard. 
arnodi „Streit suchen" ZRPh. XVHI, 
131. — Auch reims. arnü „Maikäfer"? 

663. *aruicHlus „Lamm". 
Lucch. arnecchio AGlltal. XII, 127. 

664. aroinaticns „wohlriechend". 
[Ital. aromatieo, piem. armatik, ru- 

matik, moden. lumndeg, bologn. rumadg, 
venez. arematico] bedeutet in den Mund- 
arten „muffig" AGlltal. n, 361. 

665. arra „Handgeld". 

Ital. arra, frz. arrhes, prov., span., 
porig, arra. — Ablt.: afrz. arles, erles. 
— Zssg.: ital. caparra. 

666. *arradicare 1. „Wurzel fassen", 
2. „an der Wurzel fassen". 

1. Limous. arreigd, span., portg. ar- 
raigar. — Ablt.: span. «r/-««^» „Liegen- 
schaft". 

2. khruzz.arrakkä „ausreißen", afrz. 
arachier, nt'rz. arracher, a.])Vov. a)-azigar^ 
nprov. araigä. ALLG. VII, 34. (Frz. 
ist zweifelhaft, da die ältere Sprache 
esrachier vorzieht und arachier daraus 
durch Angleichung an das zweite -a- 
oder durch Einfluß des Präf. a- ent- 



G()7. *ananiire — 679. ars. 



45 



staiulcii Äciii kann, *AiiiiAi>i(AiiK ZRPl). 
XIV, .•)()(); ALLG. I, 233 ist lautlich be- 
ilcnklicli und hegritTlich nicht nötig). 

<)()7. *arramlre (fränk.) , zusichern", 
, bestimmen ". 

Frz. arramir Diez, Wb. 509; FrzSt. 
VI, 45; 13Ü; MSLFaris II, 222. 

(itjS. Arras (Ortsname). 

Ital. (o)razzo. portg. arrds, raz „ge- 
wirkte Tapeten" Diez, Wb. 352. 

(i(j!>. *arrationare , anreden". 

Aliz. arnUnier, lütt, m-^ni ALLG. I, 
243; R. VII, 420. 

670. *arrcctiare „sich erheben". 

Afrz. arecici-, nifrz. arser. 

(i71. arrectus „aufgerichtet" {aures 
(irrigere „die Ohren spitzen"). 

Ital. dar rettn „Gehör schenken" 
Caix, Stud. 483. — Ablt.: runi. arätä 
„zeigen" Dic^. Limb. Rom., span. «;•- 
rechar „aufrichten", „steif sein". 

()72. *arredare „herrichten" fzu 
rel).s 73S9). 

\{T{\.arredare „zurüsten", engad.r<'rf<?r, 
Colico: redä „buttern", veltl., tess., 
bergam. redä „viel ertragen", engad. 
reder „vonstatten gehen", afrz. areer 
.zurecht machen", awallon. areier „ein 
Tier zerlegen" Belirens, Frz. Worlg. 6, 
sudostfrz. aryä „melken" ZRPh. XI, 252, 
]irov. arezar „herrichten", katal. arriar 
„die Segel einziehen", span. arrearse 
„sich schmücken", portg. arrear 
.schmücken", „Pferde anschirren". — 
Ablt.: mail. (a)red „viel eintragend", 
tngad. red „Erfolg", val-magg. daret 
.viel", verzas. rfff/rrfrtf „wenig" (zunächst 
wohl „genügend"), bellun. rfrt?7on „viel", 
monferr. are, „ganz und gar", gen. 
far areo „stattlich aussehen", log. arren 
.viel". - Diez, Wb. 265: FrzSt. VI, 86; 
R. XXVIII, 103. (Gall. Ursprung, Thurn- 
eysen, Keltorom. 76 ist nicht wahr- 
si'heinlich, anjd *ADJiKTRAHi:BE AG\lln]. 
XIV, 354 ist formell nicht möglich, 
engad. reder könnte auch *BE-DAiii: sein 
R. XXV, 333). 

673. arrestare „anhalten". 

Ital. arrestare, frz. ar reter, prov., ka- 
tal. arestar, span.. portg. arrestar. — 
Ablt. : afrz. arestiicl, prov. arestol „Lan- 
zengriff", ital. resta „Gabel, in welche 
die Lanze eingelegt wird", span. ristre, 
portg. riste id. Dazu span , portg. en- 
r istrar „die Lanze zum Angriff ein- 
leiten". — Diez, Wb. 27; 268; ALLG. I, 
243. (Die span., portg. Formen sind 
nicht klar, zu ^rkgista „Register" 



Lorck, Abergam. Sprachd. 101 i.st laut- 
lich noch schwieriger und begrifflich 
nicht verständlich). 

674. *arreunceare „krümmen". 
Katal. arronsar „an sich ziehen". — 

Abu.: ^en. arent^enise „sich zusammen- 
ziehen" R. XVII, 53. 

675. *arripare „ans Ufer kommen". 
Kalabr. arripare „anlehnen", neap. 

arr§pa „in eine Reihe aufstellen", frz. 
arriver „ankommen" (> ital. arrivare, 
judik. rüer, sulzb. rücir „vollenden", 
Iriaul. rivä, engad. arriver), prov., 
katal. arribar „ankommen", span., portg. 
arribar „landen". — Ablt.: b-manc. 
arivuer, berrich. ribü „Tränke" Thomas, 
M6l. 13L — Zssg. : prov. arribe sti k'ar- 
ribo, daraus ribiin ribeiro, ribun ribaine 
(^ frz. ribon ribaine) „koste es, was es 
wolle" ZRPh. XVI, 523. — Diez, Wb. 27; 
ALLG. L 243; VI, 378; ZRPh. XXVII, 
369. 

676. arrogare „anordnen". 

Aital. arrogere Diez, Wb. 353; Rom. 
Gram. II, 124; 326. — Ablt.: piem. 
röida, val-ses. röta, acampid. arrobaddia, 
rcadia „Fronarbeit" Solmi, Gart. yolg. 
Cagl. 52. [Velletr. rugä „den Über- 
legenen spielen", sew.rogare „schreien", 
lucch., pistoj. rogare, moden. rugär „laut 
drohen" Rückbild, von arroganza ZRPh. 
XXVIII, 186]. 

677.arrosarc „betauen" (zu ros Neutr. 
7430). 

Frz. arroser, prov. arozar Mise. fil. 
ling. 42; R. XV, 452; SBPreußAW. 
Berlin 1896. 859. 

678. arrugria „Stollen". 

Mail., comask. ronza, roga, val-ses. 
ni^a, trient., venez. roza, friaul. roje 
„Abzugsgraben"; span. arroyo, porig. 
arroio „Bach". — Ablt.: friaul. roval, 
Vigo: rjfrtZ „Kanal". „Furche" Diez, Wb. 
426; R. IX, 430; ZRPh. XVI, 342. (Die 
Zusammengehörigkeit der nordilal. und 
der Span., portg. Wörter ist nicht ganz 
sicher. Rum. ieriigä ist serb. jaruga 
„Scliluchl". KvGA Mise. Ascoli 549 ist 
formell und begrifflich abzulehnen). 

679. ars Fem. „Kunst". 

Ital.. log. arte, engad., frz., prov., 
katal. art, span., portg. arte. Grödn., 
venez., frz., prov., span. Mask. Rom. 
Gram. II, 390; prov., span. „Fischerei- 
tteräte" Thomas, Mel. 20; Schuchardt- 
Mussafia 37. — Ablt.: afrz. art^^ts 
„listig", prov. artos, alrz. artilleus, 
prov. artilhos „geschickt", „gewandt"; 



46 



680. arsio — 699. ascopera. 



ital. artigiano (> frz. artisan, span. 
artesano, portg. artesäo) , Handwerker" 
AGlItal. II, 12; Rom. Gram. U, 449. — 
Zssg. : afrz. artimage, artimaire, artu- 
maire. magica „Zauberei" R. II, 243: 
ZRPh. I, 480; G. Paris, Mel. ling. 273, 
portg. aHimanha „Flunkerei". (Artil- 
leus ARTicoLOSVS AStNSpL. CHI, 225 
ist begrifflich nicht genügend gestützt, 
zu artillier 564 morphologisch schwie- 
rig. Artimaire matematica Aca- 
deray 1889, 242 liegt begrißhch und 
formell ferner, maios Academy 1892, 
307 ist schwierig, da man als Latinis- 
mus ARS, als Erbwort matobe er- 
wartet, AMTEMALA ebenda ist unmög- 
lich. Siebenb. artut s. 751). 

680. arsio „Brand". 
Afrz. arson. 

681. *arsioiiare „ausdörren". 
Oslligur. asund „die Erde austrock- 
nen" Zanardelli, App. less. top. II, 44. 

682. arsura „Brennen", „Brand". 
Rum. arsurä, ital., log. arsura, engad. 

arsüra, afrz. arsiire, prov., katal. ar- 
sura. — Ablt.: span. asurarse „anbren- 
nen lassen" Diez, Wb. 427. (Mirand., 
ferr. arsurar nach ihrer Bedeutung eher 
zu 9940). 

683. ai'tanitha (arab.) „Alpenveil- 
chen". 

Siz., katal., span. artanita StGlItal, 
HI, 226. 

684. artare „einengen". 
Span, artar „nötigen". 
68.5. artemisia „Beifuß". 

Frz. armoise, [ital. artemisia, prov. 
artemiza, katal. altimira, span. altamiza, 
portg. aHemisia] Diez, Wb. 421; 510; 
ALLG. 1, 243. 

686. arthritica (griech.) „Gicht". 
[Aital. aiietica, afrz. artetique, arceti- 

que(7), span., porig, artetica]. Zu dem 
-e- s. Gr. Gr. P, 554, 18. 

687. articulos „Gelenk", 2. artu- 
culns. 

Afrz. arteil, nwallon. artei, prov. ar- 
telh „Zehe" (> ital. artiglio „Kralle", 
zunächst die Zehe des Jagdfalken), span. 
artejo „Glied", portg. artelho „Fuß- 
knöchel". — -f Gall. ordiga „große 
Zehe": frz. orteil, galiz. nortallo Diez, 
Wb. 28; ALLG I, 243; AGlItal. X, 270; 
XHI, 427. 

2. Obwald. (d)artur „Fingergelenk", 
berrich., nivern. artü At. Ling. 950; 
RomF. XIV, 47G. Ostfrankreich und Gas- 
cogne kennen das Wort nicht. 



688. artifex „Künstler". 

Ital. artefice, aumbr. ärfeto SlFR. VII, 
184; Salvioni, P.i. 

689. artön (argot) „Brot". 
J'rz.-argot: [l)arton, arto, artif, auvergn., 

limous., vivar. artiui, lyon. artö. RCelt. 
XXXVI, 115; MSLParis VH, 301. (Der 
Ursprung des Argot-W^orles ist unbe- 
kannt, bask. arto Diez, Wb. 510 und 
griech. artos klingen an. Span, artal, 
artalejo „Art Fleischpastetohen" s.3209; 
span. artesa „Trog", „Mulde" gehört 
nicht hierher). 

690. *artus (iberisch?, vgl. bask. arte 
„Eiche"). 

Span, arto „Hagedorn", astur, artti. 

691. *arvilltt „Fett" (vgl. arvina). — 
Ablt.: Prov. arvilhar „anfeilen". 

692. arviiiii ,Flur", 2. *aram Ein- 
führung 131. 

1. Log. arvu. — Ablt.: narvone 
„Brachfeld". 

2. Portg. aro „Weichbild" ZRPh. VH, 
633. (Zu ANUS R. III, 161, zu ager 
R. XI, 81 ist lautlich unmöglich). 

693. asarnin „Haselwurz". 
Ital. asero. 

694. ascalonia „Schalotte", „kleine 
Zwiebel". 

Ital. scalogno, afrz. eschaloigne, nfrz. 
echalotte (y portg. xalota), prov. esca- 
lonha. span. escalona; vend. esalot 
„Tracht Prügel" Behrens, Frz.Wortg. 87; 
Diez, Wb. 283. 

695. ascensio „Himmelfahrt Christi". 
[Ital. ascensa, obital. sensa, friaul. 

sense Mussafia, Beitr. 104]. 

696. ascia „Axt". 

Ital. ascia, engad. ascha, afrz. aisse, 
prov. aissa. Ital. nsce, mail. as de fer 
Ascis? Ital. accia bei Ariost wohl 
falsche Toskani.sierung von ferr. assa. 

— Ablt.: frz. aisseau, aissette, nprov. 
eissun (> frz. aisson) „Art Anker" 
Gohn, Suffwandl. 25; Thomas, Mel. 9; 
Gade, Handwerkzgn. . 2. 

697. *asciata „Haue", „Hacke". 
Saintong. ^se, prov. aissada O frz. 

aissade), span. azada, portg. enxada 
Thomas, Mel. 8. 

698. asciola „kleine Axt". 

Ital. asciolo, log. asolii, aostfrz. essole., 
poitev. ansol, prov. aissola, span. azuela. 

— Ablt.: franche-comt. sulot, montbel. 
äsulot, fourg. sulto, poitev. äserol Tho- 
mas, Ess. 161 ; R. XXXVn, lll. 

699. ascopera (griech.) „ein lederner 
Sack". 



700. ascra. — 712. asprelum. 



47 



Abruzz. skupiue , Dudelsack ". 

7(X). ascra „Schorf", , Grind''. 

TosV. aschero „Beklemmung", „Kum- 
mer", „Sehnsucht", „Gier", „Kitzel", 
lucch. aschera id., bresc, regg. askara, 
asker „Beklemmung" , moden. aske)" 
„Kilzel". alomb. ascharo „Ekel", engad. 
asker „pcimiutzi"^'", ai'iz. ascre „Ekel". — 
Abu.: ital. scareggio „Ekel", srareggioso, 
span. asqueroso, astroso, portg. ascoroso, 
i\\)or ig. a st roso, estroso „ekelhaft", piern. 
skrns „schmutzig", mail. sknros „emp- 
tindlich" ; afrz. oskerour „Ekel", mon- 
ferr. .sÄ-a;we „Schweinerei", parm. saver 
d'atikra „unangenehm sein". — Rück- 
bild.: siz., log. asku, span., porig, asco 
„Ekel". — Auch log. dakanm „Ekel"? 
[Gioi. aiviski Diez, \Vb.4!2(), go\..*aisk6n 
Caix, Stud. lG(j sind formell schwierig, 
griecli. aischos. aischroi^ ZRPh. XI, 554 
und aschemos für askamu machen be- 
gritllich ebenso Schwierigkeiten wie das 
hier angenommene ascha. Piem. skör 
s. 2217. Zur Bedeutung und Verwendung 
im Kai. vgl. AGlItal. XII, 388; Fanfani, 
Vocab. US. tose). 

701. asellns (Name eines Fisches). 

Aital. osello „Dorsch". 

70iJ. asilns „Bremse". 

Ital. assillo, röm., umbr. arzillo; ital. 
arzillo „munter", „rüstig", march. arzüfa 
.Kornwurm", ital. arzillo „Stechroche". 
— Ablt.: venez azego, friaul. azei 
„Stachel" nach ACULEVt; Rom. Gram. 
II, 300; mant. aziöl, mirand. aziol 
„Wespe", regg., ferr. aziol „Bremse"; 
bologn. aziiir, romagn. aziä „hin und 
her rennen" AGlItal. III, 166; Misc.Rossi- 
Teiss 337; Mise. Ascoli 76. (Das for- 
male Verhältnis ist nicht klar: ital. -ss- 
und -11- gegenüber lat. -s- und -l- fällt 
auf, doch scheinen die Mundarten und 
tosk. -z- den Vertreter von -s- zu zeigen. 
Auch das -r- ist nicht erklärt. Die 
Ablt. weisen auf -Li-, doch ist asilio 
CGIL. II, 381, 19 handschriftlich nicht 
genügend gestützt). 

703. asiiiarius „Eseltreiber". 

Ital. asinaio, frz. änier, span. asnero, 
portg. asneiro. 

704. asiniis „Esel". 

Arum. asiii, ital. asino, log. ainu 
[engad. esan], frz. ane, prov., kalal. ase, 
span., portg. «smo At. Ling. 41. — Ablt.: 
vend. manö, blais. manit „Eselin" Beh- 
rens, Frz. Wortg. 164; minh. asnaes 
„grol«? Wölfe". — Zssg.: afrz. dodane, 



dodenne „Böschung eines Grabens", 
morv. dodan „Erdhaufen". 

705. aska (langob.) „die Asche". 
Ital. lasca Diez, Wb. 740; Caix, 

Stud. 372. 

706. aspaiiäkh (arab.) „Spinat". 
Rum. spanac, ital. spinace, afrz. 

esinnache, nl'rz. epinard, prov., katal. 
espinac, span. espinaca, portg. espinafra 
Diez, Wb. 303 ; Eguilaz y Yanguas, Glos. 
3S)1 ; Dict. Gen. (Die Wanderung des 
Wortes ist noch zu untersuchen. Wenn 
das arab. Wort auf lat. *spixax beiniht 
SBPhHKlAWWien CXXXII, 362, so 
mü.ssen doch die romanischen Formen 
erst wieder direkt oder indirekt aus 
dem Orient entlehnt sein). 

707. asparag'iis „Spargel". 

Vegl. spirai, ital. sparago und {a)spa- 
ragio, gen. spaegu, lomb. sparg, venez. 
sparezo, siz. spariöu, abruzz. sparge 
R. XXIX, 550; afrz. asparge, nfrz. 
asperge Gr. Gr. P, 799, prov. espargne, 
aspergue, span. cspdrrago, portg. espar- 
go. — Ablt.: lucch. sparavello AGlItal. 
XII, 133 „wilder Spargelzweig". (Rum. 
sparangel aus dem Ngriech. und Deut- 
schen). 

708. asper „rauh". 

Rum. aspru, ital. aspro, log. asp{r)ii, 
engad. asper, frz. djjre, prov., katal. 
aspre, span.. portg. aspei-o; siz. aspitu 
RILomb. XL, 1144. Nprov. ispre s. 
9694. BeSiXW.sai-aspe, saspre vielleicht 
nach exasperahe ZRPh., Bhft. VI, 43. 

709. *asperella „Schachtelhalm". 
Ital. asperella, mail. sprela, obwald. 

spuriala, afrz. asprele, nfrz. prele Diez, 
Wb. 575; AGlItal. XII, 389; Salvioni,P.». 

710. asperges me domine (Anfang 
des Gesanges, bei welchem die Betenden 
mit Weihwasser bespritzt werden). 

Ital, aspergolo „Sprengwedel", ro- 
magn. spergiil, bologn. spargel „Weih- 
wasserkessel", frz. asperges Mussafia, 
Beitr. 109. 

711. aspis. -ida „Natter". 

Siz. äsparu, neap. dsp^tf, abruzz. 
asp(r)^, bellinz. aSper, misox. aspi, [aital. 
aspe, aspide, frz. aspic „Schlange", 
„Gallert", „Gelee", „Aspik", span. aspid, 
portg. aspide], — Zssg.: alomb. aspe- 
rosordo, (a)sprisordo Mussatia, Beitr. 29 ; 
109; AGlItal. XII, 389; Salvioni, P.'; 
Behrens, Frz. Wortg. 3.34. 

712. aspretam „Steinöde". 
Venez. (a)spreo Salvioni, P.*. 



48 



713. *assalire — 734. assopire. 



713. *assalire ^angreifen". 

Ital. assttlire, engad. assiglir. frz. 
assailltr, prov. asaUiir, span. asalir 
ALLG. I, 244. 

714. *a8saUus , Angriff". 

ital. assaho, frz., prov. assaiit, katal. 
nssalt, span. asalto, portg. assalto ALLG. 
I, 244. 

715. *assaiia , Beere der Stechpalme". 
Woher? 

Nprov. arsano, ansano, ansano. — 
Ablt. : aprov. asanha, nprov. ansanello, 
afrz. cemlle Thomas, Nouv. ess. 170. 
(Cenelle *cocciNELLA Diez, Wb. 540, 
*ACiKELLA Diet. Gen. sind lautlich 
unmöglich). 

716. assare , braten". 

Obvvald. hrassar, engad. hrassh-, 
span. asar (> log. assare), portg, assar. 
Das br- stammt von 1334, oder von 

nhd. &;-fl^mRFCl.XXXV,83. \- An- 

sus: venez. arsar. 

717. *a8satiare , sättigen". 

Log. atiatare Mise. fil. ling. 200, 
afrz. assaisier ; prov. asazat , wohl- 
habend", [afrz. assassier, prov. rasaziar] 
ZRPh. XXV, 736. 

718. *assecreti{ire „beruhigen". 
Afrz. asserissier. 

719. *assectare ,mit den Augen ver- 
folgen". 

Span, acechar, aportg. asseitar „blik- 
ken", „schauen" Diez, Wb. 412; Cuervo, 
Dicc. {*ADCXHCULARE RomF. VI, 580 
scheitert an der portg. Form). 

720. assecurare „versichern". 

Ital. assi'curare, frz. assurer, prov., 
katal., span. asegurar, portg. assegwar. 
Rum. asigurä ist Neubild. — Ablt.: 
frz. assure „Einschuß bei der hautelisse- 
Weberei" ZRPh. XXVI. 414. {Ass7ire 
aus lagure Thomas, Mel. 21 paßt be- 
grifflich schlechter). 

721. *assediare „setzen". 

Rum. age^« „setzen", „ordnen", span. 
asear, portg. aseiar „schmücken" Pu§- 
cariu, Wb. 142. (Die Bildung des Wor- 
tes ist nicht ganz klar, da ein *sedium 
zu SEDEEE zwar korrekt, aber nicht 
sicher bezeugt ist; *assedare R. V, 
165 paßt zu rum. -z- nicht). 

722. *a8seditare „hinsetzen*. 

Ital. asseUare „zu Tisch sitzen", „ord- 
nen", „schmücken", „herrichten", „ka- 
strieren", agen., amail., avenez. {as)se- 
iar, afrz. asseter „setzen", „ordnen", 
lyon. asetö Ja hüyd „die Wäsche ein- 
weichen", prov. asetar „zu Tisch sitzen", 



R. V, 165; RomSt. V, 88; AGlItal. XV, 
139. {Assectare Diez, Wb. 29 ist frz. 
lautlich unmöglich und begrifflich ab- 
zulehnen, frz. ossiette s. 729). 

723. *assenecare „altern". 

Ital. assenicarsi al fav&ro „sich al)- 
strapazieren". 
' 724. assequi „erreichen". 

Engad. azzierer AGlItal. I, 210; afrz. 
assovii\esoHvir, n\zz. astiire „vollenden". 

725. asser „Latte", „Sparren". 

Ital. assero, sen. assaro „Holzsläb- 
chen zur Herstellung von Körben", 
bellun. dsera. 

726. nsserculns „kleine Latte". 
Obwald. tscrkel „Dachsparren". 

727. assiccare „austrocknen". 

Ital. asseccore, frz. assechei; prov. 
asecar. 

728. *a8slderatn8 „von einem bösen 
Gestirn beeinflußt", 2. „gelähmt". 

2. Avenez. asird, averon. asirao, 
piem. s/m, engad. s/r(5 auch „verdorrt", 
judik. sidrä „mager", „kränklich"; mit 
-r- von ARSus: avenez., apad., veron. 
arsird. — Ablt.: ital. assiderarsi „er- 
starren", piem. sirese „gelähmt wer- 
den", engail. s«w „verdorren", „zusam- 
menschrumpfen" Massafia, Beitr. 29. 

729. assidere „setzen". 

Ital. assidere, afrz., prov. assire. — 
Ablt.: frz. assise „Steinschicht", assises 
„Gerichtshof" Diez, Wb. 510; frz. assiette 
„Teller" Dict. Gen. 

730. *assiniiliarc „vergleichen". 
Ital. assomigliare, span. asemejar, 

portg. assemelhar. 

731. ^assiiimlare „versammeln". 
Frz. assemhler, prov. assemhlar (^ 

aital. assemhrare, assemhiare, portg. 
samhlar). AGlItal. Ili, 311; XIII, 403. 

732. assis „Brett". 

Ital. asse, obwald. aissa, engad. assa, 
friaul. asse „Riegel", frz., prov. als. — 
Ablt.: ital. assicella, afrz. aisseile, nfrz. 
aisseau, aissil, nprov. anselo, Schweiz. 
äsela „Schindel", herem. am „Balken"; 
afrz. aissenne. morv. as'mi „Schindel", 
Suffix? Die romanischen Formen Aveisen 
z. T. auf ^x/,s'. — Diez, Wb. 505; ALLG. 
I, 246; Cohn, Suffwandl. 26. 

733. associare „beigesellen". 

Siz. assuttsari „ausgleichen", neap. 
assodöd „ausgleichen", „herrichten", 
abruzz. assuiöd „au.sgleichen". — Ablt.: 
siz. sottsii „ruhig" RILomb. XL, 1106. 

734. assopire „einschläfern". 

Frz. fw>'so;{t7r „beruhigen", „den Hunger 



7^i5. *assuavjare — 752. atavia. 



41> 



stillen", Dict. Gen. (Sufficere Diez, 
Wh. 511- ist lautlich iinmöf?lich und 
heizrifi'lich hedenklich, assuescehe 
'/RPh. XXIV, <)-2 macht lormell und 
hejjriHlich ^rroße Schwierij-'keiten, afrz. 
<ti5S()vir „vollenden" ZRPh. XXIV, 93 s. 
724). 

785. "^assuaYlnre „hesanftiKen", 
Alz. ussouayier Dicz, Wh. 51 1 ; ALLG. 

I, ^244. 

73(). nssula , Splitter", 2. *a8tla,*a8tu- 
la, 3. *ascla. 

2. Canipid. astnla; bologn. astla 
„Ochsenstachel". 

3. Rum. a§c}i(i)e, vegl. i/atka, neap., 
kalabr., siz. a^ka, log. am, lyon. aklya, 
prov., katal. asda, portg. acha. — Diez, 
Wh. 28; AGlItal. III, 456; Rom. Gram. 

II, 430; Mussafia, Beitr. 110; ALLG. 
I, 244. (Ital. schiantare, frz. echtter 
ZRPh. V, 554 s. 8078). 

737. *assulare , rösten" (zu assore). 
Ahruzz. ask-i/ä, pikard. harter, frz. 

haier „Hanf dörren" mit h- von Mle 
„Sonnenhrand" ; auch bearn. haile, hailer 
„Südwind"? ZRPh. XIX, 95; AASTo- 
rino XLII, 302. (Haler zu niederl. hael 
„trocken" Diez, Wb. 609 Scheitert an 
<ler pikard. Form). 

738. astäcns „Meerkrebs". 
Venez., veron. asteze Salvioni, P.'. 

739. astare „zugegen sein". 
Rum. astä, ital. astare. 

740. *astella „Splitter", „Span" (zu 
*astula 736). 

Engad. astella, vegl. söela, friaul. stiele, 
-afrz. astelle, pikard., ostfrz. atel At. Ling. 
319, prov. astela, estela, katal. astella, 
span. astilla (> portg. astilha, estilha). — 
Ablt.: frz. atelier (y katal., span. ^rt^^«;-) 
„Werkstatt", span. astillero „Schiffs- 
bauplatz" ; emil. stlär „Holz spalten", 
katal. estellar, astellar, astallar, span. 
estrellar „zersplittern", portg. estalar 
„platzen". — ALLG. I, 244; ZRPh. V, 
554; R. XVII, 67; Mussafia, Beitr. 
110. (Log. astuddare „die Haare sträu- 
ben" ASTULLAHE AGlItal. XV, 482 setzt 
eine unmögliche Grundform voraus, 
eher zu tiuhla „Haar", „Borste"). 

741. asthnia „Beklemmung". 

Ital. ors/m« „Asthma" — -\- ansia 509 : 
ital. ansima „Beklemmung"; 4- dolei'e: 
log. dölima „Geburtswehen". (Span. 
lastima StGlItal. IV, 326 s. U.54). 

742. *asticnla „Holzabfälle" (zu 
^asttda 736). 

Arcev. stekhya. 



743. AstipatuK „fest". 

(Span, acipado Diez, Wb. 414 ist 
lautlich unmöglich ZRPh. IX, 146). 

744. astratnm .gestirnt". 

Log. astruu, ustrau „Eis", bistradu 
„Eis" mit hi- von biddia 3719. Mise, 
Ascoli 231 ; R. XXXVI, 425. 

745. astrolabium „Fernrohr". 
[Gen. stralabid „verrückt sein", kors. 

stralabiu „Narr" KJBFRPh. V, 1,130; 
AGlItal. XV, 509]. 

746. astrosus „unter ungünstigem 
Slern geboren". 

Span., portg. astroso „unglücklich". 
— Zssg. : ital. malestroso id. — Rück- 
bild.; ital. malestro „Unglück" Rom. 
Gram. II, 355. 

747. *astrücns „glücklich". 
Aprov. astruc, aspan. astrugo. — Zssg. : 

afrz. malastru, malostru, nfrz. malotru, 
prov. malastrnc „unglückhch". Das 
SuflBx und das -o- der frz. Form sind 
unerklärt. Diez, Wb. 30; ALLG. I, 244. 

748. *astruicare „hinwerfen" (zu 
astruere). 

Rum. astrucä „beerdigen", „bedek- 
ken", « se astrucä „sich niederlegen" 
ZRPh. XXVII. 253; Pu§cariu, Wb. 153; 
KJBFRPh. VI, 197. {*ästrucai{E R. 
XXXI, 3U2 ist als lat. Bildung unmög- 
lich). 

749. astrnm „Gestirn". 

[Ital. astro, frz., prov. astre, span., 
portg. astro. — Ablt.: bologn. asteriä 
„verdorrt", „verhext". — Zssg.: agen., 
amail., avenez. benastrudo „glücklich", 
malastrudo „unglücklich"; \{^\. disastro, 
frz. desastre, span., porig, desastre, 
prov. malastre „Unglück" und, in Ver- 
kennung der syntaktischen Geltung des 
mal-, benastre „Glück"; adastrar „be- 
glücken"]. 

7.nO. astntia „Schlauheit". 

Ahruzz. stuts^ „schlau". 

751. astatus „schlau". 

Ital. astiito. — -j- ARGUTUS: siebenb. 
artut „schlau". 

752. atavia „Ahnfrau". 

Afrz. taie „Großmutter", limous.fflif jo. 
— Obliquus afrz. taien, dieses als Mask. 
gefaßt, und nun Nom. taie ebenfalls 
Mask. „Großvater" oder Mask. Obliquus 
taion, norm, taijö, tayon, prov. tavi 
„Großvater". — Ablt.: taienot „Groß- 
neffe" R. XXIII, 327; Tappolet, Ver- 
wandtschaftsn. 63. (Tata Diez, Wb. 
318; ALLG. VI, 121 ist lautlich und 
begrifflich abzulehnen). 



Meyer-Lübke, Roman, elymolog. Wörterbuch. 



50 



753. ater — 771. atlrahere. 



753. ater , schwarz ^ 

Aital. adro. (Prov. aire ,Heidelbeer- 
strauch% frz. aireile (> portg. airella) 
Behrens, Frz. Wortg. 332 ist trotz der 
passenden Bedeutung zweifelhaft, so 
lange prov. airedet, airedech , Heidel- 
beere" und auvergn. ei'ze, rouerg. aise 
nicht erklärt sind). 

754. atgair (fränk.) , Beispeer". 
Afrz. agier, algier Diez, Wb. 505; 

FrzSt. VI, 73; 150; Beitr. z. rom. u. engl. 
Phil 216; Behrens, Frz. Wortg. 291. 
{*ADAhGER ZRPh. X, 277 ist begriff- 
hch unmöglich). 

755. atherine (griech.) „Ährenfisch . 
Ital. latterino ZRPh. XXX, 721. 

756. atisbeatn (bask.). 

(Span, atisbar „lauern" Diez, Wb. 
427. Das bask. Wort ist eine Kon- 
struktion Larramendis). 

757. atomns „Atom". 

[Ital. attimo „Augenblick", porig. 
n'um atimo „in einem Nu"] Diez, Wb. 
353. 

758. atramentum „Tinte". 

Log. trementu, afrz. arrement, erre- 
ment, prov. airamen Diez, Wb. 183; 
Salvioni, P.'; R. XXXVI, 235. (Afrz. < 
prov. AStNSpL. LXXXVII, 114 ist nicht 
nötig). 

759. atriplex „Melde". 

Ital. atrepice, friaul. redrep{i)s, afrz. 
arrace, nfrz. arroche, lothr. oroi, orr^g, 
wallon. larip Diez, Wb. 425; 510; 
ZRPh. XXXII, 20; RomF. XV, 815; Sal- 
vioni P.^ (Die formale Entwicklung ist 
nicht verständlich, vielleicht liegt z. T. 
*ATRAPEX, *ATRIPEX aus griech. atrd- 

. phaxis zugrunde, also eine weniger 
entstellte Form als die überlieferte. — 

. Prov. arniou, katal. armoll, span. ar- 
muelle, portg. armoles, armolas Diez, 
Wb. 425 s. 3648). 

760. atrinm „Vorhof". 

Portg. adro. (Afrz., prov. aire s. 
276). 

761. attegla (gall.) „Hütte". 
Kalabr. uteya, venez., veron., regg. 

teza, bologn. tidza „Heuschober", ferr. 
tiedza, bergam. tedza, obwald. teda, 
engad. tega „Käserei", tirol. teza, z. T. 
„Tenne", M&ul.tiedze. — Diez, Gram.I, 
135; Schneller, Rom. Volksmd. 205; 
ZRPh. IV, 126; Lorck, Abergam.Sprachd. 
114; SBPhHKlAWWien CXLIII, 2, 12; 
Battisti, Voc. A 104; ZRPh. XXXI, 
537. 



762. attemperare „anpassen", „fü- 
gen", 2. „*mäßigen" (vgl. attemperies 
„Mäßigung" und 8722). 

1. Log. attrempare sos boes „die 
Ochsen treiben", „hüten", „weiden". 

2. Ital. attemperare, span. atetnperar, 
portg. attemperar. 

763. atteudere „aufmerken", „war- 
ten". 

Ital. attendere, log. attendere, frz. 
attendre, prov. atendre, katal. atendrer, 
span. at ender, portg, attender-, judik. 
tendar a U fidi „die Schafe hüten". 

764. attensus 1. „an etwas heran- 
gestreckt", 2. „nahe", 3. „ausgestreckt", 
4. „entfernt". 

2. Bologn. atais, mirand., ferr. ates, 
4. Log. attesu. 

765. atterininare „abgrenzen". 
Log. attremenare „abgrenzen", ot- 

treminare „überschreiten". — Ablt.: 
attreminu „Getrampel". 

766. attilus „Stöhr", 2. *atillus. 

1. Wenez. {l)ddano, m-AÜ. Iddan, apav. 
dgano. 

2. Venez. (ital.?) adelo ZRPh. XXXI, 
6.50. 

767. *attinctare „benetzen", „färben" 
(vgl. attingere). 

Frz. atinter „aufputzen", „heraus- 
staffieren" Behrens, Frz. Wortg. 10. 

768. attingere „berühren", 2. at- 
tangere. 

1. Rum. atinge, ital. attingere, frz. 
atteindre, valenc. atdnyer. 

2. Agen. atanzere, amail. atanzer, 
aprov. atanher „zukommen", katal. 
atänyer. 

769. attitiare „anzünden". 

Rum. ap^ä, ital. attizzare, frz. attiser, 
prov. atisar, katal. atiar, span. atizar, 
portg. atisar; log. attitare „die Toten- 
klage anstimmen", eigentlich „zur Blut- 
rache aufreizen". — Ablt.: iial. stizzare 
„ein Licht putzen". - Diez, Wb. 320; 
ALLG. 1,244; ZRPh. V, 559; XXHl, 365. 
(Obwald. stizzar gehört nach Ausweis 
von engad. stüzzer zu 3110). 

770. attractuiu „das Herangefah- 
rene". 

Afrz. atrait „Anfuhr", „Vorrat", „Aus- 
stattung" (> vom Plur. ital. attrezzi 
„Ausrüstung", „Geräte" SBPreußAWBer- 
lin 1893, 13), prov. atrait id. 

771. attrahere „anziehen". 

Rum. atrage, ital. attrarre, frz. atraire, 
span. atraer [portg. atrahir]. Oder 
überall []? 



772. attritus — 788. aura. 



51 



772. attritus „zerrieben". 
Aspan. atrhlar , zerkleinern". 

773. *attubare (zu tnba „Trompete"). 
Span, flfofear „betäuben", „in Erstau- 
nen setzen" Diez, Wb. 427. 

774. a u {Schallwort für das Schreien 
des Katers), 2. „Kater". 

2. Frz. matou, wallon. markte, pikard. 
käu, lotbr. röu, marlu, maro, bearn. 
armu ZRPh., Bhlt. I, 24; GRM. I, G37. 

775. *aiictoricare „bevollmächtigen". 
[Span, otorgar, portg. ontorciar. — Mit 

Suir. W.: aital. otriare, afrz. otreier, 
nfrz. ortfoyer, piov., katal. autreyar] 
Diez, Wb. 230; ALLG. I, 245; Mise. 
Ascoli 476. 

776. aucnpare „Vögel fangen". 
Rum. ajmcä „greifen", „fassen" Rom. 

Gram. I, 580; Pu§cariu, Wb. 103. 

777. ancnpinm „Vogelfang". 

Istr. koipo „Bäumchen für die Leim- 
stangen" ATriest. XXX, 143. 

778. *amlicare „wagen". 
Avenez., apad., avicent. uldegärse, 

mant. aldagäras, tirol. (ddegarse Mus- 
safia, Beitr. 25. (Bergam. aldegadisia 
„Faulheit" paßt begrifflich" nicht). 

779. audire „hören". 

Rum. anzl, ifal. udire, engad. tidir, 
afrz. oir, nfrz. otit'r, ostfrz. zwayi Beh- 
rens, Frz. Wortg. 284, prov. auzir, 
katal. onre, ohir, span. oir, porfg. ouvir. 

— Ablt. : afrz. oi/e, norm, ouie de cave 
„Kellerfenster" NPhM. 1909, 112; frz. 
ouie „Hauslauch" Behrens, Fi'z. Wortg, 
131. — Zssg.: venez. recddir „eine 
Sache wiederaufnehmen", realdirse „sich 
von einem Unglück erholen" MILorab. 
XXI, 291 ; nfrz. savoir par mii-dire 
„wissen vom Hören sagen". (Piazz. 
rnandi „übermütig werden" MILomb. 
XXI, 291 paßt formell und begrifflich 
nicht, eher zu dem Eigennamen Rnaud 

— JRinaldo). 

780. auditns „Gehör". 

Rum. ouzit, ital. ttdito, prov. auzit, 
span. oido, portg. ouvido. Prov., span., 
portg. auch „Ohr". 

781. anfugere „fliehen", 2. afugere 
Einführung 122. 

2. Afrz. afuire. 

IS'2. aug' (arab.) „Erdferne". 

Ital., frz., span., portg. ange „Sonnen- 
ferne", „höchster Gipfel" Diez, Wb. 31; 
Dozy-Engelmann, Gloss. 217. 

783. angmentare „vermehren". 

Mazed. amintare „gewinnen", „ge- 
bären", siz. nniintari. 



784. angurare „wünschen", 2. *aga> 
rare Einführung 122. 

2. Rum. agurä „wahrsagen" R. 
XXVHI, 61; nördital. a(g)urar AGlItal. 
XII, 390; venez. ingnrar, mail., ber- 
gam., crem, ingiirä Mussafia, Beitr. 24, 
prov. auiar, span. agorar „wahrsagen", 
portg. agourar. — Zssg.: log. bonaura 
„Glück", disaura, istraura, strasaura 
„Unglück" AGlItal. XV, 485. (Obwald. 
urentar „untersuchen", „sehen, ob etwas 
in Ordnung ist" RomF. XI, 508 ist be- 
grifflich nicht ganz begründet; rum. 
urä, obwald. urar s. 6081, ital. iiggia 
s. 73i8). 

78b. augurinm „Vogelflug", 2. agn- 
rioiii Einführung 122 1) „Vogelflug", 
2) „Vorbedeutung", 3) „Glück". 

2. 1) Obwald. katar ad agur „be- 
obachten", „wahrnehmen". 

2. 2) Engad. avuoir, span. agilero, 
portg. agouro. 

2. 3) Afrz. ««/•, eur, nfrz. heur, prov. 
äur; tarent. äure „Hausgeist". — Ablt.: 
afrz. (iure, prov. äurat; nfrz. heureux 
„glücklich". — Zssg.: afrz. desäur^, 
prov. dezäurat (^ ital. sciagurato, 
avenez. desagurao, span. jaurado); frz. 
bonheur, malhetir. — Rückbild, von scia- 
gurato : ital. sciagura „Unglück". — Diez, 
Wb. 31; ALLG. I, 237; Rom. Gram. I, 
522; ZRPh. XH, 198. 

786. angnstus „Monat August", 
2. agiistas Einführung 122. 

2. Rum. agusf, ital. agosto, log. austu, 
engad. avuost, friaul, avost, frz. aout, 
prov., katal. agost, span., portg. agosto. 

— Ablt.: ital. agostano, friaul. avostan 
„Grummet", auch in nördital., aber 
nicht in mittel- und südital. Mundarten; 
span. agostero „Tagelöhner bei der 
Ernte", frz. aoüteron id. ; afrz. aousterelle 
„Heuschrecke"; bresc. ostanela, trient. 
gosteza „Art Traube": afrz. aouster, 
prov., katal., span. agosfar „ernten", 
„reifen", span., portg. agostarse „wel- 
ken". — Zssg.: westfrz. aJ:)/•t'^-aM, saint- 
pol. aprez-ow „Herbst". — ALLG. 1,237; 
Merlo, Stag. mes. 147. 

787. Aiiut Sally (engl.) (Name eines 
Spieles). 

Frz. Jen de l'äne sali RomF. III, 504. 

788. anra „Lufthauch", „leiser Wind". 
Mazed., megl. an-ä „Kühle", ital. 

ora, moden. ora „Schatten", engad. oitm, 
afrz. ore, prov. aura verdrängt südost- 
frz., ostprov. z.T. rent At. Ling. 1369. 

— Ablt.: frz. orage (> aital. oraggio. 



52 



789. aurata — 801. ausare. 



span. oraje > campid. arasi), prov. 
auratge , Sturm"; obwald. orat , kurzer 
Regen", afrz. ori, prov. aurat ,,Wind", 
morv. uris Fem. ,, Sturm" ; prov. aurdn 
, verrückt" ; megl., mazed. a si avrt „sich 
erfrischen", moden. sfa al'ora , Mit- 
tagsruhe halten". Auch portg. ourado 
„schwindehg", ourar, ourijar ,schwin- 
dehg werden"? Diez, Wb. 31. 

789. aurata , Goldforelle". 

Ital. orata, vegl. ourafa, prov. awa- 
da, span. dorada (> frz. dorade), 
portg. dourada. 

7liO. auratnra „Vergoldung". 

Ital. oratura, frz. orure (> aiiai. orura) 
AGlItal. III, 385. 

791. anreolus „goldig", 2. „Gold- 
ammer". 

2. Siz. auriuolOf piem. uriöl, afrz. 
oriuel, nfrz. loriot, prov. auriol, katal. 
O span.) oriol. Cohn, Sufl'wandl. 260; 
Salvioni, P.^ At. Ling. 1612. 

792. auriclialcuni „Messing". 

[Ital. oricalco, Irz. archal, span. nnri- 
calco] Diez, Wh. 228. 

793. anricnla „Ohr". 

Rum. wecke, vegl. orakla, ital. 
orecchio, log. oriya, engad. urala, friaul. 
orele, frz. oreille (^ aital. oregh'a), 
prov. aurelha, katal. orella, span. oreja, 
porig, orelha; venez. rem, ert. redya 
„kleine Traube". — Ablt. : rum. urechel- 
ntfä, puschl. uretana, afrz. oreillon, 
oreillice, nfrz. oreiUh'e, prov. aurieiro, 
nfrz. perce-oreille „Ohrwurm" AASTo- 
rino XLIII, 620; BDRom. I, 64; vicent. 
receto, venez. recela, triest. rinöela 
„kleine Traube" Vidossich, Stud. dial. 
Iriest. 41, lomb. or(e)öina „Immergrün"; 
frz. or eiller (> ital. origliere) „Kopf- 
kissen"; venez. recar „Nachlese hal- 
ten". — Zssg.: frz. essoriller „die 
Ohren abschneiden". — At. Ling. 1664; 
RomF. XIV, 414. 

794. *anridiare (von aura 788) 
„säuseln". 

Ital. oreggiare, prov. aureyar, katal. 
aretjai' „lülten", „erfrischen", astur. 
ouritsd „worfeln", span. m-ear „lüften". 
— Ablt.: ital. oreggio und aus dem 
Norden entleiint {o)rezzo, arezzo, ob- 
wald. uretsi, engad. nritsi, bearn. aurei, 
astur, oreo „Lüftchen"; bologn. urets 
„gegen Norden gelegener Ort", romagn. 
nrets „Schatten". Mit ü>- von 1308\ ital. 
brezza „kühler Wind", r/fere^^o „Schau- 
er", „Schauder", „Abscheu"; lucch. 
rih-ezzare „worfeln" RILomb. XLI, 212; 



AGlItal. XVI, 332; ZRPh. XXX, 303. 
(Orezzo AirRiTiUM Diez, Wb. 31 ist 
morphologisch bedenklich und erklärt 
das tönende -zz- nicht; *horriihare 
Mise. Ascoli 435 geht lautlich und be- 
grifflich nicht). 

795. aurifex „Goldschmied", 2. au- 
rufex. 

1. Ital. örafo, aumhr. öffo, ital. orefice, 
ostlomb. orees O engad. nrais), venez. 
oresc (y friaul. orezi), prov. daurezi, 
span. orespe, portg. oun'ves. — Ablt.: 
prov. aurevelier, mir. ouriheiro. — Diez, 
Wb. 387; Mussafia, Beitr. 84; Salvioni, 
P.^. (Die prov. Form ist nicht ganz 
klar, *AURiviciNUs Thomas, Ess. 277 
abzulehnen ASlNSpL. CHI, 232). 

2. Abruzz. röfeie Mise. Ascoli 89. 

796. aurigralbus „Goldammer". 
Ital. rigogolo, ferr. argaibul, bologn. 

avgeib. — Ablt.: ital. riyoletto Diez, Wb. 
152. Auch prov. rigal, rk/an „Rot- 
kehlchen"? (Galgulus ALLG. 11,431 
wird durch ferr., bologn. widerlegt und 
ist für ital. nicht nötig). 

797. auris „Ohr". 

Veltl., trient. dar ora „Gehör schen- 
ken" Salvioni, P.*. 

798. auris uiaris „Meerohr" (Name 
einer Muschel). 

Frz. ormier, ormet, ormean R. XXXV, 
170. 

799. aurora „Morgenröte". 
Avenez., apav. oror, nidwald. oriir, 

im Auslaut angeglichen an albore 324, 
Salvioni, P.^; RFICl. XXXV, 83; ZRPh. 
XXXI, 698. Doch wohl wie ital. aurora, 
log. aurora usw. [ ]. 

800. aurom „Gold". 

Rum. aur, vegl. yaur, ital. oro (> 
siz. oru, log. orö], frz. or (^ nprov. or), 
aprov. aur, katal. or, span. oro, portg. 
ouro. — Zssg : frz. latinisierend oripeau 
„Goldhaut", „Rauschgold", prov. auri- 
pel Q> ital. or2)ello, avenez. oropelc, 
span. oropel) Diez, Wb. 229; Mussafia, 
Beitr. 84; frz. orfevre „Goldschmied". 
(Frz. orfrois s. 6567). 

801. ausare „wagen". 

Ital. osare. friaul. olsä, frz. oser, 
prov. ausar, bearn. gausd, katal. gosar, 
valenc. {a)gosar, span. osar, portg. 
ousar ALLG. I, 246. Im Inf. in der 
Bedeutung „dürfen" an die Modalverba 
angelehnt: grödn. uzai, wallon. oizör 
Rom. Gram. II, 124. — Zssg.: vend. 
nuze „sich nicht trauen", davon nnzö' 
„furchtsam". (Das bearn, katal. an- 



802. auscultare. 



818. avena. 



53 



lautende g- ist nicht erklärt, kaum au- 
über wan- zu (/nau- ZRI'li. XI, 4'.)4). 

802. auscultare , horchen", , hören", 
2. asciiltare Einführunj? 122. 

2. Rum. aftcnltä, ital. nscoltare, log. 
ascnharc, iscnltare, engad. oscolter, 
friaul. sknltä, afrz. ascouter, bürg., ber- 
rich., blais., pikard., rouch. oknü, nfrz. 
ccouter, alyon., Ibrez. akntä, prov. es- 
contar, katal. escoJtar, span. ascuchar, 
escuchar, portg. escutnr. — Ablt.: ital. 
scolta, pisan., lucch. scolca , Späher" (^ 
log. iftcolca „Schutzvvache zur Vertei- 
digung des Privatbesitzes") AGlItal. 
Xlll, lli); StR. IV, 249; AGlItal. 
XVI, 408; AStItal. V, 34, 305. {Scolca 
7.U L'xcuLCATOn, bezw. germ. R. XXXVIl, 
4(50). — Diez, Wb. 28; ALLG. I, 244. 

803. anseria (8. Jahrh.) „Weide". 
Woher? 

Frz. osier, boul. oziei- ZRPh. XXXIII, 
432. (Zusammenhang mit aliza 350 
oder mit germ. halster „Lorbeerweide" 
ZRPh. XXVI, 333 ist lautlich nicht 
möglich). 

804. *ansicare „wagen". 

Lomb. oskü , at^kä , obwald. askä, 
engad. nskyer, tess. roskä, saskd, 
uengad. suskä, bergeil. laskär, veltl. 
(ileskar. Das a- durch Einfluß des 
Präf. rt-, das s- ist das angewachsene 
Reflexivum, das l- das neutrale Objekts- 
Pronomen. — Ablt. : bergam. ascados 
„faul", ascadizia „F^'aulheit" V Mussafia, 
Beitr. 25; RILomb. XXXIX, 493; 611. 
Zum Konjugationswechsel im Uengad. 
vgl. 801. 

805. aiisko (bask.) „Kohle". 

Span., porig, ascua „glühende Kohle". 
Miot. azgo. „Asche" Diez, Wb. 42(» 
paßt lautlich und begriff Heb schlechter). 

SOG. aust (germ.) „östlich". 

Afrz. osterin „morgenländisch" G. Pa- 
ris, Mel. ling. 589. 

807. anster „Südwind". 

|Rum. mistru, ital. ostro, mant. loster, 
afrz. ostre, nfrz. austve, prov. anstre, 
span., portg. anstro] Salvioni, P.^ 

808. *aus-ulare „horchen" (zu osk. 
*aHsis „Ohr"). 

Reat. misnlä, teram. oiisnlä, abruzz. 
adnselä; neap., abruzz. ai/osä. 

809. ausns „küiin". 

Ital. OSO, afrz. os ALLG. I, 246. 

810. ant „oder", 

Rum. an, ital. o(d), asiz. oue, log. a, 
engad. u, frz. oii, prov. 0(2), katal.. span. 
0, porfg. om; apad. 0/ BSPavStP. 11,231. 



Als Fragepartikel rum. nii, ital. 0, log. re 
Rom. Gram. III, 557; SBPhHKlAWWien 
CXLV, 5,4; Einführung 201. 

811. aiituDinare „den Herbst ver- 
bringen". 

Rum. tomnä, log. attundzure „das 
Vieh mästen", engad. nftioner id., nprov. 
autnnd „zum zweiten Male Blätter be- 
kommen", span. otoflnr „zum zweiten 
Male wachsen" (vom Gras), retoflar 
„nachwachsen" RL.XI,30, portg. om^o««»* 
„die Erde nach dem ersten Herbstregen 
wieder bearbeiten". Merlo, Stag. mes. 
242. 

812. antumnns „Herbst". 

Rum. toamnä, obwald. atuti, engad. 
utuon, span. otoüo (> log. attumu), 
aportg. atuno, nportg. outono, [ital. 
antunno, frz. antonne, prov. antom, 
pistoj. aiitttrno nach inverno ZRPh. 
XXII, 466; siz. ortunnn RILomb. XL, 
1154; abruzz. autnnie] Salvioni, P.'; 
SBPhHKlAWWien CXLV, 5, 6; Merlo, 
Stag. mes. 58. — Ablt.: obwald. tanif 
„herbstlich". — Zssg. : friaul. mes dl 
tom „Oktober", mes dl tomuts „Novem- 
ber". — (Vielleicht außer runi. überall 
[]; für log. und rum. *autumxius 
ZRPh. XXVIII, 688; ZRPh.,Bhft. XII, 15; 
Merlo, Stag. nies. 68 ist trotz abruzz. 
nutnnie eine nicht unbedenkhche Bil- 
dung, da der Ausgangspunkt nicht er- 
sichtlich ist, auch bleibt log. -^ dabei 
noch immer unerklärt). 

813. ava „Großmutter". 

Ital. ava , namentlich nordlomb., 
neap. vava, acampid. ava, nordsard. aba, 
friaul. ave, tirol. ava, abearn. abaa. 
ALLG. 1,246; Salvioni, P.^; Tappolet, 
Verwandtschaftsn. 62. 

814. avariis „habgierig". 

Ital. avaro, afrz. aver, prov. avar, 
span., portg. avaro, [nfrz. avare, viel- 
leicht auch ital., span., porig. ?]. — 
Ablt.: vegl. avaraus, prov. ava{i)ros; 
span. avariento, portg. avarento. 

815. avaste (engl.) „halt still", -ge- 
nug". 

Frz. avaste ZDWF. IV, 267. 

816. *avectare „wegtragen". 
Verzas. veta „stehlen". 

817. aveUere „wegreißen". 

Lyon, averä „wegnehmen", „er- 
reichen", gilb, avelä „erreichen". Der 
Konj.-W'. ist nicht erklärt. 

8i8. avena „Hafer". 

Ital. avena, puschl. avena „Gerste", log. 
aena, ena „ Blütenstiel ", „Flöte", uengad. 



54 



819. avenarius — 832. avistarda. 



avaina, friaul. vene, frz. avoine, prov., 
katal., span. avena, portg. aveia. — 
Ablt.: afrz. aveneril „ Haberfeld ", Tho- 
mas, Nouv. ess. 173, norm., b.-manc. 
avanri „ Brachfeld \ Der eigentlich 
prov., katal. Ausdruck ist cibata 1894. 

819. arenarias „zum Hafer ge- 
hörig". 

Log. enarzu „Lolch" Salvioni, P.^ 

820. averlander (mnd.) „Oberländer", 
,Fi"emder". 

Nfrz. averlant „Trunkenbold", „lusti- 
ger Kerl", norm, avreläo „Hallunke", 
polte V., lolhr. avei-le, anj. averlä Beh- 
rens, Frz. Wortg. 14. 

821. aversus „abgewandt", 2. „ver- 
kehrt". 

1. Mail., piem. invers „Schaltenseite 
des Berges" ; nprov. aves „Westen", viel- 
leicht unter keltischem Einfluß. — Ablt. : 
astur, prau avesin „am Schatten liegende 
Wiese", portg. terreno abisseiro id. 

2. Afrz. afers, span. avieso, portg. 
avesso Diez, Wb. 272; 428. 

822. averta „Felleisen". 

Tosk. verta, reat. erta. — Ablt. : sard., 
kors. hertula, kalabr. viertida ZRPh. 
XXXll, 360; 'ii?L\. svertare „alles herau.s- 
sagen", svertanza „Rücksichtslosigkeit". 

823. avia „Großmutter". 

Rum. aiä, log. gaya, afrz. aive, 
prov.. katal. avia. — Ablt.: mazed. 
aiu$, acampid. aione, prov., katal. avi 
„Großvater"; acampid. tadaiu „Urgroß- 
vater", menork. savi, sava mit dem s- 
des hier von jpse gebildeten Artikels 
oder von bas-tres-rebesavi. ALLG. I, 246 ; 
Tappolet, Verwandtschaftsn. 62. (Asard. 
apa scheint ein Schreibfehler für aba 
zu sein AStSard. V, 199). 

824. avia (Name einer nicht näher 
. bezeichneten Pflanze). 

Bearn. auyon, ut/on, abayon. — Ablt. : 
at/o«ssflw-e„ Heidelbeere" ZRPh., Bhft. VI, 
24. (Die Zusammenstellung i.st sehr be- 
denklich. Die Ablt. weist auf eine Bil- 
dung mit -one, der Anklang an gleich- 
bedeutendes engad. utsun, obwald. üsun 
ist wohl nur zufällig. Auvergn. aize 
ebenda s. 110). 

825. aviaticus „Enkel". 

Comask. biädak, amail. abiadego, 
nmail., bergam., bresc. biädek, uengad. 
ia)biadi, [piem. ahiatik „Urenkel"]. Tap- 
polet, Verwandtschaftsn. 88; Lorck, 
Abergam. Sprachd. 326. 

826. avica „Gans", 2. anca. 

2. Ital. oca, vegl. yauca, engad. olca, 



friaul. aukye, afrz. oue, nfrz. oie, prov. 
aiica, katal. ()> span.) oca. — Ablt.: 
veron. oco, crem, ok, aret. oöo (vom 
Plur. oci aus) „Gans", ital. oco, prov. 
auk „Gänserich"; montböl. u „Schwei- 
neschmalz in Stücken" Behrens, Frz. 
Wortg. 190, piac. oca „verdutzt"; span. 
oquei-uela „Knoten am Nähfaden". — 
Zssg.: avenez. ocastruzzo „Vogel Strauß" ; 
piac. inocas „verdutzt sein". — Diez, Wb. 
226; ALLG. I, 245; ZRPh. XXVI, 728. 
(Ital. locio, lucio „Dummkopf" Caix, Stud. 
427 geht formell nicht; span. oqueruela 
aus bask. okertu „sich verdrehen" Diez, 
Wb. 473 ist morphologisch unverständ- 
lich). 

827. avicella „kleiner Vogel", 2. au- 
cella. 

2. Avenez. ocella, ausela, amail. uxela, 
tirol. oöela, aprov. aucela; piem. nscla, 
nprov. oucelo „Schwalbe" AGlltal. XV, 
510. (Span, avecilla ist Neubildung). 

828. avicellns „Vogel", 2. ancellns. 
2. Ital. uccello, engad. uci, friaul. 

uiiel, frz. oiseau, prov. auzel, prov., 
katal. aucel. Frz. oiseau „Stuckbrett". 
„Lehmkübel", grey. oze „der Teller, auf 
dem der Käse getragen wird", waatl. ozl 
„Bahre zum Mist tragen" ZRPh. XXVI, 
42. — Ablt. : borm. 7(C(;/rt^, chiav. «rfe(J 
„junger Falke" ZRPh. XXX, 80; lyon. 
faire a-z-auzignon Behrens, Frz. Wortg. 
283. — Diez, Wb. 335; ALLG. I, 245; 
Rom. Gram. II, 502; At. Ling. 938. 
(Venez. tselega, romagn. tselga, tirol. 
tsilega, cilia „Sperling" Mussafia, Beitr. 
123 kaum hierher). 

829. *avicio „Gänschen", 2. ancio. 
Afrz. osson, lothr. oho, nfrz. oison 

nach oiseari ASlNSpL. LXXXVII, 114; 
Rom. Gram. I, 513; bedeutet auch „Arm 
voll Getreide" Behrens, Frz. Wortg. 
191; vend. nuazö „Heuschober". 

830. *avioius „Großvater". 

Frz. a'iful, prov. aviol, anjol, span. 
abuelo, portg. ovo. Die Lautentwicke- 
lung ist auffällig im Frz., wo -v-, im 
Span., Portg., wo-/- fehlt R.XVni,.547. 
Tappolet, Verwandtschaftsn. 63; Rom. 
Gram. II, 431. 

831. avis „Vogel". 

Log. ae, span., portg. ave. — Zssg. : 
span. avucasta „Trappe", davon acn- 
castro „widriger Mensch". 

832. avistarda „Trappe". 

Aital. bistarda (^ frz. bistarde), frz. 
outarde (> ital. ottarda), prov. austarda 
O aital. ustai'da), aspan. abutarda, agii- 



833. avistruthius — 850. äzymos. 



55 



tarda, porig. ((()betarda. Danach würde 
ital., frz., piov. auf dem Nominativ, 
span., portg., wo ave lebt, auf dem Ob- 
liquu.s beiuben. — Diez, Wb. 230; ALUi. 
VI, 378; Caix, Stud. 84. 

833. avistrnthiiiä „Vogel Strauß". 
[Afrz. ostruce, ostruche, nfrz. autruche, 

span. avestruz, portg. ahestruz] Diez, 
Wb. 311; ALLG. I, 24G. 

834. avitoB „großväterlich". 

Päd. avi „Großvater", perpign. ahit 
id. Tappolet, Verwandtschaftsn. 63. 

83.^. *avo „Großvater". 

Neap. vavone, friaul. (a)con, sav. avö 
R. XXXV, 213. (Oder Neubild, wie 
campid. aione 823). 

83(). avorsus „abgewendet". 

Friaul. davour „hinter" ZRPh. XXIII, 
412. (Obvvald. acos a. 6771). 

837. avulus „Großväterchen". 

Ital. (ivolo; vegl. naul „Onkel" Bar- 
toli, Dalniat. II, 383. — Ablt.: abologn. 
lolo RILomb.XXX, 1.51. (Oder Lallwort). 

838. aynnciilns „Onkel". 

Rum. nnchtu, campid. knnkii, obwald. 
mik, frz., prov. onde, delph. kunhii, 
mnllork. konko, dazu prov. konka 
„Tante". — Diez, Wb. 649 ; Behrens, Frz. 
Wortg. 62; 21)1; Tappolet, Verwandt- 
schaftsn. 93; At. Ling. 941. 

839. ariis „Großvater". 

Asti: tess., verzas., puschl. af, veltl. 
laf, trient. au. — Ablt.: arum. am, 
rum. vornan de aus und neäos „echter 
Rumäne" JBIRumSpLeipzig XIII, 108; 
an^el „Goldhähnchen"; alothr. arelet 
„Enkel". — Zssg. : gen. >«e«y-öfjt „Groß- 
vater" Tappolet, Verwandtschaftsn. 62; 
RILomb. XXX löll. 

840. *axali8 „Achse". 

Ital. sala, lomb., piem. asa(I), puschl. 
asal da la ganiba „Schienbein", span. 
ijera. — Ablt.: ital. (a)scialone „Band- 
balken", „Sparrenkopf" Diez, Wb. 395; 
Caix, Stud. 167. (Frz. essieu s. 841). 

841. *a\ilis „Achse". 

Venez., veron., mant. asH, veltl. osil, 
trient., crem, sil, obwald. ischil, afrz. 
oisif, nfrz. essieu, pikard. a§i, asil, 
wallon.. bürg., morv., berrich. esi, prov. 
«m?7 Rom. Gram. I, 38; Frz. Gram. 
77; At. Ling. 484. {Axicvlcs Diez, 
Wb. 576, a.relhis LBlGRPh. XIII, 68 
sind lautlich nicht möglich, axalis 



AStNSpL. CVII, 451 paßt für essieu, 
aber nicht für die mundartlichen F'or- 
men). 

842. axilla „Achselhöhle". 

Siz. (a).Hi(lda, ital. asc^Ua, frz. aiaselle, 
prov. ais^la, katal. axella; kalabr. 
silla, sidda „Flügel*. — Verschränkt mit 
scajo 9042: lomb. .s'<;yo, mit griech. t«a- 
schale: kalabr. masefida. — Rückbild.: 
bergam.. asa. delph. eiso, b6arn. ase. 

— Mus.safia, Beitr. 99; RomF. XIV, 438. 
{Setja hier *axillia). 

843. axio „Ohreule". 

Neap., soran. as^ AASTorino XLIII, 
622; aital. ascione „verliebter" oder 
„verrückter Koch". 

844. *axlolu8 „Ohreule". 

Pisan. assiolo, florent. usciolo, vgl. 
neap. asitiell^. 

845. axis „Achse". 

Span, eje, portg. eixo ALLG. I, 24(5. 

846. axungia „Schmiere", „Fett". 
Ital. sugna, engad. songa [frz. axonge, 

span. enjundia, portg. enxundia]; rum. 
osinzä, sen. osogna. — Ablt.: afrz. 
soignie „Kerze" Diez, Wb. 405; 447. 

847. ayacotli (mexic.) „Bohne". 

(Frz. haricot R. IX, 575 ist unmög- 
lich, da haricot zunächst ragout be- 
deutet und zu afrz. haligoter gehört, 
das älter i.st als die Entdeckung Ame- 
rikas). 

848. azkoii (bask.) „Pfeil". 
Akatal. escona, aspan. ascona, escona, 

nspan. azcona, aportg. ascuma, ascunha 
„Speer", nportg. ascona „Komet" R. 
XXXI, 611. (Zu germ. ask „Esche" 
Diez, Wb. 429; Beitr. z. rom. u. engl. 
Phil. 50 ist morphologisch schwieriger). 

849. azniii al haq (arab.) „Hüfl- 
knochen". 

Prov. ainaluc „Hüfte" MSLParis V, 40. 

850. äzymos (griech.) „ungesäuert", 
2. azimii!4. 

1. Rum. äzimä, kalabr. dyimu, 
tarent. äsinio, venez. azme, portg. asino 
RHisp. IX, 20; rum. dzitn „ungesäuert", 
„nicht reif", „roh", „grün". [Span. 
äzinio, portg. azymo]. 

2. [Ital. azzimo], abruzz. zini^, aquii. 
semmo, lucch. zembo, StR. I, 56. 

— Ablt.: ital. azzimella „ungesäuertes 
Brot". — Zssg.: kalabr. pütatasimu, 
ji^flTMrtia.s//«», Art Gebäck". —Salvioni.P.'. 



56 



851. ba — 860. bacar. 



B. 



851. ba (Interjektion des Erstaunens). 
Afrz., prov. ha. — Ablt.: afrz. esba- 

hir, embahir, nfrz. ebahir, prov. esbahir 
(y siial {ab)bmre, s&rtire, span. embahir 
^betrügen", „verblenden"), , erstaunen", 
prov. embahir , besorgt sein" Diez, Wb. 
37; Rom. Gram. J, 48. — {*ExrAGiRE 
R. XXVII, 202 ist begrifflich unwahr- 
scheinlich und lautlich nicht genügend 
gestützt). 

852. bab Lallwort für „geifern", 
„plappern", daher Subst.: 1. „Geifer" 
(85.5), 2. „alberner Mensch", „häfdliches 
Tier", „Käfer", 3. „Lippe", vgl. babn- 
Ins, baburrns. 

2. Ital. babheo, bahbaleo, babbalocco, 
babbione, babbano „Dummkopf", piem. 
babi, mail. bahi, gen. baggu „dumm", 
„häßlich", auch „Kröte", prov. bahi 
„Kröte", abruzz. habbahike „Spinnge- 
webe", log. babbayöla „Marienkäfer", 
siz. bahbaluiu „Schnecke mit Haus", 
novar. babau „Maikäfer", frz. hahioles 
„Kinderspielzeug" ; prov, bavec, baboin, 
babau, span. babanca, bahieca, portg. 
babäo, baboca „Dummkopf", „Tropf"; 
prov., katal. babö „Ohrwurm", babot 
„Larve", habarot „Schabe", &«6o/o „Käse- 
made" StR. IV, 9, vt'l. 999. — Ablt.: 
katal. embabiecar „betrügen". 

3. Mail, ftrti/, avhed.habi „Kinn", frz. 
babine, baboue „Lefze". — Diez, Wb. 33; 
ALLG.I, 246; AGlItal. 11, 34; R. XXXI, 
523. (Ital. bazza R. XXXI, 522 ist laut- 
lich schwierig, ital. haggeo, lucch. hag- 
gioro sind nicht klar). 

853. »baba „Geifer". 

Rum. Plur. bale, ital. bava, log. haa. 
friaul. have, afrz. beve, prov., katal. ha- 
va, span., portg. baba. — Ablt.: cam- 
pid. haula, gen. baviisa, mail. baüsa, 
prov. baviin, piem. bavüm, span. ba- 
hnza „Geifer", engad. sbaver „geifern", 
dazu sbeva, frz. baver, dazu have, havard 
„Schwätzer", triest. babar „schwatzen", 
siz. vava „kleines Kind", vavaredda 
„Pupille"; parm. bavize, venez. baize 
„Kiemen" ZRPh. XXVII, 760; frz. ba- 
veuse, span. babosa „Schleimfisch"; 
„junge Zwiebel", vgl. rum. tisturoin baih 
„Samenzwiebel" Digt. Limb. Rom.; afrz. 
haviere (> ital. baviera, span. bahera, 
portg. baveira) „Kinnstück am Helm", 
ital. bavaglio, frz. havette „Latz", venez. 



hauta O tosk. hautta), comask. bagntn 
„Maske" StR. HI, 97, regg. baura 
„Wamme". Auch ital. bävero „.Mantel- 
kragen"? — Diez. Wb.47 ; ALLG. I, 246; 
Rom. Gram. I, 47. (Si^. huhbiduöu. 
StFR. IV, 3, s. 852). 

854. baba (polnisch) „Rosinenkuchen". 
Frz. baba R. VIII, 139. 

855. babazorro(bask.) „Bohnensack". 
Span, hahazorro „Spottname der Ala- 

vesen" Diez, Wb. 429 oder zu 9i9ö. (Zu 
haha 853 R. XVII, .53 erklärt die Ab- 
leitung nicht). 

856. babbil „plappern" (zu bab 852). 
Frz. babiller, bnbeler, baboler. — Ablt. : 

hahil ZRPh. XXII, 514. Das Wort 
stimmt so auffällig zu englisch babble, 
daß vielleicht Entlehnung auf der einen 
oder anderen Seite anzunehmen ist. 

857. *babbus „Vater" (Lallwort oder 
aus hebräisch abba)? 

Ital. habbo, log. habbu, romagn. bnj), 
kors. hapu, engad., obwald. baj) Diez, 
Wb. 354; ALLG. I, 246; Tappolet, Ver- 
wandtschaft sn. 33. (Rum. bnbä „altes 
Weib" ist slav.). 

858. bäbasch(arab.) „Fußbekleidung". 

Ital. babbuccia, frz. bahouche, span. ba- 
hucha Diez, Wb. 515 ; Dozy-Engelmann, 
Gloss. 231 ; Eguilaz y Yanguas, Glos. 328. 

859. baca „Beere". 

Lucch. baca „Schote", frz. haie 
O span. baga „Schote"), prov. baga 
O ital. baga „Gemme", frz. bague 
„Ring"), span. baga „Hülle des Lein- 
samens", portg. baga: isir. vaga „Marbel" 
ZRPh. XXX, 206; abruzz. vake, röm. 
vako, march. vago, galiz. bago „Trau- 
benbeere", „Getreidekorn", afrz. bat 
„Lorbeer". — Ablt.: ital. bagatella (> 
frz. hagatelle, span. bagatella) „Kleinig- 
keit" ZVglSpF. XXI, 451. — Diez, 
Wb. 431; 516; ALLG. I, 247. (Frz. 
bague von o.stfriesisch bäg ZRPh. XVIII, 
515 ist lautlich und, da bague eist im 
16. Jhrh. erscheint, historisch nicht 
möglich: lyon. bagaüe „Augenschmalz" 
RPliFrcProv. XXII, 56 ist begrifflich un- 
wahrscheinlich). 

860. bacar „ein Weingefäß". 

Siz. bäkara „Krug" Diez, Wb. 52. 
(Siz. häganu „Wasclibecken" StGlItal. 
IV, 250 paßt lautlich und begrifflich 
nicht). 



861. *bacassa 



874. baculum. 



57 



8G1. *baca8sa , Mädchen", , Dienerin" 
oder *baf^assn. Woher V 

Afrz. baiasse, prov. bayasna (^ ital. 
hagascia mit Anlehnung an bardnscio 
!>5(1, span. bdgasa, portg. bagaxa) ^ Dirne". 
— Ahlt.: afrz. baissellc, neuenb. bäs^t 
, Mildchen". (Ursprung dunkel, gall. 
Uiez, Wb. 35 findet in den neukeltischen 
Sprachen keine Bestätigung Thurneysen, 
Kelforom. 42; arab. bagaigija , Dirne" 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 331 ist lautlich 
unniögUch. — Ablt.: prov. bagastel, 
bavastel , Hampelmann", „Marionette", 
afrz. baastel, nfrz. bateleur „Gaukler" 
ZRPh. XIX, 10.5 ist bedenklich, weil es 
eine sonst nicht übliche Ableitungsart 
zeigt, bagalelle s. 859). 

862. bacca „Wassergefäß", gall.? Vgl. 
860; 8U6; 808. 

Frz. bäche „Wasserbehälter", b.-manc. 
J>cis „Art Fischreuse", lyon. base „kleines 
Boot", forez. baso, gilh. batso „Wasser- 
gefäß". — Ablt.: kz. bachot „Nachen", 
lyon. basasi O piem. bakasa, mail. ba- 
kasa) „Schweinetrog", „Mulde" Behrens, 
Frz. Wortg. 336; b.-manc. baso „Art 
Fischreuse", norm, baso „Netz zum 
Krebsefjingen". (Frz. bäche Riickbild. 
von baschoue 969 G. Paris, Mel. ling. 
470 ist wenig wahrscheinlich). 

863. baccalaris „Bursche". 

Ilal. baccalaro „Pferdeknecht", afrz. 
hacheler (^ ital. baccelliere, span. 6«- 
chiller, portg. bacharel), nfrz. bachelier, 
prov. bacalar. Die Herkunft des Wor- 
tes ist unbekannt; etwa Zusammenhang 
mit 861 ? Diez, Wb. 33. — (Ir. bnch- 
lach „Diener" paßt formell nicht, auch 
.sonst bieten die keltischen Sprachen 
nichts Thurneysen, Keltorom. 38; 
grierh. imnklaros „die ganze Erbschaft 
besitzend" Rom F. XV, 839 paßt formell, 
begritriich und historisch nicht; mlat. 
haccalaurms ist eine Umbildung, nicht 
die Urform). 

864. *baccellu „Schote". Woher? 
Ital. baccello, auch „Dummkopf". (Zu 

haca Diez, Wb. 354 ist formell schwierig. 
In der Bedeutung „Dummkopf" viel- 
leicht zu 870). 

865. bacchaual „Bacchusfest". 

Ital. baccano „Lärm". — Ablt.: istr. 
bukanaya id. Caix, Stud. 177; AGlItal. 
IV, 387; 410. 

866. baccinum „Becken". Vgl. 860 
und 86'^. 

Ital. bacino, bacile, frz. bassiu, prov., 
katal. baci (> span. bacin, bncia, portg. 



bacio, bacia). Das bei Gregor von Tours 
als bacchinon verzeichnete Wort dürfte 
eher gallisch als germanisch sein. Ital. 
kann entlehnt .sein ; span., porig, ist im 
Ausgang unklar. Vgl. noch nordital. 
bäzia, lomb. bazlu, emil. bezla Lorck, 
Abergam. Sprachd. 179. — Diez, Wb.34; 
429; ALLG. 1,247; Thurneysen, Keho- 
rom. 39. 

867. *baccnlare „verrammeln". 
Frz. bäcler, prov. baclar Thomas, Ess. 

246. (Zu BACULUM 874, vgl. baccil- 
LUM 870^ und MSLParis VHI, 487). 

868. baccns „Trog". (Gallisch?) Vgl. 
862. 

Frz. bae „Trog", „Fähre". — Ablt.: 
baquet. (Niederl. bac Diez, Wb. 516 
stammt aus dem Frz. oder beide aus 
einer dritten Sprache). 

869. baceolus „Dummkopf". 

Ital. baccello. \- sciocco: \{B.\.baciocco 

ZRPh. I, 425; Diez, Wb. 3-54; ALLG. 
I, 247. (Oder zu 864). 

870. bacilluni „Stäbchen", 2. baccil- 
lam. 

2. Log. bakkiddu „Stab", „Krücke" 
Salvioni, P.*; nprov. basel „Wasch- 
bläuel", portg. bacelo „Rebreis", „Wein- 
schößhng". — Ablt.: span. bacillar id., 
portg. abacelar „Weinstöcke pflanzen", 
„Pflanzen mit Erde bedecken". 

871. •bacioirt „kleine Beere". 

Ital. baglola „Heidelbeere". Dazu 
tosk. bacero id.? 

872. backbonl (engl., niederd.) 
„Hinterdeck", „linke Scliiffsseite". 

Ital. babonlo, frz. bäbord, prov. ba- 
bord O span. bahor), portg. babordo, 
bombordo Diez, Wb. 5J5; RomF. IIJ, 
499 ; Fryklund, Changem. de signif. de 
droite et gauche 123. 

873. bacnla „kleine Beere". 

Ital. bagola, bacola, macola „Eisbeere" 
AGlItal., Suppl. V, 79; friaul. boule 
„Beere" AGlItal. XVI, 219; judik. ba- 
gola „Wacholderbeere" ; lomb. bagola, 
regg. begra, moden. begla „harter Kot 
von kleinen Tieren", „Straßenkot an 
Kleidern" (> nXhun. bag^le, baleg§ > rum. 
balegä „Mist") RFICl. I,°387;' IgF. VIII, 
116; triest. bagola „kurze, dicke Per- 
son" ; galiz. bagoa „Träne" Mise. fil. 
ling. 118. Auch ital. baccola „Heidel- 
beere" ? 

874. baciilnin „Stock". 

1. Ital. bacchio. — Ablt. : ital. bacchetta 
O frz. bagnette, span. baqiieta), abbac- 
chiare, pistoj. abbiaccare, chian. ahiak- 



58 



875. baderna — 883. *baiare. 



Mre „herabsclilagen" R. XVI, 153; 
lucch., röm. (ab)bacchio, abruzz. abbak- 
ky§ , Lamra" (geschlachtetes, zum 
Essen bestimmtes") AGlItal. XII, 127. 
2. Ital. bacolo, arcev. bnkero. urb. bä- 
gol; span. blago ^Pilgerstab", aportg. 
bagoo, ni)ortg. bago. — Ablt : venez. 
bagolina „Pieke". — Rückbild.: bergam., 
bresc, crem., ferr., imol. bak AGlItal. 
II. 35. - Diez, Wb. 34; ALLG. I, 247; 
AGlItal. III, 351. (Ital. abbacchiare, 
*ABBATTULARE ZRPh. X, 171 ist wenig 
wahrscheinlich ; abbacchio *ovicula 
Caix, Stud. 127; AGlItal. XIII, 382 ist 
lautlich nicht möglich; afrz. boile „der 
von Festungsmauern umgebene Hof- 
raum" paßt begrifflich und formell 
nicht, vgl. 888-'). 

875. baderna „Serving". Woher? 
Ital. baderua, frz. baderne, nprov. 

baderno, kafal., span. baderna, portg. 
abaderna. (Breton, baderne Dict. Gen. 
ist erst aus dorn frz. entlehnt RCelt. 
XXVII, 144. Zusammenhang mit 988 
ist begrifflich nicht möglich). 

876. badin^an (arab.) „Tollapfel", 
„Eierapfcl". 

Ital. ])etonc>ano, valenc, span., portg. 
berengena (> ital. melanzana, mart- 
gnano, melangola, frz. m^i'angene, mS- 
langhne), portg. bcringala, katal. alber- 
ginera (> frz. atibergine) C.aix, Stud. 
XXVI; Dict. Gen.; Dozy-Engelmann, 
Gloss. 239 ; Eguilaz y Yangüas, Glos. 344. 

877. badius „rotbraun" (namentlich 
von Pferden). 

Frz., prov. bai (> ital. baiö), span. 
bayo, portg. baio. — Ablt. : afrz. baiet, 
baiard, prov. baiard „Bezeichnung von 
Pferden", ital. baietta „ein dunkler 
Stoff" Diez, Wb. 37. (Röm. bajocco 
„eine kleine Münze" Diez, Wb. 37 gehört 
vielleicht eher zu bainca „Kleinigkeit" 
ZVglSpF. XXI, 451). 

878. baf (Schallwort). Vgl. 879 ■ 932. 

1. Prov. bnfa „Verspottung". — Ablt.: 
abruzz. abbafd „verspotten", siz. baf- 
fiari „kläffen". Auch ital. baffi „Schnurr- 
bart"? ZRPh. X, 171. 

2. Katal. vaf, astur, bafv, span. baho, 
portg. bafo „Dampf". — Ablt.: neap. 
abbafa „schwer atmen". Auch losk. 
bafore „Dampf" nach vapore. — Diez, 
Wb. 429. 

879. bafifa (Schallworl, das die 
Anschauung des Dicken erweckt). 

Avenez., alomb. baffo, -a, triest. bafa, 
engad. baffa, friaul. bafe „Speckseile" 



Mussafia, Beitr. 31, piem. bafra „voller 
Bauch", frz. bäfre „Fresserei", siz. baf- 
fa „Kürbis", „Grasbüschel". — Ablt. : 
siz. abbaffarisi ^s'ich anpampfen", abruzz. 
abbafd id. und „das Vieh zur Mittags- 
ruhe führen", frz. bdfrer, prov. bafrd, 
piem. Äfl/7-^ „schwelgen", „gierig essen". 
— (Ob HAFER „grob", „roh" dazu gehört, 
ist, da die romanischen Formen -ff- 
verlangen. fraglicli; bafa hei Apicius 
ALLG. I, 247 i.st nur Konjektur, macht 
außerdem mit dem -f- Schwierigkeit und 
bedeutet „Tunke", liegt also auch be- 
grifflich ab). 

88Ü. baga „Schlauch". 

Venez., lomb., emil. baga, friaul. ftrti/f, 
prov. tfl^rtO frz. irt(7«e) „Bündel", „Beu- 
tel", „Bor.se", arag. baga „Packstrick" 
(um die Last der Saumtiere zu be- 
festigen), „Hülse des Leinsamens". Das 
nordital. Wort bedeutet auch „dicker 
Bauch". — Ablt.: crem, bagato „Dudel- 
sack", frz., prov. bagage „Gepäck" 
O nordital. haqaqo ^ ital. bagaglio) 
AGlItal. XIII, '4()3, Rückbild.: lütt. 
bage „ausziehen"; prov. bagö „Trunken- 
bold", bergam., bresc. bagdr „saufen", 
comask. bagd „zechen"; lum. bägd 
„hineinstecken", mazed. bägä „setzen", 
„stellen", „legen". (Ursprung unbe- 
kannt, unsichere Vermutungen IjjF.VIII, 
1 15; ZVglSpF. XXXVII, 22. Aiiord. baggi 
„Last" FrzSt. VI, fi7 paßt nicht zur geo- 
graphischen Verbreitung. Als Grund- 
bedeutung; scheint sich etwa zu ergeben : 
„Schlauch, indem der Wein durch Maul- 
tiere transportiert wurde", dann: „Last 
der Saumtiere". Der Ausgangspunkt 
könnte danach am ehesten Dahnatien 
gewesen sein ; das Wort wäre somit 
nicht römisch). 

881. Bagdad „Bagdad". 
Ital. Baldacco, afrz. Baudas. — Ablt. : 

ital. baldacchino, rnail., bergam., pav.. 
parm. balducchino (^ frz. bauäcquin, 
frz.. span. baldaquin, portg. baldaquino) 
„Baldachin", api.san. baldinello „eine 
Art Stoff", ital. bandinella „Art Hand- 
tuch" Diez, Wb. 38; AGlItal. XII, 1.54. 

882. baia „Bucht". Iberisch? 
Katal. badia, span., portg. bahia O 

frz. baie, ilal. baia) Diez, Wb. 37; 
BGDSpL. XIX, 327; LBlGRPh. XXVII. 
233; ZRPh. XXXII, 492. (Gäl. badh, ^ 
ir. bagh Diez, Wb. 37 sind späte Lehn- ^ 
Wörter Thurneysen, Keltorom. 42). 

883. *baiare „bellen" (Schallwort). 
Ital. (ab)baiare, mail. bogd, venez. 



I 



884. *l)aita — 888. bajulus. 



59 



haijay, alrz. ahaier, iif'rz. aboyer Thurn- 
eysen, Keltorom. 42 ; ZRFh., Blift. X, 3. 
(AuiiAViiAur Diez, Wb. 345 ist lautlich, 
HAT AUE 988 ZRF'h. V, 95 lautlich und 
beKiifflich unmöglich). 

884. •baita (ahd.) ,Ra,sl", 2. peita 
(aleman.) (zu haiton „wartet)*). 

1. Piem., lomb., veron. haita, friaul. 
fcfr<y<' , Hütte" Diez, Gram. 1,87; Schneller, 
Rom. Volk-srnd. 109. Das Wort fehlt 
in Graubünden und Tirol, ist aber doch 
wegen der Beibehaltung des -ai- und 
•t- jung. 

2. Engad. peiila ^Muße". 

885. bajana ,Art Bohne'* aus Bajae. 
Ital. haggiana „Saubohne", aret. ba- 

(janii, gen. bnzana, lomb. hazana „ver- 
schiedene Bohnenarten", kalabr., siz. 
vagana „Schote", obwald. higauna 
„Scliote", afrz. baien, prov. bayan „halb- 
gekochtes Gemüse". — Ablt.; ital. bag- 
ginno „Dummkopf", prov. bayan „ge- 
schmacklos", „Dummkopf"; pi'ov. ba- 
ynnä, lyon. bainü, franche-comt. baine 
„Gemüse einweichen". — Salvioni, P.'^; 
StGlItal. I. 44; Thomas, Nouv. ess. 177. 

886. bajula „Kinderfrau.". 2. *bajuln 
aquae „Wasserträgerin", „Wassergefäfj". 

1. Ital. baila, balia, engad. bela, prov. 
Jiaila, oder prov. > ital. — Ablt. : veron. 
hailir „stillen". 

2. Frz. baille „Wassergefäß". (Bre- 
ton, hat Dict. Gen. ist aus dem Frz. 
entlehnt; zu bac Diez, Wb. 515 wird 
durch mlat. aquae batnla und durch 
kvmr. baiol, breton. baol „Kufe" wider- 
legt). 

3. Engad. heia „Tragbahre", obwald. 
})aila „Tragband". Auch rum. baierä, 
baier „Tragband", „schmales Band", 
.Schnur". Cre^u, Lexicon slavo-romän 
:(»7; ZRPh. XXXI, 295; Candrea-Hecht- 
l)ensu§ianu, Dic^. etim. 

887. bajnlare „tragen". 

Monlal. baggiolare „wippen", aret. 
bagioggioUre „schaukeln", log. baiulare 
„ertragen", frz. bailler „überbringen", 
„bringen", „geben", prov. bailar id. 
Das Wort verdrängt in den frz. Mund- 
arten donner. Auch span. bailar „tan- 
zen"? Vgl. 909. — Rückbild.: rum. 
haiä „streicheln", dazu biiiat „Kind". 
— Ablt.: Montal. baggiolo „Schaukel"; 
ramind. baliare „ertragen" Diez, Wb. 
:'■•'•. (Oder *baiare Grundwort von 
KAJVLARE und als Ausdruck der Kinder- 
sprache nicht in der Literatur über- 
liefert Dic^. Limb. Rom.? Ital. bag- 



giolo zu VACiLLAHE Caix, Stud. 179 i.st 
formell und begrifflich weniger passend, 
das Verhältnis zu aret. goviteka „Schau- 
kel" ist unklar). 
888. bajnlns „Lastträger". 

1. Afrz., aprov. haile „Amtmann" 
O ital, bailo, balio, span. baile, venez. 
bailo „venezianischer Gesandter in Kon- 
stantinopel" > frz. baille id.), katal. 
battle. — Ablt.: afrz. baillir „verwalten", 
hallie (> ital. balia) „Stellung eines 
Amtmannes", „Herrschaft". 

2. Ital. baggiolo „Lagerholz", lomb. 
bäzol, bäzer, parm. bädzol, piem. 
bazu, i«i'»t „Tragejoch", „Trägerstange", 
„eine gebogene Stange, an deren 
Enden je ein Wasserkessel hängt", ber- 
geil, bagol „Bündel" RILomb. XLII, 203, 
afrz. bail (> ital. baglio, bagli y siz. 
bai), haus, nfrz. bau, prov. bau (> ka- 
tal.. span. bao) „Querbalken bei der 
Schiffsbrücke" ZFrzSpL. XXXIF, 49. — 
Mit Suff. W. : venez. biqdlo „Tragjoch" 
R. XXXVI, 224(?); lomb. baio „Trau- 
benkamm", eigentlich „Zweig, an dem 
zwei Trauben hängen", „Büschel von 
Hirse", „Trupp", „Schar". — RQckbild.: 
lomb. fea/rt, baze „Büschel", „Bündel" 
R. XXXVI, 226. — Ablt. : lomb. bizarui, 
trient. bazilom „Riemen des Tragkorbes" 
ZRPh. XXII, 466. — Aus sovice + bag- 
giolo: ital. sovvaggiolo „Unterlage". 

3. Afrz. bail{e) „der von der Festungs- 
mauer umfriedigte Hof", „Hof", „Burg" 
O siz. baggyu, hatü, kalabr. vayti 
„Hof", „Stall"). — Ablt.: afrz. hailif, 
nfrz. baili {> prov. bailia, ital. baglivo, 
bali{r)o, ball, portg. balio). — Diez, Wb. 
36; Caix, Stud. 80; Mussafia, Beitr. 36; 
Salvioni, P.^ (Die sozialen Verhältnisse, 
die zu 1. führen, sind nicht bekannt, 
vielleicht bildet bajulus litterarum 
„Briefträger" den Übergang. Nfrz. fefl« 
könnte zu 907 gehören, vgl. bauquih-e, 
doch kann dies letztere dialektisch für 
*bautiere stehen und ital. baglio ist nur 
mit bail vereinbar. — Die Zugehörig- 
keit von 3. ist zweifelhaft, da Bedeu- 
tung und Form nicht erklärt sind, doch 
paßt auch raculum schlecht. Begriff- 
lich und formell nicht genügend auf- 
geklärt sind puschl. bail „Stiel vom 
Dreschflegel", b(a)ril id. und „Späne 
zum Feueranmachen", &/•//# „Brennholz" 
RILomb. XXXIX. 580; 612. Venez. 
bigolo BIS 4- GAULUS AGIItal. XV, 326; 
401 ist bedenklich, da gaulus im Ro- 
manischen sonst keine Spuren hinter- 



60 



889. bakko — 900. bald. 



lassen hat; zu biga 1095 ATriest. XXX, 
415 paßt begrifflich nicht recht). 

889. bakko (germ.) , Schinken % 
,Schweinefleisch% ^Schwein". 

Afrz.,prov. fe«con, Speckseite "jfranehe- 
comt. bak , Mutterschwein ", vgl. galiz. 
bakon „Speckseite", portg. hac(o)ro 
, Spanferkel". — Ablt.: span. baconar 
, Fische einsalzen" Diez, Wb. 515; Frz 
St. VI, 71. 

890. bälakhanah (pers.j „Erker", 
, oberes Zimmei-". 

Aspan. albacarn, valenc, portg. alba- 
car; ital. barbacane, span. barbacana (> 
frz. barbacane), porig, barbacä „Außen- 
vverk der Festung", dann zum Teil 
, Stützmauer", , Schießscharte", nam. 
barbeketi , Dachfenster", kaitd. barbacana 
„Dachvorsprung", „Fensterdach" Diez, 
Wb. 42; ZRPh.V,244. (Arab. albäcar 
„Rinder" Dozy-Engelmann, Gloss. 60; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 97 ist begrifT- 
lich nicht zu rechtfertigen, noch weniger 
BAJiBA CANA ZRPh. XXX, 557). 

891. balakhä (arab.) „Badakhsan" 
(Name einer persischen Provinz). 

Ital. balascio, balasso, frz., prov. ba- 
lais, katal. bala/'x, span. balaj, portg. 
balais, balache „Ballas Rubin" Diez, Wb. 
37 ; Dozy-Engelmann, Gloss. 233 ; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 334. 

892. *balandra „Mantel". Woher? 
Ital. palandra, -ana, prov. balandra 

O frz. baiandre), span. balandran. 
(Etymon unbekannt. Der Wechsel von 
p- und b- und der Ausgang -a, -an, 
-ana weisen auf germ. Ursprung. Baratro 
ZVglSpF. XX, 270 ist formell und be- 
grifflich abzulehnen, mhd. wallandäre 
Schneller, Rom. Volksmd. I, 110 ist 
eher eine Umdeutung des rem. Wortes). 

893. balanidi (mgriech.) „Eichel". 
Frz. avelanede „Eichelnäpfchen" Tho- 
mas, Mel. 25. 

894. bälanos (griech.) „Eichel". 
Velletr. välano „gekochte Kastanie". 

895. •balat(e)rare „schreien". Wo- 
her? 

Nprov. bradald, span. baladrar, 
aportg. braadar, nportg. bradar. (Ba- 
LiTARE Diez, Wb. 430 oder balame -f 
LATRARE ZRPh. I, 422 befriedigen 
weder lautlich noch begrifflich, balatro 
ZRPh. VI, 82; VII, 6.33 paßt begrifflich 
nicht, da balatro „Possenreißer", nicht 
„Schreier" bedeutet; *barathrare „das 
Maul wie einen Abgrund aufreißen" 
ZRPh. XXXII, 424 ist weder beweisbar 



noch widerlegbar; vielleicht eine Ver- 
mischung von blaterark „plappern* 
und BLATTERARE „schreien"). 

896. balanstiuiii „Blüte des wilden 
Granatbaumes". 

[Ital. balaustro, -a (> frz. balustre, 
span. balaustre) „Geländersäule" Diez, 
Wb. 37]. 

897. balnzn (breton.) „Ginster". 
Morv. balö, auvergn., gith. balai, lyon. 

balan; afrz. balain, balais (> prov. ba- 
lais), nfrz. balai (^ portg. baleio) „Be- 
sen". — Diez, W^b. 516; Thurnevsen, 
Keltorom. 89; GRM. I, 425; At. Ling. 
107; 635. (Begrifflich paßt auch amail. 
balaza „Gestrüpp" , friaul. barats 
„Brombeerstrauch", barats blank „Weiß- 
dorn" BStSvItal. XXI, 5, doch fällt eine 
spezifisch bretonische Form in Nord- 
italien auf. Vielleicht gehen diese und 
die „Ginster" bedeutenden Wörter auf 
ein gallisches Wort zurück, das mit 
breton. balazn aus banazl, gall. *banatl- 
nichts zu tun hat; friaul. kann auch 
zu 96i gehören). 

898. balbns „stammelnd". 

Ital. balbo, afrz. baup, ■ prov. balh, 
span. bobo (> portg. bobo Leite de Vas- 
concellos, Mirand. II, 156, log. bovu). 
— Ablt.: afrz. abaubt, esbaubi, nfrz. 
ebaubi „verdutzt", ^baiibir „verdutzeu"'. 
(Span, bobo kann auch Schallwort sein. 
Frz. bhgue, aspan. vegue ^balbaecvs 
R. IV, 351 ist lautlich und morpho- 
logisch unmöglich). 

899. »balca „Ried", „Sumpf" (gall.?) 
Lyon, böse „Zypergras", forez. böse 

„Sumpflilie", nprov. bauko „Gras- 
büschel", vgl. aprov. terra bauca „Sumpf- 
land". {A\r. balc „stark" Diez, Wb. 316 
paßt begrifflich nicht Thurneysen, 
Keltorom. 89). 

900. bald (fränk.) „kühn", „munter". 
Afrz. band (^ iial.baldo); nfrz. band 

„Parforce-Hirsch", prov. baut. — Ablt.: 
ital. baldoria „ Freud enf euer", abellun. 
baldezza „Reichtum", „Überfluß", nbel- 
lun. baldezza „Nutzen", „Hülfe"; frz. 
bandet „Zuchtesel", henneg. bod „Eselin", 
vgl. baudouin „Name des Esels in der 
Tierfabel" (/■ aital. baldovino „Esel" 
Caix, Stud. 96); auch frz. band „haarloser 
berberischer Hund"? — Diez, Wb. 38; 
518; FrzSt. VI, 61; ZRPh. XVIH, 519; 
Dict. Gen. (Frz. bandet aus germ. *bald 
„haarlos", „kahl" AGlItal. XIV, 269 ist 
begriff'lich nicht nötig und darum un- 
wahrscheinlich, weil engl, bald, das 



1)01. balderich — 909. ballare. 



61 



allein einen Anknüpfungspunkt bieten 
Avürde, aut niengl. balled zurückgeht ; 
nfrz. band ^Hund" wegen der Bezeich- 
nung chien muet zu got. haups „stumm" 
Diez, Wb. 517 ist abzulehnen, weil das 
Adj. sonst fehlt; gäl. baodh hat -no- aus 
•ai-, liegt also auch lautlich ab Thurn- 
cysen, Keltorom. 90). 

901 . balderich (nihd.)„Wehrgehänge'', 
, Gürtel". 

(Afrz. baudre (y ital. hudriere, span. 
baldier, portg. holdri^), nfrz. beaudrier, 
prov. baudrat. — Zssg. : afrz. esbaudre 
, Mitte des Leibes" Diez, Wb. 518; 
Beitr. z. rom. u. engl. Phil. 52. Die 
Etymologie ist unmöglich. Das erst 
spiit belegte ahd. Wort ist aus dem 
Afrz. entlehnt. Zusammenhang mit parm. 
bodriga oder mit span. barriga „Bauch" 
Diez, Wb. 480 ist ausgeschlossen. Ge- 
hört frz. beaudroie „Froschfisch", „See- 
toufel" hierher und wieV). 

902. balearicnm triticum „bale- 
arischer Weizen", 2. barley (engl.). 

1. Frz. bailtarc, namentlich im Nord- 
osten und Zentrum, h.-pyr. bafar, poitev., 
.saintong. batari, Indre: "bai/arz „Art 
Weizen" Thomas, Mel. 27; ZRPh. 
XXIV, 427 ; XXVI, 402. Vgl. 5248. 

2. Frz. brelee Dict. Gen. 
90.3. balg (nhd.) „Balg". 

Frz. bogue „Balg von Körnern", 
„stachlige Hülse der Kastanien" ; blague 
„Tabaksbeutel", „Aufschneiderei" Dict. 
Gen. 

904. balga, bolga (arab.) „Haus- 
schuh", „Spartoschuh". 

Mure, albolga, alborga, portg. alparca, 
alporgata, span., portg. alpargata ZRPh. 
XXXII, 4.3. 

905. balinenm „Bad". 

(Sen. baregno „Ort, wo die Wäsche 
geschwemmt wird", aref. baregno 
.Waschplatz", metaur. breil „Tränke", 
beif. balöz „Badewanne" Caix, Stud. 
182 ist sehr zweifelhaft; bergam. iflrre»! 
„Mehlkaslen" ist jedenfalls fernzu- 
halten). 

90G. baljos (gall.) „weiß gefleckt von 
Tieren" (vgl. breton. bal). 

Afrz. baitle, nfrz. cheial baillet „Weiß- 
fuchs" R. XXIX, 432. — (Afrz. balain 
ZRPh. XVIII. 187 ist Lesefehler für 
hacairi, das ist afrz. baugatn R. XXXV, 
ti02). 

907. balko (fränk.) „Balken", 2. pal- 
ko (langob.). 

1. Ital. balco , Heuboden", afrz. baue 



„Querbalken", vvallon. batv „Balken" ; 
pikard. bos6, lothr. bokö „Wagbalken", 
prov. balcon (> ital. balcone, span. bal- 
con, portg. balcäo) „Balkon" ZDWF. X, 
209. — Ablt. : ital. rosa imbalconata 
„hochrote Rose", eigentlich wohl „auf 
dem Balkon gezogene Rose" ; siz. bn- 
liku, log. basku, kors. valku „Levkoje". 
2. Ital. 2^clf^o n Diele", „Loge im The- 
ater", „Augensprosse am Hirscligeweih* 
O span. j>rt/co „Schaugerüst", portg. 
palco „Proszeniumsloge") Diez, Wb. 37. 
(Frz. bati Diez, Wb. 51 7 s. 888; d^baucher, 
bauche „Werkstätte" Diez, Wb. 517 ge- 
hören nicht hierher). 

908. balla (fränk., ahd.) „Ball", 2. pal- 
lo, palla (langob). 

1. Ital. balla „Ballen", frz. balle 
„Ball", „Ballen", span., portg. bala 
„Ball", „Ballen", „Kugel" oder span.. 
portg. aus dem Frz.; venez., mant., 
bresc, tirol. bala, friaul. bale aucii 
„Bausch", „Märchen", „dumme Ge- 
schichte", comask. &«/« „Lüge". — Ablt.: 
ital. ballotta „gesottene Kastanie". 

2. Ital. i)alla „Ball", „Kugel". - Diez, 
Wb. 38; Schneller, Rom. Volksmd. 111. 
[Ballotta zu 1025 Diez, Wb. 432 liegt 
laegrifflich ab). 

908a. balla (arab.) „Abtritt". 

Span, alvafial, albanar, arbollon, arag. 
albellon, valenc. arbellö „Abzugsgraben" 
Dozy-Engelmann, Gloss. 65; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 102. (Zu alveus Diez, 
Wb. 417 paßt formell und begrifflich 
nicht). 

909. ballare „tanzen". 

Ital. ballare, prov. balar; comask. 
bald, piem. bale „schwanken", piac. ba- 
ld „schütteln", obwald. balar „schau- 
keln", vvallon. bale „flattern". — Ablt.: 
afrz. baloyer „schwanken", „flattern" 
und in Anlehnung an balais 897 „keh- 
ren", prov., katal. baleyar, span., portg. 
abalear „worfeln" ; venez., vicent., bel- 
lun., comask. balegar „hin und her be- 
wegen", istr. bdlego, mugg. bdlek „ein 
sackartiges Netz"" ATriest. XXXI, 73; 
span. aballar „in Bewegung setzen", 
„Vieh treiben" ; portg. abalar „schüt- 
teln", „erschüttern"; ital. ballo (> frz. 
bal) „Tanzvergnügen"; ital. ballatojo 
„Galerie"; ohwdX'A. baleina „Schaukel"; 
ital. balenare „schaukeln", „blitzen", 
baleno „Bütz" R. IV. 253; parm. bal- 
tar, tess. baltigd „schwanken", bdltiy 
„Schaukel", baüigöt „Leuchtwürmchen" 
Salvioni, Lampyr. ital. 13; puschl. s6a/ar 



62 



910. ballena — 921. bamb. 



„sterben" ZRPh. XXXII, 496; morv. hal 
, Wiege". (Das Verhältnis von ballare 
zu span., portg. iailar , tanzen" ist 
nicht klar, vgl. 887. Ilal. ballatojo zu 
vALLis R. XXVII, 205 paßt begiifllich 
und formell schlecht; halenare hätte 
das Suff, von altalena , Schaukel" an- 
genommen, fällt übrigens mit -l- statt 
-II- auf. Baleno „Blitz" zu griech. he- 
lemnon Diez, Wb. 355 oder zu albus 
R. XXVI, 508; 556 sind ganz abzu- 
lehnen). 

910. balleua .Walfisch". 

Ital. balena, frz. balaine, prov., katal. 
balena, span. ballena, portg. balea. 

9U. ballista „Wurfmaschine". 

Ital. bal^stra, engad. balaister, span. 
ballesta, portg. besta; engad. esser ün 
balaister „unruhig sein", comask. irt- 
lesträ „launig sein", puschl. balester 
„launig". — Ablt. : ital. balesiruccio 
„Hausschwalbe" SlR. I, 40; span. balles- 
tilla [y> frz. balestrille, arbnlestrille, 
aital. balesfriglia AGlItal. XIII, 403) 
„kleine Armbru«t". — Zssg. : ital. arco- 
balestro, frz. arbaUte „Armbrust". 

912. *balma „Höhle", „Grotte". 
Lomb. balma, gen., piem., südostfrz. 

barma, gen. arma, prov., afrz. bäume. 
Das Wort reicht westlich bis in die 
Gascogne und nach Valencia, nördlich 
bis nach Belgien At. Ling. 204. Auch 
bress.-louh. bom „abschössiger Fels", 
„abschüssiges Ufer", val-niagg. balm 
„Fels"? — Ablt.: wallon. bonie „ein 
Loch graben". Wohl ligur. oder gall.? 
Rom. Gram. 1, 19; Zanardelli, App. less. 
top. 11, 3; GRM. I, 645. (*Bassima 
von BASSus ZRPh. XIX, 57 ist nach 
Form und Bedeutung gleich unmög- 
Hch). 

913. balneare „baden". 

Ital. bagnare, engad. baner, friaul. 
baüd, frz. baigner mit -ai- von bain, 
prov. banhar, katal. banyar, span. bafiar, 
portg. banhar. — Ablt.: span. bana 
„Suhliache", portg. banha „Schweine- 
fett"; lyon. band „Fußbadewanne". — 
Diez, Wb. 36; ALLG. I, 248. (Rum. 
bäiät „kleines Kind" Tiktin, Wb. ; R. 
XXXIII, 274 s. 887). 

914. balneator „Bademeister". 

Ital. bagnatore, frz. baigneur, prov. 
banhador, katal. banyador, span. bafia- 
dor, portg. banhador. 

915. balneolam „kleines Bad". 
Ital. bagniiolo „Bähung", prov. ban- 

hol, span. baflnelo. 



916. balnenin „Bad", 2. *bauenm 
Rom. Gram. 1, 477. 

2. Ital. bagno {> log. bagnu), engad., 
friaul. bau, frz. bain, prov. banh., katal. 
bany, span. baflo, portg. banho; log. 
andzn „Prügel", „Schläge"; ital. bagno 
O frz. bagne) „Galeere", „Arbeits- 
haus", rum. baie „Bergwerk", in letztei'er 
Bedeutung auch bulgarisch und magya- 
risch, reims. bnfiol „elende Hütte" sind 
begrifflich nicht erklärt. — Diez, V\'b. .36; 
ALLG. I, 248. (Rum. baie „Bad" aus 
Bajae Diez, Wb. 36 ist unmöglich, vgl. 
mazed. baue, *bannev Densusianu, 
Hist. 1. roum. I, 119 vom lat. Stand- 
punkte aus bedenklich, wohl auch wegen 
des -rt aus slav. banja Pu§cariu, Wb. 
177). 

917. «balsa (iber.j „Pfütze"? 
Katal. bassa „Teich", span. balsa 

„Pfütze", „Floß", portg. balsa „Ge- 
strüpp" Diez, Wb. 430. 

918. balsanium „Balsam". 

Ital. balsimo, frz. bäume, prov. bahne, 
basme, span., portg. balsamo, aspan. 
blasmo; pikard. bäm „Minze". 

919. baltens „Gürtel". ■ 

Rum. ball, «Gürtel", „Brautschleier", 
„weißes Kopftuch", mazed. bal^u 
„weißes Kopftuch der Fanariotinnen", 
ital. balzo „Felsvorsprung", „Absturz", 
arcev. balzo, abruzz. valz^, ferr. halz 
„Ährenbüschel, mit dem die Garben 
zusammengebunden werden", sen. balso, 
friaul. balz „Garbe", prov. baus, katal. 
bals „Abgrund", span. balzo „Leib- 
knoten", portg. balso „Kabeltau". — 
Ablt.: ital. balza, prov. bauso „Absturz"; 
bologn., regg. belsa „Spannstock"; ital. 
balzare „springen", balzellare „hüpfen"; 
rum. bulfat „gefleckt" R. XXIV, 586; 
ital. balzana (^ portg. balsana) „Saum"; 
afrz. baucenc, bau^ant (^ ital. balzano 
y frz. balzan) „Bezeichnung gestreifter 
Tiere", („Pferde", „Eber", „Hamster"), 
mont-bel. basä „weiß und schwarz ge- 
flecktes Pferd" R. XXIV, .586; XXXV, 
456. — Zssg.: lyon., delph. abau „Hau- 
fen von 32 Garben", eigentlich gerbes 
a baus „mit dem Gürtel zusammenge- 
bundene Garben" ZRPh. XXIX, 244. 
Bologn. inbalsür „verzögern". — Auch 
span., portg. balza „Banner der Tem- 
pelherren" ? 

920. baliix (iber.?) „Goldklumpen". 
Span, baluz Diez, Wb. 420. 

921. bamb (Schallwort). 

Ital. bambo „töricht", „dumm*, auch 



1)2:2. bambal — 934. bannom. 



63 



vom Salz; ital. bainbino ^duinm'*, 
, kindisch", ^Kind", veisil. bamhino 
, Augapfel", ital. bambolo, bambocrio O 
frz. bamboche) , Puppe"; spirn. bamhoUa 
, übertriebenes Gepränge", gask. bam- 
borle „Geschwätz", liinous. bnniborro 
^Bafigeige", span. bambarotero , Schrei- 
er", bnmbärria , Dummkopf". Mit Ab- 
laut: ital. bimbo „Kind". — Diez, Wb. 39; 
ALLG. I, 238. 

922. bambal (Schallwort liir „schau- 
keln"). 

Norm. haboU, span. bambalear; bürg. 
räb „die Bewegung der Glocke", wallon. 
bäb^ „wackeln", span. bambu „Glocke" 
GRM. I, (i3S. 

923. bambax, -ace „Baumwolle", 
2. boinbax. 

1. Ital. bambaglo, ba»ibagia (> frz. 
bei(je „Naturfarbe von Wolle" u. dergl. 
ZRPb. XXII, 481), log. bambage, afrz. 
bambais. 

2. Rum. bnmbdc, kalabr. vömbaku 
Diez, Wb. 3.54; Thomas, Nouv. ess. 194; 
JBIRumSpLeipzig VI, 201. — (Das for- 
male und begriffliche Verhältnis zu 
BOMBYX 1201 bedarf der ' Aufklärung. 
Die -Ä;-Formen stammen wohl direkt 
aus dem Griech. ; ital. -g- weist auf 
Norditalien). 

924. ban (fränk.) „Befehl unter Straf- 
androhung". 

Frz. ban „Aufgebot". — Ablt.: esba- 
iiojfer „aus dem Aufgebot entlassen", 
xoi esbanoyer „sich belustigen", „ver- 
gnügen". — ■\- baloyer: afrz. soi esba- 
loyer, berrich. abaloSe „unterhalten", 
.zerstreuen", mont-bel. <>6<'fo///, Schweiz. 
eboloM, sav. ebolol R. XXXVIII, 3.5.5. — 
Zssg. : frz. banlieue „Gerichtsbezirk", 
, Weichbild". — Diez, Wb. 40; 517; Frz 
St. VI, 69; LBlGRPh. VI, 456; Beitr, z. 
rom. u. engl. Phil. 53. (Frz. banquet 
ZRPh. III, 572 s. 933). 

925. bancale „Decke für eine Bank". 
Avenez., prov.. katal, span., portg. 

bancnl Mussafia, Beitr. 31. 

926. baiicns „Stockfisch". 
Asiz. boncH AGlItal. XIII, 261. 

927. band (mhd., nhd,) „Band". 
Venez., parni., trient. bauda, friaul. 

bände „Eisenblech", ital. bnndone 
Schneller, Rom. Volksmd. 111. Zu- 
grunde scheint eine deutsche Pluralform 
zu liegen. Für die durch das Neben- 
einander von -a und -one nahegelegte 
Annahme eines got. *banda fehlen germ. 
Anhaltspunkte. 



928. *bandön „Macht", „Erlaubnis". 
Afrz. bandon, prov. bandö; a bandon 

„nach Willkür", „nach Belieben" 
O aspan., aportg. abaldon). — Ablt. : 
afrz. abnndonner „preisgeben", „über- 
lassen", „verlassen" (> ital. abbandonare 
aspau. baldonar, aportg. aIbnIdonar)h\e'£, 
Wb.40. Das Verhältnis zu 92!) ist schwer 
verständlich, da von letzterem im Frz. 
sonst nur -d-lose Formen vorkommen. 

929. bandvja(got.) „Zeichen", 2.*ban- 
na (fränk.). 

1. Ital. bandet (> frz. bände) „Trupp", 
„Abteilung" eigentlich wohl „die dem- 
selben Zeichen Folgenden", auch banda 
„Seile" ?; bando (^ span., portg. bando) 
„Aufruf". (Aital. di bando „umsonst" 
s. 991). 

2. Ablt.: frz. bannüre ()> ital. ban- 
diera, span. bandera, portg. handeirä) 
„Fahne"; ital. banderuola (> frz. ban- 
derole, penderole) „Fahne" Diez, Wb. 
40. 

930. bandvjaii (got.) „ein Zeichen 
geben", 2. banjan (tränk.). 

1. Ital. bandire „verkünden", „ver- 
bannen", prov. bandir id., span., portg. 
bandir „verbannen". — Ablt.: üaLban- 
dito „Verbannter", „Verbrecher". 

2. Afrz. banir „verkünden", „ver- 
bannen". 

931. bane (mhd.) „Bahn". 
Awallon. bnine, nwallon. ban „Weg". 

932. bauf (Schallwort; vgl. 878). 
Lucch., coma.sk. banfa, val-ses. banf 

„Beklemmung". — Ablt.: piem., val-ses. 
banfe, mail. banfä „keuchen". 

933. banka, banks (got.) „Bank", 
2. pauka, pauk (langob.). 

1. Ital. banco „Ladentisch", »Arbeits- 
tisch", cngad. baunJi; friaul. bank, frz., 
prov., katal. banc, span., portg. banco 
„Ruderbank", „Wechsel bank"; ital. tan- 
cn O frz. banqtie) „Bankhaus", frz. 
banche „ebener Steingrund im Meer", 
prov. banca „Waschbrett". — Ablt.: 
ital. banchetto O frz. banquet) „Fest- 
essen" Dict. Gen. ; romagn., crem, bant- 
sol, bologn. bantsola, berrich. bosel 
„kleine Bank", nprov. banceu „Garten- 
beet" ; portg. bancal id.; frz. bancal 
„krummbeinig". — -\- croche: frz. ban- 
croche id. ZRPh. XIX, 100. 

2. Ital. panca „Ruhebank", pancone 
„Bohle", „Planke" Diez, Wb. 40. 

934. baiinom (gall.) „Hörn". 

Prov. ban, bana, katal. bany, b<inya 
Diez, Wb. 517; ZRPh. XIX, 273. (Un- 



64 



935. banse — 945. barbarus. 



zutreffende Einwände Thurneysen, 
Keltorom. 90; germ. hain FrzSt. VI, 
115 ist lautlich und begrifllich abzu- 
lehnen). 

935. banse (nd.) , Scheunenraum 
neben der Tenne", „Korb". 

Atrz. banse „Korb", wallon. auch 
"Wiesre". 

936. bansla (got.) „Korb". 

Afrz. bannte, wallon. bäst. RomF. XIX, 
633. (Dazu frz. batard 979'i). 

937. banwart (ahd.) „Bannwart". 
Lothr. bäwar, bangnr „Bann wart", 

„Gemeindegebiet", franche-comt. bör^ 
„Strohwisch, zum Zeichen, dnß das Be- 
treten eines Feldes oder Weges ver- 
boten ist" R. XXXVIII, 365. 

938. bapti Sterin m „Taufstein". 
[Ital. battisteo, afrz. batestire, nfrz. 

baptisth-e]. — Cohn, Suffwandl. 282 ; Ber- 
ger, Lehnw. ; Salvioni, P.^ 

939. baptizare „taufen". 

Rum. botezä, aital. batteggiare, nital. 
battezzare, campid. battiai, engad. hata- 
zer, airz. batoyer, prov., katal. batejar. 
Zum rum. vgl. JBIRumSpLeipzig II, 2iJ2. 

940. Bai'abas (Biblischer Eigenname). 
Triest. baraba „Taugenichts". (Gen. 

barbau, prov. barban, barbau „Schreck- 
gespenst für Kinder" Mise. Rossi-Teiss 
341 s. 999). 

941. barakan (arab.) „StolT aus 
Kamelhaar". 

Ital. baracane, frz. baracan, bourucan, 
prov. barracan, span. barragan, porig. 
barregano Diez, Wb. 41. (Aspan. ftar- 
ragan „tapfer", barragana, portg. bar- 
ragäa „heiratsfähiges Mädchen", „Kebs- 
weib" Diez, Wb. 431 passen begrifflich 
nicht, das zweite auch formell weder 
zu griech. pallake „Kebsvveib" Gr. Gr. 
I^ 970 noch zu span. barraco „grober 
Mensch" ZRPh. XXX, 568; ZRPh., Bhft. 
X, 102). 

942. *barafia „unfruchtbare Frau". 
Woher? 

Afrz. baraigne, nfiz. brihaigne. (Die 
keltischen Sprachen bieten keinen An- 
haltspunkt, Thurneysen, Keltorom. 93: 
gleichbedeutendes alban. bereue klingt 
an, ist aber auch unaufgeklärt)" 

943. barathron (griech.) „Abgrund". 
[Bologn. balatrön „dunkler, tiefer 

Ort", prov. baratrön]. 

944. barba „Bart", 2. farfa (osk.). 

1. Rum. barba, ital, log., engad. bar- 
ba, friaul., frz. barbe, prov., katal., span., 
porig, barba. Die Bedeutung „Kinn" ist 



rum., neap., romagn., istr., friaul., prov , 
span., portg. RomF. XIV, 407; piem., 
lomb. (> engad.), mital. barba, vegl. 
buarba, alomb., avenez., niant., parm. 
barbano, tagg. barban, atarent. barbane 
„Onkel", lomb. auch „Großvater", piem. 
„Waldenser Prediger", im ersten Falle 
wohl ein Ausdruck der Kinderstube, im 
letzteren eine Bezeichnung, die die 
bärtigen Waldenser Geistlichen im Gegen- 
satz zu den bartlosen katholischen 
stellte Diez, Wb. 355; Tappolet, Ver- 
wandtschaftsn. 103; R. XXXI, 502. — 
Ablt. : rum. bärbie, march. barbittsa, 
avenez. barbizuolo, veron. barbitsuJ, 
venez. barbut)>o, päd. barbntsolo, lomb. 
barbets „Kinn"; ital. barbozza „Kinn- 
stück des Helms"; ital. barbezza, ro- 
magn. barbots „Kinn des Pferdes", ital. 
barbazzale (> span. bozal „Halfter") 
„Kinnkette"; mirand. bardzella „Kinn"; 
ital. basette „Knebelbart" ; bergam. bar- 
batole, ital. battole „Koller des Hahns" 
Mussafia, Beitr. 32; R. XXXI, 501; 
portg. buQO „Schnurrbart"; frz. barbe, 
barberasse „verschiedene Tannenarten" 
Behrens, Frz. Wortg. 337 ; frz. barbiche, 
{bar)bichon „Pudel"; frz. barbotte „Aal- 
quappe" ZRPh. XXXIII, 475; frz. bar- 
botter „faseln" ZRPh. XXXOI, 476. — 
Zssg. : piem. 2>Mr e barba „Kafiee mit 
Schokolade" erklärt sich aus pilr e fyur 
„Kaffee und Milch" und fifur e barba 
„Milch und Schokolade", daraus dann 
weiter barbaryä „Getränk, das aus 
Schokolade, Kaffee und Milch besteht" 
und (sachlich nicht erklärt) „ein Gemisch 
von Korn, Roggen und anderem Ge- 
treide" ZRPh. XXVIII, 643. (Span. 
bigote „Knebelbart", &?>arro „auffallend", 
frz. beguine „Beguine" R. XXXI, .500 
gehören nicht hierher; span. bozal, 
*BUCC'EAZE ALLG. 1,253 ist eine kaum 
annehmbare Bildung, noch weniger 
portg. bugo bucceu Rh. III, 134. Bar- 
ba „Onkel" langob. Brückner, Gharakt. 
germ. Eiern. Ital. 16; AStNSpL. CXXI, 
96 hat in den germanischen Sprachen 
keine Stütze). 

2. Ablt.: Pistoj. farfecchie „Schnurr- 
bart" WSt. XXIV, 527. (Oder zu 3441, 
ZRPh. XXXIV, 216). 

945. barbarns „wild". 

Prov. brau, aspan., aportg. bravo „un- 
gezähmt", „wild", „widerspenstig" (na- 
mentlich von jungen Stieren), daher prov., 
katal. brau, aspan. bravo „junger Stier" 
At. Ling. 1287, brava „junge Kuh". 



946. barbatus — 957. barga. 



63 



Aus ^wilti" entwickelt sich die Bedeu- 
tung , tapfer ", ^tiUhtig" : {y ilal. braio, 
> frz. brare), dazu Adv. frz. bravement, 
wallon. brenne „viel'". — Ablt.: s^pan. 
hracura (> ital. bravKra, hz. hravure) 
, Tapferkeit" ; span. hravio , Wildheit", 
span., porfg. bravio ,wild" R. XIII, 110. 
(*B-RABii)Vs R. V, 170; ZRPh. V, .557; 
SBPhHKlAWWien CXXXVIII, 1,42 trägt 
den aspan., aportg. Belegen zu wenig 
Rechnung. Ital. toro brado , junger 
Stier" ist vielleicht Umgestaltung von 
prov. brau oder verhält sich zu bravo 
wie bio'fa zu biara 1160). 

940. barbatus , bärtig". 

Rum. bärbat „Mann", ital. barbato, 
frz. barbi^, prov., katal. barbat, span., 
portg. barbado. — Mit Suff. W.: ital. bar- 
hnto, log. barbiidu, frz. barbu, prov., 
katal. barbnt, span., portg. barbudo; 
niazed. bärbufä „Knoblauchkopf", cam- 
pid. barbuda „Kinnkette des Pferde- 
geschirres", Schweiz, barbila „Steckling 
mit Wurzel ",n prov. barbudo „Kornrade". 

947. *barbea „Wamme". 

(Ital. bargia. — Ablt.: ital. hargiglio 
^Koller des Hahns" AGlItal. XIII, 404 
ist lautlich kaum möglich). 

948. barbitium „Haarwuchs". 

Ital. barbigt, venez., pav. barbizi, 
; mail., parm. barbis „Kiemen" Salvioni, 
i P.*. (Die lautlichen Verhältnisse sind 
' nicht klar). 
5 949. barbnla „Bärtchen". 

Siz. varvula, friaul. barbide „Koller 
<les Hahns", prov. barbola „Wider- 
haken". — Ablt.: trz. barbelle „Bärt- 
chen in der Botanik", span. barbilla 
„Kinnspitze", portg. barbella „Wamme". 

950. barbnlns „Barbe". 

Ital. barbio. — Ablt.; frz. barbeau, 
prov. barbcl. 

951. barbns „Barbe". 

Ital. barbn, frz. bar, prov., katal. 
barb, span., portg. barbo RLRom. 
XXXVIII, 193. 

952. barca „Barke". 

Ital. barca, frz. bärge, barche und 
norm., pikard. barque, prov., katal., 
span., portg. barca. — Ablt.: val-ses. 
barkala „Salamander", weil er wie eine 
Barke im W'asser schwimmt? KJBFRPh. 
yn, 1,1:^6. Üiez, Wb. 42. (Ital. ba/rr/, 
.imol. berk, b.-manc. barz „länglicher 
Getreideschober", aret.iom/e id. ZRPh. 
XXVII, 151 ; XXIX, 456 sind zweifelhaft, 
vielleicht zu 958; venez. bargotso, bra- 
{/otso „Art Fischerkahn", daraus gen. 



giisu GStLLig. IV, 277 ist wegen -g- 
bedenklich, ital. bargagnare Diez, Wb. 
43 s. 1220, venez. barkesa „Wetter- 
dach" s. .908, span. abarca „Bund- 
Schuh" s. 6, portg. alparca id. s. 904). 

953. *barcella „kleine Barke". 

Ital. barcelht (^ pav. baröela) Sal- 
vioni, P.'. (Pav. -6- weist auf Entleh- 
nung, kaum auf *barclella RFICl. 
XXXV, 84, da .sonst jeder Anhalts- 
punkt für *BAHCLA fehlt, Chian. bar- 
cella „Misttrage" gehört zu 1038). 

954. barda (germ.) „Axt". 

Afrz., champ., wallon. barde, wallis. 
barda Diez, Wb. 42. (Rum. barda aus 
magyar. bard ZVglSpF. XXXIX, 595). 

955. barda'ah (arab.) , Sattelunter- 
lage". 

Ital. barda „Lederdecke zum Schutz 
der Brust, des Halses und der Flanken 
der Pferde", „Reitkissen", „Pferdehar- 
nisch", frz. barde „Reitkissen", „Pferde- 
harnisch", „Speckseite", prov. barda 
„großer Sattel", span., portg. barda 
„ Pferdeharnisch ", „ Mauerbedeckung " , 
„Zaun", „Hecke", span. auch „Dach- 
schindel", portg. auch „Speckschnitte", 
portg. bardo „Weinlaube" Moreira, Est. 
ling. portg. 178; span., portg. albarda 
„Saumsattel", span. auch „Speckschnit- 
te". — Ablt.: ital. bardella, frz. bardelle, 
prov. bardel „Sattelkissen"; ital. bar- 
dotto, frz. bardot „Maultier"; frz. bar- 
deau „Schindel" Dict. Gen.; katal. bar- 
dina „Gerte zum Verschluß der Fisch- 
reusen"; nprov. bardci „pflastern". 
(Anord. bardi „Schild" Diez, Wb. 42: 
FrzSt. VI, 43 steht begrifflich und 
vvortgeographisch fern, auch scheint 
barda nicht vor den Kreuzzügen zu be- 
gegnen. Ital. bardana, frz. bardane, 
prov., katal., span., portg. bardana 
„Klette" nach der Breite der Blätter 
Dict. Gen. überzeugt nicht; noch we- 
niger Zusammenstellung mit 1410 
SBPhHKlAWWien CLVI, 5,21). 

956. bardag (arab.) „Sklave". 

Ital. bardascia „Schandbube", pieni., 
lomb., log. bardasa „Knabe", afrz. 
bardache, wallon. bardaU, span. bar- 
daja, portg. bardacha „Schandbube" 
Diez, Wb. 42; Eguilaz y Yanguas, Glos. 
340. 

957. barga „Uferböschung". Woher? 
Frz. bärge, prov., katal., span., portg. 

barga Diez, Wb. 43. (Die kellischen 
Sprachen bieten keinen Anhaltspunkt. 
Thurneysen, Kellorom. 43). 



Meyer- Lübke, Roman, elymolog. Wörterbuch. 



66 



958. barga — 965. bairum. 



958. barga , Hütte \ Woher? 
Obwald. harga , gedeckter Eingang 

zum Haus oder Heustall", hargnn „Al- 
penhütte", engad.war^'j^/t „Hi^teralpen^ 
berrich. fertri, fc^ri „Schuppen aus Stroh 
oder Binsen zur Aufbewahrung des 
Heus oder der Feldgeräte% span., portg. 
harga , Strohhütte " ; comasic. hark 
, Gruppe von nur im Sommer bewohn- 
ten Alpenhütten ", tirol. hark , Viehstall 
auf der Alpe\ — Ablt.: venez., veron., 
mant., parm. harkesa , Wetterdach", 
„Notslall*. — (Zusammenhang mit 
BARCA 952 ist lautlich, begrifflich und 
wortgeographisch bedenklich, da den 
Alpengegenden, in denen harga zu Hause 
ist, die „Barke" im allgemeinen fehlt. 
Die obwald. Form -a-un kann auf einen 
germ. w-Stamm weisen. — Eine weitere 
Gruppe, die vielleicht hierher gehört, 
wird gebildet von comask. har{a)k 
„Weidenkorb mit weitem Geflecht", 
„Hühnerkorb", „Heukorb". — Ablt.: 
comask. hargat, verzas. hargei, tess. fear- 
gei, hrayel id.). 

959. barigildns (langob.) „Haupt- 
mann". 

Ital. har[i)gello (^ mfrz. harisel, har- 
gei, harzel, span., portg. harrachel) 
Diez, Wb. 43. (Frz. > ital. Beitr. z. 
rom. u. engl. Phil. 54 wird durch die 
Lautform und das Alter der Belege 
widerlegt). 

960. bnrimah (arab.) „Bohrer". 
Portg. vo-riima Diez, Wb. 340, vgl. 

9586'. 

961. baro „Troßknecht". 

Ital. barone „Schurke". — Ablt.: ha- 
roncello, mit Suff. W.: baroncino „Gas- 
senjunge". — Rückbild.: baroncio „Lüm- 
mel", baro „Schurke" Caix, Stud. 502; 
Rom. Gram. H, 355; ZRPh. XXX, 296. 
(Auch ital. baratto „Betrüger", bnrattare 
„betrügen", abellun. ri'&a/Ytr id.? Barat- 
tare zu griech. prattein Diez, Wb. 41 
ist unwahrscheinlich). 

962. baro (germ.) „freier Mann". 

Ital. barone, afrz. her, baron, nfrz. ba- 
ren, i>voY.bar,bar6, katal. ftrtro bedeuten 
„Edelmann", span. varon, portg. varäo 
„Mann". Auch piazz. harom „Mann", 
danach baradonna „Frau" MlLomb. 
XXI, 267. Piem., wald. barun „Heu- 
schober", „Holzhaufen"? — Ablt. : afrz. 
barn^, barnage, prov. harnat „Stand 
der Barone", „Gesamtheit der Barone". 
BGDSpL. XIX, 329; Brückner, Charakt. 
germ. Elem. Ital. 16.; C. A, W^ester- 



blad, Baro et ses dörives dans les langues 
romanes 1910. (Ahd. bero Diez, Wb. 
43 geht lautlich nicht; baro 961 RoniF. 
1,244; R. XXVII, 213 ist bei einem Be- 
griffe des germ. Feudalwesens unwahr- 
scheinlich und geht begrifflich nicht, 
da der Vergleich mit mareskalk 5344 
nicht paßt. Kell. Ursprung ist ab- 
zuweisen, Thurneysen, Keltorom. 43. 
Barun „Heuscliober" zu barra AGlItal. 
XI, 293 ist begrifflich nicht gerecht- 
fertigt). 

963. *barra „Querstange". 

Ital. harra, frz. harre, piov., katal., 
span., portg. barra; sard., katal. barra 
„ Kiefer" (Mund) RomF. XIV, 4U0. - Ablt. : 
ital. bar rare, harricare „versperren", 
harricata O frz. barricade) „Verhau", 
frz. barreau „Gitterstange", „Gerichts- 
hof", harriere(y ital. havriera) „Schlag- 
baum", harras „Hindernis", emharrasscr 
„in Verlegenheit bringen", emharras 
„Verlegenheit"; berrich. harre „ge- 
streift", frz. barioU „buntscheckig" 
SBPhHKlAWWien CLVI. 5,56; ZRPh. 
XXX, 557; lyon. hnrani „Zaun", prov. 
baranha itl., fieib. baraü. „Geländer"; 
katal. barella, span. barrilla (> portg. 
harrilha) „Glaskraut". Auf span. barra 
beruht vielleicht frz. tmrre „Schild- 
krötenharpune" ZRPh. XXVI, 406. (Ur- 
sprung dunkel, Zusammenhang mit afrz. 
bar „Verhau*, „Burg", das heute in 
vielen Ortsnamen lebt, ist waJirschein- 
lich, wenn auch das Verhältnis von 
*BARRA „Stange" und *barrum „Stan- 
genwerk" nicht vei. ständlich ist; gall. 
barros 964 Diez, Wb. 45 paßt begriff- 
lich nicht, Thurneysen, Keltorom. 14, 
varus „schräg" R. XXVH, 207 nach 
Form und Bedeutung noch weniger. 
Kaum hierher gehören ital. baracca 
„Bretterbude", span. barriga „Bauch", 
barrica „Tonne"). 

964. *barros (gall.) „buschiges Ende", 
„Schopf". (Ir. bar). 

Venez., triest. baro, parm., ferr. her,. 
bologn. här, friaul. bar „Büschel". — 
Ablt.: venez. harena „sandige bewach- 
sene, nur bei hoher Flut bedeckte Stelle 
in der Lagune", triest. haredo „Büschel", 
friaul. haratfi „Gestrüpp", „Dornicht",. 
„Brombeerstrauch". ZRPh. IV, 126; 
Thurneysen, Keltorom. 45. (Oder friaul. 
barats zu 897). 

965. barrnm „Tonerde". 

Ital. barro, prov, hart, span., portg. 
barro. — Ablt. : nprov. 6«rr/j<s „schmut- 



966. bars — 979, *bastardus. 



67 



zig^ (Venez. bnrena SBPhHKlAWWien 
CLVI, 5, 25 s. 964). 

966. bars (nd.) , Barsch", 2, *bar- 
siks (westgot), 3. "^parsik (langroh.). 

1. March. rat-za, frz. hat-. RLRom, 
XLVIIl, 193. 

2. Katal. perseg. 

3. Ital. pesce jjersico, triest., venez. 
persego. — Ablt.: bologn. persegen. In 
2 und 3 hat sich rEHCA eingemengt. 

967. *bartche (nd.) , kleine Axt". 
Lothr. harz „Axt zum Behauen der 

Trester auf der Kelter" Behrens, Frz. 
Wortg. 21. 

968. bärüch habbäh (hebr.) „Be- 
griifaungsformel, mit der die Leviten 
auf dem Tempelberg die Gemeinde 
empfangen". 

Aret. bariiccabd „Verwirrung" Caix, 
Slud. 181; ZRPh. XVII, .562. (Ital. 
banionda, frz. hnragouin stehen lautlich 
zu fern, vgl. 1039). 

969. bascanda (gall.) „ein Gefäß". 

Afrz. basclioe. auvergn. bosova „Trau- 
benkufe" G. Paris, Mel. ling. 467. (Frz. 
husche 16. Jahrh. vielleicht Rfickbild., 
kaum bäscauda; vgl. SBPh'HKlAWWien 
CXLlll, 2,47; R. XXVII, 215). 

97(». baschärah (arab.) „gute Nach- 
richt". 

Span, cdbricias „Geschenk für gute 
Nachricht", poiig. alrif-ara „Trinkgeld" 
Diez, Wh. 417; Dozy-Engelmann, Gloss. 
74; Eguilaz y Yanguas, Glos. 118. 
(Das Wort bedarf der lautlichen Er- 
klärung). 

971. basiare „küssen". 

Mazed. bä§are, vegl. hissuor, ital. ba- 
i-lare, log. hcizare, engad. hütscher, frz. 
Ixiiser, prov. baisar, katal. besar, span. 
besar, poi'tg. beijar. Norm., morv. b^ze 
„Kleberanft des Brotes". — Zssg. : ital. 
conibagiare „zusammenpassen", com- 
bagio „Fuge". {Comhagio durch Ein- 
fluß von COMPAGES Diez, Wh. 365 ist 
nicht nötig). 

972. basilica „Kirche". 

Rum. Inserica, vegl. basalka, engad. 
baseig ia, avenez. haselega, veltl. bazelga 
„reformierte Kirche", tess. bazerga 
, Hütte", frz. basoche. — Barloh, Dalmat. 
1.289; GStLItal. XXiX. 454: RlLomb. 
XXXIX, 611; ZVglSpF. XXXIX, 543. 
Auch algarv. baselga „Bauch", hasel- 
gada „Schwelgerei"? 

973. basilicöit (griech.) „Basilikum". 
[Cerign. vasemk-onle, abruzz. vasane- 

Ä'(5/f, sandeköl^, masaneköl^, abergam. 



basergö, trevis., venez. bazegö, veron., 
mant. bazalikö, gen. baSaikö, päd. ba- 
zalikö]. 

974. *bäsire (gall.?) „sterben". 

Ital. basire, nprov. bazl „sterben", 
namentlich von Tieren, piem., comask. 
zbazl „erbleichen" Diez, Wb. 356; 
Thurneysen, Keltorom. 83. (Air. bäs 
„Tod" würde gall. bässos lauten, wozu 
sich dann rom. bas- verhielte, wie 
vulglat. glösa zu griech. glössa). 

975. basis „Grundlage". 
Campodolc. bas „verfallenes Haus". 

— Ablt.: puschl. bazis, borm. baztc id. 
RILomb. XXXIX, 61 ; neap. vasule, siz., 
kalabr. basula, abruzz. basiile, irp. 
va^olo „Pflastersteine", lomb. basM 
„Stufe" StR. VI, 64; bergam. besel 
„Dreschflegelstiel" WS. I, 240. 

976. basinm „Kuß". 

Vegl. biss, ital. bacio, log. bazu, 
prov. bais, katal. bes, span. beso, portg. 
heijo Diez, Wb. 34. — Ablt.: rovign. 
bazädega „Brautgeschenk", prov. baisol 
„Küßchen", frz. baisenl „Kleberanft des 
Brotes" Cohn, Suffwandl. 232, saintpol., 
nam. baiiir id. (Span, bezo, portg. bei^o 
„Lippe" Diez, Wb. 34 passen nach 
Laut und Begriff nicht, lautlich auch 
nicht zu veltl. bedida „Lippe" RomF. XIV, 
427). 

977. *bassiare „senken", „niedrig 
machen". 

Neap. vasdre, frz. baisser, prov. bat- 
sar, katal. baixar, span. bajar, portg. 
baixar. — Ablt.: log. basn, siz. vasu, 
kalabr. vasu, neap., tarent. vase, katal. 
baix, span. bajo, porig, baixo „niedrig". 
Einführung 186. 

978. bassus „niedrig". 

Ital. basso, engad., friaul., frz., prov. 
bas. — Zssg.: frz. soubasse, soubasse- 
ment „Fundament", vend. abd „W^esten" 
Diez, Wb. 45; ALLG. I, 248. 

979. "^bastardus „Sohn einer Neben- 
frau". 

Frz. bdtard O^ ital., span. bastardo, 
portg. bastardc). (Ursprung dunkel. 
Zu *BASTUM „ Saumsattel " als „das auf 
dem Sattel erzeugte Kind" Diez, Wb. 45; 
R. Vn, 618 ist begrifflich unmöglich, 
auch bastard „Maulesel", d. h. „der 
Saumsattelträger", „uneheliches Kind" 
Caix, Stud. 8 geht nicht, da das Wort 
nie Maulesel heißt; zu B^i.srrAf „Stock" 
in der Bedeutung „wilder Schößling" 
ZRPh. XXXlll, 345 paßt des Suff, wegen 
nicht. Grundbedeutung ist: der aner- 

6* 



68 



980. *bastax — 987. batana. 



kannte Sohn eines Adeligen oder Für- 
sten, der nicht von der rechtmäßigen 
Frau stammt, s. Du Gange, Gloss. ha- 
stardus. Es handelt sich also um einen 
Ausdruck der germ. Herrscher, nicht 
der gallo-rom. Unterworfenen. Wenn 
der Völkername basternae, bastarnae 
, Blendlinge" bedeutet BGDSpL.XVII,37, 
so könnte das Wort eine Bildung von 
demselben Stamme sein, oder es kann 
zu bastum „Stock" gehören, wobei irgend- 
eine uns unbekannte rechtssymbolische 
Handlung zugrunde läge WS. I, 29. 
Herleitung von germ. bansts „Scheune" 
Spräkvet. Sällsk. Uppsala Förh. 1906— 
1912 ist sachlich ansprechend, setzt aber 
Schwund des -n- im Germ, voraus). 

980. *bastax (griech.) „Lastträger", 
2. bastasos (ngriech.). 

1. Aital. baslagio, venez. bastadzo, 
prov. bastais, katal. bastcix (> log. 
bastasu); mallork. baslas „Pflock zum 
Aufsprengen eines Deckels". 

2. Siz., kalabr. vastasn, tarent., neap., 
abruzz. vastase. Die ngriech. Foi'ui 
stammt aus dem Venez. — Diez, Wb. 46; 
Caix, Stud. 8; WS. I, 38. 

981. bastjau (germ.) „mit Bast ar- 
beiten", „geflochtene Häuser herstellen", 
„bauen", „nähen", „steppen". 

Ital. bastire „bauen", imbastire „step- 
pen", nordital. bastir „steppen", engad. 
bastii- id., frz. bätir „bauen", „steppen", 
prov. bastir id. „Sessel flechten", katal., 
span. „herrichten", portg. iös</;- „bauen". 
— Ablt. : ital. fc«s//a, ital., prov., katal., 
span., portg. basta „Heftnaht", davon 
span. bastear „steppen", bearn. bastä^ 
hübastd id., At. Ling. 1563; afrz. bastie 
(> ital. bastia > frz. bastillc) „Bastei" ; 
von bastia: ital. bastione (> frz. bastion) 
„Bastion" ; prov. bastida {> frz. bastide) 
„Belagerungsturm", „Ecktürme einer 
Stadtmauer", „Landhaus", spa.n. bastida 
„Schirmdach", portg. bastida „Schanz- 
pfahl" ; ital. bastimento, frz. bätiment 
„Schiff"; span., portg. bastidor „Stick- 
rahmen", span. auch „Fensterrahmen", 
portg. bastido „gesteppt", „wattiert"; 
parm., piac. basta „Verschlag" WS. I, 
29. (Zu griech. bastazo „stützen" Diez, 
Wb. 46; ZRPh. XXXHI, 344 erklärt 
den Konj. W. zu wenig). 

982. bastum „Stock". 

Ablt.: ital. bastone, frz. bdton, prov., 
katal., span. baston, portg. bastäo WS. 
I, 33. (Ob das spät überlieferte bastum 
oder BASTA lat. ist, bleibt fraglich, mit 



rom. bastone könnte es auf einen germ. 
männlichen «Stannn hinweisen. Zu- 
sammenhang mit griech. bastazo Diez, 
Wb. 46 ist kaum möglich). 

983. *üa8tuia „Saumsattel". 

Ital. basto, frz. bat, prov., katal. bast, 
span. basto; pi-ov. basta „Korb der 
Saumtiere", „Weinmaß", „Waschkorb", 
„zweirädriger Kairen". — Ablt.: frz. 
hateuil „Hinterteil des Geschirres der 
Saumtiere", nprov. embastä „packen", 
davon bästo „Flache". Auch versil. 
bastaca „Packseil", aperug. bastreca id., 
imbastecare „packen", sbastecare „ab- 
laden" Caix, Stud. 188. WS. I, 33. (Ur- 
sprung unbekannt, Zusammenhang mit 
bastazo Diez, Wb. 46 ist wenig wahr- 
scheinlich, da das Wort hauptsächlich 
Südfrankreich und Norditalien angehört; 
BASTAGA „Frontuhre" und basterxa 
„Sänfte" sind kaum verwandt). 

984. *ba8tus „gestopft". 

Span, basto „mit Lebensmitteln ver- 
sorgt", „plump", „grob", portg. basto 
„dicht", „gedrängt", „reichlich". — 
Ablt.: ital. bastare, prov., katal., span., 
poilg. bastar „genügen", aital. auch 
„dauern", log. astare „auslangen". (Ur- 
sprung unbekannt, vielleicht zu span. 
bastir „ausrüsten" WS. I, 32 oder zu 
bastazo „tragen", „ertragen", „dauern" 
ZRPh. XXXHI. 344). 

98.5. bat (ags., anord.) „Boot". 

Ablt.: frz. bäteau (> ital. battello, 
prov., katal., span., portg. batel). — Rück- 
Jiild.: ital. batto. Ausgangspunkt ist 
Nordfrankreich, daher ital. batto nicht 
direkte Wiedergabe des germ. Wortes. 
Diez, Wb. 47; FrzSt. VI, 10. 

986. bataculare „gähnen". 
Bologn., ferr., parm. zbadaca{re), 

venez. zbacar, piem. bayi^ gen. bagä, 
afrz. baailUer, nfrz. ballier, prov. ba- 
dalhar , katal. badallar. Auch pi- 
kard. beye, arbeye „blicken" At. Ling. 
1140. Die italienischen Mundarten 
zeigen z. T. den Reflex von -ly-: siz. ba- 
daggyari, dann -i- statt -«-: tosk. sba- 
digliare. — Ablt.: canav. baöa, ambaca 
„Spalte in der Mauer", „Licht.strahl", 
„Sonnenstrahl, der durch die Wolken 
bricht". — Diez, Wb. 35; Mussafia, Beitr. 
97; AGlIlal. XIII, 414; ZRPh. XXVIII, 
642. (Abergam. sbadigia „Ramme" 
Lorck, Abergam. Sprachd. 278 ist be- 
grifflich nicht erklärt). 

987. batana (arab.) „Schaf leder". 
Span,, portg. badana (> katal. beana 



988. balare — 995. battualia. 



69 



y prov. hezana y frz. hnsane, ital. 
besann). Diez, Wb. 4!29; Dozy-Engel- 
mant). Gloss. !2.31; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 3^29; R. XXXV, 4()(). 

988. batarc (Schallwoit) ,den Mund 
aufiiiachen", 

Jtal. hadare (> log. hadare) , zau- 
dern", ,aclit geben", piac. hadil', pav. 
bdffä „halb ölfnen", ferr. badar „be- 
wachen", friaul. abadd „betrachten", 
afrz. bner, nfrz. bder, baije>- „vergeblich 
warten", „nach etwas begehren", prov., 
katal. badar „gaffen", „harren", gevaud. 
badä „öffnen", bress., lyon., forez., 
dauph. badä „herausführen", gilb, badä 
„heruniirren", Puy-de-D6me: öorf« „auf- 
gehen von Knospen", katal. badar „spal- 
ten". — Ablt. : ital. stnr a bada „har- 
ren"; frz. baie (y ital. abbaino „Dach- 
fenster") „Fensteröffnung", venez. ba- 
roal, pac}. baorel, wallon. bawet, Meuse 
bavret, burot „Dachfenster" AGlltal. 
XVI, \m; ZRPh. XXXII, 493; NPhM. 
1909, 102; frz. abie „Schleuse"; afrz. 
abayette, prov. bada „Schildwaclie", 
romagn. abet „Wache"; piac. badin 
„Taglöhner"; prov. badaü (> frz. ba- 
daud), badiu „Maulaffe"; afrz. ba'if 
„müßig zusehend", „gaffend", nfrz. ba- 
lii'eaux „junge Reiser", als „die noch 
harrenden", „müfsig zuschauenden" 
SBPreußAWBerlin 1896,859; R. XXXV, 
623; afrz. baerne „abgegrenztes Stück 
Meerwasser, aus welchem durch Ver- 
dunstung Salz gewonnen wird" (> bre- 
ton. ädern > frz. aderne, RCelt. XXVII, 
144), aprov. *baderna „Fensteröffnung", 
davon nprov. desbndernä, lyon. ebarnö, 
katal. abadernar „die Fenster aufreißen" 
R. XXXIll, 214; ZRPh. XXIX, 244. — 
Zssg. : hz.bigueiilc „Maulaffe"; ital. fta- 
derlare, badaluccare „warten", apav. 
baiichar, piein. büke, monferr. beiki 
„blicken" RILomb. XXXVII, 530; aret. 
ahadalilläre „tändeln", lucch. abbagat- 
tare „hinhalten". Diez, Wb. 35. (*Ba- 
DARE ALLG. F, 247 ist wegen prov. -d- 
unmöglich, vgl. battat CGIL. V, 347,50; 
WSt. XXIV, 111; ?i\z.zbadari „öffnen", 
s. .9585; frz. baie „Posse" Dict. Gen. ist 
kaum von gleichbedeutendem ital. baia, 
venez. baga, span. raga zu trennen, 
gehört also nicht hierher; aspan. abä, 
abate „weg da" ist als katal. denkbar. 
Frz. balicean zu afrz. besUf „ungleich" 
ZRPh. XXIX, 624 ist begrifflich nicht 
überzeugend. Prov. debada .umsonst" 
s. 991). 



989. bateka, pateka (malaylsch) „Art 
Melone". 

Indoportg. jjateca, frz. pa(s)tiqiie SBPli 
HKlAWWien CXXII, 12, 56. (Wohl von 
1135 zu trennen). 

990. baticilla „Meerfenchel". 

Frz. bacille (^ ital. baciglia), nprov. 
bac/'lo. Behrens, Frz. Wortg. 18. 

991. batil (arab.) „müßig", „wertlose 
Sache", „umsonst". 

Span, baldn „wertlose Sache", span., 
portg. baldlo „unnütz", „leer", „un- 
angebaut", portg. baldo „arm"; span., 
portg. de balde, en balde „unentgelt- 
lich", „ohne Erfolg" ; katal. de (en) bades 
(y sard. de badas), jiroy. de (en) bada(s), 
südostfrz. de bada, gen. de badda, triest., 
venez., vicent. de bando , romagn. 
d banda, friaul. di baut, tirol. de bant, 
obwald. adumbatten, südital. mbatnla 
„umsonst". — Diez, Wb. 38; LBlGRPh. 
XX, 321 ; ZRPh. XXXII, 465. Die -n- 
Formen und obwald. -t- sind nicht ge- 
klärt. (Span, baldon, portg. baldäo 
„Tadel", „Beschuldigung" Diez, Wb. 38 
gehören kaum hierher). 

992. batilluni „Schaufel", 2. *batile. 
2. Ital. badile, mail. baira, span. 

badüe, portg. badil ALLG. I, 249; vgl. 
997. 

993. batsarra (bask.) „Getümmel", 
„Wirrwarr". 

Gask. batsarre {y frz. bagarre) ZRPh., 
Bhft. VI, 6. 

994. battnaculuni „Klöpfel", „Glok- 
kenschwengel". 

Ital. battacchio, engad. battngl, frz. 
baiail, prov. batalh (> ital. baftaglio), 
katal. batall, span. badajo, auch 
„Schwätzer" (y portg. badajo id.), 
portg. badalo mit auffälligem -/-; grödn. 
batatl „Quaste", gen. battnggi „Bei"- 
locke". — Mit Suff. W. : ital. battocchio,. 
namentlich nordital.; bresc, veron. 
batocol{ö), parm., venez , päd. batoöo de 
forka „Galgenstrick". — Ablt.: comask^ 
batagä „schwatzen", batag „Schwätzer". 
Mit unerklärtem Anlaut prov. matai 
„Klöpfel" und mit verändertem Suff^ 
matable. (Al)ergani. bagioch, lomb., 
emil. badok „Schwätzer" scheint auch 
hierher zu gehören, kaum zu baculvm. 
Lorck, Abergam. Sprachd. 293). 

995. battnalia „Schlacht". 

Rum. bätaie, ital., engad. battaglia, 
ir'vAüX. bataye, frz. bataille, prov. batalha, 
katal. batalla (> span. batalla, portg. 
batalha) Diez, Wb. 46; ALLG. 1,249. 



70 



996. battuere — 1005. baukn. 



996. battuere , schlagen ^ 

Rum. bäte, ital. hattere, campid. hat- 
tiri, engad. batre, friaul. bdti, frz. battre, 
prov., katal. batre, span. batir, portg. 
iater. — Ablt.: mazed, bäfa^e , Mör- 
ser" ; ital. battola , Schlagholz in der 
Mühle", ,, Karfreitagsratsche ", venez., 
päd. hatarella id., lomb., venez., emil. 
bat{o)la, veron. batarella „Schwätzer", 
lidX. battolare „schwatzen" Lorck, Aber- 
gam. Sprachd. 293; RFICl XXXV, 82 ; 
apav. batuo „Flagellant", npav. batü, 
monferr. iaii „Ordensbruder" BSPavStP. 
I, 33; afrz. batterie „Schlägerei", baf- 
terie (fartillerie, später einfach batterie 
(> ital. batteria, span., portg. batteria) 
„Batterie"; ital. battigie, prov. batige 
„Herzklopfen"; nprov. battüdo „Treib- 
jagd", „Treibfischen" SBPhHKlAWWien 
CXLI, 3, 168; prov., katal. batun (> 
span. ftato») „Walkmühle". Battere ist 
vielfach das Wort für Dreschen mit 
dem Flegel, Ablt. wie batta , batail 
u. dergl. für den Flegel oder dessen 
Teile WS. I, 238, dann für Hanfschla- 
gen und Wolleschlagen, daher afrz. 
batoir „Hanf breche", franche-comt. betu 
„Hanfbündel", wallon. bäte Fem. „20 Pfd. 
Wolle", d. h. soviel Wolle, als auf ein- 
mal geschlagen wird, nprov. batüdo id. 
Behrens, Frz. Wortg. 24. — Zssg. : frz. 
battant l'oeil (> ital. battiloglio, battiloc- 
chi(j) „Morgenhäubchen" AGIItal. XHI, 
388; span. arrebatar „wegreißen". 
Diez, Wb. 46; ALLG. I, 249. (Ital. 
battostare ist in seinem zweiten Teile 
unklar, *TVSiTAitE Caix, Stud. 191 ist 
wegen -o- unmöglich; ital. battolare 
BLATEEARE Caix, Stud. 189 steht laut- 
lich zu fern). 

997. *batalus (zu batülum^ 

. Span, balde „Eimer", portg. balde 
„Schaufel", „Üüngerschüppe" ZRPii. 
XXXII, 467. 

998. bätze (schweizd.) „Geld", „Bat- 
zen". 

Ital. bezzo Diez, Wb. 557. 

999. bau (Kinderwort zur Bezeich- 
nung des Häßlichen, Furchterregenden). 

1. Tess., veltl. bau, trient. bo, zbao 
„Käfer", piem. boya, baboya „Raupe", 
log. bobhoi „Bezeichnung der Insekten", 
bobhoi de fa „Bohnenwurm", babboi de 
soU „Hirschkäfer", bohboredda de arena 
„Sandfloh", bohoressina „Ameise", bab- 
ballottu, babbauzu „Insekt", friaNl. boze 
„Käfer", prov. bahau „Insekt", „Laus", 
böbo, babo „Insekt", „Larve", babort 



„SchmelterUngspuppe", babot, babarot, 
barbot „Samenkäfer", baubi, baboi 
„Maulwurfsgrille". 

2. Ital. far bau bau, baco baco, nordital, 
babao „Kinder erschrecken", rum., gen. 
bahau, siz. babbau, piem. baboya, ber- 
gam., friaul. babö, prov. babao „Schreck- 
gespenst für kleine Kinder", lomb. bau 
„Teufel". Vielleicht ist von 2 auszu- 
gehen, und in dem bati eine Nach- 
ahmung des Hundegebells zu sehen; 
die Verdoppelung bau bau, dissimiliert 
zu babau, führt zu 852 hinüber, die Ein- 
schaltung des -/•- zu 944. — AGIItal. 
XVI, 366; ZRPh. XXVI, 396; XXXII, 
363; Rolla, Fauna pop. sard. 8. 

1000. *baua „Kot", „Schlamm". 
Frz. boue, puschl. bgga. (Ursprung 

unbekannt, kynir. baw Diez, Wb. 539 
steht vereinzelt da und scheint aus dem 
Frz. entlehnt zu sein). 

1001. *baubHlare „bellen". (Zu lan- 
bari). 

Siebenb. bäunä „heulen" ZRPh. 
XXXIII, 232, val-ses. baule, bagoli, log. 
baulare. 

1002. baucalis „Krug". • 

Ital. boccale (> ohwald. bukkal, prov. 
bocal, katal. brocal, log. brokkale mit 
Anlehnung an broca 1320), span., portg. 
bocal Diez, Wb. 57; ALLG. I, 249. 
Vielleicht stammt auch span , portg. aus 
dem Ital. 

1003. baug (fränk.) „Ring", „Arm- 
band". 

Afrz. boH, prov, laue Diez, Wb. 528; 
FrzSt. VI, 119. 

1004. bauga (langob.) „Ring". 
WsA.boga „Hammerhülse"; liaX.bora, 

venez., veron., lomb. boga, parm. 
böga, altuengad. bouqua „Fessel" Diez, 
Wb. 359; ZRPh. XXIV, 65. (Zu boja 
1190 Mussafia, Beitr. 34 ist lautlich un- 
möglich). 

1005. baukn (germ.) „Zeichen", 
„Boje", 2. baak (niederl.) „Boje". 

1. Frz. bouee (> niederl. boei > ital. 
boia, span. boya, porig, boia). Frz. bou^e 
stellt die Fixierung des Wortes durch 
die Schrift dar, zur Zeit, da altes boie 
buee gesprochen wurde SBPreußAW 
Berlin 1896, 862; ZRPh. XXV, 345. 
{Boia Diez, Wb. 57 ist lautlich ab- 
zuweisen, doch sind bei batikn die for- 
malen Verhältnisse nicht ganz klar, da 
die Grundform des frz., genauer norm. 
W^orles *bauka wäre). 



lOOÜ. bausi — 1013. b^ccus. 



71 



2. Walion. baken ,Boje in der Meuse", 
nprov. bago. 

1()0(). bansi (germ.) , Bosheit", ^List", 
^Betruf,'" ; vgl, mhd. diu böse. 

Afrz. boise, prov. bauza. — Ablt. : 
afrz. hoisie, prov. bmizia (> ital. bugia, 
friaul. boiizie, vegl. bozea), ahz. boisier, 
prov. bauzar , betrügen" ; prov. bauzaire 
(> avenez. bnziero, tirol. bozar, ital. 6m- 
f/iardo, mall, bosndor Mussafia, Beitr. 36; 
Batlisti, Vok. A 103) .Betrüger", .Lüg- 
ner". Nach aCrz. voisdie 9503 auch 
hoisdie SBPreußAWBerlin 1904, 1271. 
- Diez, Wb. 73; FrzSt. VI, 119; ZRPh. 
XXll, 201; XXIV, m. 

1007. '^bautan (germ.) .stoßen", 
2. botan (tränk.). 

2. Frz. bouter, prov. botar O ital. 
hnttare, span., portg. botar). In frz. 
und rätor. Mundarten hat das Wort die 
Bedeutung .hinstellen", .hinlegen" an- 
genommen, ist dadurch mit miti'kre 
zusammengetroffen und nun mehrfach 
in die dritte Konj. übergetreten, Rom. 
Gram. II, 124. — Ablt : ital. botto 
.Schlag", .Hieb", .Stoß", botta (> frz. 
botte) .Stoß", .Hieb" (als Ausdruck des 
Fechtens), frz. bout .Spitze", .Ende", 
<lazu: aboufer .zu Ende kommen", de- 
bout .an der Spitze", .aufrecht", prov. 
bot O span., portg. böte) .Schlag", 
.Ende"; ital. botta .Kröte", puv., mail. 
bgtta .Kaulquappe", .Gründling", regg. 
bötfei, pav., comask. bottoln id , dazu 
arcev. abbotta .aufblasen"; frz. boiiton 
iy ital. bottone, span. boton, porig. 
botcio) .Knopf", .Knospe"; ital. boto, 
span., porig, boto .stumpf", afrz. jnet 
bot .Klumpfuß", prov. boti .Tölpel". — 
-f- scnqliare: perug., aret. buTere .wer- 
fen" GStLIlal, XXIV, 207. — Zssg,: frz, 
bojit dliomme .kleiner Mensch", morv, 
bodöm .Karikatur", mit Ausgangs- 
wechsel: metz, bodik .häßlicher Mensch" 
ZRPh. XXI, 40] ; lucch. corsoboddaglio 
.Was.serschlange", mail, bottarana, ve- 
nez. ranabottolo, piem, rauabot .Kaul- 
quappe", uengad, rambott .Bachgrun- 
del", .Knirps". Diez, Wb. 61; ZRPh, 
XV, 98. (Das Verhältnis der verschie- 
denen Wörter ist unklar, die Bedeu- 
tungsentwirkelung wäre etwa: .an- 
gestoßen", .abgestumpft", doch erregt 
.uuh der Wechsel von -p- und -q- Be- 
tienken, die durch die Verschiedenheit 
der gotischen und fränkischen Form 
nicht behoben werden. Bergam. botm 
.Gründling", mail. botsa .Kaulquappe" 



entfernen sich auch im Konsonanten. 
Frz, rabot .Hobel" Gade, Handwerkzgn. 
22 ist begrifflich und formell schwierig, 
runi. bunduc, bondoc ZRPh. XIX, 187 
gehört keinesftxlls hierher. Zusammen- 
hang der Sippe mit hd. biUze Diez, Wb. 
62 geht lautlich nicht, da butze aus 
buqze entstanden ist). 

1008. »ba-ut .Koffer". 

Ital, baute, alrz. bahut, prov. baue, 
span, baül, portg. bahu(l). (Das Etymon 
i.st ganz unbekannt, bajulus Diez, Wb. 
47 oder ahd, behöt ist lautlich un- 
möglich). 

1009. Bayotine (Stadt in Südfrank- 
reich). 

Frz. ba'ioneite .Bajonett", weil diese 
Waffe in Bayonne zuerst verfeitigt 
wurde Diez, Wb, 516. 

1010. bazar (pers.) .Markt". 

Ital. bazzar, frz,, span., portg. bazar. 
(Ital. bazzarare .täuschen", .betrügen", 
siz. bazzariotti .Betrüger" ZRPh. XXV, 
747 hat stimmhaftes, bazzar stimmloses 
-z-, daher ein Zusammenhang frag- 
lich ist). 

1011. bazz (arab.) .erbeuten". 

Ital. bazza, katal. basa, span. baza 
.Stich im Kartenspiel" ZRPh. XXV, 747. 
(Mhd. bazze .Gewinn" Diez, Wb. 47 
scheitert an dem stimmhaften -z-, wie 
auch Zusammenhang mit bazzicare .mit 
jemandem verkehren" nicht möglich 
ist, da dieses stimmloses -z- hat; bazza 
.spitzes Kinn" dU R. XXXI, .523 ist 
begrifflich wenig wahrscheinlich), 

1012. beber .Biber", 

Aital. berero, afiz, bih're, aspan. befre, 
nprov, ribre, fibre, bivre, span., portg. 
bibaro. Die Geschichte des Wortes ist 
nicht klar, afrz, bi^vre ist vielleicht ags. 
beofor Beitr. z. rom. u. engl. Phil. 214 
und auch für aspan. befre ist dies wahr- 
scheinlich, ebenso kfvnn ital. beeero ein 
germ. bebrus darstellen, so daß beber 
bei Priscian zu den germ. Bestandteilen 
des lat, Wortschatzes gehören würde. 
Die -i- Formen beruhen auf späteren 
Entlehnungen aus dem Germ. — Diez, 
Wb. ÖO; ALLG. I. 250; R. XIII, 446; 
Brückner, Cliarakt. germ. Elem. Ital. 6, 
(Rum. brebu ist wohl slav., kann jeden- 
falls nicht direkt mit beber verbunden 
werden). 

1013. beccns (gall.) .Schnabel". 
Ital. be'cco, log. bicai, frz., prov., 

katal. bec .Schnabel", span. bico .schna- 
belförmige Spitze auf einer Samlmütze", 



72 



1014. *becos — 1027. bellus. 



portg. bico , Schnabel" ; Schweiz, be 
, Rebschoß" ZRPh. XXVI, 50. — Ablt.: 
ital. beccaccia, prov. becasa (> frz. be- 
casse >• rum. hecafä), limous. bechado, 
katal., span. becada „Schnepfe", afrz. 
beqain, bechet, anj. beke, b.-inanc. bece, 
alyon. &ecÄe , Hecht", afrz. bechetel ,Art 
Lachs"; ital. beccare „picken", „hacken", 
frz. becquer „schnäbeln", Doubs: bohe, 
jur. bike „küssen", pikard. bek, Allier: 
hu de be, jur. bikä, gir. bikadü „Kuß", 
nprov. bekä „hacken", gay. bese „aus- 
schlüpfen" (von Vögeln), frz. abecher 
„atzen" ; frz. bequille „Krücke", bequettes, 
beguettes „kleine Zange" Gade, Hand- 
werkzgn. 8. - Diez, VVb. 47 ; ALLG. I, 249. 
(Im Sard., Span., Portg. scheint sich 
PIK 6590 eingemischt zu haben ; bergam. 
betsola „dicke Lippe", span. bezo, portg. 
beigo „Lippe" R. XXXI, 524 ist mor- 
phologisch und begrifflich schwierig; 
mail. gepa „spitzes Kinn" ebenda, s. 
4702; frz. beche Diez, Wb. 47 s. 1123). 

1014. *becos (gall.) „Biene". 
Nprov. beko „Biene", „Wespe". — 

-f aficula: nprov. beTo. — Ablt.: 
katal. baqot „Biene", „Stechfliege" 
ZRPh. XXIX, 402. 

1015. Beculf (Eigenname). 

Frz. bacoule „Frettchen" ZRPh. XIX, 
99.—? 

1016. bed(fränk.) „Bachbett", 2. bett 
(nhd.). 

1. Gen. beu, tagg. beiiu, frz. hief, Mez, 
nprov. bezo, überall „Mühlgraben", Jur., 
Schweiz, bi, Wallis, bis „Bach", boul. 
bief „fester, nicht zu bebauender Bo- 
den". — Ablt.: piem. btjal, aprov. 
bezal, piem. byalera, wald. biäriärä 
„Mühlgraben", sav. bt/ala „Bacharm". — 
Diez, Wb. 523; FrzSt. VI, 85; BGlPSRom. 

.VIII, 13; AGlItal. XIV, 3-58. (Frz. abee 
AGIItal. XV, 275 s. 988). 

2. Saint-Hub. bet „schlechtes Bett". 

1017. beff (Schallwort). 

Ital. far beffe „verspotten", beffa 
„Spott", beffare „verspotten", ai'rz.befe, 
nfrz. beffe}-, span. befar; span. befo 
„Unterlippe des Pferdes" ZRPh. X, 171. 
(Germ. Ursprung Diez, Wb. 48; FrzSt. 
VI, 90; bifidus RomF. I, 111 ist teils for- 
mell, teils begrifflich abzulehnen). 

1018. bega (got.) „Streit". 

Venez., comask., bergam., tirol. bega, 
friaul. bege. Aus Norditalien : ital. bega, 
viar. bega „lange Geschichte" Brückner, 
Charakt. germ. Elem. Ital. 10. (Ahd. 
baga mit emil. Wandel von -a- zu -e- 



ZRPh. XXVIII, 176 widerspricht der 
geographischen Verbreitung). 

1019. begarmodi (türk.) „Herren- 
birne". 

Ital. hergamotta (^ frz. bergamote, 
span., portg. berqamota) „Bergamotte" 
(Birnenart) Diez, Wb. 49; ZRPh.XXXH, 
41; XXXm, 62. 

1020. beii^an (ahd.) „beizen", „jagen", 
2. paiz (bayrisch-österr.) „Beize". 

1. Nordital. paisar „jagen", trevis. 
paisa „Jagdlier" Diez bei: Stengel, 
Erinnerungsworte an Friedrich Diez, 92. 

2. Istr., Maul, metar in pais „Fleisch 
beizen" PIstr. VI, 269. 

1021. belare „blöken". 

Ital., log. belare, campid. abeliai, 
frz. beley, prov., katal. belar. Neben 
frz. beler steht afrz. beeler, aoslfrz. 
baaleir, lothr. boaU als schallnach- 
ahmende Zerdehnung Dict. Gen.; ZRPh. 
XXVII, 124. — Diez, Wb. 48; ALLG. 
I, 249. (Kaum pikard. 6er?e „schreien", 
„weinen" ZRPh. XXI, 231; rum. sberä 
s. 8667). 

1022. beleuiou (griech.?) „Gift- 
pflanze". 

Span. öe?e/lo, veleno (> portg. belenho) 
„Bilsenkraut", vgl. obwald. vilomna 
„Nieswurz", log. bidduri „Schierling"? 
(Ags. belene, russisch belena Diez, Wb. 
432 stehen zu den romanischen Wörtern 
in keiner direkten Beziehung). 

1023. belihha (ahd.) „Wasserhuhn". 
Frz. belUque Mise. ül. ling. 43. 

1024. bella (fränk.) „Glocke". 
Ablt.: afrz. belin, belier „Widder", 

lyon. belot „Lamm", frz. biliere „Klöp- 
pelring an der Glocke" Diez, Wb. 519; 
FrzSt. VI, 84; ZRPh. XXIX, 407. 

1025. bellota (arab.) „Eichel". 
Span., valenc. balota, portg. belota, 

bolota, boleta Diez, Wb. 432; Dozy- 
Engelmann, Gloss. 239; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 343. 

1026. bellua „wildes Tier". 

Rum. balä „Untier" Tiktin, Wb., ital. 
belva, aportg. belfa. — Ablt. : frz. bean- 
rotte „Korn wurm", Dict. Gen.V (Oder 
rum. balä zu 853). 

1027. bellus „schön". 

Vegl. bial, ital. hello (> log. bellu, 
span., portg. hello), engad. hal, friaul. 
hiel, frz. beau, prov. bei, katal. bell. 
Die Bedeutung „gut", „heb" liegt vor 
in rum. balä, bia „Anrede an weib- 
hche Personen", dann siz., abruzz., 
amail., afrz., nfrz. noch in heau-frere 



1028. bene — 1035. benna. 



73 



u. deryt. Tappolet, Verwand tschaflsn. 
1:24: „viel" in temp. (tbeddii AGlItfil. 
XIV, 386; steigernd in ohvvald. ella ei 
bctl'e penmln ,sie ist ganz allein", in 
In bicn um „ein sehr guter Mann", 
vgl. auch ital. bell'e fatto u. dergl., abel- 
hiw.d'un bei zeqner „mitten im Jänner" 
AGIItal. XVI, ^288. — Komparativ: afrz. 
belnire, belezour. — Ablt.: mail. bilora, 
misox., bonn. berola, gen. belua, piem., 
])resc., borgani. b^nola, rcgg. bendla, 
l'err. bendnla, moden. hevln, log. be(l- 
dula, lucch. be/lcndora, asiz. billoitulu, 
nsiz. baddottnln, kalabi". heddottuln, frz. 
belette „Wiesel" AGIItal. 11,47; RILonib. 
XL, 1107; AGIItal. XVI, 4:52; frz. henuU, 
prov. beitat (> ital. beltä, span. beltad, 
portg. beilade) „Schönheit", lütt, b^te 
„Mond"; nprov. beliero „schönes Wet- 
ter", limous. belt^ „Februar" Merlo, 
Stag. mes. 114; aspan. belido, aportg. 
velido „schön"? — Zssg. : piem. dezbU 
„verderben", valsoa. dehelar, canav. 
diiblar „verderben", „zerstören", dezbel 
„Verwüstung", monferr. zbela, zblun 
„zerlumpt", „Bettler" ZRPh. XXVIIl, 
643; afrz. beatibel „Spielzeug" ZRPh. 
XXII, 263; frz. benucoiip „viel". — Diez, 
Wb. 518; 519; ALLG. 1. 249; VI, 379. 
(Frz. bibelot ZRPh. XXil, 263 paßt 
lautlich nicht, s. 1073; noch weniger 
babioles, s. 852; frz. belette zu kymr. 
bele Diez, Wb. 519; ZVglSpF. XXX, 351 
ist möglich, vielleicht ist belette auch 
nur durch den Anklang an das kymr. 
Wort hervorgerufen AStNSpL. CXXIII, 
15; ZRPh. XXXII, 11; XXXIV, 215). 

1028. bene „gut". 

Rum. bine, vegl. bin, ital., log. bene, 
engad. bain, friaul. bin, frz. bien, prov., 
katal. be, span bien, portg. bem. Das 
Wort ist im Romanischen auch Subst., 
als Adv. in Süditalien, Istrien und Maze- 
donien durch liONV ersetzt. — Ablt.: 
aprov. abenar „verbessern", nprov. 
libenä „nützlich machen", lyon. abend, 
daupl). abenar „Vögel aufziehen". 

1029. beiiedicere „segnen". 

Ital. benedire, log. beneigere, engad. 
benedir, friaul. binidi, frz. bhiir, afrz. 
auch benistre, prov. bendir, benezir, 
katal. benehir, span. bendecir, aportg. 
henzcr, npoitg. bendicer; auch pav. 
bandzi „etwas zum ersten Male ge- 
brauchen" Mussafia, Beitr. 70. — 
Ablt.: abologn. benedesone „Kuchen", 
lomb. betiis „Gebäck", lucch. benedica 
, Geschenk an die Wirtschafterin beim 



Vorkauf eines Kalbes", crem, benediga 
„Konfekt", nbolo^n. bandiya „Schmaus 
der Arbeiter am Schlüsse einer Arbeit". 
Die ursprüngliche Bedeutung aller dieser 
Wörter ist „Hochzeitsgebäck", vgl. lomb. 
abenizis „die nötigen Formalitäten zur 
offiziellen Verlobung erfüllen* R. XX VIII, 
93; AGIItal. XIV, 206; XVI, 433. 

1030. benedictiiä „gesegnet". 

Ital. benedetto, afiz. beneoit, nfrz. be- 
net, prov. benezech, bezenech, katal. 
beneit, portg. bento. 

1031. *benefactoria. 

Span, behetn'a „Freistadt" Diez, Wb. 
431. 

1032. beiiefleiuui „Wohltat". 

[Aforez. benevis, alyon. abenevis „Ab- 
lösungssumme für Wasserrechte" oder 
„für Übertragung von Wa.sserrechten"]. 
— Ablt.: abenevisei- Thomas, Mel. 31. 

1033. beneAearc „wohl tun". 
Judfrz. bonijer. 

1034. benignus „gütig". 
Avicent., alomb., march. belegno. — 

Ablt.: tosk. bilignitä. [Ital. benigno, 
frz. bSntn, span., portg. benigno Cohn, 
Suffwandl. 169]. (Einfluß von bello auf 
die italienischen Formen KJBFRPh. I, 
124; 126 ist nicht nötig, vgl. Bologna 
BONONiA und die Ortsnamen S. Belegno 
in Italien, Blin, Broing in Frankreich 
aus Benignus). 

103.5. benna (gall.) „Korb", „Korb- 
wagen", „Korbschlitten". 

Norditaj. benna, montal. benda „Wa- 
genkorb" Caix, Stud. 162; castel. b§na 
„Hütte", viver. bana id., engad. benna 
„Mistschlitten", frz. banne „Wagenkorb", 
val deSaire: ban „Wagenleiter", waatl. 
bena „Bienenkorb", grey. beda id., 
nprov. beno „Wagenkorb", „Korb beim 
Saumsattel", auvergn. bene „Korb". — 
Ablt.: borm. bendla, judik. banöl 
„Korb", uengad. banait „Mislwagen", 
frz. banneau „Kübel". „Maßeinheit für 
Flüssigkeiten" ZFrzSpL. XXXVI, 123, 
berrich. bentö „Maß für Früchte" ; afrz. 
banaate, prov., katal. (> span.) banasia, 
piem., monferr. banastre „großer Korb". 
Diez, Wb. 48; ALLG. I, 2.50; Thurn- 
ey.sen, Keltorom. 46. (Banasta nach 
CANASTA 1594 R. V, 167 ist abzuweisen, 
da die Verbreitungsgebiete der beiden 
Wörter ganz verschiedene sind; Suff. 
-ASTEJi Diez, Wb. 48 paßt begrifTlich 
und formell nicht, da die älteste Form 
deutlich banasta ist. Es handelt sich 
vermutlich um eine gall. Bildung. Crem. 



74 



1036. *benniola — 1048. berniya. 



henolsa , Mühlgraben" ist begrifllich 
vorläufig noch zu fern liegend). 

1036. *beniiiola , kleiner Korb". 
Nprov. heflolo „Korb". — Rückbild.: 

nprov. higm, hegno. — Mit Suff. W.: 
nprov. hegnun (> frz. hignon) , Reuse", 
,Netz". {*Bennio für hignon Thomas, 
Mel. 33 ist wohl nicht nötig). 

1037. beost (fränk.) „Biestmilch". 
Afrz. best, beif. hatre. — Ablt.: nfiz. 

häon „Biestmilch", afrz. bester „gerin- 
nen", val de Saire: dehetö „auftauen" 
R. III, 145; Diez, \Vb. 52^; FrzSt. VI,89. 
(Frz. heton „Beton" gehört nach Form 
und Bedeutung zu 1137). 

1 038. bera (urfränk.), 2. bara (langob.), 
3. bare (mhd.) „Bahre". 

1 . Afrz. hiere, prov. bera, bedeutet in 
nfrz. Mundarten mehrfach „Sarg" At. 
Ling. 214. 

2. Ital. bm-a. — Ablt : ital. harella 
„Trage", ital. barile, log. balire, afrz., 
prov. haril (> span., portg. harril) 
„Faß" At. Ling. 1313; afrz. harisel 
„kleines Fäßchen", afrz. hartiel, prov. 
irtro?„Fii&", „Flüssigkeitsmaß" ZFrzSpL. 
XXVI, 123; frz. barot „Schubkarren". 

3. Comask., engad., tirol. bara. 
Diez, Wb. 41; FrzSt. VI, 77: ZRPh. 
XXIV, G2. (Ital. berlina „Pranger" s. 
1043, frz. pilori, prov. espitlori, portg. 
2)elourinho „Pranger" AGlItal. III, 336 
ist formell unmöglich , frz. barot zu 
harre ZRPh. XIX, 101 geht begrifflich 
nicht). 

1039. Berecyniliia „die Göltermutter, 
deren Feste in orgiastischer Weise ge- 
feiert wurden". 

Lucch. baracundia „Getümmel", siz. 
baraunna, span. barahunda (> ital. 
baraonda), portg. harafunda, ital. auch 
■ barabuffa, frz. haragouin „Kauderwäl- 
lisch", astur, baragana „Ort der Ver- 
wirrung" ZRPh. XXVIII, 154; 741. 
(Zweifelhaft. Die Form der zweiten 
Hälfte bei einem der mündlichen Über- 
lieferung angehörigen Worte und das 
-h- und -f- auf der iberischen Halbinsel 
sind auch bei Annahme einer Ver- 
mischung mit CONFUNDERE, CONFUSUS 
nicht recht verständhch; bei frz. hara- 
gouin macht die Bedeutung Schwierig- 
keit und bleibt der Ausgang unerklärt. 
Die übliche Deutung von haragouin aus 
breton. harn gwin „Brot", „Wein" ist 
inhaltlich unmöglich). 

1040. Bergamo (Stadt). 

Ablt.: frz. braqnemard „altes, breites 



Schwert" RomF. XIV, 635. (Ital. herga- 
motta „eine Art Birne" ZRPh. XXX, 315, 
s. lOW). 

1041. bergfrid (fränk.) „Wachturm". 
Ital. battifredo, afrz. herfroi, nfrz. 

beifroi Diez, Wb.47; FrzSt. VI, 83; Beitr. 
z. rom. u. engl. Phil. 55. 

1042. *berkjau (germ.) „schreien" 
(anord. berkja, engl. hark). 

(Ital. berciare, bersciare Caix, Stud. 
197 ist wenig wahrscheinlich, ebenso 
wenig *VERSiARE R. XXVII, 221, das 
auch begrifflich sehr bedenklich ist. 
Schall wort?). 

1043. Berlin (Stadt). 

Ml'rz. herliyie, hreline, herlingne, her- 
linde, nfrz. i<v7/«f (^ ital., span., portg. 
berlina, portg. berlinda) „eine Art Kut- 
sche" Diez, Wb. 521. Dazu ital. fef-W/H« 
„Pranger"? (Pikard. grä beriete „Hure" 
ZRPh. XXI, 231 überzeugt nicht; ber- 
lina „Pranger" zu bera 1038 AGlItal. 
III, 336 ist formell und begrifflich nicht 
möglich, zu BURRA SBPhHKlAWWien 
CLVI, 5, 40 macht morphologisch 
Schwierigkeit). 

1044. bernian (nd.) „Lastträger". 
Norm, hruman, herman, breman, pi- 

kard. hriamnn, gask. hraiman Behrens, 
Frz Wortg. 32; Thomas, Nouv. ess. 184. 

1045. berme (nd.) „Deichsnhle". 
Frz. berme (> span. hermo) „Rand 

am Festungsgraben" Diez, Wb. 521; 
ZRPh. XIX, 349. Auch norm., saintong., 
morv. bern „Straßenrand", „Flußufer"? 
(*Bassima ZRPh. XIX, 55 ist lautlich 
und formell unmöglich). 

1046. berme (nd.) „Hefe". 

Vrz. berme „Gärtonne". — Ah\i.: ber- 
nner „Brauknecht" Behrens, Frz. Wortg. 
23. (Ist begrifflich nicht genügend er- 
klärt, Verknüpfung mit 1045 R. XXIX, 
118 ist sachlich noch unverständlicher). 

1047. bernlc (breton.) „Entenmu- 
schel". 

Frz. hernicle, bernacle, bernache, norm. 
herle, herde, bene, bess. verle, hrele 
„Mauerschnecke" Thomas, Mel. 32. (Das 
Verhältnis von frz. -acle, -ache zu -icle 
ist unklar, vielleicht hat engl. berneJcke 
eingewirkt). 

1048. berniya (arab.) „Bezeichnung 
eines Gefäßes". 

Aital. vernicato, venez. vernicale, gen. 
iternigun, nprov. hernigan, span., portg. 
bernegal R. XXVIII, 173, lautlich und 
sachlich nicht ohne Schwieri^ikeit. Vgl. 
1223. 



1049. *berr — 1061. bestia. 



75 



1049. *borr, *barr „Widder*. 
Piem. bero, mail. hera, coniask., ber- 

gam. bar, romagn. berr, iiiarch. hirr, 
engad. bar, lotlir. ber, vgl. alhan. berr. 
— Ablt. : val-ses. bei'ra „Lamm", co- 
mask. barin, wallon. barA, lothr. berä, 
Schweiz, beru, nprov. berri, berri'in, 
herruze At. Ling. 1186. Wohl altes 
Alpen wort G. Meyer, Alban. Wh. 33, 
vgl. baron „Schaf bei Hesych. 

1050. Berrovier „Bewohner der 
Landschaft Berry". 

Afrz. berruier, prov. berrovier (> 
ailal. berrociere, avenez. baroero) „leicht 
bewan'neter Krieger", „Scherge" Diez, 
Wb. h'i\ ; Mu.s.saRa, Beilr. 3i2. (Die 
historische Begründung fehlt noch). 

10.51. *bersium „Wiege". 

Afrz. bcrs, lothr. bye, prov., katal. 
hrex, aspan. 6/7>o, portg.fr/Yfo. — Ablt.: 
prov. bresol, katal. barsol (> log. bar- 
tsioln), aspan. berguelo, frz. hercean; afrz. 
bercier, prov. bresar, aspan. brizar. 
Etymon unbekannt; die Grundform kann 
auch liEnriUM oder beucium sein, als 
Grundbedeutung wird durch nprov. bres, 
breso At. Ling. 965 „Korb" nahe ge- 
legt. {Vkrvex Diez, Wb. 521 ist be- 
grifflich und formell bedenklich. Span. 
blezo „Bett aus Weidengeflechl", com- 
bl(i<)eza „Konkubine" entfernt sich auch 
im Vokal). 

1052. Bertii (Eigenname). 

Ital. bcria „Ramme", „Ramm bock", 
„Fopperei", „Scherz", „Elster". — Ablt.: 
bertuccia „Affe" Diez, Wb. 49; RomF. 
XII, 62i2. Die begrifTliche Begründung 
für die zwei ersten Bedeutungen fehlt 
noch. (Ilal. bertone „Pferd mit ge- 
stutzten Ohren", bertonare „die Ohren 
stutzen" ZRPh. Bhft. I, 93 leuchtet we- 
niger ein). 

1053. Bertwald (Eigenname). 

Frz. bertauff „veiwegen", „über- 
mütig", roibertatid „Zaunkönig", nprov. 
bertau „Maikäfer" ZRPh. XVIII, 136; 
189. {Auch ahz.bertaitd „verstümmelt", 
hertaudei- „verstün)meln" ?). 

1054. *bernla „Brunnenkresse". (La- 
tinisiert aus gall. *berura, vgl. kymr. 
ber irr). 

Frz. berle, span. berro. Auch boul. 
byor^ byör „Bachbunge", montbel. bijon 
„Brunnenkresse"? Diez, Wb. 432; 521; 
Thurneysen, Keltorom. 85. 

1055. beryllus „Beryll". 

[Frz. bericle (y prov. baricol), hesicle 
„Brille", virkle „falscher Diamant" 



Thomas, Mel. 164, %^ax\. veride „Spiegel 
aus Stahl". — Ablt.: ital. hrillare (> 
fiz. briller, span. brillar >• porig. 
brilhar) „glänzen", ital. brillo „be- 
trunken"] Diez, Wb. 67. {*Ebhillus 
von EBKius „betrunken" AGlIlal. IIF, 
453 ist morphologisch bedenklich und 
begritTlich nicht einleuchtend, da man 
von „betrunken" nicht wohl zu „glän- 
zend" gelangt, *piriwulare „sich 
drehen" AGlItal. XIV, 3.59 ist mit h- 
aus p- und mit der Bedeutung nicht 
annehmbar). 

1056. berz (mhd.) „eine Myriacee". 
Frz. berce „deutscher Bärenklau". 

Begritflich näher liegt littauisch barkschs, 
polnisch bnrszcy, doch fehlt die geo- 
graphische Verbindung. Behrens, Frz. 
Wortg. 338. 

1057. bes (Schallwort). 

Siebenb. bäzä „Mücke", lomb. bezei, 
bologn. bzei, regg. bze, moden. bzii, 
mant. bzil, bergam. zbi, jomagn. bziol 
„Stachel", mail. auch „Hummel", „Bie- 
ne", gen. bezigu „Bremse". — Ablt : 
amail. bexeliar, nmail. beziä „stechen". 
-|- ACULEUS; veltl. besktiei, vejiez. be- 
zevego, trevis. bazabego, mant. hazcel 
„Stachel" R. XXXI, 508. Vgl. 1118. 

10-58. *besena (gall.) „Bienenkorb", 

Obwald. bazeina. mazeina, afrz. be- 
saine Mi.sc. Ascoli 415; ALLG. XIII, 50. 
(Zu 1057 R. XXXI, 507 ist morpho- 
logisch unerklärt). 

10.59. *besta „Tier", vgl. bestula. 

Frz. bete, wallon. bies ALLG. I, 250; 
588; III, 107. (Portg. besta kann aus 
bestia entstanden sein). 

1060. bestecken, bestocken (flä- 
misch) „schmücken". 

Pikard., wallon. abistike, abiatoke, 
opistekS jherausstaflTieren" ZRPh. XXI, 
229. 

1061. bestia „Tier". 

[Ital. bestia], engad. besä „Schafe", 
obwald. biesf „Schaf" RomF. XI, 456, 
[span. bestia, portg. besta], aportg. be- 
scha. — Ablt.: siz. vistioln „Kalb". 
(Ital. ftjsc/a „Schlange", biscio „Trichine", 
venez. bisa „Holzwurm", bisar „durch- 
löchern", span. bicho, bicha „Ungeziefer", 
portg. bicho, bicha „Tier", „Wurm", 
„Insekt" AGlItal. III, 339; R. IX, 486; 
StltalFCl. I, 440 macht mit -/- überall 
Schwierigkeit, auch wenn man gegen 
engad. besä, wallon. bies 1059 und 
gegen 1063 für das lateinische nicht -c-, 
sondern -e- ansetzt, wofür aber kymr. 



76 



1062. besticulum - 1073. bib. 



bwyst kein sicherer Zeuge ist ZGeltPh. 
I, 474. Außerdem ist -ch- aus -stj- auf 
der iberisfhen Halbinsel gegen die 
Regel, und wenn bestula für die Kon- 
sonanten hier besser genügen würde, 
so läßt sich -i- im Portg. kaum, im 
Span, keinesfalls aus den Ablf. erklären. 
Ahd. bizo Diez, Wb. 358; FrzSt. VI, 101, 
BOMBicius Caix, Stud. 11 kommen 
nicht weitei- in Betracht. Frz. biche 
„kleiner Hund" s. 9M). 

1062. *besticulniu „kleines Tier". 

[Span, vestiglo „Ungetüm", aportg. 
bestigoo] Mise. fil. ling. 162 V 

1Ö63. bestius „dumm". 

Ital. b^scio. (Die Herleitung ist nur 
dann richtig, wenn die Nebenform besso 
als nordital. nachgewiesen werden 
kann). 

1064. beta „Runkelrübe", 2. *betta 

(gall.V). 

1. Log. beda. \- blitum: ital. bieta, 

lomb. Med „die jungen Keime der Run- 
kelrübe und die genießbaren Blätter", 
friaul. blede, nprov. bledo, span. bleda. 
— Zssg. : *BLETAiiAFA: gen. gearava, 
piem. biarava GLig. XXIII, 386, prov. 
bledorabo, katal. bledaraba; *HERBA- 
beta: ital. barbabietola ZFjzSpL. XX*, 
153; AGlItal. H, 56; SiR. VI, 7. (Kaum 
BETULA zu *BLETA MILomb. XXI, 278). 

2. Mail, erbete, frz. bette: trevis., 
venez. erbetterave; lyon. bietet, trient. 
biete, prov. bletorabo ZFrzSpL. XXS152; 
At. Ling. 1466. 

1065. betan (fränk.) „beißen machen". 
Afrz. abeter „ködern", „betrügen" (> 

span. abetar „betrügen"). — Ablt. : 
pikard., norm, bet, bek, frz. abet „Köder" 
Diez, Wb. 592; FrzSt. VI, ,89. (Entleh- 
nung aus anord. beyt Joret, Caract. 
- pat. norm. 94 ist weniger wahrschein- 
lich. Afrz. oiirs bet^ ist von unbekannter 
Bedeutung, daher man nicht weiß, ob 
es hierher gehört). 

1066. bettler (nhd.). 

Frz. belltre, blitre (> span. belitre, 
portg. biltro) Dict. Gen. (Zweifelhaft 
wegen mail. blistre „Landstreicher", 
comask. blistre „Betrüger"). 

1067. *bettin, -a (gall.) „Birke". 
Prov., katal. bez, span. biezo, lyon. 

besi. — Ablt.: nprov. besado, besol, be- 
sau id. Thomas, Ess. 75; 82; ZRPh. 
XXXI, 213; At. Ling. 1.58. 

1068. *betnlu8 „Birke". 

Lomb. bedar, crem, bedol, galiz. 
bido[ö). — Ablt.: portg. vidoeiro. Sal- 



vioni P.*. (Das Verhältnis zu betulla 
ist nicht klar, ital. betula eine falsch 
geschriebene und falsch betonte Buch- 
form, mant. beola kann aus beöla erst 
sekundär entstanden sein Ital. Gram. 92. 
Galiz. -i- fällt auf, eine Grundform *betuo 
ZRPh , Bhft. VI, 60 hillt nicht und ist 
auch sonst bedenklich). 

1069. betüUa „Birke", 2. »bettulla. 
Afrz. beoule, wallon. begol, pikard. 

bul, franche-comt. biul; imol. bdola 
„Pappel" ; ilal. bidollo, afrz. beoul, 
norm. b\i, franche-comt. bin, bearn. 
bedut, katal. bedoll, galiz. bedolo; ro- 
magn. bedol „Pappel"; span. abedul 
stammt aus dem Katal. oder dem 
Mozarab. Katal. bamll zeigt Einfluß 
von *bettiH 1067. — Ablt.: frz. bon- 
hau Diez, Wb. 40; ALLG. 1, 250. 

2. Afrz. hetole, Creuse: betula R. 
XXXVII, 115; ZRPh. XXXH, 747. 

1070. *betullea „Birke". 

Verzas. bedöta, veltl. bedoya, val-magg. 
doya, grödn. bodoi, toss. bideta, audeya, 
bediya; obwald. badun, engad. vdnon, 
puschl. bedon, borm, bedufi, bergell. 
avdon Gr. Gr. P, 612; BStSvItal. XIX, 
145; Salvioni, P.^ 

1071. bezie (niederl.) „Beere". 
(Frz. besi „Art Birne", poitev. b^ze, 

berrich. bez^, b^ziz „wilde Birne" Dict. 
Gen. ist nach Form und Bedeutung 
abzuweisen). 

1072. bi-asins? 

Frz., prov. biais (> ital. biescio), 
katal. biax (> log. biasu) „schräg". — 
Ablt. : frz. biseau „Schrägfläche" AStNSpL. 
cm, 225. (Etymon unbekannt, bifax 
Diez, Wb. 51, *bi-asius zu ansa Tho- 
mas, Ess. 256, *bifasius aus griech. 
diphasios RomF. XVI, 503; XVH, 68 be- 
friedigen alle gleich wenig). 

1073. bib (Kindervvort) „hin und her 
bewegen", „beben". 

Venez. bibyar, bresc, friaul. bibyä 
„schaukeln", „hin und her bewegen", 
canav. bibyar „Gänsehaut haben", ital. 
bibbia „Breitspurigkeit", venez., triest. 
bibioso, bresc. bibius (> siz. bibbiusu) 
„Zauderer": frz. bibelot „Nippsache", 
bimbelot „Kinderspielzeug"; teram. bibbi, 
reat. bbebbi, borm. bibi, nprov. bibie id. ; 
saintong., aun. bibe „belästigen", noi- 
tev. bibU id. ZRPh. XXXI, 645. {Bibia 
BIVIARE StFR. II, 7; RFIGl. XXV, 85 
paßt begrifflich kaum, canav. bibyar 
aus hd. „beben" AGlItal. XIV, 358 
fällt mit -i- auf, ebenso bibelot zu bei 



1074. bibere — 1092. bffidus. 



77 



ZRPh. XXII, 2ü3; bihiare zu hihhia 
RomF. Xlll, 44G ist begrifflich nicht an- 
nehmbar. Die genauere Bedeutungs- 
entwickelung von westfrz. hibe fehlt). 

1074. bibere , trinken". 

Rum. hea^ vegl. har, ital. here, log. 
hieve, engad. haiver, friaul. beri, afrz. 
boin-e, nfrz. boire, prov, beiire, katal. 
beure)\ span., portg. beber; norm, her 
.Apfelwein", lyon. nbeire, wallon. abör 
^Treberwein". — Ablt. : frz. breuvage, 
prov. beuratge (^ iial. beveraggio, span. 
hebraje, brehaje, portg. beberagem) , Ge- 
tränk"; uengad. bahrola ,,enges Rohr", 
obwald. hubriel „Pfeifenrohr", „Nadel- 
büchse", engad., bergell. bavranda, 
grödn. burvanda „Viehtrank" RILomb. 
XLl, 392; g}ödn. burvanda, abt. bevan- 
dola „Wasserspinne", moden. bvina, 
hologn. hiuinel „Trichter" Bertoni, De- 
nom. dell'imbuto 11 ; frz. beron „Rinne 
der Apfelpresse", norm, berö „Röhre 
zum Abziehen des Apfelmostes" Beh- 
i-ens, Frz. Wortg. 23. — Zssg. : frz. 
pourboire „Trinkgeld". 

1075. bibita „Getränk". 

Afrz. boite „Getränk",' gay. buät 
„Blume des Weines". — Ablt.: ital. 
bettola „Schänke" R. VIII, 618; AGlItal. 
IV 388 

1070. *bibitio „Getränk". 

Frz. boissoH Diez, Wb. 527; ALLG. 
I. 251; VI, 379; AStNSpL. CHI, 211. 

1077. bibitor „Trinker". 

Rum. beutor, ital. bevitore, log. hidore, 
frz. hiveur, prov., katal. bevedor, span., 
portg. bebedor. 

1078. *bibitoria. 

Frz. bäoire „ Versuchsloch " Behrens, 
Frz. Wortg. 339. 

1079. bibitnra „Getränk". 

Rum. benturä, afrz. boiture, westfrz. 
buet'dr „Viehtrank", Behrens, Frz. 
Wortg. 27. 

1080. bibitus „betrunken". 

Rum. bet, reims. bii, span. beodo, 
portg. bebado. — Ablt.: rum. hepe, 
span. beodez, portg. bebedice „Trunken- 
heit". 

1081. biböz (ahd.) „Beifuß". 
Norm, bibo „wilde Mohrrübe" R. XX, 

280. 

1082. ^bichordinm (zu chorda 
„Saite"). 

Ferr., parm. bigördi, regg. bigordel, 
lucch. bigordolo „Strang", „Gewinde". 

1083. bicoiigius „Doppelniaß". 

Ital. bigoncio „Kübel", pistoj. higongia, 



lucch. bigongetta, vvestlomb. bondza 
„großes Faß zum Trarsport von Wein" 
R. XXVIII, 94, abruzz. bahoudz^, friaul. 
bnjinz „Tragstange für zwei Wasser- 
kübel" AGlItal. I, 497. - Ablt.: ital. 
bigoncino. — Rückbild.: aret. bigone 
R. XXXVI, 237. — Diez, Wb. 357; 
AGlItal. XVI, 433. 

1084. '"bicornis „zweihörnig", 2. bi- 
coriiia „zweispitziger Amboß". 

1. Prov. bigord „verdreht", higorno 
„dumme Person", lyon. bigorne „böses 
Weib". 

2. Ital. bigornia (> frz. bigorne, 
nprov. higorno, span. bigornia, portg. 
bigoma) Diez, Wb. 524; AStNSpL. 
ein, 220. 

1085. bid (gall.) „klein". 

(Ital. bidetto (> frz. bidet) „kleines 
Pferd", „Klepper") Diez, Wb. .523 ist 
formell und wortgeographisch unmög- 
lich Thurneysen, Keltorom. 90. 

1080. bidal (fränk.) „Gerichtsbote". 

Ital. bidello, frz. bedeau, prov. (^ 
span., portg.) &e(?e/ Diez, Wb. 52; FrzSt. 
VI, 94. 

1087. bidens, -ente „Doppelzahn". 
Ital. bidente „Karst", abruzz. bedende, 

pletende, beldende, buldende id., engad. 
hadaint „falscher Zahn" Salvioni, P.'"^ 

1088. bida (anorJ.) „ein Gefäß". 
(Ital. bidone, frz. bidon „hölzernes 

Gefäß" R. III, 145 ist nicht annehm- 
bar). 

1089. bier (mhd., nhd.) „Bier". 
Rum. bere, ital. birra, fiz. hih-e Diez, 

Wb. 54; ZVglSpF. XXXIX, 596. 

1090. biferus „zweimal (des Jahres 
frucht-) tragend". 

Cosent. bifaru „Feige, die erst nach 
der Ernte reif wird" ; aprigl. bifajii „das 
zweite Lamm eines Wurfes", auch 
„Lamm" überhaupt; abruzz. vefei-e, 
span. breva, portg. behera, hefara, be- 
foreira, galiz. bebra „frühzeitige Feige' 
RL. I, 298; R. XXIX, 340. [Ital. biffera 
„zwei Männer habend" umgestaltet aus 
BIVISA AGlItal. X, 7J. 

1091. biir (Schallwort). 

Frz. biffer „wischen". — Xh\i, :hiffe 
„Wisch", „Lumpen", davon biffer „Lum- 
pen sammeln". — Zssg.: se rebiffer 
„sich sträuben", „sich in die Brust wer- 
fen" Festschrift A. Tobler 141. 

1092. bifldas „in zwei Teile ge- 
spalten". 

Romagn. bifol „gespaltenes Slöck- 
chen", valenc. befio, span. befo „mit 



78 



1093. bifurcus — 1107. binius. 



großer Unterlippe" (namentlich vom 
Pferd) RomF. I, 111. (Doch vgl. zum 
Span. 1017). 

1093. bifurcus „gegabelt". 

Veltl. biork, val-blen. ho7-k; veltl., 
tess. borka , Wegkreuzung", puschl. 
borka „enge Straße", friaul. beorkija 
„nicht bebautes Land zwischen Feld- 
wegen" ; engad. btiorK, friaul. bivort 
„Gabelung der Äste" AGlItal. I, 62; 
517; YiTprov. biort „Landzunge in einem 
Flusse". 

1094. biga (langob.) „Garbenhaufen". 
Ital. 6«Va. — Ablt. : abbtcare, campid. 

abbigai „das Korn in Garben stellen", 
venez. zbikar, friaul. sbikyä „umstür- 
zen", bellun., ert. bikar id. Diez, Wb. 
:-!57; Brückner, Charakt. germ. Elem, 
Ital. 13. 

1095. biga „Balken". Woher V 
Prov., katal. (> log.) biga (> frz. 

bigue), span., porig, viga „Balken", lyon. 
biga „Masl"; nprov. fc?"«/«» „langes Bein". 
— Ablt.: log. abbigare „stützen"; lyon. 
bigä „gekrümmter Haken zum Kirschen- 
pflücken"? (Ursprung unbekannt, biga 
„Zweigespann" Diez, Wb. 497 ist be- 
grifflich, *viBicA AStNSpL. GXX, 21 
lautlich nicht gerechtfertigt; log. ab- 
bigare vielleicht zu 1094). 

1096. *bigärns (tränk.) „Bienen- 
wärter". (Vgl. ags. biocare). 

Frz. bigre ZFrzSpL. XXX V^, 108; 
Behrens, Frz. Wortg. 292. (Breton. 
Ursprung RomF. VII, 413 ist abzulehnen, 
da breion. bigria „Wilddieberei treiben" 
begrifflich nicht paßt und selbst ent- 
lehnt zu sein scheint. — Frz. bigre 
„Lump" s. 1383). 

1097. bi got (ahd.) „bei Gott". 

Afrz. bigot „ein den Normannen bei- 
gelegtes Schimpfwort", seitdem 16. Jahrb. 
„frömmelnd", „heuchlerisch" Diez, Wb. 
524. (Span, bigote „Knebelbart" (nach 
dem Lieblingsfluche und der den Spa- 
niern fremden Barttracht der Lands- 
knechte) RomF. VII, 407 entbehrt dei- 
Begründung durch die Überlieferung 
R. XXIII, 618). 

1098. *bihurdaii (fränk.) „einzäu- 
nen". 

Afrz. behourder, bouhourder, -prov. 
bahordar (> ital. bagordare, bigordare, 
aspan. bafordar „scherzen", „jubeln"), 
„buhurdieren", „Lanzen brechen". — 
Ablt.: airz. beho7irt, prov. beort (> ital. 
bagordo, higordo, span. bohordo „Lanze", 
„Blumenstiel") „ritterhches Spiel", „Tur- 



nier", „Lanze". Auch triest. bagolar 
„sich unterhalten", „hüpfen", „tanzen", 
venez. bagolar „tanzen", „zittern"? 
Diez, Wb. 36; FrzSt. VI, 21; Beilr. z. 
rom. u. engl. Phil. .55. 

1099. bik (germ.) „Ziege". 

Frz. biche, bique Diez, Wb. 523? 
(Ital. becco s. 959.5). 

1100. bik (nieder!.) „Pickel". 
Wallon. bi Baust, z. rom. Phil. 77. 

1101. bikkil (ahd.) „Würfel". 

Frz. bilte (> ital. biglia, span. billa, 
portg. bilha) „Kugel". — Ablt.: frz. 
billon, prov. bilhd „Kugel", blais. bigo 
„Hoden", frz. billonnie „Feigenwurz" 
(ranunculus ficaria) Behren.s, Frz. Wortg. 
25. — Diez, Wb. 53; FrzSt. VI, 103; 
AGlItal. XIII, 404. (Form und Bedeutung 
bedürfen noch besserer Begründung; 
frz. billard s. 7332). 

1102. bikos (griech.) „Gefilß". 

Frz. biche, piche, lyon. biche „ein 
Hohlmaß", nprov. bicho. — Ablt.: frz., 
prov. bichet, frz. piqnet, picher „Hohl- 
maß" ZFrzSpL. XXVD, 131. 

1103. bilanx „Wage". 

lia\. bilancia, nordital. balantsa, engad. 
balauntscha, friaul. belantse, frz. balance, 
prov., katal. balansa, span. balanza (^ 
portg. balanqa) Diez, Wb. 53. — Ablt.: 
ital. bilanciare „abwägen", „überschla- 
gen", hilancio (> frz. bilan) „Rech- 
nungsabschluß". — Mit Sulf. W.: ital. 
bilicare „ins Gleichgewicht bringen", 
bilico „Gleichgewicht", „Tragejoch" 
R. XXXVI, 224. (Ital. bilicare zu um- 
BiLicus Diez, Wb. 226 ist begrifflich 
bedenklich). 

1104. *bilia (gall.) „Baumstrunk" 
(vgl. ir. bile „Schößling", „Baum", 
„Mast"). 

Val-ses. bia „Baumstrunk" (der auf 
dem Schnee in das Tal gerollt wird), frz. 
bille „Holzklotz", vgl. auch veltl. bi66 
„Baumstrunk". — Ablt.: nprov. biyd 
„knebeln" ZFrzSpL. XXXHP, 50. 

1105. bilis „Galle". 

Campid. bilis. — Ablt.: lucch. bilao 
AGlItal. Xn, 128 ist im SufBx nicht klar. 

1106. *bilisa (westgot.) „Bilsenkraut". 
Aprov. belsa, span. velesa „Kerbel". 

1107. bimuä „zweijährig". 

Kors. vimma „Lamm", piem., val-le- 
vent, bellun., raisox. bimha „zweijährige 
Ziege", friaul. Wme „zweijähriges Lamm", 
südwestprov. bimo „zweijähriges Rind", 
ostprov., piem. bima „junge Ziege". — 
Ablt.: uengad. bümac „Widder", gasL 



1108. binare — 11 IG. biroufan. 



79 



bimat Jünger Stier" AGlItal. VII, 409; 
Salvioni P.'-*; R. XXXVI, iJ28; RFICl. 
XXXV, 85. 

1108. binare , das Feld zum zweiten- 
mal bearbeiten". 

Frz. hiner, prov., iiatal., span. binar, 
Raliz. binhar, in Südirankreich und Ga- 
lizien namentlich vom Bearbeiten des 
Weinberges, dann veltl. bind ,das Feld 
von Maisstoppehi, Kartoffeln- und Boh- 
nenstauden reinigen", morv. böne „jä- 
ten". — Ablt. : boul, bino „Art Pflug". 

— Vgl. 1111. 

1109. blnati „Zwillinge". 

Mazed. binats und mit neuem Singu- 
lar: binar ZRPh. XXIX, 631. 

1110. binda (germ.) „Binde", „Band". 
Ital. bcnda, friaul. binde, frz. bende, 

bände (yHaX.handa „Band", „Binde"), 
prov., katal., span. benda, porig, venda. 

— Ablt.: venez. bindolo „herabhängen- 
der Fetzen", bindolon „Faulpelz", ber- 
gam. bindu „zerlumpt"; tirol. sbindar, 
„lockern" , sbinda „herabhängender 
Fetzen", sbindom „zerlumpte Person". 
Mit -;•- von brano: ital. shrendolo 
„Fetzen", brindello, brindölok]. — Diez, 
Wb. 48: FrzSt. VI. 9(j; Schneller, Rom. 
Volksmd. 117; Lorck, Abergam. Sprachd. 
(i8. (Ital. banda aus got. bandi Diez, 
Wb. 40; FrzSt. VI, 58 ist nicht nötig; 
comask. hedoi, puschl. bedana, tirol. 
beana „unordentliche Person" Lorck, 
Abergam. Sprachd. 08 können nicht 
hierher gehören). 

1111. bini „je zwei". 

Veron. bina „ein Paar", „Reihe von 
Rebstöcken", venez. bina, friaul. bine 
, „vier oder mehr aneinander gereihte 
E^ Semmeln", engad. bifia „die Hälfte 
eines Weißbrotes". — Ablt.: gen. bi- 
nellu, judik. binel „Zwilling"; veron., 
tirol. binar „sammeln", „anhäufen", 
mail., bergam. bind „verbinden", parm. 
binar „das Papier für die Glättmaschine 
zusammenfalten", binar la seda „je 
zwei Seidentäden zusammen nehmen, 
um sie zu spinnen", comask., bellun. 
binar „zusammenbringen". — Zssg. : 
mail. abinars „sich vereinigen", grödn. 
abin^ „sparen", mant., veron., tirol. 
arbinar „sammeln'', „erwerben" Schnel- 
ler, Rom. Volksmd. 107, arcev. abbind 
„erraten", engad. s'abiner „überein- 
stimmen", „sich vertragen", obwald. 
«binar „sich versöhnen". 

llliJ. biregueta (bask.) „wegloser 
Ort". 



(Span, vericueto „bergige Gegend", 
„Umschweife" Diez, Wb. 497. Das 
bask. hidegueta ist eine Konstruktion 
Larramendis und setzt, um für das 
span. zu passen, einen in keiner der 
beiden Sprachen genügend begründeten 
Wandel von -d- zu -r- voraus). 

1113. biring' (persisch) „Kupfer". 
Ital. bronzo (> frz., span. bronce) 

„Bronze"; jüem., lomb., tirol. bronz 
„Kessel aus Bronze oder Kupfer" (von 
verschiedener Form), wohl auch bellun. 
brondo (> friaul. brond) AGlItal. XVI, 
290, venez. bronzin id., arbed., bergam. 
bronza „kleine Schelle", auvergn. brunzo 
„kupferner Eimer". — Ablt.: obwald., 
engad., bergeil. bronzina „Kuhschelle" 
RlLomb. XLI, 393; tirol. sbronzar 
„Fleisch sieden" Schneller, Rom. 
Volksmd. 124. (Sachhch scheint die 
Herleilung des Wortes aus dem Per- 
sischen am besten gesichert, 0. Schrader, 
Sprachvergleichung und ürgeschichle 
P, 73; sprachlich ist der Vokal noch 
zu rechtfertigen ; *BiiVXiTii's Diez, Wb. 
69, aes brundisinm Revue archeologique 
1888, 274; brontenm Gr. Gr. P, 667 
sind auch formell unmöglich). 

1114. ^birotiuia „zweirädriger Kar- 
ren". 

Ital, biroccio, baroccio, lomb. barotsa, 
trient. hrots „die zwei vorderen Räder 
des Karrens, die mit der Deichsel allein 
verwendet werden oder mit den zwei 
hinteren zu.sammen den vierrädrigen 
Wagen bilden", uengad. bröts id., lolhr. 
hro „Mistwagen", prov. hros Fem., süd- 
oslfrz. beroser „Wagenleiter" ; friaul. 
birots „vierrädriger Wagen". — Ablt.: 
frz. brouette „zweirädriger Handwagen", 
„Schubkarren"; lolhr. brose „Mist fah- 
ren" — AGlItal. VII, 516; ZRPh. XVIII, 
234; XXIV, 552; XXV, 505. (Die speziel- 
len Verhältnisse, die zum vierrädrigen 
und zum einrädrigen Karren führten, 
sind noch klar zu legen). 

1115. birotus „zweirädrig". 
Engad. biert „die vordere Hälfte des 

vierrädrigen Wagens" AGlItal. VII, 410. 

1116. biroufan (ahd.) „raufen". 
Ital. baniffare. — Ablt. : ital. bariiffa 

„Rauferei", \n-o\. banifaiU „Raufbold". 
— Zssg.: ital. rabbuffare „zerzausen", 
„in Unordnung bringen". — Diez, Wb. 
277; Cai.x Stud. 468; AGUtal. HI, 397. 
(Einflufa eines Schallwortes bar SBPhH 
KlAWWien CLVI, 5, 105 ist nicht nötig). 



80 



1117. birrus —1129. *bisocca. 



1117. birms ,ior. 

Ital. birro, sbirro (> span. esbirro) 
,Häscher^ — Ablt.: aveiiez. beretin 
^grau", ital. berretta, baretta (> frz. 
barette, spaii. barrete, portg. barrete), 
prov. beret (> frz. />(frf^), portg. birreto 
, Mütze"; piem. birrn, romagn. berren 
^Truthahn"; ital. hirracchio „einjähriges 
Rind". — Diez, Wb. 49; 358; Mussafia, 
Beilr. 33; ZRPh. VI, 1 IG; ALLG. I, 251 ; 
AGlItal. XV, 278. 

1118. bis (Schallwort). 

1. Piac. 6m« , Wespe", bergam. bizü 
, Bienenschwarm", bergam. bizöl, niail., 
pav. bizö , Bienenkorb", mail. bisut 
„Wespenlarve", nprov. bizi „Bienen- 
larve". 

2. Venez., tricst. zbidzegav, bergam. 
bizigä, friaul. bidziyä „herumstöbern", 
„hermnsuclien", fern bizgd „wimmeln", 
(namentlich von Ameisen) R. XXXI, 507. 
(Vgl. bes 1057, von dem bis nicht überall 
zu scheiden ist, so kann gen. bezüju 
„Stachel" auch hierher geholfen. Ital. 
bizza „Zorn" ZRPh. XXX, 566 paßt 
formell nicht, ebensowenig venez. ^ijrf^e- 
gar zu visese R. XXVII, 227 ; frz. bise 
's. 1120). 

1119. bis- „zweimal", „doppelt". 
Ital. bis-, ber-, frz. bes-, bm-^, ba- hat 

neben der ursprünglichen, eine leicht 
verschlechternde Bedeutung angenom- 
men, in ital. bisavolo „Urgroßvater", 
engad. hashrin „Vetter zweiten Grades", 
obwald. bazatta „Urgroßvater" u. dergl. 
bezeichnet es entferntere Verwandt- 
schaftsgrade Tappolet, Verwandtschafisn. 
120. — Diez, Wb. 55; Rom. Gram. 
II, 540. (Trient. bezina „einjähriges 
Kalb", freib. bezorna „junger Bock", 
rouerg. bezoi „einjähriges Lamm", span. 
becerro,-a „einjähriges Rind", portg. be- 
zerro, -a id. ZRPh. XXIII, 388 sind begriff- 
lich unwahrscheinlich und formell z. T, 
schwierig, Herleitung von span. becerra 
aus dem Bask. Diez, Wb. 431 ist un- 
möglich). 

1120. bisa (germ.) „Nordoslwind". 
Afrz.bise „Nordosten", prov. biza id., 

piem. biza, gen. biza, bergam. biza 
„Nordwind", crem, bis „steif von Kälte" 
ZDWF.IV,261. {ZnlllS R. XXXI, 421 
wird durch die afrz. Bedeutung widerlegt). 

1121. bisaccinm „Quersack". 

Ital. bisaccia, frz. besace, prov. beasa, 
span. bezazas, biazas Diez, Wb. 55. In 
Anlehnung an sac: katal. feess«c(a). (Frz. 
bissac 15. Jahrh. ist eine gelehrte Neu- 



bildung, portg. bisalho Mise. fil. ling. 
120 kann nicht auf *bisacculus be- 
ruhen). 

1122. *bisacutus „zweischneidig". 
Ital. bicciacuto, obwald. buzgida y^GvA- 

benhacke",frz. ^(^««/^»^„Glaserhammer", 
„Queraxt" (der Zimmerleute), „Glätt- 
werkzeug" (der Schuhmacher), prov. 
hezaguda, bezagut „Queraxt", „Zwercii- 
axt" Diez, Wb. 357 ; Gade, Handwerkzgn. 
23. (II al. bisegoJo aus besaigue entlehnt 
oder zu 1124). 

1123. biscoctnm „Zwieback". 

Ital. biscotto, afrz. bescuit, nfrz. biscuit, 
prov. biscueit, span. bizcocho, portg. 
biscouto. Das -i- scheint darauf hin- 
zuweisen, daß das Wort von Italien 
ausgeht. Diez, Wb. 55. 

1124. *bi8eca „zweischneidig". 

Frz. beche, \oihv. bos „Spaten", „Grab- 
scheit". — Ablt.: ital. bisegolo „Glätt- 
werkzeug" (der Schuhmacher) ZRPh. 
XXXIII, 3.54. (Das Verhältnis von frz. 
beche zu gleichbedeutendem besse ist 
nicht klar, *mssus, *bissicai{E ZRPh. 
XXI, 4.50 sind begrifflich schwieriger. 
Ital. bisegolo vielleicht zu 1122). 

1125. bisicare „schielen" (zu bis). 
Portg. vesquear. — Ablt.: portg. vesgo, 

span. bisco ZRPh. XXI, 451. (Zweifelhaft, 
span. -i- weist eher auf -l- oder -e-). 

1126. bis + leffur (ahd.) „große 
Lippe". 

Frz. balafre „Schmarre", „Schram- 
me", poitev. balafre, champ. berlafre 
„Krebs an der Lippe der Schafe", bourn. 
bolefr „ungewöhnlich große Lippe". 
Diez, Wb. 516; Dict. Gen. 

1127. bislüca „Funke". 

Afrz. berlue, prov. heluga, piem. zbelila, 
spliiva, bourn. ej)lä; frz. berlue auch 
„vorübergehende Blendung". — Ablt.: 
ventimigl. belügora, alessand. splivora, 
frz. bluette „Fünkchen"; berrich. eber- 
lütte, prov. belvgar „blenden", berhi- 
gamen „Drehkrankheit der Schafe", 
belugan (> frz. bellicant) „Funkenfisch" 
Thomas, Mel. 31 ; tagg. barlilgazza 
„Schwindel" Diez, Wb. .520; AGlItal. 
II, 342. 

1128. bislascus „schielend". 

Ital. berlusco mit -u- von luce, lien- 
neg. berlu Diez, Wb. 326; Caix, Stud. 73. 

1129. *l)i80cca „Grabscheit" (zu soc- 
cus 8129). 

Frz. besuche, poitev., saintong. bedos. 
— Ablt.: aun. bedoso Thomas, Ess. 
251; Thomas, Mel. 30; ZRPh. XXVI, 400. 



1180. *l)isrolulus — 115(). blanditia. 



81 



11:^0. *blsrotuln8 , zweimal Kerolll*. 

(Ual. biroliht ^ Art Wurst" Caix, Stud. 
•204; \ia\.halordo, frz. baloiird /rölpel" 
StFR. VII, 89 sind unmöglich; span. 
belorta, vilorta „Ring am Pfluge" 
R. XVll, 54 s. 7332). 

1131. bissextus , Schaltjahr". 

Avenez. hissestro, romagn. bsestr; ital. 
bisfsto ,, wunderlich", Asti. : besestre , Teu- 
fel" AGlllal. XV, 4!29; log. bisestru 
, schlechte Behandlung", afrz. btsestre 
, Unglück", prov. bisefit id., lyon. bis^ 
, Epidemie". — Ablt.: log. bisestrare 
, schlecht behandeln", , zerstückeln". 
Die verschiedenen Bedeutungen erklären 
sich daraus, daß im Mittelalter das 
Schaltjahr als ein Unglücksjahr galt. 
Mussafia, Beitr. 34. 

113'2. *bissu8 „doppelt". 

Nprov. bes „doppell", „gespalten". — 
Ablt.: frz., prov. besson „Zwilling" (> 
siz. riizzimi, mizzuddu id.) RILomb. 
XL, 1063; 1116, bourn. böse, bosot id. 
ZRPh. XXI, 451. (Das Verhältnis zu 
prov. beisar „hacken", beisa „Hacke" 
R. XXXIV, 203 ist nicht klar). 

1133. *bistl08 (gall.) „Galle". 
Prov. bescle „Milz". — Ablt.: lyon. 

bekte id. {Visceha R. XXV 11, 227 ist 
lautUch schwierig). 

1134. bita (anord.) „beißen". 
Norm, biti „sich berühren" (von Ku- 
geln u. dergl.). 

1135. biti (anord.) „Querbalken". 
Frz. bitte (> ital. bitta, prov., katal., 

span. bita, span., portg. abita) „Anker- 
beeting" Diez, \Vb. 55; Brückner, Gha- 
rakt. gerni. Elem. Ital. 26. 

1136. bitichah (arab.) „Wasserme- 
lone". 

Katal., portg. albndeka (> aprov. al- 
buesca, nprov. aubieco R. XXXV, 209), 
afrz. boHsede, lothr. bozek „dummes, 
schmutziges Kind" R. XXXV, 459. — Diez, 
\Vb. 475; Dozv-Engelmann, Gloss. 74: 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 119. \§\. 989. 

1137. *bitoii8iare „sciieren". 
Aiu-ov. botoisar R. XXXVllI, 307. 

1138. bitnmen „Erdpech". 

Frz. betiin, beton, prov., katal., span. 
betun. — Ablt.: frz. betonet-, prov. ba- 
ttimar. 

1139. bivium „Scheideweg". 

Ital. bebbio. (Venez. biviar s. 1073; 
frz. beveati, buvean, bemiveau „Schräge- 
maß" Mel. Wahlund 251 ist lautlich und 
begrifflich abzulehnen, vgl. afrz. bever 
,von der geraden Linie abweichen"). 



1140. bi^vache (mhd.) „Beiwache", 

„Feldwache". 

Frz. bivac (> span. bivac „Beiwache*, 
rivac „Gefängnis für Landstreicher", 
portg. bivac), birouac Diez, Wb. 525. 

1141. bi/ar (bask.) „Bart". 

Span. fc?>«rro „tapfer", „schön", portg. 
bizarro „mutig", „ritterlich" (> ital. 
bizzarro „zornig", „grimmig", „launig", 
„sonderbar" > frz. bizarre „sonderbar") 
Diez, Wb. 56. — (Ablt. von hahua R. 
XXXI, 506 ist formell unmöglich, das 
bask. Wort macht den Eindruck des 
bodenständigen). 

1142. bizim (breton.) „Ring mit ge- 
faßtem Stein". 

Frz. bim „Juwel" Diez, Wb. 524; 
Thurnevsen, Keltorom. 91. 

1143." bizzef (arab.) „viel". 

Ital. a bizzeffe „reichhch" JbRESpL. 
XI, 291; R. XXXI, 110. 

1144. blaar (niederl.) „weißer Fleck 
auf der Stirn". 

Frz. blaire „Bläßhuhn", boul. vak bl^r 
„Kuh mit weißem Fleck auf der Stirn". 
— Ablt.: afrz. esblaire „fleckig", nfrz. 
bUron, bleri „Bläßhuhn", blaireau 
„Dachs" Mise. fil. ling. 42; ALLG. VI, 
122; R. XXXVI, 257; 266. [Blaireau 
zu ble R. VIII, 436 ist gekünstelt). 

1145. blässe (nhd.) „Blässe". 
Lothr. bl^s „Pferd mit weißem Fleck 

auf der Stirn" Mise. fil. ling. 43. 

1146. blaesns „lispelnd". 

Afrz. blois, prov. bles. — Ablt.: frz. 
bleser, prov. blezejar, sav. blesye Diez, 
Wb. 527. (Ital. biescio Gr. Gr. I', 508, 
s. 1072). 

1147. bläm- (gerni.) „bläuliche Far- 
be". (Vgl. anord. blami). 

Afrz. blesmir, -er „bleich machen", 
„blaue Flecke schlagen", „verwunden", 
blesmi „bleich", „verwundet", nfrz. 
bleme „bleich". Das -s- stammt von 
Messer. - Diez, Wb. 53P6; R. III, 145; 
Ott, Etud.coul. fran(:. 60; 99. (Dict. Gen. 
lehnt die Erklärung wegen -s- ab ; blai^ 
puKMAJiK Mise. Ascoli 452 ist lautlich 
und l>egriff'lich nicht annehmbar). 

1148. blaudicare „schmeicheln". 
Gampid. frandigai, afrz. blangier. 

AGlItal. XV. 486. 

1149. blaudire „schmeicheln". 
Rum. 'nnbVtnz'i, span. blandecer. [Ital. 

blandire, frz., prov., span. blandir]. 

1150. blnnditia „Schmeichelei". 
Rum. Windete „Sanftmut". 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



1151. blandus — 1161. blauts. 



1151. blandus , schmeichelnd \ 
Rum. blhid ,zahm", ,sanft^ mazed. 

blind, euphemistisch für Masern, rum. 
bUndä „Nesselausschlag" AARom.XXIX, 
i211; afrz. blant. [Span, blando, portg. 
brcindo , weich", „sanft"]. 

1152. blank (germ.) „weiß". 

Ital. bianco, frz., prov. blanc (> span. 
blanco, portg. branco) Diez, Wb. 51: 
FrzSt. VI, 57. 

1153. blao (fränk.) „blau". (Vgl. 
blavum bei Isidor und in Glossen). 

Afrz. blou, bh've, prov. blau, blava (> 
aital. biavo, biado > campid. brau), nfrz. 
bleu (> ital. blü). - Ablt.: montbel. 
biev,i\a\.sbiadito „bleich", „verbhchen", 
bellun. blefet, ert. sbefedl „welk"; frz. 
eontes bleus „Ammenmärchen", awallon. 
blouseir „betrügen", rouch. blas „Lüge" ; 
frz. bluette, baviole, baveule „Kornblume" 
Thomas, Mel. 30. — Diez, Wb. 51 ; FrzSt. 
VI, 39; 120; Ott, Etud. coul. franq. 76. 
(Afrz. bloi „hellglänzend" RomF. XXIII, 
720: KJBFRPh. X, 80 ist lautlich und be- 
grifflich nicht unbedenklich R. XXXI, 
444; gall. mai-ium ZRPh. XVIII, 433 
ist lautlich, germ. blatißs „kraftlos" 
Diez, Wb. .54; FrzSt. VI, 118 lautlich 
und begrifflich nicht annehmbar). 

1154. *blaso „Schild". Woher? 
Yrz.blason „Schild", „Wappenschild" 

(> ital. blasone, span. blason „Wappen", 
„Wahlspruch", „Ehre", „Prahlerei", 
portg. brasäo id.), prov. blezon, blizon. 
— Ablt.: span. blasonar „rühmen", 
portg. brasonar „sich brüsten". (Mhd. 
blas „Kerze", „Fackel", „Glut" Diez, 
Wb. 56 oder ahd. blasan „keuchen", 
„schnauben" Beitr. z. rom. u. engl. 
Phil. 55 sind begrifflich unmöglich, da 

- die Grundbedeutung des von Frankreich 
ausgehenden Wortes deutlich die kon- 
krete „Schild" ist. Die Vokalverschieden- 
heit von frz. ynd prov. ließe sich er- 
klären, wenn dort fränk. *blaso, hier 
westgot. *blesa, *blisa zugrunde läge). 
1155. blaspheniare (griech.) „schmä- 
hen". 2. blastimare (nach, aestimare). 
Rum. blestemä, vegl. blasmur, lucch. 
biastimare, siz. gastimari, log. frasti- 
mat-e, campid. blastomai, brestomai, afrz. 
blasmer (^ ital. biasimare), nfrz. blämer, 
prov. blasmar, katal. blastemar, flasto- 
mar, span., portg. /«s^Mnar „beleidigen", 
„mißhandeln". — Ablt.: rum. biestern, 

. lucch. biastima, siz. gasthna, frz. bläme 
(y ital. bidsimo) „Tadel", span. Idstima 



„Verdruß", „Leiden", „Wunde". - Diez. 
Wb. 51. 

1156. blasphemia „Lästerung". 
Ital. bestemmia. — Ablt.: bestemmiare 

„fluchen". 

1157. blasplieniinm „Lästerung". 
Afrz. blastenge, prov. blastenh. 

1158. blatta „Motte", „Schabe". 
[Siz. braUu, kalabr. rratta, portg. ba- 

ratta] RFICl. XXXV, 85. 

11,59. blattula „Motte", „Schabe". 

Cosent. yattula, mit Anlehnung an 
piatta: ital. piatiola. — Mit Sutf. W.: 
[[rI. piattone. — AASTorino XLII, 311 ; 
ZRPh. XXXIV, 331. (Triest. baknlo aus 
BLATTLA Über *BATTLA ZRPh. XXVIl, 

752 ist wenig wahrscheinlich). 

1160. *blatum „Getreide". 

Ital. biado, -a, friaul. blave, afrz. W/, 
-ee, nfrz. ble, prov. blat, blada, katal. 
blat. — Ablt.: afrz. emblaer, emblouer 
„hindern", nfrz. ablais „Getreideschwa- 
den", remblaver „zum zweiten Male be- 
säen", äMayer „Schutt wegräumen". 
(Etymon unbekannt. Gall. *mlat(>x 
„Mehl", vgl. kymr. blawd „Mehl" 
Thurneysen, Keltoroman. 49 ist begriff- 
lich bedenklich, noch mehr ablatvm 
„das Weggetragene" Diez, Wb. 50; eine 
Grundform *bladvm Mise. Ascoli 447 
wird durch die prov. Form widerlegt. 
Die Deutung wird dadurch erschwert, 
daß die meisten nordital. Mundarten 
biava haben. Nimmt man Frankreich 
als Ausgangspunkt, so würde dazu das 
ital. -d- passen und biaea könnte in der 
Lombardei entstanden sein, wo coda 
und cova nebeneinander standen. Auf- 
fällig bleibt dabei sachlich die Wan- 
derung eines Wortes für Getreide von 
Frankreich nach Italien, formell scheinen 
die frz. Ableitungen auch für Nord- 
frankreich eine -w-Form neben der -^ 
Form vorauszusetzen. Im Ital. könnte 
biada aus biava in ähnlicher Weise 
durch Ferndissimilation entstanden 
sein, wie padiglione aus pavigUone. 
Afrz. emblaver zu 2942 ZRPh. XXII, 260 
empfiehlt sich begrifflich nicht. Anorm. 
blaice „alle Art Getreide" *blatea 
ZRPh. XXII, 482 ist lautlich und mor- 
phologisch bedenklich). 

1161. blauts (got.) „nackt", 2. bloz 
(langob., ahd.). 

1. Aital. Motto „elend", lomb., mant, 
biot „nackt", piac. zbiot id. 

2. Emil. Wos,2:fo/os „nackt", „schmuck- 
los", afrz., prov. Mos. — Diez, Wb. 54; 



1162. bh\z — 1178. blume. 



83 



FrzSl. VI, t>8; ZRPh. XXIV, (io; Bruck- 
ner, Charakt. gerni. Elem. Ital. 17; 
Mussaüa, Beitr. 98. (Ital. brullo, hrollo 
,nackt% ^bloß" R. IV, 368 ist nicht 
wohl möglich). 

116:2. bljiz (bretoii.) „Geschmack". 

(Frz. blase „abgestumpft" R. XXXI, 
452 ist begrifflich nicht begründet, hd. 
blasen Diez, Wb. 526 liegt ebenso fern, 
griech. blazein „stumm sein" RomF. III, 
459 ist ganz unannehmbar). 

1163. bleih (langob.) „bleich", 
2. bleich (aleman.), 3. blek (fläm.). 

1. Bergam. zblah „bleich", ital. biacco 
„Viper", bUicca „Bleivveiß" ZRPh. XXIV, 
71; R. XXXI, 134. 

2. Lothr. byes, engad. blech. 

3. Wallon. blek „nicht genügend ge- 
hrannte Kohle". — Vgl. 1168. 

1164. bleihfaro (ahd.) „bleichfarbig". 
Frz. hlaffud „fahl" Diez, Wb. 525; 

FrzSt. VI, 64. — (Ableitung aus prov. 
blau oder afrz. hloii R. V, 168 ist nach 
Form und Bedeutung unmöglich). 

1165. blende (nhd.) „Blendung" (Aus- 
druck vom Festungsbau). 

Frz. blindeis). — Ablt.r blinder (> 
ital. blinde, blindare, span. blindes) 
„bombenfest machen" Diez. Wb. 526; 
FrzSt. VI, 101. 

1166. »blesta „Zopf". Woher? 
Trient. hiesta „verworrene Haare", 

„dichtes Gras eines Rasen büschels", 
„Scholle", nonsb. blesta id., trient. biest 
„Heubündel", bergam. blesta „Mist- 
haufen", neap. ijesta „Schnur von ge- 
trockneten Feigen", „Zwiebeln", nprov. 
blesto „Zopf", norm, byöt, biet, Schweiz. 
bleta „Erdscholle". Was ist die Grund- 
bedeutung? 

1167. biet (fränk.) „bleich". 

Afrz. hlet „morsch". — Ablt. : bletir 
„morsch werden" FrzSt. VI, 88. 

1168. *blettiaii 1. „bleich werden", 
2. „verwunden". 

2. Afrz. bieder, apikard. blechier, nfrz. 
blesser, ostfrz. blosi, bi/osi FrzSt. VI, 88. 
(Vgl. 1167, doch ist die Bildung nicht 
verständlich, *bletisan ZRPh. XII, 556 
scheitert an afrz, -der, mhd. Hetzen 
Diez, Wb. 526 an der QuaHtät des -e-, 
vgl. noch ostfrz. ble{s), blo(s), bi/e(s), 
byo(s) „weich", namentlich Fem. bi/os 
von Birnen, dazu blesö usw. „wilder 
Birnbaum" oder dieses zu 1890. — 
Frz. bleche „morsch", vionn. 6(fe „gleich- 
gültig" zu fränk. blech „bleich" 1163 
ZRPh. XII, 556?). 



1169. bli-alt gSeidengewand", „Über- 
wurf". 

Afrz. bliaut, prov. blialt (]> span., 
portg. brial) Diez, Wb. 56. Wohl orien- 
talisch? 

1170. blister (ahd.) „Blase". 

Afrz. blestre FrzSt. VI, 23. Die Neben- 
form blostre ist nicht erklärt, vielleicht 
liegt ein Schallwort vor. 

1171. bliä (Schallwort) „schlüpfen", 
„gleiten". 

Mant. zblisar, zblisar, piac. zbliM, 
mant., bergam. blizgä, emil. blizger, 
comask. zbliSigd, ferr., bologn. zblizgar, 
venez. zhrisar, friaul. zbrisd Mussafia, 
Beitr. 106. Es fallt auf, daß bl- hier 
bleibt, während es sonst in diesen Mund- 
arten zu bi- wird. 

1172. blitens „albern". 

(Aital. fe/^^o(c)co „Frömmler", bizzoche- 
ra, averon. pezzochera, päd. pitsökara 
„Betschwester", ilal. pinzoccheroC^ alog. 
pinzociiln), neap. fc'e<^«M0Ä;f „Laienbruder" 
Diez, Wb. 358 ; Mussafia, Beitr. 87. Der 
Wechsel von p- und />- und das Fehlen 
des -l- erweisen die Deutung als un- 
möglich). 

1173. blituiii „Blutkraut". 

Frz. blette „Melde", prov., katal. biet, 
span. bledo „wilder Fuchsschwanz", 
portg. bredo „grüner Amarant" Diez, 
Wb. 432 ; Salvioni, P.». — Ablt. : ital. bie- 
done, piem. biuü{a), friaul. bledon „Beer- 
melde". Vgl. 1064. 

1174. blöie (schweizd.) „schlagen". 
Lyon, bloyi, sav. bloi, bloye „Hanf 

brechen" Behrens, Frz. Wortg. 26. 

1175. blök (nd.) „Block". 

Frz. bloc Diez, Wb. 526; FrzSt. VI, 
52. Auch plot „Block", „Klotz"? 

1176. blokhfis (mhd.) „Blockhaus". 
Frz. blocus „Belagerung". — Ablt.: 

bioquer „einschließen". — Diez, Wb. 526. 

1177. Motze (schweizd.) „stoßen". 
Neuenb. byosl „die Rebschößlinge 

abbrechen" ZRPh. XXVI, 50. 

1178. bin nie (nhd.) „Blume". 
Piem., lomb. biüm, bergam. biöm 

„Reste des Heus in der Krippe", „Spreu*, 
parm. bium „Holzstaub". — Mit Suff. 
W. : monferr. Wa»j, arbed.£^fttam„ Spreu", 
abnizz. biam^, bramf „Hafer" Mise. 
Ascoli 86; R. XXXI, 295. (Zweifelhaft, 
da germ. -ö-, ahd., mhd. -un- sonst nicht 
durch romanisches -»- wiedergegeben 
wird und bei junger Entlehnung mit 
nhd. -ü- das -l- hätte bewahrt bleiben 
müssen. Zu 9647 R. XXVII, 224 ist 

6* 



84 



1179. *l)lund — 1193. boletus. 



wegen des h- und wegen der abruzzischen 
Formen, wenn diese überhaupt hierher 
gehören, nicht anzunehmen). 

1179. *blnnd (germ.) , blond". 

Ital. hiondo, frz. blond, prov. hlon (> 
span. hlondö). Auch bergam., venez. 
hiondo, veron., mant., bologn. hionda 
, Seime", parm. hiondena id. Lorck, 
Abergam. Sprachd. 16. (Germ, blaups 
, kraftlos" Diez, Wb. 54 geht formell 
und begrifflieh nicht; *albundus R. 
XXVI, 555 setzt eine schwer verständ- 
liche Konsonantenumstellung voraus. 
Germ. *blund ist zwar in alter Zeit 
nicht belegt, aber zu rechtfertigen 
Brückner, Charakt. germ. Elem. Ital. 8; 
BGDSpL. XVII, 536). 

1180. boarias „Rinderhirt". 

Rum. haar, ital. boaro, engad. bne, 
friaul. bovar, afrz. boier, prov., katal. 
hoyer, span. boyero, portg. boieiro ALLG. 
I, 251. — Ablt. : nordital. borarina „Bach- 
stelze" ZRPh. XXX, 297, vgl. Aude: 
huyero, südostprov. huyereto, nprov. 
ouzel del pastre, vatsiruno id.; piem. 
Stella boera, venez. stela boara, San- 
Frat. stodda buyera, portg. estrella 
hoieira „Morgenstern" MILomb. XXI, 
295. (Ostfrz. boU, huzS „Knecht" ist 
nicht recht verständlich, *boviarius 
Behrens, Frz. Wortg. 22 ist bedenklich). 

1181. bob (Lallwort). 

1. Span, bobo „dumm", „einfältig", 
portg. bobo „Narr", „Hanswurst", log. 
bovu „plump", „tölpelhaft". 

2. Piem. bubü, piac, friaul., frz. bobö 
„weh, weh"; bergam., friaul. bobö „Po- 
panz", vgl. 999. 

3. Ital. bobb{i)a „Brei", mail., comask. 
bobö, gen. bubü „Getränk" (in der Kinder- 
sprache); mail., bergam., ferr., venez., 
emil. boba „dicke Suppe", „Gefängnis- 
suppe", abruzz. bobba „Brei"; neap. 
bobba „Mischmasch", venez. boba „Augen- 
butter", „Eiter", „Syphilis", wohl z. T. 
Anlehnung an frz. boubon, mant. zboba 
„dicke Suppe". Auch mail. boba „Über- 
flufs"? (Zusammenhang mit bua Diez, 
Wb. 358; Gaix, Stud. 209 ist nicht an- 
nehmbar). 

1182. boca „Meerbrassen". 

Venez. (> ital.), log. boga, prov. 
boga (> frz. bongue Mask.), katal., span., 
portg. boga. — Ablt. : ital. bogara, prov. 
bogueira (> frz. bouguiere),' span. bo- 
guera, portg. bogneiro „Netz zum Fange 
der Meerbrassen". — Diez, Wb. 56; 
ALLG. I, 251; R. VI, 269. Vgl. 1210. 



1183. bodemery (niederl.) „Vorschuß 
auf den Gewinn eines Schiffes". 

Frz. bomene Diez, Wb. 528. 

1184. *bodTca (gall?) „Brachfeld". 
Limous. bnizo, land. bnzige „al)- 

geholzter Wald])oden mit Gestrüpp" 
BSPF. 1, 133. — (Ablt.: frz. kohier 
„urbar machen" Dict. Gen. ist kaum 
möglich). 

1185. boeckiii (niederl.) „Büchlein". 
Frz. boiiquiu „altes Buch" Diez, Wl). 

530. 

1186. boed (breton.) „Köder". 

Frz. bonette „Köder zum Kabliau- 
fang". 

1187. boeg/il (niederl.) „Segel des 
Besammastes". 

Frz. bmirset. 

1188. bogasy (türk.) „Art Barchent". 
Afriaul. bockasin, frz. boncassin, span. 

hocaci(n); rmn.bogasiu. — DSchAWPhHKl 
Wien XXXIV, 32; Tiktin, Wb. (Engl. 
huckskin ZRPh. V, 5.56 ist eine volks- 
etym. Umgestaltung des auch im Magyar, 
und Ngriech. vorkommenden Wortes, 
nicht dessen Grundlage). 

1189. bogen (mniederl.) „biegen". 

Span, hojar „ein Vorgebirge um- 
schiffen" Diez, Wb. 433. (Ist nur als 
junge Entlehnung möglich). 

1190. boja „Fufafessel". 

Ital. boia „Henker", afrz. hüte „Fes- 
sel", wallon. böte „Henker", aspan. boya 
id. — Ablt.: obwald. boyer „Henker" 
Diez, Wb. 57; ALLG. L 252. (Frz. 
bouee „Boje" s. 1005, ital. hova „Fessel" 
s. 1004; frz. houiveau „Henker" Diez, 
Wb. 531 ist formell unmöglich). 

1191. bökwet (nd.) „Buchweizen". 
Frz. houcail, beaucuü, wallon. boket, 

Haute-Saöne: btikof, Schweiz, boketa 
R. XIII, 405; RomF. 111,491; At. Ling. 
1194. 

1192. *boldone „Wurst". Woher? 
Venez. boldon, bellun. baldon, baldin 

„Kaidaune", comask. bondon „kleine, 
dicke Frau", frz. boiidin „Wurst"; ve- 
nez. boldoni „mit Wolle oder Werg 
ausgestopfte Wülste". — Ablt.: venez., 
veron. hondiola, tirol. baldonats „Wurst", 
\en&z.hondolo „dick" Mussafla, Beitr. 34. 
(Ursprung dunkel, Zusammenhang mit 
BOTULUS 1241 ist nicht möglich). 

1193. boletus „Pilz". 

Rum. burete, aital. boleto, obwald. bu- 
lieu, uengad. bulai, aostfrz. bohi, lothr. 
Mö, wald. bide, prov.. katal. bolet. Das 
Wort scheint in Westfrankreich und 



1194. bolk 



120i2. l)onil)vx. 



85 



Siklitalien zu fehlen; die runi. Form 
steht griech. holHes näher Pu§canu, 
Wb. t2H9. Auch frz. hoiilws , Pulver- 
wurstzünder in Minen"? — Salvioni, F.'; 
At. Ling. ±27. 

1194. bolk (niederl.) „Bärteldorsch", 
„Merlan"'. 

Afrz. iiiolue, wallon. molow, nprov. 
muliio „Kabliau"; frz. inalcot {> span. 
macoca); volksetym. frz. poule de mer 
ZRFh. XXXII, 475. Vgl. 46ii. 

1195. bolla (ahd.) „bauchiges Gefäß". 
Frz. hol Mask. „Napf" ist namentlich 

in westfrz. und oslfrz. Mundarten weit 
verbreitet ZFrzSpL. XXXIII'^ 50. (Gegen 
boicl Dict. Gen. s})richt die weite Ver- 
breitung in den Mundarten, dagegen 
dürfte portg. hulc „Teekanne" auf hoicl 
beruhen). 

IHK), bolus (griech.) „Netzwurf", „Ort 
des Netzwurfes", „Netz". 

Katal. hol, prov. hon (> katal. hon 
y span. huey), auch Bezeichnung eines 
Fahrzeuges. Die Gleichstellung dieses 
bon mit hon bove, die in span. hney 
erscheint, und der Umstand, daß zu 
dieser speziellen Art des Fischfanges 
zwei Fahrzeuge verwendet werden, läßt 
dafür den Namen span. pareja de hii- 
eyes, katal. parella de hous verwenden. 
Dann bezeichnet frz. hoeuf, prov. bion 
das einzelne Fahi-zeug, und nun frz. 
rctrhe eine Art Netz. Aus katal. hon 
stammt siz. horu „eine Art Fahrzeug" 
ZRPh. XXV, 501. 

1197. bolwerk (mhd.) „Bollwerk". 
Mfrz. hoidevert, holcar, nfrz. houlecard 

O prov. holloar, ital. haluardo, log. 
halnardu „Holzhaufen", span., portg. 
biihuirte). -- Diez, Wb. 530; Beitr. z. 
rom. u. engl. Phil. .56; ZRPh. XXIX, 419. 

1198. '*'bombitii*e „dröhnen", „pral- 
len". 

Frz.. prov. Ao>((//>. — Ablt. : frz. /w»«^ 
„Prall", „Sprung" Diez, Wb. 528. (Man 
erwartet -yi'.^i^A', vgl. aber 88i2; nprov. 
bniidn „prallen" ist wohl erst von hond 
neugebildet). 

1199. boinbns „summen", „dumpfes 
(ieräusch". 

1. Ital. homha (> frz. 1)oml>e) „Bombe", 
prov., valenc. boinba „Prahlerei", „Ge- 
pränge". — Ablt.: ilal.hnnhardn „eine 
Art Kanone", rimhomhare „widerhal- 
len"; hÖDihero „ungeschickter Mensch", 
istr. hthnharo „Schimpfname für die 
Bewohner von Dignano" ATriest, XXX, 
14.3. — Diez, Wb. -58. (Afrz., mfrz. ho- 



hance, nfrz. fwmbance (> ital. botnbama), 
prov. Iwbanza „Prahlerei", afrz. M/ant, 
prov. Itoban id. hängen damit nicht zu- 
sammen. Ital. burbanza Caix, Stud. 75, 
s. 1386). 

2. Ital. />o»j/jo (Kinderworl) „Trinken", 
bombare, katal., span., portg. Ixnnba 
„Pumpe" Diez, Wb. 58; 3.58. (Das Ver- 
hältnis zu frz. pompe und nhd. pumpe 
ist nicht klar). 

1200. bombyceas „von Baumwolle 
oder Seide". 

1. Sen. boccio „Seidenwurm", aret. 
hocdo „Seidenkokon", ital. hozzolo id. 
Caix, Stud. 72; portg. huzio „grau". 

2. Ital. hiijio, frz. bis „grau". — - Ablt: 
ital. bigione „Feigendrossel", venez. bi- 
zato „Aal", „Lamprede", frz. hiset „Holz- 
taube". — ZRPh. XXVn,347. (BrstiEUS 
Diez, Wb. 52 ; Ott, Etud. coul. franq. 40 
ist lautlich schwieriger. Span, bazo 
„dunkelbraun" ^bombacius ZRPh. 
XXVI I, 347 ist zweifelhafl). 

1201. bombyla (griech.) „Flasche". 
Ital. hombola, kors. Immhnlu „Krug* 

AGUtal. XIV, 390. Oder zu 1199''. 

1202. bombyx „Seidenraupe", 2. bom- 
bax. 

1. Tosk. beco „Olivenwurm", parm., 
crem, bek, regg. heil- „Wurm", moden. 
hega „Biene". — Ablt.: ital. bigatto 
„Korn wurm", „Seidenwurm", parm. 
blgol „Penis", ital. higolone, bighellone 
„Faullenzer", parm. biglon „dummer 
Kerl", triest., venez. bi'goli „Art Faden- 
nudeln", [riest zbigolo (> fv'mvd. zbigtilu) 
„Furcht" nach ital. spaghetto, das so- 
wohl zu spago „Faden* als zu spago 
„Furcht" gehört ATriest. XXXI, 83; 
regg. bigar „wurmstichig werden", peir 
big „wurmstichige Birne". 

2. Ital. hnco „Seidenwurm". Das 
velare -c- der beiden ital. Formen kann 
auf griech. -k- beruhen oder vom Plural 
-ci aus gewonnen sein. Das -e- der 
ersten Form geht auf die Aussprache 
des griech. y als ü zurück. — Diez, Wb. 
354; AGlItäl. II, 39; Caix, Stud. 201. 
(Eine dritte Form */JOJifÄ/x anzunehmen, 
ist nicht nötig, da das -i- in tonloser 
Silbe berechtigt ist und von da ver- 
schleppt sein kann; bigatto zu gatto 
„Katze" AGlItal. XIV, 280 mit Präf. W- 
ist unwahrscheinlich, da das Präf. hier 
nicht berechtigt und nicht verständlich 
ist; bighellone zu vicvs R. XXVII, 223 
ist auch wegen des -g- unmöglich. Mail. 
bigold, puschl. brigold, engad. brierler 



86 



1203. bonae memoriae — 1216. bord. 



wimmeln" klingen an, docti bedürfte 
die Annahme eines Zusammenhanges 
noch der Begründung, vgl. 1588). 

1203. bonae memoriae „selig". 
Obwald. barmier, engad. harmör 

ZRPh. XXI, 23.5. {Bona hoha mob- 
Tvus ZRPh. XX[, 132 ist formell und 
begrifflich weniger wahrscheinlich). 

1204. bondje (niederl.) „Bund". 
Wallon. bog „ein Bund Zwiebel", 

, Knoblauch" u. dergl. Behrens, Frz. 
Wortg. 27. 

120.5. bondoca (arab.) „Kügelchen". 

Span, alböndiga, portg. almöndega 
.Fleischklößchen". -Ablt.: katal. »wo«- 
donguilla „Kaidaunen". — Rückbild.: 
span. mondongo id. ZRPh. V, 253; Dozy- 
Engelmann, Gloss. 72; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 115. (Die Zugehörigkeit 
von mondongo ist formell und begriff- 
lich fraglich. Frz. andoulUe s. 4383). 

1206. bonitas „Güte". 

Rum. bunätate, ital. bontä, log. hwii- 
dade, engad. bundet, frz. honte, prov., 
katal. bontat, span. bondad, portg. bon- 
dade. 

1207. bonk (niederl.) „Knochen". 
Flandr. bok „Kugel" Behrens, Frz. 

Wortg. 45. 

1208. bonus „gut". 

Rum., vegl. hun, ital. hnono, log. bann, 
engad. bun, friaul. buin, frz. bon, prov., 
katal. bo, span. bueno, portg. bom; rum. 
vär bun „echter Vetter", abruzz. la 
mamme bona „die richtige Mutter"; 
rum. tatä bun „Großvater", mamä bunä 
„Großmutter", auch einfach bun, bunä, 
bunte, -ä id., piem. bun, -a id. RlLomb. 

XXX, 1.532; in Süditalien und Maze- 
donien dient bonu als Adverbium AGl 
Ital. XV, 322; 400; RlLomb. XLl, 883. 

- — Ablt.: span. (> portg.) fconwa „Maß- 
liebchen". — Zssg.: megl. nebun 
„schlecht", rum. „toll", mold. a se räz- 
bunä „sich bessern", rum. razhunä 
„rächen" Densusianu, Hist. 1. roum. 247 ; 
Pu§cariu, Wh. 237; AARom. XXXIX, 
208 ; triest. imbonir „mit Erde bedecken", 
auch impunir nach impignir ATriest. 

XXXI, 76 ; obwald. bunemain, munemain 
MANUS „fast" RomF. XI, 435; afrz. 
buer HORA „zur guten Stunde" dient 
dann als Wunschformel; afrz. boneur, 
nfrz. bonheur AUGVSiuM „Glück" ; span. 
abonar „düngen". — üiez, Wb. 31. 

1209. boom (niederl.) „Mast". 
Frz. hörne „Gieckbaum" Dict. Gen. 



1210. boops (griech.) „Fisch" (Sparus 
boops). 

Kalabr., siz. vopa, venez. boha. Das 
Wort scheint z.T. mit boca 1182 zu- 
sammengefallen zu sein. 

1211. booren (flcäm.) „bohren". 
Frz. biire, wallon. hör „Schacht" Dict. 

Gen. 

1212. boorkln (fläm.) „kleiner Boh- 
rer". 

Frz. brequin „Spitzbohrer". 

1213. boosmanii (nd.) „Bootsmann". 
Frz. bosseman Diez, Wb. 528; RomF. 

III, 499. 

1214. *bora „runder Holzklotz". 

Lomb., venez., emil., tirol. bora „ge- 
fällter Baumstamm" (der zum Zersägen 
bestimmt ist). — Ablt.: bergam. bnrefa 
„kleiner Balken", borel „Mangelholz"; 
piem., venez. borela „kleine Kugel" 
(zum Spielen), mall, borin. crem., piac. 
hören, Tßa.v.horein „Brustwarze"; lomb. 
barela „Kniescheibe", borelar „rollen", 
borlon, borlin „Walze", bergam. borla 
„Kugel". (Etymon unbekannt, *AiiBORFA 
Schneller, Rom.Volksmd. 119, mnd.bor 
„oberer Raum", „hoch aufgerichtet", 
„ emporragend " Lorck, Abergam .Sprachd. 
207 passen in der Bedeutung nicht; 
borla zu bur SBPhHKlAWWien GLVI, 
5, 43 trägt dem -o- zu wenig Rechnung; 
atess. borra scheint -rr- im Stamme zu 
verlangen). Vgl. 1224. 

1215. bord- (germ.) „Rand". 

Ital. hordo, frz., prov., katal. bord 
(> span. borde „Rand eines Schiffes", 
„Borte"), portg. (> span.) bordo, eiiirem. 
horda „Ufer". — Ablt.: frz. border, 
prov., katal. (> span.) bordar „ein- 
fassen", „sticken" ; ital. bordeggiare, frz. 
bordoyer, katal. hordeyar, span., portg. 
bordear „lavieren"; frz. aborder „an- 
legen", „anreden". — Diez, Wb. .54; 
FrzSt. VI, 35; SBPhHKlAWWien CLVl. 
5,60. 

1216. bord (fränk.) „Brett". 

Afrz. borde „Bretterbude", „Hütte", 
„Bauernhaus", prov., katal. (> span.) 
horda „Hütte", gask. horda „Stall". — 
Ablt.: afrz., prov. hordel „schlechte 
Hütte", „Bordel" (> ital. hordello, span. 
hurdel, auch adjektivisch „geil", portg. 
hordel) Diez, Wb. 59. (Zweifelhaft. Das 
germ. Wort ist Neutrum, man müßte 
also einen roman. Kollektivplural *bordä 
„Bretter" im Sinne von „Bretterbude" 
annehmen, was begrifflich nicht un- 
bedenklich ist. Zu *hHrd „Schilf" 



liJ17. hord- — 1224. horo. 



87 



SHI'liHKIAVVVVien CLVI,r),ü3 ist wejfen 
-()• und. weil Inn-da nicht eine ,Rohr- 
hiitle", sondern eine „HoizIiiUte* be- 
deutet, l)edenkli(h: runi. bonieiu „\\\ 
die Erde gegrabene Hütte" SBPhHKlAW 
Wien (IXIil, 3, 173 zeigt mit -ein ein 
rum. nicht verständliches Suff, und ist 
daher wolil ganz fremden Ursprungs). 

1217. bord- ^Stachel". (Dissimihert 
aus hrord, vgl. ags. brord, ahd. 2>roii 
^Stachel"). 

Afrz. borde ,,Gräte'', prov., piem. 
lH)rd(i ^Splitter", lyon. bordn , Splitter 
im Auge". — Ablt. : ilal. bordoni 
, Flaumfedern der Vögel", „Milchhaare". 
(Auch ital. hordone, friaul. zbordon 
, Trampe", ital. bnrdare „pulsen" oder 
zu i40^). 

1218. boreariiis „Nordwind". 
Ital. roraio Diez, Wb. 394V 
1211). boreas „Nordwind". 

Megl. boare „Sturmwind", rum. boare 
„Lüftchen", vegl. bura, venez., triest. 
bora, buora, ferr. buara, bologn. bura, 
abruzz. viire, siz. boira; grödn. bora 
„Schneesturm", friaul. buere, afrz. 
boire, katal. ?><>//•« „Nebel"; auch mars. 
biiero, auvergn. biieiro „Verwirrung" ? 
— Ablt.: ital. burrasca (y frz. bour- 
rasqiie, katal., span., portg. borrasca) 
„Sturmwind", aital. buriana „Nebel", 
kors., gen. buriana, log.boriana „eisiger 
Wind", siz. furana „Nebel" mit f- von 
Fi'MCs RILomb. XL, 1110, march. 
burl, irtri^oz-fwa „eisiger Wind" ; abruzz. 
burafla, veraüa „Nordwesten", abruzz. 
inujerata „T^ordsturm " ; abellun. siorar 
„sich Luft machen", friaul. s'fior« „Dampf 
heraus lassen", zbora le vene „zur Ader 
lassen", zborador „Schleuse", comask. 
zbora „ein Geschwür öffnen", — Diez, 
Wb. 74; Salvioni, P.'-^; ZDWF. IV, 261. 
{Ital. boria „Hochmut" Diez, Wb. 359; 
StFR. II, 1 ist bedenklich, ebenso va- 
roüEA Diez, Wb. 351 oder burra 
SBPhHKlAWWien GLVI, 5,40). 

1220. '^borgaiijan (fränk., langob.) 
„borgen". 

Ital. bargagnare „handeln", venez. 
braganar, bragolar „die Waren befüh- 
len", afrz. bargignier „feilschen", „zau- 
dern", prov. barganhar id. — Ablt.: 
avenez. bragolo „Markt" Mussafia, Beitr. 
37, amail. bargaüo „Bezahlung", afrz. 
burgain „Verkauf", prov. barqanha „Un- 
terhandlung" ZRPh. III, 2(K;. (Das 
durchgehende -a- der romanischen For- 
men, die Bildung auf -nj- und die Be- 



deutung lassen die Erklärung zweifel- 
haft erscheinen FrzSt. VI, 53; zu 
HAhCA Diez, Wb. 43 geht weder nach 
Form noch nach Bedeutung). 

1221. *borniiig „einäugig". Woher? 
Ital. bornio, frz. Ixtrgne, prov., katah 

borni; lyon. borCi, limous. borli. — Ablt.: 
genf. bornide „schielend", jur. bornikli 
„schielen". Auch katal. bornar „sich 
umdrehen", born „Wendung", „Mal*, 
span. bornear „biegen", „krümmen", 
„das Geschütz richten", portg. bornear 
„visieren"? — Mit l- von luscus frz. 
lorgner „blinzeln" ? — Diez, Wb. 60. (Zu 
„bohren" ZRPh. III, 266 ist unwahr- 
scheinlich, weil ein altromanisches Ver- 
bum fehlt; zu bur SBPhHKlAWWien 
CLVI, 5, 62 ist lautlich, morphologisch 
und begrifflich nicht annehmbar). 

1222. borniyya (arab.) „ein Ton- 
gefäß". 

Siz. burnia, gen. brünia, piem. 6(7/*- 
nia, katal. alburnia, span. albornia 
Dozy-Engelmann, Gloss. 73; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 116; StGlItaL 111,229; 
GStLLig. IV, 271. Vgl. lOiS. 

1223. boruos (arab.) „Rock mit Ka- 
puze". 

Ital. bernusse, gen. brenusu ZRPh. 
XXX, 202, frz. bournous, span., portg. 
albornoz, portg. albarnoz Diez, Wb. 
416; Dozy-Engelmann, Gloss. 73; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 101. 

1224. boro (germ.) „Bohrer". 

1. Bergam., bresc, regg. borü{n), 
mail., parm. borön „Zapfen". — Mit Sufl. 
W.: crem, borai, vgl. abergam., mail. 
borion, venez. zboraor id. 

2. Afrz. boru „Bienenstock", lütt. 
bor „ein Loch, in welches Frösche, 
Fische, Krebse sich zurückziehen", wal- 
len, bord „aushöhlen". — Auch val-ses. 
böra „Grube, in der Hanf geröstet wird* *? 

3. Prov. borna, sav. burna „Loch", 
„Höhle", bürg, boirne, burfiaf, berrich. 
buinot „Dachfenster" NPhM. 1909, 101; 
veron. bornos „Rauchfang". — Ablt.: 
afrz-. borna il, bornoi.t, gask. bor ital „Bie- 
nenstock", afrz. bimrniou, nprov. burliü 
At. Ling. 1174 id., nfrz. bornal .Honig- 
scheibe", limous. burnial „hohler Baum- 
stamm", „Bienenstock", sav. bornal 
„Loch in einem Baume". — Rückbild.: 
Puy de Dome: burnio „Biene", dazu 
sav. Imrneta „wilde Biene". Vgl. noch 
1338. 

4. Ital. borino, burino, buliuo (^ (vz. 
burin, span., portg. buril) „Grabstichel*. 



88 



1225. bös — 1235. *botina. 



Diez, Wb. 60; R. V, 168; FrzSt. VI, 112. 
(Die Zusammenstellungen sind nach 
Form und Bedeutung zweifelhaft; SBPh 
HKlAWWien CLVI, 5, 69 führt auch zu 
keiner Lösung). Vgl. 1214. 

1225. bös „Ochse". 

Rum. boü, vegl. bu, ital. bove, bue, 
log. boe, engad. boiif, friaul. bo, frz. 
boeuf, prov. buou, katal. boii, span. buei/, 
portg. boi. Die Bedeutung ist mehr- 
fach „Stier", so tess. BStSvItal. XVII, 84, 
sav., südostprov., freib. At. Ling. 1287; 
als Bezeichnung einer Art Schiff s. 1196. 
— Abu. : rum. bourel, ital. bovolo, veron., 
venez. bogön „Schnecke" ZRPh. XXII, 
466 ; R. XXXI, 276 ; ZRPh. XXVII, 611; 
XXVII f, 104; tosk. bucello, buciacchio, 
sen. bucino „Kalb" R. XXVII, 197, 
lucch. bucina „Kuh" AGlItal. XV, 144, 
mit -CO- von vacca'. aret. boccino „Kälb- 
chen", mail. blUin, comask. büsina, 
bergeil. bue, tess. bos, bosa „Rind" 
RILomb. XLI, 214; venez. bozeto, friaul. 
bozat „Rind" AGlItal. XVI, 366; comask. 
bod, roraagn. abuse „bespringen" ; ob- 
wald. bual „Weidegras", „Herbstgras"; 
frz. bouvier „Hirt", bouvreuil „Dom- 
pfaff" G. Paris, Mel. hng. 515; R. V, 141 ; 
Gohn, Suffwandl. 249, bouvet „Falzhobel", 
bouvonnet „Karnissehobel" Gade, Hand- 
werkzgn. 23 ; 24 ; Wallis, bwata -jtta 
„Mädchen" AStiNSpL. CXXI, 445, vgl. 
1370. — Auch norm, bö „Hagebutte" 
(nach der Farbe)? — Vgl. 1378. (Frz. 
bouse, prov. boza, piem., gen. buza 
„Kuhmist" Parodi-Rossi , Poes. dial. 
tabb. 58, log. karrabiizu, piem. rabasta- 
buza „Leuchtkäfer" ist morphologisch 
unerklärt). 

1226. bosca (griech.) „Weideland". 
Ital. bosco „Buschwerk", „Busch", 

södwestfrz. (> frz.) bois, prov. bosc (> 
span. bosque) „Busch", „Holz". — Ablt.: 
ital. boscaglia, afrz. hoschaille, boscage 
(/> span. boscaje, portg. boscageni), 
nfrz, bocage „Gehölz", frz. bouquet „Blu- 
menstrauß"; afrz. bausche „Strohwisch", 
frz. bouchon „Pfropfen", reboucher 
„stumpf machen"; afrz. boisson, nfrz. 
buisson „Gebüsch", lothr. boKö „Buche" ; 
nprov. buskarido, lyon. boserla „Gras- 
mücke" R. XXXIII, 214; ital. imboscare, 
prov., kalal., span., portg. emboscar 
„einen Hinterhalt legen", „verstecken", 
afrz. (lesbuissier „aus dem Hinterhalt her- 
vorstürzen". — RomF. XV, 317; ZRPh. 
XXXII, 426. (Hd. }msch Diez, Wb. 51 
stammt aus dem Frz., bvxvs R. V, 169 



paßt lautlich nicht. Frz. boisse s. 6975. 
Afrz. embusehter „einen Hinterhalt 
legen", nfrz. embücher „das Wild ins 
Holz treiben", embusquer „einen Hinter- 
halt legen" nach ital. imboscare ist un- 
klar; zu bliche „Scheit" 1420 paßt be- 
grifflich schlecht). 

1227. Bosco (berühmter Taschen- 
spieler, der in der ersten Hälfte des 
19. Jhrh. Europa bereiste). 

Ablt.: rum. boscärie „Taschenspie- 
lerei", boscar „Taschenspieler" Tiktin, 
Wb. 

1228. bostar „Ochsenstall". 

Span, bostar, portg. bostal Diez, Wb. 
433. — Rückbild.: porig, busto „Stall", 
bosta „Kuhfladen", bosteiro „Mistkäfer". 

1229. böte (mhd.) „Bund", „Bündel". 
Frz. botte „Bund", „Bündel", „Bü- 
schel" Behrens Frz. Wortg. 35. 

1230. botellam 1. „Würstchen", 
2. „Darm". 

2. Ital. budello, afrz. boel, boele, nfrz. 
bogau, prov. budel, budela (> aspan. 
budel). Ital., prov. -u- ist unerklärt. — 
Ablt: afrz. esboeler „ausweiden", nfrz. 
ebouler „einstürzen" SBPreußAWBerlin 
1893, 20, Schweiz, ebweld „Mist ver- 
zetteln" ZRPh. XXVI, 45. — Zssg.: 
afrz. torneboeler „einen Purzelbaum 
schlagen", torneboele „Purzelbaum"; 
nfrz. boulevei'ser „umstürzen". — Diez. 
Wb. 72. 

1231. boter (griech.) „Kuhhirt". 
Ital. buttero „Kuhhirt", „berittener 

Pferdehirt". 

1232. boterham (fläm.) „Törtchen 
aus Butterteig". 

Frz. bouterame Dict. Gen. 

1233. bothros (griech.) „Graben". 
Ital. botro, borro „durch Regengüsse 

ausgehöhlter Weg", val-gand. biider „ Ali- 
grund". — Ablt.: ital. burrone, moden. 
budrione, bologn. burion „Schlucht" 
Diez, Wb. 359. 

1234. *botlenla „Eingeweide". 

Frz. brouailles Dict. Gen. {Burbali a 
Diez, Wb. 534 steht lautlich ferner). 

1235. "^botina (gall.) „Grenzzeichen". 
Afrz. botne, bosne, borne, bone, nfrz. 

bonie „Grenze" (> ital. borni „Wart- 
steine", „Verzahnung"), prov. born 
„Rand". — Ablt.: frz. abonner „ab- 
grenzen", s'abonnei' „übereinkommen" 
Thurneysen, Keltorom. 91 ; Baust, z. 
rom. Phil. 5.59. (Katal. born „Markt- 
platz" ist begrifflich nicht genügend 
erklärt, katal. born „Mal" s. 1221; nfrz. 



123<). hotkin — hiÖO. br. 



89 



bonie stammt wohl au.s einer Get'eiid, 
wo -sn- zu -rn- wird, Eiiitlufs von bt(r 
SBFhHKlAWWienCLVI, 5,()1 ist nicht 
wahrscheinlich und nicht nötig. Das 
Verhältnis zu prov. Ixjzoln ist nicht klar, 
Wechsel von -/- und -/«-Sufliix findet 
sich mehrfach bei germ. -il-, so daß 
vielleicht auch mit einem germ, Etym. 
zu rechnen ist). V'gl- 13!)5. 

1^236. botkln (niederl.) , kleines Bool^ 
Henneg. botequin, hodeqiän, span. 
botequin Diez, Wb. 433. 

li>37. botor (arab.) , Pustel ^ 
Hai. buttern „Blatternarbe", span. 
b«>tt>r , Beule". — Abi f.: log. butteriga 
, (beschwur" Caix, Stud. ^43; Dozy- 
Engelmann, Glos«. ;24.ö; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 349. 

11238. botrys (griech.) , Traube". 
Ital. Mro. — Ablt. : log. biuh-one, 
campid. gurdoni R. XX, C2; AGlItal. 
XV, 488; nprov. buirun „für den Aal- 
fang aneinandergereihte Köderfische" 
Thomas, Mel. 35. 

1239. botrys (griech.) „wohlriechende 
Pflanze". 

Siz. botri „Artemisia". . 

1240. *b9ttla „Beule". Woher? 

Ital. bozza „Geschwulst", „grob ge- 
arbeiteter Stein", frz. bosse „Höcker", 
prov. bosa „Höcker", „Geschwulst"; 
dazu crem. ix)s „Gründling" AASTorino 
XLII, 302; rum. bo^ „Klumpen". — 
Ablt.: neap. cottsnl^ „Kropf der Vögel", 
prov. boseta „kleine Beule", ital. ab- 
bozzare „im Groben arbeiten", „skiz- 
zieren", ital. bozzo (> span. cslmza) 
»Entwurf", ital. sbozzare (> portg. 
esboQar) „entwerfen". (Ital. Imria 
y span. bocha „Knospe", „Kugel" ge- 
hören nicht hierher, noch weniger frz. 
boufie „Kuhmist" Diez, Wb. 62; auch 
ital. bnsecchia, lomb., piem. bilzeka 
»Gedärme" geht nicht, eher amail. boz- 
zolu „Brombeere", piac. böts „Dorn- 
strauch*. Zusammeniiang der ganzen 
Sippe mit hd. butze „etwas Abgestumpf- 
tes", „Klumpenarliges" Diez, Wb. 62; 
FrzSt. VI, 23 ist lautlich unmöglich, 
wohl aber kann Beziehung zu H25 be- 
stehen). 

1241. botnliis „Eingeweide", „Darm". 
Bergam., obwald. böC, afrz. bneillcs, 

nfrz. breit ille.'i „Fischeingeweide", west- 
frz. bö[, bil „Bauch", lyon. bot/e „Darm". 
— Zssg.: frz. iwiiiÜe-alHiisse „Fisch- 
suppe", eigentlich „Äbtissingedärme* 
SBPreufsAWBerlin 1893, 21; afrz. es- 



boillier „ausweiden", „platzen", „ver- 
nichten", poitev. aböge „aufgehen" (von 
Getreide), limous. eibiitd „ausweiden* 
R. XXXVIII, 27.5. — G. Paris, Mel. ling. 
275; ZRPh. XXIV, 405. (Rum. bot 
„Schnauze", „Schnabel" steht begriff- 
lich zu fern; astur. lM>t „Wurst" ist 
formell nicht erklärlich und paßt auch 
begrifflich nicht recht; frz. breuilles zu 
liviiiiALiA SBPhHKlAWWien GXLI, 3, 
209 geht formell nicht). 

1242. *botu8ca (gall.V). 

Aprov. bodnsca, bedoxca, nprov. bu- 
dusco „Hefe, die beim Schleudern des 
Honigs in den Waben übrig bleibt", 
„Schote", „Hülse", „Kot" R. XXXIV, 
299. (Zum Stamme von botvlvs 1241 
ist begrifflich und formell unmöglich). 

1243. bova „Schlange". 

Val-ses. boca „Wurm", „Raupe", piem. 
b<)(i id., mail. boa „Nebelstreifen" AGl 
Ital. XV, 279; ZRPh. XXVII, 341. (Ital. 
Ijorolo „Schnecke" s. 1225, ital. boa 
„Boje" s. 1005; bergam. roga „Holz- 
schleife", venez.ftot'« „Schleusenöflhung* 
hegen begrifflich ab). 

1244. *boYacea „Kuhmist*. 
Lomb. boatsu, veron. Imasa, mirand. 

buatsd, obwald. buaöa Diez, Wb. 531; 
Rom. Gram. II. 414. (Frz. hmse Diez, 
Wb. 531 ist unmöglich). 

1245. *bove8tris „kuhartig". 

Rum. buestrn „Paßgang" Tiktin, Wb.? 

1246. bovile „Kuhstall". 
Ital. bnrile, span. boil. 

1247. bovinns „zum Ochsen ge- 
hörig". 

Ital. borino, buino, prov. Ihw!, prov. 
Jxwina „Kuhmist", lyon. borina „Kuh- 
herde". — Ablt.: log. boinardzH „Kuh- 
hirt", log. boinare „Rinder stehlen*; 
ital. imbiiiuare „die Tenne vor dem 
Dreschen mit Kuhmist bestreichen*. — 
Zssg.: log. Umböina *„Ochsenzunge", 
„Boretsch" RILomb. XLII, 826. 

1248. bowHiie (engl.) „Seitentau*. 
Frz. boidiuc Diez, Wb. 530; FrzSt. 

VI, 110. (Das engl. Wort liegt näher 
als das entsprechende niederl., da boti- 
line seit dem 12. Jhrh. im Angionorm, 
begegnet). 

1249. bowsprit (engl.) „Bugsprit*. 
Frz. beauprd Diez, Wb. 518; RomF. 

III, 499. 

Il2.o0. br (Scballworl für das Auf- 
jagen des Wildes). (Vgl. boriHt nxe elertU 
r.GlL. V, .563, 33). 

Burrir, bnrrar, börrer ist fast Ober 



90 



1251. Brabant — 1260. bragen. 



ganz Oberitalien verbreitet in der Be- 
deutung: ,das Wild durch Jagdhunde 
aufjagen", ferner bergam. boi-n'r „bel- 
len", gen. zbiin-i , verfolgen", „anbellen", 
ferr. horrl „angreifen", „schelten", „auf- 
brausen", venez. horir „hervorsprin- 
gen", trient. fco» w „stoßen", fvz.bourrir 
„schnarren", „schwirren" (von Reb- 
hühnern), frz. bourrer „das Wild ver- 
folgen", nprov. htirrä „die Hunde 
hetzen" SBFhHKlAWWien CXLI,3,132; 
CLVI, .5,92; ZRPh. XXIV, 417. (Zu 
ahd. hurian „in die Höhe bringen" 
ZRPh. XX, 529; Thomas, Mel. 36 liegt 
ferner; zu bvrra 1411 AGlltal. XV, 494 
mit der Bedeutungsreihe: „stopfen", 
„drängen", „bedrängen" erscheint zu 
künstlich, wenn auch vielleicht der 
Konj. W. dem Einfluß von *BirBRARK 
zuzuschreiben ist. Abellun. shorar „sich 
Luft machen" s. 1219). 

1251. Brabant (Ländername). 
Prov. hraiman (> aspan. hreitnante) 

„Freibeuter" Diez, Wb. 531. (Formell 
schwierig und historisch nicht begrün- 
det). 

1252. braca (gall.) „Hose". 

Rum. braca, ital. brache, log. ragas, 
engad. brajas, nfrz. braie „Windel", 
prov., katal., span., portg. Jrraga 
„Windel", bragas „Hosen"; venez. bra- 
ga O friaul. brage) „Lederriemen, der 
den Saumsattel an den Flanken der 
Tiere festhält", venez. braga „Stock- 
zwinge", trient. braga „Gabelung der 
Äste". — Ablt.: '\id\. brachiere „Bruch- 
band", venez. bragesa O friaul. bragese) 
„Hose"; afrz. brayel „Gürtel"; aprov. 
bragnier „Federn unter dem Schwänze 
der Vögel", npvov. bragye, katal. bragner 
„Euter"; span. braguero „Bruchband", 
bragadura „Teil an den Beinkleidern, 
wo sich beide Schenkel trennen", dann 
die entsprechende Körperstelle, bragado 
„Tier, das zwischen den Hinterfüßen 
anders gefärbt ist als am übrigen Kör- 
per", „tückisch", portg. bragadura 
„Spaltung zwischen den Schenkeln"; 
nprov. fera^« „stolzieren". — Zssg.: frz. 
braie de coucou „Primel", pikard. bre 
de kat id., eigentlich „Kuckuck-", bzw° 
„Katzenhöschen" R. XXXV, 473; Beh- 
rens, Frz. Wortg. 30. 

1253. brace (gall.) „Getreideart, aus 
der Malz bereitet wird". 

Frz. brai, wallon. braJi, pikard. bras 
„geschrotene Gerste" Diez, Wb. 432; 
Thurneysen, Keltoroni. 92. 



1254. brachiale „Armband". 
Rum. brä^ard, ital. bracciale, prov. 

brasal „ Armbarnisch", span. brazal, 
portg. ftrrtfrt/. — Ablt.: frz. bracefet „Arni'- 
band". (Frz. brncelef kann auch identisch 
sein mit afrz. bracelet „Armchen"). 

1255. brachiolum „Armchen". 

Ital. bracciolo, obwald. bnr.seiil „Trag- 
riemen", span. braznelo. 

1256. brachinm „Arm". 

Rum. bra^, ital. bracrio, engad. brac; 
friaul., frz. bras, prov. bratz, katal. 
bras, span. brazo. portg. bra^o; log. 
rattn „Zweig" RILomb. XLII, 845. 
Der Plural frz. brasse, ital. braccia, 
prov. brasa. span. braza, porig. bra(^u 
ist oder war die Bezeichnung eines 
Länge- und Raummaßes: „Klafter" 
ZFrzSpL. XXVI, 109. — Ablt: romagn., 
moden., ferr., venez. brafsadefo (y ital. 
bracciafello), grödn. brätsedel, mfrz. bres- 
seaii, prov. brasadel „Kuchen", „Bretzel", 
vermutlich nach einer bestimmten Form 
AGlltal. XVI, 304; R. XXXV, 300; 
ZRPh. XXXr, 505; rum. imbrupsd 
„umarmen", ital. ahbracciare, friaul. 
imbracd, frz. embrasser, prov. embrasar, 
abrasar, span. abrazar, portg. ahra^ar 
„umarmen", frz. embrasser auch „küs- 
sen". — Zssg.: piem. brasa-bosk „Efeu" 
ALLG. I, 252. 

1257. *braciare „brauen". (Zu 1253). 
Frz. brasser. — Ablt.: frz. brace ,,Ari 

Spelt" ZRPh. XXX, 453; Bartoli, Dal- 
mat. I, 237. 

12.58. bracile „Gürtelband". 

Rum. bräciri, alog. brakile; rum. 
bräcie „Gurt" vom Plur. bracilia 
Pu§cariu, Wb. 215. — Ablt.: rum. brä- 
cinar „Zugband an Beinkleidern". 

1259. brado (fränk.) „Stück Fleisch". 
Afrz. braon „Stück Fleisch", „Muskel", 

„Dickbein" (>• ital. bradone „Fetzen"), 
prov. bra{z)6 „Oberarm", „Armstück 
des Panzers" (^ s^im.brahon „Lappen 
mit mehreren Falten, den man früher 
oben am Ärmel trug"). — Ablt.: afrz. 
esbraoner (^ ital. sbranare) „zerfetzen"; 
ital. brano „Fetzen", „Stück", -f '"'«■ 
done: ital. brandone id., brandello „Stück- ^ 
eben"; aspan. brafonera „Teil des Har- I 
nischs, der den Schenkel bedeckte". — 
Diez, Wb. 64; FrzSt. VI, 44. (Ital. 
sbrindolo Caix, Stud. 76 s. 1110). . 

1260. bragen (nd.) „kalfatern". 
Frz. broger. — Ablt.: frz. brai O 

.span. brea, portg. breo) „Teer", noim. 
bre „Pech" ZRPh. XXVIH, 106. 



i 



Ii2()l. *bragere — 1^71. branca. 



91 



■ 1261. *bragere , schreien". 

Aital. {s)hrnire, ferr. hrair, frz. hraire, 
namentlich '\n\ Norden und Osten ül)hch, 
prov. hraire. Das Verhältnis zu RAaint: 
7087 ist nicht klar, vielleicht Einfluß 
von hrnmare 1270 oder von gall. *hrak, 
vgl. breton. hrengi , schreien". — Diez, 
Wb. 5^2; AGlItal. II, 378; Thurneysen, 
Keltorom. 92. 

1262. *bragitare „schreien". 
Tosk. shraitarr, prov. hraidar, mit 

Konj. W. : afrz. hraidir „wiehern". — 
Ablt. : afrz. ft/vr/rf</ „ungestüm" (nament- 
lich von Pferden), prov. hraidis, hraidiu 
id. Caix, Stud. 98. (Portg. hradar s. 
895). 

1263. *brag:ulare „schreien". 
Venez. zbragor, lomb. zhra§ä, mant., 

parm. zhrayar, bresc, piac. zhrayd, 
gen. zhrayd, piem. zbrny^. fv\Ru\.zbratfä, 
frz. brailler, prov. hralhar AGlItal. II, 
278. (Frz. brailler könnte umgekehrte 
Schreibung für brayer und dieses aus 
hraire mit Konj. W. entstanden sein 
SBPreußAWBerlin 1889, 1080). 

1264. ^bragnm „Schlamm". Woher? 
Ital. brago, afrz. brai O'aspan. />r«f/), 

aostfrz. brau, prov. brac, hier auch adj. 
„schmutzig". — Ablt.: prov. abragar 
„eitern"; auch galiz bragales „Fisch- 
eier"? (Griech. brago^ „Sumpf" Diez, 
Wb. 63; niederl. braak FrzSt. VI, 40; 
Behrens, Frz. Wortg. 70; ZRPh. XXVIII, 
106 befriedigen nicht). 

1265. brahsiiiia (fränk.) „Brassen". 
Frz. brhne (^ span. hrema), reims. 

bram (> nprov. hramo) Diez, Wb. 533; 
LBlGRPh. VI, 456. (Für frz. briitne 
eine Grundform hrehsima anzunehmen 
FrzSt. VI, 98 liegt kein Grund vor). 

1266. bralda (langob.) „Breite", 
„Grundstück", „Ackerland". 

Mail., bresc, crem, breda, venez. 
braida, ferr., moden., tagg., bologn. 
hraja, friaul. braide „Besitztum, das aus 
mehreren Feldern und einem Bauern- 
haus besteht", „kleines Landgut, das 
verpachtet wii-d" Lorck, Abergam. 
Sprachd. 373; ZRPh. XXIV, 73. (Das 
■ei-, -e- weist auf mlat. schriftlichen 
Einflur3 hin; gleichbedeutendes lucch. 
braina, brania AGlItal. XVI, 433 ist im 
Auslaut unerklärt). 

1267. brak (fries.) „Strauch", „Ge- 
strüpp". 

Afrz. hracon „Geäste" Behrens. Frz. 
Wortg. 30. 



1268. brakko (germ.) „Bracke". 
Ital. hracco (> frz. braque), prov. 

brac, span. braco; afrz. hracon; span. 
braco „stülpnasig". — Ablt.; afrz. 
brächet „Jagdhund", nfrz. braconnier 
„Wilddieb"; ital. braccare, afrz. bra- 
quer „nachspüren", nfrz. braquer „vi- 
sieren". — Diez, Wb. 63; FrzSt. VI, 13. 
(Frz. braqiter aus anord. braka „unter- 
werfen" Diez, Wb. 532 ist begrifflich 
nicht möglich). 

1269. brambesi (got.) „Brombeere", 
2. bramber (mhd.). 

1. Frz. framboise (> nprov. fram- 
biteso, venez., lomb., engad. framboa), 
wallon. fräbaK „Himbeere" mit f- von 
fraise. — Mit Suff. W. : frz., namentlich 
lothr. hrimbelle „Heidelbeere". 

2. Ital. lamjiione, amjx>la, tarent. 
altmmire, velll. amöa KJBFRPh. VIII, 
1, 143, engad. amjxi, uengad. ampua mit 
dem Auslaut von framhua, tess. amiM»», 
bresc, bergam. ampoma, grödn. ämpom, 
wallon. äiyön, neuenb. ä/>, sav. äbre 
„Heidelbeere", äp „Himbeere", nprov. 
ampo, ambuo. — Ablt.: ital. fnH/)»»!^//^; 
bergam., bresc. ampua „Gier", mail. 
«»i7j/„ Brechreiz", zunächst „rote Flecke", 
namentlich „Muttermale von der Farbe 
der Himbeere", die angeblich von nicht 
gestillten Gelüsten während der Schwan- 
gerschaft stammen. ZRPh. XXII, 465. 
— ZRPh. XXVni, 522; XXIX, 221. 
(Homheer, himbeer Diez, Wb. 380 macht 
lautlich mehr Schwierigkeit, da das Frz. 
keine Spur des h- zeigt und der Vokal 
der ersten Silbe durchweg -a- ist. 
Uengad. ampua durch Ferndissimilation 
aus *ampuma ZRPh. XXIII, 515). 

1270. branimou (germ.) „brüllen". 
Ital. bramare „begehren" , engad. 

bramer „wünschen", afrz. hramer 
„schreien", \\{vz.bramer „brüllen" (vom 
Ochsen), auch „röhren" (vom Hirsch), 
waatl. /«•«/«« „schimpfen", prov. hramar 
„brüllen", „begehren", katal.. span., 
portg. hramar „brüllen" FrzSt. VI, 80; 
ZRPh. XIX, 3.55. (Ahd. breman Diez. 
Wb. 63, gall. hremm Thurneysen, Kel- 
torom. 92 sind mit dem rom. Vokal •«- 
nicht vereinbar). 

1271. braiica „Pfote". 

Rum. brinca „Hand", „Pfote", ital. 
branca „Klaue", „Pfote", log. franca. 
engad. brnunk'a „Hand", „Arm". „Arm 
voll", vgl. lomb. branca „Hand voll", 
frz. branche „Ast". „Zweig", prov. 
katal. branca id., span., aportg. branca 



92 



1-27^. *brancia — 1280. brau|). 



^Klaue"; dazu ital. branco ,Herde% 
friaul., frz., prov. branc , Zweig"; ital. 
branco ,die Kette, mit der die Galeeren- 
sklaven einer Bank aneinander gefesselt 
waren" ; mail., crem, braue „(ilocken- 
bäumchen auf dem Halsband der Saum- 
tiere" ; venez. branco „ Gabelspitze ". — 
+ FRONDE 3534: jur. brö „Ast mit Zwei- 
gen", morv. bröd „junge Triebe", nprov. 
brundo, Schweiz, bronda, piem. brunda 
„die Zweige". — Diez, Wb. 63; ALLG. I, 
252. (Germ. Ursprung, Umstellung aus 
crampa AG[\i^\. XV, 100 ; ZRPh. XXVIII, 5 
ist auch mit Rücksicht auf das Vor- 
kommen des Wortes im Rum. un- 
wahrscheinlich, ital. branco „Kette" zu 
hd. pranger G. Meyer, Alban. Wb. 350 
ist sachhch und formell abzulehnen; 
ital. bronco „Klotz", „Stamm" AGlItal., 
Suppl. V, 80 s. 1337). 

1272. *brancia „Zweig", „Ast". 
Venez. branzo „Krebsschere", march. 

branca „Blatt", neap. vrandsa „Pfote", 
„Tatze", regg. branc „Zinke der Gabel", 
parm., mirand. brants id., lothr., mont- 
bel. bräs ZRPh. XVIII, 214, portg. branza 
„Pinienzweig". (Ein Teil der ital. For- 
men könnte das palatale -c- vom Plur. 
-ce übernommen haben RILomb. XXXVI, 
609, doch versagt diese Auffassung für 
neap., lothr., portg. In *brancia kann 
man eine Anbildung an folia und 
FBONDJA sehen). 

1273. brand(germ.) 1. „Feuerbrand", 
2. „Schwert". 

1. Ablt.: afrz. brander, prov. brandar 
„brennen", prov. abrandar „in Brand 
stecken", ^\em. brande „kochen"; süd- 
westfrz. bräd, gask. brane „Ginster", 
„Heidekraut" ZRPh. XXVIH, 106; At. 
Ling. 183; 635; minh. branda „Vieh- 

. futter", Schweiz, brä „Papier zum 
Schwefeln der Reben", brätä „schwefeln" 
ZRPh. XXVI, 151; comask. brander, 
piem. brande, gen. brandar, kors. bran- 
dal „Feuerbock" Mussafia, Beitr. 43; 
frz. brandon, prov. brandö {^ span.bkm- 
don y campid.&r«n(?o«i,gallur.&ranrfoHe) 
„Fackel", „Leuchter", „Eiszapfen" BGIP- 
SR. VI, 3; RILomb. XXXH, 24. 

2. Ital. brando, afrz. brant, nfrz. branc, 
prov. bran. — Ablt.: ital. brandire „eine 
Waffe schwingen", „etwas hin und her 
bewegen", frz., prov. hrandir (> aspan., 
portg. brandir, span., portg. blandir) id., 
frz. branler, brandülier „schaukeln", 
lyon. brandö „an der Decke aufhängen" 
R. XXXI, 134; ital. branda „Hänge- 



matte". — Zssg. : ital. hrandistecco „ W^urf- 
spiefä". — Diez, Wb. 63; 559; ZRPh. H, 
70; R. XVII, 286; FrzSt. VI, 69; Beitr. 
z. rom. u. engl. Phil. 56; ZRPh. XXVIII, 
106. 

1274. braudr (aiiord.) „Schiffs Vorder- 
teil". 

Afrz. brant, 

1275. brantwein (nhd.) „Brannt- 
wein". 

Frz. brandecin ist namentUch in den 
östlichen und nördlichen Mundarten 
weit verbreitet At. Ling. 433. 

1276. bra8a(germ.) „glühende Kohle". 
Nordital. braza (> tosk. brace, bragia, 

brascia), afrz. brese, nfrz. braise, prov., 
katal., Span, hrasa, portg. braza. — 
Ablt.: bellun. barzola, trevis. briziola. 
tosk. braciola „Kotelett", nordital. bra- 
zar, frz. braiser, ahz. brasoier „rösten", 
bourn. br§ze „Rauchfleisch" ; mail. 
braskä „zu Kohle verbrennen", braska 
(> frz. brasque) „Kohlenbecken", puschl. 
braska „Asche", gen. braska „stechender 
Schmerz", agen. abrascao „hungrig", 
„gierig" ; lod. zbrezar „sättigen". — Diez, 
Wb. 63; FrzSt. VI, 37; AGlItal. VHL 
318; Mise. Rossi-Teiss 345; Lorck, Aber- 
gam. Sprachd. 164. 

1277. *brasile „Rotholz", „Fernam- 
bukholz", 

Ital. brasile, frz. bresil, prov. bresilh, 
span., portg. brasil. (Die Herkunft des 
Wortes und .selbst die Grundform ist 
dunkel. Das frz. -e- würde auf -ai- 
weisen, damit sind aber die anderen 
Formen unvereinbar, Zusammenhang 
mit brisa „Krümchen" Diez, Wb. 64 
scheitert ebenfalls an dem -a-, das seit 
dem 12. Jlirh. im Mlat. belegt ist, 
Zusammenhang mit dem Ländernamen 
Brasilien ist trotz der sachlichen Über- 
einstimmung historisch unmöglich. Ablt. 
von brasa 1276 ist begrifflich nicht zu 
rechtfertigen. Der Ursprung wird wohl 
im Orient zu suchen sein). 

1278. brassica „Kohl". 

Ital. brasca, siz. brasku. — Ablt.: 
lucch. braschette „Kohlblätter" Sal- 
vioni, P.2. 

1279. *bratta „Schmutz". Woher? 
Gen. brata. — Ablt.: ital. imbrattare 

„beschmutzen", sbrattare „reinigen" 
Diez, Wb. 359. 

1280. brant (got.) „Brot". 

Portg. broa „Hirsebrot", „Maisbrot". 
— Ablt.: astur, borrüa, galiz. borroa. 



12SI. I.recha — Um. *l>ricco. 



y3 



JiJSl. breolia (alul.) ^ruch". 

Frz. lirhhe , Scharte", , Bresche" (> 
ilal. brecria, si)an., portg. hrecha ^Bre- 
sche"), j)rov. berca , Kerbe". — Ablf.: 
frz. ibrdcher , schartig machen" Diez, 
VVb. 5:W; Beitr. z. rom. u. engl. Fhil. 50. 
(Die Umstellung des -;•- im Frov. fällt 
auf, vgl. noch nprov. berc Fem. berco 
, zahnlückig", berco , zahnloses Schaf, 
akatal., valenc. brecar , verkleinern". 
Ital. breccin , Schotter" Caix, Stud. 219 
s. 4283). 

1i28iJ. bred (Schallwort). 

Afrz. bredeler, nfrz. bredomller , stam- 
meln", , undeutlich sprechen", westfrz. 
ben/ose, berdine , dummes Zeug reden". 

Ii283. *bi'eiila , Gestrüpp". Woher? 

Span, brenn, viver. brnüa „Brom- 
beere". (Bask. brenna Diez, Wb. 435 
besteht nicht). 

Ii284. *brenno8 (gall.) , Kleie". 

Frz. bran, lyon. l»-e, prov., piem., 
lomb. brcn (> gen. brennu, tarent.. 
neap., rrenne, log. brinnu, aspan. bren). 
— Zssg. : westfrz. brä (ff kI, gask.bi'en 
tVareseg „Sägespäne" At. Ling. 1'207. — 
Diez, Wb. 65; Thurneysen; Kellorom. 48. 
(Die weite Verbreitung des gall. Wortes 
fällt auf, auch das Verhältnis von bre- 
ton. brenn und kymr. brann ist merk- 
würdig, letzterem würde gall. *brannos 
entsprechen, wozu die rom. Formen 
nicht passen. Hat aber das Wort im 
gall. brennos gelautet, so muß kymr. 
brann aus dem Frz. entlehnt sein). 

1285. *brenta „Tragkorb für Trauben 
und Wein", „Kufe". 

Tirol., frient. brenfa, engad. brainta, 
h'\ii\x\. hrente ; ^xem.brinda, gen.brinta, 
genf., Wallis, breda. — Ablt.: friaul. 
brent, brentieJ „Kufe", ampezz. brento 
„Brunnentrog", auch friaul. brenfele 
. Bewässerungsgraben " . — Diez, Wb. 359 ; 
Schneller, Rom. Volksmd. 1:>3; ZRPh. 
XXVI, 130; Luchsinger, Molkereiger. 18. 
(Das Wort dürfte eher vorgerm., dialekt- 
deutscbes brente aus dem Rom. entlehnt 
sein. Die Doppelformen mit -f- und -d- 
fallen auf, eine dritte scheint durch 
trient. brenz „Wasserkessel in der 
Küche", nonsb. brenz „Rinne", „Trog* 
dargestellt zu werden). 

1286. *breuua „Lärche". Woher? 
Val-soa. brenra, canav. brengola, vgl. 

noch val-magg., ossol. breniol „Wach- 
holder". 

1287. bretil (ahd.) „Breltchen", 
2. pretil (langob.). 



1. Emil, bardehi „Schemel". „Fuß- 
tritt", prov. bredola, berdoln id. 

2. Tosk. predolu „Arbeitstisch", abruzz. 
pretela, prh'ula „Schemel" : ital. j>re- 
della id. Diez, Wl). 35(). (Ital. berlina 
„Pranger" aus ahd. britelht „Brettchen" 
i)iez, Wb. 356 ist lautlich nicht mög- 
lich, vgl. 1043). 

1288. bretliiig (ahd.) „kleines Brett". 
Afrz. brelenc, berlenc, beUin(c) „Brett 

zum Würfelspiel", nfrz. brelan „ein 
Kartenspiel" (> span. berlanga). — 
Ablt.: frz. breiander. — Diez, Wb. 533; 
FrzSt. VI, 84. (Zu ital. biletico R. VIII, 
018 ist abzuweisen). 

1289. breviarinin „Brevier". 
[Mfrz. breboritni, briborfon, frz. briiii- 

borion „Geplärre"] Dict. G6n. (Zu ahd. 
bilibi „Brot" Diez, Wb. 533 ist nach 
Laut und Bedeutung unmöglich). 

1290. *brf vidiis . von Kälte zusammen- 
gezogen". 

(Ital. brivido mit -/- von rabbriridire, 
tess. brhai, ossol. br^rnl, puschl. abreit, 
val-ses. brevin „vor Kälte starr", ligur. 
abreiu „erstarrt" (von Fingern), „ein- 
gegangen" (von Leinwand), nordlomb. 
brera „starker Ostwind", aufdeniKomer- 
see auch „Südwind", gask. breu .kalt", 
„trocken" Mise. Ascoli 77; AGlItal. XVI, 
190 ist begrifflich unwahi-scheinlich, da 
der geforderte Begrif!, wenn er durch 
breris ausgedrückt würde, eine andere 
Ableitung verlangte, und da die -e- 
Formen, soweit sie Auskunft geben, auf 
-e-. nicht auf -f- hinweisen; zu brio 
i318 ZRPh. V, 99 ist ebenfalls lautlich 
und begrifflich nicht annehmbar). 

1291. brevis „kurz". 

Ital. breie, frz. bref, prov., katal. breit, 
span., portg. brere. An miat. brere 
„kurzes Schreiben", „Urkunde" knüpft 
an: ital. brere „Amulett", „Devise", afrz. 
brief „Brief", prov. breit „Urkunde", 
„Amulett". — Ah\l.:t'rz.breret „Diplom". 

1292. brf (Schallwort). 

Ital. sbruffare, sen. sprnffare, lomb., 
gen. zborfar, piem. zbrüff „spritzen", 
„bespritzen", arcev. borfo „Schluck Was- 
ser". 

1293. ♦brlcco „Tor", „Schelm", „Spitz- 
bube". Woher? 

Ital. sbricco, briccone, afra., prov. bri- 
con. (Ahd. brecho Diez, Wb. 67; FrzSt. 
VI, 100, asächs. irreH-io Rom F. I, 24^ 
sind lautlich und begrifflicli unmöglich. 
Zur Bedeutung vgl. RomSt. IV. 328; 
R. IX, 626). 



94 



1294. *biid — 1304. *bnnos. 



1294. *brid (got.) ,Brett\ 

Afrz. bfoi ,Vogelschlinge% iifrz. 
brai{l), Tpro\. bret (> span., portg. ftreie) 
,FußschelIen^ — Ablt.: afrz. broion 
, Vogelschlinge % lütt, brat „die Füße 
eines Vogels zusammenbinden". — Diez, 
Wb. 66. (Aital. brettina, frz. bretelle 
s. 1313). 

129.Ö. brieling (fläm.) , schmutziges 
Weib". 

Pikard. berlek ZRPh. XXI, 231. 

1296. Brieuz (Stadt). 

Viüm.bi'lnzä , Art Käse", \\&\. sbrinze. 
Das Wort ist auch zu den Slaven und 
Deutschen gewandert, vgl. primsenMse, 
6r«wse?iÄ-rtseDSchAWPhHKlWien XXX, 8. 
{*Brancea , Handkäse" zu hranca 1271 
JBIRumSpLeipzig XVJ. 220 ist lautlich 
und begrifflich bedenklich). 

1297.' *ll)rig- (gall.) , Berg". (Vgl ir. 
bri, kynir. bre). 

(Prov. bre , steiler, kegelförmiger 
Gipfel", , Bergspitze" ist wegen der 
Nebenformen nprov. brec, breco, bric, 
bt-ico unmöglich, Zusammenhang mit 
1299 oder 1300 geht begrifflich an- 
nähernd, klärt aber die formalen Ver- 
hältnisse auch nicht auf; ital. bricca 
„Absturz", „rauhe, bergige Gegend", 
piem., piac. brik „Hügel", „vorspringen- 
der Fels" ZRPh. IV, 126 sind ebenfalls 
lautlich und begrifflich abzulehnen 
Thurneysen, Keltorom. 49, passen aber 
zu den prov. Wörtern). 

1298. *brihliil (langob.) „Brecher". 
Aital. brkcola (^ frz. bricole, span. 

brlgola) „Mauerbrecher" Diez, Wb. 532; 
Beitr. z. rom. u. engl. Phil. 56. (Der 
Vokal fällt auf, zum Geschlechtswechsel 
kann vielleicht 1287 verglichen werden). 

1 299. brikau (got.) „ brechen " , 2. breh- 
-han (langob.), 3. brechen (mhd.). 

1. Venez., trient., mant. ^fcrf?^rtr „zer- 
reißen", romagn, zbargeiä., afrz. broyer 
„zerreiben", „zerstoßen", prov. (z)bregar 
id., gask. ftör^ar „Hanf brechen", katal. 
bragar id. — Ablt. : venez., veron. {z)hrega 
„Scheit", grödn. breya, friaul. bree 
„Brett", frz. brie „Teigbritsche", frz. 
broye, prov. brega „Hanf breche", prov. 
6>-c5'a „Kinnbacken". — Auch afrz. fer/e, 
prov. fcr^^a , Streit", -Airz. broyer „mark- 
ten", „feilschen"? 

2. Montal. sbreccare „zerbrechen". 

3. Pikard., lothr., franche-comt. broke, 
brak4, lyon. braH, Schweiz., sav. brekd 
„Hanf brechen". — Die Bedeutung 
„Hanf brechen" ist auch für 1 fast 



allgemein nordfrz. und westprov., die 
jüngeren -t-Formen finden sich längs 
der Ostgrenze und greifen z. T. ziemlich 
weit nach dem Zentrum hinein At. Ling. 
479. — Diez, Wb. 67; FrzSt. VI, 125; 
Caix, Stud. 506. (Ital., portg. hriga 
„Streit" kann mit Rücksicht auf prov. 
brega auch hierher gehören, müßte dann 
aber, da das Verbum fehlt, entlehnt 
sein, auch bliebe das -/- zu erklären, 
ital. brigata „Schar", „Trupp", ital. 
brigante „Aufrührer" R. V, 171 ge- 
hören wegen des auch in den nörd- 
lichen Mundarten erscheinenden -i- 
keinesfalls hierher. Nprov. briguld 
„Hanf brechen" s. 1306). 

1300. brike (mniederl.) „Backstein". 
Frz. brique (> nprov. brico, ital. 

bricco) , Backstein". — Ablt.: frz. bri- 
qnet „Feuerstahl", eigentlich wohl 
„Feuerstein" Behrens, Frz. Wortg. 31. 
(Ags. brice Diez, Wb. 67 ; FrzSt. VI, 93 
liegt ferner, prov. hri „Abschnitzel" s. 
1306, engad. bri}ca „kleines Stück" s. 
1357; ital. bricca „rauhe, bergige Ge- 
gend", „Absturz", piem., piac. brik 
„Hügel", „vorspringender Fels", comask. 
zbrik, mail. brikol „Absturz", „steile 
Höhe" Diez, Wb. 67 gehören nicht 
hierher, vgl. 1297; ital. abbriccare 
Caix, Stud. 77 s. 606). 

1301. brim (anord.) „Brandung". 
Afrz. brin „Lärm", ,Gebrause" Diez, 

Wb. 533. 

1302. brT(m)b.? 

Afrz. brimbei; briber „betteln", brimbe, 
bribe „Stück Brot" (das man einem 
Bettler gibt), nfrz. bribe „Stück", mont- 
bel. brib „Almosen". (Zu ahd. bilibi 
„Brot" Diez, Wb. 67 ist formell un- 
möghch, Zusammenhang mit span. 
hribar „ein Landstreicherleben führen", 
ital. birbone, span. bribon „Spitzbube" 
ist denkbar. Frz. hrimborion Diez, Wb. 
533 s. 1289). 

1303. bring dir'8 (nhd.) „Zuruf beim 
Trinken". 

Ital. h-indisi, aret. brensolo, frz. 
brinde; bress.-louh., montbel., norm, et 
da le brülezTg „betrunken sein". — 
Ablt.: bürg., lothr. brege, span. hrindar 
„ zutrinken " , „ die Gesundheit au sbringen " 
Diez, Wb. 360. 

1304. *brinos (gall.) „Rute"? 
Bresc. zbri „Weide", frz. brin „Halm", 

„Splitter", „Sprosse", „Kleinigkeit", 
westfrz. bre, prov., katal. bri(n) (> span. 
brin, portg. brim) „Hanffaser". — Ablt.: 



1305. *br!nulus — 13 IG. brittus. 



95 



ital./j/7uct'/A>, Stückchen'', „Schiiiltchen", 
bresc. zhrinet- ^Weidenj^ehölz", ,Fluß- 
rand", ,,steinigesBachbelt''. (Zusammen- 
hang mit brenno 1284 Diez, VVb. 68 ist 
lautlich und begridlich unmöglich. Es 
ist auch zweifelhaft, ob die frz. Wörter, 
deren Grundbedeutung „Faser" zu sein 
scheint, und bresc. zbri zusammenge- 
hören, als vermittelnde Bedeutung müßte 
an eine Technik gedacht werden, bei 
der Weidenruten oder Weidenbast zur 
Verwendung gelangen, vgl. aber 1305). 

130,5. *brTnnln9 , Weide". Woher? 

Parm. hril, bologn., romagn. hrel. — 
Ablt.: cmil. herleda, herleida „mit Wei- 
den bewachsenes Flußufer ", „trockenes 
Flußbett", romagn. harlet. — Rüekbild.: 
romagn. harte id., fe d la harte „das 
Ufer mit Weidengeflecht schützen" AGl 
Ital. II, A-2. (Die Grundform *brinulus 
stützt sich auf bresc. zhri 1304, für 
welches die Ableitung zhriner -n als 
ursprünglichen Stammauslaut zu er- 
weisen scheint. Es kann aber zhri ein 
alter Plural zu *zbrit sein, der dann 
singularisch verwendet wurde und bei 
der Ableitung fälschlich ein -/(- bekam. 
In diesem Falle kann die Grundform der 
emil. Wörter *BJiiLLVS sein). 

1.306. bris- (gall.) „brechen". 

Frz. briser, prov. brizar. — Ablt.: 
frz., prov. hris, prov. briza „Bruch", 
lomb., emil. hriza „Krümchen", nprov. 
t)ri „Abschnitzel", frz. brhitter, prov. 
brezithar „zerbröckeln". — -}- mwax 
prov. fer/r/« „Krümchen", „kleines Stück- 
chen", hrigar „zerkleinern", „zerstoßen", 
nprov. brigai „Krümchen", brigutä 
„Hanf brechen". — Zssg. : alomb. 
{de)s-hrixar, frz. dibriscr „zerbrechen"). 
— Diez, Wb. 533; Thurneysen, Kelto- 
rom. 93. 

1307. brlsa „Weintrester". 

Arag., katal., valenc. hrisa Diez, Wb. 
433. 

1308. brisa „sanfter Wind", „Brise". 
Woher? 

Mail, hriza, frz. brise (16. Jhrh.), 
span. brisa, portg. ftr/z« „Nordostwind". 
(Zusammenhang mit 1120 R. IV, :2.ö5 
ist möglich, doch scheint das Wort 
hauptsächlich der Seemannssprache an- 
zugehören, so daß vielleicht von engl. 
hreeze „Brise" siuszugehen ist). 

1309. *bri8ca „Honigwabe". 

Siz. L-riska, romagn., emil. bresica, 
afrz. bresche, prov., katal., span. bresca 
Diez, Wb. 66; Thurneysen, Keltorom, 48; 



ALLG. I, ii52. (Ursprung unbekannt, 
wohl gallisch, doch bieten die neukel- 
tischen Sprachen nichts. Dassizilianische 
Wort stammt wohl wie log., campid. 
breska AStSard. I, 143 aus dem Katal, 
oder Span.). 

1310. brisket (engl.) „Brust". 

Frz. brechet, hnichet „Brustbein" Dict. 
G6n. 

1311. "bristan (got.) „bersten". 
H.-pyr. hrestä, brastä „aufspringen 

der Hände vom Frost". 

1312. brittian (ags.) „zerbrechen". 
Aportg. britar Diez, Wb. 434. 

1313. brlttll (ahd.) „Zügel", 2. *pri- 
del (langob.), 3. bridel (mengl.). 

1. Aital. brettina „Zügel", ital. brettella 
„Hosenträger", hz.bretette „Tragriemen" 
ZRPh. XXV, 347. 

2. Aital. predetla „Zaum". 

3. Afrz. bridle, nfrz. bride (> ital., 
prov., span., portg. tn-ida) RomF. XVI, 
633. (Germ.fenWrt Diez, Wb. 67; FrzSt. 
VI, HO besteht nicht. Wie sich ital. 
brigtia, venez. bria, crem, brea, bologn. 
hraija, die zunächst auf breJ^a beruhen, 
dazu verhalten, ist nicht klar. Crem. 
hreda Mussafia, Beitr. 37 kann hrettine 
-j- hrida sein). 

1314. brittisca „britisch", „breto- 
nisch". 

Afrz. bretesche, prov. hretesca (> aital. 
bertesca, bettresca) „Fallbrücke" ZRPh. 
VI, 113, trient. batdresca „Kistenbett". 
— Ablt.: afrz. breteschier „mit Fall- 
brücken versehen", „gefangen setzen", 
wallon. abeHaki „verschütten", „ver- 
sperren", „fesseln", „schlecht herrichten* 
BDGLWallon. I, 92. (Die formell tadel- 
lose Erklärung bedarf der sachlichen 
Stütze, zu deutsch hrett Diez, Wb. 44 ist 
formell unmöglich). 

1315. brittula „Schnittlauch", 
Närdc ** 

" Lothr." brat, brot ZRPh. XXXII, 17. 
Auch span. In-eton „Kohlsprosse"? 

1316. brittns „Brite", „Bretone", 
2. brez (breton.). 

1. Afrz. bret „schlau" Förster, Yvain 
1580, prov. bret „unverständlich redend"; 
frz. breite „Hieber", eigentlich „bri- 
tisches Schwert". — Ablt.: afrz. In-e- 
tonner „unverständlich reden", nprov. 
bretund, hredunä „stottern". Auch frz. 
brette „Hundshai" als „Bretone", weil 
er an der Küste der Bretagne häufig 
vorkommt, oder verhört aus kymr. brith 
„gefleckt" ZRPh. XXV, 347 oder iden- 



96 



1317. britva — 1324. brogilos. 



tisch nüt hrette ,Hieber^ da der Fisch 
auch 2^oisson d'e2>de genannt wird Beh- 
rens, Frz. Woilg. 341? Auch amail. 
hreto, nmail. zhn't , ärmlich", „dürftig"':* 
(Brette „Hieber" zu anord. hredda 
„kurzes Messer" Diez, Wb. 553; Beitr. 
z. rom. u. engl. Phil. 57 ist wenig wahr- 
scheinlich, da das Wort außerhalb des 
Nord, nicht nachgewiesen ist und die 
nord. Form lauthch nicht genügt). 
2. Westfrz. berzone „Bretone". 

1317. britva (slav.) „Messer". 
Obwald., bergell. hrikla, friaul. brltnle, 

trient., venez., veltl., bresc. hritnla 
ZRPh. IV, 126; ASlavPh. XXV, 411. 

1318. *briyos (gaU.) „Kraft", „Mut", 
„Lebhaftigkeit". (Vgl. in hrig, Fem. 
„Kraft", kymr. hri „Würde"). 

Ital. hrin, afrz. hrif, prov. hrin, span., 
portg. ht-io. — Ablt.: ital. hn'oso „leb- 
haft", span. brioso „mutig"; afrz. 
abrivet, prov. abrivat (> aspan. ^jrj- 
vado) „schnell", prov. abHvar „in rasche 
Bewegung bringen" (> ital. abbrirare 
„zu voller Fahrt ansetzen"), sassar. bi-id 
„schreien", brea „Schrei", alomb. /wvV»- 
tar „verleumden", kors. briunä „schrei- 
en", briomi „Schrei" AGlItal. XIV, 390. 
— Diez, Wb. 48; Thurneysen, Kelto- 
rora. 50. (Die Verschiedenheit zwischen 
der romanischen Grundform *BRiV(h 
und der keltischen *BßiG(h löst sich 
vielleicht dahin, daß der Ausgangspunkt 
des Wortes in derjenigen Gegend Frank- 
reichs zu suchen ist, in der bituhigv 
zu berrUt, amicu zu mnm wird, so daß 
also eine relativ späte Wanderung des 
Wortes vorläge. Ebrio^us; AGlItal. 
III, 454 ist begrifflich und formal un- 
möglich, ital. brivido ZRPh. V, 99, dann 
ital. abbfhare abripare Diez, Wl). 68 
gehen begrifflich nicht; span. privado 
zu PRirus RL. III, 58, zu privatum 
KJBFRPh. IV, 1,312 sind begrifflich 
nicht verständlich). 

1319. broccus „mit hervorstehenden 
Zähnen". 

Ital. brocco „spitziges Hölzchen", 
„Pflock", „Schößling", „Keim", brocca 
„gespaltene Stange", sbrocco „große 
Ahle", siz., kalabr. brokka, neap., cam- 
pob. rrokka „Gabel", lomb. brok, bo- 
logn. h'oka „Ast", „Zweig", log. rokkn 
„Pflock", frz. broc „Bratspieß", brocJie 
, Spieß", „Gabel", „Schmucknadel" (> 
ital. broccin „Stock zum Abschlagen von 
Obst", siz. brodca „Gabelung der Äste", 
kalabr. mwöcu id., ital. brovcio „Stoß- 



degen", span. broche „Spange", porfg. 
broche „Spange", „Stift"), braches „Hauer 
des Ebers", westfrz. bro „Dorn", wallon. 
brok id., vor brok „Schwarzdorn", „Faul- 
baum", prov. broc „Dorn", broea „Spieß", 
katal. broch „Schnabel eines Gefäßes", 
„Lampendille", auch adj. brock „krumm", 
broca „Leimrute", „Spule" (> span. 
broca „Spule"), portg. broca „Dorn im 
Türschloß", „Schraubenbohrer". — 
Ablt.: iial.broecoli „Art KoW^ , broccare 
„anspornen", „mit Goldfäden durch- 
ziehen", broccato (> frz. brocart, span., 
portg. brocado) „Brokat"; frz. brocket 
„Hecht"; brocker (> portg. brockar) 
„heften", „wirken"; wesii'rz. broke „die 
Ohren spitzen", „mit den Hörnern 
stoßen". — Diez, Wb. 68; Thurneysen, 
Keltorom. 50; LBlGRPh. VI, 113." 

1320. bi'oeliis (griech.) „Kanne". 

Ital. brocca, bergell. broka „Milch- 
gefäß", engad. broka id., brök „kleines 
rundes Holzgefäß mit Deckel", val-levent, 
brod „kleines hölzernes Milchgefäß", frz., 
prov. broc „Kanne". — Ablt.: waatl. 
bretse, puschl. bnrketa „Melkkübel". — 
RomF. XV, 827 ; Luchsinger, Molkerei- 
ger. 17; 23: RILomb. XLI, 393. 

1321. br^d- (germ.) „Brühe". 

Ital. brodo „Brühe", broda „Suppe", 
prov. bro „Brühe". — Ablt.: frz. bronet 
„Kraftsuppe"; mail. bordegä, campid. 
imbiirdngai „beschmutzen". (Span., 
portg. brodio, bodrio „schlechte Suppe" 
stellen eine got. -«-Form dar, oder sind 
aus dem Ital. entlehnt; nprov. boudri, 
buldra „durcheinander machen", bondro, 
briido, brcmfo „Schlamm" klingen an, 
sind aber wohl im Vokal, z. T. auch im 
Konsonanten von puls 6914 beeinflußt. 
W^enn ital. sbroscia „dünne Brühe" hier- 
her gehölt Caix, Stud. 509, so hat sich 
ein zweites Wort eingemischt). Vgl. 1325. 

1322. broek (niederl.) „Hose". 
Pikard. briik Diez, Wb. 535. 

1323. brÖga(gall.) „Mark", „Gebiet". 
Piem. bru{l)a „Ufer", „Rand" RILomb. 

XXXIX, 494, aprov. broa, nprov. Irrovo, 
bro, abro „Ufer", „Rand", „Hecke", 
dauph. brera „Grenze zwischen zwei 
Fehlern" Thomas, Ess. 98. 

1324. brogilos (gall.) „eingehägtes 
Gehölz", „Gebüsch". 

Ital. brolo, engad. brül, puschl. brölu, 
frz. brenH, prov. brolk (^ ital. broglio, 
imol. bröl „Baumschule"). — Diez, Wb. 
69: Thurneysen. Keltorom. .50: RILomb. 
XXXIX, 493. 



13!25. bröjaii — V.VA'x bruma. 



U7 



l'.Vl'i. brüjnu (ijerm.) ^brühen", 
2. brUe (nlenian.). 

1 . Afrz. bnmir „ verbrennen " , nfrz.7>/-»tir 
, Stoffe durchdampfen"; venez. hroar, 
lonib. hrorar, piem. hrnv4, moden. heri'^ 
, abbrühen", norm, hrui , schäumen", 
— Abu.: afrz. hmne ,!eicliter Nebel", 
nfrz. hrouie , Nebel", norm, hm Fem. 
„Schaum". — Zssg. : frz. ebroner „ab- 
brülien", s'ebroiier , schnauben" (von 
Pferden). — Diez, Wb. 535; Mussafia, 
Beitr. 23; R. IX, 118; ZRPb. IV, 473; 
FrzSt. VI, 31. 

2. Montbel., beif. brür, Schweiz, brir 
, Schweine abbrühen". (Das Verhältnis 
zu ital. imbrogliare, frz. hunilller „trü- 
ben", „verwirren", mfrz. brouillas, nfrz. 
hrimiUard „Nebel", bniine „Reif" bleibt 
noch festzustellen, Zusannnenhang mit 
1S21 ist formell und begrifflich schwie- 
rig; mit 1410 SBPhHKlAWWien CLVI, 
h, 34 hat formale Schwierigkeiten). 

1326. broiiia (griech.) „Holzwurm". 
Aital., log. bnima, span. broma. — 

Ablt. : span. abromarse , wurmstichig 
werden". 

1327. bromus (griech.)- „Hafer". 
Span. ?>/•«>/(« „Hafergrütze". — Ablt.: 

abrnmar „zerdrücken", „zermalmen", 
, bedrücken" Cuervo, Dicc. 

1328. bron (breton.) „Brust". 
B.-nianc. bron „Brustwarze", val de 

Saire: brau, berrich. abrö id. — Ablt.: 
b. manc. brone „säugen" R. XXIX, 452. 

1329. *br9scus „Frosch". 

Rum. />/'oasc«, mazed. öroasm „Schild- 
kröte", amail. hrosco, veron., trient. 
rosho, tirol. aorosk, riisk, ntosk AGl 
Ital. XV, 505; Battisti, Voc. A 101 ; 
ZVglSpF. XX, 254. (Alban. breskf 
„Schildkröte" G. Meyer, Alban. Wb. 47 
würde, wenn es hierher gehört, -ö- ver- 
langen, doch sprechen die Nebenformen 
bretsk^, bres§ gegen einen Zusammen- 
hang. Die Übereinstimmung von Rum. 
und Nordifal. läßt auf eine lateinische 
Bildung schließen, doch braucht man 
darum nicht ein vorlateinisches Wort 
zu erschließen, sondern kommt mit der 
Annahme einer Verschränkung von 
rnspiis und bruscuin aus). 

1330. brosekin Tniederl.) „kleiner 
Lederstiefel". 

Afrz. broisseqiiin (> aiial. borzacchino, 
span. Imri-egtii), nfrz. brodequin mit -d- 
von broder, norm, broake Diez, Wb. 61. 

1331. brothäcns (griech.) „Frosch". 
Rum. broatec, brofac, kalabr. irotihi, 



vufrakki/u GL. XXXV. 21; IgF. VI, 107; 
AGUtal. XII, 83; Densusianu, Bist. 1. 
roum. I, 19S>. 

1.332. biTichus „ungcflflgelte Heu- 
schrecke". 

Ital. hruco, bnicio „Raupe", ignudo 
brnco „splitternackt", hnu-o „armselig", 
span. brugo „Erdfloh". — Ablt.: ital. 
brucare „abfressen". — Diez, Wb. 71. 
(Die Bedeutung pa&t nicht recht, vgl, 
fJurcA 2907). 

13.33. *bnlcus (gall.) „Heidekraut", 
2. ^braacns. 

1. Piem. hrä, gen. bn'igu, mail. briig, 
prov. brtir, briiga, katal. bruch; piac. 
briis „Besen" mit -s vom Plur. aus. — 
Ablt.: mail. brügera, frz. hriujh-e, prov. 
bniguieira (> aital. brughiera) „Heide- 
kraut" ; mail. bn'zon „Besen" R. XXIX, 
550; nprov. briiga „Feuer anzünden* 
R. XXXI, 516. — Vgl. 7518. 

2. Val-sug. brok. — Ablt.: nonsb., 
ledrot. brokon „Heidekraut". — Diez, 
Wb. 535; ZRPb. IV, 148; Thurneysen, 
Keltorom. 94. (Ir. froech, kynn\ grug 
führen auf urkelt. *vroikos. Man kann 
annehmen, daß daraus über vrmikos in 
einem Teile des gall. Sprachgebietes 
vrüats, auf einem anderen vraucns ent- 
standen sei LBlGRPh. XXXI, 283. Ob- 
wald. broU, engad. bruolc scheinen auf 
hrgccum zu weisen, doch ist damit ob- 
wald. bruya nicht vereinbar, so daß 
man wohl diese bündnerischen Formen 
als spätere Entlehnungen betrachten 
muß). 

1334. brnk (fränk.) „abgebrochenes 
Stück". 

(Afrz. /»•«, prov. bruc „Rumpf" Diez, 
Wb. 535 ; FrzSt. VI, 25 ist schon wegen 
•H- gegenüber fränk. -«- abzuweisen). 
Vgl. 1342 und 1422. 

1335. brnma „Winterszeit". 

Rum. bnima „Reif", umbr. brutua 
„Winter", val-ses. bribna, ossol. hriiitte 
„Herbst", verzas. br'dma „Reif", metaur. 
brnma, afriaul. bnime „Dezember", 
nfriaul. brume „Nebel", „Sahne", frz. 
brume, prov. brnma, katal., mallork. 
broma, span., portg. bnima „Nebel". 
Auch morv. brön .nasser Nebel' V — 
+ frimas 4210: norm, brim „Nebel", 
lyon. brima „Reif". — Ablt.: rum. 
bntmar „November", brumar tnic, bnt- 
märel „Oktober", britmaf „grau"; Ire- 
vis. bnitnesta „der Nebel setzt sich an, 
und gefriert"; friaul. brumal „Winter", 
grödn. abrami „vor Kälte erstarrt*; 



M eyer-I.übke, Romau. etymolog. Wörterbuch. 



98 



1336. bruncus — 1344. brustian. 



— Diez, Wb. 71; Salvioni P.^; Merlo, 
Stag. mes. 21; 164; At. Ling. 178; 
191. 

1336. bruncus (griech.) , Rüssel'. 
Campid. hnmku. — Ablt.: campid. 

brunciU „ Maulkorb "'. 

1337. *bruncus „Klotz" {hroccm 
+ truncus'i). 

Ilal. hronco, log. brunku, prov. bronc 
„Knorren", ,Vorsprung", , Rauheit", 
span., portg. hronco ,roh", ,grob". , un- 
geschlacht" ; afrz. hronehe , Klotz", 
, Strauch", , Gebüsch". — Ablt.: ital. 
broncone , Weinpfahl", log. hrunkile 
, Grenzzeichen" ; frz. embroncher, prov. 
broncar , straucheln", „senken", afrz., 
prov. embronc „gebückt", „niederge- 
schlagen", danach bt-onchier „gedrückt 
sein" (> ital. «mfcroncire« maulen", bron- 
clo „finsteres Gesicht"). — Diez, Wb. 69. 

— {Pronvs Diez, Wb. 568 für die frz. 
Wörter macht mit dem Anlaut Schwie- 
rigkeit, ir. brön „Trauer" Diez, Wb. 569 
geht begrifflich und, da die entsprechende 
gall. Form brogno- wäre, formell nicht 
Thurneysen, Keltorom. 98; ahd. brnch 
für ital. hronco Diez, Wb. 69 pa&t be- 
grifflich nicht besser und würde das 
-n- auch nur durch Einmischung von 
TBUNCUS rechtfertigen. Zu dem Ver- 
hältnis von afrz. bronche „Klotz" zu 
bronchier „straucheln" vgl. 1477). 

1 338. brnuna (hd.) „ Rrunnen " , 2. born 
(fränk.). 

1. Arbed. bron, bergell. bruna „öffent- 
licher Brunnen", comask. bron „Quelle" 
Salvioni, Gloss. Arbed.; RILomb. XLI, 
393. 

2. Ablt.: Piem. hurnel „Wasserleitungs- 
rohr", prov. bornel, lyon. botirnö, sav. 
borne „Brunnenrohr", „Brunnen". Oder 

^zu 1224'^ 

1339. bniunia (fränk.) „Brünne". 
Afrz. broigne, prov. bronha Diez, Wb. 

534; FrzSt. VI, 21 ; Beitr. z. rom. u. 
engl. Phil. 57. 

1340. brüns (germ.) „dunkel", 
„braun". 

Ital. bruno, engad. briln, frz., prov. 
brun O span., portg. bruno). Die Be- 
deutung „dunkel" liegt vor in ital. notte 
bruna „dunkle Nacht", portare ü bruno 
„Trauer tragen", romagn. imböran 
„schwarz", saintpol. brün „Beginn der 
Nacht", berrich. s'a ff brö „es wird 
Nacht". — Ablt.: weslfrz. Mnef „Hecken- 
sperling" Behrens, Frz. Wortg. 32 ; ital. 
bi'unire, afrz., prov. brunir (> span. 



bronir und brunir, portg. brunir, bornir) 
„glänzend machen", „polieren". — Diez, 
Wb. 71; Einführung 48; Ott, Etud. coul. 
franc;. 63. (Die lautlichen Verhältnisse 
von span. bronir, portg. bornir sind 
nicht ganz klar, auch nicht, wenn man 
direkt Entlehnung aus einem germ. 
Verbum annimmt, die Bedeutung „po- 
lieren" zeigt auch ahd. brünen, mhd. 
briunen. Sie erklärt sich daraus, daß 
germ. brüns zunächst „glänzend" be- 
deutet. Danach ist die Annahme eines 
Schallwortes für die romanischen Verba 
SBPhHKlAWWien CLVI, 5,102 nicht 
nötig, auch akustisch nicht gerecht- 
fertigt). 

1341. *bruscnla „Bürste" (zu 1417 
oder 7518). 

Ital. hrustia, parni., regg. brusca, siz., 
kalabr., abruzz. brnska. — Ablt.: siz. 
hrtistiari „ krempeln " . 

1342. brnseum „Baumschwamm". 
Friaul. brüsk „Furunkel" NP. I, 20. 

— Ablt. : venez. bruskar, ital. dibruscare 
„Bäume putzen". Auch prov. hnisc, 
forez. bril, lyon. brö „Bienenkorb"? 
(Prov. brusc „Leib", afrz. bruschet id., 
morv. briU „großer Korb aus Stroh- 
geflecht" entfernen sich begrifflich zu 
sehr und lassen für prov. brusc „Bienen- 
korb" eine andere Deutung wahrschein- 
lich erscheinen, vgl. 7516. Die friaul. 
und ital. Wörter fordern -ü-, daher 
scheint engad. brnoskas, obwald. brus- 
kas „Überbleibsel vom Heu in der 
Krippe" nicht hierherzugehören, wenn es 
nicht von einem dem ital. dibruscare 
entsprechenden Verbum abgeleitet ist, 
wo -ü- in tonloser Silbe nicht zu -ü- 
geworden wäre. Ital. brusco „rauh" 
usw. s. 7518). 

1343. brüsi- (gall.) „zerbrechen". 
(Vgl. ir. brtiim „ich zerbreche"). 

Afrz. bruisier Thurneysen, Keltorom. 
94. (Ahd. brochisön Diez, Wb. 536 kann 
nicht in Betracht kommen). 

1344. brDStian (germ.) „sprossen". 
Katal. brostar „sprossen", „blühen". 

— Ablt.: afrz. broust, nfrz. brout, ar- 
den. brus „junge Zweige", „Futter", 
westfrz.fcrM „Efeu", prov.&ros« „Sproß", 
„Trieb", brosta „Geäst", „Gezweige" ; 
frz. brouter (> ital. sbrotare), nam. 
hroste, lütt, brozdi, prov. brosta „ab- 
fressen" Mel. Kurth II, 307; dauph. 
heHü „Schabe". — Dict. Gen. (Frz. bi-out 
zu 1347 Diez, Wb. 70; FrzSt. VI, 32 
scheitert an dem afrz. -s-). 



1345. bnitis — J357. bücca. 



yy 



IMh.. bnlti!^ (germ.) , Schwieger- 
tochter*. 

Vegl. hertain, friaul. bnit, engad. 
hn'it, frz. bru; dol. hrii , Bezeichnung 
der jungen Frau am Hochzeitstage". — 
Zssg. : vend. />rrt>»a/ , Zwitter". — Diez, 
Wb. mö; FrzSt. VI, 18; ZDWF. I, 240; 
Tappolet, Verwandtschaftsn. 130; BGD 
SpL. XXXIII, 1. 

1346. '^bi'fitniaii (germ.) „Bräuti- 
gam*. (Vgl. anord. hrucihrmadhr). 

Trient. hriiinol, fleimst. hrumel „Braut- 
führer", westfrz. briimä „Bräutigam", 
„junger Mann", danach brü „junge 
Frau". 

1347. *brrits (got.) „Knospe". (Vgl. 
ahd. bfoz). 

Prov., katal. brot (> span. brote). — 
Ablt.: prov. (> span.) brototi „Knospe", 
prov. (y span.) brotar „knospen" Diez, 
Wb. 70; FrzSt. VI, 32. (Ital. hrozza 
„Blase", „Beule", hrozzolo „Knäuel zum 
Aufwickeln von Seide" Caix, Stud. 223 
liegen begrifflich fern, wenn sie sich 
auch lautlich aus langob. *broz erklären 
ließen; frz. bront s. 1344). 

1348. briitus „roh". . 

[Ital. brutto, lirol. bilrt, frz., prov. 
brut, span., portg. bnifo], (Span, biirdo 
„grob" R. VII, .595 ist zweifelhaft, da 
es eine hier ungewöhnliche Umstellung 
der Laute zeigt; log. hurdu „Bastard" 
ZRPh. XXIX, 419 paßt begrifi'lich besser 
zu 1404, campid. imburdngai „be- 
schmutzen" StR. I, 3 zu 1321\ ital. 
bruzzaglia „Wirrwarr", „Pöbel", brtiz- 
zolo „Dämmerung", iess.brnts „schmut- 
zig", span. bruzno „dunkel" AGlItal. 
IX, 204; SBPhHKlAWWien CLVI, 5,37 
sind formell nicht unbedenklich, auch 
wenn man *BiiUTivs ansetzt, und be- 
grifflich nicht ohne weiteres einleuch- 
tend; zw bnizzaglia vgl. 1417). 

1349. briizdan (germ.) „sticken". 
Aital. brustarc, afrz. brosder, nfrz. 

hroder, lütt, brozdd, prov. broidar, agaliz. 
brozlar. — Diez, Wb.. 59; ZRPh. XXIV, 
142. (Gall. Ursprung Thurneysen, Kel- 
torom. 47 wird durch die ital. Form 
als unmöglich erwiesen, afrz. -s- und 
prov. -/- zeigen, daß bordare „einfassen" 
l'^lö fern zu halten ist). 

1350. bsb (Schallwort). 

Rum. b'iJbW „summen", „wimmeln", 
ital. bisbü/Iiare „flüstern", „lispeln". 

1351. bübalus „Büffel", 2. büfalns. 
1. Rum. io«r* „Auerochs", log. btdu, 

afrz. bügle. 



2. Ital. bufalo (> mfrz. houffle, nfrz. 
bnffie), prov. brufol, brufe, span. bubalo, 
bufalo, portg. hufaro. — AGlItal. III, 
382; X, 10; 14; G. Paris, M6I. ling. 394. 
(Rum. birol „Büffel" ist slavisch). 

13.52. bnbia „Brustwarze". 

Ablt.: rum. tmbuibä „übersättigen" 
ALLG. XII, 425. (Ital. lx>gia „Bläschen" 
ebenda ist lautlich unmöglich). 

1353. bübo „Uhu", 2. *büfo. 

1. Venez. buho. 

2. Pisan. Imfo, span. buho, portg. bufo-, 
ital. gufo; rum. bufä. — Ablt.: pistoj., 
lucch. Iwfonchio „Hornisse", ital. bifon- 
chiare „brummen". — Diez, Wb. 434; 
AGlItal., Suppl. V, 111; SBPhHKlAW 
Wien CXXXII, 3,19; AASTorino XLII, 
310; ZRPh., Bhft.1,99. (Ital. gufo aus 
ahd. hufo Diez, Wb. 378 ist wegen g- 
unwahrscheinlich). Vgl. 3519. 

1354. bübnlare „schreien wie ein 
Uhu". 

Ital. bubbolare „schreien wie ein 
Uhu", „rollen" (vom Donner). — Ablt.: 
bubbolo „Donner". (Ital. bubJmlo „Glöck- 
chen", „Klapper", ImbMa „Blase", 
„Flausen", „Lüge" Caix, Stud. 231 
stehen begrifflich fern). 

1355. bubulcns „Rinderhirt", 2. •bii- 
ffilcus. 

2. Ital. bifolco, abruzz. b^foi^, piac. 
bios, engad. buolk. — Ablt. : emil. bolka 
„Joch Land". — AGlItal. II, 328; III, 
382; X, 16; Salvioni, P.^. (Das -f- 
scheint auf osk.-umbr. Herkunft zu 
weisen, doch ist die Deutung des zwei- 
ten Teiles nicht sicher ZVglSpF. XXXVI, 
343; IgF. XVII, 115; AANapoh, n. s. 
I, 45). 

13.56. bübalos „zum Rinde gehörig". 

Log. buhl „Ochse", petta Imla „Rind- 
fleisch" RoUa, Etim. dial. sard. 13; 
RILomb. XLII, 831. 

1357. biicca 1. „Wange", 2. „Mund". 

1. Rum. Inwa. 

2. Vegl. huka, ital. bocca, log. bukka, 
engad. buoTca, friaul. ImUe, frz. boiiche, 
prov., katal., span. boca, portg. bocca; 
ital. far 7>ocfAt „maulen". Prov., Schweiz., 
obwald. auch „Lippe" RomF. XIV, 385. 
— + brisa: engad., briKa. veltl. brika 
„nichts" R. XXXI, 277. - Ablt.: ital. 
boecone „Bissen", campid. hukkedda 
„Gebiß"; nprov. hukd (> frz. bouqutr) 
„gezwungen küssen" Dict. G6n. — Zssg.: 
log. ^tbbukkare „umstürzen". — Diez, 
W^b. 57; ALLG. I, 253. (Frz. boncher 
Diez, Wb. 529 s. 1226; frz. bouquer zu 



100 



1358. buccala — 1369. bucinare. 



anord. hukka , niederdrücken* FrzSt. 
VI, 24 ist nicht wahrscheinlich, weil 
das Wort erst bei Rabelais erscheint 
und den westfrz. Mundarten zu fehlen 
scheint). 

1358. bDCcata , Bissen". 

Rum. hucatä, ital. boccata, frz. bouchee 
O portg. buchada), prov., katal., span. 
bocada, poi'tg. boccada. — Rückbild.: 
portg. bucha ,Mund voll Essen, den 
man zum Trinken genießt". 

1359. buccella , kleines Brot". 
Aital. buccella , Brotkruste", verzas. 

büsela, bergam. bösela, comask. buseh 
engad. bütschella „Ostergebäck". — 
Ablt.: mail. bislan „Art süßes Gebäck", 
piem. biöolan, bergam. biÖolä, bresc. 
bosold, parm., regg. botsilan, uengad. 
biclun „längliches rundes Brot" ; comask. 
bisulana, Filisur: baölauna, bergeil. 
paslana, puschl. pisolano , Tannen- 
zapfen", „Maiskolben" Mussafia, Beitr. 
40; AGlItal. XV, 278; WS. I, 114; 
RILomb. XLII, 984. — Rückbild.: 
puschl. btis „nichts". — ALLG. I, 283; 
Salvioni, P.^ (Ital. bonciarelle „Pfann- 
kuchen" Caix, Stud. 212 ist zweifelhaft; 
puschl. bum *bvccea ZRPh. XXII, 517 
setzt eine bedenkliche lat. Form voraus 
und ist nicht nötig). Vgl. 1361. 

1360. *buccella „kleine Wange", 
„kleiner Buckel". 

Rum. bucea „Radnabe". 

1.36] . bnceellatnm „Schiffszwieback". 

Ital. buceellato, siz. vucciddatu, kalabr. 
vucöeddata, venez. botsold, engad. 
butschellö Mussafia, Beitr. 40; agnon. 
piccilleatu, irp. picöillatieddu, piazz. 
2}utsuddat „Tannenzapfen", im Anlaut 
wohl an pigna „Tannenzapfen" an- 
gelehnt WS. 1, 114. — Rückbild.: lucch. 
buccella, versil. belluccio „ein süßes 
Gebäck" ZRPh^ XXVIII, 176; XXX, 296. 

1362. *bucciuuin „Bissen". 

Afrz. boussin, prov., katal. bosi ALLG. 

1, 253. 

1363. bncco „Tölpel". 

Ital. bocco Caix, Stud. 210. (Span. 
bocon „großmäuliger Mensch" ist eher 
Neubild.). 

1364. bnccula 1. „kleine Wange", 

2. „Schildknauf". 

1. Ablt.: rum. bucurä „tätscheln", 
„kosen", „schön tun", „sich freuen", 
b^icuHe „Freude« AARom. XXIX, 212V 

2. Frz. boiicle, westfrz, bluk RPhFrt; 
Prov. XXI, 144, prov. bocla, bloca (> 
ital. borchia); frz. boucle (> ital. buecola, 



piac. bukal) „Ohrring"; frz. boucle (> 
rum. bnclä, ital. bticchh, sbrucchio, 
venez. bnkolo, emil. bök-cil. friaul. biikul, 
log. Imkkulu, span. Imcle) „Locke". — 
Ablt.: afrz. bocler, nfrz. bouclier (> 
prov. bloquiet; broquier, ital. brocchiere, 
brocchiero, friaul. brukidir, span., portg. 
broquel) „Schild". Auch span. brocof 
„obere Zwinge an der Scheide des De- 
gens"? — Diez, Wb. 529; Caix, Stud. 
232. 

1365. *bacelliiin „kleine Trompete". 
Afrz. busel „Röhre", wallon. biiz^ 

„Schalmei", „kleine Röhre", „Kehle". 
— Rückbild.: frz. 1)i(se „oberschläch- 
tiges Mühlgerinne". (Fläm., nd. buise 
Dict. Gen. ist nicht die Quelle des frz. 
Wortes, sondern daraus entlehnt). 

1366. Buchara (Stadt und Landschaft 
in Persien). 

Afrz. bouquerant (^ ital. bncheratne, 
span. bocara»), nfrz. bougran „Steif lein- 
wand" Dict Gen. (Arab. barcan, barra- 
can ZRPh. V, 556 liegt lautlich zu fern). 

1367. baclisen (mhd.) „schlagen". 
(Ital. bussare, afrz. buissier, sav. bosl, 

vionn. boese Diez, Wb. 361 ist bedenk- 
lich, da das germ. Wort zweifelhaft ist. 
Ital. bussare fulsahe Caix, Stud. 16 ist 
lautlich schwierig; zu langob. *bauza)i 
1007 ZRPh. XXIV, 65 setzt Entlehnung 
aus einer Mundart voraus, die -zz- zu 
-SS- wandelt. Nhd. „holzen" für „prü- 
geln" legt den Gedanken an Zusammen- 
hang mit 1226, bezw. 1430 nahe). 

1368. büciua „Trompete", 2. *bu- 
cma. 

1. Rum. bucin, bucium „Hörn", ital. 
bucine „Fischreuse" AGlItal. XV, 381 ; 
engad. büzen, obwald. bi£el „hölzerne 
Röhre der Wasserleitung", portg. Jwzio 
„Trornpetenschnecke". — Mit Suft. W.: 
span. buzon „Abzugsgraben"? 

2. Afrz. boisine, prov. bozina, span. 
bocina. Auch afrz. buisine „Wasser- 
rohr"? ALLG. I, 253. 

1369. bncinare „in die Trompete 
blasen". 

Rum. bucina, buctumä „ins Hörn bla- 
sen", a se zbuciuniä „zappeln", ital. 
(s)bucinare „in den Ohren sausen", „zu- 
flüstern", averon. Imsenare „lärmen", 
venez. buznar „sausen" (vom Winde, 
vom Bienenschwarm), friaul. buzind id., 
sen. ahbucinare „die Ohren voll reden" 
Mussafia, Beitr. 98; R. XXVII, 229, prov. 
bozenar „brummen". (Franche-comt. 
bözene „an den Fingerspitzen frieren". 



1370. büculus — 1378. bukk. 



lOl 



, prickeln" R. XXXVIII, 366 ist wohl 
eher Schallworl). 

1870. büculus , kleiner Ochse", -1. bo- 
cula , kleine Kuh". 

1. Vegl. hi(d, afrz. hugle. — Ablt. : 
afrz. huf/ler , brüllen", „ins Hörn blasen", 
ntVz. beugter „brüllen"; afrz. hugle 
„Hörn". — Diez, Wb. 5iJ3; Dict. Gen.; 
G. Paris, M61. ling. 349. 

2. Lyon. Jtoi/a „junge Kuh", südostfrz. 
h6n „Mädclien" AStNSpL. C.XXI, 445, 
vgl. 1225. 

1371. buda „Schilf". 

Kalabr. viida, siz., log. buda „Stopf- 
werk", nprov. bu(z)o, katal. hoga, bopa, 
porty. tabua „Wasserkolben". — Ablt.: 
ital. biodo, portg. buinho „eine Art Rohr", 
hunho „Art Cyperngras" ; log. budcäda 
„Matte"; abbudare „ins Kraut schießen*. 
— Diez, Wb. 360; R. XX, 57; ZRPh. 
XXXIII, 349. (Siz. burda s. liOl). 

1372. bueb (aleman.) „Knabe", „Sohn". 
Obwald. buob „Sohn", Schweiz, bub, 

blieb „Sohn", „Knabe", buba „Mädchen", 
lothr., montbel. bufb Tappolet, Ver- 
wnndtschaftsn. 46. 

1373. buff (Schallwort).. 

Ital. buffare „mit vollen Backen 
blasen", baffo „Windstoß", „Possen- 
reißer", dazu buffare „Possen reißen", 
buffa „Posse", „Scherz"; huff'a (> frz. 
buffe) „Visier am Helme", „Kapuze"; 
siz.. kalabr. buffa „Kröte" ; ital. bufare 
„stürmen", „wehen", „Schneegestöber 
sein", btifera „Schneegestöber", wohl 
ein nordital. Wort, wie -f- statt -ff- 
und -era statt -iera zeigt; not. hufnlutu 
„aufgeblasen"; eniil. brufel, veron., 
venez. brufolo, friaul. bruftil „Pustel", 
ferr. brufel „Nasenloch"; log. buffare 
„blasen", „saufen", frz. bouffer „auf- 
gehen", „sich nach außen wölben", se 
hmfjir „aufschwellen", Val de Saire: 
hufe „gierig essen", frz. Ixmffee „Wind- 
stoß", hmffette „Quaste", wallon. l>of6 
„Nadelkissen", nprov. bufä „blasen", 
fr»</ „Windstoß", bufet „Blasebalg", bufre 
„aufgeblasen", bufegu „gierig fressen" ; 
katal. bofet „Ohrfeige", bofetada (> 
span. htfetada) id., span., portg. l)ofe 
„Lunge", Imfo „Brotkrume", arag. bofo, 
span., portg. fofo „aufgeblasen" ZRPh. 
XIII. .527; span., portg. bufar „schnau- 
ben", „brausen", span. Imfada „kurzer 
Windstoß", bufos „bauschiger Besatz 
an Kleidern". — Diez, Wb. 72; 433; 451. 
(Daß frz. buff et „Kredenz" hierher ge- 
höre, ist lautlich und sachlich unver- 



ständlich; portg. bufarinheiro „Hau- 
sierer" RL. III, 134 ist wegen span. 
buhonero zweifelhaft; prov. bolfiga 
„Blase", venez., veron. sbossegar, tirol. 
sholßnä „husten" Mussafia, Beitr, 36 
entfernen sich lautlich zu sehr). 

1374. bufo „Kröte". 

Ital. bufone, log., kors. buvone „Käfer" 
AGlItal. XIV, 161, gask. buhnn „Maul- 
wurf". — Ablt.: siz. bufuluna „Schild- 
kröte". 

1375. Bugia (Stadt in Nordafrika). 

1. Portg. turne de Bugla „Kerze", 
span. bugia (> ital. bugia, frz. bougie, 
prov., katal. hugia) id. 

2. Portg. bugio „Affe". — Diez, Wb. 73; 
Mise. hl. ling. 120. 

1376. buk (fränk.) „Bauch". 

Afrz. buc „Rumpf", „Bienenkorb", 
prov. buc „Rumpf", „Bienenkorb", „Arm- 
stummel", katal. buc „Bauch", „Schiffs- 
rumpf", .Schiff" O span.buque „Schiffs- 
rumpf", „Fassungsraum des Schiffes, 
des Fasses u.dergl.", „Schiff", portg. btico 
„Fassungsraum des Schiffes", ital. buche 
„Heringsbüse"), valenc. bue, buca „ge- 
fräßig". — Ablt.: frz. trflmcher, prov. 
tralnicar(y venez., span., portg. /rrtii/mr, 
ital. fraboccare mit Anlehnung an Ixu-ca) 
„umstürzen", afrz. trebiichet, prov. tra- 
buc, tralmquet O span. trabuco, veron. 
strabuco, '\\s\,trabocco, trahocchettö) „eine 
Kriegsmaschine", „Falle", waatl. trob^öi 
„Statifelei", „Gestell, an welchem die 
Schweine geschlachtet und aufgehängt 
werden" ZRPh. XXVI, 32. — Diez, Wb. 
72. (Ital. buco „Loch" Diez, Wb. 72 
ist formell und begrifflich wenig wahr- 
scheinlich AGlltal. XVI, 371, ital. bugiare 
„durchlöchern", Imgio „Loch" kann sich 
aus einer Verquickung von bucare, buco 
mit pertugiare, peiiugio erklären, ebenso 
lomb. büs, wenn dieses nicht sein -s 
vom Plur. hat und bugio nordital. Lehn- 
wort ist. Vgl. 9381. Venez. Imzo de 
are „Bienenkorb" klingt an afrz., prov. 
buc id. an, entfernt sich aber im Kon- 
sonanten; lomb. bizö{l) „Bienenkorb" 
weicht auch im Vokal ab). 

1377. bnk (germ.) „erhöhte Grenz- 
schneide". 

(Span, buega „Grenzstein" Diez, Wb. 
434 ist lautlich unmöglich). 

1378. bukk (fränk.) „Bock", 2. bock 
(nhd.). 

1. Frz. Ixmc, prov., katal. boc be- 
zeichnet in frz. Mundarten vielfach den 
„Heuschober" At. Ling. 1198. - Ablt.: 



i 



W2 



1379. bnkon — 1385. bulla. 



metz. bokot /liege", , Getreidehaufen " 
ZRPh. IX, 500; XXVII, 149; frz. boucher 
O siz. vucceri, galiz. huxao) , Fleisch- 
hauer", zunächst deijenige, der junge 
Böcke schlachtet StFR. IX, 14ü. — 
Zssg. : vvallon. hok e gat, hugat „Zwitter" 
Behrens, Frz. VVortg. 29. — Diez, Wb. 
529; FrzSt. VI, 21. (Veltl. hos .Ziegen- 
bock". val-Ievent. hos, arbed.^;us „Kalb", 
tess. hos, hosa „Kuh", bergell. hus 
„Rind", mail. htisin „junges Kalb" 
R. XXIX, 552: RILomb. XLI, 204 sind 
wohl eher Lock Worte; V&iaX.hutxt, valenc. 
hochin, span. huchin, hoquin , Henker'^ zu 
frz. houcher ZRPh. V, 239 ist im Suff, 
auffällig). 

2. Obwald. hok. 

1379. bükoii (fränk.) „Wäsche bau- 
chen". 

Frz. huer, prov. hiigar. — Ablt. : afrz. 
Imee „Laugentuch", nfrz. hue'e „Wäsche", 
namentlich im Osten und Südosten At. 
Ling. 759, nfrz. buSe „Beschlag an 
Fensterscheiben", ital. hucato, emil. hu- 
geda, obwald. hugada, nprov. hügado 
„Wäsche"; nprov. embiigä O frz. com- 
huger) „ein Faß einwässern, damit die 
getrockneten Dauben sich zusammen- 
schließen". — Diez, Wb. 72; FrzSt. 
VI, 19. (Zu 1376 AGlItal. II, 378; 
XV, 102 wäre begrifflich möglich, wenn 
man von hucato als dem „mit einem 
Loch versehenen Laugenfasse" aus- 
gehen könnte, doch hat weder ital. 
hucato noch frz. hiiee diese Bedeutung, 
außerdem decken sich geographisch die 
beiden Wortsippen nicht). 

1380. bulbos „Zwiebel". 

(Ablt.: mazed. j«ftM7foMÄ;ar/ „ vor Gesund- 
heit platzen" AARom. XXIX, 235 ist bei 
dem gänzlichen Mangel von Bulbus 
-im Rom. bedenkhch, auch begrifflich 
schwierig, eher zu 1385). 

im. bule (mhd.) „Buhle". 

Triest.,venez., march. btdo, piem., lomb. 
biU{o), bergam. bölo „Raufbold", „Auf- 
schneider", „Stutzer" Diez,Wb.361. (Mhd, 
-uo-, bayriscli-österreichisch -ue- wird 
sonst nicht durch ital. -«-, -ü- wieder- 
gegeben ZRPh. XXIV, 76, auch fällt 
das -0 auf; bubulus Vidossich, Stud. 
dial. triest. 36 setzt eine sonst nicht 
vorkommende Behandlung des -fc- voraus). 

1382. biilga (gall.) „lederner Sack", 
„Ranzen". 

Triest. bolega „Art Netz" ZRPh. XXVII, 
750. frz. houge „Felleisen" (> ital. 
holgia, puschl. boga „dicker Bauch", 



versil. holgo „Melilsack", obwald. hnlga 
„Felleisen", hüls „Bauch"). — Ablt.: 
frz. hougette (> ital. holgetta), prov. 
bolget „kleiner Blasebalg", prov. holjas 
(y span. hiirjaca, portg. horjaca) „Sack". 
Von horjaca: portg. horcejote, horjaqote 
O ital. hergiotto, horgiotto, hrigiotto, 
gen. hn'gesotu) „Art Feige" Caix, Stud. 
221 ; GLig. XXXIII, 383. — ALLG. I, 233. 
(*BuL(rEA Diez, Wb. 57 paßt für das 
Frz. nicht; rum. ?>Mfe „Klumpen", „Ball" 
*BULuius, rum. hulgnr id. *BULauLUs 
Pu§cariu, Wb. 235 stehen begrifflich 
fern; germ. Ursprung von houge FrzSt. 
VI, 23 ist nicht nötig; triest. bolega zu 
1388 SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 172 
liegt begrifflich ferner; span. hurjaca 
zu HYHSA Caix, Slud. 232 ist noch 
schwieriger als zu bulga). 

1383. bnlgärus „Bulgare", „Ketzer". 
Ital. huggerone O span. hujavron) „So- 

dorait", avenez. huzzeroue, frz. bougre. 
— Ablt.: ital. huggerare „schänden", 
„betrügen", „überlisten", „vergeuden", 
frz. rahougrir „im Wachstum verküm- 
mern". Das ital. Verbum und das frz. 
Substantivum gelten als Schimpfwörter 
und werden deshalb bewußt verunstaltet : 
ital. huscherare, htiggiancare, amail. 
holgirar, piac. holoflä, piac, regg., parm. 
hiskar (> frz. bisquer) „aufbrausen", 
aret. alhistrfrsi id.; friaul. hudeld: frz. 
higre, houffre, houdre, dougre, prov. 
histro Zöciiler. Beteuerungsform. 158. — 
Diez, Wb. 530; 663; Mussafia, Beitr. 39; 
Caix, Stud. 234. (Frz. hisqner zu anord. 
hesk Dict. Gen. ist lautlich und histo- 
risch unmöglich). 

1384. bnlka (fränkisch) „Masse", 
„Rumpf". 

Afrz. houche „Bündel". — Ablt.: 
houchier „in Garben binden" ZRPh., 
Bhfl. VI, 29. (Nfrz. reboncher „stumpf 
machen" eher zu 1226). 

1385. bnlla „Blase". 

Ital. holla, log. hiulda „Gedärme", 
campid. bumhulla „Blase", engad. bnola 
„Schwiele", frz. houle „Kugel", prov., 
katal. O span., portg.) bola id., span. 
bollci „Abgabe von Seidenstoffen" (> frz. 
bouille „Plombe an Seidenstoffen"); 
afrz. houle (> span. hola) „Lüge", „Wind- 
beutelei". — Ablt.: ital. hollo „Stempel", 
„Marke", venez. holo, mail. />o? „Scho- 
koladeplätzchen", span. hollo „Beule", 
„Vertiefung", portg. holo „Kuchen", 
„Kloß"; venez. burela, bresc. borela 



i:i8ü. bullare 



1380. bullire. 



103 



, kleine Kuger, ,Hall% ,Kegel\ veltl. 
hiirela „WaclioKlerheere". trient. Imref 
^dle als Ziel dienende Kugel beim Boc- 
ciaspiel", vicent. hulielo , Geschenk zum 
Drelkönigstage" R. XXXVI. 227; log. 
(thhiuldare ..sich sättigen" R. XX, 5t); 
RILomb. XLII. (iG7. [Ilal. hiiUo, frz. 
halle, prov.. span.. portg. hulla. — Ablt.: 
ital. hullettino (frz. bulletin); frz. hillet 
( > ilal. higlidto). Die diesen Ablt. zu- 
giamde liegende Bedeutung ist die der 
, Kapsel" an Diplomen, dann , Diplom", 
, Erlaß" usw.]. — Diez, Wb. 57. (Ital. 
huyliolo s. 1389, frz. houlanger s. 139if, 
portg. eshtilhar s. 4548', zu Imvela vgl. 
1214). 

138G. biillare „Blasen werfen", „spru- 
deln", „aufsprudeln". 

Fiem. hole, frz. bonler, nprov. houlA 
„pulsen", /ntW „im Kot waten", „berum- 
stampfen". „Trauben mit den Füßen 
stampfen"; afrz. nhoulev „von Liebe 
enttlammen". — Ablt.: nprov. buht 
„Trampe", afrz. bonle, aprov. holuda 
, Keule", berricb. buUu' „Kelter"; afrz. 
binile, span. bnlla (> portg. bulha) 
„Liirm", „Unordnung".- Mit Schall 
nachahmender Doppelung: span. bor- 
boUar C> portg. Imrbidhar) „spru- 
deln", „aufwallen", katal. borMlar „ver- 
wirren", />r«/^^>- „sieden" ; log. bnrbuflda, 
span. borMl<t „Blase", portg. borbulha 
«Blase", „Knospe"; ital. burbama, ital. 
/'oW;»^//«;'«» „blubbern", „undeutlichspre- 
chen", barbotfare „kollern im Leibe", 
„brummen"; irz. barlmniller „undeutlich 
reden", „besudeln", „beschmutzen", 
afrz. bimrbeter, nfrz. barboter „im Mo- 
rast wühlen", „herum schwimmen", 
..schnattern wie eine Ente"; nprov. 
biu-bHjiu „kollern", span. barbullar „un- 
ileutlich sprechen", arag. harbotear 
„zwischen den Zähnen sprechen", span. 
borbotear „sprudeln", katal. bavbolegar 
„zwischen den Zähnen sprechen": sen. 
borborore, versW. borbicare „brummen", 
versil. borbiglione „Käfer" ; ital. garbitglio 
C^ fvz. grabiige, spnn. garbnllo) „Unord- 
<iung". — Rückbild.: frz. Imurbe 
„Schlamm". J>ourbotte, iHmrbette 

„Schlammpeizger"./wi<;7;e/-„ im Schlamm 
herum patschen" ZRPh. XXXllI, 472. - 
SBPhHKl AWWien CXLI, 3, 128 ; 1 3U; 208. 
(Wie weit Anlehnung an harha H44 vor- 
liegt, bzw. Ablt. davon Diez. VVb. .58, wie 
weit Schall nachahmende Urschöpfung, 
ist schwer zu sagen. Lucch. bitn'rare 
„herumstöbern", frz. burger, bruger. 



prov. bnrcar „stoßen", span. hurgar 
„pulsen" SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 
128, kalabr. vurga, vruga, span. hurga 
„warme Heilquelle" ebenda Seite 130 
stehen lautlich und begrifflich noch 
ferner. Span. Imrga aus bask. hero 
nrga Diez, Wb. 434 ist abzuweisen, weil 
das bask. Wort nicht besieht; frz. Ixmrbe 
aus griech. borboros Diez, Wb. 531 ist 
sachlich unwahrscheinlich; nprov. bulie 
O i'rz.boulter), bullerh (> katal. bolich, 
span. Miche) „eine Art Netz" *hul- 
UGiCM SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 1.30 
ist lautlich unmöglich, da als Tonvokal 
-f- zugrunde liegt). 

1387. bulle (mhd.) „Bulle", „Stier". 
Vionn. l>old „junger Stier". (Zweifel- 

hatl, da das nd. bulle den für das Wallis 
in Betracht kommenden schweizd. Mund- 
arten zu fehlen scheint). 

1388. biillicare „sieden". 

Ital. bulicare „sieden", „sprudeln", 
„wimmeln", brulicare „wimmeln", mail. 
bigold id., engad. brierler, münstert. 
hriglar, puscbl. brigolä AGlItal. XVI, 369, 
frz. Itouger „bewegen", [)ro\.Megarid., 
nprov. bulegd „pulsen", katal., valenc. 
bellugar „wimmeln", „in Bewegung 
bringen". — Mit Sufi. W.: log. buliare 
„trüben", bulazare „pulsen" SBPhHKl 
AWWien CXLI, 3, 129. - Ablt.: trevigl. 
bigolere „Jucken", „Gewimmel", gallur. 
hnllggu „Schlamm" AGlItal. XIV, 396. 

— Diez. Wb. 530. (Bei den ital. Wör- 
tern fällt -M- und -/- statt -o- und -U- 
auf). 

1389. bullire „sieden". 

Ital, bollire, log. huddire, engad. buFir, 
friaul. buli, frz. l>ouillir, prov. hnlir, 
bulhir, katal., span. l>olUr, portg. Mir. 

— Abb.: lomb. büi, gen. bilgu, venez. 
higo, obwald. huf „das Aufsieden", 
engad. buoT „Quelle", „Strudel", remüs. 
bni „Brandblase* : parm.. monferr., veltl, 
hui „Waschtrog". „Trog", piem. Imya 
„Waschtrog", sard, buza „Schlauch", 
Schweiz., sav. Ixtge „Kufe"; tess. Inifja 
„das Gefäß, in welchem die Milch 
der verschiedenen Bauern gesammelt 
wird", „Vereinigung mehrerer Vieh- 
besitzer", „Kuhherde auf der Alpe* 
AGlItal. XV, 487; BStSvltal, XIX, 147; 
frz. bout'lle „Trampe", /xwiV/tT .pulsen' 
SBPhHKlAW'Wien CXLI, 3, 129: ar- 
bed. bugon „Brunnentrog", bergell. 
I>niiuti .tiefe Stelle in einem Fluß*" 
RILomb. XLL 203: üsl. bollnre „Zorn", 
frz. iHiuillon (> hnglione) „Fleischbrühe", 



104 



1390. *bullücea — 1399. *bürattare. 



bouilUe ,Papp% «Mus" Thomas, Ess. 113; 

Thomas, Nouv. ess. 183. 1- lessare: 

ital. abhollessare , sieden machen". — 
Zssg.: lütt, ahnr „sprudeln". — Diez, 
Wb. 57 ; ALLG. VI, 379. (Ital. hugliolo, 
biigniolo „kleiner Zuber", dazu Rück- 
bild.: htigno „Bienenkorb", hugnola „aus 
Stroh geflochtener Korb" AGlItal. XV, 
487 sind zweifelhafter, vgl. 1396; spaii. 
zabullir Diez, Wb. 498 s. 790i). 

1390. *bullficea „kleiner Apfel". (Vgl. 
hulluca „kleiner Apfel"). 

Frz. heloce „Schlehe", jur. plos, sav. 
lelos „wilder Apfelbaum". — Mit Suff'. 
W^.: lütt, hiloh „Art Pflaume", norm. 
fefeÄ; „Schlehe", engad. j^a^Mo^rc, obwald. 
floga „kleine runde Pflaume". — Ablt.: 
ostlrz., Schweiz, hlosö, htjoso, hyesö 
„Holzbirne". (Auch nordital. halloge 
„gesottene Kastanien"? Rum. hlucä 
„kleine Kugel" könnte allenfalls bvl- 
LUCA sein, doch fällt ein, wie es scheint, 
gall. Wort in Rumänien auf, da es 
nicht zu den gall. Lehnwörtern des 
Lateinischen gehört; zu hlosö s. auch 
1168). 

1391. bultjo (fränk.) „Bolzen". (Vgl. 
holtio CGIL. II, 582, 8). 

Afrz. housson, flandr. busö „Pfeil", 
„Leitersprosse", prov. bosö (> ital. bol- 
zone „iVIauerbrecher", span. bozon). — 
Abu.: sen. bolginello, boncinello „eiser- 
ner Stift im Griff' der Türklinke" Caix, 
Stud. 213. — FrzSt. VI, 24; Beitr. z. 
rom. u. engl. Phil. 57. (Ablt. von bvlla 
üiez, Wb. 58 ist morphologisch un- 
möglich). 

1392. bunda (gall.) „Boden". (Vgl. 
ir. bonn „Sohle"). 

Val-ses. bonda „verborgener Ort*, 
„Couloir". 

1393. bumlaxt (nhd.). 

Frz. bondax „Stichaxt der Zimmer- 
leute". 

1394. buude (ahd.) „Spund". 
¥vz.bonde „Zapfen", „Schleuse", prov. 

bonda, comask. boldon, frz., prov. bon- 
äon Diez, Wb. 528. Dazu Schweiz, bödö 
„Wade" RomF. XIV, 269? 

1395. bnniiarium (mlat.) „ein Flächen- 
maß". 

Afrz., namentlich wallon.fc(>«Hier. (Zu 
1235 ZFrzSpL. XXVI, 183 V). 

1396. *bnna. 

1. Ital. hiigna „Korb aus Stroh", 
hugno „Bienenstock" , nprov. bäno 
„Baumstamm". — Ablt.: ital. bugnola 
„Korb aus Stroh", bugmne „Gestrüpp", 



„Strauch", afrz. bugnon „Bienen- 
stock". 

2. Lomb. butla, romagn. bona, afrz. 
bugne, bigne, nprov. Inifio „Beule"; mail. 
bun, romagn. boü „Pustel", „Pickel", 
katal. Itony id. — Ablt.: veron. biinon 
„Stoß", afrz. huignet, nfrz. beignet, 
aprov. bonheta, span. bnfiueJo „ein auf- 
gelaufenes Backwerk". (Urspioing un- 
bekannt. Ob 1 und 2 zusammenge- 
hören, ist fraglich, sie ließen sich etwa 
unter dem Begriff: „Auswuchs", „Ast- 
knorren" vereinigen; 1 zu kymr. bo, ir. 
bun „Wurzelstock" Diez, Wb. 360; 
Thurneysen, Keltorom. 82 scheitert 
daran, daß die gall. Entsprechung dieser 
Wörter *buno- wäre; 1 und 2 zu ahd. 
bungo „Knolle" Diez, Wb. 73 ist lautlich 
ebenfalls unmöglich. Zu 1 vgl. nocli 
1389). 

1397. bflr (germ.) „Haus". 

Norm, bür „Wohnung". — Ablt.: 
afrz. buron „Hütte", bayonn. biiret 
„Schweinestall" Diez, Wb. 536; FrzSt. 
VI, 19. Auch ital. burella „Kerker", 
„Zwinger", friaul. bure „dunkles Zim- 
mer" oder zu UWi Vgl. 1408. 

1398. *brira „grober Wollstoff". 
Afrz. bure „grober Stoff", „Kutte", 

span., portg. bnra „Stoff" aus Wolle oder 
Seide". — Ablt.: ital. burello „grober 
Stoff", afrz. burel „Wolldecke", „mit 
Stoff" beschlagene Truhe" oder „Tisch", 
nfrz. bureau „Rechentisch", „Schreib- 
tisch", „Zahlbrett", „Zahlstelle" ZRPh. 
XXXI, 232, i)rov. bttrel (> span. />?<r?W, 
portg. burel) „grober Stoff". (Ursprung 
unbekannt, zu 1410 Diez, Wb. 74 ist 
begrifflich, zu 1411 Dict. Gen. lautlich 
schwierig. Im Afrz. stehen chape bure 
und chape buire nebeneinander, doch 
ist nicht zu ermitteln, was dieses Imre, 
buire bedeutet und ob es zu *bvba in 
irgend einer Beziehung steht). 

1399. *bnrattare „Mehl beuteln". 
Ital. burattare, afrz. buleter, nfrz. 

bluter, morv. b'örte. — Ablt.: ital. bii- 
ratto, prov. barutn, afrz. buretel, nfrz. 
bluteau, berrich., champ. bürto, prov. 
brt;-M<eü „Mehlbeutel"; prov., katal., valenc. 
barntelar „Mehl beuteln". (Ursprung un- 
bekannt, Ablt. von 1398 Diez, Wb. 527 
ist morphologisch schwierig, auch steht 
nicht fest, ob -l- oder -r- älter ist. Mhd. 
biuteln „beuteln" paßt begrifflich, aber 
lautlich nicht, kann lautlich aber auch 
nicht die Grundlage von afrz. bonlenge 
„Mehlbeutel", nfrz. boulanger „Bäcker" 



1400. burbalia ^ 1410. bürius. 



105 



abgeben R. VIII, 434. Span, barruntar 
, voraussehen"', „erraten", „mutmafkn" 
Diez, Wb. 431 ist begrifl'licb und laut- 
lich nicht mit prov. *hantt<ti' „beuteln" 
vereinbar. Frz. houlaiu/er zu 13>i-'> 
Diez, Wb. 530 ist morphologisch un- 
verständlich). 

I4(X). burbalia „Eingeweide von 
Tieren". 

Nprov. hurhaio. — Rückbild.: nprov. 
huerho „Eingeweide", „Schlamm" Diez, 
Wb. 5.34; SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 
2()S. (Frz. hroHaiUes s. 1234). 

1401. burdi (arab.) „Rohrkolben", 
i. bardi. 

1. Siz. buriht. 

'2. Valenc. idharde (^ frz. aiearde), 
span. nlhardin „unechtes Spartogras". — 
Üozy-Engelmaim, Gloss. fiG; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 103; ZRPh. XXXIII, 347. 

140:2. *biirdicare „herumstöbern". 
(Zu 1403?). 

Gen. hnrdif/ar, romagn. hwge, mo- 
(ien. hiirrlk/er, parm. bordiyar, bergam. 
imnliyd, tilis. htirdiglar „wimmeln", 
„herum kriechen", altuengad. 6;7trf//mr, 
friaul. shrodegtl „beschmutzen", vgl. 
venez. aqua da shrodegar „Spülwasser". 

— Abu.: bergam. hrödig, tess. hrodi 
„schmutzig", engad. hriidi „Schmutz", 
venez. shrvdega „Abwaschmädchen"; 
emil. hordgon „Küchenschabe", „Schwa- 
be". (Mail, aberdiigd entfernt sich im 

[ Vokalismus ; friaul. sbrodegä usw. kann 

' auch zu 1321 gehören SBPhHKlAWWien 
GLVl, 5,37). 

1403. bnrdo 1. „Maulesel", 2.*„Pilger- 

\ Stab". 

' 1. Siz. hnrduni; ital. bovdone „Stütz- 

balken". — Ablt. : siz. burdunari „Maul- 
tiertreiber", span. Ixjrdoncro „V'aga- 
l»und"; venez. bordenal, ngen. bordonar 
„Hauptbalken der Diele"; bresc, ber- 

i, gam. bordonal, mail. brandend, pav. 
brendenä „Feuerbock". 

ti. Ital. bordone „Wanderstab", frz. 
bourdon, prov., katal. Jmrdd, span. bor- 
don, portg. bordäo. — Röckbild.: frz. 
ftonrde „Krücke", ital. bordo „Trampe", 

- Diez, Wb. 59; SBPhHKlAWWien 
CLVl, .5, 10. 

14^)4. burdo „Hunnnel", „Brumm- 
baü". 

Ital. bordone „Brummbaß", „Schnari- 
pfeife", frz. bourdon „Baß", „Hummel", 
sav. bordo „Kuhglocke", span. Itordon 
„Baßsaite", portg. bordäo „Baßsaite", 
„Brummbaß", „Sohnarrpfeife". — Ablt. : 



siz. burdUlinu „kleine Guitarre"; mail. 
bordion „Harfenpedale", „dünner Draht", 
pisan., piem. bordiyon, bergam. fntrdiü 
„dünner Draht". (Ursprung unbekannt, 
z. T. jedenfalls Schallwort, vgl. rum. 
bdrdäun „Hummel", Zusammenhang 
mit 1403 Diez, Wb. 59 „sofern die 
langen Trompeten mit Pilgerstäben ver- 
glichen wurden" ist zweifelhaft, doch 
könnte die spezielle Form des Schall- 
wortes biir durch den Anklang an Imrdo 
„Pilgerstab" bedingt worden sein. Wie 
sich piem. burdun „Wasserfurche", 
nprov. bnrdun „Streifen Erde, der durch 
Hacke oder Pflug aus dem Weinberge 
gewonnen ist", toul. burdun „Furche* 
dazu verhält, ist nicht recht klar. — 
SBPhHKlAWWien CLVI, 5,69; 84). 

1405. bnrdns „Maulesel", „Bastard". 

Log. burdu ; afrz. bourt, bourde, aprov. 
bort O span. borde) betleutet durch- 
weg „Bastard", galiz. borda „wilder 
Weinschößling". — Ablt.: poitev. bürde 
„Maulesel", span. burdegano „Maulesel" 
(als Kreuzung von Hengst und Eselin). 
— Diez, Wb. 59. 

140G. bnrgalese „aus Burgos in 
Spanien stammend". 

Afrz. bourgalaise „eine Art Lanze 
oder Speer" Thomas, Mel. 39. 

1407. burgs (germ.) „kleine Stadt". 
Ital. borgo, frz. bourg, prov. fto/r, 

span., portg. Inirgo. — Ablt. : ital. bor- 
ghese, frz. bourgeois, prov. borgues, portg. 
burguez „Bürger", siz. burgisi „Pächter", 
„wohlhabender Bauer". — Diez, Wb.. 59; 
FrzSt. VI, 20. (Das span., portg. -u- 
fällt auf: Zusammenhang mit lat. fmrgus 
„Belagerungsmaschine" ist begrifflich 
schwer anzunehmen, andererseits lallt 
das rom. Maskulinum gegenüber dem 
germ. Femininum auO. 

1408. biiria (germ.) „Haus". (Vgl. 
ags. byrja). 

Afrz. buiron, nfrz. buron „Sennhütte" 
ZRPh. Xll, .5.55. (Afrz. buire „Krug", 
ital. borraccta „Feldflasche" und afrz. 
buire, boire „Wasserbau" gehören nicht 
hierher RomF. XXIX, 634). Vgl. 1397. 

1409. burls „Krummholz am Pfluge". 
Ital. bure, piem. abii, bresc. lahör, 

campid. aguri, friaul. bure. — Ablt.: 
maW. büref, yeW.burala, puschl. brudel; 
comask. hiirala „Pflug". — Salvioni, 
P.'-; Rll^mb. XXXIX, 58^2. 

1410. bfirins „teuer färben", „glutrot". 
(Zu i?riech. pgrrös?). 



lOü 



1411. bürra — 1416. hürrus. 



Ital. huio , düster", , dunkel", afrz. 
chaj^e buire „ braunroter (?) Mantel". — 
Ablt.: ital. hnrella , dunkler Kerker"; 
ital. buratello , kleiner Aal", nprov. hürU 
,Art Meerbrasse" RLRom. LI, 391, 
frz. huret „Purpurschnecke", prov. hurel 
(> span. huriel) „braunrot"; gallur. 
anqä „beschatten" AGlItal. XIV, 389. 
— Diez, Wb. 74; ALLG. I, 233; SBPh 
HKlAWWien CLVI, 5, 47. (Lucch. sciam- 
huiare „den Magen umdrehen" AGlItal. 
XII, 132 ist begrifflich und morpho- 
logischunverständlich, \ia\.hrillo „glän- 
zend" StR. I, 35 ist formell unmöglich). 
Vgl. 1398. 

1411. burra 1. „Scherwolle", 2. „Pos- 
sen". 

1, Ital. horra, frz. hourre, prov., katal., 
span., portg. hoi-^-a, bedeutet span., portg. 
auch „Hefe", „Bodensatz". — Ablt.: 
ital. ahhorrare „stopfen", abhorrncciarsi 
„sich betrinken", sborrato „schwach", 
frz. hourrei-, prov. borrar „stopfen", 
frz. boiirrti „filzig", „unwirsch", vin 
bourru „ungegorener Wein", afrz. hotir- 
rel „Wulst am Helme", nfrz. hourreht 
„ringförmiges Silzpolster", „Fenster-" 
oder „Türdichter"; frz., prov. hoiirras 
„ein grober Stoff" ; span., Y^orig. horroso 
„hefig", „trübe", „filzig"; Vienne: hu- 
rayü „langhaariger Maulesel", Aosta: 
berril „mit Wolle versehen", katal. 
horrallö de llanct „Fließ". 

2. Ital. horre. span. horra. — Diez, 
Wb. 60; SBPhHKlAWWlen CLVI, 5, 17. 
(Span, hiirro „Schnitzelkasten der Buch- 
binder", portg. hurra „Geldkiste" SBPh 
HKlAWWien CLVI, .5, 36 fallen im 
Vokal auf und gehören daher eher zu 
1413 -^ ital. horraccia „Feldflasche" ist 
begrifflich nicht klar. Frz. bourreau 
„Henker", hourreler „quälen" sind eben- 
falls begrifflich nicht gerechtfertigt, da 
man zwar vielleicht von hourre „grober 
Stoff" zu hourreler gelangen könnte, 
ein postverbales bourrel (vgl. frz. botir- 
rel „Bussard"), bourreau aber nicht ohne 
weiteres eine Person bezeichnen könnte. 
Frz. bourde, prov. borda „Lüge", „Be- 
trug" ist formell nicht genügend er- 
klärt, eher zu 1098, vgl. prov. baordir, 
bordir „spielen", „tanzen", afrz. bour- 
dh' neben behorder „sich unterhalten", 
„scherzen", „betrügen". Span, borujo, 
gorullo „Trester der Traube", „Klum- 
pen" ZRPh. V, 239 fällt mit -r- statt 
-rr- auf, vgl. 1727. Aosta: berrii zu 
1049 AGlItal. XIV, 357' ist mit der 



Bedeutung des Suffixes -ii schwer ver- 
einbar). 

1412. *burrago „Boretsch". 

Ital. borrana, borrace, borragine, frz. 
bourrache, prov. borrage, span. borraja, 
portg. horragem. (Die verschiedenen 
Formen des Suft". weisen auf Wanderung, 
wie denn rum. horaufä mit -x/- ngriech. 
zu sein scheint. Ursprung unbekannt, 
Herleitung von^BUHRA Diez, Wb. 60; 
Mise. fil. ling. 43; SBPliHKlAWWien 
CLVI, 5, 18 ist historisch nicht begründet, 
arab. alm ra^ „Vater des Schweißes" 
Littre, Diel.; Dict. Gen. ist lautlich 
nicht einwandfrei. Die Entscheidung 
hat die Geschichte der Pflanze zu geben). 

1413. burrlous „kleines Pferd", 
2. *biirriccus „Maulesel". 

2. Ital. liricco, nprov. biirric, burrieo 
(y frz. bourriqne), span. borrico, portg. 
burrico. — Mit Suff. W. : langued. buru, 
morv. btirü. — Rückbild.: nprov. burro 
„Eselin", span. burro „Esel", portg. 
burro „Esel", „Sägebock", astur, burro 
„Hengst". — Ablt.: frz. hourriquet „Zug- 
schachtel der Maurer", span. borriquete 
„Gerüstbock". — SBPhHKlAWWien 
CLVI, 5, 12. (Bologn. brek „Widder" 
liegt begrifflich ab). Vgl. 1416. 

1414. *biirrio „Knospe" (zu bürra 
1411). 

Frz. bourgeou. — Rückbild.: nprov. 
burre, katal. borro „Knospe". — Ablt.: 
nprov. burreM „knospen" Thomas, Mel. 
36; SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 130; 
CLVI, 5, 42. {BoTRYO R. XXIV, 642 ist 
lautlich nicht, begrifflich schwer an- 
nehmbar; gQViu. burjan Diez, Wb. 531 ; 
ZRPh. XIX, 355 macht begrifflich und 
morphologisch Schwierigkeit). 

1415. *brirrula „kleine Wollflocke". 
Piem. burla „Garbenhaufen", span., 

portg. borla „Quaste". — Ablt.: piem. 
hurle „anhäufen", prov. horlar „durch- 
einander werfen", „venvirren". Vgl. 
1418. 

1416. bfirrus „feuerrot", „rotbraun". 

Ablt.: prov. burriola „eine Schnepfen- 
art", frz. bourret „Ochs" oder „Kalb" 
(namentlich von rot und weiß ge- 
sprenkelten Tieren), portg. borro „Ham- 
mel, der über ein Jahr alt ist", alemt. 
borro „junger, zur Zueilt bestimmter 
Bock"; langued. bwH- „einjähriges 
Lamm", „Schaf" oder „Esel", portg. 
borreqo „einjähriges Lamm", borracho 
„junge Taube" SBPhHKlAWWien CLVI, 
5,12; si>an., portg., katal. borrar „be- 



1417. *hürHtia — 14-2(i. butücula. 



107 



sudeln", . ausstreichen", spau. bon-on, 
portg. borrä" , Konzept", „Entwurf", 
„Tintenklex". 

1417. *brirstia feerm.) „Bürste". 
(Afrz. hros.se „Gebüsch", „wüstesHeide- 

land", inorv. hros „Hecke um die Fel- 
der herum", nfrz. hrosse „Bürste", prov. 
hrosa „Gestrüpp", „Heide", span. brozn 
„Abfall von Baumrinde", „Späne", bruza 
„Bürste", portg. bro^i „Bürste". — 
Ablt.: ital. hnizzoli „Strohfasern" Caix, 
Stud. 99, frz. hroussaiUe „Gestrüpp" 
O ital. bruzzfif/lin „Gerumpel", „Ge- 
sindel" AGlltal.'XIII,40ö). — Diez,Wb. 
70: Thurneysen, Keltorom. öl: FrzSt. 
VI, ^24; ZRFh. V, 5G2. Die Zusammen- 
stellung dieser Wörter unter sich und 
mit *nri{srij ist auch unter Zuhilfe- 
nahme eines gall. Stammes hnixit-, 
broj-H-, der „Binsen", „Reisigbündel" 
u. dergl. bedeutet hätte, nicht zu recht- 
fertigen. Ital. hrnsfia, das am besten 
passen würde, ist anders zu beurteilen, 
s. 1341. Bei frz. brosse dürfte die 
Bedeutung „Bürste" die jüngere sein. 
Am besten würde eine Basis *brQhja, 
*brQtUja, *brgssa für das Frz. und Prov. 
passen, wogegen das Span, und Portg. 
-p- verlangen. Wenn ital. hnizzaglia 
tönendes -zz- hat, wie einzelne Wörter- 
bücher angeben, kann es nicht hierher 
gehören). 

1418. *bürula „Scherz", „Posse". 
Ital. })Hrla (> nprov. hurlo), log. 

hiirrnlo, katal., span., portg. hurla. — 
Ablt.: \\.a\. burlare. span., porig. />?<r/rtr. 
(Ursprung dunkel. Zusammeidiang mit 
BVKHA 1411 Diez, Wb. 74: ALLG. I, 
t254 ist durch -u- ausgeschlossen; span. 
borla , Troddel" s. 1415). 

1419. büs (arab.) „Kufj". 

Span, bitz „Verneigung", eigentlich 
die Begrüßung, die darin besteht, daß 
man die Hände küßt und dann auf den 
Kopf legt ZRPh. XXXII, 4iJ4. Dazu: 
de buces „mit dem Gesicht auf dem 
Boden" Diez, Wb. 434, was sich wohl 
auch wieder aus einer anderen Art der 
Begrüßung erklärt. 

14(20. *brisca „Scheit". 

Lomb., piem. biiska, siz. rnska, engad. 
hiisl'a „Losholz", frz. bi'iehe, prov., katal. 
busl-(i. — Abu.: frz. bi'icher „Holz 
bauen", prov. buscalha „Reisig", bits- 
ralhar „Holz lesen", span., portg, iHscor 
„suchen", zunächst wohl „Holz lesen", 
span. bnsca „Spürhund". (Ursprung 
unbekannt. Zusammenhang mit nosc.i 



1226 Diez, W'b, 75 oder mit buxua 
1430 R. V, 170 ist lautlich und be- 
grifflich nicht annehmbar). 

14-21. bu88, butsch (nhd.) „Kuß". 

Trient, pos, bergell, bu(, engad. bil6, 
obwald. bi(:, grödn, hos, friaul. bux. — 
Al)lt. : \'QYZO.s.pns(i, bellun, busar, engad. 
bJiöer, obwald. biöd, grödn. buser, friaul, 
bnsd. — AGlItal. VII, 517; ZRPh. XVI, 
313. Wie weit Entlehnung, wie weit 
Urschöpfung vorliegt, ist schwer zu 
sagen. (Span, buz s. 14 lU). 

14i22. büstuui 1. „Grabmal", „Brust- 
bild eines Verstorbenen", "2. *„ Büste". 

2, Ital. busto (> frz. huste), engad. 
hast, span., portg. busto Gr. Gr. l\ 515. 
(Aprov. bust „Baumstrunk", nprov. büs 
„Pflugbaum" Thomas, Mel, 49, engad. 
bi'tst „Stamm" sind, wenn die Deutung 
richtig ist, kaum damit vereinbar. Viel- 
leicht ist aber „Baumstrunk" das Ur- 
sprüngliche, dann bliebe das Etymon 
zu suchen. Zu 2>'/J^«* 6975 Diez, Wb. 75 
ist lautlich und begrifflich unmöglich, 
Mazed. büfthm „Ruß" AARom. XXIX, 
21.3, buüinu „Klotz" ebenda 214 sind 
fernzuhalten, ebenso span. embustear 
„betrügen"). 

1423. bateo „eine Falkenart". 

Ital. abuzzago, bozzagro, siz. buttsak- 
kyu, frz. biison, lothr, b'ühö. montb^l, 
bözö, \)Y0\. bi'izok, bi'tzak, biizat. — 
Kückbild.: frz. buse, nprov. büso. — 
Diez, Wb. 536 ; ZRPh. IX, 501 ; ZFrzSpL. 
X, 245. (Die lautlichen und formalen 
Verhältnisse sind noch nicht aufgeklärt). 

1424. bfitio „Rohrdommel". 

Frz. hiitor Mise. fil. ling. 71 : ZFrzSpL. 
XXIII, 15. (Der zweite Teil des Wortes 
ist unverständlich). 

1425. bnttla „Faß", 
Franche-comt. bus, lyon, Itosi, Schweiz, 

hose O frz. bosse), sav. bofa, hoste 
At. Ling. 1313, nytvov. buso. — Ablt.: 
nprov. boseto „Fäßchen", afrz. bousset, 
franche-comt. bnsii, vionn. böse id., 
Ivon. anibosii, Avald. oiubosou, piem. 
miihosür „Trichter" AGlItal. XIV, 377; 
Bertoni, Denom. dell' imbutoll: lyon. 
ambose „Wäsche einweichen". (Piem. 
ainbosur *i\v<>j{soi{rrM AGlItal. Vlll, 
384 ist lautlich unmöglich: grödn. fnifsa, 
ital. bocrin „Flasche" weichen im Vo- 
kal al)). 

1426. butticnla „Flasche". 

Frz. bouteflfe (> ital. bottfglio, span. 
hotella. portg. bote/ha), span. botfja (> 
porig, botija) „weiter, bauchiger Krug 



108 



1427. buttis — 1436. hyzaiiüus. 



mit engem Halse". — Mit Suff. W.: 
Schweiz. hotoTe. 

\i-ll. bnttis (griech.) ,Faß^ 
Rum. hüte, ital. botte (> frz. hotte 
, Schlauch"), engad. huot, afrz. bout, 
apiov. bot, nprov. huto, nur im äußersten 
Süden. At. Ling. 1313, katal., span., 
portg. böte; nfrz. hout ^grofser Korb". 
— Ablt. : ital. botticello, afrz., prov. 
bocel ^Fäßchen", span. botecillo ,Farhen- 
näpfchen" ; westfrz. huttyu ^Deckelkorb" 
At. Ling. 965; bergam. botas , Bauch", 
bresc, crem, botm ,Krug", , Bauch", 
mail. fcofrts „Schlauch", , Flasche", davon 
Rückbild.: bota „Wade" Lorck, Aber- 
gam. Sprachd. '27, bergam. botezöl, 
rouerg., forez. buteu „Wade" RomF. 
XIV, 469; nprov. embntadü „Trichter" 
AGlItal. XIV, 377; ital. abhottarsi „sich 
vollessen", sbottare „platzen" Caix, Stud. 
131, span., portg. embtitir „einzwängen", 
„ausstopfen", „gierig essen". — Diez, 
Wb. 62; ALLG. I, 254; RomF. VI, 93. 
(Span, embufir zu 1007 Diez, Wb. 445 ist 
formell kaum annehmbar). 

1428. *büt (fränk.) „Holzklotz". (Vgl. 
anord. hütr). 

Frz. but „Ziel", „Zweck", butte „Erd- 
haufen". — Ablt.: biiter „stoßen* Diez. 
Wb. 63; FrzSt. VI, 24. (Sehr zweifel- 
haft. But von buter und dieses gleich 
bouter 1007 Dict. Gen. ist lautlich und 
begrifflich schwierig). 

1429. bü'tyrum „Butter", 2. bü- 
ty'rum. 

1. Afrz. burre (^ ital. bnn-ö), ostfrz. 
bör iy frz. beurre), prov. bnire. 

2. Ital. butin'o, piem., lomb., trient. 
büter, venez. buter, prov. boder, bearn. 
bude; sen. biturro, lomb. hedil, val-ses. 
bedäl. — Ablt.: h.-pyr. buderaso „En- 
zian" (weil die Blätter zum Verpacken 
der Butter verwendet werden). — ALLG, 
I, 254; LBlGRPh. XIII, 71; Thomas, 
Nouv. ess. 181. (Das -e- iür -y- er- 
klärt sich aus der spätgriech. Aus- 
sprache des ij als ö, auffällig ist prov. 
■0- für -H-). 

1430. bnxus „Buchsbaum". 

Ital. bosso, afrz. bois, nfrz. htiis, prov. 
bois O mt'vz. boiiis), katal. &ox- (> span. 
%) Diez, Wb. 60. (Prov. dehoisar 
„zeichnen", katal. debm'xar (> span. 
dibujar, portg. dcbw'xar) Cuervo, Dicc. 
ist formell aufföllig, da de- nicht recht 
verständlich ist; frz. bois, buisson R. V, 
169 s. 1226). 



1431. bylauder (niederl.) „zwei- 
ma st i ger Kau f fahrer " . 

Frz. beiandre, haiandre (/> ital. ba- 
landra, palandra, span.. portg. halandrä) 
Dict. Gen.; Behrens, Frz. Wortg. 292. 
(Hd. binnenUlnder Diez, Wb. 232 liegt 
lormell ferner). 

1432. byrsa „Fell", „Leder", „Leder- 
tasche", „Beutel". 

Ital. borsa, log. biiSa, engad. buorsa, 
friaul. borse, frz. hourse, prov., katal. 
horsa, span., porig, bolsa, bedeutet 
mehrfach auch „Hodensack", anderer- 
seits „Geldtasche", daher frz. bonrse 
„Stipendium" und „Ort, wo Geldge- 
schäfte abgeschlossen werden". — Ablt.: 
lyon. borsä „männliches Kind", — Diez, 
Wb. 61; ALL(4. I, 254. (Ital. bozzac- 
chi'one „verschrumpfte Pflaume" Caix, 
Stud. 216 fällt mit -zz- auf; rum. boa§ä 
„Hodensack" *jiYBSKA Pu§cariu, Wb. 
210 ist lautlich nicht einwandfrei). 

1433. byssinos 1. „rot", 2. *„ Weichsel- 
kirsche". 

2. Ital. risciola, moden. vesra, crem., 
vicent. verla, afrz. gnisne, nfrz. guigne, 
b6arn. ginle, span. guinda (> engad. 
(Jinda), portg. guinja. — Diez, Wb. 
343; Mussafia, Beitr. 120; G. Meyer, 
Alban. Wb. 473. (Die Geschichte des 
Wortes und der Formen ist im Ein- 
zelnen unklar, i-um. ri^inä kann wie 
friaul. uizine aus dem Slav. stam- 
men, auch afrz. guisne steht dem slav. 
visnt, visnja ebenso nahe wie dem 
ngriech. visino. Die nordital. Formen 
sind ganz unverständlich). 

1434. byssns „Leinen", 2. bnssns. 
2. Rum. bu§ „grober Wollstrumpf" 

Giuglea, Cerc. lexic. 14. (Nicht bysseus 
sondern -§ statt -s vom Plural aus). 

14.35. bytin (anord.) „Beute", 

Yvz.butin, prov. botin (y iial.bottmo, 
span. botin) Diez, Wb. 62; R. V, 168; 
FrzSt. VI, 112; Beitr. z. rom. u. engl. 
Phil. 57. 

1436. byzantins „eine Goldmünze" 
(aus Byzanz). 

Afiz. besaut (y ital. besante, span., 
portg. besante), prov. besan. Die roma- 
nischen Formen sind von dem als Ob- 
liquus Pluralis gefaßten besanz nach dem 
Muster amanz, amant neugebildet, vgl. 
Rom. Gram. II, 24, oder stammen 
von mgriech. btjzantis NJbPhP. XXV, 
424). 



1437. cabälla — 144G. caeeraphaton. 



im 



c. 



1437. cabälla ^Slute". 

Ital. caralla, prov. carala (> frz. 
cavah); span. cabälla, portg. cavalla 
„Makrele". Das frz. Wort gilt in der 
Schriftsprache als dichterisch, mundart- 
lich erscheint es nur im Wallon. At. 
Ling. 730. — Ablt. : ital. cavalhita, 
span. cahulleta „ Heupferdchen ". 

1438. caballariits „Pferdewärter". 
Ital. cavallaro. 

1439. caballieare ^reiten". 

Ital. cavalcare, log. kaddigare, engad. 
Kacalger, friaul. Kavalgä, frz. rhevaucher, 
prov., katal. cavalgar, span. cahalgar, 
portg. caralgar. — Zssg.: rum. hicälecä 
„aufs Pferd steigen", descälerä „ab- 
steigen", „sich niederlassen", „besie- 
deln". 

1440. cabällus „Pferd". 

Rum. lal, ital. carallo, log. kuaddii, 
engad. l'avar, friaul. Jiaval, frz. cheral, 
prov., katal. cavall, span. cqballo, portg. 
carallo. — Ablt.: rum. cälare „beritten", 
arum. välanu „Reiter", mazed. cälar 
auch „Dachfirstbalken"; ital. cavallaio 
„Pferdehändler", log.kaddardzu „großer 
Dreifuß", frz. chevalier, prov. cavaliev 
(y ital. cavaliere ^ frz. cavaliev) 
„Reiter", „Ritter", „Edelmann", span. 
Caballero, portg. caralleiro in denselben 
Bedeutungen und vielleicht auch aus 
Frankreich entlehnt; ital. ravalletto 
„Slafielei", „(letreideschober", mant., 
regg. karayon „Getreideschober", frz. che- 
valet „Staffelei", „Gestell", „Gerüst" (> 
span. eaballete, portg. cava liefe „Staffe- 
lei", „Gerüst", „Dachfirstbalken"); nprov. 
cavalet „kleiner Getreideschober", cavau 
„großer Getreideschober" ; span. cahallon 
„Ackerbeet zwischen zwei Furchen" ; 
gask. eskalauä „über etwas hinweg- 
setzen" Thomas, Nouv. ess. 259. — 
Zssg.: h-z. chevan-Uger „leichte Pferde", 
„leichte Reiterei". — Diez, Wb. 93. 

1441. cnblii (engl.) „Kabine". 

Ital. cabiiio, frz. cabin Diez, ^Vb. 8"); 
AGlItul. 111. 31. j. (Ilal. gabhietto. frz. 
cabinet, span. gabinete begegnet frz. 
schon im 16. Jhrh., während cabitt viel 
jünger ist, so daß der Zusammenhang 
fraglich bleibt; ital. sgabuzzino „schlech- 
tes Zimmer" Caix. Stud. 5üO gehört 
kaum hierher). 



1442. cabariiS (ngriech.) „Seekrebs". 
Mazed. kaniric, tarent. kaum, log. 

Partim SBPhHKlAWWienCXXXII, 3, 23. 

1443. cacare „kacken". 

Rum. cäa), vegl. kahior, ital. cacare, 
log. kagare, engad. k!er, frz. chier, 
prov., katal., span., portg. cagar; bellun. 
kegar. — Ablt.: venez. kagon „Feig- 
ling", „Schwächling", vgl. rum. card- 
fricd „furchtsamer Mensch* ; mfrz. cagof 
„elender Kerl", nfrz. cagof „scheinheilig", 
auch Bezeichnung einer in Bearn leben- 
den Kaste; bretagn. kako, kagö „aus- 
sätzig" ZRPh. XXXI, 058; mall., bergam., 
brese. skigasd „scheißen". — Zssg.: 
ital. cacajmzza, cafapnzza „Art Wolfs- 
milch" AGlItal. XV, 378, abruzz. kata- 
imfts^, kalaptttfse „Terebinthenbaum". 
(Alog. iskecatu „verdorben" SBPhHKl 
AWWien CXLV, 5, 16 ist in seiner Be- 
deutung nicht sicher, „unleserlich" 
* KXCAEVATi's X^iies\. XXX, 61 ist aber 
noch bedenklicher; frz. cagof caxis 
Gorici's Diez, Wb. 537 bedarf der 
Widerlegung nicht, Beziehung zu bre- 
tagn. kako ZRPh. XXXI, 658 ist formell 
und begrifflich nicht gestützt). 

1444. *caccabellus „kleiner Tiegel". 
Abruzz. kakkacelle Mask. und Fem., 

neap. kakkarell^, tarent. kakkaredda; 
afrz. chachevel „Schädel" ; neap. kakka- 
velle, kors. kakkarelli „Osterkuchen". 

— ALUi. l, 539 i R. XI, 109. 

1445. caceäbus „Tiegel". 

Abruzz. käkkaie, tarent. käkkaco, 
kukkalo, siz. käkkaln, kors. kdkkaru, 
astur, kdkabu „Scherbe", arag. kukabc 
„Lache", „Pfütze": span. cacho, portg. 
caco „Scherbe". — -|- crcruA: vel- 
letr. kdkkamn, abruzz. kdkkainf. — 
Ablt.: portg. cachitmmia „Schädel" Mise, 
fil. ling. 122; span. cachar „zerbrechen". 

— Diez, Wb.435; ALLG, I, 539; ZRPh. 
XV. 242. (Portg. cachöla „Hinterkopf", 
wovon cacholofe (> frz. cachelof) .Pott- 
fisch" ZRPh. XXX, 569, klingt an, ist 
aber lautlich nicht aufgehellt, span. 
cacho usw. zu 2011 SBPhHKlAWWien 
CXLI, 3, 14 steht lautlich ferner und 
begrifflich nicht näher). 

1446. caeeinphatou (griech.) „übel- 
klingend". 

[Katal. gasafetd, span. gazafatön, ga- 
zapatön, aportg. cacafatatn „alberne 



110 



,1447. cachecticus — 1461. caecus. 



Ausdrücke"] RHisp. XVI. 98. (Die 
span. -j)-Form ist Avohl nur Druckfehler). 

1447. cacheclicns (griech.) Jeidend". 
[lia\. scaccJiicchto , schwächlich"] (-aix, 

Stud. 511. 

1448. cacliiuiiare ,laut lachen". 
Siz. skahl-an-iari; kors. kaJckand 

RlLomb. XLIII, 628. (Das -n- gegen- 
über lat. -nn- fällt auf. Man könnte 
auch an griech. candwlän flachen" mit 
dem im Mgriech. korrekten Ausfall des 
-n- denken, vielleicht handelt es sich 
aber um selbständige Schallbildung). 

1449. cachlax, -agis (griech.) , Kie- 
sel". 

Frz. iuillou. — Rückbild.: afrz. chail'i 
- ZRPh. XXV, 244; XXVI, 385; 
LBlGRPh. XXII, 116. (Dagegen nicht 
entscheidende Einwände Thomas, Nouv. 
ess. 192. Calcvlvs Diez, Wb. 538 ist 
lautlich unmöglich : Zusammenhang mit 
kymr. mill , Hoden" ZRPh. XIX, 96 
hat begriffliche Bedenken). 

14.50. cadaver , Leichnam". 

[Kalabr. katafaru , kränklicher 
Mensch", piazz. kalavr id., berrich. ka- 
hib „Körper"]. 

1451. cadere „fallen", 2. cadere. 

2. Rum. cädeä, vegl. kadar, ital. 
cadere, friaul. Uader, frz. cheoir, prov. 
cazer, katal. cmirer, span., aportg. caer, 
nportg. cahir-j rum. se cade „es schickt 
sich", vgl. 61. Das Wort ist im Lomb., 
Venez. und Rätorom. selten ZRPh. XVI, 
358, in Frankreich durch tomher, tumhä 
mehr und mehr an die Peripherie ge- 
drängt At. Ling. 1311. — Ablt.: frz. 
cheance „Fall", „Zufall", chance „Glücks- 
fall", afrz. mescheant „unglücklich", 
nlrz. mechant „böse", „schlecht", haupt- 
sächlich pikard. und ostfrz., dann in 
der Form der Schriftsprache in der 
ganzen westlichen Provence üblich At. 
Ling. 826; norm, quete „überhängende 
Achtersteven nach hinten zu" Behrens, 
Frz. Wortg. 378; norm, ketin, getin 
„Apfel, der infolge eines Insektenstiches 
abfällt" Behrens, Frz. Wortg. 123, dol. 
droit de chate „das Recht des Pächters, 
Fallobst zu behalten"; galiz. cadoiro 
„Wasserfall". — ALLG. I, 539; VI, 379; 
Rom. Gram. II, 126. (Obwald. fidis, 
engad. ]cai§ „junges, noch nicht träch- 
tiges Schaf" *CADix RomF. XI, 533 ist 
begrifflich und morphologisch bedenk- 
lich). 

14.52. cadivus „mit der fallenden 
Sucht behaftet". 



Agen. cadiva „fallende Sucht". (Afrz. 
rhaif „baufällig" SßPreufaAWBerlin 
1896, 857 ist wohl Neubild., prov. rali- 
vor ebenda s. 1518). 

1453. cadmea „Galmei", 2. calaiaiua 
(mlat.). 

2. [Ital. calaminaria, afrz. chalemin(e) 
(y ital. zelamina, giallamina), eharle- 
maigne, span., portg. lalamina] Diez, 
Wb. 37; R. XXXIII, 605; XXXVIII, 371. 

1454. cadncns „hinfällig". 

[Ital. laliuv, urb. skaluk „elend"] 
AGlItal. III, 387 mit unerklärtem -^. 
(Aspan. cadogo ^cadvceu „tiefe Stelle 
in fließendem Wasser" StNPhL. VII, 51 
ist lautlich und begrifflich unmöglich). 

1455. cadiircinns „Bewohner von 
Gabors", 

Prov. caorsin „Wucherer" Diez, Wb. 
542. 

14.56. cadiis „Krug", 2. caduz 
(arab.). 

1. Rum. cadä, kalabr. katn, tarent., 
neap., abruzz. kat^ Salvioni, P.'. 

2. Span, ahadnz, arcadnz „Brunnen- 
rohr", „Eimer an einer Wasserkunst", 
astur, caduf, catufol, portg. alcatruz 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 225. 

1457. caecia „Blendung", „Trübung". 
Rum. ciafn „Nebel" GL. XXXVII, 529; 

R. XXXIII, 73. 

1458. caecare „blenden". 

Mail, sigd, friaul. seyä Salvioni, P.^. 

14.59. caeci]ia „Blindschleiche". 

Ital. cicigna, pistoj. cicitu, siz. Hcig- 
gyu, canav. cdzlya, vicent. sezega 
R. XXXVI, 249, obwald. cezeta. — 
Mit Suff. W.: ital. cecella, gen. seizela. 
— Ablt.: lucch. cicitora, gen. siguela, 
saguega; auch ital. lucignola^; gen. 
asegügd „stechen", „beißen" Zanardelli, 
App. less. top. II, 44. — Diez, Wb. 365 ; 
Salvioni, P.^-^; AGlItal. XIV, 271; 378. 

1460. *caecnlu8 „etwas blind". 
Tirol. (!edl „schielend" Salvioni, P.^; 

vegl. caklo, abruzz. cekule, soran. cekuere 
„Furunkel", „Blutgeschwür" (zuerst 
wohl am Auge, avo es blind macht) 
AASTorino XLIII, 623. 

1461. caecus „blind". 

Ital. cieco, obwald. ciek, afrz. eleti, 
prov., katal. cec, span. ciego, portg. 
cego; bergell. sek „ungesalzen", comask. 
sig „dunkel", „trüb"; piem. tsea, ber- 
gell. cega, veltl. sega, obwald. coka, 
engfiö.tschea „Nebel" ZRPh. XXII, 467 ; 
RILomb. XLI, 205; pistoj., pisan. cieca 
„Blindschleiche". — Ablt.: ital. ciecolino 



1462. caedes — 1475. *cae.sorium. 



111 



, Blindschleiche", westfrz. sird „junger 
Aal' AGlItal. XV, 4<J9; lomh. ^kjera, 
obwald. sagern, engad. tschiera , Nebel* 
ZRPh. XXII, 4ü7; veltl. öhet, öivet 
.trüber Himmel", i)ergell. öeina , leich- 
ter Nebel" RILomb. XLII, *»78, ersteres 
formell nicht klar, letzleres nach vali- 
(ii\K 1516. — Zssg. : hergum. sigorbola 
, Blindschleiche", march., urb. <!ekorb 
, Maulwurfsgrille", vgl. 6086'. — ALLG. 
1,539; Salvioni, P.*"'^; Lorck, Abergam. 
Sprachd. 72. (Mail, derkaria , Salaman- 
der" AGlItal. XIV, 271 s. 1938). 

14()2. caedes „das Fällen der Bäume". 

Al)ologn., avenez. ceda „Zaun" Mus- 
salia, Beitr. 124; log. kea, campid. dea 
„Graben". — Ablt. : moden. tsidon 
„Zaun"; log. ^■s^•<?rt/•<• „ausgraben". (Log. 
kea zu cKi)i:iiE RILomb. XLII, 823 
liegt begrifflich ferner, cavea ZRPh. 
XXVIll, 644 ist lautlich nicht möghch). 

1463. ^caedita „das Fällen der 
Bäume". 

Ablt,: tosk. cetina „Gehölz, dessen 
Unterholz von Zeit zu Zeit abgehauen 
und verbrannt wird, worauf der freie 
und durch die Asche gedüngte Boden 
mit Korn oder Roggen bebaut wird" 
AGlItal. IX, 388. (Rum. cäinä „Laub 
und Zweige der Nadelhölzer", „Wach- 
holder" ZRPh. XXXI, 364 ist, wie die 
Betonung zeigt, serb. Retina oder magyar. 
csetina). 

1464. caelata „getriebener Helm". 
Ital. celota (^ frz. salade), span. 

celada. Der Ausgangspunkt des Wortes ist 
Spanien oder Norditalien, wie -e- statt 
-i- zeigt. — Diez, Wb. 95. (Zu celabe 
„verhüllen" RFR. II, 111 ist begrifl^lich 
weniger wahrscheinlich). 

1465. oaelestis „himmlisch". 

Ital. cihstro „himmelblau" AGlItal. 
111, 398; interam. silcstre „unerwartet". 

1466. caelniu „Himmel". 

Rum. der, vegl. iil, ital. delo, log. 
kein, engad. iid, friaul. dl, frz. del, 
prov., katal. cd, span. delo, porig, reo. 
Das Wort bedeutet im Afrz., Prov., 
Span, auch „Zimmerdecke" ; rum. verul 
gurit, log. kehl de sa bnla, engad. del 
della htioka, nprov. cen de la buko, 
auch lomb., gen., emil., z. T. dann ohne 
Zusatz „Gaumen" RomF. XIV, 394. - 
Ablt.: bologn. tslä, afrz. cel^ „Zimmer- 
decke", afrz. ceVenre „Gebälk". — Zssg.: 
log. kelu de randzolu „Spinngewebe", 
sassar. öelu de tarankula id. RILomb. 
XLII, 687; log. kilirazti hahu „Dach- 



stube", Mise. Ascoli 234, langued. sa- 
lilbert, katal. salobert .Hof", eigentlich 
„freier Himmel" Streng, Haus und Hof 
im Frz. 52. (Afrz. rd^, celhire kaim 
auch zu cAELAJiE, afrz. celer „schnitzen" 
gehören, würde also dann zunächst eine 
geschnitzte Zimmerdecke bezeichnen). 

1467. caeiiientnm „Bruchstein". 
Ital. ciwjtviA^ „Probe", „Gefahr", tirol. 

coment „Kehricht" Salvioni, P.^ (*Spe- 
ciMEsrvM zu konstruieren Diez, Wb. 
365 ist nicht nötig). 

1468. caenuin „Schmutz". 

Span, deno, [portg. ceno]. — Ablt.: 
span. cenagal „Misthaufen", cenagoso 
„kotig", encenagar „beschmutzen". — 
ALLG. I, 539; R. V, 171. 

1469. caerefolioni „Kerbel". 

Ital, cerfoglio, frz. cei-feicil, nprov. 
sei-fuei, [span. cerafolio]. Das VVort be- 
deutet avenez., moden. auch „Klee*. — 
Diez, Wb. 96; Mussafla, Beitr. 123. 

1470. caeremoiiia „religiöser Ge- 
brauch". 

Portg. ceramunha, garmunha, dr- 
monha Mise. fil. ling. 121. 

1471. *caesa „Zaun", 2. *ci8a. 

1. Velletr. cesa, venez. sieza, lomb. 
seza, emil. seza, tirol. öeza, bresc, crem. 
ses. — + clausa: trevis. sioza Mus- 
safla, Beitr. 124. — Ablt.: tosk. dsale 
„aufgeworfene Furche, die die Felder 
trennt" ; venez. cesona, trient., trevis. 
sezon „Gesträuch* AGlItal. XVI, 294. 

2. Obwald. öiz^ „Abteilung in einem 
größeren Heustock*, friaul, size, Schweiz., 
sav. siza „Zaun*, {Siza kann auch zu 
1 gehören). 

1472. "^caesalia „Abschnitzel*, 2. *cl- 
salia. 

1. Venez. sezaga. 

2. Afrz, dsaille, prov, dzalha. 

1473. *caesare „schneiden*. 
Abruzz. cesä „Bäume beschneiden". 

— Ablt.: abruzz., canistr. cesa „fäll- 
bares Gehölz", abruzz, iesada „Metzelei", 
cesina „Brachland", kalabr. cesina 
„Reute"; kalabr. (!esa „Wunde". 

1474. *caeselluni „Meißel*, 2. ci- 
selli}!». 

1. Ital, cesello. 

2. Fvz. dseau, Plur. ciä^ohj* „Schere", 
prov. dzel, katal. sisell (> span. dnrel, 
portg. dnzel). — Ablt.: obwald. duzld 
„schnitzeln*? — ALLG. 1, 542; Thurn- 
eysen, Keltorom. 54, 

1475. ^caesoriuui »Schere*, 2. *ci- 
sorlani. 



ll'I 



1476. caespes — 14S6. calandra. 



1. Ital. cesoje. 

2. Friaul. sizore, afrz. cisoires Diez, 
Wb. 364; ALLG. I, 516. 

1476. caespes , Rasenstück". 

Ital. cespo, cespite, engad. cisp, ob- 
wald. cispat. — Ablt.: ital. cespuglio 
„Gesträuch". Auch neap. ceska , Scholle 
mit Gras"? {JiMCch. inciospare , schlecht 
arbeiten", ciospo , ungeschickt" AGlItal. 
XII, 171; Mise. Ascoli 430 ist begrif!- 
lich schwierig und fällt mit -o- auf; 
friaul. ciespar , Zwetschkenbaum", öiespe 
„Zwetschke" stammt aus sloven. cespa, 
das über bayr. zweschpen auf damas- 
CENUs 2464 zurückgeht ASlavPh. XII, 
476; ital. cesto s. 1952). 

1477. caespitare „straucheln". 
Afrz. cester. — Mit Sufif. W.: ital. 

cespkare. — [-{- haesitabex span., 
portg. cespitar „Schwierigkeiten finden", 

1478. caflz (arab.) „Scheffel". 
Katal. cafiz, span., portg. ca/w'sr, aportg. 

auch kacifo; siz. cafisu „ein Ölmaß", 
kalabr. cavittsu id. — Dozy-Engelmann, 
Gloss. 244; Eguilaz y Yanguas, Glos. 354. 

1479. (.^afrau (arab.) „Hacke des 
Steuerruders". 

Frz., prov. safran, span. azafran, 
portg. agafräo. 

1480. caio (gall.) „Umwallung". 
Norm. O frz.) quai O span. cai/o 

„Klippe"), lyon. chai „Stützmauer an 
einem Flusse" Diez, Wb. 325: Thurn- 
eysen, Keltorom. 54; ZVglSpF. XXXII, 
237. (Niederl. kaai ZRPh. XVIII, 521 
stammt erst aus dem Frz.). 

1481. cala „Stück Holz". 

Ablt.: ital. calocchia „Stiel des Dresch- 
flegels", „Weinpfahl", calocchio „Wein- 
pfahl". (Die Bedeutungsent Wickelung ist 
nicht klar, cala aus griech. kalon be- 
deutet „Brennholz", aber griech. kelon, 
das die jonisch-attische Form von kalon 
zu sein scheint, heißt „Pfeil", so daß 
vielleicht für cala doch eine weitere 
Bedeutung angenommen werden kann. 
Wie sich caleggiolo „kleines Rohr" dazu 
verhält, ist nicht ersichthch. Zusammen- 
hang dieser Wörter mit canna Caix, 
Stud. 247 ist ausgeschlossen). 

1482. calabrix „Wegedorn". 

Neap. kalavriöe Fem., log. kalarige 
Mask., oampid. ° kalävirgu, kaldrvigu 
WSt. XXV, 95; AStSard. I, 145. 

1483. Calagurra (Stadt in Spanien). 
Span, calahorra, calaforra „mit Gitter 

versehenes Haus", in welchem in Zeit 



der Not Brot ausgeteilt wird. (Die 
historische Begründung ist noch zu 
gellen). 

1484. calaiuellus 1. „Röhrchen", 
2. *„ Schalmei". 

2. Ital. caramella, afrz. chalem^l, chale- 
nielle (ya'dal. eiarameUa, portg. ehara- 
inela), nfrz. chalumeau, prov. caraniel(u), 
span. caramillo. — Mit Suff". W.: afrz. 

(halemie Ospan. chirimia). \-canna : 

afrz. chanemelle (^ ital. cennomella). 
— Diez, Wb. 364; 542; ZRPh. XXVIH, 
106. (Afrz. chalemie aus griech. cdla- 
maia ZRPh. XXVIH, 106 ist wenig 
wahrscheinlich, da das griech. Wort 
eine Art Heuschrecke bezeichnet; log. 
leonerlfld, campid, launerhja „Schalmei" 
Zanardelli, App. less. top. I, 17 gehört 
kaum hierher; obwald. cat-malar „ent- 
locken", „verlocken" AGlItal. 1, 73 ist 
zweifelhaft, da calamellvs hier fehlt, 
vgl. 1699). 

1485. calamns „Rohr", , Schreibrohr", 
„Pfropfreis". 

Ital. calmo „Pfropfreis", [calanio 
„Schreibfeder"], kalabr. kälamu „Stop- 
pel", siz. kälamu „abgekämmter Kokon", 
log. kälamu „Büschel", „Bündel", frz. 
chanme „Stoppel", [span., portg. calanio 
„Schalmei"]. — Ablt.: venez. kalmon 
„ Pfropfreis ', ital. calamoio, calamaro 
iy span., portg. calamar) „Tintenfaß", 
piem., venez. koramal, lomb. karimd, 
piazz. karamau „eingefallene, tiefe 
Schatten unter dem Auge" Mussafia, 
Beitr. 42; MILomb. XXI, 263; ital. ca- 
lainaio „Tintenfisch" ; frz. vhaumiere 
„Strohhütte", morv. asomi, l)errich. 
oSome „mit Rasen bepflanzen". — 
Diez, Wb. 548. (Ital. calamita (> frz. 
calamite, prov., katal. caramida, span., 
portg. calamita) „Magnetnadel" Dict. 
Gen. ist im Suff, auffällig, griech. ca- 
lamites „Laubfrosch" Diez, Wb. 73 ist 
begrifflich vorläufig nicht begründet: 
ital. calmiere, mant. kahner, bresc. kal- 
meder „Lebensmitteltarif" AGlItal. III, 
305 ist formell und begrifflich gleich 
schwierig. Rum. cälimarä „Tinten- 
faß" stammt aus dem Ngriech.). 

1486. calandra (griech.) „Kalander- 
lerche", „Feldlerche". 

Ital. calandra, calandro, calandrino, 
log. kalandra, prov. calandra (> frz. 
calendre), wald. lardra, toul. caliandro, 
vinad. filandreo Baust, z. rom. Phil. 
215; katal, span. calandria „Lerche" 
O portg. calhandra). — Diez, Wb. 77; 



1487. calare — 1405. •cakea. 



113 



ALLG. II, 47G;011; VI, 380; StFR. IX, 
410. 

14S7. calare (griech.) , herablassen", 
■_'. callare Einführung 138, 3. clialare. 

1. Ital. calare , herablassen", „vor 
Anker legen", „abnehmen", „sich Ver- 
mindern" O frz. i-ahr „die Segel 
streichen"), lonib., veron. kalar „auf- 
hören", log. kalare „herabsteigen", „ab- 
nehmen", obwald. kalar „aufhören", 
, mangeln", „fehlen", westfrz. kaU „zu- 
rück weichen", berrich. sali „Nüsse 
herabschlagen", prov. kalar „herab- 
lassen", „nachlassen", „aufhören", katal. 
calarse a und Inf. „sich an etwas 
machen", span. calar ,,hineinstoßen", 
„durchbohren", „ergründen", „erfor- 
schen" (> portg. m?rtr „durchdringen"). 
— Ablt. : frz. cale „Stapel", „Schiffs- 
raum", nprov. kalo id. ZRPh. XXXIIl, 33; 
frz. recaloir „Schlichthobel", recaler 
„reinigen" Gade, Handwerkzgn. 1.54. 
Auch land. Ä;«W „Furchen ziehen", kale 
„Furche" und mit Anlehnung an cau 
1796: caule? 

•2. Prov., span. callar, portg. calar 
„schweigen". Auch friaul. Ä'aW, grödn. 
kale „blicken", etwa als Ausdruck der 
JiigerspracheV 

3. Nordsard. falare „herabsteigen". — 
Abu.: log. falada „Abstieg". — Diez, 
Wb. 78; ALLG. I, 540. (Span, cala 
„Bucht" Diez, Wb. 78 s. 4653; venez. 
kaloma s. 1535; span. callar zu cal- 
LVM RomF. VI, 580 ist begrifflich nicht 
begründet; log. a kalaidzu „kaum" als 
mißverstandenes span. *caladizo ZRPh. 
XXXIIl, 480 ist ganz unmöglich). 

1488. calathns „Korb". 

(Veron. kalto „Schublade", trient. 
kaltrold., obwald. kaul id., engad. kotan 
id., lomb. kadra id., bergell. katla 
„Tragkorb", comask. kad- '^ venez. 
calto „Schlucht" BStSvItä.. XVII, 103; 
R. XXVIII, 94; XXXI, 283; RILomb. 
XLI, 294 sind begrifflich und formell 
nicht recht überzeugend, frz. calais 
„Gemüsekorb" R. IV, 352 ist erst in 
neuerer Zeit belegt und fällt mit c- auf, 
galiz. cachas „Art Korb" ZRPh. VI, 118 
zeigt eine ungewöhnliche Behandlung 
yon-lt-, ob wald.f/ajtZto „Wange", katal. 
galta „Kinnbacken" ZRPh. VI, 1 1 7 trennt 
diese Wörter unnötigerweise von frz. 
JMie 3625% 

1489. calatio „das Zusammenrufen 
des Volkes durch die Priester am ersten 
jeden Monats". 



Rum. cräcTttn „Weihnachten" CL. 
XXXVll, Ü70; Pu§cariu, Wb. 407. 
(CiiHisTi JEJUNIUM LBlGRPh. VII, 154, 
cKKATio Densusianu, Hist. 1. roum. I, 
262 liegen ferner). 

1890. calcaneuQi „Ferse". 

Rum. cälciiu, ital. calcagno, log. 
karkandzu, engad. l'alkf/fl, aspan. cal- 
raüo, [afrz. caucaiu] Cohn, Suffwandl. 
162. — Ablf.: span. calcaiiar, portg. 
calcanhar. — RomF. XIV, 471. 

1491. calcare „treten". 

Rum. cälcä, ital., log. calcare, friaul. 
kalM, afrz. chanchier, cauchier, nfrz. 
cocher (nur vom Hahn gebräuchlich), 
lütt, soki „drängen", prov., katal., span., 
portg. calcar, nprov. auch vom Aus- 
treten des Getreides gebraucht WS. I, 
214; flandr. ^t kokS „Alpdrücken haben". 
— Ablt.: ital. calcole „Tritt", „Fuß- 
brett am Webstuhl"; monferr. karkan, 
regg. karkadüe, friaul. kaWnt „Alp- 
drücken" Mussafia, Beitr. 78; lomb. 
kalkon, kokon (/- moden. kunkon, regg. 
konkon), mant.. parm. kokai, veron. 
kukaio (> tosk. rocchinme), abergam. 
cochon, friaul. kalkon „Spund", mail. 
kalkon auch „Gewehrpfropfen", parm. 
kokai „Pfropfen", „Zapfen", „kleiner 
Junge" („Stöpsel") Mussafia, Beitr. 44; 
Lorck, Abergam. Sprachd. 210; log. 
karku „dicht" ; prov. calcazon „das aus- 
gedroschene Getreide". — Zssg. : piem. 
karkaveya, nprov. sausorieto vetvla, 
frz. canchemare „Alpdrücken" Diez, Wb. 
635; campid. rekrakkai „sich den Fuß 
verstauchen" ZRPh. XXXIIl, 480. (Die 
Wörter für „Spund" wegen der emil. -»- 
Formen zu coxcha 2112 Mussafia, Beitr. 
44 ist nicht möglich, da der Schwund des 
-n- in den anderen Mundarten unerkläil 
wäre, der Zusatz sich als Nachklang 
des -n- um so eher erklärt, als die 
V'" -ter nttvl' Maßgabe der Behandlung 
von -al- aus dem Norden entlehnt sind, 
zu COCHLEA 2011 oder cocciM 200!* 
SBPhHKlAWWien CXLI, 3. 36 ist formell 
und begrifflich schwieriger). 

1492. calcaria „Kalkofen". 

Ital. calcara (> engad. kalkara). 

1493. calcatorinm „Kelter". 
Alothr. chaucJioir, prov. calcadoira. 

1494. caicatrippa „Slerndistel". 
Ital. calcatreppola, afrz. chanchetrappe, 

nprov. kaukotrejH) WSt. XXV, 95. 

1495. *calcea „Schuh". 

Ital. calza „Strampf", log. arta 
RILomb. XLII. 673, engad. A^of^o „Hose", 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



114 



1496. calceamentum — 1506, caldus. 



„ Strumpf % friaul. Ualtse , Strumpf , afrz. 
chauce , Strumpf, nfrz. chansse , kurze 
Beinkleider", prov. mM^aid., span. calza 
„ Strumpf % ,Hose", portg. m^j;« , Socke". 
Gegenüber dem Lat. ist also eine Ver- 
schiebung nach oben eingetreten, vgl. 
zum Frz. Jaberg, Sprachgeograph. 25; 
das Aveibliche Geschlecht weist auf ein 
Neutr. Plur. hin. — Ablt.: ital. calzone 
(> rum. cäl^iin , Schuh", „Strumpf", 
frz. calegon), afrz. chaiisson, prov. eauson, 
span. calzon, portg. calgäo „Hose" ; 
aital. calzaio, calzare, abergam. chalzer, 
grödn. Tiaucel, abt. Tialsä, val-soa. Ä-aw- 
pyet', afrz. chaucier, prov. rausier 
„Schuh". Auch ital. m/s'MoZo „Zwinge". — 
Zssg.: frz. bas-de-chausse, später einfach 
bas „Strumpf". — Diez, Wb. 79; ALLG. 
1, 540. {Calcearivs ist zwar in den 
Reichenauer Glossen belegt ZRPh., Bhft. 
VII, 30, braucht aber doch nicht als lat. 
bezeichnet zu werden, Zusammenhang 
mit CALCEARIVM „Schuhgeld", cäj.- 
CEABIA „Schusterbude" ist durch die 
Bedeutung ausgeschlossen; ital. calzuolo 
stammt kaum direkt von calceolvs 
„Schnabelschuh"). 

1496. calceamentum „Schuhwerk". 
Rum. tncäl^ätnint, ital. calciamento, 

aengad. cküzzamainta, afrz. chaucement, 
prov. causamen{ta), katal. calsament, 
portg. calgamento. 

1497. *calceare „beschuhen". 
Rum. incälfä, ital. calzare, aengad. 

chiizzer, friaul. Tcaltsä, frz. chausser, 
prov. causar, katal, calsar, span. calzar, 
portg. calqar; bedeutet im Span, auch 
„mit Felgen versehen". Rum, incällare 
„Schuhzeug". — Ablt.: ital. calzo 
„Schuhwerk", gask. kause, span. calce 
„Radfelge" ; ital. calciatura, frz. chaus- 
sure „Schuhwerk", span. calzadura „das 
Anziehen der Schuhe", portg. calzadura 
„ Schuh w'i;^k". (L/rt De«, ^..-v. '"^"^[K 
'''1 ital. calzo nicht auf cAEdEus 
„Schuh", ital. calciatura usw. nicht auf 
OALCEATVBA „Verband für kranke Tier- 
füße" beruht, rum. incälfare nicht mit 
ital. calzaio usw. 1495 zusammengehört). 

1498. calceatng „Schuhwerk". 
Prov., katal. causat, span. calzado, 

portg. calgado. 

1499. calceolarin 8 „Schuster", 
Ital, calzolaio. 

1500. *calcestris „kalkhaltig". 
Lomb. kaliestre, tess. Jcatvcestru 

, Kalkstein". — Ablt.: ital. calcestruzzo 
„Zement", „Beton" Mise. Ascoli 79; 



AGlItal. XVI, 196. (Calcis oB.srBUcno 
AGIItal. XV, 214 befriedigt formell und 
begrifflich nicht). 

1501. *calcina „Kalk", „Mörtel", ur- 
sprünglich wohl „Kalkgrube". 

Vegl. kalcaina, ital. calcina, log. kcd- 
kina, engad. Uiicina, friaul. Kaisina, 
afrz. chaucine, piov. catisina, namentlich 
in den Westalpen At. Ling. 207, katal. 
calsina, span. calcina. 

1502. *calcitrum „Kübel". Woher? 
Bologn. kaltsdider, moden. kaltsMer, 

romagn. kaltsidar; campid. karcida. — 
Ablt.: amail. carcirolo, avenez., atrient. 
calgidrel, veltl. karcirel, veron. kalsirel, 
emil. kaltsidrela. — RFICl. I, 394: 
RILomb. XLII, 679. (Ursprung un- 
bekannt. Zusammenhang mit griech. 
chalkos „Erz" liegt nahe, doch bleibt 
das Suffix ganz dunkel). 

1503. caldaria „Kochkessel aus Me- 
tall". 

Rum. cäldare, ital. caldaia, engad. 
Jiildera, friaul. Jcaldiere, frz. chaudiere, 
prov. caudera, katal. caldira, span. 
Caldera, portg. caldeira. — Ablt, : ital, 
calderone „großer Kessel", calderuola 
„kleiner Kessel", frz. chaudron „kleiner 
Kessel", span. calderon, ccdderuela ; portg. 
ccdderäo; ital. calderaio, frz. chaudron- 
nier, prov. catiderier, span. calderero, 
portg, caldereiro „Kupferschmied". In 
Südfrankreich scheint caldaria erst all- 
mählich vom Norden her an Stelle von 
FABIOLUM 6244 getreten zu sein Jaberg, 
Sprachgeograph. 19. — Diez, Wb. 78. 

1504. '^'caldamen „Kaidaunen". 

Siz. quadumi, bologn. kaldoni, avenez. 
kaldume, piazz. katidum, afrz. chaudun, 
westfrz. sode, namentlich „Bauch und 
Eingeweide der Schweine", „Mastdarm", 
\nR\\ov)s..eskaldoni „Frikassee". — Ablt.: 
afrz. chaudumel, lothr. dihno. — Mus- 
8a{ia, beiir. 40; LBlGRPh. XII, 240; 
IgF. VIII, 117; R. XXV, 448; XXXIX, 
219. 

1505. caldnra „Wärme". 

Rum. cäldurä, ital. caldura, log. kar- 
dtira, obwald. kaldira, nprov. kaudüro 
ZRPh. XXVIII, 618. 

1506. caldns „warm". 

Rum. cald, ital. caldo, log. kaldu, 
engad. liaud, friaul. Uald, frz. chaud, 
prov. caut, katal. cald; span., portg. 
caldo ist nur Subst. und bedeutet 
„Brühe". — Ablt.: tosk. calderno „son- 
nig" ; frz. chaudeau (> ital. cialdello) 
„warmes Getränk", afrz. chaudelet, nfrz. 



1507. calefacere — 151G, caligo. 



115 



chaudelait , Aniskuchen ■* ; log. kardiare 
„Eisen schweißen" RlLonih. XLII, 680. 
— Rückbild, von ital. cialdello: ital. 
ciaMn , Oblate". — ALLG. I, 540; 
Cohn, SufTwandl. 13. (Span, rescoldo 
.Lodeiasche" ist mit -o- auffällig). 

1507. calefacere , wannen". 

Frz. chauffer, prov. adfar (> süd- 
ital. calfare) Diez, Wb. 545; Rom. 
Gram. 11, 242. 

150S. caleiidae ,der Erste des Mo- 
nats". 

Mail, karent, piem., moden. kalent, 
bologn. kataind, abruzz. kalenn§, siz. 
kalenni, uengad. kalonda, prov. calenda; 
reat. kalenne „Maibaum", val-blen. ka- 
reiid „Freudenfeuer am 8. Juli, wenn 
die Hirten auf die Alpe ziehen"; lomb. 
kalent, gen. kaende, kalabr. kalenne 
, Lostage" ; prov. calcndas, südostfrz. 
tsaläd „Weihnachtsfest". — Ablt. : rum. 
cän'ndar „Januar", prov. calendar „der 
Letzte des Monats", calendor „Weih- 
nachten"; forez. salödii „Julklotz" ; 
engad. sUalandrer „den Anfang des 
Frühhngs einläuten". — Salvioni, P.*; 
Merlo, Stag. mes. 182; At. Ling. 914. 
(Rum. colind{ä) „Weihnachtslied", „Neu- 
jahrslied" stammt aus dem Slav. Aret. 
kalendeo „Kalender" ist nicht calen- 
DAHUM „Schuldbuch" oder calex- 
DARivs, das nur in der Verbindung 
mit STREXA vorkommt Salvioni, ?.■«, 
sondern Umbildung von \iii\. calendario-, 
frz. agtiillanneuf, span. aguinaldo, agni- 
lando „Weihnachtsgeschenk" R. IV, 253 
ist ganz unmöglich). 

1509. ealentare „wärmen". 
Sublac. kolentarese „baden", span. 

{a)calentar, portg. (a)qHentar, es(juenfar 
Diez, Wb. 435. 

1510. calere 1. „warm sein", 2. „ge- 
legen sein", „daran liegen". 

2. Ital. calere, afrz. chaloir, prov. 
calet', katal. calre, span. caler. Im Afrz. 
und namentlich im Prov. ist calere 
das Verbum des Müssens geworden. — 
Ablt.: frz. chalant „Kunde" (eines Ge- 
schäftes) Tobler, Verm. Beilr. I, 47, 
prov. calen „dringend", „umsichtig*, 
lyon. iolä „Liebhaber" ; frz. nonchalant, 
prov. noncalen „gleichgültig", prov. 
noncaler „Gleichgültigkeit". (Frz. cha- 
lant zu 1868 Diez, Wb. 541 ist begriflf- 
lich nicht möglich). 

1511. calescere „warm werden*. 
Lyon. saH „wärmen", span. calecer, 

iiurtg. aquecer Diez, Wb. 435. 



1512. calicnlata „Bilsenkraut" zu 
1Ö13, 2. canicnlafa. 

1. Nprov. careiado (^ t'rz. careillade). 

2. Afrz. chenilUe, aprov. canelhada 
Thomas, Nouv. ess. 199; .303. 

1513. caliculn» „kleiner Kelch". 
Weslfrz. mlöi, Sarai, Sanöi, lyon. Sola, 

Schweiz. Solei, prov. calelh, cafeu be- 
deutet üi)erall „Lami)e". 

1514. caliendrnm „eine Art hoher 
Frisur". 

Abruzz. kelyendre „die ersten Sprossen 
der Bäume". 

1515. caligarins „Schuster". 
Venez. caleger, päd. kaiegar, gen. 

kaegd (/> kors. kage), piem. kali^., engad. 
kalger, friaul. Ualiar; tosk. galigajo 
„Gerber", emil. kalqer id. Mussafia, 
Beitr. 41; Salvioni, IV. 

1516. caligo 1. „Dunkelheit", 2. 
„Augenschwäche", 3. calligo „Schwin- 
del". 

1. Venez. (> friaul.) kaligo, piac, 
ferr., romagn. kalig, bergeil. kalif, 
bresc, bergam. Ärrti/, enneb. iarei; ital. 
caligine, sill. kalina, afrz. chalin be- 
deutet überall „Nebel", katal., span. 
calina „dichter Nebel", namentlich auf 
dem Meere ZRPh. XXXII, 498; velletr. 
kalina, su})lac. kaina „Kohlenstaub" ; 
val-mont. Ära^/n«, zagar. kalima „Asche", 
lucch. caliggine, bologn. kalidzan (> 
montal. caleggine), romagn. kalendza, 
lomb. kalidzan, mail. karizan, bergam., 
bresc. kalt, friaul. Ualin, Cori : kaitnmele 
aus *kaUyene\ mit dem Tonvokal von 
FERRVGo, AERUGo: abruzz. kalünigf, 
piem. kalüzo, mail. kalüzen, bergam. 
kalöien, veron., venez. kalüzene, aspan. 
caltimbre „Ruß", galiz. caltime „Rost"; 
Schweiz, tsole „Blitzstrahl" AStNSpL. 
CXXI, 445 ;ital.crt7u^<y/>ie „Bart", „Flaum" 
ZRPh. XXVII, 614. — Ablt.: portg. 
caigeira „Rost" (Getreidekrankheit) RL. 
IV, 275; aspan. calumbriento „schim- 
melig", calumbrescerse „schimmelig 
werden". — Diez, Wb. 436; Mussafia, 
Beitr. 41 ; Lorck, Aber^m. Sprachd. 
161; Salvioni, P.^ Rom. Gram. II, 339; 
ZRPh. XIX, 322. 

2. Prov. caluc „kurzsichtig", norm. 
kalii „schielend", span. coltimbrar „un- 
deutlich", „von weitem erblicken" ZRPh. 
XXXII, 614. 

3. Log. badiflne „Drehkrankheit der 
Schafe*. (Venez., triest. kalumar zu 
span. colunibrar ZRPh. XXVIl, 614 ist 
zweifelhaft, vgl. 5159; log. ba^rline zu 



116 



1517. *calina — 1527. calumnia. 



hallare RILomb. XLII, 819 ist begriff- 
lich und formell nicht unbedenklich 
und nicht nötig). 

1517. *calina ,Wärnle^ 

Afrz. chaline, Seine-lnferieur: halen, 
prov., katal. calina; afrz. chalin. — 
Mit Suff. W.: val de Saire: kallin 
,Wärmestrahr. - ZRPh. XXVllI, 108. 
(Span, calina paßt nach seiner Bedeu- 
tung besser zu 1516). 

1518. calins „Asche" CGIL. II, 100, 46. 
Prov., valenc. caliu, span. caliho. — 

Ablt. : prov. calivar „brennen", recali- 
var „einen neuen B'ieberanfall bekom- 
men" R. XXXV, 622; XXXVIII, 308. 

1519. calix „Kelch". 

Dalmat. cauho, log. kaiige de muro 
„Nabelkraut" (Pflanze), istr. calege 
„Schelle", gen. kaze „Urne, aus der das 
Los gezogen wird". Sonst fast über- 
all [], hauptsächlich in der Bedeutung: 
„ Abendmahlskelch " . 

1520. callis „Weg", „Pfad". 
Rum., vegl. cale, ital. calle „Weg", 

calla „Schleuse", „Lücke", tess., lomb. 
kala „Weg durch den Schnee", span. 
calle. Rum., vegl. cale bedeutet auch 
„Mal" Bartoh, Dalmat. 1, 392; rum. 
cu cale „schicklich". — Ablt.: bologn. 
kaldzäla, moden., regg. kaldzela 
„Scheitel" Mussafia, Beitr. 103; ital. 
callaja „Zauntürchen", callone „Ab- 
zugskanal", „Schleusenöffnung"; lyon. 
salö Fem., lothr. solai Fem., montbel. 
cfl7a^ Fem. „Straße durch den Schnee"; 
lomb. inkala-se, agen. incalarse, piem. 
ankalese, crem, skald-se, emil. inskala-se 
„wagen" ZRPh. XXVIll, 644. (Engad. 
schlerna, puschl. sklerna „Schlittenspur" 
RILomb. XXXVI, 491 ist morphologisch 
nicht aufgeklärt; lomb. inkala-se usw. 
zu CALLUM 1521 AGlltal. VIII, 359 ist 
begrifflich schwer anzunehmen). 

1521. calluui „Schwiele". 

Ital. callo, log. addii, bitt. kadäu 
„Eberfell", span., portg. callo. — Ablt.: 
teram. kallikkye „Schwiele"; log. kad- 
dare „schlagen"", kadda „Schlag". (Log. 
kacldare zu griech. Ä;a?on „Holz" ZRPh. 
XXX, 655 ist wenig wahrscheinlich). 

1522. *calmis (gall.?) „nicht bebautes 
oder bebaubares Feld", „steinige Berg- 
kuppe". 

Afrz. chaume, südostfrz. chau{m), 
prov. calm. — Ablt.: afrz. chaumoi. 
Das Wort spielt namentlich in der To- 
ponomastik von Frankreich und Nord- 
westitalien eine große Rolle, in Frank- 



reich dann oft Chanx geschrieben 
Thomas, Ess. 13; BGlPSRom. II, 1; 
Zanardelli, App. less. top. II, 55. 

1523. *calon. (gall.?) „Schenkel", 
„Hüfte". 

Obwald. kalnn, engad. Valnn, uengad. 
^alon, val-levent. karoil; nordital. gahni 
„Wade", \ncch. galone. — Mit Suff. W.: 
lucch. galetti „Waden". — Mussatia, 
Beitr. 61; RomF. XIV, 457: 4.59; Caix, 
Stud. HO; AGlltal. XVI. 375. 

1524. calopoios (griech.) „schön 
handelnd". 

KitXshv.galipu „Anstand", „Geschick- 
lichkeit", gen. gaibu, ital. garho O frz. 
garbe, galbe „Anstand", „Benehmen", 
„Verzierung", „Profil"), prov. ganhi 
„Anstand". — Ablt.: prov. gforW^r „an- 
mutig", „gewandt", kalabr. sgcdipatu 
„unhöflich", „unfreundlich". (Zu ahd. 
garawi „Schmuck" Diez, Wh. 156 paßt 
begrifflich nicht besser und lautlich 
schlechter, da die kalabr., gen. und 
prov. Form -l- und -p- verlangen. Ital. 
-r- fällt auf, kann aber dial. sein; frz. 
galhe aus mhd. walle Diez, Wb. 592 ist 
lautlich unmöglich). 

1525. *calöi)U8 (griech.) „Holzschuh". 
Frz. galoche (^ avenez. galozza, 

friaul. galotse, span., portg. galocha) 
, Holzschuh" O ital. galoscia) „Gummi- 
schuh", südwestfrz. eqalos „Stelze" Beh- 
rens, Frz. Wortg. 94. — R. III, 113. 
(Gallica Diez, Wb. 134, gallicvla 
„Sandale" CGIL. II, 429, 15 passen be- 
grifilich und lautlich nicbt; zu caUpode 
verhält sich galoche wie sage zu sapidus 
Frz. Gram. 162). 

1526. calor „Wärme". 

Mazed. cäroare, ital. calor e, campid. 
kalori, engad. Valur, frz. chaleur, prov., 
katal., span. calm\ Pikard. auch caure. 

1527. calnmiiia „Verleumdung". 

Afrz. chalonge „Beleidigung", „Her- 
ausforderung", prov. calonja (> aital. 
calogna, span. calona) „Beschuldigung", 
„Buße", „Beleidigung", „Herausforde- 
rung", portg. koima „Geldstrafe" R. XI, 
84. — Ablt.: afrz. chalengier „heraus- 
fordern", chalenge „Herausforderung", 
prov. calonjar „herausfordern", „unter- 
sagen", dauph. salözo „Arbeitsvertrag 
mit einem Handwerker" ; neap. skalond 
„Schulden eintreiben"; trient. skaloüä 
„unglücklich", skalöna „Unglück" Baust, 
z. rom. Phil. 310. — Diez, Wb. .542; 
ALLG. I, 540; Salvion i, P.^. (Die Be- 
deutungsverschiebung knüpft wohl durch- 



15iJ8. *calura — 1539. camba. 



117 



geheiuls' an «las Subst. an, nicht an 

CAU'MXlAJiJ^). 

l.ViS. *calnra , Wärme". 

Ital. calwa, engatl. kalilra, afrz. cha- 
Iure, prov., katal., span. calura; val-ses. 
kaJllru , Blitz". — Ablt. : \d\-SGS. kalilri 
.wetterleuchten". — ALLG. VIII, .SiJO. 

1.529. calvaria „Schädel". 

Span, calaveru, portg. caveira Üiez, 
Wb. 435. 

J530. *calvla „Kahlheit". 

(Rum. chelhe „Kopfgrind" Tiklin, Wb. 
ist alban. Uclp „Eiter" G. Meyer, Alban. 
Wb. 221). 

1.531. calvitia „Kahlheit". 

Ital. caUezza, afrz. chauvece, span. 
r<ilrez(a), portg. calvez. 

1532. calvus „kahl". 

Ital. valvo, log. kalvu, engad. Tialv, 
frz. vhauve, prov. calv, span., portg. 
ciilco. — Ablt.: ital. calcella „Dinkel". 
(Mfrz. chauceau, bürg. sov6, franche- 
comt. iaclö „ein Flössigkeitsmaß" ZFrz 
SpL. XXVI, 205 ist begrifl'lich nicht 
aufgehellt; span., portg. chamorro „Kahl- 
kopf" gehört nicht hierher; portg. al- 
(jiieimr „brechen" RL. III; 132 s. 6090). 

1.533. calx „Kalk". 

Ital. ralee, münstert. Male, frz. chaux, 
prov. cmis, katal. cals (> span., portg. 
(•«/). — Ablt.: frz. chaussee, prov. cal- 
srida iy span., portg. calzada) „Straße", 
afrz. chaussumier „Kalkbändler", vend. 
esosäme „verkalken" Thomas, Ess. 286; 
frz. t7iff/(^t'r „mit Kalkwasser benetzen". 

1534. calx „Ferse". 

Ital. c«/ce, \o^. kalke „Fußtritt", span. 

coz „Fußtritt", aportg. conce „Ferse", 

. iiportg. coHce „Fußtritt". — Ablt.: ital. 

calciare „ausschlagen", calcio „Fußtritt". 

— Zssg. : rum. calcea calulut auch ein- 
fach calce „Pferdehuf", „Sumpfdotter- 
blume" (cnltha palmtri^) R. XXXI, 304. 

— Diez, Wb. 443. (Rum. calce zu calix 
ATriest. XXX, 423 wird durch die 
vollere rum. Form widerlegt). 

1535. calymma (griech.) „Art Netz". 
Span, caliina (> portg. «/Z/wtfcr«) „Sack 

des Zugnelzes"; siz. kaloma (y span. 
caloma) „Bojenleine", ital. caluma „Reu- 
senbojenleine". — Ablt.: ital. calumare 
„das Tau nachlassen", „eine Barke am 
Tau nachziehen"; gen. kalilmä „an 
einem Seil herablassen"; s\z. kalumari, 
iieap. akkaloinä „ködern", nprov. kii- 
lunid „herunterstürzen" ; venez. kaloma 
„das Nachlassen der Fahrtgeschwindig- 
keit von den Barken" (namentlich beim 



Aussteigen). — ZRPh. XXV, 490. (Auf- 
fällig bleibt -m- statt -inin- und bis auf 
einen gewissen Grad der Tonvokal; 
griech. calos „Tau" StGlItal. IV, 322 
macht morphologisch Schwierigkeit). 

1536. calyptra (griech.) „Haube". 

Ital. callotta, emil. kalota, sen. ga- 
lotta, prov. calota (> frz. calotte). — 
Rückbild.: frz. ea/e. — Cai.\, Stud. 248; 
ZRPh. XXV, 491. (Frz. calotte Ablei- 
tung von cale Dict. Gen. ist unwahr- 
scheinlich, da calotte früher belegt ist 
als cale und weiter verbreitet). 

1-537. cama „Lager", „Bett". 

Span., portg. cama. — Ablt.: gir. 
kamaüo „Fischerlager". — Diez, Wb. 436. 
(Ursprung unbekannt, Zusammenhang 
mit griech. chamai „auf der Erde" wäre 
allenfalls möglich unter Voraussetzung 
einer Kürzung von chameune „Lager 
auf der Erde", „Beltgestell" Walde, Lat. 
etym. Wb., vielleicht aber iber. ; kamaüo 
aus CAMA -f CAPAy^A ZRPh., Bhil. 
VI, 31 wird dem Auslaut des prov. 
Wortes nicht gerecht). • '' 

1538. *cauiahaeus „Kamäe". Woher? 
Ital. cammeo (^ frz. camee), fiz. ca- 

ma'ieu, span. camafeo, portg. camafe(i)o, 
camafeti. (Griech. komma „Schlag", 
„Prägung" Diez, W^b. 80; griech. ka- 
matenehi „arbeiten" Dict. Gen.; Rück- 
l)ild. aus prov. katamaio „Katze, die 
miaut" ZRPh., Bhtt. I, 83 sind formell 
und begriffhch ganz unmöglich. Das 
Wort dürtle orientalisch sein). 

1539. camba „Bein". 

Ital. gamba , log. kamba , engad. 
Uamma, fr\R\i\.gambe,i'rz jambe, champ. 
däb, prov., katal. camba, aspan. cam(b)a. 

— Ablt.: i'TZ. jambon {y span. jambon), 
nprov. kambii, kambadzü „Schinken" ; 
abruzz. gammon§ „Geflflgelbein" ; rum. 
agdmbä, siebenb. gdmlh „nachfolgen". 
Die Ä;-Formen gehören namentlich den 
Südost frz. Mundarten, mit einiger Ein- 
.<cbränkung in den Grenzgebieten, und 
dem Prov. und Katal. an At. Linjf. 70i). 

- Diez, Wb. 154; RomF. XIV, 440. 
(Daß griech. kampc „Biegung", „Knie- 
gelenk der Pfeide", „Sprunggelenk" 
zugrunde liegt Dict. Gen.; Rom. Gram. 
IV, 157; Philologus LX, 277, nicht 
ein gall. camba, das ähnliche Bedeu- 
tung gehabt hätte Thurneysen, Kelto- 
rom. 6t, geht daraus hervor, daß dieses 
griech. Wort wirklich Oberliefert ist, 
während für das gallische die Cl)er- 
lieferung keinen festen Anhaltspunkt 



118 



1540. cambiare — 1550. camisia. 



gewährt. Auch die geograph. Ver- 
breitung spricht für griech. Ursprung. 
AuffäUig ist das rum. Verbum, da 
von dem Nomen im Rum. bis jetzt 
keine Spur nachgewiesen ist). 

1540. cambiare (gall.) , wechseln". 
Ital. cambiare, frz. changer (> ital. 

cangiare), prov., katal. camhiar. — Ablt.: 
afrz. chanjmi ^Wechselbalg" R. XXXI, 
351; XXXII, 453, norm, käzö ,Kind, 
das nicht gedeiht", afrz. achanjonir 
„dahinsiechen", norm, ekäso „rachi- 
tisch" R. XXXIX, 220. — Diez, Wh. 79; 
ALLG. I, 540. 

1541. *cambrca (gall.) „Radfelge". 
(Vgl. kymr. kameg). 

Portg. canga „Ochsenjoch", „Trag- 
stange". (Oder zu 1542 mit Suff. W.?). 

— Gask. kameko „Radfelge" fällt mit 
-k- auf, westfrz. zäs, gask. kanso ist 
auch mit *cambice ZRPh. XXVII, 145 
schwer vereinbar, vgl. 15i2. (Frz. chan- 
ciere ZRPh. XXVII, 145 s. 1574). 

1542. cambita (gall.) „Radfelge". 
(Vgl. breton. kämmet und comites: mo- 
dioU CGIL. II, 617,24, lies camites). 

Frz. jante (> nprov. gento), morv. 
sätre, berrich. sät, wallon. sam, lothr. 
cäbre; h.-pyr. kambeto mit Umgestaltung 
des Ausganges nach dem Suff. -eto. 
(Gask. kanta At. Ling. 1602 ist wohl 
Umgestaltung von frz. jante). 

Zu dem gall. Stamme camb „ge- 
bogen", „krumm" scheinen noch zu 
gehören : 

1. Parm. gamböl „Radfelge", gambli 
„Schlittendeichsel". 

2. Prov. cambis, nordital. kambizo 
„Glockenhalsband der Kühe" AGlItal. 
XV, 388. 

3. Poitev. sabiz, limous. sambizo, 
.Pflug". 

4. Aspan., astur., leon. camba „Rad- 
felge", katal. cama, span. cam(b)a 
„Stange am Zügelring" ZRPh. V, 560. 

— Ablt.: katal. cameta, leon. kambisa 
„Krummholz am Pfluge". — Diez, 
Wb. 620: Thurneysen, Keltorom. 103; 
BSPF. I, 148; ZRPh. XV, 496. (Mit 
3 gleichbedeutendes rouerg. kambeto 
kann zu 1542 gehören; frz. chantih-e 
ZRPh. XXI, 452 s. 1616; frz. cintre 
ZRPh. XXII, 482 s. 1922). Vgl. noch 
1591. 

1543. camella „Schale für Flüssig- 
keiten". 

Ital. gamella (> frz. gamelle, span., 
portg. gamella). 



1544. caiiielus „Kamel", 2. camellus 
Einführung 138, 3. camellus. 

1. Amail. gamero. agen. gameo, afrz. 
chamoil, prov. camel. 

2. Siz. gamiddii, span. camello, poilg. 
gamelo. — Ablt.: spAU. camella, gamella 
„Jochbogen" KJBFRPh. VI, 1,385. 

3. Ital. cammello, frz. chamean, prov. 
cam^l, katal. camell. — ALLG. I, 540; 
Cohn, Suffwandl. 214. 

1545. caniera „Kammer". 

Ital. Camera, engad. kavibra, friaul. 
kambre, frz. chambre O aital. ciambra, 
zambra), prov., katal. camera, span., 
portg. camara. — Al)lt.: liaX.camerata, 
prov., span., portg. camarada O fiz. 
camarade) „Stubengenossenschaft", „Ge- 
nosse" Diez, Wb. 79; ital. camerella 
„Bienenzelle"; span. camarilla „könig- 
licher Geheimer Staatsrat" (als Aus- 
schuß der Cämara de Castilla). — Ablt. : 
span. camaranchon, caramancJion „Dach- 
boden", portg. caramanchuo „Turmstüb- 
chen", „Gartenlaube" RL. III, 136. 
(Rum. cämara stammt aus dem Griech. 
oder Slav.). 

1546. camerare „wölben". 
Nprov. camara „einen Fußboden 

legen". — Ablt.: nprov. r^marrif^ „Dach- 
boden", Creuse: sabrö, bourbon. säbard, 
perig. saramä „Heuboden": afrz. cham- 
bril „Getäfel" R. XXXIX, 209. 

1547. canierarins „Kämmerer". 
Ital. cameraio, cameriere „Kellner", 

frz. chambrier, prov. camarier, span. 
camarero, portg. camareiro. Fem.: frz. 
chambrihre und mit Suff. W. : chambrillon 
Rom. Gram. II, 438. 

1548. caminata „mit einem Kamin 
versehenes Gemach". 

Ital. caminata, engad. kamineda 
„Speisekammer", frz. cheminee (y aital. 
sciaminea, neap. cemmenera), prov. 
caminada. — Diez, Wb. 80; Caix, 
Stud. 534. (Die Bewahrung des -i- 
im Engad., Frz. und Prov. erklärt sich 
daraus, daß das W^ort erst im 6. Jhrh. 
gebildet wurde). 

1549. caminus „Ofen". 

Ital. Camino „Herd", bologn. kamein 
„Mietswohnung", engad. kamin „Ka- 
min", prov. camin. (Mazed. kiminia 
„Ofen zur Bereitung von Holzkohle" 
stammt aus griech. kaminion). 

1550. camisia (gall.) „Hemd". 
Rum. cämasa, vegl. kamaisa, tViaul. 

kameze, atrevis., apad. camesa, [ital. ca- 
micia, engad. Vamischa, frz. chemise, 



1551. cammarus — 15()1. campieellus. 



119 



prov., katal., span., portg. camisa]. 
Dazu ital. ahnice, af'rz. chainse ,Clior- 
heimr. — Ablt.: afrz. chawsil id., 
prov. campsil , feines Leinen"; ital. 
eamiciuola (> frz. camisole, span., portg. 
camisola) „Unterjacice". — Diez, Wb. 99; 
Thurneysen, Keltorom. .^)1 ; ALLG. I, 
541; SBPliHKIAWWien C.XLIII, a, 17. 

1Ö.51. camniariis (griech.) , Hummer", 
'1. *cainl>ftriis. 

'■L Kai. cambei'o, log. kambani, nprov. 
Oambre, span. gambaro. Das Wort für 
„Krebs" überhaupt ist tsabro, dzSbro 
in Freiburg, z. T. Wallis und Savoyen, 
dann in den Basses-Alpes und mit auf 
Entlehnung weisendem palatalen Anlaut 
in Vaucluse, Bouches-du-Rhone, Var At. 
Ling. 44.J. — Ablt.: portg. camaräo 
„Krabbe". — Zssg. : mail. gamber ter- 
festre, gamber salvadeg, gamber mat, 
nprov. chambre de gres „Maulwurfs- 
grille" StR. IV, ± — Diez, Wb. l.->.5; 
ALLG. II, i233; VI, .390. 

155:2. cammlnns (gall.) „Weg". 

Ital. cammino, engad., friaul. h'amin, 
frz. chemin, prov.. katal. cami, span. 
Camino, portg. caminho Diez, Wb. 81; 
Thurneysen, Keltorom. 52. (Die nkelti 
Formen scheinen auf cammixos zu 
weisen, so daß also im Lat. -inus an 
Stelle von -mns getreten ist). 

1553. eamoniilla „Kamille". 

[Ital. camamüla, siz. kahiwmhJa, 
a{g)umifl(la ZRPh. XXIV, 413, frz". ca- 
momille Cohn, Suffwandl. 44, span., 
portg. camomila]. 

15.54. «oainoria ,Rotz" (Krankheit der 
Pferde). Woher? 

Afrz. chamoire, chamorge (> ital. 
fiamorro, cimorro, cimnrro, span. ci- 
morra), franche-comt. sarm^ai, sarmoz 
„Schnupfen" R. XXXVIII, 3(>9; ZRPh. 
XXXIV, 125. 

1555. oaiuox „Gemse". 

Piem. kamus, gen. kamuiu (> ital. 
mmosa'o), val-ses. kamoza, lomb. kamofs 
(> ital. camozza), engad. kamuotsch, 
friaul. kamuts, tirol. kyamorts, frz. 
chamois, prov. camos, span. gamuza, 
portg. camnrca. Der Auslaut ist nicht 
gleichmäßig, z. T. könnte *camovia zu- 
grunde liegen, die prov. Form sieht 
wie ein endungsbetonter Nominativ aus. 
Das -r- der tirol. Form vielleicht nach 
i'nsvs R. XXXVI, 229. der portg. nach 
corQo „Reh" ZRPh. XXXI, 718. — 
Ablt.: puschl. kamogi „Sperber". Das 



Wort stammt von einer vorrömischen 
AlpenbevAlkerung und hängt vielleicht 
zusanmien mit herem. cyema „Ziege" 
aus *(AMA. — R. XXXV, 170; XXXVI, 
228; ZRPh. XXXI. 503; RILomb. XLI, 
205. 

1556. cainpaua „Glocke". 

Ital. campana, friaul. kamjyane, prov., 
katal., span. ca»jjwr»ff; über die Grenze 
zwischen cloche und campana in Frank- 
reich s. At. Ling. 302 ; trevis. kamjxina 
„große Schüssel für Zitronen und Oran- 
gen", Wallis, tsäpätm „Gesimse des 
Kamins". — Ablt.: ital. eampano „Her- 
denglöckchen", astur, kampann „große 
Kuhschelle", ital. campanile, südital. 
kampamtru, venez. kampaniel Mussafia, 
Beitr. 41 ; AGlItal. XVI, 304, gen. kam- 
paniit, vegl. kampanaid „Glockenturm", 
siz. kampanifu „Grabgeläute" RILomb. 
XLII, 1144; ital. campcmella, span. 
campanilla, südostprov. campaneto 
„Glockenblume" ; afrz. champenelle „klei- 
ne Glocke"; span. campanilla, portg. 
campainha da boca „Zäpfchen im Halse". 
— Diez, Wb. 83; SBPhHKlAWWien 
CXLL 3, 9. 

1557. caiiipauia „Blachfeld". 

Ital. campagna (> frz. camjtagne) 
„Feld", „Feldzug", engad. kampaila, 
frz. Champagne, [)rov. camjMnha, katal. 
campanya, span. campaila, portg. cam- 
panha. — Ablt.: afrz. champegnuel (> 
ital. campignuolö), prov. campanhola, 
camparol, mit Suff. W,: nfrz. cÄAm/x^- 
Mo« „Erdschwamm" Diez, Wb. 82: 542; 
Cohn, Suffwandl. 252. 

1558. camparins „Feldhüter". 
Piem., lomb. kampS, venez.. crem. 

kamper (> ital. campiere) „Feldhüter", 
auch „Ortsvorsteher" Salvioni, P.>; 
BStSvItal. XIX, 148. — Ablt.: nprov. 
akampaird, Sd^v.tsäpairä (> piem. ^am- 
l)eiri) „in die Flucht jagen" AGlItal. XV, 
275. 

1559. Cauipeche (Stadt in Zentral- 
amerika). 

Ital. campeggio, frz. campiche, span., 
portg. m/»2wÄe „Färbeholz" Diez, Wb. 83. 

1500. canipestris „zum Felde ge- 
hörig". 

Ital. campestre, bologn. kampästre 
„Feldhüter", frz. champetre, prov., ka- 
tal., [span., portg.] campestre. 

1561. campieellus „kleines Feld". 

Ital. campicelhi. span. cami>eciUo, 
portg. campecelo. 



120 



1562. campsare — 1569. eananaeus. 



1562. campsare , umsegeln \ 

Ital. cansare , ausbiegen ", , auswei- 
chen", aital. auch , beschützen", log. 
Tcansare „vermeiden". — Diez, Wb. 362. 
(Span, cansar „ermüden", canso „müde", 
descansar „ruhen" stehen begriflflich 
fern, vgl. 7020). 

1563. caiupns „Feld". 

Rum. cimp, ital. campo, log. kampii, 
engad., friaul. Uamp, frz. champ, prov., 
katal. camp, span., portg. campo. Be- 
deutet auch „Schlachtfeld", „Schlacht", 
in letzterem Sinne uengad. kampeista 
nach tempeista „Sturm". — Ablt. : avi- 
cent., triest., venez. kamjnelo -itelluVi- 
dossich, Stud. dial. triest. 41 ; siz. kampla 
„weit ausgedehnte Felder", rum. cimpie 
{-lA, -ILIA oder -ixia7) „Ebene", span. 
campiüa „Feld", prov. camhon „Feld"; 
ital. campare „entkonmien", „befreien", 
auch scampare, afrz. eschamper, prov. 
escampar „entwischen", prov., katal. 
escampar „ausbreiten", span. escampar 
„räumen", „entleeren",e6ertmjoffrfo „frei", 
„offen", „klar", daher escampar „auf- 
heitern" (vom Wetter); span. campar 
O frz. Camper) „ein Lager aufschlagen", 
ital. accampare, span., portg. acamp>ar 
id., ital. campeggiare, afrz. champoyer, 
span., portg. campear „belagern", „ins 
Feld ziehen". — Diez, Wb. 83. (Germ. 
kämpf \si entlehnt aus tuAfPrs'LBlGRPh. 
XIV, 95). 

1564. camiir „gekrümmt". 

Afrz. chamhre. — Ablt.: bresc. kam- 
hrozen „Liguster", span. camhron, 
portg. eambräo „Wegedorn"; bresc. 
kamhrd „verrammen", judik. kamhlar 
„leicht zusammenbinden", piac, parm., 
regg., mirandol, ferr. kambra[r)s, mo- 
den. kamhrers „gerinnen"; prov. cam- 
hrav (^ frz. cambr er) „sich krümmen" ; 
-bergam., bresc, trient. kamhra „Klam- 
mer" R. XXVIII, 61. {Camerare ^Q\n- 
wölben" Diez, Wb. 539 steht begrifflich 
fern). 

1565. cainns (griech.) „Maulkorb". 
Ital. camo, log. akkamu „Halfter". 

— Ablt.: span. camal „Halfter". — 
Zssg. : ital. camarra (y frz. camarre, 
span., portg. gamarra) „Sprungriemen" 
ZRPh. XXIII, 189. - Diez, Wb. 436; 
Salvioni, P.i. (Kors. kemu kemos 
AGlItal. XIII, 232 ist zweifelhaft, da 
es Bewahrung des griech. e als e noch 
nach der Zeit der Palatalisierung des c 
voraussetzt; frz. chanfrein frenum 
müßte vor den Wandel von am zu ain 



fallen; ital. camaglio, prov. camalh, 
span. gramalla ZRPh. V, 560 s. 1668; 
span., katal. cama s. 1542). 

J566. canäba „Weinstube". 

Ital. canova, friaul. Hdnive, Fassalal: 
kevana, ampezz. Kauna, nonsb. kyanna, 
abt. kyämena „Nebenzimmer", buchenst. 
kyauna „Kammer". — Ablt. : veltl. 
kanavei „der Raum in der Sennhütte, 
in dem die Milch aufbewahrt wird", 
nprov. canaveto. — Diez, Wb. 362; 
Mussafia Beitr. 142; Behrens, Rec. Met. 
57. (Log. kandva fällt mit -v- auf, das 
auch nicht aus der Nebenform canapa 
erklärt werden kann, genügen würde 
^canafa). 

1566a. canabiila „eine zur Trocken- 
legung der Grundstücke bestimmte Ab- 
zugsröhre". 

Afrz. chanole „Luftröhre" (> nprov. 
canolo, caniielo „Wasserleitungsröhre"). 

— Zssg.: wallon. sanol de ko „Nacken". 
(Zweifelhaft. Die Bedeutung des nprov. 
Wortes paßt zum Lat., aber die Form 
erklärt sich nur bei Annahme einer 
Entlehnung aus dem Frz.). Vgl. 1600. 

1567. canalicula „kleiner Kanal". 
Portg. quelha „Sträßchen" Diez, Wb. 

436. 

1568. canalisMask.undFem. „Röhre", 
„Rinne". 

Ital., log. canale Mask., engad. känel 
Fem. „Dachrinne", friaul. kanal „Tal", 
ert., nonsb. kyanel „Krippe", frz. chenal 
„Mühlbach", „Dachrinne", cheneau id., 
prov., katal. canal „Dachrinne", „Faß- 
hahn", span. canal Fem., auch in ital. 
Mundarten ist das Wort vielfach Fem. 
Rom. Gram. 11, 426; At. Ling. 660. 
Portg. calha „Mühlbach" canalia'^ — 

— Ablt.: emil. kanalots, lomb. kanaröts, 
gen. kanuetsu, venez. skanarotso, siz. 
kannaruttsu, ca.mpid. gannarottsa „Keh- 
le". — Zssg.: portg. cangosta „Gäß- 
chen" ANGUSTA RL. IV, 272. (Die 
Wörter für „Kehle" direkt zu canka 
1597 Mussafia, Beitr. 11; RomF. XIV. 
433 rechtfertigt das -l- nicht, allerdings 
findet sich -r- auch außerhalb der Lom- 
bardei, wo es aus -l- entstanden sein 
kann, und die südital. -nn-Formen zeigen 
mindestens Anlehnung an canna, viel- 
leicht liegen zwei verschiedene Bil- 
dungen vor). 

1.569. eananaeus „Kananäer". 

Neap. kananea „Ghetto", „unruhiges 
Haus", log. kananeu „geizig", afrz. 
Chenelieu, prov. Canineu R. VII, 441. 



|.')70. canare — 1579. caiulelabrum. 



1-21 



1570. caiiarc , weißen". 
Porfg! caidi: 

1571. cauarius „zum Hunde ^e- 
liorig". 

Log. kanardzu ^Hunclehüter'' Sal- 
vioiii. r.S transmont. cäiro „Backen- 
zahn"'. 

I.")7i2. caucellarc 1. „durchstreichen", 
!2. , wanken". 

1. Ital. ainccUarc, afrz. chanceler, 
prov. canselar. 

Ü. Ital. cancellare, frz. chanceler (> 
aital. ciancellare), prov. canselar Diez, 
Wb. 84. (Aus prov. canselar ,im Grund- 
buche durchstreichen" nprov. kanserä 
,ein Mädchen ausstatten", eigentlich 
, seinen Anteil am väterlichen Grund- 
besitze im Grundbuche ausstreichen", 
limous. tsanse , Anteil an einem Hause" 
ZRPh. XXVII, 143 ist wenig wahr- 
scheinlich, vgl. 1574). 

1573. rancellai'ius , Kanzler". 

Frz. chancelier O ital. cancellierc, 
span. cancellcr), 

1573 a. caucelH , Gitter". 

Bearn. Ä;rt«st'< „Wagenleiter". — Ablt.: 
cansitii „die Sprossen der Wagenleiter". 
[Ital. cancello, afrz. ccincel, chancel 
„Raum hinter einem Gitter", span. 
cancel, crojct?« „Vorhof", „Loge"]. (Rum. 
canghelä „Gitter* stammt aus dem 
Ngriech.). 

1574. Cancer, caucru „Krebs", ± caii- 
core, 3. *crnuca. 

1. Ital. canchero, frz. chancrc, jjrov. 
l>-raiic „Krebs" (Krankheit). 

i2. Ital. i/rancio „Krebs" (Tier); afrz. 
chaintre, prov. canse „das Ende des 
Ackers, wo der Pflug wendet" Thomas, 
Mel. 45, prov. canser{a) „Mitgift" Tho- 
mas, Mel. 47; R. XXXVII, 117. — Ablt.: 
ital. grancire „packen"; r\'vz. chanciere, 
limous., auvergn. säxi/^r, norm, l-äsi/er, 
nprov. kanseiro gleicli chaintre, limous. 
iiionseld, auvergn. /.säsc/c „ausstatten". — 
Zssg. : \ia.\. granciporro «Taschen krebs" 
j'Aounrs Diez, Wb. 317. 

3. Afrz. cranche „Krebs" (Krankheit), 
nprov. kranko id.; pikard. kräk, Vo- 
esen: kräs „Krampf". — Ablt.: frz. 
ranchie „eine Gattung Kopffüßler" 
ZRPh. XXVI, 3-27: ^crancher „Falten 
ausbügeln". (Die Be<leutungsentwicke- 
lung von frz. chaintre ist unklar; Tho- 
mas denkt an „Gitter" als Vergleichs- 
punkt für diese Furchen, doch ist viel- 
leicht eher an das Umwenden und. Zu- 
rückgehen des Pfluges zu denken, das 



als Krebsgang gefaßt wurde. Noch un- 
klarer ist prov. canser „Mitgitl". (ieht 
man vom Subst. cansera aus, so ist im 
Verbum canselar das -^ im Inf. durch 
Ferndissimilation entstanden. Afrz. 
chancelier „ausstatten" kommt nur in 
Texten vor, die zum Süden Beziehung 
haben, ist also eine Anpassung des 
prov. Wortes. Ital. ganghero AGlItal. 
III, 360 s. 1575, ital. gancio ebenda s. 
4661; log. Ä,Y<HA'rt/-r</"e „erstarren" gehört 
kaum hierher). 

1575. canchalns (griech.) „Türangel". 
Ital. ganghero, lomb. kdnkan, veron. 

kdnkano, campid. känkern; parm. kdr- 
ker. — Ablt.: ital. sgangherare „ans 
den Angeln heben", „ausgelassen lachen", 
portg. escancarar „angelweit öffnen", 

he'w.escangalhada ^Ge\ächleT'^. h ga- 

nascia 3808: aital. sgangasciare „sich 
die Kinnladen beim Lachen verrenken". 

— Diez, Wb. 374. 

1576. *cancrlcHlns „kleiner Krebs". 

Ital. granceola „Seekrebs", „Hum- 
mer" Mise. Ascoli432; Alilltal. XVI, 203, 
span. cangrejo O portg. grangnejo, gn- 
ranguejo) „Krebs". 

1577. ^cancrnlns „kleiner Krebs". 
ltal.r/rrtncA/o,lucch.(/rrtncAjo„Spinne", 

neap. granke „Krampf". — + grongo 
2146: yiislojt. gronchio „Krebs", „Krampf". 

— Ablt.: ital. aggranchiarsc „sich zu- 
sammen krampfen", lucch., pisan. gron- 
chio „vor Kälte starr". (Ital. aggric- 
chiarsi „vor Kälte erstarren" Caix, .Stud. 
142 gehört nicht hierher). 

1578. candela „Kerze". 

Ital. candela, engad. kandaila, friaul. 
Uandele, afrz. chandoile, nfrz. chandelle 
Cohn,Suffwandl. 215, prov., katal., span. 
candela, portg. candeia; i'iz. chandeleiir, 
prov. candelor, candeloza „Lichtmeß" 

aus FKSTVM CAXDELARVM. — Ablt.: 

piem. kandelot, coraask. kanderot, San- 
Frat. kanalon „Eiszapfen". — Zssg.: 
kalabr. kanniltWeta, siz. kannila di pi- 
knraru „Leuchtwürmchen" Salvioni, 
Lampyr. ital. P). (Rum. candela stammt 
aus dem Serb., arum. candiln aus dem 
Ngriech., span. candil ans dem Arab.). 

1575). caiidelabrom „Leuchter". 

Katal. cundalobre (> lo^. kandelobru), 
valenc. canalobnt. — Mit Suff. W.: 
ital. candclaio, afrz. chandclier, prov. 
candelier (> aital. candeliere), span. 
candelero, portg. candieiro. Das katal. 
-0- ist nicht erklärt. 



m 



1580. candere — 1592. canis. 



1.580. candere , glühend heiß sein\ 
Lyon, sädir, sädre „heizen". (Oder 

Abu. von Exc ANDERE 2949; katal. 

candir , Früchte einlegen" s. 6984). 

1581. candicare , weißlich werden". 
Velletr. kaflikä, „verschießen". 

1582. Candidas „weiß". 

Canav., prov. cande AGlItal. XIV; 415. 

— Ablt.: Span, trigo candeal, portg. 
trigo candial „Winterweizen"; astur. 
candanal „Land mit weißlicher Erde". 
(Oder handelt es sich in den span., 
portg. Wörtern um kelt. Reste? Leite 
de Vasconcellos, Mirand. II, 17). 

1583. *caneolus „Hündchen". 

Ital. eagniolo, obwald. kiüiel, engad. 
Vanöl. — Rückbild.: ital. cügna (> frz. 
cagne), engad. Tiaüa, prov. canha „Hün- 
din". — Ablt.: ital. cagnaia, lomb. ka- 
fiera (> obwald. kanera ZRPh. XXII,460) 
„Hundelärm", bresc. ka fiera „Hunde- 
hütte", bergam. kanü „Made", ital. 
cagnaccia „Art Hobel", abruzz. kafiitd 
„Schlechtigkeit", westlomb. kaiiä „beis- 
sen", abruzz. nganä „ei'züfnen", „rot 
werden", uokkye nganate „rotgeweinte 
Augen"; frz. cagnard „Schmeichler". 

— Diez, Wb. 540; RomF. XXIII, 532. 
(*Cania nach ayia, cebvia Rom. 
Gram. II, 368 ist wenig wahrscheinlich ; 
frz. gagnon „Hund" Diez, Wb. 591 ist 
lautlich unmöglich, zu waidnnjan ZRPh. 
XXIII, 537 ebenfalls, zu wang „Wiese" 
ZRPh. XVIII, 517 ist begrifflich und 
formell bedenklich. Mit gagnon ge- 
hört zusammen kala])r. guanone, neap. 
guatone, abruzz. guajone „junger Bur- 
sche"). 

1584. canescere „grau werden". 
Afrz. chanir. 

1.585. *canice8cere „grau werden". 

— Frz. chancir, prov. canezir „schim- 
meln" Diez, Wb. 542; Baust, z. rom. 
Phil. 483. 

1586. cauicnla 1. „Hündchen", 2. „ein 
Seefisch", 3. „Raupe", 4. „Weidenkätz- 
chen". 

2. Abruzz. kanikkya, frz. chenille, 
span. (> portg.) caneja „Hai", „Hunds- 
fisch". 

3. Frz. chenille, prov. canilha. Auch 
frz. chenille (> ital. ciniglia) „sammt- 
artiges Seidenzeug". — Ablt. : val brozz. 
ankaniHarse „sich verwickeln" AGlItal. 
XIV, 353. 

4. H.-vienn. seniyf, sav. seneT§, Lot- 
et-Garonne: kanilos. — Diez, Wb. 546- 
ZRPh., Bhft. X, 24; 25. (Span, ranijo 



„schwächlich", „kränklich" bedarf der 
iDegrifflichen Erklärung). 

1587. ^■anifah (arab.) „Rand des 
Kleides". 

Span. (a)zanefa, cenefa, portg, sanefa 
„Bett"- oder „Türvorhang" Diez, Wb. 
438: Dozy-Engelmann, Gloss. 224; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 319. 

1588. *crtnile „Hundehütte". 
Ital. canile, frz. chenil. 
1.589. ''caniHa „Kleie". 

Tarent., kalabr., ü\z.kanigg!ja, abruzz. 
kaniyya. — Ablt.: neap. kaniMa 
„Kleie" AGlItal. XHI, 406 ; auch bourn. 
cni „Staubfaser", „alles, was ausgekehrt 
wird", „Kehricht"; span. coh// „Kleieii- 
brot"? (Zu CAKUs „grau", nicht zu 
CytJS'/c^i? „Kleie", ^\•A-I('LA in Süditalien 
-ikkya ergibt). 

1-590. caniniis „hündisch". 

Ital. canino, log. kaninii, afrz. cheniii, 
prov., katal. cani, span. canino, portg. 
caninho „armselig", „elend", „knause- 
rig", norm, kam „schlecht gewalkt", 
lyon. (?f»«e „mürrisch" ZRPh., Bhft. X, 30. 

1591. *canipa „Krummholz". 

Log., campid. kavina „Hippe", log. 
kdvami, sassar. kävana „Wange", engad. 
Jcanra „hölzernes Halsband", „Reif um 
Ziegen oder Schafe anzubinden", ob- 
wald. komha id., bergeil. kanva „rundes 
Holz, in welches die Knie der Kühe 
eingesteckt werden, wenn sie sich nicht 
melken lassen wollen, oder die Füße 
der Schafe, wenn sie geschoren werden" 
RILomb. XLII, 971 ; friaul. Mvine, k(^- 
nire „hölzernes Halsband, mit dem die 
Ochsen ans Joch gebunden werden", 
portg. gaiba, gamba „Joch", astur., 
galiz. kamha „Radfelge". — Ablt.: 
engad. Vanvella „Handknöchel", obwald. 
knnviala „Handgelenk"; engad. Jcanro{l), 
obwald. kanrau, puschl. kanvo, borm. 
kanva, veltl. kanove „kreisförmiger 
Schwaden beim Mähen". — (Ob alle 
diese Wörter zusammengehören, ist 
fraglich, die Grundlage müßte dann wohl 
gall. sein. Engad. kanva zu gall. camh 
„gekrümmt" 1542 ZRPh. XXVH, 144 ist 
lautlich, zu r^Aoiß/.s- KJBFRPh. V, 1,132 
begrifflich unmöglich ; engad. Icanvol zu 
CAKABA RILoml). XXXIX, 612 begriff- 
lich nicht verständlich. Mit kanva be- 
i'ührt sich gleichbedeutendes süddeut- 
sches kanfen ZRPh. XXVII, 609; zu 
astur, kamha vgl. 1542). 

1592. canls „Hund". 

Rum. cd{>')ne, vegl. ktion ital., log. cane, 



1593. canistelluin — 1G()(). *cannabula. 



123 



engnd. Kann, friaul. Kau, frz. chien, 
prov. ca, porig, cäo. — Ablt.: ital. ca- 
nattiere ^Hundeliüter" ; ital. canaglia 
O frz. Canaille), afrz. chenaille, prov. 
canalha ^Hundepack", ^Ciesindel", tess. 
kanai/a , Kinder", ert. kanai „Knabe", 
weslfrz. k^nai „Bursche", „Kind", val- 
anz. kanayun „Knabe"; frz. chenet 
„Feuerbock", vgl. 449; mazed. cänwd, 
cäniFe „Qual" AARom. XXIX, 215, 
rum. cii(i)nle „Hartherzigkeit"; ital, 
canata „Vorweis", abruzz. nganacCate, 
skanaööate „Schelte"; ital. andar ai 
cani „auf den Hund kommen", arcev. 
akanl „erschöpft", poitev. akeni „ab- 
magern"; portg. rrt/nfrtrf« „Hundegebell ": 
orist. karina „Goldbrasse" AStSard. V, 
215. — Zssg. : frz. entre chien et lonp, 
STß&n. entrelubrican „Dämmerung" (d.h. 
die Zeit, wo man Hund und Wolf nicht 
unterscheiden kann) R. XXI, 111; ZRPli. 
XXVni, 98; frz. reqiiin „Hai" Dict. 
G6n. — Fem. i'iz. chienne At. Ling. 961. 
— ZRPh., Bhft. X, 1. (Frz. requin 
REQVIEM „Seelenmesse" Diez, Wh. 068 
ist abzulehnen, wenn auch das re- des 
eigentlich norm. Wortes noch nicht er- 
klärt ist). 

1593. cauiätellnm „kleines Körb- 
chen". 

Afrz. chanesfel „ein runder Kuchen", 
prov. canistel. 

1.594. cniiistrum „Korb"; 2. caua- 
strou (griech.). 

1. Mazed. cänesträ, ital. canestro. 

2. Prov. canasto (> frz. canasfre), 
span. canasf(r)o, canasta Diez, Wb. 43() ; 
R. V, 167. 

1595. canitia „weißes Haar". 
Afrz. chanece, span. canez(a). 

1596. caiiua „Kanne" (germ. oder 
identisch mit 1597). 

Afrz. chamie, prov. cana. — Ablt.: 
frz. cnnnette. (Log. kannada „Napf" 
gehört, da das einfache canna hier fehlt, 
wohl sicher zu 1597). 

1597. canna „Schilf", „Ried", „Rohr". 

Ital. canna O frz. canne „Spazier- 
stock"), log. kanna, engad. katw, prov., 
katal. cana, prov. auch ein Längenmaß 
ZFrzSpL. XXVI, 114, span. cafla, portg. 
cana; span. cano, portg. cano „Röhre". 
Das Wort bezeichnet in Rom, Nordita- 
lien und in Südfrankreich mehrfach die 
Kehle, z. T. mit erklärenden Zusätzen 
wie nordital. canna della gola, log. 
canna de sti gnfturn ; span. cafio 
„Knochenmark" RomF. XIV, 433. — 



Ablt.: prov., südital. kannarino, neap. 
kannekki/a, siz. kannantni. comask. ka- 
nel „Kehle« RomF. XIV. 433; Mussafia, 
Beitr. 41, vgl. 1568, ital. cannello 
„Schalmei", „Spule", nprov. kaneu 
„Schilf", ital. cannello, nprov. kanelo, 
span. canilla „Hahn am Fasse", span. 
canilla „Schienbein", „.Spule", portg. 
canela (> span. canela, ital. cannella, 
frz. canelle) „Zimt"; span. caüuto 
„kurze dünne Röhre", caflntillo (> ital. 
cannntiifUo. frz. canneiille) „Gold- und 
Silberdraht" AGlItal. XIII, 407; prov. 
canat. \)ori'^. caneiro „Damm", „Wehr", 
span. caflftl „Wehr"; s\yAl^.gaflon,ganote 
„Kehle", „Luftröhre". „Speiseröhre", 
gaiiiles „Kehle der Tiere", „Kiemen des 
Tunfisches" Diez, Wb. 453. — Zssg.: neap. 
Hokkanne, siz., kalabr. snkkunna „Hals- 
kragen" StR. VI, 60; span. caflahierla, 
caüaheja „Gertenkraut", portg. can&- 
frecha id. fercla. (Span, canarera 
„Schilf" VASiA ist zweifelhaft wegen 
prov. canavera, vielleicht *CAyiifABA- 

RIA?). 

1598. *cannabia „Hanf". 

Friaul. Vanaipe, istr. ganiepa Sal- 
vioni, P.2. 

1599. canuabis ,Hanf-, 2. cauiia- 
pns, -a. 

1. Neap. kannecf, kannflf, abruzz. 
kanpe, log. kdnau, campid. kanniu. — 
Ablt.: abruzz. kanariöce „Hanfsamen". 

2. Rum. c'inepa, ital. canapa, veron., 
venez. kanevo, engad. kanf, frz. chanvre, 
prov. canebe, carbe, lyon. senero, span. 
citüamo O campid. kailit, portg. can- 
homo). porig, cannamn. — Ablt.: ital. 
canapo, vegl. kanapiel „Hanfseil"; ital. 
canajmccio, comask. kanaosa, piazz. 
kanarosa, afrz. cheneruis, nfrz. cheneris, 
val de Saire: kanirii, pikard. kanvSs 
„Hanfsamen" mit auffälligem Suff. 
Thomas. Mel. 50; ZRPh. XXVII, 146; 
trevis. kanerela „Hänfling"; nordital. 
canavaca'o O frz. canecas, span. caiia- 
mazo, portg. canhama^o), prov. canabas 
„Gitterleimvand":obwald.A-flr>jrtr/f „Hanf- 
stenjrel"; portg. canares .Hanffeld". — 
Diez, Wb. 84; R. XXHI, 216: ZRPh. 
XXVIII, 108; Salvioni, P.«. (Portg. 
linho canare „Hanf" ist wohl nicht 
Erl>wort). 

1600. *caunabula „Halfter", „Glok- 
kenband". (Zu canna im Sinne von 
Hals). 

Nordital. kana(g)ola, kanavra, nprov. 
kanaulo, piem. kanaula „Jochring", 



l'2A 



1601. cannach — 1615. canllierius. 



lothr. senor, mail. kanavra, trevis. ka- 
naola, islr. kanaula, friaul. Uaneide 
, Halfter der Kühe und Ochsen", wallon. 
kanol , Halsband aus drei Stücken, das 
den Schweinen umgebunden wird, da- 
mit sie nicht durch die Hecken brechen" ; 
venez. kanaula , Schlund'' ZRPh. XXVII, 
J29. (Zu cannabis 1599 R. XXVIII, 95 
ist sachlich nicht möglich; akz. duoiole 
s. 1566 a). 

1601. ^aniiacli (arab.) „Korb". 

Katal. senall, span. cenacho Dozy- 
Engelmann, Gloss. i251 ; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 368. 

I60ti. cannaineUis „Zuckerrohr". 

Ital. cannamele, afrz. calemele, span. 
canamiel; nfrz. caramel, span., portg. 
caramelo, ital. caramella „Karamel" 
ZRPh. XXVlll, 106. (Die Geschichte 
des Wortes und der Sache ist nicht 
klar, Einwirkung von calamvs sachlich 
nicht begründet). 

1603. caiinetnin „Röhricht". 

Ital. canneto, log. kannedn, span. 
canedo. 

1604. cauuicias „Rohrgeflecht". 
Ital. ranniecio „Matte", friaul. Kanus 

„Reuse", prov., katal. canis, span. canizo. 
(Portg. castigal „Leuchter ",*CyiA'.v/c/sr^i 
RL. XI, 25 ist ganz unwahrscheinlich). 

1605. *caniiins „von der Art eines 
Stockes". 

(Portg. canho „links", canhoto „links", 
„linkisch", „knorriges Stückchen Holz". 
— Ablt. : transmont. canhona „altes 
Schaf" AStNSpL. CXXH, 176 ist un- 
wahrscheinhch, zu gall. cam- „krumm" 
Diez, Wb. 436 ist formell unmöglich). 

1606. caimncia „Röhricht". 

Ital. cannucda „Rohrkolben", friaul. 
-Untmsa „Maiskolben". 

1607. caiinnla „Röhrchen". 
Mazed. canurä „Spulen aus Rohr, 

worauf die Einschlagfäden gewickelt 
werden", „Einschlagfaden" AARom. 
XXIX, 214, sublac. känmitja „Mais- 
kolben", bergam., venez. känola, trevis. 
kändola; friaul. känule „Faßhahn". 
(Tarent. kämdo, cerign. kdnele „Wachs- 
kerze" fällt mit -n- statt -nn- auf; Zu- 
sammenhang mit CAXDELA ist aber 
ebenso schwierig StR. VI, 9; zum Rum. 
vgl. 1^2i). 

1608. canoii (griech.) „Meßrute", 
„Richtschnur", „ständige Abgabe". 

Tarent. känulo „jährliche Bezahlung 
der Pacht". [Afrz. cane]. 



1609. cauoiiicns „Domherr". 

[Ital. calonaco, frz. chanoine, prov. 
canorgne, katal. (^ span.) canonge, span. 
canönigo, portg. conegö], 

1610. canosus „grau behaart". 
Engad. kannos „grauhaarig", „hin- 
fällig". 

Kill, caiitare „singen". 

Rum. cintä, vegl. kantuor, ital., log. 
rantare, engad. kantet; friaul. kantä, 
frz. chanter, prov., katal., span., portg. 
cantar. — Ablt.: rum. cintätort „Zeit 
desHahnenrufes", ^\em.kantaris „Gras- 
ammer" Salvioni, P.-. — Zssg.: frz. 
rhantepleiire, dial. cäpröl At. Ling. 1160, 
nprov. kantopluro (> ital. cantimplora, 
piem. kantabriinfi „Trichter", span. 
cantimplora. portg. cantimplora, canti- 
plora „Weinkühler") „Trichter", „Gieß- 
kanne" (nach dem (ieräusch des durch- 
laufenden Wassers) Diez, Wb. 542; 
lomb. kantarana „Kloake". (Chante- 
pleure caxxa imi'LEToria Caix, Stud. 18 
ist lautlich nicht möglich, doch be- 
darf das Wort nach der sachlichen Seite 
hin noch der Aufklärung). 

1612. *caiitharella „Blälterschwamm" 
(zu canthanis „Humpen"). 

Ital. erha canterella, frz. chanterelle, 
lothr. zotrel mit Anlehnung an gleich- 
bedeutendes zonirel 3646 Behrens, Frz. 
Wortg. 142. 

1613. cantharis „spanische Fhege". 
March. kantarella, velletr. kantrella; 

iial. canterella „Fhttergold" Salvioni, P.^; 
transmont. cantarinhas „Wasserblasen". 

1614. canthärus 1. „Humpen", 2. „ein 
Fisch" (sjxirus canthärus). 

1. Ital. cantero, log. käniaru „Quelle", 
span., portg. cdntaro. 

2. Siz. skäntaru, katal. cdntara, span. 
cdntaro; span. alma de cdntaro „Ein- 
faltspinsel". — Ablt.: venez. kantarela. 

1615. cantherius „Gaul", „Joch- 
geländer", „Dachsparren", 2. canthe- 
lios (griech.). 

1. Ital. canteo „Querholz am Säge- 
bock", lomb. kaniir „Brückenjoch", 
regg. kanter „Dachbalken", abruzz. 
kandere „Getreideschober", log. kanter- 
dzii, campid. kantrezu, gallur. kanteggya 
„Wange" R. XX, 62; AGlltal. XV, 483, 
vgl. zur Benennung 963, frz. chantier 
„Faßlager", „Holzstoß", „Schiffs werfte" 
O ital. cantiere), portg. canteiro „Faß- 
lager". Auch romagn. kantir „Quer- 
furche, die das Wasser der anderen 
Furchen auffängt"? — Ablt.: span. can- 



KSK», canthus — Uj24. capanna. 



1'2' 



terlo „Üeckenbalken". — Diez, VVb. 85; 
Cohn, Sufl'vvandl. 287; Salvioni. P.*'''. 
(Span. canteJes , Strick zum Befesliffen 
der Tonnen", ^.Bilterenden" Diez. Wl». 
85 liegt bejjriff'lich al)). 

"1. Tarent. hdiifsirrf , Maultier". 

IGK). cautlins (griecli.) „Augenwin- 
kel", „RadreiP, 2. caiitlios (mgriech.). 

1, Ital. catifo .Ecke", , Winkel". 
, Seite", <•««/«•«, Eckschrank",, Seil rank", 
irz. rhamp „schmale Seite", „Fläche", 
cant „schmale Seite eines Backsteines", 
norm, hä „Seite", a kä te „mit dir", 
prov., katal. can „Rand", span., portg. 
canto „Ecke", „Seite", „Kante", „Stein". 
— Ablt.: ital. mntone (> frz. eatitoii) 
.Kanton", cantina „Weinkeller", can- 
turcio „ein Gebäck"; lo}?. antarih „Ecke", 
„Kante" RlLomb. XLIl, ()73; afrz. 
chanfei „Schildrand", nfrz. cliautecm 
„Brotranil", pikard., norm, hätyl) „ein 
Stück Hostie", prov. vantel „Stück Brot"; 
span. mntera, portg. canteira „Stein- 
bruch". — Diez, Wb. 85: Caix, Stud. 251. 
(Zu galt, cambita 1542 Thurneysen, 
Keltorom. 53 ist begrif!lich nicht leich- 
ter und formell schwieriger. Diez geht 
von der lat. Bedeutung „Radreif" aus, 
was aber begrilTlich auch Schwierig- 
keiten macht, man wird schon für das 
Lat. eine Überfragung von „Augen- 
winkel" auf „Winkel" überhaupt an- 
zunehmen haben). 

2. Siz. Ä-rtn^«^M „Seite" StGlItal. IV, 255. 
1617. canticula „Liedchen". 
Amail. cantegora, nmail. andä in ran- 

tegora „im Munde herumgezogen wer- 
den" Salvioni, P.^ ligur. hantegua 
„Totengesang" GStLLig. IV, 272. — 
Zssg.: abologn. percantegola, nbologn. 
portantäigla „lange, unbedeutende Ge- 
schichte". 

H»18. canticnm „Gesang". 

Rum. dntic, mazed. cintic „Wiegen- 
lied". [Ital. rantico, frz. cantique, span. 
portg. rdntiga], 

IGltt. cantio , Gesang". 

Ital. vanzone, engad. l'anfsi(n, friaul. 
l'anfson, frz. chanson, prov., katal. ranso, 
span. canzon, portg. cangäo. 

1620. caiitns „Gesang". 

Ital. canfo, log. k-antti, engad. Kannt, 
friaul. K'ant, frz. chant, prov., katal. can, 
span., portg. canto. 

1621. canns „grau". 

Aportg. cäo; münstert. l'aitnas, afrz. 
rhienes. prov.. span. canas, portg. c<j>< 



„graue Haare"; auvergn., dauph., forez. 
kano, sano „Kahm auf dem Weine". 
[Ital. cano, afrz. chanes „graue Haare", 
span., portg. cano\. (Das prov. Wort 
stimmt in Form und Bedeutung zu 
nhd. kahn, mhd. hin, Nebenfoim de.«« 
älteren kam, doch scheint das Zusam- 
mentrefTen ein zufälliges zu sein, da 
bei alter Entlehnung das -«-, bei junger 
das s- nicht versländlich wäre und 
zudem die beiden Wörter im Geschlecht 
nicht übereinstimmen). 

1622. *caimtus „grau". 

Rum. ciirunt, ital. cannto, log. kann- 
dn, münstert. Vani'td, frz. chemi, prov., 
katal. canut, aspan. canudo; afrz. rni 
chenn „alter, guter Wein", pikard., 
norm., champ.. berrich. snii „gut". — 
ALLG. VI, 380. 

1623. '*'capaciuiii „Korb" (zu ca- 
pere?). 

Pia.c.gabats,\)']em.gahasa,[)ioy. (> fi-z.), 
katal. cahas, span. capazo mit -p- von ca- 
pacho 1643, portg. cabaz ; puschl., veltl. 
kanij)as, bergell. hampaf, bergam. kam- 
paia „Tragkorb für Heu und Stroh" 
RILomb. XLI, 205. (Siz. karahattsa, 
njirov. karahaso, katal. carabassa, span. 
calahaza (> frz. ralebats.-te), portg. ca- 
ba^a „Flaschenkürbis" Z RPh. XXX, 56«) 
sind nach Ausweis der prov., katal., 
span. Form verschieden, vermutlich 
orientalischen Ursprungs). 

1624. eapauua „Hütte". 

Ital. capanna, engad. Vamanna, prov. 
cabana (> frz. cabane), spnn. rabatla, 
portg. cabana: venez. karana .Unter- 
standsort der Barken", borm. kaniana 
„Bienenstand"; ital. capanno .Laub- 
hütte", obwald. (> val-blen.) kamon, 
val-magg., verzas. kanian „Schweine- 
stall". „Sennhütte" ZRPh. XXII, 467, 
lothr. s^rä „Winzerkorb", portg. cabano 
„Weidenkorb" ZRPh. XXX, 456; beani. 
kabane de abeTes „Bienenkorb". — Ablt.: 
comask. Ä-rtma«t?/a „kleine Hütte" : piem. 
s'enkahan^, monferr. se enkaband „sich 
bewölken" GStLLig. IV, 273. — Diez, 
Wb. 85; Salvioni, P.«. (Ital. gabbano 
„Mantel" s. 4643 a; ital. gabuzzhio 
„kleines Zimmer", frz. catnbui>e s. 4645. 
Die -w»-Formen in Graubünden erklären 
sich durch Fernassimilafion ZRPh. XXH, 
467, nicht durch Einfluß eines sonst 
nirgends bezeugten vorrömischen, dem 
span. cania 1524 entsprechenden Wortes 
ZRPh.. Bhn. VI. 31 : AStNSpL. CXXIV. 
:i88). 



126 



1625. capere — 1636. capitellum. 



1625. capere , nehmen", , fassen". 
AitaJ. capere ,,Raum halsen", mpire 

„begreifen", prov., katal., span., portg. 
ciiber ,Raum haben". — Ablt. : frz. 
chevance (> aital. civanzo) „Errungen- 
schaft" Dict. Gen., prov. cabensa „Raum", 
„Einkunft"; galiz. qtielpo „Graskorb". 
— Zssg. : mm. incäpeä „Raum haben", 
„fassen". — Diez, Wb. 85; ALLG. I, 
541. (Galiz. queipo caxjpa ZRPh. 
XXIX, 419 ist lautlich unmöglich, frz. 
chevir Dict. Gen. s. 1668, vielleicht ge- 
hört auch cheranee zu chevir; span. 
gmnlan, portg. gacuto „Sperber" Diez, 
Wb. 455 s. 3627). 

1626. capillago „Haarwuchs". 
Abruzz. kapelafle, kapelaiiif «B^ilz- 

kraut". 

1627. capillatnra „Behaarung". 
Ital. capellatura, frz. chevelure, prov., 

katal., span., portg. cabelladura. 

1628. capillas „Haupthaar". 

Vegl. capei, ital. capello, engad. T<ari, 
friaul. Karel, frz. cheveu, prov., katal. 
calel, span., portg. cahello. Das eigent- 
lich südfrz. Wort ist p)el At. Ling. 270; 
RomF. XIV, 413. — Ablt.: ital. capel- 
luto, frz. cherelu, prov., katal. cabellut, 
span,, portg. cabelludo „behaart"; afrz. 
cheveler „raufen"; nfrz. edieveli „mit 
fliegenden Haaren". — ALLG. VI, 380; 
Cohn, Suffwandl. 47. 

1621). capisterinm „Wurfschaufel". 

Rum. cäpistere „Backtrog", ital. ca- 
pisteo, abruzz. hapistyere, velletr. ka- 
pestiere „Getreidesieb" Salvioni, P,^*-. 

1630. capistrare „anbinden". 
Rum. cäpästrä „abschließen", prov. 

cabestrar, span. cabesirar, portg. ca- 
brestar. 

1631. capistrum „Halfter". 

Rum. cäpästrn, ital. capestro, capresto 
„Galgenstrick", log. krabistu, engad. 
Uavaistre, friaul. kavestri, frz. checeire, 
prov., katal. cabestre, span. eabestro, 
portg. cabresto Diez, Wb. 546. (Afrz. 
chevoistre ^capistriv Thomas, Mel, 51 
ist bedenklich, solange eine anderweitige 
Bestätigung einer solchen Grundform 
fehlt; prov. cabestan (^ frz. cabestan, 
span. cabestrante, span., portg. cabres- 
tante) „Schiffswinde" MSLParis VI, 259 
bedarf der begrifflichen und formalen 
Rechtfertigung, gegen cabra estant Diez, 
Wb. 537 spricht, daß estant kein volks- 
tümliches Partizipium ist, und der 
Schwund des -r- sich schwer erklärt, 
zu portg. cabre 1666 als „Schiffsbauge- 



stell" ASlNSpL. CXXV, 155 scheitert 
schon daran, daß -estante nicht „Ge- 
stell" heißen kann). 

16.32. capitalis „zum Kopfe gehörig", 
„hauptsächlich". 

Dalmat. koptal „Kopfkissen", avell. 
kapitale id., ital. capitale (> frz. capital) 
„Hauptsumme" ; romagn. kaedei „klei- 
ner Damm", „Straßenrand", Tpiem. kainal 
„Vieh und landwirtschaftliche Geräte", 
friaul. A'rtivf?«? „Feuerbock", afrz. chatel, 
nfrz. chetel „Kapital", cheptel „Pachtvieh- 
bestand", prov. capdal „Anführer", 
„Viehbestand", „Gewinn", span., portg. 
caudal „vorzüglich". — Salvioni, P.*; 
ßernitt, Lat. caput 17; 24. 

1633. *capitaneii8 „zum Kopfe ge- 
hörig". 

Rum. cäpäfnu „Kopfende des Bettes", 
„Kopfkissen", ital. capitagna „Rain", 
„Rand", emil., lomb. kacdana „das 
nicht mehr gepflügte Ende eines Ackers", 
lomb. kavdaüa „Feldweg". [Aital. ca- 
pitanio, avenez. capotagno, afrz. cheve- 
taigne, chatai(g)ne, prov. capitanh, 
„Hauptmann"] Cohn, Suffwandl. 165. 
(Piem. kausana „Damm", „Feldweg" 
deckt sich begrifflich mit kavdafia, 
zeigt aber Einmischung von frz. Chaus- 
see „Straße"). 

1634. capitanns „zum Kopfe ge- 
hörig", 

Ital. cattano „Schloßhauptmann", ca- 
pitano (^ rum, cäpitan, frz. capitain, 
span. capitan, portg. cajntäo) „Haupt- 
mann", engad. Tiandaun „Zusenn" Fest- 
sehr. z. XIV. Neuphilolog. Zürich. 277. 

1635. *eapitare „nehmen" (zu ca- 
pere). 

Rum. cäpätä „erwerben", „bekom- 
men", „pflücken", ital. capitare „an- 
kommen", siz. kapitari „heimlich weg- 
nehmen", log. kabidare „sammeln". — 
Zssg.: vam.scäpätä „entwischen", „un- 
tergehen" (von der Sonne); log. akka- 
bidare „Ähren lesen", algarv. acabedar 
„Raum haben". - Diez, Wb. .362; 
AGlItal. XI, 428; Pu§cariu, Wb. 273. 
(Zu CAiTT 1668 ist begrifflich wenig 
wahrscheinlich). 

1636. capitellnm 1. „Köpfchen", 
2, „Brustwarze", 3. „Knäuel". 

1. Rum. cäpejel „Ende", „Anfang", 
ital. capitello „Knopf", „Knauf", piac. 
kardel, mit Suff. W.: pav., regg. kacden 
„Pflugschar"; venez. kaveele „Spreu"; 
prov. capdel „Köpfchen", „Schnörkel" 
(> frz. cadeau „Initiale"), prov., katal. 



1637. capitium — 1641. capo. 



127 



'tpiiel ^Herr", , Gebieter", gask. capdet 
.Hauptmann" (> frz. cadet ,jilii>;erer 
Sohn", da die gask. Ofliziere am fran- 
zösischen Hofe des 15. und IT). Jhrh, 
zumeist die jüngeren Söhne aus adeligen 
Häusern waren R. III, 316), span. cau- 
dillo O portg. caiidilho) „Häuptling". 

— Ablt.: bergam. katelina „Finien- 
zapfen" AGlItal. XV, 167; prov. cap- 
delar (> afrz. chadeler) , befehligen". 

2. Lomb. kai-edel, bologn. kavdäl, 
trevis. kavielo, engad. kavadi Mussafia, 
Beitr. 43; Salvioni, P.'-^. 

3. Ifal. cutella „Ende der Strähne" 
Caix, Stud. i!59, prov. cabedel, katal. 
vubdel. (Rum. ciipl „Knoblauchzehe" 
CL.XLIV, 53.5 gehört eher zu catellus 
1763] wie sich die Bedeutung „Ge- 
schenk" in frz. cadeau, prov. eapdel 
entwickelt hat, ist nicht klar, Herleilung 
von CATELLA „kleine Kette" Diez, Wb. 
537; ZRPh. III, 104 ist unmöglich). 

1()37. capitium „zum Kopf gehörig", 
„Kopföffnung der Tunica". 

Ital. vapezza „Halfter", „Zaum", log. 
kabitta „Kopf", canipid. kabittsa „Ähre", 
trient. kacets „Stoffrest", venez. kavem 
id.. avenez. auch „Halskragen", march. 
kopetse,ko2}etzem\i-o- von 2409 „Nacken", 
afrz. cherez, nfrz. cheief „Kopfende des 
Bettes", „Kopfkissen", afrz. cha-ece 
„Zaum", „Kopfbekleidung", „Kragen", 
prov. cnbetz „Halsöffnung am Kragen", 
bearn. kabes „Hemdeinsatz", nprov. 
kabes „Kopfkissen", „der Teil des zu- 
gebundenen Sackes, der über dem Strick 
ist", V, Erhöhung der Straße", kabeso 
„Halskragen", „Kopf" (pejorativ), valenc. 
kabes „Hemdenkragen", katal. cabessa 
„Blumenzwiebel", span. cabezo, portg. 
rabe^o „Gipfel", span. cabeza, porfg. 
labega „Kopf" RomF. XIV, 359. Acam- 
pid. cabizza ist auch Präpos.: „über". 

— Ablt.: rum. cäpejel „Zügel", ital. 
cavezzone (^ frz. cacesson > hd. kapp- 
zäun > siebenb. cdpäluii) „Zaum", 
urb. kartson „Halfter, mit der die Ochsen 
bei den Hörnern an die Deichsel ge- 
bunden werden", prov. capsana, causana 
„Halfter"; ital. capezzale, lothr. cepsö, 
l)earn. kapset „Kopfkissen"; alog. ca- 
plthal „angrenzend"; ital. accapezzare, 
lomb. karctsd „herrichten", zunächst 
wohl „den Tieren die Halfter anlegen". 

— Zssg.: piac. baskaretz „Tuchrest"; 
frz. ä becheret „das Kopfkissen am Fuß- 
ende", bMierefer, norm, bekvesiß „das 
Unterste zu oberst kehren"; span. ca- 



beza de moro (y ital. cavezza di mwo, 
frz. cai'ice de more) „Pferd mit schwar- 
zem Kopf und schwai-zen Füßen". — 
Diez, Wb. 93; ZRPh. XVIII, 234; Ber- 
nitt, Lat. caput. 50. 

1638. capito 1. „Schmerle", „Grun- 
de!" (Fisch), 2. „Würgfalke", 3. „Feuer- 
bock". (Vgl. 1592; 1632). 

1. Umbr., march. kapiton, friaul. jfa- 
redon; lomb. kavedan (> ital. fop«///»«, 
sen. gadevano), regg. kavedel, frz. die- 
vaine, checanne, prov. kabede. — Mit 
Suff. W. : ferr. kavdan, venez. kavian, 
mail. kavesal, piac. kavedzal, veron. 
kavadzin, bresc. kaezi. Auch versil. 
kacMano „klein", „verwachsen" (von 
Menschen)? — Ablt.: morv. sevonyd 
„Netz zum Grundelfang". — Thomas, 
Ess. 261; AStNSpL. CHI, 227; ZRPh. 
XXVII, 147; R. XXXVI, 238; Lorck, Aber- 
gam. Sprachd. 322. 

2. Span, alcaudon. 

3. Aret. capHoni, urb. kapiton, emil., 
lomb. kavdon, venez. kafl(d)oni, friaul. 
karedon. — Mit Suff. W.: romagn. kav- 
dana, friaul. Uavedal. — Mussafia, Beitr. 
43; Caix, Stud. 252. 

1639. capitolium „das Kapitol". 
Prov. c-ff^>t?o/Ä „Herrschaft". — Ablt.: 

capdolhar „emporragen". 

1640. capitalnm „Köpfchen", 2. ca- 
pntnlnm. 

1. Ital. capecchio „Werg", „Hede" 
AGlItal. III, 352, gask. cabelh „Kopf", 
„Ähre"; kabet de pi „Pinienzapfen", 
log. kabii/n, nordsard. kabiggn, kalabr. 
kapikki/ti, tosk. capezzolo „Bnistwarze" 
ZRPh. XXXII, 463. — Rückbild.: Bari: 
kapittse „Brustwarze". — Ablt.: gask. 
cabelhä „Ähren bilden". — [Ital. capitolo, 
frz. chapitre, prov. capitol, span. cabildo, 
portg. cabido „Kapitel"] Diez, Wb. 86. 
(Ital. capezzolo zu 1637 ZRPh. XXXIII, 
83; gask. cabeFe ist vielleicht Neubild. 
RPhFr(;Prov. XXIV, 293; log. kabiya 
„Pflugnagel" Mise. Ascoh 236 s. 1979). 

•2. Obwald. kapttt „Kopfende des 
Bettes", gask. kabuta „Ähre". (Das 
obwald. -p- fällt auf). 

1641. capo „Kapaun", 2. *cappo. 

1. Campid. kaboni „Hahn". 

2. Ital. cappone, campid. kapponi, 
engad., friaul. kapun, frz. chapon, prov., 
katal. cap<}, span. capon, portg. capäo. 
— Ablt.: aital. cappare „aushülsen", 
„auslesen", „wählen"; obwsdd. A-ii/wnrtr 
„treten" (vom Hahn), iess. Kap „kahl"; 
vionn. tsapotd „Holz spalten", span.. 



1-28 



1642. cappa — 1650. *capreus. 



portg. capar „kastrieren". — + miku- 
TIARE 5595: afrz. chapm'sier, prov. ca- 
puzar ,Holz spalten", afrz. chapuis, 
prov. captis, Wallis., freib. capili, öapil 
„Zimmermann" At. Ling. 244. — Diez, 
Wb. 543; ALLG. J, 542. (Das -pp- ist 
nicht erklärt). 

1642. cappa „Mantel", 

Ital. cappa, frz. chajype, prov., katal., 
span. capa, portg. cappa. — Ablt.: ital. 
ca2ipotto O frz. capot) „Mantel mit 
Kapuze", ital. cappuccio „Kapuze", ital. 
capperone „Regenkappe", frz. chaperon, 
prov. capairon „Mützchen", prov. capil 
„Giebel", Creuse: sapyo, lyon. sapi 
„Wagenschuppen" R. XXXIX, 207. - 
Diez, Wb. 86; ALLG. I, 542. (Mazed. 
Tcapä „Mantel aus Ziegenwolle" stammt 
aus dem Alban.; span. chapa s. 6685). 

164.3. *cappaueum „Korb" (zu 1642? 
Vgl. 1786). 

Mass.-carr. kapaüo, kors. kappaflu, 
hQvc.kapaüo. — -\- cenacho 1601 : span. 
capacho. 

1644. cappella „Mäntelchen", „Auf- 
liewahrungs- und Verehrungsort des 
Mantels des hl. Martin von Tours", 
„Kapelle". 

Ital. cappella, engad. Uapella, friaul. 
Vapiele, frz. chapelle, prov., katal. ca- 
2)ella, span. capilla, portg. capella. Der 
Ausgangspunkt des Wortes ist danach 
Frankreich, die Entstehungszeit frühe- 
stens das 5. Jhrh. 

1645. cappellus „Hut". 

Ital. cappello (> span. capelo, portg. 
capello „Kardinalshut"), engad. J^ape, 
friaul. l'ajJi'el, frz. chapeau (> portg. 
chapeo), prov., katal. capell, span. ca- 
]nUo, portg. capello. — Ablt.: engad. 
Tcaplüda „Haselhuhn", nprov. Ä-rtjjeZ«(?o, 
ütal. lodola cappelluta, cappellaccia, cap- 
X)ellugola, piem. kaplüa, siz. happikäina 
„Haubenlerche". 

1646. *cappulare „hauen" {zu 1641?). 
Not. kap2)ul-iarl „Fleisch oder Fisch 

mit dem Messer klopfen", abruzz. skyap- 
X>d, chian. skap>piere „mit dem Beile 
behauen", campid. akkapulai „Fleisch 
klein hacken", afrz. chapler, prov. caplar 
„einhauen", „kämpfen". — Ablt.: afrz. 
ehaple, chaple'iz, prov. eapladis „Ge- 
metzel". — Diez, Wb. 543. {Skappiere 
zu got. skahan Caix, Stud. 517 ist laut- 
lich nicht mögUch). 

1647. capra „Ziege". 

Rum. caprä, ital. capra., log. kraha, 
engad. Tievra^ friaul. Tiavra, frz. cMvre, 



prov., katal., span., portg. cuhi-a; 
b.-manc. sevre „Faßhahn" At. Ling. 1164, 
nprov. kabro „Sägebock" At. Ling. 1499. 
— Ablt.: vegl. kaprahia „Ziege", abel- 
lun. canre, tagg. craveo, apav. cavreo, 
valsoa. ievrei, sill. kabredde, afrz. 
chevroi „kleine Ziege", eigentlich, da 
Suff. -ETVM vorliegt, „Ziegenschar" 
StFR. VII, 228; AGlltal. XVI, 294; ob- 
wald. A'öMv« „Sparren", „dünne Tanne", 
davon Rückbild.: karrir „Rinde ab- 
schälen", engad. karret „Dachsparren", 
Vavrir „Sparren schneiden" AStNSpL. 
CXX, 272; romagn. karreta „Brach- 
schnepfe"; frz. cherreau (^ siz. cara- 
reddu) „junge Ziege", chevrette „Krabbe" 
R. VII, 441; X, 302; 445; oslf r z. kahof 
„Heuschober" Behrens, Frz. Wortg. 34 ; 
prov. cabrieira „Käuzchen" ZRPh., Bhtt. 
I, 103. — Zssg. : wallon. chierrebrottsf 
„Gaisblatt" R. XXXIX, 214. (Frz. che- 
vrette Umbildung aus crevette 4762 ZRPh. 
m, 611; IV, 383; V, 173; \i?i\. Capriccio 
s. 1668; prov. cahestan s. 1631). 

1648. cnprarius „Ziegenhirt". 
Rum. cäprar, ital. capraio, log. kra- 

bardzu, engad., friaul. karrer, frz. 
checrier, prov., katal. cahrier, span. 
cabrero, porig, cabreiro. 

1649. capreolus 1. „Reh", 2. „Ab- 
leger vom Weinstock", 3. „Dachbalken". 

1. Rum. cäjtrior, ital. capriolo, log. 
krabolu, engad. kavriöl, friaul. kavriil, 
frz. chevreuil, prov., katal. cabriol; ob- 
wald. kavriel „eine Eulenart", vgl. 1647; 
ital. capriola „Bocksprung" (> frz. 
cabriole). — Rückbild. : aital. caprio 
„Reh", „Rehbock". — Mit Suff. W.: 
ital. r«j>r/««o „Rehbock". — Ablt.: frz. 
cabrioler „Luftsprünge machen", Ca- 
briolet „leichter, zweirädiüger Wagen". 
(Kors. kavriu „Nachtigall" AGlltal. XIV, 
392 ist begrifflich nicht erklärt; frz. 
Cabriolet „nach der Form des Wagens, 
der eine Ähnlichkeit mit den Hörnern 
der Ziege hat" ALLG. III, 58 ist sach- 
lich unzutreffend und sprachlich nicht 
möglich, weil cabriol in Frankreich, wo 
das Wort entstanden ist, nicht „Ziege" 
heißt, und weil -et auf eine deverbale 
Bildung weist). 

2. Ital. capriuolo, veron. gabriol, 
abruzz. gapriijule. — Ablt.: kors. in- 
kavriiilassi „Schosse treiben". 

3. Rum. cäprior, vgl. ital. capriuolo 
„Sparren" (in der Heraldik). 

1650. *capreus „DachsjDarren" (Rück- 
bild, von 1649). 



Kiöl. caprificus — 1662. captiare. 



12>0 



\r,[)Hu.cahrio, portg. caihros, vgl. al- 
ban. Kep^r. — Ablt. : frz. chevron, prov. 
cabrion, cab{i)ron, katal. cabirö. — ASt 
NSpL. CXX, 72; WS. II, 190; At. Ling. 
1500. 

16.51. capriflcns „wilder Feigen- 
baum". 

Ital. caprifico, neap. Jirofik^, molfett. 
prefoijes§, log. krabufigtt, aprov. cabol- 
figa, nprov. kabofic/o, kapoßgo , frühe 
Feige", vgl. alog. capi-ione „wilder 
Feigenbaum", sassar. krabbioni „früh- 
reife Feige", nlog. krabione „unreife 
Feige", campid. ^c/jt Arafe/n«. — AGlItal. 
XIV, 393; AStSard. I, 145; R. XXXVI, 
236. 

16.52. caprifolinm „Gaisblatt". 
Rum. cäprifoiü, ital. caprifoglio, frz. 

chhrefeuille, prov. cnbrifuelh. 

16.53. caprile „Ziegenstall". 
Ital. caprile, prov. cabril. 

1654. capriims „zur Ziege gehörig". 
Mazed. cäprinn „Ziegenhaar", ital. 

caprina „Ziegenmist", prov. cabrl. 

1655. capritns „kleine Ziege". 
Afrz. chevri, prov. cabi-it (> frz. 

cabrit) Cohn, Suftwandl. 48; ZRPh. XX, 
352. 

1656. capi'o „Ziegenbock". 

Ital. caprone, span. cahron, portg. 
cabräo. (Frz. chevron „Dachbalken" s. 
1650). 

1657. caprniiDS „zur Ziege gehörig". 
Prov. cabnin, span. cobnmo, portg. 

cabrum. 

1658. capsa „Kapsel", „Schachtel". 

Ital. cassa, frz. chAsse „Reliquien- 
schrein", prov. caisa (> frz. caisse, 
pisan. cascia, span. caja, portg. caixa). 
Tirol. Uasa hat über „Behältnis", „Be- 
sitz" die Bedeutung „Vieh" angenom- 
men, vgl. alban. kafs^ „Sache", „Tier" 
SBPhHKlAVVWien CXXXII, 3, 29: Gr. 
Gr. F, 613; in nfrz. und nprov. Mund- 
arten bedeutet das Wort vielfach „Sarg" 
At. Ling. 214. — Ablt.: ital. cascina 
„Korb zur Käsebereitung" R. XXXI, 278 ; 
imol. kaseua „Heustall", veron. kasoal 
„Gehschule" ; ital. scassare „auspacken", 
„aufreifsen", „roden", „umpflügen", 
montal. skasare „Spalten bilden", „Risse 
bekommen", sÄ-fli5o „Erdratsch" ; frz. 
chassi^-e „Korb zur Käsebereitung", 
Chassis „Fensterrahmen", pikard. kasf, 
käse „Fenster"; frz. enchasser „ein- 
rahmen". — Diez, Wb. 91. (Ital. scassare 
zu cassare 7020 AGlItal., Suppl. V, 165 
liegt begrifflich ferner; ital. castone s. 



4673; aprov. geicha, nprov. gieäo, d^so, 
katal. guixa, frz. gesse „Platterbse" 
ZRPh. XXIII, 195 ist lautlich kaum 
möglich, da der .Stammvokal -g- zu 
sein scheint, ebensowenig ist cicer 1900 
möglich). 

1659. capsarins „Kassehfabrikant". 
Ital. cassa io. 

1660. capsnin „Wagenkasten", „Be- 
hälter für wilde Tiere". 

Ital. casso „Brustkorb", avenez. msso 
„ärmellose Taille", lomb. kas „Lager- 
streu", ursprünglich wohl „Viehstall", 
novar. kas „Kuhstall", „Meierei", afrz. 
chas „gewölbter Rundsaal im Erdge- 
schoß", nfrz. chas „Nadelöhr", veml. 
$a „Bettgestell", morv. §a „die einzelnen 
Gebäude eines Hofes", prov, cais „Korn- 
balg", „leere Ähre", „tauber Hafer", 
,,Kinnbacke", „Wange", „Schläfe* R. 
XXXVIII, 369, Tarn, Aveyron, Gers: kais 
„Mund", katal. gnea? „Kinnlade", portg. 
queixo id. — Ablt.: ital. cascina, nord- 
ital. kasina „Meierei", „Viehweide" und 
durch cascio „Käse" beeinflußt „Käserei" 
Mise. Ascoli 80; atrevis. cassil de piva 
„Sack des Dudelsacks" AGlItal. XVI, 293; 
prov. caisal, katal. caxal, span. qtiejal, 
portg. queixal „Backenzahn" RomF. 
XIV, 389; 401; prov. escaisar „ver- 
spotten" ; span. quijada, portg. queixada 
„Kinnbacken", span. quijera „Backen- 
stück an der Armbrust". — Diez, Wb. 
91; ALLG. I, 542. 

1661. captare „nach etwas haschen", 
„streben". 

Rum. cäid „nach etwas sehen", „für 
jemand sorgen", „suchen", ital. cattare 
„erwerben", lomb. katA, emil. kater 
„pflücken", „ablesen", „suchen", „fin- 
den", engad. kater „finden", friaul. 
katd „finden", span., portg. catar 
„sehen", „beobachten", „untersuchen", 
„kosten". — Ablt.: ferr. kata „Sorge 
um jemand". — Zssg. : ital. scattare 
„ausweichen", „losschnappen", „ver- 
fließen". — Diez, Wb. 92 ; ALLG. VI, 
380; ZRPh. XXVHI, 38; 666. (Rum. 
cäutä „suchen" s. 1793). 

1662. captiare „jagen". 

Rum. acäfä „ergreifen", „anfangen", 
„hängen" Pu§cariu, Wb. 3, iial. carciare, 
engad. l'afer, friaul. katsd, frz. chasser 
O span. chazar), prov., katal. casar, 
span. cai-rtr, portg. rrtfor. — Ablt.: ital. 
caccia, frz. rhasse, prov., katal. casa, 
span. caza, portg. caga „Jagd* ; runi. 
caß „Hirtenstab mit Haken"; ital. r«r- 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



130 



1663. captivus — 1668, caput. 



ciatoia ^Nagelhammer", , Pfropfeisen "; 
afrz. chasseotir „ Jagdpferd "; nfrz. chasse, 
nprov. chasso, afrz. chasseure, pikard. 
kaserö, namur. sikasoar, ostfrz. öesör 
,Ende der Peitschenschnur ", „Peitsche" 
Behrens, Frz. Wortg. 299. — Diez, 
Wb. 76; 439; ALLG. I, 542; VI, 183; 
ZRPh. XXVIII, 41. (Rum. caß zu 4661 
ist lautlich schwer verständlieh, Zu- 
sammenhang von acäj,ä , klettern" mit 
acäßrä , klettern" aus bulgar. katerq-sa 
ZRPh. XXVIII, 41 ist nicht nötig; span. 
chasco „Ende der Peitschenschnur" ist 
Schallwort). 

1663. capÜTUS „gefangen", „elend". 
Ital.ca^/yo„ elend", „schlecht", „böse", 

siz., kalabr., tarent. kattiva, log. battia 
„Witwe", abruzz. fitjy^ kattive „Adoptiv- 
sohn" Mise. fil. ling. 200, frz. chäif 
„gefangen", „elend", in Mundarten 
„schlecht" At. Ling. 826, prov. caitiu 
„gefangen", „schlecht", span., portg. 
cautivo „gefangen", — Diez, Wb. 93. 
(Frz. chetif, prov. caitiu erklärt sich am 
besten durch Fernassimilation: *CAC- 
Tirus LBlGRPh. XXIII, 125; RomF, 
XVI, 735, kaum durch gall. Einfluß 
Thurneysen, Keltorom. 16 oder durch 
Einfluß von coactus Rom. Gram. I, 
458, keinesfalls durch Einfluß des -/- 
ZRPh. XV, 326, prov. caitiu auch nicht 
aus *cautiu ZRPh. XXVIII, 40). 

1664. *captoria. 

Pikard., wallon., lothr. cetwer „Bienen- 
stock" At. Ling, 1174, (Die Bedeutungs- 
entwickelung ist nicht klar, da der 
„Bienenstock" nicht wohl als ein „Werk- 
zeug zum Fangen" oder als „Ort, wo 
man fängt" bezeichnet werden kann; 
CATTORiUM „Zugnetz" hilft auch nicht 
weiter). 

1665. captara „Gefangenschaft". 
Ital. cattura. — Ablt.: venez. skatu- 

rar, skaturir, abellun, scatturar, friaul, 
sKaturi „erschrecken" AGlItal.XVI, 323? 

1666. capnlnm „Fangseil". 

Ital. cajipio, frz. chable „Kabel", prov. 
(> frz.), katal. (> span.) cableC> portg. 
cahre) „Kabel"; portg. caho aus caboo 
(> span. cabo, ital. cavö) „Tau", „Kabel". 
— Rückbild,: lomb. gaf, venez. ka{v)o 
„Seil". — Ablt.: ital. acchiappare „er- 
wischen"; ital. scapolare „frei werden", 
scapolo „Junggeselle"; tosk. ingabolare 
„einfangen", „betrügen" Caix, Stud. 37. 
(Ital. gavetta, venez. gaveta, moden, 
skaveta „ein Bund Schnüre", „Golddraht", 
„Darmsaiten" gehört kaum hierher). 



1667. *capuncalum „Köpfchen", 
(Ital. gavonchio „Meeraal", „Knirps", 

in letzterem Sinne auch gavorchio AGl 
Ital, XII, 173 ist eine unmögliche Bil- 
dung), 

1668, capiit„Kopf", „Haupt", „Ende". 
Rum. cap, vegl. kup, ital. capo, lomb. 

ko, log. kabn, kabidu, engad. Uo, friaul. 
Icaf, frz. chef, prov., katal. cap, span,, 
portg. cabo. Die alte konkrete Bedeu- 
tung bleibt rum,, vegl., südital., rät., 
südprov. und katal. ; sie weicht mehr und 
mehr der abstrakten „Haupt", „Führer", 
„Ende" im Ital. und Frz. ; span., portg. 
cabo bedeutet „Ende", „Spitze", „Vor- 
gebirge" (y frz. cap), „Handhabe" ; 
astur, cabo, span. cabe Präp. „bei"; 
lothr. & „Tannenzapfen" ZRPh. IX, 505. 
In Veglia und Süditalien ist das Wort 
Fem., daher zum Teil die Form capa 
RomF. XIV, 358. Der Plur. cavita 
lebt als solcher im Rum. und erzeugt 
den neuen Sing, capät „eines der beiden 
Enden eines Gegenstandes", als Sing, 
log. cabida „Stück Vieh"; Rückbild, 
vom Plur. sind: velletr. kapito, sublac, 
kapitu, mail. kaved „junger Rebschoß" 
neben gleichbedeutendem lucch. capo, 
mail. ko, trevis. kai R. XXXI, 279. Log. 
kabude „Neujahrsgeschenk", campid. 
kabudu, kabide „Ende" zeigen den alten 
Auslaut RILomb. XLIII, 678; afrz. chief 
verlangt *cai'VS oder *capum LBlGRPh. 
XXVn, 368; aital. caffo „Haupt", „An- 
führer" ist nach capo umgebildetes afrz. 
Chief BSDItal. III, 149. — Ablt.: rum. 
cäpä^inä „Schädel", aital. capitino 
„Dreschflegelkappe"; \io\. cajjorale „An- 
führer", caperozzolo, sen. caparello, 
perug. capurello, südital. caporiello 
„Brustwarze" StFR. VII, 241, ital. Ca- 
priccio (y frz. caprice), perug. capuriccio 
„Laune" GStLItal. XXVIII, 207, abruzz. 
kapurate „Schlag auf den Kopf", velletr. 
skapord „enthaupten", abruzz. skapurä 
„Ähren abpflücken", mit -or- nach 
corpor-, pettor- und dergl, AANapoli, 
XXXI, 49; ZRPh. XXII, 332; XXHI, 
394; perug., röm., reat. kapoööo, 
nprov. caboso (> frz. cabos) „Kopf" 
(pejorativ) RomF. XIV, 359; ital. ca- 
volo capuccio, auch cappuccio in An- 
lehnung an 1642 (> span. capucho, 
capuz), piem., lomb. gabiis (> frz. chotc 
cabus), ga(m)bils, gen. garbiiöu, parm, 
garbiits „Kopfkohl" Mussafia, Beitr. 57; 
ital. (lucch.?) capassa „Wurzelstock" 
AGlItal. XV, 379, capocchio „Dumm- 



1669. <jaqr — 1675. carbonaria. 



131 



köpf, . capoci'hia , Nagelkopf" ; prov. 
cabeire, frz. chabot, cahot, chuboisseau, 
b.-manc. Sabwesiao ^Alanf (Fisch) 
Thomas, Ess. 163i; M61, 2:2; ZRPh. 
XXVIl, 147; berrich. S^biS, poitev. Sabüs, 
(;reuze : sabeso, rouerg. kobis, lyon. 
savasi , abgeschnittene Stengel der Blät- 
ter von Gemüse" Thomas, Mel. 49; 
montb61. ^ovo «Ende eines Knäuels", 
freib. tsavu „Nacken", lyon. öavo „Sen- 
ker", „Ableger", vionn. tsavö „Stück 
Großvieh", Wallis., sav. tsarö „Ende"; 
prov., kalal., span., portg. cabal „voll- 
zählig" ; mazed. cäpitari „die Schafe 
an Kopf und Hals scheren", campid. 
skabudai „verlassen", abruzz. kapä „die 
Maiskolben abbrechen", „den Ölschaum 
abschöpfen", „Getreide vom Unkraut 
säubern", „auslesen", fiz. achever, prov., 
kalal., span. (> siz. akkapari), portg. 
acabar „vollenden", frz. chevir (y aital. 
civire) „mit einer Sache zu Ende kom- 
men", „einer Sache Herr werden", 
meschever „mißlingen", meschief „Un- 
glück". — Zssg. : ital. capodanno O 
judik. kapudan „Neujahrsgeschenk"), 
pyr. capdan „Neujahr", .log. kabidanni 
„September" ; abruzz. kapabballf „Ab- 
stieg", kapanimotidf „Aufstieg", kap§- 
kulf „verkehrt"; ital. da capo, venez. 
darekao, engad. darko, frz. der^chef 
„von neuem" AGlltal. III, 282; piem. 
dko, monferr. derko „auch"; poitev. 
rhemer CArvT maxsi „der Älteste von 
im Erbe gleich berechtigten Brüdern"; 
ital. caporolgere, capovoltare, prov. cap- 
virar (> frz. chavirer) „umschlagen", 
„scheitern" Diez, Wb. 545, prov. captener 
„sich benehmen", astur, kaltener „sich 
festhalten". Auch ital. camangiare „Zu- 
kost", eigenthch „Anfang oder Haupt- 
sache der Mahlzeiten" Diez, Wb. 362? 
— Bernitt, Lat. caput. (Prov. capmalh 
y afrz. camail, ital. camaglio, aspan. 
gramalla „oberer Teil des Panzerhem- 
des", chiogg. kamaio „Hemdenkragen", 
mail. komain „eine Art Kragen" caput 
MACULA Diez, Wb, 79; Mussafia, Beitr. 
42; Bernitt, Lat. caput 115 ist formell 
nicht recht verständlich, Zusammen- 
hang mit CAMVs 1Ö65 ZRPh. V, 560 
begrifflich und wortgeographisch nicht 
annehmbar; frz. cheiir capeke 1625 
Dict. Gen. paßt begrififlich nicht, viel- 
leicht gehört auch chevance 1625 hierher). 

1669. <jaqr (arab.) „Habicht". 

Ital. sagro, frz., span., porig, sacre 
„Falke" Diez, Wb. 379 ; ZFrzSpL. XII, 89 ; 



Dozy-Engelmann, Gloss. 338; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 448. (Saceb hat nichts 
damit zu tun). 

1670. cara (griech.) „Gesicht". 
Log. kam, afrz. chiere (> ital. ciefa), 

nfrz. faire bonne chhre, prov., katal., 
span., portg. cara; galiz. cara „bis", 
eigentlich car'a „im Antlitz von". — 
-f AESE 240: neap. kayera. — Ablt.: 
log. karattsa, korotta „Maske" KJBFRPh. 
VIII, 1, 177, log. akkerare „ans Fenster 
treten", „sich zeigen", galiz. acaron 
„möglichst nahe", acaroar „ein Feld 
bis an den Rand pflögen". — Diez, 
Wb. 87; ALLG. I, 542. (Ital. ciera 
CEPEA AGlltal. IV, 119 ist nicht nur 
mit -ie- bedenklich, sondern vor allem 
darum, weil das Wort in Norditalien 
mehrfach i- zeigt, während lat. pala- 
tales c als ts erscheint, wie auch alomb. 
clera nur iiera bedeuten kann; auch 
engad. cera weicht von faira feria ab. 
Frz. acariätre Diez, Wb. 87 s. 100). 

1671. caräbns „eine Art Meerkrebs". 
Comask., tess. garof „Steinhaufen*. 

— Ablt. : brianz. garavi, gararina, 
piem. garavela id. ZRPh. XXH, 472; 
canav. zgarat-tr, prov. escarabilhar „er- 
starken", „aufwecken", val-brozz. an- 
gravali „starr machen", piem. garabiya 
„Verwirrung" AGlltal. XIV, 277; span. 
garabato „Haken" ZRPh. XXXI, 281. 
(Ital. groviglia AGlltal. XIV, 277 s. 3788, 
garbiiglio ebenda s. 1386; frz. icar- 
boniller „zerquetschen" paßt nach Form 
und Bedeutung nicht. Log. kavuru 
Salvioni, P.^ StFR. VI, 11 s. 1442). 

1672. caräbus „Kahn aus Flecht- 
werk". 

Span, rdraba, portg. caraco. — 
Ablt.: quere, garabot, gabarot, portg. 
caravela (^ ital. caravella, frz. caraveUe, 
span. carabela) „kleines portugiesisches 
Schiff"; galiz. carabela „großer Korb*. 
Auch n^trov. gabarro'? — Diez, Wb. 88. 

1673. caragins , Zauberer". 

Afrz. charai, charaie „Zauberei". — 
Ablt.: freib. etsei-eye. (Woher? Zusam- 
menhang mit charait 1862 ZRPh. III, 
261 ist lautlich nicht möglich). 

1674. carbo „Kohle". 

Rum. cärbune, ital. carbone, log. kar- 
bone, engad. cratnn, frz. charbon, prov., 
katal. carbö, span. carbon, portg. car- 
fäo; bellun. karbon „Geschwür". (Frz. 
escarbilles „Kohlenstaub" s. 8097). 

1675. carbonaria „Kohlennieder- 
lage", „Köhlerei". 

»• 



132 



1676. carbonarius — 1687. Carduus. 



Ifal. carhonaia, frz. charbonm'hr, 
nprov. carbunero, katal. carhonera, span. 
carbonera, portg. carvoeira. 

1676. carbouarins „Kohlenhändler", 
„Köhler". 

Rum. cärbunar, ital. carbonaio, frz. 
charbonnier, nprov. carbunier, katal. car- 
honer, span. carbonero, portg. carvoeiro. 

1677. carbnnculus „Karfunkel" (Edel- 
stein), „Geschwür". 

Ital. carbonchio „Karfunkel", „Ge- 
treidebrand", afrz. escarboncle, nfrz. 
escarboucle Fem. nach boude „Karfun- 
kel", charhouille „Getreidebrand", cliar- 
bude, chambude, chambrule, lyon. sar- 
hüMo „Mehltau" Thomas, Mel. 46. — 
Ablt.: carboncello „Karfunkel", „Blut- 
geschwör", arbed. kamburäel „Blutge- 
schwür". 

1678. carcaniium „Halsband". 
Afrz. charchan, che)-chant, prov. car- 

can O frz. carcan) „Halseisen". (Der 
Ursprung des im Merovinger Lat. auf- 
tretenden Wortes ist unbekannt, ahd. 
querka „Kehle" Diez, Wb. .539 erklärt 
die Endung nicht, anord. kr^erhband 
R. III, 146 ist lautlich, arab. karkal 
G. Meyer, Alban. Wb. 178 lautlich und 
historisch schwierig). 

1679. carcer „Kerker". 

Ital. carcere, afrz. chartre, prov. car- 
cer, span. cärcel, portg, carcere; prov. 
carcei- bedeutet auch „Aushöhlung, in 
welche das Wasser einer Quelle fließt", 
„Abfluß des Mühlgrabens". Das Wort 
ist afrz., prov., katal., span. Fem., üb- 
rigens vielleicht nicht überall erbwört- 
lich, da der eigentlich rom. Ausdruck 
PREHENSIO ist, s. 6820. 

1680. carcerarins „Kerkermeister". 
Afrz. chart{r)ier, prov. carcerier, span. 

carcelero, portg. carcereiro. 

1681. carchesion (griech.) „Mastkorb", 
2. *calce8e. 

2. Ital. calcese RomF. I, 449. (Ital. 
carcasso „Köcher" s. 8670; afrz. car- 
cois „Brustkasten" hat nach Ausweis 
von hergam., bresc, regg. {s)karkos 
„Gerippe" -o-, nicht -e- als Tonvokal, 
kann also nicht hierher gehören). 

1682. cardinus „distelfarbig". 
Span, cärdeno „blau", portg. cardeo 

„distelfarbig", „dunkelviolett". — Ablt.: 
span. cardenal „blauer Fleck", car- 
denillo „Grünspan". 

1683. cardiolnm „Herz des Kohls" 
(zu griech. cardia „Herz"). 

Ital. garzuolo, gen. kardzö; mail. 



gard zö ^.Knospe des Weinstockes", venez. 
garzolo „ Flachsbüschel ". — Rückbild.: 
lomb. gardz „Herz des Kohls", trient. 
gardz „Rebschoß". — Ablt.: lomb. 
gardzon „Hasenkohl"; trient. zgardzar 
„Rebschosse ausschneiden". {Carduus 
„Distel" Diez, Wb. 375 paßt begrifflich 
nicht). 

1684. cardo „Türangel". 

Ital. cardine, engad. enKarna, afrz. 
charne „Türangel", „Winkel", „Ecke". 

— Ablt.: frz. dwrnier, charnon „Ge- 
winde". — Zssg.: log. kardankile „Knie- 
kehle" AStSard. I, 143. 

1685. cardo „Distel". 

Abruzz. kardone, frz. chardon, i)rov., 
katal. cardo, span. cardon. — Ablt.: 
frz. chardonneret „Distelfink", char- 
donner „Tuch rauhen". — Diez, Wb. 88; 
ALLG. I, 542. 

1686. cardnelis „Distelfink", 2. car- 
dellas. 

1. Ital. cardello, neap., abruzz. kar- 
dille, kalabr. kardiddu, soran. kardife. 

— Ablt.: rum. cäldära^ „Dompfaff" 
Candrea-Hecht-Densu§ianu, Dic^. etim., 
ital. cardeUino, calderino, venez. garde- 
lino, valenc. cadernera, span. cardelina, 
cardalina, vgl. ligur. gardainu. — Rück- 
bild.: nea^. gärdola. — Mussafia, Beitr. 
62; AGlltal. XHI, 431; Salvioni, P.'. 
(Rum. cäldära^ zu cäldarar „Kessel- 
flicker" Tiktin, Wb. ist auch möglich; 
siz. kardecldu „Riegel" StGlItal. IV, 256 
fällt mit -e- auf und ist begrifflich nicht 
erklärt; afrz. chardonerel ist wie char- 
donel frz. Ablt. von chardon). 

1687. Carduus „Distel". 

Ital. cardo, abruzz. garde, log. bardu, 
.span. cardo. Auch siz. kardu „Ekel", 
eigentlich „Stachel" RlLomb. XLl, 886. 
— '■ Ablt.: apisan. cardavella „eine Distel- 
art" AGlltal. XII, 15.5, siz. kardedda 
„Milchdistel"; ital. {s)cardare, prov. (> 
frz. carder), katal., span., portg. cardar 
„Wolle krämpeln", ital. scardo, prov. 
carda (> frz. carde, pikard. gard) 
„Wollkrätze"; prov. (> frz.), katal., 
span. gardon, portg. gardäo, limous. 
gardes „Rotauge" Behrens, Frz. Wortg. 
360; siz. kardusu „lästig".- — Mit un- 
erklärtem -Z-: venez. garzar, comask. 
gardzd, romagn. gardze „Wolle kräm- 
peln" Mussafia, Beitr. 63, vgl. 2965. 

— Diez, Wb. 88; ALLG. 1,542; 11,279. 
(Ital. scardare „abschuppen" gehört zu 
904:8, siz. kardacia „Herzkrankheit", 
„Ärger", kardaciari „ärgern" RILomb. 



lt)8$. cai'ectum — JC99. caiininare. 



133 



XLI, 886 ist morphologisch schwierig 
und gellölt wohl eher zu griech. cardial- 
yia; t'rz. (/(irdon zu SCJKDA 7723 ZRFh. 
XXX, 7iJy setzt eine nicht begründete 
Umgestaltung des Anlautes voraus). 

lt)88. carectum ,mit Riedgras be- 
wachsener Orf. 

Ital. careitu, lomb., tess. kareö, engad. 
Karet Salvioni, P.'"-'. 

lG88a. *carescere „entbehren". 

Katal. careijcer, span., porig, rarerer 
Cuervo, Dicc; ZRPh. XXIX, 419. 

1689. earex , Riedgras". 

Ital. carire, vicent. kdreze, niant. 
käreza. — Ablt.: venez. karezina. 
(Ital. rrecchia , Erika" Salvioni, P.* ist 
formell und begrifflich schwierig). 

1690. carica „Art Feige". 

Log. fcrtr/y«; campid. fcftr/^f«« „Nasen- 
löcher". 

U)91. *caricia „Riedgras". 

Amant. carezza, veron., trient. ka- 
retsa, mail., bresc. A-ft/Wz; span. currizo 
„Schwertlilie", portg. rari^o „Riedgras" 
Diez. Wb. 437. (Der stinimhaite Auslaut 
im Mail, und Bresc, die Verdoppelung 
des -rr- und -/- statt -e- im Span, und 
Porig, sind nicht erklärt). 

169!2. caries „Fäulnis", :2. caria. 

"1. Neap. karia, engad. kera „Motte", 
nprov. keiro „Holzwurm", arag. quera 
„Holzwurm" Mise. fil. ling. 147. — 
-f TAHMULVS 8682: siz., sard. kümiila, 
lomb., piem., emil. kämola, engad. 
kumhlu, trient. kämol, nprov. kanw, 
-\- tu (Ulla „Raupe": filis. kamanla AGl 
Ital. VII, 444; -f tarulu 1694: neap. ka- 
rula ZRPh. XXVIII, 321; -+- khvca 
2907: :^9.rm. karüga „Raupe". — Ablt.: 
parm. garöl „Loch"; lyon. Uro, nprov. 
keirun „Holzwurm" R. XXXIII, 217; 
portg. rarugem id. ZRPh. XXVI, 411; 
mall, karäyola, pav. gariicla, monferr. 
sgarlirra „Maikäfer" BSPavStP. II, 23; 
log. karinattila „Holzwurm". (Log. kn- 
riMtula zu ARAXEA 593 Mise. Ascoli 232 
erklärt das k- nicht; rum. zgan'u s. 1726). 

1693. carina „Kiel". 

Ital. carena (> frz. rarine, katal., 
span. rarena, portg. querena). Ausgangs- 
punkt scheint Genua und die ligur. 
Küste zu sein, wo -in- regelmäßig zu 
-rn- wird. Katal. cfirena bedeutet auch 
„First". „Steg", „Erhöhung zwischen 
zwei Furchen". — Diez, Wb. 443; WS. 
II, 213. 

1694. *cariolHS „Holzwurm". 
Comask., bresc, mail. karöl, venez. 



kariol (> friaul. karul), obwald. flrol. — 
+ TAHMKs 8681: kalabr. taruohi, manl. 
iaröl. — Rückbild.: ital. tarlo, kalabr. 
tarulu, sard. tarula. Vgl. 8682. 

1695. Caritas „Liebe". 

[Ital. caritä, frz. rhariU, prov., katal. 
caritat, span. raridad, portg. raridade]. 
(Form und Bedeutung: „christliche 
Liebe" erweisen das Wort als der Kir- 
chensprache ent.stammend ; das begriff- 
lich abweichende frz. cherU „Teuerung* 
ist deutlich Neubildung). 

1696. cariom (griech.) „Feldkümmel", 
2. carvi (mlat.), 3. alcarawiya (arab.). 

1. Ablt.: siz. kariota. 

2. Ital., frz. rarvi, nprov. charuei, 
span., portg. carvi. — Ablt.: nonsb. 
kgarel. 

3. Katal. alcarovia, span. alcaravea, 
portg. aUaravia. — Diez, Wb. 90; Dozy- 
Engelmann, Gloss. 85; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 132. 

1697. Carlas „Fäulnis". 

Rum. rar „Holzwurm", aret. kayo 
„morsches Holz", neap. kair^, dign. 
ker, rovign. kyero, val-blen. ker „Made 
im Ob.st" ; siz. kariu „wurmstichig" 
Mise. Ascoli 428. 

1697 a. cariniya (arab.) „Zucker- 
wurzel". 

Afrz. escherviz, nfrz. chervis, prov. 
escarari, span. chiriria, portg. rherevia, 
alquirivia Diez, Wb. 440; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 254; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 374. (Der Vorschlag des s- im 
Frz., Prov. ist nicht erklärt, die span. 
Form sieht wie eine Entlehnung aus 
dem Frz. aus). 

1698. carminare „krämpeln". 
Rum. scärmänä, ital. gramolare 

„Hanf brechen", agen. karminare, 
Rorviei.carminare „schneien"Misc. Rossi- 
Teiss 408; span. rarmenar, portg. rar- 
mear; transmont. rarmear „prügeln". — 
Ablt.: ital. gramola „Hanf breche", bo- 
logn., imol.<//-«m« id.; lucch. grammare 
„Hanf brechen" ZRPh. XXX, 303; parm. 
skarininar, romagn. sgramifii , entwir- 
ren". — Salvioni, P.2. 

1699. carmiuare „bezaubern". 

Frz. chartner (/> aital. ingiarmare, 
piem. ancarme, mail. ingermd, neap. 
ingarmd, abruzz. carmd, kors. iu^ar- 
mafu „verzaubert", auch ital. cinrmare 
„zaubern", „betrügen" ZRPh. XXVIII, 
178). - Diez, Wb. 544; Caix, Stud. 364. 



fL 



134 



1700. *carmo — 1710. carpentum. 



(Engad. kranialer ^verlocken", , ent- 
locken" ist zweifelhaft). 

1700. *caruio (gall.) , Wiesel". 
Obwald. karrmm ZRPh. XIX, 97; 

XXV, 246. 

1701. carnacins „aus Fleisch". 
Rum. cärnap , Wurst", mit neuem 

Sing, cärnat; siz. karnattsu, span. car- 
naza, porig, carnaz „Speckseite", 
„Fleischseite", prov. carnas „Fleisch- 
kammer". — Ablt. : rum. cärnäfar 
„Selcher". (Nprov. karnäso „schlech- 
tes Fleisch", portg. carnaqa „Überfluß 
an Fleischspeisen" sind eher Neubil- 
dungen). 

1702. carnarinm „Fleischkammer", 
„Beinhaus". 

Ital. carnaio, mail. käme, campid. 
karrahi „Grab", frz. charnier, prov. 
carnier, span. carnero, portg. carneiro; 
ital. carniere „Jagdtasche". — Ablt.: 
puschl. karniröl „Schulmappe". 

1703. Carnia „Ostvenezien". 
Ablt.: bellun. kartiel „Weber". 

1704. carnosus „fleischig". 

Rum. cärnos, ital. carnoso, afrz. char- 
neus, prov., katai. carnos, span., portg. 
carnoso. 

1705. carnntus „fleischig". 

Ital. carnuto, frz. charnu, prov. car- 
nut, span., portg. carnudo; vionn. tser- 
noa „Kuh mit großem Euter". 

1706. caro „Fleisch". 

Rum. carne, vegl. kuarne, ital. carne, 
log. karre, engad., friaul. Uarn, frz. 
chair, prov., katal. carn, span., portg. 
carne. In der Bedeutung „Fleisch" als 
„Speise" ist im größten Teile von Frank- 
reich viande eingetreten At. Ling. 1383. 
— Ablt.: mazed. cärnar, prov. carna- 
ser, span. carnicero, portg. carniceiro 
j, Fleischhauer" : vegl. karnual, span. 
carnero, portg. carneiro „Hammel", 
„Widder" als „das Fleisch liefernde Tier" 
ZRPh. XV, 246; XXIX, 406; ital. accar- 
nare, frz. acharner „den Hunden das 
Fleisch geben", „jemanden auf etwas 
hetzen", „aufhetzen", „erbittern". — 
Zssg. : rum. läsare de carne, ital. carne- 
lasciare, carnescialare,, avicent. car- 
lassare, ital. carnevale (^ frz., prov. 
carnaval), piem. karlavS, apisan. carne- 
levare, gen. karlevä, neap. karnolevare, 
siz. karnilivari, span. carnes tolendas 
„Fasching", d. h. „die Zeit, wo das 
Fleischessen aufhört", vgl. noch campid. 
segare jiettsas 6544; frz. charcutier 
■„Selcher" zu char cuite „gekochtes 



Fleisch". — Diez, Wb. 362; Mussafia, 
Beitr. 42; R. XVH, 154; MILomb. XXI, 
264; Bartoli, Dalmat. I, 306. (Die oft 
wiederholte Herleitung von carnevaleaus 
CABRUS N Ar ALIS ist lautlich bedenklich 
und historisch nicht begründet und würde 
das leicht begreifliche Scherzwort carne 
vale „Fleisch leb wohl" von den zahl- 
reichen denselben Gedanken unzwei- 
deutig wiedergebenden Ausdrücken los- 
reißen; span. carnero zu cbexa Diez, 
Wb. 437 ist begrifflich nicht gerecht- 
fertigt). 

1707. '^caronia „Aas". 

Ital. carogna (> frz. carogne), frz. 
charogne, prov. caronha, span. carrofla; 
portg. carronho „stinkend". — Ablt.: 
span. carrodar „mit Räude anstecken" 
(von Schafen), valenc. caronya „Räude". 
— Diez,Wb. 88; ALLG. I, 543; LBIG 
RPh. VI, 157; Mise. fil. ling. 287; 
AGlItal. XI, 419. {*Caralnia aus car- 
NALIA ZRPh. XXVII, 343; XXVIII, 638 
setzt nicht nur eine schwer verständ- 
liche Lautumstellung voraus, sondern 
ist auch mit afrz. charogne, prov. ca- 
ronha nicht vereinbar; spätaprov. ver- 
einzeltes caraunyada, canraynada neben 
gewöhnlichem car'onhada und ausschließ- 
lichem caronha, nprov. cauranho, ra- 
raunho sind sekundäre Umgestaltungen). 

1708. carpa (germ.) „Karpfen". 
Ital. cari)io{ne), mail. kdrpen, piac. 

karpna, pav. kärpana, frz. (norm., pi- 
kard.) carpe, prov. escarpa, carjnon, 
span., portg. carjya. — Diez, Wb. 59; 
BGDSpL. XIX, 331. (Die -on-Form 
scheint den Akkusativ des germ. •«- 
Stammes wiederzugeben, die Betonung 
der lomb. Formen erinnert an capitike 
1638^, könnte aber auch auf nhd. 
karpfen beruhen. Rum. crai) ist slav.). 

1709. carpentarins „Wagner", „Stell- 
macher". 

Frz. charpentier, prov. carpentier (> 
ital. carpentiere, span. carpintero, portg. 
carpinteiro) „Zimmermann". Das frz. 
Wort ist heute auch über fast ganz 
Südfrankreich verbreitet At. Ling. 244. 

1710. carpentum (gall.) „Korb", 
„Korbwagen". „Gerüst". 

Obwald. karjnen „Schlitten, auf dem 
die Molken von der Alpe geführt wer- 
den", engad. krapaint „Fuhrwerk", ob- 
wald. karpient, obengad. krajyenda, 
\xeng?id.lvarpainta, velti.krajyena „Bret- 
terboden über dem Heustall" ZRPh. 
XXII, 468; friaul. l;arpint „Wagen- 



1711. carpere — 1720. carruca. 



135 



achse", . afrz. charpent , menschliche 
Gestalt", „Leib", nfrz. rhaiyente „Ge- 
rüst". (Überliefert ist nur die Bedeu- 
tung , Wagen", doch weisen die rom. 
Formen und die Verwandtschaft des 
gall. Wortes mit lat. corbis auf weitere 
Bedeutungen). 

1711. carpere „pflücken". 

Ital. carpire „fassen", „haschen", 
abruzz. karpl „ausreißen", log. kaspire 
„spalten", afrz. charpir „zupfen", prov., 
katal., span., portg. carpir „zerfetzen", 
„rupfen", portg. carpir sc os cabellos 
„die Haare ausraufen", carpirse „jam- 
mern", carpir „bejammern". — Mit 
Konj. W. : siz. karpari „packen" StGl 
Ital. IV, iJ.57, not. karpari „ergreifen", 
kalabr. karpatu „zerkratzt. — Ablt.: 
aital. car2)ita „wolliger Stoff", versil. 
karpia „der Flaum, der sich in den 
Kleidertaschen bildet"; ital. n carpioni 
„auf allen Vieren" Mise. Ascoli4!28; car- 
piccio „Prügel"; siz. karpiari „sich be- 
eilen" vgl. cAJiPERE VI AM „einen Weg 
einschlagen"; siz. akkarpari „Wurzel 
fassen"; afrz. charpiffnier, fre'ih.tserjpir^ 
„Wolle krämpeln". — -f- cabminare 
1698: prov. carpenar „Wolle krämpeln". 
— Diez, Wb. 544. (Ital. carpone zu 
CARPOS „Hand" Diez, Wb. 363 ist nicht 
annehmbar, da carpos im Lat. nicht 
volkstümlich ist, zu krap 4756 AGlItal. 
XV, 281 erklärt die Umstellung von 
■ra- zu -ar- nicht; ostfrz. sarpeü „Korb" 
s. 1714; siz. karpari könnte auch zu 
7728 gehören). 

1712. carpla „Scharpie". 

Ital. carpia, frz. charpie; piac. carpia 
„Spinngewebe". — Mel. Havel 506. (Die 
lat. Bildung ist unverständlich, ital. 
carpita, nprov. escarpido „Scharpie" 
wären danach ein ganz anderes Wort 
oder eine Umgestaltung nach carpere 
1711). 

1713. *carpicare „pockennarbig wer- 
den". 

Neap. karpekä. — Ablt.: neap. 
kdrpeka „Pockennarbe", abruzz. kar- 
pekatf „pockennarbig". (Weiterbildung 
von 1711 oder von griech. carphein 
„runzelig machen"), 

1714. *carpinea „Korb". 
Walion., lothr. Sarpen, bourn. öerpeü ; 

auch val-ses. karpiun „großer Korb"? 
(Zu 171.5, also ein „Korb aus Buchen- 
zweigen"? Zu 1711 ZRPh. XVIU. 215 
ist morphologisch schwierig). 



1715. carpTnas „Hagebuche". 
Rum. carpin, ital. carpino, carjnne, 

friaul. karpint, frz. channe, pikard., 
norm, kam, prov. caritre, span., portg. 
carpe Diez, Wb. 544; ALLG. I, 543. 

1716. carr-, garr- „Eiche". (Gall., 
iber.?). 

1. Span., portg., katal. carrasca „Stein- 
eiche", „Stecheiche", „Kermeseiche". 

2. Afrz. jarris „Stechpalme", prov. 
garriga „Wald von Kermeseichen", 
„Heide", „Steppe", prov,, katal. gai-rik 
„Art Eiche". 

3. Span, carvallo (> portg. carvalho) 
„gemeine Eiche" ; vgl. noch frz. gravelin 
„Sommereiche", langued. ^'arfeöso „junge 
Eiche", graubio „Kermeseiche". — 
ZRPh. XXIII, 198; KJBFRPh. VI, 1, 386. 

1717. carra (bask.) „Flamme". 
Ablt.: span. socarrar „versengen", 

socarra „Verschmitztheit" Diez, Wb. 
498. 

1718. carraria „Karrenweg", „Straße". 
Rum. curare, aital. carraia, afrz. 

charHei'e, prov. carreira (^ ital. car- 
riera > frz. carrih-e), katal., span. car- 
rera, portg. carreira. — + ruga 7483 : 
lucch. carruga ZRPh. XXX, 297. ~ 
Ablt.: südostfrz. saroUs „Fahrweg" 
Thomas, Mel. 49. — Diez, Wb. 89. 
(Lucch. carruga aus ruga -\- carrobbio 
7006 AGlItal. XVI, 435 ist auch möglich). 

1719. carricare „belasten". 

Ital. car(i)care, engad. karger, friaul. 
Kariä, frz. charger, prov. cargar, katal. 
carregar, span. cargar, poilg. carregar. 
— Ablt. : ital. carico, carica, fi"Z. charge, 
prov. carc, cargue, carga, span. cargo, 
carga, portg. car{re)go; ital. caricatura 
„Überladung", „Übertreibung", „Kari- 
katur". — Zssg.: rum. iHCrtrr(i, ital. im- 
caricare, engad. enliarger, itrov. encargar, 
katal. encarregar, span. encargar, portg. 
encarregar „beladen". — Diez, Wb. 89; 
ALLG. IV, 455; IX, 358. {*Carrica 
oder *CARRicvM und die Zusammen- 
setzungen mit IX- und vis- 2652 könnten 
schon lat. sein; das ital. -r- statt -i^r- 
beruht wohl auf dem Einfluß von car- 
care; die portg. Doppelformen weisen 
auf Wortwanderungen hin, die im ein- 
zelnen nicht mehr zu verfolgen sind. 
Frz. carqueron „Quertiitt am Webstuhl' 
Thomas, M61. 42 bedarf der begriff- 
lichen Erklärung, zu valcare Dict. 
G6n. ist lautlich schwierig). 

1720. carruca (gall.) „Wagen", „Rä- 
derpflug". 



136 



1721. carrum — 17S26. caryon. 



Grödii. faniia , kleiner Leiterwagen", 
prov. eariiga , kleiner Karren", rouerg. 
kan-iiffo , eindeichseliger Ochsenwagen "; 
frz. charrue (> portg. charrua) , Pflug", 
namentlich im Norden -und Südosten 
üblich At. Ling. 246; ZRPh. XXX, 5. 

— Mit Suff". W.: engad. hratsch, ueng. 
krötsch , Pflug"? — Ablt.: uengad. Kar- 
rilkla „Schubkarren", friaul. Tiarudiel 
,das Rädergeslell, auf welches die Pflug- 
deichsel gelegt wird". — Diez, Wb. 23; 
ALLG. I, 543; Salvioni, P.*; At. Ling. 
246; ZRPh. XXIX, 5. (Ital. carrucola 
„Zugwinde" paßt in der Bedeutung 
nicht; lo^.kamikka „Schleife", „Schlit- 
ten" fällt mit -k- statt -y- und in der 
Bedeutung auf). 

1721. carrum (gall.) „Wagen". 
Rum. car, ital. carro, log. karru, 

engad., friaul. Mar, frz. char, prov., 
katal. car, span., portg. carro. Plur. 
carra: at'rz. charre, altuengad. chiarra. 
Zur Bezeichnung des Sternbildes des 
großen und kleinen Bären: rum. car 
mare, bzw. car mic AARom. XXIX, 
428, vgl. frz. chariot. — Ablt.: rum. 
cärä, log. karrare „transportieren"; ital. 
(lomb.V) carrozza O mfrz. carrosse 
Mask. und Fem., nfrz. Fem., span. car- 
y-o^rt) „Staats wagen " ; lomb. oder venez. 
karozello (> frz. caroussel) „Ringel- 
rennen"; tess. karrä, afrz. charel, prov. 
carral „Karrenweg", „Weg zwischen 
Hecken"; afrz. cJiaret „Spinnrad", aital. 
carretto „Faß" Mise. Rossi-Teiss 423; 
engad. Jcarrera „Weinfäßchen, das 
bei der Heuernte am Wagen befestigt 
Avurde", ital. carrucola, nprov. carelo, 
katal. carriola, span. carrillo, garrucha 
„Flaschenzug" Schuchardt-Mussafia 2; 
ital. carreggiare, siz. karriare, log. 
barriare R. XX, 66, frz. charroyer, 
~prov. carrelar „fahren", „transpor- 
tieren", frz. charroi, prov. carrei 
„Feldweg" R. XXXÜI, 216; siz. kar- 
riola Cy ital. carriuola, span. car- 
riola, frz. carriole) „zweirädrige Halb- 
kutsche" Rom. Gram. II, 431; frz. 
charrih-e „große Fähre, auf der Karren 
ixbersetzen können" Kemna, „Schiff" 
im Frz. 40; frz. charroyage, -tage (y 
ital. carriaggio, span. carruaje, porig. 
carruagem) „Fuhrwerk", „Fuhrlohn". 

— J. Hinz, Lat. carrus und seine Wort- 
sippe im Französischen. 1907. 

1722. cartallus (griech.) „Korb". 
Siz. karted,da, kalabr. karteddi, log. 

skarteddu Salvioni, P.^. 



1723. cartilago „Knorpel". 

Lomb. car'(te)lam „Häutchen des Eies" 
Salvioni, P.^ [Ital. cartilagine, obwald. 
cartilaüa]. 

1724. *carnla „KämmUnge", „Faden 
aus loser Wolle" (zu car er e „käm- 
men"). 

Rum. c'rtnMr« Tiktin, Wb.? Vgl, i6ö7. 

1725. carns „teuer", „lieb". 

Vegl. ktior, ital. caro, log. karu^ 
engad. Her, friaul. Mar, frz. eher, prov., 
katal. car, span., porig, caro. — Ablt.: 
ital. carezza (> frz. caresse) „Zärtlich- 
keit", neap., tarent. ^•«r^■«se Mask. „Lieb- 
kosung", ahvuzz. karettse Fem. „Vesper- 
brot, das man, ohne verpflichtet zu sein, 
den Arbeitern gibt" ; siz. inkariri 
„empfehlen"; obwald. Ä;n<2«r, karzinar 
„hebkosen"; portg. carinho (> span. 
cariüo, siz. karifla, sard. karlüu) „Lie- 
benswürdigkeit". 

1726. caryon „wällische Nuß", 2. *ca« 
riilioni „Nußkern", 3. carilinm id. 

2. Tosk. (s)garuglio „frühreife Nuß", 
bologn. garoi, moden., regg. garu, ferr. 
garu[t), monferr. garü, venez., päd. 
zgarugo, friaul. zgarui, aprov. grolha 
„Rinde", nprov. gru{e)lho, gruio „Schale 
von Nüssen", „Erbsen", „Melonen", 
„Eichelnäpfchen", „Eischale", „Rinde", 
span. (valenc?) garulla „in den Trau- 
benkörben zurückgebliebene ausgekernte 
Traube", „zusammengelaufenes Gesin- 
del" O T^ovi^. garnlha „Weinlese"), 
astur, garnlla „Überbleibsel von Spei- 
sen". — Mit Suff. W. : parm., mant., crem. 
garöl, mail. griöu „Nußkern", mail. 
garol „ausgepreßte Olive"; nprov. r^r«- 
veu, krilvel, kriiveu „Schale von Nüs- 
sen", „Eiern" usw. 1- burra 1411: 

span. burujo, gurujo, orojo „Öltrester", 
„Weintrester". — Ablt.: bellinz. gerlon 
„Nuß mit grüner Schale", Rückbild, 
davon: garla „grüne Nußschale" ; mail. 
zgaron „Strunk von Kohl und anderen 
Pflanzen" ; venez., päd., vicent. zgarugar, 
friaul. z(jaruyä „Nüsse ausschälen", 
crem, zgarulä, pav. zgarolar id., piem. 
zgroye „herumstöbern"; venez., päd. 
zgarugo, friaul. zgarui „Messer zum 
Auskernen der Nüsse"; monferr. ^■^'ro?/« 
„harte Nuß", piem. gröya „Schale", 
„Hülse". 

3. Ital. gariglio, gheriglio, moden. 
garet, piac. gare, piem. garii, monferr. 
garet, veltl. ß'am, her gfim.. garil, vicent. 
{z)g{a)rigo. — Mit Suff. W. : monferr. 
garel, gen. gaeln „Nußkern", „Schelfe", 



17^7. caryophyllum — J730. casarius. 



137 



, Scheibe", „Schnitz von Früchten ver- 
schiedener Art". — Abu.: bresc. garhi 
, Nußkern", bergam. zgari'i „Maisslop- 
peln", zijarlot id., verzas. skarlioin 
, Kohlstrunk"; comask. ^^raW« „Früchte 
enthülsen", „Mark aus dem Knochen 
herausnehmen", bergam. zyaria „durch- 
stöbern", „scharren", „kratzen" (nament- 
lich von Hühnern), mail. zgriä „aus- 
kernen", „Erde aufwühlen", „erforschen", 
piem. zyarU „ausbohren", „herumstö- 
bern", crem, zyariä „scharren", mant. 
zyriu „die Haut schürfen", comask. 
zyariä „scharren", „kratzen"; piem., 
piac, pav. gari „Schlüsselbart". — 
+ fruyare 3598: bergam. zyarilyd 
jherumstöbern". — Die Bedeutung 
„Kohlstrunk" wird am ehesten an die 
Bedeutung „Maisstoppeln" anknüpfen. 
Für das Abstreifen der Maiskörner 
dürften auch die Verba des Entkernens 
verwendet worden sein, worauf zunächst 
der entkernte Maiskolben, dann die 
Maisabfälle überhaupt mit einem stamm- 
verwandten Worte bezeichnet wurden. 
Die Formen mit -l- scheinen auf eine 
Zeit der Synkope hinzuvyeisen, wo -r- 
noch nicht zu -y- geworden war. In 
mail. zyariä föra „scharren" kann 
GARRA 3690 eingewirkt haben. — ZRPh. 
XXni, 19^; 334; 420; XXIX, .559. (For- 
mell und begrifTlich entfernter stehen 
langued. carrolho „fruchttragender 
Maiskolben", „Leinsamen", bearn. kar- 
role „Eichelnäpfchen", comask. karlon 
„Mais", veltl. yarola „Eichel", tess. 
yarola „Tannenzapfen". — Kaum hier- 
her gehören mail. karüspi, comask. 
yarilspi „Apfelgriebs", gask. yarospo 
„Überbleibsel von Gemüse", arag. yar- 
raspa „abgepflückter Kamm einer Wein- 
traube"; astur, karozo „Hülse des Mais", 
gask. karoskle „Stiimk der Maispflanze", 
nprov. kadueiso „Scheide des Mais- 
kolbens", ital. mtorcio „trockene Ranke 
am Weinslock" ZRPh. XXIII, 1 «)4. Friaul. 
skatus ebenda s. 9038. Auch rum. 
zyariä „kratzen" oder dieses besser zu 
1692 Pu§cariu, Wb. 1938?). 

1727. caryophyllum (griech.) „Ge- 
würznelke". 

Ital. yarofano, siz. yalofani, venez. 
garofolo, log. koloini, engad. yrofel, 
friaul. yaroful, frz. (> prov., katal., 
span.) yirofle (> portg. yirofre), wallon. 
ialofre. In Italien und in Frankreich 
bezeichnet das Wort mehrfach die 
„Nelke" als Blume At. Ling. 934. — 



Ablt. : piem. (jilofrada, canav. ^olifrada 
AGlItal. XIV, 366, \Yz.yirnfiie „Levkoje", 
lütt, ialofrön „Nelke". — Diez, Wb. 
156; ALLG. II, 435; R. 111, 147. (Rum. 
yaroafä, carofil, yarofil stammt aus dem 
Ngriech.). 

1728. casa „Haus". 

Rum. casä, dalmat. kuosa, kesa, ital, 
casa, log. kaza de abes „Bienenkorb", 
engad. ]i'eza, friaul. kaza, prov., katal., 
span., portg. casa. In Tirol bedeutet das 
Wort z. T. „Küche" ZRPh. XVI, 360, 
frz. chaise „Landgut", „die vier Morgen 
Land, die ein Schloß umgeben", afrz. 
chiese dieti „Gotteshaus" ZRPh. XXXI, 
569. Kurzformen : piem., lomb., venez., 
lucch. ka{z), friaul. Tia, frz. chez „bei", 
nprov. a ko de „bei", aspan., aportg., 
galiz. en cas, vgl. casus CGIL. II, 571, 33, 
obwald. akamia „bei mir zu Hause", 
gukatia „zu dir hinab", vikalur „zu 
ihnen hinauf" usw., nur in Verbindung 
mit Poss.-Pronom. — Ablt.: arum. cn- 
sätoriu „Familienvater", log. kazi(l^u 
„Bienenkorb", „Eimer", kazana „Schar"; 
rum. cäsutor), ital. accasare „verheira- 
ten", „Häuser anbauen", dSvz.chase}- „mit 
einem ein Wohnhaus enthallenden Lehen 
ausstatten", chasi „Lehensmaini" ; norm. 
kazi, berrich. sasi Mask., lothr. Sazei 
Fem. „Larve der Wassermotte" RDRom. 
1,424; prov. cazar „ausstatten", span., 
portg. casar „heiraten". — Diez, Wb. 
546; R. lY, 41; IX, 83; ALLG. I, 543. 
(Casus nach domus, maxsus ZRPh. 
XXXI, 571 erklärt nicht, weshalb die 
kürzere Form nur als Präp. Geltung 
hat, nicht Vollwort ist; afrz. chai „Kel- 
ler" s. 1789; frz. chaise „Stuhl", »Ge- 
stell", „Gerüst" ZRPh. XXXI, 575 ist 
wegen des Fehlens von Belegen vor der 
zweiten Hälfte des 14. Jhrh. fraglich, 
so gut es sachlich begründet ist. Ital. 
casamatta s. 1867 «). 

1729. casale „zum Hause gehörig". 
Ital. casale „Dorf", „Weiler", vegl. 

ÄJO.srtZ „Schweinestall", afrz. chesal, 
prov., katal. casal „Hütte", „Meierei", 
.span., portg. casal „Meierei" ; vionn. 
tsezö „Bauplatz oder Ruinen eines 
Hauses"; log. kazale „groß", „bejahrt". 
— Ablt. : bergeil. kazarii, comask. 
kazaliö „verfallenes Haus" RILomb. 
XLI, 205. 

1730. casarius „Kolone". 

Arum. cäsar „Hausbesitzer", „Ehe- 
mann", span. casero „Hausherr", portg. 
caseiro „Bewohner eines Hauses", „Haus- 



138 



1731. cascabellus — 1745. castellum. 



Verwalter*. (Die Verschiedenheit der 
Bedeutungen läßt die Wörter wohl 
eher als Neubildungen erscheinen). 

1731. cascabellus „Glöckchen" CGIL. 
II, 371,34. 

Prov., katal. cascavel (> spau. easca- 
bei, portg. cascavel), span. cascabillo 
„Schelle", „michelnapf, „Hülse des 
Weizens". — Mit. Suff. W. : span. cas- 
cabullo O portg. cascabulhö) „Eichel- 
napf". — Ablt.: nprov. kaskavelä 
„schwatzen". - ZRPh. XXII, 425; 
ALLG.XI,537; SBPhHKlAWWien CXLI. 
3,49. 

1732. ^cascabnndns (zu 1733). 
Rum. cäscäund „dumm" Tiktin, Wb. ; 

R. XXXI, 305. 

1733. cascare (griech.) „den Mund 
aufmachen". 

Rum. cäscä „gähnen", „klaffen", log. 
kaskare „gähnen". — Ablt.: ital. cas- 
caggine „Schläfrigkeit" R. XXXI, 305. 

1734. cascns „alt". 

Aital. casco „alt", „hinfällig", obwald. 
kas „schwächlich", „kränkhch" Diez, 
Wb. 363; Salvioni, P.2. 

1735. casearia „Käsehürde". 
Mazed. cä§are „Schafhürde", ital. ca- 

ciaia, afrz. ehestere, nprov. kaziero, span. 
quesera, portg. queijeira. — Ablt.: log. 
kazarile. (Zum Teil scheint eine Ablt. 
von CASA vorzuhegen, vgl. namentlich 
frz. ehester „Vorratskasten" ZRPh. 
XXXI, 575). 

1736. casella „Häuschen". 
Ital. casella, span. casilla. 

1737. caseolus „kleiner Käse". 

Ital. caciolo, engad. Kazöl, nprov. 
kazieu; canav. kaöola „Geifer" R. XXVIII, 
643. — Salvioni, P.l 

1738. caseus „Käse". 

. Rum. ca§, vegl. kis, ital. cacio, log. 
kazu, tergest. kas, span. queso, portg. 
qiieijo. — Ablt.: rum. cä§ar, campid. 
kazaSu, span. quesero, portg. queijeiro 
„Käser", „Senn"; bergam. kazoneel, 
mant. kazontsel, abellun. casoncü, tirol, 
kazendel „Käsekuchen" Lorck, Abergam. 
Sprachd. 149; AGlItal. XVI, 293; lucch. 
kaööttoro „die von kleinen Kindern aus- 
gespiene gekäste Milch" ZRPh. XXVIII, 
643; obwald. kizada „die zu einer 
Sennerei gehörigen Kühe" RomF. XI, 
537; ahruzz. ngasatm'§ „leichter Schnee- 
fall, der die Erde kaum weiß macht". 
— Zssg.: ital. caciocavallo „eine Art 
Käse" StGlItal. IV, 318. — Diez, Wb. 90. 
(Ital. caciocavallo aus *cazzo cavallo 



umgebildet AGlItal. XV, 104 scheint 
sachlich nicht nötig zu sein). 

1739. *ca8icare „fallen". 

Ital. cascare. — Ablt.: ital. cascata 
O frz. cascade) „Wasserfall", aital. 
cascana (^ fi'z. cascane) „Horchbrunnen 
der Minenarbeiter" Thomas, Mel. 42. 
— Diez, Wb. 363; ALLG. VI, 380. 

1740. *ca»isänns (gall.) „Eiche". 
Afrz. chasne, nfrz. chene, im Vokal 

an frene angeglichen, prov. caser. — 
Ablt.: nprov. kasaflü, kasaüelo „kleine 
Eiche", kasano „Eichel", „Eichenhain", 
kasanado „Eichenhain" ZPYzSpL. X,245; 
SBPhHKlAWWien CXLHI, 2,41. (Quer- 
ciNUS Diez, Wb. 546 ist unmöglich). 

1741. cassns „leer". 

Aital. casso, prov. cas, span. caso, 
portg. casso Diez, Wb. 91. (Frz. chaume 
„unbebautes Feld" ZRPh. XIX, 58 s. 
1522). 

1742. castanea „Kastanie", 2. casti- 
nea Einführung, 112. 

1. Rum. gästine, megl. castiüä, ital. 
castagna, log. kastandza, engad. kastaüa, 
frz. chätaigne, prov. castanha, katal. 
castanya, span. castafia, portg. castanha. 

2. Alatr. kasteüa, val-soa. keüa, 
canav., gen., mail., bergam. kastefla, 
piac. kastina. — Ablt.: tess. kazüö 
„Maikäfer" ZRPh. XXX, 81. 

1743. castänns „Kastanie". 

Ablt.: friaul. kastenar „Kastanien- 
baum", Rückbild, davon Uastine „Kasta- 
nie", comask. kaz(o)nera „Kastanien- 
sammlerin" R. XXXI, 279. (Rum. castan 
stammt aus dem Ngriech.). 

1744. castellanns „Bewohner eines 
Schlosses". 

Ital. castellano, frz. chätelain, prov., 
katal. castellä, arag. castellan, portg. 
castelläo. Das rom. Wort bedeutet 
„ Schlo ßhauplm ann " . 

1745. castellnm „Schloß". 

Ital. castello, log. kasteddu, engad. 
liasti, friaul. kastiel, frz. chäteau, prov. 
castel, katal. castell, span. castillo, portg. ^ 
castello. — Ablt.: puschl. kastelet „vier^ly» 
Nüsse, von denen drei gegeneinander 
aufgestellt sind und deren vierte als 
Dach dient", mail. gazlet, gazlin, Rück- 
bild, davon: comask. kazlo id., veltl. 
kxtslet „Haufen" ; frz. chalet, in der 
Schweiz „Sennhütte", seitdem 18. Jhrh. 
in der Reichssprache „kleine, zunächst 
aus Holz gebaute Villa" Littre, Dict. 
(Frz. chalet zu casale 1729 ist lautUch 
nicht möglich). 



1746. castigare — 1757. *calafalcum. 



139 



1746. caütigare , züchtigen", , unter- 
weisen". 

Rum. cäftigä , {gewinnen", , erwer- 
ben", arum. dial. auch ,sich um etwas 
kümmern", „auf etwas achtgeben", , Sor- 
ge tragen", ase eä^tign „sich beklagen", 
ital. castigare, gasiigare „strafen", „züch- 
tigen", amail. castigarse „sich bessern", 
canav. käst ey er „suchen" RILomb. XLII, 
681, campid. kastiai „bewachen", „hü- 
ten", „betrachten" R. XXXIII, 51; 
KJBFRPh. VIII, 1, 174, afrz. chastier, 
chastoier „tadeln", „unterweisen", nfrz. 
chätier „züchtigen", sav. tsaßge „die 
Erde um die junge Rebe auflockern 
und schlechte Schosse abschneiden", 
prov. castigar „unterweisen", span., 
portg. castigar „strafen", „züchtigen", 
„verbessern". (Val-soa. kasteyer „suchen" 
*QVAESTIDIARE AGlItal. XIV, 367 ist 
abzuweisen; acampid. castigire ist falsch 
erschlossen). 

1747. castor „Biber". 
Obwald. Uestor. 

1748. castoreuä „biberartig". 
Engad. Tcastör „fauler Mensch". 

1749. castrarc „verschneiden", „ka- 
strieren". 

Ital, castrare, log. krastare, engad. 
Tiastrer, friaul. kasträ, frz. chätrer, 
prov. castrar, crestar, kalal.. span. 
castrar, portg. crastar. Das Wort ist 
wohl nicht überall volkstümlich. — 
Ablt. : ital. castrato, engad. Uastrun, 
h6rem. tsaßrd „Hammel", siz. krastu 
„Widder", westfrz., morv. satrö, waatl. 
tsaprö „junger Ochse". 

1750. castrnm „Lager", 2. qa(.'ar 
(arab.). 

1. Mazed. castru „Burg", log. krastu 
„Stein", „Fels", rouerg. kastre „Schaf- 
hürde" ; auch campid. grastu, Haute- 
Loire: dastro „Bienenkorb"? — Ablt.: 
langued. kastrnn „Schafhürde", „Schwei- 
nestall", „Hirtenhütte" Streng, Haus 
und Hof im Frz. 7ii. (Oder mazed. aus 
dem Ngriech.). 

'2. Ital. cassero „Burg", „Brustkasten", 
piac. kdser „Schutzdach", span., portg. 
alcdzar „Schloß" Diez, Wb. 417; Dozy- 
Engelmann, Gloss. 90; Eguilaz v Yan- 
guas, Glos. 138. 

1751. castus „keusch", „rein". 
[Ital. casfo, frz. chaste, prov., katal. 

cast, span., portg. casto: span.. portg. 
casta{y frz. caste) „Rasse", „Geschlecht"] 
Diez, Wb. 437. 



17.5!2. casnbla „Mantel mit Kapuze" 
ALLG. XII, 57 (zu 1754?). 

Frz. chasubh; span. casulla „Meß- 
gewand", im .Suff, an cuculla 2328 
angelehnt. - R. V, 174; SBPhHKlAW 
Wien CXXXII, 3,!29. 

1753. casnla „Häuschen". 
Tess. skarla Mise. Ascoli 89. 

1754. '''casopola, casipola „Häus- 
chen". 

Ital. castipola, casipola, portg. canebre 
Diez, Wb. 91. 

1755. cata (griech.) „je", 2. katlie 
(mgriech.), 3. kata (ngriech.). 

1. Aital. cad{a)uno, apisan. cateuno, 
afrz. chatin, prov. cadaun, nprov. kadi-, 
katal., span., portg. cada „jeder" ; afriaul. 
chadan „jährlich", jur. a ca triid „je 
drei", Schweiz, sa {ö „allein", se du 
„zu zweien", herrich. sa pti „nach und 
nach"; agnon. meurfkate meto'f „Mauer 
an Mauer". 

2. Rum. cäte „je", unul cMe umil 
„nacheinander". 

3. Cerign. ngät^ „gegen". — Zssg. : 
siz. kataköggiri „erreichen". — R. II, 81 ; 
VI, 453; ALLG. I, 543; Rom. Gram. II, 
569; AGlItal. XV, 336. 

1756. cata bola (griech.) „das Nieder- 
werfen", „Niederlegen". 

Prov. cadaula „Gebärmuttervorfall", 
„Mühlklappe", „Türklinke" (> frz. co- 
dole id.), „wacklige Gegenstände" (> 
lyon. kadola „elende Hütte") Thomas, 
Mel. 40, afrz. chaable, prov. calahre ( > 
porig, calahre „Tau" ZRPh. XXV, 497) 
„Wurfmaschine", r\kz. cMble „Winde". 
— Ablt.: frz. chablis „Windbruch in 
den Wäldern", accabler „niederwerfen" 
Diez, Wb. 536. (Frz. carahin „mit einem 
Karal)iner bewaffneter Reiter", ital. 
carabina, frz. carahin, span., porig, ca- 
rabina „Karabiner" Diez, Wb. 88 ist 
nicht möglich. Der Ursprung des Wortes 
ist ganz dunkel R. XXX, 158. — Ablt.: 
brise carabinie „sehr steife Kälte" Beii- 
rens. Frz. Wortg. 344). 

1757. '"catafalcnin „Brettergerüst". 
Ital. catafalco (> frz. caiafalque, 

portg. catafalco), afrz. {es)chadefont, 
ni'iz.echafaud, prov. cadafalc (> katal. 
cadafal, span. cada{fa)lso, cadahalso, 
portg. cadafalso, mit vom Plur. stam- 
mendem -«-). (Über CATA s. 1759, *fa- 
LicvM gehört zu fala , Gerüst" Dict. 
G6n. — Zu ^762 ZFrzSpL. XXXIII. i74 
ist lautlich nicht möglich). 



140 



1758. catalanus — 1768. cathedra. 



17.58. catalanus „katalanisch". 
Log. kadelami ^Schabe", , Motte" 

RoUa, Fauna pop. sard. 22; lomb. ka- 
tttlana, piem. katalofla, pikard. katelen, 
kateldn , Wolldecke", vgl. 9000; obwald. 
katalaner , Knirps". 

17.59. *catalectns , Schaubett", „To- 
tenbahre". 

Ital. cataletto, bologn. kandlet, mail. 
karlet, campid. kadalettu „ein neben 
dem Hause freistehender Schuppen" 
ZRPh. XXXII, 361, frz. chalit, prov. 
radalech, span. cadalecho. Nachbildung 
nach catacomba „Katakombe". (Zu 
catar 1662 Diez, Wb. 92 ist nicht mög- 
lich, da dieses gedecktes -^ voraussetzt, 
VATALECTVS dagegen freies; ital. gat- 
tahiiia „Gefängnis" s. 1770). 

1760. cataims (gall.?) „Wacholder" 
CGIL. V, 179,61. 

Prov. cade (> frz. cade, span. cada) 
Thomas, Nouv. ess. 188; Behrens, Frz. 
Wortg. 37. 

1761. cataractes (griech.) 1. „Schleu- 
se", 2. „Wasservogel". 

1. Ital. cateratta. 

2. Span, cataraüa, tartaraüa, tan- 
taraüa, porlg.tartaranha „Sturmmöwe". 
— Ablt.: portg. tataranhäo Diez, Wb. 
437; Mise. fil. ling. 123. 

1762. catasta (griech.) „Schaugerüst", 
„Sehaffot". 

Ital. catasta „Holzstoß", parm. ka- 
lastra „Scheiterhaufen", imol., bologn., 
moden., maW. kalaster (^ tosk. calastrel- 
lo) „Faßlager", prov. cadastre id., ital. 
catast(r)o (3> frz. catastre, span. catastro) 
„Kataster", „Grundbuch" Bernitt, Lat. 
Caput 95; ZFrzSpL. XXXHI, 274. (Der 
Ausgangspunkt für die Bedeutung „Ka- 
taster" ist nicht mit Sicherheit festge- 
. stellt, ('APiTASTRUM\)\ez, Wb. 95, griech. 
katostrakon ZRPh. XXII, 262 passen 
nach Form und Bedeutung nicht). 

1763. catellns „junger Hund". 
Rum. cäpl, aital. catello, frz. cheau, 

prov. cadel, katal. cadeil, span. cadillo, 
dazu überall Fem. -a „junge Hündin", 
nur rum. cäjea, portg. cadcla „Hündin" 
überhaupt; arcev. katiello, abruzz. ka- 
tille „mit Stacheln versehene Pflan- 
zensamen" (wie z. B. Kletten), sublac. 
katella „Frucht der Klette", span. ca- 
dillo „Klettenkraut"; katal. cadell „eine 
Art Hobel", dann „Gergel", vermuthch 
■weil er damit ausgehöhlt Avird; rum. 
cäjel de tisturoiu „Knoblauchzehe" 
ZRPh., Bhft. X, 26; i.str. kadela „Blüte 



der Olivenbäume" AGlItal. XV, 497, 
afrz. chaeles „bitte", von catella als 
„freundliche Anrede an Frauen" (nach 
mündlicher Mitteilung von J. Cornu), 
nprov. kadelo „Korn wurm" At. Ling. 
1492. — Ablt.: rum. cäteü „brünstig 
sein" (von der Hündin), velletr. ska- 
tellä „gebären", frz. chia^dcr „Schöß- 
linge treiben", chianle „Schößling" 
Thomas, Mel. 52. (Frz. cälin „träge", 
„verwöhnt" wäre als pikard., norm. 
Form aus *caelin allenfalls erklär- 
lich, nprov. kalan dann daraus ent- 
lehnt; afrz. chaeles quid velles 
ZRPh. 1,428, CAViLLA ZRPh. VHI, 299 
sind lautlich und begrifflich unmöglich ; 
frz. cami „eine Muschelart" Cohn, Suff- 
wandl. 255 s. 1797). 

1764. catena „Kette". 

Mazed. cütinä „Rückgrat", vegl. ä;«- 
taina, ital. catena, log. kadena, engad. 
Uadaina, friaul. Jkidena, frz. chiine, 
prov., katal., span. cadena, portg. cadea; 
gask. kadene „Balken" Jaberg, Sprach- 
geograph. 27. — Ablt.: mazed. cntenare, 
ital. catenaccio, mirandol. karnats, co- 
mask. karnas, tess. karfias, engad. 
kaniaö „Riegel" R. XXVIII, 96; prov. 
(^ frz. cadenas), katal. cadenat, span. 
candado, portg. cadiado; campid. ade- 
nakra „Hundszecke" Rolla, Fauna pop. 
sard. 22. 

1765. *catenio „Kette". 

Frz. chaignon „Glied an einer Kette", 
„Genick", nfz. cJiignon (^ regg. tsiüon, 
ital. tignone, gen. sinurufi GStLLig. 
IV, 378) „Genick", „Haarwulst" Diez, 
Wb. 547; RomF. XIV, 425. 

1766. *catarthum 1. „Schmutz", 
2. „Flockseide" (zu griech. acathartos 
„unrein"). 

2. Ital. catarzo, prov. cadartz, span. 
cadarzo, portg. cadargo. Auch log. ka- 
dassu „Weberschlichte"? ZRPh. XXVI, 
398; Einführung 88. 

1767. cathariis (griech.) „Ketzer". 
Alucch. gässaro, amail., apav., agen. 

gazaro. — + patarinus: apiac. cata- 
rino. — Ablt.: agen. gazaria „Ketzerei", 
venez. gatsarar „verderben", bologn. 
zgatsarädu „Betrügerei", mail. sgisa- 
rada id., trient. sqatserado „listig". — 
Mussafia, Beitr. 4Ö; BSPavStP. II, 226. 

1768. cathedra (griech.) „Stuhl", 
„Ses.sel". 

Vegl. katraida, ital. carrega „Art 
Fuhrwerk", mail. kadrega, venez. karega, 
log. kadrea, afrz. chaiere (^ aital. 



1709. catinus — 1771. calulus. 



Ul 



caiera, cUiierä), iifiz. chaire , Kanzel", 
chaise „Stuhl", prov. cadiera, katal. 
cadira, span. cadera (> katal. caera) 
, Hüfte", portg. cndeira id. Die //-For- 
men sind nicht erklärt, vgl. noch avenez. 
charegla, cadegla, cadrigla, münstert. 
Tiarrera. — Ablt.: a^an. caderiUa , klei- 
ner Reifrock", portg. cadeirhiho „Sänfte". 
— Diez, Wb. 435; 541; ALLG. I, 543; 
RomF. XIV, 458. 

17(59. catinus „Napf". 

Arum. carinii, lomb., raant. kadin, 
venez. kain, log. kadimi, engad., friaul. 
Hadin, portg. cadinho. — Salvioni, P.'. 
(Tosk. catagliolo „Mulde" Caix, Stud. 257 
aus catignuolo?). 

1770. cattus „Katze". 

Ital. gatto, log. battu, engad., friaul. 
gat, frz. chaf, prov., katal. gat, span., 
portg. gato. Die c-Forni ist nord- und 
södostfrz. At. Ling. 250; catta, wenn 
das Geschlecht nicht hervorgehoben 
werden soll, erscheint in Lothringen, 
vielleicht unter deutschem Einflufs; dann 
selbständig abruzz. la hatt^ und nun 
la hatta mdskule „Kater". — Teils das 
einfache Wort, teils Ableftungen wer- 
den vielfach in übertragenem Sinne ge- 
braucht ; namentlich : 

a) „Raupe": piem., gen., lomb., emil. 
gat(a), gatin{a), gatota, gask. gate, au- 
vergn. tsato; friaul. ^'a<e „InsektenlaiTe" ; 
mail. gatin „Seidenraupe", bologn. gat, 
piem. gatina, mail. gaton „kranke oder 
tote Seidenraupe". 

b) „Blüten von Weiden, Haselnuß- 
sträuchern" und dergl., dann die ent- 
sprechenden Bäume: piem., gen. gata, 
bologn., moden. gat, piem., lomb. gatina, 
romagn. gatel, frz. chats de saide, chats 
de coudre, chaton, nprov. katun, sav. 
Säten; ital. gattice, gatlero, lucch. al- 
hogatto „Weißpappel" AGlItal. XII, 171; 
lomb. gatin, gatnl niina, veron. gatolir, 
friaul. gatul, prov. katlii „Weide" (ver- 
schiedene Arten), prov., katal. cat satiz, 
span. sauz gatillo (y frz. gattilliei') 
„Keuschlamm" (agnus castus). — Abtl.: 
mazed., siebenb. ca<«p „Katze"; venez. 
ingategar, inkatgar, mant., ferr. ingatiar, 
moden., bologn. ingatier „verwirren", 
„ verwickeln ",„ zerraufen ", mail., comask. 
ingatia „ergreifen", „festnehmen", „be- 
trügen", venez. inkafi^ar „zanken", 
piac. skatid „zerzausen", venez. des- 
gategar, mant. desgatiar „entwirren", 
ferr. gntiara „verworrene Haare", parm., 



crem, skation, ferr. sgation „mit zer- 
zausten Haaren", modex). gatii „Knäuel 
von Haar, Staub usw., die sich in 
schlecht gekehrten Zimmern bilden"; 
auch imol. sgaiie „die Haare in Ord- 
nung bringen", sgaöion „Kamm"? Mus- 
safia, Beitr. «8; AGlItal. XV, 492. Aus- 
gangspunkt für diese Gruppe ist wohl 
„Raupe". -;- Zssg.: frz. chattemite, span. 
mo(f/i)gato „Schleicher", „Scheinheiliger" 
JbRESpL. XIII, 207; pikard. ka(r)2)Ulz, 
norm. ka{r)plöz, karpluz, katplöz „^9.\3i- 
pe" MSLParis III, 397; ital. gattahuia 
„Gefängnis", wohl ein Argot-Wort in 
Anlehnung an huio „dunkel" Uli) um- 
gestaltet aus gattainola „Katzenloch", 
„Schlupfwinkel". — Diez, Wb. 128; 
ALLG. I, 543; AGlItal. XIV, 279; XV, 
497. (khz. chat „eine Art Kriegsschif!" 
ist möglich, nfrz. chatte, ital. .sciaifa, 
span. chata „kleine Barke" ZRPh. VII, 
125 ist zweifelhaft, da man nicht ver- 
steht, wie ein Marineausdruck in der 
Form der He de France nach Italien 
und Spanien gekommen sein kann; der- 
selbe Einwand erhebt sich gegen Her- 
leitung aus nordgerm. katt „eine Art 
Schiff" Kemna, „Schiff"" im Frz. 182; 
griech. akathe „SchifT" RomF. XI, 102 
ist vollends unmöglich, vgl. 6685; nprov. 
chato „Mädchen" RLRom. LI, 87 ist 
darum bedenklich, weil das Wort gerade 
in dem Gebiete erscheint, in welchem 
c- vor -a- bleibt, somit als ein Kosewort 
aufgefaßt werden müßte, das von der 
Schriftsprache ausgeht. In norm, kapliis 
usw. ein pejoratives Präfix ka(r}- zu 
sehen, Joret, Mel. phonet. norm. 21 , dessen 
Existenz aber zweifelhaft ist, ist nicht 
nötig, da die ursprüngliche Form kat- 
pelös mehrfach vorkommt At. Ling. 267. 
Das Wort ist ein Wandervvort, da 
es vielenorts -ö- oder sogar -ii- zeigt, 
wo die bodenständige Entwickelung -u- 
erwarten ließe. Ital. gattabuia aus rata 
1759 -\- huio 1410 Caix, Stud. 335 ist 
lautlich und begrifflich abzulehnen. 
Campid. sgalitai „entwirren" aus *sgati- 
lai AGlItal. XV, 492 ist mit -t- und im 
Suff, nicht verständlich. Veron. ka&da, 
rum. cdciuld „Mütze" Puscariu, Vkh. 
125 ist formell schwierig. Frz. chatoin'/- 
1er „kitzeln" s. 4675). 

1771. catulus „junges Tier". 

Ual.eacchio „Schößling", „Rebsdioß". 
abruzz. kakkgf „Keim", „Nußkern- 
viertel", obwald. caigl „Keim", caglia 
„Staude" AGlItal. VII. 518; XIII, 380; 



142 



1772. caucellus — 1783. *cautelare. 



ZRPh. XXIII, 3.34. — Ablt.: ital. cac- 
chione ^Bienenlarve" AGlItal. XV, 497. 
(Begrifflich paßt span. cacho „junger 
Hund", cachorro „junger Hund", „Bär", 
„Löwe", cachonda „läufige Hündin" 
Diez, Wb. 435; ZRPh. IV, 376, aber 
-Ü- wird im Span, nicht zu -ch-; frz. 
cachalot ZRPh. IV, 376 s. 1445). 

llTi. cancellns „Becher". 

Afrz. mouUn ä choisel „durch ein 
Reservoir gespeiste Mühle" G. Paris, Mel. 
ling. 482. 

1773. caucus „Trinkschale". 

Rum. cauc „Schöpflöffel", beir. coco 
„Blechbecher". — (Wallis. Ä:oZRPh.,Bhft. 
VI, 21 s. 2009; ital. cocchhime Mussafia, 
Beitr. 44 s. 1491). 

1774. canda „Schwanz", 2. coda 
Einführung 80. 

2. Rum. condä, vegl. kauda, ital. 
coda, log. Icoa, engad. ktia, friaul. Tcode, 
frz. (jneue, prov. coza, katal., aspan. coa, 
nspan. cola mit -l- von culo; campid. 
agoa „hinter" ZRPh. XXIX, 419. — 
Ablt.: abruzz., apul. htdelle „Nacken", 
„Genick", kalabr. kudidda „Rückgrat", 
vegl. kodial „Mastdarm", span. codilla 
„Steiß", abruzz. ^•MrfrtÄ;Ä;^/e „Steiß"; log. 
koale „Überbleibsel", campid. koittsa 
„Ende", koittsai „aufhören", „nach- 
lassen" AGlItal. XV, 484; frz. coud (> 
katal. coet y span. cohete > porig, co- 
fete, fognete „Rakete") „geschwänzt", 
frz. couard (^ ital. codardo, span., 
portg. cobarde) „mit eingezogenem 
Schwänze", „feige"; wallon. kawir 
„Stiel der Violine" Behrens, Frz. Wortg. 
47, waMon. f er koet „die Schule schwän- 
zen", kowte „Zeit vertändeln" ZRPh. 
XXI, 232. Auch velletr. kodetta „Kö- 
der"? — + posTEBioyE 6716: ital. co- 
drione, codione j^BürzeV . — Zssg.: ital. 
codirosso „Rotschwänzchen", rum. 
codohaturä, codobdpä, ital. cutrettola 
TBEPiDA mit Einmischung von culo 
AGlItal. II, 325; Gr. Gr. P, 672; frz. 
haussequeue und mit pikard. Form 
hochequeue, Schweiz, brälakua, berrich. 
hatqueue, und nun mißverständlich 
poitev. bnskuet, nprov. kuolongo „Bach- 
stelze" ; pikard., norm, raku, nprov. 
kuarat „Fuchsschwanz" (Pflanze) Beh- 
rens, Frz. Wortg. 216; nordital. sotkoa, 
tosk. soccodagnolo „Schwanzriemen" 
Mussafia, Beitr. 125. — Diez, Wb. 102; 
ALLG. I, 549. (Ital. cuterzola s. 2374; 
ital. catriosso „Hühnerbrust" Mise. As- 



coli 428 ist begrifflich und formell nicht 
begründet). 

1775. caiidica „kleines Schiff". 
Aital. cocca, frz. coche, pikard. coqtie 

AGlItal. XV, 128. 

1776. *candiciniim. 

(Obwald. kuleizen, bergeil. kulezum 
„Vogelbeere" RomF. XI, 505 ist ganz 
unwahrscheinlich). 

1777. caulicnlns „Kohl", 2. coli- 
cnlus. 

2. Rum. curecMu, ital. colecchio. (Span. 
eogollo Diez, Wb. 441 s. 2360). 

1778. cauHs „Kohl", 2. canlus 
(griech.). 

1. Gen. kott, piem. koi, Bari: kol^, 
romagn. kol, frz. chou, prov. caul, 
katal. col, span. col, portg. couve. 

2. Ital. cavolo, siz., log. kaula. — 
Diez, Wb. 94; ALLG. I, 543; Salvioni, 

P.2. 

1779. canma (griech.) „Hitze". 

Ital. calma (^ frz. calme, span., portg. 
calma) „Windstille", „Ruhe", log. kama 
„Hitze", a meza cama „mittags" AGlItal. 
XV, 483, engad. Uoma „das Ausruhen", 
obwald. kauma „Schattenstätte", prov. 
cauma „Hitze". — Ablt.: ital. calmare 
„beruhigen", scalmana „Erkältung" 
Mise. Ascoli 439, altabruzz. scarmare 
„aufgeregt sein", „weinen", viar. incal- 
marsi „hitzig werden im Gespräch", 
frz. chömer „ruhen", „feiern", prov. 
caumar „vor Hitze ersticken". Auch 
obwald. kamiar „Witzen", kameg „Blitz" 
R. IV, 255 V — Diez, Wb. 78. 

1780. canpnlns „Art Kahn". 
Prov. caupol, span. cöpano. 

1781. cansa „Sache", „Ding". 
Vegl. kausa, ital. cosa, alog. casa, 

engad. koza, friaul. koze, frz. chose, prov. 
kauza, span. cosa, portg. cousa. — Ablt.; 
ital. coso, frz. le chose (dient zur Be- 
zeichnung eines vergessenen Namens), 
ital. cosare (Ersatz eines Verbums, das 
man nicht findet). — Diez, Wb. 109. 
(Ital. cosare causabe Salvioni, P.^ ist 
begrifflich nicht möglich). 

1782. causare „sich beklagen". 
Afrz. choser „zanken", prov. causar 

id. [Frz. causer „Gründe anführen", 
„plaudern"]. {Causer zu afränk. koson 
Diez, Wb. 110; FrzSt. VI, 147 paßt be- 
grifflich schlechter und ist mit der schon 
alten Schreibung -au- nicht vereinbar). 
' 1783. *cantelare „blicken". 
Campid. kadelai Rolla, Second. sagg. 



1784. cautum — 1792. *cavitare. 



143 



di UM vocab. elini, sard. 5; ZRPh., 
Bhft. XU, Ül. 

1784. cautum , eingehegter Platz". 
Friaul. kot , Schweinestall" NF. I, 5, 

span. coto, portg. couto .Park", „Jagd- 
gebiet", , Grenzstein" ; agaliz. co«to , Ver- 
trag". — Ablt. ; span. acotar «ein- 
zjlumen". 

1785. caya ,Eule". 

Afrz. choue, vgl. 1787. — Ablt.: 
frz. choueite, chevhhe, aprov. cavec, 
bearn. kabek, aprov. cavesca ZRPh. 
XX, 339, frz. chauvir les oreilles ,die 
Ohren spitzen", afrz. chouei-, nfrz. choyer 
»liebkosen", „pflegen" (weil die Eulen 
sehr zärtliche Eltern sein sollen) ZRPh., 
Bhft. I, 110. Auch rum. cauä „Vogel- 
scheuche"? ( Ahd. i'rt t^a „Krähe" Diez, 
Wb. 547 ()aßt begrin"lich nicht, vielleicht 
Schallwort, dann aber verschieden von 
2402, wie apikard. caie zeigt, vielleicht 
gall., da die Ableitungen gall. Suffixe 
aufweisen; frz. choyer *cavicahe R. 
III, 3i>l; IV, 3.53 ist auch möghch, im 
einen wie im andern Falle ist die 
heutige Form schwierig ZRPh. XXVI, 
729). 

1786. ^cavaneum „Korb* (zu cavus 
1796'^). 

Montal. gavaflo, siz. karaüu, piem., 
lomb. kavafl (> Schweiz, kavane), sav. 
tsavS, südwestprov. kavafl, kavaüa. Das 
prov. Wort bedeutet auch „Wiege". — 
Cai.x, Stud. 261. Vgl. 1643. 

1787. cavanuus „Eule". 

Afrz. chouan, pikard. kavä, berrich. 
$avä, anj. mü, prov. cavana; nfrz. hu- 
ant, chat-huant, volksetym. Umgestaltung 
nach huer „schreien" Diez, Wb. 547; 
Thomas, Nouv. ess. 301; At. Ling. 694; 
ZRPh., Bhft. I, 98. 

1788. cavare „graben", „ausgraben". 
Ital. cacare, frz. cherei; poitev. sace 

„untergraben", berrich., wallon. sai-^ 
„aushöhlen", prov., katal., span., portg. 
cavar. — Ablt.: puschl. skatsd „in der 
Erde herumstöbern" RILomb. XXXIX, 
418; aital. cafagnare „Löcher in den 
Boden graben, um Bäume zu pflanzen". 
— Zssg. : frz. souchever „unterhöhlen", 
soHchet „bröckeliger Bruchstein" Tho- 
mas, M61. 146; ital. ricavare „heraus- 
ziehen", „erlangen". (Log. ttHgu rega- 
diu „Spätsaat" *JiECAVATivvs ZRPh. 
XXXIII, 480 ist wenig wahrscheinüch). 

1789. cavea 1. „Höhlung", 2. .Vogel- 
käfig", „Korb". 

1. Avicent. gaibo, venez. gebo „Fluß- 



bett", „Rinnsal* ZRPh. XXVIII, 644. 

— Ablt.; engad. yaviöl „Einschnitt", 
„Kerbe", „Ohreneinschnitt als Haus- 
zeichen der Schafe". Auch frz. chai 
„Keller"? 

2. Ital. gdbbia „Hühnerkorb", „Mast- 
korb" O portg. i/at-e« „Mastkorb"), gen. 
ga^a {y lisX. gaggia) „Mastkorb", neap. 
(> ital.) gaia „der Platz im Baiastraum, 
zwischen dem Schifl'sbord und den 
Pumpen", abruzz. kayy^ „Tragkorb", 
venez. fc«6a, engad. i'a&^'o, friaul. nUaipie^ 
frz. cage, prov. gabia, katal., span. ga- 
via „Gefängnis", aportg. ^raitJa id. Auch 
bologn. gavi „Radfelgen". — Ablt.: 
ital. gabbiuola „kleiner Käfig". — Diez, 
Wb. 150; ALLG. II, 434; AGlItal. III, 
337. (Ital. gueffa AGlItal. HI, 338 s. 
9843; log. keja „Graben" ZRPh.XXXHI, 
644 s. 1462; frz. chai kann nicht aus 
Bordeaux stammen Dict. Gen., da in 
Bordeaux k- vor -a- bleibt, kann aber 
südwestfrz. sein). 

1790. caveola „kleiner Käfig", 
„Kerker*. 

Afrz. jaiole (> span. jaula „Käfig"), 
nfrz. geöle, span. gayola „Wächter- 
häuschen", portg. gaiola „Käfig", „Ge- 
fängnis". — Ablt.: frz. enjöler „in den 
Käfig locken", „beschwatzen", „betören". 

— + caresser: cajoler „schmeicheln". 

— Diez, Wb. 150; ALLG. II, 434. (Es 
föllt auf, daß die romanischen Formen 
•6-, nicht den Diphthongen zeigen und 
daß das -^ im Portg. bleibt, doch kann 
Südfrankreich, wo das beides in Ord- 
nung wäre, nicht wohl der Ausgangs- 
punkt sein, da das Wort im Aprov. 
fehlt. Frz. mjöler zu oallvs 3664 
ALLG. II, 435 geht nicht, weil das Ver- 
bum schon afrz. als enjaoler belegt ist ; 
die Annahme einer Entlehnung aus dem 
Prov. ZRPh. XXXII, 45 entbehrt der 
Begründung). 

1791. cavernare „aushöhlen". 
Ablt. : abruzz. kapernatur§ „das Loch 

in der Axt oder Hacke, durch welches 
der Süel geht", „Gergel" AGlItal. XV, 
106; ZRPh. XXVI, 415. (Wie sich ital. 
capniggine „Gergel" dazu verhält, ist 
nicht aufgeklärt, Zusammenbang mit 
rtiga 74811 Mise. Ascoli 550 nicht mög- 
lich). 

1792. *cavltare „aushöhlen". 
Abruzz. katitd, kanUä. — Ablt.: 

karut^ „Loch", tosk. scuritolare „auf- 
stöbern", „durchsuchen", scaritolo „Vor- 
wand". 



144 



1793. *cavitare -^ 1801. celeusma. 



1793. *cavitare ,sich vorsehen". 
Rum. cmctä „Sorge tragen", „suchen", 

vegl. ca{i)ptare „blicken", aneap. gavi- 
tare, neuneap, {g)avetä „sich hüten", 
„sich enthalten", kalabr. gavitare „be- 
hüten", „sichern", siz. gavitari „sparen", 
aportg. cavidarse „sich vorsehen", 
„sicherstellen", nportg. cavidar „ent- 
gegentreten", und mit Einfluß von EVi- 
tabe: „vermeiden". — Rom. Gram. I, 
345; IgF. VI, 118; ZRPh. XXVIII, 41; 
XXIX, 451, (Rum. cätä „suchen" s. 
1661). 

1794. *caTO „Höhlung". 

Arum. gäun, kalabr. kavune „Sturz- 
bach", neap. kavone „Schlucht", abruzz. 
kavone „Kalkgrube", „Mistgrube", afrz. 
chaon „Genick". — Ablt.: rum. gäunos 
„hohl", „durchlöchert", gäum „durch- 
löchern", „durchbohren", hmous. kaiind, 
langued. kauni „gestorben", eigentlich 
„ausgehöhlt", gask. kauno „Höhle", 
„Grotte". — Diez, Wb. 547; ALLG. 
I, 544; SBPhHKlAWWien GXLI, 3, 139. 
(Rum. gäun „Hornisse", „Blattwespe" 
*CAro „Höhler" R. XXVI, 587; ZRPh. 
XXVJII, 618 ist begrifllich schwieriger). 

1795. cavula „kleine Höhle". 
Rum. gaurä „Loch", pisan. chiava 

„Marmorbruch" AGIItal. XII, 1.55, parm. 
gavla „die Schachten des oberschläch- 
tigen Mühlrades", velletr. kaula „Faß- 
hahn". — Ablt.: vum. gäurt „durch- 
löchern", „durchbohren", gäuros „hohl", 
siebenb. zgäurä „die Augen weit auf- 
machen". 

1796. cavns „hohl", 2. cous Einfüh- 
i-ung 124; Mise. Hortis 893. 

1. Ital. cavo, prov. cau; ital. cava 
„Grube", „Höhle", log. kau „Mark vom 
HoUunder" u. dergl. AStSard. I, 144; 

-neap. skafe „hohl" ; gask. kau, kawf 
„Furche", vgl. 1487. — Ablt.: sen. 
cavina, gavina „Abzugskanal", istr. ga- 
vuso „Pfütze" ATriest. XXX, 161 ; prov. 
caverel, gask. (> frz.) caharet „Keller", 
„Weinstube" R. XXI, 463. 

2. Span, cueva „Höhle", portg. covo 
„hohl", cova „Höhle" ; piem., Jomb. köf, 
bologn. kof., ital. covone „Garbe", piem. 
köva „Strohlager", pav. kova „Handvoll 
Ähren", also ursprünglich „die hohle 
Hand und ihr Inhalt" Diez, Wb. 366; 
StFR.VlI,248; StGlItal. I, 74 ; AASTo- 
rino XLII, 303. — ALLG. I, 554. (Ab- 
leitungen von 1 ., aber in ihrem zweiten 
Bestandteil ganz unklar sind: siz. ka- 
vorkyu „Versteck", neap. kafuorkij^ 



„Höhle", „Versteck", velll.ArtöV/7a „Stein- 
haufe", val-magg. kaborka „Höhle", 
misox. kaork, engad. Jcariierg „hohl", 
engad. Kavüef^a; engad. Uafuol „tief", 
lyon. kaborna, sav. kourna „Höhlung 
in einem Baume", lothr. kafuret 
„Höhle", aspan. cahuerco „Grab" AGl 
Ital. VII, 519; RomF. XI, 494; SBPh 
HKlAWWien GXLI, 3,139; R. XXXIX, 
453, vgl. 3563; 3662. Ital. gavigne 
Diez, Wb. 358 s. 362ö. Mazed. guvä 
„Loch" AARom. XXIX, 216 stammt 
aus ngriech. guva, das zu 2331 ge- 
hört; rum. gäoazä „anus" AARom. 
XXIX, 223; Tiktin, Wb. ist zweifel- 
haft. Frz. cabaret ist hauptsächlich in 
der französischen Schweiz und Savoyen 
verbreitet, was der Annahme gask. Ur- 
sprunges nicht günstig ist, capvt arie- 
Tis „Widderhaupt" R. XXI, 463 ist 
ganz unwahrscheinlich, Zusammenhang 
mit 1624: Bernitt, Lat. caput 68 er- 
klärt das Suffix nicht. Ital. covone zu 
mhd. gmife „hohle Hand" Lorck, Aber- 
gam. Sprachd. 138 ist lautlich unmög- 
lich, mant. kavagon ebenda „Garben- 
haufen" s. 1440). 

1797. Cayeux (Fischerdorf in derNor- 
mandie). 

Frz. caieu „Miesmuschel" R. XXXIV, 
287; ZRPh. XXIX, 453. 

1798. cedere „nachgeben". 

Log. akessidu „müde" RILomb. XLII, 
667? (Log. kea „Grube" s. 1462). 

1799. ^eifa (arab.) „Sommerernte", 
„Sommerfeldzug". 

Sj^an. acefa, portg. aceifa „Erntezeit", 
span. aceifa „Sarazenenzug im Früh- 
jahr". — Abu.: ceifar „ernten" Dozy- 
Engelmann, Gloss. 10; EguilazyYanguas, 
Glos. 18. 

1800. celare „verbergen". 

[Ital. celare, afrz. celer, nfrz. celer, 
prov., katal., span. celar]. (Ital. celia 
„Spaß", „Scherz" AGlltal. XIII, 206 ist 
formell und begrifflich nicht annehm- 
bar). 

1801. celeusma (griech.) „der Takt, 
nach dem gerudert wird", 2. celeuma. 

1. Siz. kyurma, apul. kyurme, neap. 
kyorme, gen. cüzma, portg. chusma, 
chulma, churma (^ ital. ciurma, frz. 
chiurme, ch{i)orine, span. chusma, katal. 
xusma). Die Bedeutung ist „Gesamtheit 
der Ruderknechte eines Schiffes". — 
Diez, Wb. I, 101 ; AGlltal. XIH, 368. 

2. Portg. celeuma „Geschrei oder Ge- 
sang der Matrosen bei der Arbeit". — 



1802. cella — 1815. centrum. 



145 



Ablt. : porfg. celeumar, saloniear, span. 
salomar „sin^'en von Matrosen, wenn 
sie an einem Tau ziehen" ZRPh. XXV, 
497. 

1802. cella , Vorratskammer". 
Abruzz. dyiellf „Maden im Gemtlse", 

log. ked(^a „Vorrat", „Menge", „Herde", 
alog. auch „Gesinde" Mise. fil. ling. 200, 
afrz. Celle „Keller", nprov. cello , Käse- 
rei", bearn. cere „Stall", span. cilla 
„Kornkammer". — Ablt.: abruzz. 6el- 
larse „wurmstichig werden", „madig 
sein" ; span. cillero „Zehentverwalter" ; 
rum. aciuä „Obdach gewähren" Dict. 
Limb. Rom. ; [ital. cella, span. cella, cei- 
da, portg. cella „Zelle". — Ablt. : valenc. 
cellenc (^ span. cellenco) „kränklich"]. 

— Diez, Wb. 438. — (Siz. hul4a „Menge" 
paßt in der Bedeutung zu log. kerlda, 
aber siz. h- und log. k- sind miteinander 
nicht vereinbar und siz. -i- stimmt nicht 
zu lat. -S-. Rückentlehnung aus dem 
früh ins Griech. übernommenen kella 
erklärt das 4- auch nicht RILomb. XL, 
1145. — Vegl. celka, avenez. celega, 
romagn. tselga „Sperling" *aviscellica 
Mussafia, Beitr. 123 ist begrifTlich und 
formell unannehmbar, vgl. 828). 

1803. cellariarias „Kellermeister". 
Aital. celleraio, afrz. celelier, celeniev, 

nfrz. celUrier, prov. celarier, katal. cel- 
lerer, span. cillerero, portg. cellereiro. 

1804. cellariuiu „Vorratskammer", 
„Keller". 

Arum., siebenb. celar, aital. cellaio, 
uengad. sler, friaul. tselar, frz. cellier 
O tosk. cigliere, cellier e), prov. celier, 
katal. celier, span. cillero, portg. cel- 
leiro. Auch span. ciller „Backstube". 

— Salvioni, P.^. (Rum. chelar „Vor- 
ratskammer" stammt aus dem Neu- 
griech.). 

1805. celtis „Lotosblume". 
Campid. beltis „weißer Mohn" KJBF 

RPh. Vlll, 1, 177. 

1806. cena „Mahlzeit". 

Rum. mirt, vegl. kaina, ital. cena, 
log. kena, engad. öaina, afrz. eine, prov., 
katal., span. cena, portg. cea. — Ablt. : 
Wallis. aKlend „abends das Vieh be- 
sorgen" BGlPSRom. VII, 58. — Zssg.: 
lucch. poccena, mail. posena, por^ena 
„Nachmittag" ZRPh.XXlI, 471 ; AGUtal. 
XVI, 462 ; log. kenä(h)ura „Freitag", 
eigentlich „der Tag des reinen Essens" 
RILomb. XLII, 682. 

1807. cenaculum „Obergeschoß". 
Wallon. sinail, pikard. senal „Heu- 



boden", „Scheune". Das Woil zieht 
sich vom Nordosten und Norden Frank- 
reichs bis weit in den Westen hinein, 
fehlt aber dem Süden ganz. — Beiirens, 
Frz. Wortg. 249; WS. I, 119. (Span. 
cenacho „Weidenkorb" s. 1601). 

1808. cenare „speisen". 

Rum. citiä, vegl. kemir, ital. cenare, 
log. kenare, engad. öner, afrz. cener, 
prov., katal., span. cenar, portg. cear. 
— Ablt.: log. kenadordzH „die Zeit" 
oder „der Ort zum Speisen". — Zssg.: 
log. sukkenare „eine Zwischenmahlzeit 
einnehmen". (Log. kenadordzu cenä- 
TORiUM Salvioni, P.* paßt begrifflich 
nicht, da das lat. Wort „Speisezimmer" 
bedeutet, ebenso entfernt sich sukke- 
nare von siibcenare »unterhalb ver- 
zehren"). 

1809. censns „Schätzung", „Steuer". 
[Pikard., wallon. ses „Pachthof" 

Streng, Haus und Hof im Frz. 23. — 
Zssg.: afrz. trecens, wallon. trese „Pachi*^ 
TERHAE CEXSUS. — Ablt. : ardeun. metr 
a trese „Vieh in Pacht geben"]. 

1810. centarchus „Anführer von 
hundert Mann". 

Agen. cintraco, centreqo „Herold" 
AGUtal. VIII, 338; GStLLig. H, 144. 

1811. centeuam „Roggen". 

Span, centeno, portg. centeio. — Ablt.: 
span. centena „ Roggen halm" Diez, Wb. 
438; ZRPh. I, 490. 

1812. centipcllio „Blältermagen". 
Ital. centopelle, judfrz. cenj)eil, prov. 

cempelh, log. kentujmdzone; hologn. tsin- 
foi, engad. öanföfa, portg. centofolhos, 
Wallis, säp^ „Magen" ; zur Anlehnung 
an FOLIVM vgl. frz. fetiillet, portg. 
folhoso, nprov. cen kartos. — Ablt.: 
lolhr. säfotjö „Rindsbauch" R. XXXIX, 
161; 252. 

1813. centipes „Assel", 2. centniu 
peda. 

1. Log. kenUibis, friaul. tsimpis, katal. 
cenpeics, span. cienpies. 

2. Portg. centopea. — Vgl. noch ital. 
centogamhe; frz. mille-pieda. — Sal- 
vioni, P.'. 

1814. cento „Lumpen". 

Reat. öentone, log. bentone „Bauern- 
hemd". — Mit Suflf. W. : velletr. ^^m- 
tore, centello „Umtuch". (Oder velletr. 
zu 1920% 

1815. centrnm (griech.) 1. „Stachel", 
2. *„ Nagel". 

2. Aröm. cenfra, kalabr. (entra, dal- 
mat. kentra. — Ablt. : abruzz. dendron^ 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



10 



146 



1816. centum — 1827. cerebrum. 



, großer NageP, cendvelle, kalabr. 6in- 
driddu , Schuhnagel % röm. centrina 
, kleiner Nagel" Bartoli, Dalmat. I, 306. 
— Auch neap. cendre „Hahnenkamm"? 

1816. centnm , Hundert". 

Vegl. cant, ital. cento, log. kentu, 
engad. caint, friaul. sint, frz. cent, prov. 
cerif katal. cent, span, ciento, portg. 
cento ALLG. VI, 381. 

1816a. centuncnlüS ,,Buchwinde". 

Ital. centonchio , Hühnerbiß", , Sand- 
kraut" Salvioni, P.l 

1817. cepa , Zwiebel". 

Rum. ceapä, friaul. seve, frz. cive 
, Schnittlauch", prov., katal. ceba. — 
Ablt.: versil. cipella ,eine Reihe auf- 
gehängter Trauben" ZRPh.XXVIH, 180; 
frz. civette „Schnittlauch", civet , Hasen- 
pfeffer". — Zssg. : nprov. taio-sebo 
„Maulwurfsgrille" StR.IV, 156. — ALLG. 
I, 544; Salvioni, P.^; At. Ling, 973. 

1818. ceparius „Zwiebelhändler". 
Rum. cepar. 

1819. cephalns (griech.) „Seealant", 
„Meeräsche". 

Ital. cefalo, venez. tsievolo, romagn. 
tsivol, lecc. cefalu, friaul. seul Salvioni, 
P.2. 

1820. cepnlla „Zwiebel". 

Dalmat. kajmla (> vegl. kapul), ital. 
cipolla, log. kihudda, venez. seola, ber- 
gam. sigola, veltl. Ugola, engad. ciguola, 
friaul. sevole, prov. cehola (y frz. ci- 
houle), katal., span. ceholla, portg. 
cehola. — Ablt.: campid. cibuddargu 
„Maulwurfsgrille". — ALLG. I,' 544; 
Salvioni, P.^-^. {*Cepula anzusetzen 
ist nicht nötig, da die Tonverschiebung 
im venez. seola sich aus dem Hiatus 
erklärt Rom. Gram. I, 598 und das -g- 
in bergam. sigola, veltl. sigola sekundär 
ist Rom. Gram. I, 381). 

1821. cera „Wachs". 

Rum. cearä, vegl. kaira, ital. cera, 
- log. kera, engad. caira, friaul. sere, frz. 
', C ^^re, prov., katal., span., portg. cera ; mail. 
cila mit -^ von tsilostra 1835 BSPavStP. 
1, 24; ital. cero „Wachskerze". — Ablt.: 
rum. ceripcä „Wachsblume". (Zu 1831 
Tiktin, Wb. ist lautlich schwierig). 

1822. ceramida (griech.) „Ziegel". 
Abruzz., march. cammarika „Schnek- 

ke", öaramello, carmarello „Schmet- 
terling", aret. caramilla „Gebäck in 
Schneckenform" , march. ceramilla 
„Osterbretzel", ital. ciambella, lomb. 
dzamhela, nprov. gimbeleto (> frz. gim- 
hlette) „Bretzel", friaul. cicimbele id. 



ZRPh. XXXI, 29. (Zweifelhaft, da die 
lautlichen Verhältnisse zu wenig geklärt 
sind; ciambella suavillum Cii\x,Stud. 
271 ist nicht möglich). 

1823. cerasea „Kirsche", 2. ceresea 
Einführung 112. 

1. Siebenb. cera§a, vegl. kris, siz. 
öirasa, tarent., röm. öerasa, sen. sa- 
raia, pisan., lucch. deraia, log. kariaza,. 
kors. carasa ASlSard. V, 215. 

2. Rum. cirea§ä, ital. ciliegia, campid. 
öerezia, engad. direscha, fiz, cerise, prov. 
cerieiza, katal. cereia. 

Span, cereza, portg. cereja, galiz. se- 
reija kann zu 1 oder 2 gehören. Zur 
Grenze der beiden Formen in Sardinien 
s. ZRPh., Bhft. XII, 9. Die -^Form 
findet sich auch in Puschlav und 
Misox RILomb. XXXIX, 507 und in Ost- 
frankreich At. Ling. 217. — Ablt.: rum. 
cire^ar „Juni" Merlo, Stag. mes. 135, 
altaquil. cerasaru StR. VI, 12, irp. ce- 
rasale, sublac. ngerasaru, march.. 
nceresä „Juni"; obwald. carseta „Prei- 
ßelbeere", lyon. sardi „Kirschbaum", 
forez. sardeiri „kleine schwarze Kirsche", 
galiz. sardeiro „Kirschbaum". — Diez, 
Wb. 100; R. XIII, 286; ALLG. I, 544. 

1824. cerasns „Kirsche". 

Ital. c.eraso; frz. cesse, norm, ses 
„Vogelkirsche" ZRPh. XXI, 451. 

1825. cerda „Mist". 

Aotrant. cierda, log. berda „Fleisch- 
überreste", tirol. öorda AGlItal. I, 354. 

1826. cerebellum „Gehirn". 

Vegl. karviale, ital. cervello, log. kar- 
veddu, engad. cerve, friaul. serviel, frz. 
cerveau, prov. cervel, katal. cervell ; Plur. 
amail. cinivella, frz. cervelle, prov. cer- 
vela. — Ablt. : amail. zervellada (y ital. 
cervellata, afrz. cervelat, nfrz. cervelas) 
„eine Art Wurst", mail. cervelaa „Mi- 
schung von Schweinefett, Rindsfett, zer- 
riebenem Käse aus Lodi und Gewürzen, 
das als Suppeneinlage u. dergl. dient", 
comask. cervelä „Schweinefett", cervelera 
„eine Lampe, die mit Schweinefett ge- 
speist wird", comask. cerrele „Spezerei- 
händler" RILomb. XXXIH, 1164; afrz. 
escerveler „den Schädel einschlagen", 
freib. eperbalä „betäuben" BGlPSRom. 
VII, 57. — Diez, Wb. 96 ; ALLG. I, 544. 

1827. cerebrum „Gehirn". 

Rum. creer, mazed., banat. criel R. 
XXXI, 306 ; Gr. Gr. P, 470, 23. [Aital. 
celahro, avicent. celebrio. — Ablt. : cam- 
pid. silibriri „sich den Kopf zerbrechen" 
R. XXXIII, 64; prov. celebrar „riechen"]. 



1828. cereola — 1846. cervicula. 



U7 



1828. cereola , Pflaume*. 
Span, ciruela Diez, Wb. 441. 

1829. cerenm , Kerze". 

Vegl. ciVf obwald. üeri, afrz. cirge, 
nfrz. cierge, prov., katal. ciri, span., 
portg. cirio; avenez. el lU de nostra 
dona ciriola , Maria Lichtmeß", wohl 
nach candelora 1578 Mussafia, Beitr. 
124; StFR. II, 7. 

1830. cerevTsia (gall.) ^Bier". 
Friaul. serveza , Hopfenfrucht ", frz. 

cervoise (^ aital. cevvogia), prov. cer- 
veza, katal. cervesa „Hopfen", span. 
cerveza, portg. cerveja. [Aital. cervigia], 

— Diez, Wb. 54. 

1831. *cerinta „Silberwurz". (Um- 
gestaltung von griech. cerindon). 

Galiz. cerinta. — Ablt.: rum. cerenpl 
R. XXXIII, 73. (Rum. cerüica Tiktin, 
Wb. s. 1821). 

1832. cernere „sichten". 

Rum. cerne „sieben", aital. cernere 
„aussuchen", „sichten", „sieben", ave- 
nez. cernere „Wolle zausen" Mussafia, 
Beitr. 123, log. kerrere „sieben", obwald. 
(ferner „wählen", grödn. carder „ab- 
sondern", friaul. serni „sieben", waatl. 
sädre „wählen", prov. cerner, katal. 
cendre „sieben", span. cerner „sieben", 
„fein reiben", portg. cernir „wählen". 

— Ablt.: aital. cerna „Wahl", campid. 
cerfa „Spreu", sirfinai „zerbrfickeln", 
„verkleinern" RILomb. XLII, 682,sublac. 
ccrnituni „Gestell für das Drahtsieb" ; 
span. cierne,cierna „Blüte des Getreides", 
-des Weinstocks", „des Ölbaums", cer- 
ner „blühen". — Diez, Wb. 440. (Span. 
zaranda, portg. ciranda „Getreidesieb" 
R. V, 188 ist lautlich nicht möglich). 

1833. cerniculum l.„Sieb", 2. „Schei- 
tel". 

1. Neap. cernikhjf, siz. cirniggyu, 
kors. öernitu, gen. sernegu, piem. sertiei, 
aret. öernekkgo „Siebstock"; chian. (?»>- 
nikkgo „Nudelwalze". 

2. Päd. cernega, grödn. surnädl, en- 
gad. öarnata; ital. cernecchio „Haar- 
locke", „Strähne", friaul. sfr«e^t„Stirne'', 
span. cerneja „Zotte", portg. cernelha 
-Widerrist". — AGlItal. I, 354; II, 129; 
XHI, 380; Mussafia, Beitr. 102; Sal- 
vioni, P.2. (Aspan. cernicalo „ein Raub- 
vogel" Mise. fil. ling. 123 ist formell auf- 
fällig. Zur Bedeutung vgl. 2321 und 
breton. kernigl „Weihe". DiscERxrcu- 
i.VM „Haarnadel" Diez, Wb. 96 für die 
Wörter für „Scheitel" liegt begrifTlich 
ab). 



1834. ceroferarins „Wachskerzen- 
träger". 

Ital. cefforale, lucch. ceruferari, bo- 
logn. tserforari Gaix, Stud. 264. 

1835. cerosta „ Wachsstock ". 
Apav. cilostro BSPavStP. II, 223, ar- 

bed. SiJostru „Fackel". 

1836. cerretanns „Einwohner von 
Cerreto" (Stadt in Mittelitalien). 

Ital. cerretano „Marktschreier". — 
+ ciarlare 2450: ital. ciarlatano (> 
frz. charlatan) id. Diez, Wb. 98; RomF. 
XVI, 404. {*Cerritanus „verrückt" 
paßt lautlich und begrifflich nicht JbR 
ESpL. XV, 200). 

1837. cerritas „verrückt". 

Crem, öerlt, mant. ierl „betäubt", 
„verrückt." — Zssg. : ital. accerito „stark 
erhitzt", „außer sich" Gaix, Stud. 133. 

1838. cerrus „Zerreiche". 

Rum. cer, ital. cerro. — Zssg.: Schweiz. 
sermOte. (Span, carrasca Diez, Wb. 437 
s. 1716). 

1839. *certanu8 „ein Gewisser". 
Vegl. certain, aital. certano, frz. cer- 

tain, prov., katal. certä, span. certano. 

1840. certare „streiten". 

Rum. certä „tadeln", „strafen", a se 
certä „streiten", log. kertare, aital. cer- 
tare. — Ablt.: log. kestiare „scherzen" 
Salvioni, P.^. 

1841. certns „sicher". 

Vegl. ciart, ital. certo, engad. öert, 
friaul. siert, frz. cert^ prov., katal. ceti, 
span. cierto, portg. certo. — Zssg. : 
tosk., venez. certiduni, lomb. certediln 
„einige". — ALLG. VI, 381. 

1842. ceruäsa „Bleiweiß". 
Aperug. cirossa, mail. sirosa, comask. 

Siros, bresc. se)-os Salvioni, P.'"*. Die 
Formen scheinen erbwörtlich zu sein. 
[Ital. cerussa]. 

1843. cervarius Inpns „Luchs". 
Rum. ccrhar, engad. luf öerver, frz. 

loup cervier ( > ital. lupo cerviero), prov. 
lup cervier. — Mit Suff. W. : span., portg. 
lobo cerval. 

1844. cervia „Hindin". 

Aital. cfrbia, afrz. cierge, prov. cervia 
Rom. Gram. II, 368; dazu ital. cerhio, 
prov. cerbi „Hirsch". 

1845. cervical „Kopfkissen". 
Neap. dervekalf „Nacken", val-sass. 

servigd „Mauerstütze", prov. cervigal 
„Schädel". 

1846. cervicnla „Nacken". 

Alog. kerviclia „Hartnäckigkeit" 
SBPhHKlAWWien CXLV, 5, 59, nlog. 

10» 



148 



1847. cervinus — 1864. charrob. 



kerviya ^Nacken" Salvioni, P.^ — Ablt. : 
tess. sürbyd , kopfüber stürzen", log. 
iskerviyare „das Genick brechen", neap. 
servehkijd „die Spitzen abschneiden", 
„stutzen", servekhyone „Schlag auf den 
Kopf" Mise. Rossi-Teiss 416; R. XXVIII, 
105, vgl. 2966. (Alog. kerviklya zu *cer- 
vjCLARE AStSard. V, 239 ist bedenk- 
lich, weil bis jetzt nur *exceeviclare 
nachgewiesen ist, und ist nicht nötig; 
zu ACERBUS ATriest. XXX, 56 ist mor- 
phologisch und begriffUch nicht an- 
nehmbar). 

1847. cervinus „vom Hirsch". 
Ital. cervino, log. kervinu. 

1848. cervix „Nacken". 

Rum. cerbtce, ital. cervice, afrz. cerviz, 
prov. cerhitz, span., portg. cerviz, wohl 
nicht überall Erbwort; tess. servis 
„Löfifel", „Käselöffel" Luchsinger, Mol- 
kereiger. 37; AGlItal. IX, 218. —Ablt.: 
rura. cerhicie „Hartnäckigkeit"; versil. 
accerhugqire „einen durch einen Schlag 
auf den'Kopf betäuben" ZRPh.XXVHI, 
175. Vgl. 1846. — Diez, Wb. 115; 
Salvioni, F. 2. 

1849. cervnnus „vom Hirsch". 
Valenc. cei'vi'i, span. cervuno. 

1850. cervus „Hirsch". 

Rum. cerb, ital. cervo, log. kerbti, 
engad. öierv, friaul. sierf, frz. cerf, prov. 
cer, katal. cervo, span. ciervo, portg. 
cervo. — Ablt.: sill. cervastre „Heide- 
kraut". 

1851. cessare „weichen", „aufhören". 
Ital. cessare, abellun. cessar „sich 

zurückziehen", engad. c{e)sser, frz. ces- 
ser, prov., katal. cessar, span. cesar, 
cejar, portg. cessar Diez, Wb. 438; 
ALLG. VI, 381. Auch engad. cser, szer 
„entwöhnen" AGlItal. XVI, 294. 

1852. ^etl (arab.) „Schöpfeimer". 
•Katal. cetre, span. ce(l)tre,acetre, portg. 

aceter(e) Dozy-Engelmann, Gloss. 34; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 27. {Alsatl 
Diez, Wb. 282 geht lautlich nicht). 

1853. cetra „kleiner Schild". 
Campid. cerda „Schleife". 

1854. chadde (arab.) „Rütteln", 
„Schütteln". 

Span, alfada „Schwanken". 

1855. chaios (griech.) „Hirtenstab". 
(Katal. gayato, span. cayado, portg. 

cajado Diez, Wb. 438 ist nicht mögUch. 
Auffallend klingt rum. toiag „ Hirten- 
stab " an, doch vergleiche bulgar. tojag 
id.). 



1856. clialang'an (arab.) „Galgant- 
wurzel". 

Aital. galanga, afrz. galange, prov. ga- 
lengal, garengal, span., portg. galanga 
Diez, Wb. 152; Dozy-Engelman, Gloss. 
271; Eguilaz y Yanguas, Glos. 404. 

1857. challak (arab.) „verführen". 
Valenc. falagar, span. halagar; katal. 

af alegar, portg. afagar, überall „lieb- 
kosen", „schmeicheln" RomF. IV, 357. 
(Goth. plaihan „liebkosen", „trösten" 
Diez, Wb. 457 ; *afflaticare R. V, 
178 sind formell unmöglich; *faciem 
LAGARE, worin das Verbum auf ein 
germ. laigon „lecken" zurückginge R. 
IX, 133; X, 404 ist zu gekünstelt und 
lautlich auch nicht einwandfrei). 

1858. chama (griech.) „Hirnmuschel". 
Ital. camnta. (Frz. jamble R. XXVI, 

430 s. 5727). 

1859. chainaedrys (griech.) „Ga- 
manderlein". 

Frz. chamaire „Knoblauchgamander". 
— Ablt.: frz. chama ?-ras id.; ital. cala- 
mandrea, frz. germandree, nprov. kala- 
mandrU, [span. caniedrio\. — Diez, 
Wb. 77. 

1860. chanaka (arab.) i, Halskette". 
Siz., kalabr., neap., abruzz. kannakka. 

1861. chanos (griech.) „Kluft", „Erd- 
schlund". 

Tarent. fano „Kloake". 

1861a. chang'er (arab.) „Dolch". 

Span., portg. alfange „Säbel" Diez, 
Wb. 419; Dozy-Engelmann, Gloss. 106; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 159. (Rum. 
hanger stannnt aus dem Türkischen 
DSchAWPhHKlWien XXXIV, 71). 

1862. *characium (griech.) „Pfahl". 

Tess., bresc. karras, veltl., mail. kar- 
ras; tess. skaras, mail. skaras, afrz. 
escharas, nfrz. echalas; trevis. skaratso 
„Ast von Armsdicke". — Ablt.: afrz. 
escharegon, berrich. sarUö, limous. sa- 
rasun. — Diez, Wb. 565; BStSvItal. 
XX, 148; Salvioni, P.^. (Rum. harar 
stammt aus dem Ngriech.). 

1863. *charactnni „eingeritzter Zau- 
berspruch". (Wohl zu griech. cha- 
racter). 

Afrz. charait ZRPh. III, 263. (Die 
Nebenform cJiaraude, charaute ist nicht 
erklärt, afrz. charaie s. 1673, nfrz. cha- 
rade s. 2451). 

1864. charrob (arab.) „Johannisbrot". 
Ital. carrxiba, frz. carotibe, carouge, 

prov. garrova, valenc. carrobla, span. 
algarroba, portg. alfarroba Diez, Wb, 



18C5. charschof — 1881. chorda. 



U» 



I 



90; Uozy-Engelmann, Gloss. 121; Egui- 
laz y Yanguas, Glos. 178; RomF. IV, 

1865. chnrschof (arab.) »Artischocke". 

lt&].carciofo, ii[y,iT\.alca(r)chofa, portg. 
alcachofra Diez, Wb, 27 ; Transactions 
of the Philological Society 1882—1884, 
41*; 1885—1887,1*. (Wie sich nordital. 
articiocco O frz. artichmid, aral). cirdi- 
schauki) dazu verhält, bedarf noch der 
Aufklärung'). 

18f)r). Charta (griech.) .Papier", 
2. cartas (arab.). 

1. Rum. carte „Brief", „Buch", ital. 
rai-tu „Papier" ; log. karta, eiigad. karta, 
friaul. karte, frz. charte „Pappe", „Kar- 
te", „Urkunde", prov., katal., span., 
porig, carta „Karte", „Brief". — Ablt.: 
ital. cartoccio (> frz. cartouche) „Düte", 
„Stanitzel", „Patrone", 'i\.d\. svartare (y 
frz. ecarfer) „Karten weglegen", scario 

„Ausschuß" AGlItal. III, 125. h ta- 

HELLA', ital. scartahello „Scharteke", 
scartabellare „blättern" ZRPh. I, 423. 

2. Span, alcartaz, alcatraz, portg. 
cartaz „Düte" Dozy-Engelmann, Gloss. 
87; Eguilaz y Yanguas, Gloss. 134. 

1807. chartula „Briefchen". 

Frz. chartre „Urkunde" Diez, Wb. 544. 

1868. Chanvin (Eigenname). 

Frz. chauviniste „Chauvinist", chati- 
n'uisme „Chauvinismus" AStNSpL. 
LXXXVI, 393. 

1869. chelandium (mgriech.) „eine 
Art Schiff", 2. öalandi (türk.). 

1. Afrz. ehahtnilre, nfrz. chaland 
Kemna, „Schiff" im Frz. 118. 

2. Katal. jcela ndrin Diez, Wb. 541. 

1870. chelldonla „Schellkraut". 
Piem. sirioila, ligur. tsiriöfia, veron. 

tsehgona, friaul. öilnifie, aspan. celidu- 
ena, astur, cirigiieüa, galiz. dridonia. 
— Salvioni, P.''^. 

1871. chelone (griech.) „Schildkröte". 
Tarent. cilona, kalabr. yilona, Ky- 

lona, halona, lyona, Kyidona. Die tarent. 
Form kann alte Entlehnung sein, die 
kalabr. sind mittel- oder ngriech. (Wie 
sich nordital. galaua, venez. gaßandra 
O friaul. gayandre) Mussafta, Beitr. 60 
dazu verhält, ist dunkel). 

1872. Chiaravalle (II gran' pescatore 
di) (Titel eines in der Lombardei weit 
verbreiteten Kalenders). 

Siz. kyararallu, campid. öeravallu, 
gallur. (araballu, uiail. öararal, portg. 
xarrahal betleutet überall „Kalender" 
RILomb. XLII, 681; XLIII, 612. 



1873. chllel (arab.) „Nadel". 

Span, alfiler, alfilel, portg. alfinete 
„Stecknadel" Diez, Wb.4iy; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 114; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 168. 

1874. chlrorgia „Wundarzneikunst*. 
Aital. cirusia, abergam. cirogia, aprov. 

surgia. — Ablt.: aital. cirugiano, campid. 
siliijanu, soU^anu, afrz. siirgien, a portg. 
celorgiäo,8olorgiäo, beir. *Mrit«o, Wund- 
arzt". 

1875. chirnrgicus „Wundarzt". 
Aital. cerusico, venez. tseroigo, bergam. 

seroik, friaul. siroik Lorck, Abergam. 
Sprachd. 298; MlLomb. XXI, 292. 

1876. chleoazeiu (griech.) „spotten". 
(Ital. caleffare, gahffare, namentlich 

nordital. Wort, hresc. gafofd „betrügen" 
Diez, Wb. 361; Mussafia, Beitr. 41; R. 
III, 161 ist lautlich nicht möglich). 

1877. chlorio „Goldamsel*. 
Campid. knlirgoni „Regenpfeifer" 

ZRPh. XXXIII, 480. 

1878. chocolattl (mexic.) „Kakao- 
wasser". 

Span., portg. chocolate (> frz. chocolai, 
ital. cioccolata). 

1879. choiros (griech.) „Schwein". 
Ital. ciro Diez, Wb. 365? 

1880. chomrah (arab.) „Gebetteppich". 
Span, alfomhra „Fußteppich", portg. 

alfambar „rote Bettdecke" Diez, Wb. 
419; Dozy-Engelmann, Gloss. 115; 
Eguilaz V Yanguas, Glos. 170. 

1881. 'chorda „Saite", „Strick", „Seil", 
Rum. coardä, ital., log., engad. corda,. 
friaul. kuarde, frz. corde, prov., katal. 
corda, span. cuerda, portg. corda. Im 
Aital., Frz. und Prov. auch Bezeichnung 
eines Flächen- und Raummaßes ZFrzSpL. 
XXVI. 118. — Ablt.: rum. cordeä, 
avenez., chiogg. gordiUn „Schnur*, 
„Hosenträger", „ein bestimmtes Seil im 
Seilwerk des Schiffes", ital. cordeUa, 
friaul. kiirdeh; afrz., prov. cordel 
(> span., portg. cordel) „Strick", si)an. 
cordilla „Eingeweide von Schafen", vgl. 
log. kordnle id., aital. cordaio, frz.. prov. 
cordier, span. cordelero, portg. cordoeiro 
„Seiler"; frz., prov. cordelier „Franzis- 
kaner"; ostfrz. kodd „Nacken", eigent- 
lich „Strang" Behrens, Frz. Worlg. 56 ; 
iyon. kordet, kordesi „Eisenbügel am 
Joche des Ochsen, durch welchen die 
Deichsel gesteckt wird" R. XXXIII, 218; 
span. cordiUera (> portg. cordilheira) 
„Gebirgskette". Auch mazed. tiu-f tine 
curdeana „keinen Mut haben". — ALLG. 



150 



1882. •chordiscus — 1896. cibus. 



1, 532. (Mazed. curdeaua *C0JiDiLLA zu 
COR AARom. XXIX, 216 ist nicht wahr- 
scheinlich, da für *C0RDILLA jeder 
weitere Anhaltspunkt fehlt, doch ist die 
Verbindung, in der curdeaua „Band" 
zu der bildlichen Verwendung kommt, 
noch zu suchen). 

1882. *chordiscus (zu 1883, vgl. 
Rom. Gram. II, 520). 

Tosk. cordesca „dicke Kuh", „dickes 
Schaf", pistoj., sen., abruzz., neap., ka- 
labr. kurdeska „Lamm", bologn. kur- 
däska „Lammsrücken", tosk. cordesco 
„ein- bis zweijähriges Kalb", 

1883. chordns „spät geboren", 

2. fennni chordniii „Grummet". 

1. Ablt.: prov. cordier, katal. corder, 
span. cordero, portg. cordeiro „Lamm", 
eiz. kurdarti „Ziegenmelker". — Diez, 
Wh. 442; Caix, Stud. 295. 

2. Bergam. kort, bellun., trevis., ert. 
dork, münstert. agor, friaul. kuadri 
AGlItal. XVI, 223. 

1884. "choreola „Tanz". 

Afrz. Carole, prov, O ital.) carola, 
Schweiz, coraula „Reigentanz", nfrz. 
Carole „Chorumgang". — Ablt,: afrz, 
caroler „tanzen" Baust, z. rom, Phil, 
128. (Die Erklärung ist wegen des Ge- 
schlechtes zweifelhaft, auch müßte man 
eine gelehrte Bildung, etwa der Kloster- 
schulen annehmen. *Choraulare „zur 
Flöte tanzen" Diez, Wb. 539; R. XXXI, 
519 ist nur möglich, wenn das Wort 
von Nordfrankreich aus gewandert ist ; 
COROLLA ZRPh. VI, 109; ALL6. I, 552 
ist lauthch als Erbwort nicht möglich 
und begrifflich nicht ansprechend), 

1885. chorg' (arab.) „Quersack". 
Span, alforja (>• bearn. {au)forze), 

portg. alforge. — Ablt.: lyon. farM 
„Tasche", farzina „Quersack" Thomas, 
Mel. 77. — Diez, Wb. 419; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 116; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 171. 

1886. chripii (russisch) „Heiserkeit". 
Frz. grippe (> ital. g^'ijype) „Grippe" 

ZDWF. IX, 21. 

1887. chrisraa (griech.) „Salbe". 
Ital. cresima, frz. chreme „Salböl", 

cr^me (> ital., span,, portg. crema, ports?. 
creme) „Rahm", „Sahne" ZRPh. XI, 253: 
AStNSpL. CXXVI, 185. [Crema Diez, 
Wb. 112; ALLG. I, 555 für crhne ge- 
nügt lautlich nicht und besteht nicht). 

1888. cbristianus „christlich", 
„Christ", 

Rum, cre§tin, [ital, cristiano, log. 



kristianti, engad. cristiaun, frz. chretien, 
prov., katal. crestid, span. cristiano, 
portg. christäo]. Das W'ort ist mehrfach 
für HOMO eingetreten : sublac. kristianu, 
obwald. karstiaun und sonst Mise. Ce- 
riani 495, und hat dann verächtliche 
Bedeutung angenommen: tess. kristian, 
Wallis, krete (> frz. cretin, ital. cre- 
tino) „Kretin" AGlItal. III, 316; ZRPh. 
XXII, 468. 

1889. Christophorus (Eigenname). 
Triest. tofolo „dick" ZRPh. XXVII, 

758. — Ablt.: venez. tofoloto. 

1890. chrnsle (schweizd.) „Stachel- 
beere", „Johannisbeere". 

Obwald. frausla, engad. frousta, 
puschl., borm. frozola „Hagebutte". — 
-f FRAGULA 3486: ohwald. frogla. Vgl. 
4760. 

1891. clirysomelou (griech.) „eine 
Art Quitte". 

Siz. krisommula, kalabr. grisuommuln, 
neap. krisuommule, abruzz. kresomele, 
velletr. grasiomniol'o „Aprikose". 

1892. chwyn (kymr.) „Unkraut". 
Norm, veüf ginö, vino „Stechginster" 

Thomas, Mel. 165. 

1893. ^ibar (arab.) „Aloe". 

Siz. tsabhara, katal. aciber, span. 
acihar, portg. azevre Diez, Wb. 414; 
R. II, 91; Dozy-Engelmann, Gloss, 35; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 29. 

1894. cibare „speisen", „füttern". 
Siz. öivari, kalabr. civare, neap. cevä, 

span. cebar Diez, Wb. 438; Salvioni, P,^ 
— Ablt.: prov., katal, civada „Hafer", 
span. cebada, portg. cevada „Gerste" 
Diez, Wb. 438. (Obwald. cevrar „schmau- 
sen", cever „Schmaus" RomF. XI, 491 
ist morphologisch nicht klar). 

1895. cibarins „zur Speise gehörig". 
Ital, civaia „Gemüse", uengad. cvera 

„Proviant für die Alpenhütte", span. 
cibera „Getreide". (YoaV. cive{r)a „Korb- 
schlitten", „Schleife", umbr. covea 
„großer Korb aus Weiden", venez. 
tsiviera, lomb. sivera, monferr. sfera, 
piem. sivera „Tragbahre", engad. ci- 
vierga „Schubkarren", frz. civiere „Trag- 
bahre" Diez, Wb. 365; Salvioni, P.^-^ 
scheinen eine Grundlage mit -i- zu 
fordern; log. kivardzu „Kleienbrot" s. 
2323). 

1896. cibus „Speise". 

Siz., kalabr. civu, neap., abi'uzz. caive, 
San-Frat. tsaif, grödn. ceif; cerign. coive 
„Docht", log. kiu „Mark", span. cebo 
„Futter", astur, cebn „Heu". — Ablt.: 



1897. cicada — 1906. cicönia. 



151 



ital. civitelln ^Winterweizen" AGlIlal., 
Suppl. V, 84. [Ital. ciho. — Ablt.: aital. 
cibeca , Kostverächter*, , Dummkopf, 
emil. tsibega , heikel im Essen" ZRPh. 
XXI, 453V, vgl. 2452]. (Aital. geho, 
zeba, si)an. chibo, portg. chivo , Ziege* 
AGlIlal. III, 3^0 können nicht hierher 
gehören). 

1897. cicada .Baumgrille*. 

Lomb. sigada; ital. cicala, log. klgula 
O campid. Ä-/</rt^rt),campid.<?/(7M/a,gallur. 
diläka, Iriaul. sitjale, sutjane, prov. cigala 
O frz. cigah), span., portg. cignrra, 
Span, chicharra. Das Wort bezeichnet 
in Südfrankreich mehrfach den , Mai- 
käfer* At. Ling. ()S3. — Diez, Wb. 99. 
(Dafür, daß span. cigarro usw. , Zigarre* 
hierher gehöre, fehlt der sachliche Nach- 
weis). 

1898. ciccabe, ciccybos (griech.) 
,Eule*, 2. kiikabaia (mgriech.). 

2. Ital. coccoveggia , cuccumeggia, 
kalabr. ktihkuverldn, kukuggyata, tarent. 
kukkuvasa, otrant. kukkucaya, neap. 
kukkiivayya, Capri: kukkuai, siz. knk- 
ktiraya, kiikka, log. kukktimeu, kukku- 
miau StR. I, 38; ZRPh,, Bhlt. I, 101. 
(Auch span. cotovia klingt an, paßt aller- 
dings mit der Bedeutung , Hauben- 
lerche* nicht recht, vgl. 4746). 

1899. ciccnm 1. , Kerngehäuse des 
Obstes*, 2. *, Kleinigkeit*. 

1. -j- voce US 2002: ital. chicco „Kern*, 
„Beere", „Bohne*. — Ablt.: abruzz. 
kik^le „Nußkern* SBPhHKlAWVVien 
CXLI, 3, 18. 

2. Ital. cicca (> frz. chique) „Zigarren- 
stummel*, mail. J/c; „Kleinigkeit*, bergell. 
die „verbrannter Docht* RILomb. XLII, 
971. frz. chkhe „kleinhch*, „habsüchtig*, 
katal. jrlch „klein*, span. chico „klein*, 
portg. chico „kleine Geldniünze*. — 
Ablt.: frz. chiqnet „ein kleines Stück*, 
chicot „Strunk*; span. c/ji3He/*o„Schweine- 
stall*, „Ziegenstall*, chicada „Herde 
von kränkelnden Lämmern und Spät- 
lingen, die allein gehütet wird*, chicar- 
rei'o „Schuster, der bloß Kinderschuhe 
macht*. — -\- MiCA .5456: ital. cica 
„Kleinigkeit*. — Diez, Wb. 98; ALLG. 
I, 545. (Zweifelhaft, es könnten Schall- 
wörter vorliegen. Neap. öikkc „Lockruf, 
mit dem die Schweine vorwärts ge- 
trieben werden*, dann .Bezeichnung 
des Schweines* gehört nicht mit span. 
chiquero zusamnaen, noch ist es iden- 
tisch mit öikk^ „Koseform von Fran- 
cesco*, sondern Schallwort, vgl. in 



gleicher Bedeutung abruzz. öiif, dissf, 
tsikkye, tsiki, tsikiyy^, taikellf, teram. 
t»ikellf „Schwein*. — Die Überein- 
stimmung des Wortes für „Nußkern* 
mit dem für „Hahnenschrei*: abruzz. 
kikeleki SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 18 
ist Zufall. Frz. chique „Marbel* Dict. 
G6n. s. 7754). 

1900. cicer Neutr. „Kichererbse*, 
2. clcere Mask. 

1. Ital. cece, campob. deöf, bologn. 
tseis, afrz. (oire, prov. cezei', jetzt haupt- 
sächlich gask. At. Ling. 1050. 

2. Mazed. (eajire, siz. öiöiru, piazz. 
dezr, neap. öeöere, tarent. diöiri, campid. 
öiziri; siz. kefkiri, span., portg. chicharo, 
astur, chichii. Auch frz. pois chiche 
oder dieses zu 1898'^ — Diez, Wb. 94; 
Rom. Gram. II, 14. — (Die siz. kerk' 
Form von öiderkya aus durch Fern- 
assimilation RILomb. XL, 1150 \vürde 
durch die neap. Reflexe 1901 bestätigt, 
erklärt aber, auf das Span, angewendet 
das -i- nicht, daher man vielleicht für 
beides eher an arab. Vermittlung denken 
kann. Aital. cecero „Schwan* s. 2435). 

1901. cicera „Platterbse*. 
Avenez. ceset-a, nvenez. taezara 

Mussafia, Beitr. 124; Salvioni, P.^ — 
(Frz. gesse ZRPh. XIX, 70 ist lautlich 
nicht möglich, vgl. 1958). 

1902. cicercnla „kleine Erbse*. 
Ital. cicerchia (> span. cicercha); 

teram. kikerky^, neap. kikyerkyf. 

1903. Cicero 1. „kleine Erbse*, 2. (Be- 
zeichnung eines Vogels). 

1. Afrz. Qoiron, prov. cezerd, katal. 
ciurö, portg. siziräo. 

2. Siz. öidiruni, kalabr. diöanini 
„Grauammer*. 

1904. cicindela 1. „kleine Lampe*, 
2. „Leuchtwurm*. 

1. Aital. cicindello, avenez. cesendelo, 
istr. cizindil, abergam. cisendel, gen. 
seieud^, friaul. sizenderi. — + ceba: 
agen. cerendero. — Ablt.: lucch. cin- 
cindello(ro) „Lampendille*. — Mussafia, 
Beitr. 124; Caix, Stud. 275; AGlItal. 
Xn, 395; Salvioni, P.«. 

2. Venez. sezandela, chiogg. sezendelo 
StFR. II, 8; Salvioni, Lampyr. ital. 12. 

1905. ciciani „Fleisch*. 
Ital. ciccio, march. öitsa. 
190«. cicönia „Storch*. 

Ital. cirogna, afrz. ceogne, prov. ce- 
gonha, cigonha (> frz. cigogne), katal. 
cigonya, span. cigüeila, portg. cegonha. 
Das Wort bezeichnet mancherlei Werk- 



152 



1907. *ciconiola — 1916. cimicella. 



zeuge, die mit dem Storchenschnabel 
verglichen werden, so den , Pumpen- 
stock " schon bei Isidor, im Span., Portg. 
und in s\z. cikoüa, regg., moden.^s^'O/ia; 
ferner moden. tsgoüa, parm. tsangoüa 
„Kurbel", tess. sigöna (> obwald. tse- 
geüe) , Drehvorrichtung am Käsekessel ", 
bergell., puschl. cigöna, uengad. sisofla, 
\e\i\.sigoü „ Kesselkette ", , Kesselhaken ". 
— Ablt.: dial. frz. cigogner, poitev. 
sigune, auvergn. sigoni, bress.-louh. si- 
üoge, limous. ziguüä^ morv. zigoni, 
pikard. gone ,hin und her schütteln" 
Behrens, Frz. Wortg. 244. — Diez, Wb. 
440; ALLG. I, 545; VI, 381; RILomb. 
XLl, 206. 

1907. *ciconiola „kleiner Storch". 
Rovign.st^a«o?a,imol.^s«o/a„Pumpen- 

stock", mail. sigoüöla „Drehvorrichtung 
am Käsekessel", siginöla „Weinheber", 
piem. sirinola „Hebel", „Handgriff", 
trient. siganola „Flaschenzug", „Tür- 
klinke", friaul. siginole „Flaschenzug" 
ZRPh. XXm, 517; ^irz. sognolle, nfrz. 
cignole „Spindel am Blasebalg" Thomas, 
Ess. 265; Thomas, Mel. 143; AStNSpL. 
CHI, 229; frz. echignole „Spindel" 
Behrens, Frz. Wortg. 101. 

1908. cicurare „zähmen". 

Siz. cikurari, kalabr. cikurare, abruzz. 
cikuri. 

1909. cicuta „Schierling", 2. *cuciita 
Einführung 120. 

1. Parm., mant. sgüda, piem. erha 
süa, afrz. ceue, val de Saire : sie, aspan., 
aportg. ceguda. [Nfrz. cigm]. — Ablt.: 
piem, süasa Salvioni, P.^. 

2. Rum. cucutä, saintong. kukü, 
nprov. kuküdo At. Ling. 1.503. 

1910. cifr (arab.) „Null", 2. cifra 
(mlat.). 

^ 1. Span, cero (^ frz. z^ro, ital. zefo). 
2. Ital. cif{e)ra (>■ frz. chiffre), afrz. 
cifre, span., portg. cifra. Die Bedeu- 
tung ist im Mittelalter, wo das Wort 
seit dem 12. Jhrh. auftritt, „Null" und 
bleibt im Frz. bis ins 17. Jhrh. und im 
Portg. bis heute, im 16. Jhrh. tritt da- 
neben die neue Bedeutung „Ziffer", 
„Zahlzeichen" auf. Für zero muß 
Spanien der Ausgangspunkt sein, da 
nur hier der Schwund des -f- gerecht- 
fertigt ist. — Etud. de phil. n6o-grecque 
346. 

1911. *cigare (Schallwort) „zischen", 
„kreischen". 

Venez. tsigar „zischen". — Ablt.: 
ital. cigolnre „knarren", cingottare, 



cinguettare „zwitschern" Diez, Wb. 
365. 

1912. cilicinin „härenes Gewand". 
Prov. celetz. 

1913. cllinm „Augenbraue". 

Ital. ciglio, log. kidzu, uengad. cail, 
frz. eil, prov. celh, kalal. cell ; friaul. 
seye, span. ceja; log. kidza „Gesicht", 
parm. sia „hoch aufgeworfene Furche". 

1- ciNNVS 1933 : veron. sengo, bresc, 

crem, seng, piem. siü. — Ablt.: aital. 
ciglietto, frz. sillet „Steg" (von der Vio- 
line), „Saitensattel", vgl. span. ceja id.; 
ital. ciglione „Damm", „Straßenrand", 
parm. tsion „Hügel zwischen den Fur- 
chen", afrz. seillon, nfrz. sillon „Furche", 
„Rille" ; parm. tsiöula „aufgeworfene 
Furche"; friaul., bellun. segä „blenden", 
frz. ciller „einem Falken die Augen 
verbinden, damit er still sitzt", ital. 
accigliare id. „blenden"; hz. silier auch 
„die Wogen durchschneiden", afrz. cil- 
lier auch „peitschen", „Striemen 
ziehen". — Diez, Wb. 679; RomF. XIV, 
371; RLRom. L, 327. (Frz. silier „die 
Wogen dui'chschneiden", sillon zu anord. 
sila „Furchen einschneiden" Diez, Wb. 
678 ist lautlich nicht möglich ; mail. 
siloira „Pflug" ebenda s. 103). 

1914. *cillicare „bewegen" (zu cil- 
ler e). 

Siz. siddikari „gleiten", reat. sellekd 
„etwas in Bewegung setzen", „zittern" 
(von Tischen, Stühlen u. dergl.). 

1915. cimex „Wanze". 

Vegl. cinko, ital. cimice, neap. inmm^c^, 
piac. ctzma, bergam. simega, log. kimige, 
aspan. zisme, aportg. chimse Mise. fil. 
ling. 165, nspan. chinche; auch span. 
chisma „Unrat", chisme „Klatsch" R. 
XXIX, 345; KJBFRPh. VI, 1, 386; 
neap. pimmece, campid. pinnige, Rück- 
bild, davon: pinni mit p- von fulice 
Rom. Gram. I, 589; ZRPh., Bhft. XH, 
30; AStSard. V, 222. — Ablt.: lyon. 
swmato„Wanze"; lomb. s«mjrö7a„Leucht- 
würmchen" Salvioni, Lampyr. ital. 23. 
— Diez, Wb. 443; Salvioni, P.^; Mise. 
fil. ling. 165. {Pimmece nach putidus 
R. XXXVn, 465 ist °auch möglich, 
doch wird pulice dadurch nahe gelegt, 
daß campid. prinnige deutlich Einfluß 
von preuHu pedvclvs 6673 zeigt 
ZRPh., Bhft. XII, 30, so daß also die 
Assoziation cimex pulex peduclus 
vorliegt). 

1916. cimicella „kleine Wanze". 
Abruzz. cimicelle „Kosewort für kleine 



1917. cimussa — 1932. cinnare. 



153 



Kinder % champ. sesel .Milbe" ZRPh., 
Bhft. VII, 31. (Das abruzz. Wort kann 
auch Neubild., das in den Reichenauer 
Glossen belegte cbnicella auf Gallien 
beschränkt gewesen sein). 

1917. cimussa .Rand". 

Ital. cimosso, lyon. simusa R. XXXIII, 

ai7. 

1918. *clniussium ,Rand*. 

Afrz. cimois. (Oder zu 2439). 

1919. cincerri (bask.) ,Schelle^ 
Span, cencerro Diez, Wb. 438. — 

Ablt. : cencerron , Traube, die nach der 
Weinlese am Stocke hängen geblieben 
ist, cej-rion , Eiszapfen". (Cen-ion 
STiHFA Diez, Wb. 438 ist lautlich un- 
möglich). 

1920. cinctorium , Gürtel". 

Log. kintordza Salvioni, P.S velletr. 
ientore .Umtuch". (Oder velletr. zu 
1814). 

1921. cinctnm „Gurt". 

Ital. cintOf cinta, lomb. tsenta, val- 
magg. senöa, engad. öinta Salvioni, P.*. 

1922. cinctnra „Gürtel". 
Ual.cinttiro, frz. ceintuve, span., portg. 

cintura. (Ital. centinare, frz. cintrer 
, wölben", ital. centina, frz.cintre „Rüst- 
bogen", „Gewölbe" Diez, Wb. 9.5 scheitert 
an dem frz. -t-, zu 1542 ZRPh. XXII, 
1 52 an pikard. setre ; span. cimbria scheint 
an cimhrar „schwingen", „peitschen" 
angelehnt zu sein, katal. cindria ist ganz 
dunkel. Zunächst bleibt festzustellen, 
ob das Wort von Frankreich oder von 
Italien ausgegangen ist). 

1923. cinerlciiis „von Asche". 
Ital. cenen'ccio. 

1924. cingere „gürten". 

Rum. incinge, mazed. findze, ital. 
ciiu/ere, log. kingere, altengad. tschenger, 
friaul. senzi, frz. ceindre, prov. cenher, 
katal. cenyir, span. ceüir, portg. cingir. 
— Ablt.: rum. cingä, ital. cigna, siz. 
öinga, lucch. cin^n, prov. cenha, rum. 
cingätoare, span. ceüidoi' „Gürtel": aital. 
cinghio „Umkreis", „Bezirk"; obwald. 
iE«! „Weichen"; pikard. st«»«'«?;- „Schürze" 
At. Ling. 1274. — Diez,Wb. 540; ALLG. 
II, 381. 

1925. cingillum „Gürtel", 2. cingel- 
luin. 

2. Siz. öinöe(f(fa, mail. Sinzel, comask. 
senzei „die Ruten, mit denen die Stroh- 
dächer zusammengehalten werden", 
campid. iinge^du Salvioni, P.'. (Ital. 
ginqillo „Tand", „Flitter" Caix, Stud. 
21;" StFR. VII, 245, cindglio „herab- 



hängender Schmuck" Caix, Stud. 21; 
AGlItal. XIII, 407 sind lautlich nicht 
aufgeklärt). 

1920. cingnla „Gürtel", 2. *clluga. 

1. Ital. cöj^/ji«, \o^. ki»^a, fvz. sangle^ 
prov. singla, span. cincha, portg. cilha 
Diez, Wb. 99; ALLG. I, .545. (*Cigula 
für portg. cilhd RL. VII, G8 ist vom 
lat. Standpunkt aus unmöglich und 
nicht nötig). 

2. Rum. chingä. (Kaum aus alhan, 
Tiingälä Tiktin, Wb.). 

1927. cingnlare „umgürten". 

Aital. cinghiare, log. kin^are, frz. san- 
gler, prov. cinglar (> frz. cinglei- „peit- 
schen"), span. cinchar, portg. cinhar. 

1928. cingnlnm „Gürtel". 

Tess. sen^ „von Felsen umgebene 
Weide", bergam. ifen^, \evon. sen^o, abt. 
äendel „einzeln stehender Fels", obwald. 
öengelid. Schneller, Rom. Volksmd. 130. 

1929. ciuis „Asche". 

Ital. cenere, engad. dendra, frz. 
cendre, prov. cenre, katal. cendra. 

— Ablt.: veltl. sendroler, puschl. 
sendrolent „Ofenhocker", „Faulpelz"; 
ittil. cenerentola „Aschenbrödel"; prov., 
katal. cendrada, span. cernada, portg. 
cendrada „Laugenasche"; südwestfrz. 
sädriy „Meise" At. Ling. 844; vionn. 
faedrola „Art Heuschrecke" ; borm. 
iendre, frz. cendrier „Herd". — Diez, 
Wb. 428. (Frz. charrie „Laugenasche* 
ist lautlich mit den entsprechenden 
Wörtern der anderen Sprachen nicht 
zu verbinden, zu carsvm 1820 R. XVI, 
595 ist begrifflich schwierig und scheitert 
an nprov. kairado, limous. Sadras; frz. 
cendrier ciyERARiUM Salvioni, P.- ist 
begrifflich nicht möglich ; portg. cisco 
„Funke" *ci2fiscvLVM RL. III, 140 ist 
lautlich unmöglich). 

15)30. 'cinisia „Asche". 

Vegl. kanaisa, ital. cinigia, log. kijinOf 
friaul. sinize, ostfrz. senis, nprov. se- 
nizo, span. ceniza, portg. cinza ; afrz. 
cenis', regg., moden. tserniza. — Mit 
Suff. W.: rum. cenufa. — -f hru§(i 
7516: kors. kanu^a AGlItal. XIV, 133. 

— Diez, Wb. 438; ALLG. VI, 382; 
Rom. Gram. II, 15; Thomas, Ess. 81; 
AStNSpL. CHI, 219. (Die Suffixbildung 
ist noch nicht aufgeklärt). 

1931. cinnamiim „Zimt". 

Aital. cennanio, veron. cendamo Sal- 
vioni, P.'. 

1932. cinnare „winken", ygl.cennare 
CGIL. V. G21, 39. 



154 



1933. *cinnu3 — 1941. circinare. 



Prov. cenar. — Zssg. : ital. accennare, 
afrz. acener, aspan. acenar. 

1933. »cinnus „Wink\ 

Ital. cenno. — + Signum: engad. 
cen, span. ceno, portg. cenho , Stirn- 
runzeln ". — Zssg.: portg. sobrecenho 
^Runzeln über den Augenbrauen", dial. 
ceno id. — ALLG. I, 545. (Cinnus aus 
dNCiNNUS „Haarlocke" Diez, Wb. 95 
ist begrifflich schwierig, ebenso *AC- 
ciNNAHE nach concinnabe „zusam- 
menfügen" Gr. Gr. P, 503; griech. epi- 
SKYNiON „Stirnhaut" RomF. I, 134 ist 
trotz span. zuüo „Wink" lautlich un- 
möglich). 

1934. *cipellus (zu cippus 1935). 
Dial. span. cevilla „Kummet". 

1935. cippus „Grenzstein", „Pfahl". 
Rum. cep „Astknorren", „Zapfen", 

ital. ceppo „Klotz", comask. sep „Fels", 
engad. öep „Klotz", „Opferstock", „Ar- 
chiv", friaul.^se/) „Stamm", „Geschlecht", 
frz. cep, sep „Rebstock", „Pflughaupt", 
prov., katal. cep^ span., portg. cepo 
„Klotz" ; ital. cej>>^ja„ Wurzelstock", piem. 
sepa „Gestrüpp", portg. cepa „ Rebstock ", 
„Rebe". Auch val-ses. cepa „Stock", 
,Felge"V — Ablt.: küXdihv. Hppedu, San- 
Frat. tsupä „Falle" MILomb. XXI, 301 ; 
frz. soupeau „Scharbaum am Pfluge" ; 
span. cepillo (> portg. cepilho) „Hobel", 
cepellon „Busch von Schößlingen", 
cepiejon „unterer Knorren an einem ab- 
gehauenen Aste". — ALLG. I, 546. 

1936. ciqal (arab.) „Politur". 
Span., portg. acicalar, portg. aqacalar 

„polieren" Diez, Wb. 414; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 35; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 29. 

1937. circa „ringsum", „in der Nähe", 
,bei". 

Avenez. cerca „ungefähr", span., 
portg. cerca „nahe bei". 

1938. circare „umkreisen". 

Rum. cercä „suchen", „versuchen", 
^kosten", ital. cercare „durchgehen", 
„durchsuchen", „suchen", amail. cercar 
„versuchen", venez., päd. tserkar „trö- 
sten", siz, cirkari la testa „kämmen", 
log. kirkare „suchen", engad. cerlier 
„durchsuchen", „suchen", „nachfolgen", 
tirol. Harke „trösten", afrz. cerchier, nfrz. 
cherchet; prov., katal. cercar „suchen", 
span., portg. cercar „umringen". Die 
Angleichung des Anlautes an den Inlaut 
liegt aucli in siz. kirkari vor RILomb. 
XL, 1151. — -|- quaerit: .siz. kerka, 
südital. c^rke MILomb. XXI, 300; 



RILomb. XLI, 886. — Ablt.: acampid. 
cerga „Anleihe" MILomb. XLII, 682. 

— Zssg.: bergam. serkafalie favilla, 
daraus umgestaltet: bergam. sirkali(na), 
bresc. serkaria, mail. cerkaria, ro- 
magn., comask. cerkagriza „Salamander" 
(mit Rücksicht auf die angebliche Un- 
empftndlichkeit des Salamanders gegen 
Feuer) KJBFRPh. V, 1, 132; rum. in- 
cercä „versuchen", prov. encercar 
„suchen", portg. encercar „herumgehen". 

— Diez, Wb. 95; ALLG. I, 546. 

1939. circellus „kleiner Ring". 
Rum. cercel, dalmat. kercellu, siz. 

öiröedda, abruzz. öarceUe, span. zar- 
cillo bedeutet überall „Ohrring"; 
abruzz. öarcelle „Blüte des Nußbaums 
und der Eiche", zagar. coröellu „Träub- 
chen", frz. cerceau, span. cercillo „Faß- 
reif". — Ablt.: siz. inBriiddari, afrz. 
cerceler „die Haare kräuseln", afrz. 
recercele, prov. recercelat „gelockt" 
Diez, Wb. .500; 540. 

1940. circes „Kreis". 

(Frz. cerce „Lehrbogen", „Siebbe- 
schlag", auch cerche, sarche, eher che 
Thomas, Mel. 43 setzt eine wenig wahr- 
scheinliche Umstellung von circite 
zu *CIRTICE voraus, Herleitung aus cm- 
CEN oder circinus ZRPh. XXVI, 401 
ist bei einem Erbwort nicht möglich). 

1941. circinare „einen Kreis schnei- 
den". 

Apad. incercenar, log. kirkinare „ab- 
runden", campid. circinai „verkürzen", 
friaul. sersenä „umkreisen", frz. cerner 
„einschließen", „umrändern", „Nüsse 
auskernen", morv, serne, „kastrieren", 
Schweiz, serna „die Rinde einer Tanne 
ringsherum abschneiden" ZRPh. XXXII, 
18, span. cer cenar „abrunden", „roden", 
portg. cercear „ beschneiden ", „ abkürzen " , 
„vermindern", portg. cernar „einen 
Baum bis auf den Kern anhauen". — 
+ tornare: friaul. torsend „umgeben" 
AGlItal. I, 530. — Mit Suff. W.: val- 
levent. sarcane „Bäume bis auf die 
Wurzel stutzen" ; portg. cercühar „die 
Tonsur schneiden". — Ablt.: velletr. 
corcinatu „unglücklich" (nach dem 
Ringe, den die römischen Sklaven am 
linken Arme trugen), abruzz. circenate 
„ heruntergekommen " (durch Schmerzen), 
davon öuröenarse „in Schmerz ver- 
gehen" ; frz. cerneau „aus der unreifen 
Nuß herausgenommene Hälfte des Nuß- 
kerns", cernoir „Messer, mit dem der 
Nußkern ausgeschnitten wird" ZFrzSpL. 



1942. circinus — 1952. cistus. 



155 



XXVIII, 79; Schweiz. .s^>-/lrtM/a , Tanne, 
deren Hinde zum Zweck der Harzf,'e- 
winnuiiy: abgeschält ist", serfleme, lothr. 
sürsen4, serseni^, Kornenü , Rodung", 
brianz. anrsenä , bebauter Abhang" 
ZRPii. XVIII, 215; XXXII, 28. Die Be- 
deutung „roden* kann sich vom ring- 
förmigen Abschaben der Rinde von 
Bäumen, die man aussterben läßt, er- 
klären ZFrz.SpL. XVI 11. 30 oder von der 
Form der „Rodung" : span. cercen, portg. 
cerce „hart an der Wurzel", „vom 
Stamme weg", portg. cercea „Ober- 
fläche", cerceo „glatt", cerne „Mark des 
Baumes", cernera „Sphnt". — Salvioni, 
P.*'*. (Frz. cenieau zu deutsch Keiti 
Thomas, Nouv. ess. 203 ist lautlich und 
begrifflich nicht annehmbar ; *cir- 
ciNiARK für mröan4 Salvioni, P.^ ist bei 
der räumlichen Begrenzung dieser Form 
wenig wahrscheinlich). 

1942. circinns „Kreis". 

Rum. cearcdn „Hof um den Mond", 
„Ring um die Augen", ital. cercine 
„Tragring", frz. cerne „Ring um die 
Augen", „Jahresring im Holze"; versil. 
rerito cercine „Wirbelwind" ZRPh. 
XXVIII, 178. Auch waall. tsannii „der 
Raum zwischen zwei Mauern in Wein- 
bergen" ZRPh. XXVI, 43? — Diez, 
Wb. 96. (Frz. cerce „Lehrbogen" ZRPh. 
XXVI, 401 s. 1940). 

1943. circitare „in die Runde gehen". 

Rum. cercetä „besuchen", „unter- 
suchen", „beraten". 1- cercfi: cercfitä 

„aufsuchen". 

1944. circltor „Hausierer". 
Alog. kerkitore „Steuereinnehmer". 

1945. circias „Westwind", 2. •cer- 
vius. 

2. Prov., katal. cers, span. cierzo 
Diez, Wb. .541 ; ALLG. I, 544. (Span. 
cecina, cecial s. 4560; ital. cercine 
„Wirbelwind" s. 1942). 

1 940. circalare 1 . „umzingeln*, 2. ,mit 
Reifen belegen". 

1. Ital. cerchiare. 

2. Mazed. n(iarkrarc R. XXXIII, 83, 
ital. cerchiare, engad. cerkler, frz. cer- 
der, prov. celclar. (Span, acechar 
„spähen", „lauern" RomF. VI, 580 s. 
719). 

1947. circnlas „Reif". 

Mazed. jerMin, ital. cerchio, log. kilöu, 
engad. öierkel, friaul. serkli, frz. cercle, 
prov. cercle, celcle, cieucle, katal. cercle. 
Dazu emil. tserin, bologn. tseiri, tseiröd, 
lucch. cerchiale, venez. tsercaro, tirol. 



6er(ier .Dreschflegel" (nach den Ringen, 
mit denen die beiden Teile miteinander 
verbunden sind) Mussafia, Beitr. 123; 
WS. I, 238. {Tseria zu tseröAr „weil 
der Flegel in der Luft einen Kreis be- 
schreibt" ZRPh. XXXIII, 284 ist schon 
darum ausgeschlossen, weil das Verbum 
„umzingeln", „mit Reifen einfassen" 
bedeutet). 

1948. circns „Kreis", 2. kirko» 
(griech.). 

1. Rum. cerc, ital. cerco, log. kirkn, 
span., portg. cerco. — Zssg. : log. kir- 
kuvron^a frondka AStSard. V, 312, 
campid. i^irku e sole, HrkuoTa FOLIA 
ZRPh., Bhtl. XII, 26 „Regenbogen". 

2. Siz. kirku AGlItal. XIII, 470. (Aital. 
ce)'co als neuer Sing, vom Plur. cerchi 
zu cerchio AGlItal. HI, 221 ist nicht 
annehmbar, da auf weitem Gebiete 
ceirhji von cerchi in der Aussprache 
verschieden ist). 

1949. cirrus „Federbüschel". 

Ital. cerro „Büschel", norm. §er 
„Büschel von grünem Hanf", gask. strid. 
Thomas, Nouv. ess. 200, span., portg. 
cerro „Hügel", „Nacken"; arcev. dara 
„Eichenlaub", log. kirra „jjyramiden- 
förmiger Schafstall". — Ablt. : sublac, 
velletr. iei-riüa „großer Korb", bergam. 
serildei „Locken" R. XXVIII, 10(», abruzz. 
serrä, serr^yässe „sich in den Haaren 
liegen" ; log. kirrioln „Fetzen" ; campid. 
öirroni „Last", sirrai „die Reben be- 
schneiden" ; bürg. sor§ö, sargö „Büschel 
Hanf" R. XXXIX, 253. 

19.50. cista „Korb", 

Ital, prov., katal., span., portg. eesta. 

1951. cisterna „Zisterne". 

Ital. cisterna, mail. sisterna „Abtrilt- 
grube", frz. citerne; siz. , kalahr. yisterna, 
alog. ff ister ra; bergam. sosterna, istr. 
dznsterna, kalabr. yttsterna, adalmal. 
gustierna. — + rvTEVS : bellun. piis- 
tierna Mise. Rossi-Teiss 412; durch slav. 
oder magyar. Vermittlung rum. cetirnä, 
ceatirnä „Rinne", „Dachrinne", , Wein- 
kufe". Welches Wort das -u- ver- 
schuldet hat, ist fraglich, vielleicht 
JUTi'RKA „Name verschiedener Quellen", 
„Quellennvmphe" ZRPh. XX VH, 106; 
623; XXVHI, 362; XXXIII, 84. 

1952. cistas (griech.) (Strauchart). 

Ital. cesto „Strauch", „Busch", „Bü- 
schel". (Die Annahme der Verallge- 
meinerung der Bedeutung setzt voraus, 
daß der cisti's benannte Strauch in 
Italien sehr verbreitet war oder ist. 



156 



1953. cithara — 1965, *classum. 



ÜAESPES Diez, Wb. 364 paßt im Vokal 
und in der Bedeutung nicht). 

1953. cithara (Saiteninstrument), 
2. kitliara (griech.). 

1. Vivim. cetera, ital. ce^<?r«, altuengad. 
tiichaidra, piov. cedra, [af'rz. citre, ci- 
tare, citale, prov. ciclra, citola, katal. 
citara, span. citara, portg. cithara]. 
Die genauere Bedeutung des afrz. und 
prov. Wortes läßt sich kaum ermitteln 
RomF. XXII, 67; 68. — Salvioni, P.^. 

2. Ital. chitarra (/> ivz.guitare, span., 
portg. guitarra) „Guitarre". — + quin- 
ttis : avenez. qnintarna, mfrz. quititerne, 
da die Guitarre in manchen Formen 
fünf Saiten hat. — Diez, Wb. 97; 
Mussafia, Beitr. 92. 

1954. cito „schnell", „sogleich", 
2. citto, 3. citius. 

1. Span. cedo. 

2. Ital. cetto. 

3. Log. kitto, campid. kittsu „zeitig". 

1955. citrago „Zitronenkraut". 
Aital. citraggine Salvioni, P.i. 

1956. citriolani „kleine Zitrone". 
Ital. cetriuolo, neap. öeirüel^ O ital, 

citriillo > frz. citrouille). Die im 
16. Jhrh. vorkommende Form frz. ci- 
trulle weist wohl auf schriftliche Ent- 
lehnung, entspricht also nicht einer Aus- 
sprache mit -;■(- Gohn, Suffwandl. 232; 
Rom. Gram. 11, 423. (Ein *citrucula 
anzusetzen liegt kein Grund vor, da 
es sich um einen in Frankreich aus 
Italien importierten, erst im 13. Jhrh. 
auftretenden Begriff handelt, Italien aber 
kein *citrocchia kennt). 

1957. citrus „Zitronenbaum". 

Ital. cedro, log. kidru, [span., portg. 
cidrö\. — Ablt. : log. kidrinu „gebrech- 
hch", „zart", campid. cidrinu „lang", 
-„steif" (von Menschen) AStSard. I, 144. 
— Zssg. : prov. poncire, nizz. immsiri 
„Zitrone". (Rum. chitrti stammt aus 
dem Ngriech.). 

19.58. civicns „bürgerlich". 

Vegl. coc „Bauer". Bartoli, Dalmat. 
II, 449 V 

1959. civitas „Stadt". 

Rum. cetate „Schloß", „Festung", 
vegl. citiwt, ital. cittä, engad. öited, frz. 
cite, prov., katal. ciutat, span, ciudad, 
portg. cidade; afrz, clt, prov. cm sind 
Kurzformen, entstanden in der Verbin- 
dung mit de und dem Städtenamen, — 
Ablt. : ital. cittadella{y frz. citadelle, span. 
ciudadela, portg. citadella) „Zitadelle"; 
rum. cetiqean, ital. cittadino (> frz. 



citadin), frz. citoyen, prov, cmtadan,. 
span. chidadano, portg. c/rfarfäo„Städter ", 
„Bürger". — Diez, Wb. 100; ALLG. 
I, 546; Rom. Gram. I, 350. (Afrz. cit, 
prov. eiu *civite Thomas, Ess. 268,. 
bloß graphische Abkürzung AStNSpL. 
CHI, 230 ist unwahrscheinlich). 

1960. clartes „Niederlage", 2.*cladia* 
2.Rum.j>«a^a „schlechtes Vorzeichen", 

piez „Unheil" Pu§cariu, Wb. 351. 

1961. clainare „rufen", „nennen". 
Rum. chemo, vegl. klamnar, ital. 

cJiiamare, log. gamare, engad. clamer, 
friaul, klamä, afrz. clamer, prov., katal. 
clamar, span. llamar, portg. chaniar. 
— Ablt.: portg. chamada (> frz. cha- 
madc) „Trommelsignal als Zeichen der 
Kapitulation". — Zssg. : mazed. qkUmu- 
rare „heulen", „weinen" AARom. XXIX, 
245. — Diez, Wb. 97; .542. 

1962. *claria „Eiweiß" zu [1963). 
Frz. glaire, prov. glaira Diez, Wb. 

597. (Die Ableitung -/« fällt auf, noch 
mehr die nprov. Formen , die z. T. 
glaryo lauten und weder mit dem Re- 
flex von AREA noch mit Suffix -aria 
stimmen. Ein begrifflicher, Zusammen- 
hang mit GLAREA 3777, der frz. glaire 
lautlich erklären würde, ist nicht recht 
ersichtlich. Das eigentliche nprov. Wort 
ist blan oder klarö). 

1963. clarus „hell", „deutlich". 
Arum. chiar „rein", „klar", nrum, 

chiar Adv. „nur", „sogar", ital. cMaro,. 
log. garu, engad. kler, friaul. klar, afrz. 
der, nfrz. clair, prov., katal. dar, [span,, 
portg. claro]; mit Umgestaltung nach 
-ARiu: piem., lomb. cair AGlItal. I, 275; 
IX, 225; Rom. Gram. II, 403; RILomb. 
XLI, 881 ; ital. chiara, prov. clara, glara 
„Eiweiß", Y%\.1962; crem. rfm?-„ selten", 
vgl. venez., ferr., parm. care volle id., 
frz. dair-semS „schütter" Mussafta, Beitr. 
43. — Ablt. : afrz. claron Q> ital. da- 
rone), nfrz. clairon „ein helltönendes 
Blasinstrument", frz. darin (^ span. 
darin) id., frz. clairet „eine Art Wein", 
„blaßrot", frz. dairiere „Lichtung im 
Walde", prov. dariera „Fenster". [ — 
Zssg.: gen. cabela „Leuchtwürmchen" 
Salvioni, Lampyr. ital. 18. 

1964. classis „Abteilung". 
Ital. chiasso „enge Gasse". 

1965. *classuin „Lärm" (Rückbild, 
von condassare „zusammenrufen"). 

Ital. chiasso, afrz., prov. das, nfrz. 
glas, glais „Glockengeläute". — Ablt.: 
ital. diiassare „lärmen". (Das frz. g- 



1966. clatrum — 1977. clavellus. 



157 



und -ai- zeigen Aiilehiiunj,' an glai 
„Lärm"; glais classicum „Trompeten- 
signal" ist lautlich nicht möglich, auch 
für ital. chiasso kann classicum weder 
nach Form noch nach Bedeutung in 
Betracht kommen). 

1966. clatrnm , Gitter". 

Lucch., pistoj. catro „Gitter aus Holz 
oder Dornen", kors. katero , enger mit 
einem Gatter abgeschlossener Seiten- 
eingang" Mussafia, Beitr. 68; AGlItal. 
XII, 118; XV, 386, südital. kyatru, siz. 
fce<rw .Eis", „Zuckerguli". — Ablt.: siz. 
nhyatmri „gefrieren", „verzuckern", „er- 
starren" RDRom. I, 242; RILomb. 
XLIII, 611. {Cbates ZRPh. XXII, 467 
macht mit dem Geschlecht Schwierig- 
keit und zeigt eine im Tosk. sonst nicht 
übliche Umstellung des -r-, zum Schwund 
des -l- vgl. 3768; ahd. kataro „Gatter" 
Caix, Stud. 260 kommt nicht weiter in 
Betracht). 

1967. clandere „schließen". 
Mazed. ktidere, ital. chiudere, piem. 

iode, engad. khigit-, uengad. klauder, 
frz. clore, prov. claure, cluire, katal 
dourer, galiz. ehoer, aportg. chouvir 
Partizip, prov. chis „dunkel" , „tief- 
sinnig", „gründlich". — Zssg. : ital 
schludere, frz. eclore „aufschUeßen" 
aniail. resgiosso „Gefängnis" , nraail 
7'esios „Gestank". — Diez, Wh. 97; 
ALLG. 1, .048; Salvioni, P.\ 

1968. claudus „hinkend". 
Afrz. clo, prov. clau. 

1969. *clansicare. 

Portg. rhoscar „die Augen schließen" 
RL. III, 139. 

1970. clausio „das Schließen", „Ver- 
schluß". 

Frz. cloison „Verschlag", „Scheide- 
wand", in nfrz. Mundarten mehrfach 
für „Wand" und in diesem Sinne in 
der nordfrz. Form auch nach dem Sü- 
den gedrungen At. Ling. 973, prov. clau- 
z6. — + i^AFi'KS: lyon. soizö. 

1971. claustellum „kleiner Riegel". 
Ital. chiavistello. 

1972. claustruni „Verschluß", „Rie- 
gel", „Kloster". 

Ital. chiosti'o „Kloster", chiostra „von 
Mauern umschlossener Platz", mail. 
sostre, sostra „Holz- und Ziegelmagazin", 
friaul. klostri „Riegel", montbel. §otr 
„eingehegtes Feld" , prov. claustre 
„Kloster", [span., portg. claustro id.]. — 
+ cloison: frz. cloiire „Kloster". — 
Zssg.: avenez. enclostro „Kloster". — 



ALLG. I, 547; Salvioni, P.». (Engad. 
culuoster „Türriegel" zeigt eine unge- 
wöhnliche Behandlung des -««-, die 
vielleicht aus Beeinflussung durch 
*cuoster cusTos 2427 zu erklären ist). 

1973. claasnm „eingeschlossen". 

Mail., comask., verzas. ööa „einge- 
friedigtes Grundstück", „Weinberg", 
„Feld", avicent. chiosso „Hütte", frz. 
dos „eingefriedigter Weinberg", champ. 
työ „geschlossener Gemüsegarten", arag. 
llosa „Grundstück". — Mant. nos foza 
„gute Nuß" R. XXXVI, 241. 

1974. clansura „Verschluß". 

Ital. chiusura, lecc. kyasura, kesura 
„Mauer um ein Grundstück", „ Grund- 
stück ",apul.A-«.9»r«„ Grundstück ",bellun., 
venez., vicent. iezura, grödn. tlezura 
„kleines Grundstück", alog. clansura, 
desiira, nlog. krujura, kreziira „Zaun". 
— Mit Suff. W.: veron. iezara, mant. 
iüzara „Schloß". (Das -e- ist unerklärt, 
Einfluß von caesa 1471 R. XXII, 313 
ist zweifelhaft, weil caksa dem Sard. 
fehlt, mgriech. kl'mira Bartoli, Dalmat. 

1, 236; II, 431 ; Mise. Horlis 891 stammt 
erst aus dem Lat. und erklärt das -e- 
nicht genügend, Ferndissimilation von 
-«- — -u- zu -e- — -«- RDRom. I, 99 
hat keine anderen Entsprechungen). 

1975. clava „Pfropfreis", „Keule". 
Sulzb. glavo „Nudelwalker". — Ablt.: 

piem. kavaya „Stock des Dreschflegels" 
ZRPh. XXXIV, 285; trient. znrd „Stock", 
veltl. <;«rrt/s „Schaufel", ßararot „großer 
Rübrstock", puschl. klaot „Zahn", klavit 
„Finger" AGlItal. XVI, 375; klan „Stock" 
RILomb. XXXIX, 511, misox. söava 
„Stock zum Herabschlagen von Obst" 
AGlItal. XVI, 324, val-magg. igaratsA 
„Ruderschlag", engad. Slacatser „wer- 
fen" RILomb. XXXIX, 506; judik. gla- 
vadula „Hölzchen der Spule" ; campid. 
skraiigai „die Kornhaufen ausschlagen' 
AStSard. V, 224; span. chabasca „Reis", 
„Gerte", chaborra „junges Mädchen' 
Diez, Wb. 439. (Bei der campid. Form 
fällt -r- auf; der Anlaut der span. 
W^örter weist auf eine westliche Mund- 
art). 

1976. clavella „kleiner Pflock". 
(Misox. kanevela „Fingerknöchel' 

KJBFRPh. VII. 1, 133 ist lautlich kaum 
möglich). 

1977. claveHas 1. „kleiner Nagel", 

2. „kleines Geschwür", „Furunkel*. 

1. Ital. diiacello, bress.-Iouh. klactfi 
„Haken', prov. davel, katal. dacell 



158 



1978. *clavica — 1992. clinus. 



(> span. clavel, campid. gravellu) ^Ge- 
würznelke\ — Ablt.: lyon. Maveliri 
, Ranke"; kalal. clavellina (> log. gra- 
velUna) , Nelke". 

2. Alomb. chtavelo, piem. cavel, gen. 
cavelu, San-FraX. cavieu, cdim])i6. dzueddu 
AGlItal. XII, 395; MILomb. XXI, 265; 
AStSard. I, 430. 

1978. *clavica „Keule". 

Rum. ghioagä JBIRumSpLeipzig XII, 
109. 

1979. clavicula „Pflock", 2. ca- 
vicla CGIL. II, 563, 35. 

1. Katal. clavilla, span. clavija, portg. 
chavelha, portg. chavelho „Hörner des 
Ochsen", „Hammels" usw. Auch astur, 
calahia „Henkel", „Griff", interam. ka- 
ravelha „großer Türriegel"? 

2. Ital. cavicchia, frz. cheville, prov. 
cavilha (> ital. caviglia, neap. gaveta, 
span, cavilla, portg. cavilha). Nprov. 
z. T. kaUho At. Ling. 273. Das Wort 
bezeichnet im Ital., Rät., Frz., Prov., 
Katal. den „Fußknöchel" RomF. XIV, 

473 ; ebenso veron. katica. \- cafut 

1668: log. kabiya „Pflugnagel". — 
Ablt.: amarch. caviglare, frz. cheviller 
„anbolzen", frz. chevil „Teilkloben" 
Gade, Handwerkzgn. 7, — Diez, Wb, 
94; ALLG. 1,543; VH, 381. {Catitula 
R. V, 382 wird durch ital. und prov. 
-V- widerlegt). 

1980. *claTiflgere „kreuzigen". 
Afrz. cIoufir(e). 

1981. clavis „Schlüssel". 

Rum. cJieie, vegl. kluf, ital. cJiiave, 
log. gae, engad. klef, friaul. klaf, frz. 
clef, prov., katal. clau, span. Have, portg. 
chave; mazed. kfaie „Handgelenk", süd- 
westfrz. He, Schweiz, kfa „Faßhahn" 
At. Ling. 1160. — Ablt.: frz. clavier, 
'campid. kriai „zuschließen" RILomb, 
XLII, 691, krieddu „Schloß", inkrieddai 
„hineinzwängen" KJBFRPh. XI, 1, 172. 

— Zssg.: mlat. clavicymhalum (^ ital. 
clavicemholo, mfrz. clavicymhale, clavecin, 
span. clavecimhanö) Diez, Wb. 101, 

1982. *clavitorius (?) 

Rum. chcotoare „eines der zwei Bänd- 
chen am Kragen des Bauernhemdes", 
„eine der vier Ecken des Bauernhauses" 
Tiktin, Wb., mazed. kUtor „Topf mit 
hermetisch verschließbarem Deckel", 

1983. clavnla „Pfropfreis". 

Judik. t'a^üa „kleiner, dürrer Zweig", 

— Ablt.: not. cauluni „Pfropfreis" 
ZRPh. XXin,517; Salvioni, P.^. (Misox. 
kanavla „Knöchel", bellun. kanoya id., 



friaul. konole „Puls" KJBFRPh. VII, 1, 
133 ist lautlich schwierig, vgl. 4721). 

1984. clavus „Nagel", 2. claus 
Einführung 131 a) „Nagel", b) „Fu- 
runkel". 

1, Log, gau. 

2 a. Ital. chiodo, chiovo, avenez. dold, 
parm., regg, iold, piac. cod, friaul. Hrntt?, 
frz. dou, prov., katal. dau, [span. davo, 
portg. cravo]. — Ablt.: acampid. da- 
barse „zu einem Besitze gehören", frz. 
doutüre, crottiere „Nageleisen"? Beh- 
rens, Frz. Wortg. 68; dol. klavür 
„Schloß", galiz. crabudo „ein Fisch" 
(spinax) RLRoni, LIII, 33, Auch log. 
mkardzu, campid, inkrata „Gergel" 
RILomb, XLII, 822? 

2 b. Aital. chiodo, fläm. klo, lütt. 
arda klo. (Die ital. -rf-Form steht wohl 
unter dem Einfluß yon claudere D'xez, 
Wb. 364; Ital, Gram. 35; ALLG. 1,547, 
kaum nach mo: modo ZRPh. XXIV, 426, 
ist auch nicht wohl rein lautlich ent- 
standen Mussafia, Beitr. 43; AGlItal. II, 
334), 

1985. clerica „Tonsur", 

Ital, chierica; piazz. kirku „Hahnen- 
kamm". 

1986. clericatus „Geistlichkeit". 
Ital. chiericato, frz. derge. 

1987. clericus „Geistlicher", 

Ital. chierico, frz., prov. derc; piem, 
(Ju al cerigin, trevigl, cereget „Spiegelei" 
AGlItal. XV, 282. 

1988. cleta (gall.) „Hürde". 

Piem. ceya, frz. claie, prov. deda, 
katal. deda „Fenstergitter", portg. che- 
das „Seitenbretter des Wagens", auch 
valenc. cZerfe Mask, „Brustwehr"?; afrz. 
claie de la main „Handrücken". — 
Diez, Wb. 548; ZRPh, XX, 467; AGlItal, 
XIV, 364. 

1989. clima (griech.) „Neigung". 
Abruzz. Mime „Neigung", „Hang". 

1990. clinare „neigen". 

Ital. chinare, afrz. cliner, prov. clinar 
ALLG. I, 547; VI, 382. Vgl. 1992. 

1991. *cliniare „die Augen senken". 
Frz. digner „blinzeln", vionn. pene 

„die Ohren spitzen". — Ablt.: frz. din 
„BHnzeln" Diez, Wb. 549; ALLG. I, 547. 
(Begrifflich nicht recht einleuchtend). 

1992. *cliiius oder -is „angelehnt", 
„geneigt". 

Ital. chino, afrz. din, prov. cU ALLG. 
I, 547. (Clinus wird durch ital. chino, 
CLINJS durch acclinis näher gelegt; 



1993. clivus — 2003. coactus. 



159 



vielleicht handelt es sich aher um ro- 
manische Neubildungen von l!)9ü). 

1993. cllTus ,Abhang% , Hügel*. 
Friaul. kleve , abschüssige Straße", 

veltl. ^:ef , abschüssig" Salvioni, P.*. — 
Abk.: lucch. chivicello „Gipfel" AGlItal. 
XVi, 437. Die -e-Form ist in Orts- 
namen in Nordost-Italien ziemlich ver- 
breitet AGlItal. XV, 479. 

1994. cloaca , Abzugskanal". 

Ital. chinvica, sen. chioca, pistoj. 
chiöclina, parm. öodnu, chian. kyökana; 
ragus. coacla; dial. portg. coJaga , enger 
Weg" ZRPh. XXVIII, G02. — Ablt.: 
valenc. clavegera , Kloake". — Diez, 
Wb. 364; AGlItal. 111,389; Caix, Stud. 
268. 

1995. *clocca , Glocke". 

Lomb., parm., venez. 6oka, amail. 
ciocca, piem. coka, frz. cloche (/> nprov. 
cloco) , Kirchenglocke", astur, llneka, 
portg. choca „Kuhschelle"; venez., ferr., 
romagn. (oka (y ital. ciocai) „große 
Weintraube", „Bündel", „Büschel" ; 
piem., gen., lomb., emil., venez. öoka 
(> lucch. chiocco, engad. kok) „Be- 
trunkenheit", ^o^• „betrunken" R. XXXVI, 
2.38? — Ablt.: comask., parm. öokä 
„läuten", bresc. cuk, gen. öokn „Glocken- 
schlag"; frz. roqueref „Judenkirsche", 
coquerelle „Küchenschelle", „Juden- 
kirsche" Behrens, Frz. Wortg. 58; 
apikard. cloqueman „Küster", „Leit- 
hammel". (Ursprung dunkel, ags. 
dugye, ahd. glockn scheinen irische 
Lehnwörter zu sein, und auch die ro- 
manischen Formen gehen vielleicht auf 
ein uririsches ciocca, altir. cloc Mask. 
zurück, das mit der Sache von altirischen 
Mönchen auf das Festland nach Nord- 
frankreich und nach Bobbio gebracht 
worden wäre. Von Bobbio aus erklärt 
sich die Verbreitung über Norditalien, 
für Nordspanien und Portugal kommt 
der berühmte Pilgerweg nach Santiago 
in Betracht. Danach wäre die Bedeu- 
tung „Kuhschelle" erst sekundär. Ob 
der letzte Ursprung in einer Schall- 
nachahmung liegt Thurneysen, Keltorom. 
95, bleibt danach für das rom. Wort 
gleichgültig. Zu Cochlea 2011 SBPh 
HKlAWWien CXLI, 3, 11 ist lautlich 
schwierig und erklärt die geographische 
Verbreitung nicht. Ital. ciocca „Büschel" 
zu hd. schock Diez, Wb. 100 geht laut- 
lich und begrifflich nicht. Äital. in 
cJnocca „in Menge" SBPhHKlAWWien 
CXLI, 3, 85 ist bedenklich, weil chioc- 



ca sich jenseits des Apennins nicht 
findet). 

1996. "^cloppicare „hinken". 
Mazed. ^ktojjicare, piem. äukd, frz. 

clocher, prov. clopchar. — Mit Suff. W. : 
rum. ^chiopäUX. — Diez, Wb. 550. (Clau- 
DiCAJtE AGlItal. XV, 108 würde allen- 
falls für das Frz., nicht aber für die 
anderen Sprachen passen). 

1997. cloppos „hinkend". 

Rum. §chiop, afrz., prov. dop. — 
-f clochief. afrz. cloche. — Diez, Wb. 
550; ALLG. I, -547. 

1998. clupea „Alose" (ein Fluß- 
fisch), 2. clipca. 

1. Astur, chopia, span. chopa, galiz, 
jouba, vgl. serb.-kroat. kohla. 

2. Venez., veron., trevis. öepa ; ital. 
cheppia „Wels". ~ Diez, Wb. 364; 
Salvioni, P.*. 

1998a. *clnsiare „schließen". 

Log. kujare „vernarben", inkujare 
„ein Besitztum zur Weide einzäunen", 
kniju „Besitztum" AStSard. V, 233. 

1999. coactare „zusammendrücken*. 
Parm. kuatar „zudecken", log. kattare 

„ zusammendrücken " . 

2(XX). *coactiare „zusammendrOk- 
ken". 

Engad. squiöer „quetschen", afrz. 
quacier „zusammendrücken", „gerinnen" 
Förster, Yvain 6129; R. XXVII, 317. — 
Zssg.: lyon., forez. s'akasi, dauph. sakasä^ 
hlais. s'akase, saintong. s'rtÄ:ose„ hocken". 
Das -t- im Engad. kann schallnach- 
ahmend sein, vgl. nprov. esquicha. 

2001. *coactlcare ,zusammendrük- 
ken". 

Frz. cacher „verstecken", prov. cachw\ 
quichar. — Ablt. : frz. cachet „Petschaft", 
cachot „Gefängnis", ecacher „zer- 
quetschen" Diez, Wb. 316; ZRPh. IX, 
140. (Zweifelhaft, namentlich wegen 
der prov. Formen; span. cachar „zer- 
breclxen" s. 1445, acachavse, agacharse 
s. 200S). 

2002. *coactire „pressen". 

(Afrz. caitir, gatir, nfrz. catir „dem 
Tuche die Glanzpresse geben* , prov. 
quatir „pressen*. — Ablt.: frz. cati 
„Glanzpresse* Diez, Wb. 260; Cohn, 
SutTwandl. 115; Förster, Yvain 6129 
geht nicht, da die Grundlage -tt- oder 
■2)1- haben muß und eine Ferndissimi- 
lation c- — -c- zu <•- — -j)- oder -t- 
bisher keine Parallelen hat). 

2003. coactus „gepreßt". 

Ital. quatto »platt*, bresc. qua<i „Alp- 



160 



2004. coacula — 2009. coccum. 



drücken", prov. quait, span. cacho, gacho 
, gedrückt", ^müde", ,,gepreßte Milch", 
gachas , Art Milchbrei ". — Ablt.:span. 
acacharse, agacharse ,sich nieder- 
drücken". — Diez, Wb. 260; R. XXIX, 
352. (Im Span, erwartet man -e-, doch 
könnte, soweit es sich um ein Milch- 
produkt handelt, guajo „Laab" 2006 
eingewirkt haben). 

2004. coacnla (Schall wort) „Wach- 
tel". 

Frz. caille, prov. caJha (^ ital. qua- 
glia, aspan. coalla). >Vgl. 6624, die 
Olosse larix : coacula CGIL. III, 567, 60 
wäre danach in ortyx: coacula zu 
verbessern. (Zusammenhang mit ahd. 
quahtela FrzSt. VI, 74 oder niederl. 
kwakkel ist möglich, direkte Herleitung 
daraus Diez, Wb. 259 nicht wahr- 
scheinlich, bie ital. Form ist wohl 
zunächst ein Küchenausdruck AGlItal. 
XIII, 413). 

2005. coagnlare „gerinnen". 

Rum. inchegä, ital. quagliare, engad.- 
■sHtiquaglier, friaul. kaglä, frz. cailler, 
prov. calhar, katal. callar, span. cuajar, 

portg. coalhar. \- gaglio „Laabkraut" : 

ital. cagliare O log. kadzare) AGlItal. 
XIII, 443. — Zssg. : frz. caillelait „Laab- 
kraul", caillebotte „Quark", „wilder 
Schneeball" Behrens, Frz. Wortg. 38. — 
Diez, Wb. 259; ALLG. I, 548. (Oder 
ital. cagliare aus dem Frz. Mise. Hortis 
•918). 

2006. coagulnm „geronnene Milch", 
Rum. chiag, aret. gacchio, ital. caglio 

■(> log. kadzu), engad. quegl, friaul. 
kali, afrz. cail, prov. calh, katal. call, 
•span. cuajOy portg. coalho. Daneben 
venez., päd., val-sug. konago, friaul. 
■konai als eine Art Rekomposition : 
*C0NAGULUM AGlItal. XVI, 296. Ital. 
. caglio zeigt Beeinflussung durch gaglio 
„Laabkraut". — Ablt.: gallur. kaluka 
„Laabkraut". 

2007. coaxare „krächzen". 

Span, quejar O katal. queixar, log. 
■ke(n)sare), portg. queixar „wehklagen". 
— R. IX, 134; ALLG. V, 128; LBlGRPh. 
XXII, 298. (QuAESTABE Diez, Wb. 479, 
*QUAESTiABE ZRPh. V, 247 sind laut- 
lich nicht möghch). 

2008. coccinus „scharlachrot", 2. kok- 
kinos (griech.). 

1. Mazed. coa}in „weißes Schaf mit 
braunrotem Kopfe" Pu§cariu, Wb. 385, 
-engad. kööen „rot". Auch span. cuencha 
.„feurig roter Ocker". — Ablt.: ital. 



cocciniglia (^ frz. Cochenille, span. 
cochinillä) „ Scharlach wurm " . 

2. Messin. kökkinti „ein Fisch" (trigla 
lineata). 

2009. coccnin „Fruchtkern", „Schar- 
lachbeere". 

Ital. cocco „Ei", „Eierschwamm" 
AGlItal., Suppl. V, 202; „Scharlach- 
beere", regg. kok „Nuß", bergam. kok 
„Knospe", obwald. kok „Obstkern" ; 
abruzz. kokk§ „Nuß", reat. kokka „Nuß", 
„Mandel", „Kastanie", venez., crem., 
parm., piac. koka „Nuß", bergam. koka 
„Wacholderbeere", „Kastanie", uengad. 
koka „Beere", friaul. Ä-oÄ'CnNuß", nprov. 
koko „Mandel", „Kastanie", portg., galiz. 
coca „Hirnschale", „nackter Hinterkopf", 
„häßhche Figur", „Popanz", „Fratz", 
„Kokosnuß" (da die letzteie einem Ge- 
sicht gleicht) KJBFRPh. IV, 1,347, rum. 
coöa „Art Kuchen", log. kokka „rundes 
Brot". Mit auffälligem Vokal: engad. 
kuk „Stein", span. coca „Nußschale", 
„Muschelschale"; ital. cucco „Ei", ve- 
nez. kuka „Nuß, „Kopf", span. cuca 
„Erdmandel", astur, cuca „Maisschober", 
„Strohschober". — Ablt.: ital. coccola 
„Beere", „Zypressenzapfen", „Kopf", 
abruzz. kokkele „grüne Schale der Nuß" 
oder „der Mandel", neap. kokkole „Schale 
der Nuß", „des Eies", „Ei", kuokkelf 
„Eischale", sard. kokoro „Nuß", obwald. 
fcoÄ*?« „Beere", bellun. ä;oä;ä;o^ „Schnecken- 
haus", „Schale", kökola „Hautblase", 
afrz. cocle „Schnecke"; lucch., versil. 
kyokka „Kopf", neap. kyokke „Kopf", 
„Schläfe", irp. kyokka „Schädel", „Ge- 
hirn", abruzz. sklokke „unreife Feige", 
gen. coka „mit der Schale gedörrte 
Kastanie", span. chueca, portg. choca 
„Kugel"; -j- ciuffo 8874: lucch. chiucco 
„Haarschopf" ; mail. kokorin, rouerg. ku- 
koreko „Tannenzapfen", abruzz. kuku- 
lette de cepresse „Zypressenzapfen" ; 
mail., parm. kokon „Eierschwamm", 
neap. kokon§ „Eidotter", ital. coccone (> 
frz. cocon) „Seidenraupengespinst", ve- 
nez. kokon „zum Knoten gewundenes 
Haar", „Chignon" ; %ex\. kuketu (> log. 
kokkefta) „Seidenraupengespinst", piac. 
kukula, piem. kokula „Gallapfel" : nprov. 
kukarel{ö) „Schnecke", „Tannenzapfen", 
rouerg. kukarelo „Eierschwamm", nprov. 
kakaroto „Nußschale", „Kopf". Auf die 
Kind ersprache Frank reichs ist beschränkt: 
caquet „trockene Nuß", b.-manc. kakö 
„Ei", limous., langued. kako „Nuß", 
„Kastanie", mit einem Ablaut -a e- 



2010. coccymelum — 2011. Cochlea. 



161 



oder -a- — -o- sinll -o- — -e-, -o- — -o-, 
dessen letzten Griliule nicht hekannt 

sind. \- nocriolo 'lUS^i: luccli. kocforo 

,Nuß*. — SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 
IM; Mise. Ascoh 235; LBlGRPh. XXII. 
117. (Frz. voque , Eischale", , Nuß- 
schale", „zum Knoten gewundenes Haar" 
müßte, wenn es anfroren beruht, pikard., 
norm., was begritllich unwahrscheinlich 
ist, oder aus atVz. cocle entstanden sein; 
span. coco „Nußschale", , Muschelschale" 
fällt mit -o- statt -ne- auf; ital. cocca 
, Spindelkerbe" (zunächst „der Knopf der 
Spindel", dann die darunter befindliche 
„Spindelkerbe", dann „Kerbe" überhaupt), 
mail. kokona, mant. kokola „Spindel- 
kerbe", „Kerbe", frz. corhe „Kerbe" 
gehören wohl eher hierher als zu 2011 
SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 8.5, span. 
hueca „Kerbe" zeigt nicht genügend er- 
klärten Schwund des c-; ital. cuccagna 
„Überfluß an Essen" (besonders zu 
Ostern), „SchlarafVenland" ZRPh. XXVI, 
323; ital. cncco, coccolo, coccoUno „Kose- 
wort für Kinder", venez. kokolozo „her- 
zig", „lieb", „nett" von cocco „Ei", „Süßig- 
keit" SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 2."i sind 
teils lautlich, teils begritflich schwer 
annehmbar; megl. cocd „Kopf" ist alban. 
kok^ Aia§I XVI, 129, rum. coacäzä ist 
.benfalls alban. R. XXXIII, 74. Rum. 
rncoafä „Buckel", „Höcker", gogoa§ä 
.Gallapfel", „Flausen", „Lügen" ZRPh. 
XXVI, 321 entfernen sich auch in der 
Form. Herleitung eines großen Teils 
der hier angeführten Wörter von 
COCHLEA 2011, bzw. Umgestaltung von 
COCHLEA nach coccvM SBPhHKlAW 
Wien CXLI, 3, 18 ff. ist weder formell 
noch begriftlich nötig, z. T. ganz un- 
wahrscheinlich, Einfluß von cacaue auf 
frz. caco ebenda Seite 26 nicht über- 
zeugend; ganz dunkel sind prov. cacn- 
rau, cacalauso „Schnecke", „leere Nuß", 
j)rov. caraganlo, katal. caragol, span., 
portg. caracol „Schnecke* SBPhHKlAW 
Wien CXLI, 3, 33. Log. kukkuru Mise. 
Ascoli 23,5 s. 2359, frz. cochon Diez, 
Wb. 550 s. 4743). 

2010. coccyineliim „Pflaume". 

(Prov. kukumelo (> frz. coqnemelle), 
span. cogomelo, portg. cogumelo „Cham- 
pignon", „Trüffel" Gr. Gr. P, 925 ist 
nach Form und Bedeutung schwierig, 
zu crcuMis Dict. Gen. ist auch nicht 
recht verständlich). 

201 l.cochlea.Schnecke", „Schnecken- 
haus", 2. clocea CGIL. V, 543, 22, 



3. '"cocia, 4. *cocnla, 5. ^cocilfly 
6. *cIoca. 

1. Ahruzz. kokkgf „Scherbe*, „Schale", 
„Rinde", reat. kokkya, pistoj. krokkya 
„Scheitel", „Kopf", „im Nacken zusam- 
mengelegte Haarflechte" ; kalabr. knrkya 
„Schale des Eis", „Schale von Früch- 
ten", „Rinde" usw. — Ablt.: abruzz. 
k6kkyfl§ „Brotkruste", irp. kudkkguolo 
„Schale", kökkyola „Rinde", kalabr. 
kuökkyulu „Eierschale", „Schorf" ; siz. 
krökkynln „Muschel", abruzz. krdkkyflf 
„Zwiebelschale", reat. krukkyolo „.Schale 
von Nüssen", „Kastanien", „Hülse von 
Bohnen", skrnkkyulä „enthülsen". 

2. Siz. krottsa „runder Kiesel", „Kopf", 
„Schädel", teram. hlodf^ „Eidoller". 

3. Ital. coccia „Schale" , „Rinde", 
„Kopf", coccio „Schale" , „Scherbe", 
„kränkliche Person", ancon. kocÖa 
„Blumentopf", „Bläschen auf der Haut", 
siz. kottsu „Hinterkopf", abruzz. kotts^ 
„Rinde", „Kruste", neap. kotts^ „Hinter- 
kopf", „Genick", kalabr. An<o«Mt id., frz. 
cosse „Schale der Hülsenfrüchte"; aital. 
croccia „Auster". — Ablt.: siz. köttsula 
„Schale der Weichtiere", „Schorf", cani- 
pid. (y log.) köttsiilu „Schnecke", „Mies- 
muschel ";sassar.fc({«SM/» „Osterkuchen" ; 
kalabr. knttsula „trockene Feige" ; 
abruzz. kuttsettf, kalabr. kottsiettu „Hin- 
terkopf", neap. kottsale „Hinterkopf", 
„Genick", log. {b)attile, campid. ottsili, 
attsili „Hinterkopf", „Nacken" AGlItal. 
XIV, 393, log. kottilozu „eigensinnig", 
„anmaßend"; neap. kuttsetiell^. „Brot- 
ranft", köttsfkf „Rinde", „Kniste" ; 
ital. accozzare „mil den Hörnern stoßen", 
cozzo „Stoß mit den Hörnern" Caix, 
Stud. 24; log. akkottare „zusammen- 
bringen"; tess. kotson „Gründling", 
eigentlich „Großkopf" RLRom. XLII, 
107; wallon. kosyo „enthülste Erbse", 
frz. dcosser „enthülsen" , ^cossoneux 
„Dompfaff". — Zssg.: kalabr. kottsi- 
nlgura, kottsinure(fda „schwarzköpfige 
Grasmücke". 

4. Siz. kökula, abruzz. kökflf, venez. 
kdgolo, bresc, mant., bellun. kögol, 
friaul. kögul „von fließendem Wasser 
abgeschlilTener runder Stein", „Kiesel", 
siz., kalabr. kökula, tarent. köklo, abruzz. 
kök^l^, avenez. cuogola, crem, kogula 
„Kugel" (namentlich zum Kegel- und 
Bocciaspielen), auch „Ball" (zum Ball- 
spiel). 

5. Neap. kodMf „Eischale", campob. 
kööö^la, kalabr. ko(?atIa „Schnecke", 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



162 



2012. cochlearium. 



^Muscher, urb. Tcöcola ,Miesmuscher, 
march.Ä;(5 J(o)^a, lucch. köccoro , Scherbe", 
^kränkliche Person". — Rückbild.: reat. 
Teoööti , Scherbe", Tcoica „Schale", , Hül- 
se", „Kopf", koiöutu „hartnäckig". — 
Ablt. : reat. koccolone „gesprungenes 
Gefäß", „kränkhche Person". 

6. Rum. ghioacä, ghioc „Muschel", 
„Eischale", log. goga, sassar. öogga 
„Schnecke". — ■\-*cocila: ital. chioc- 
ciola „Schnecke", abruzz. öökkfl^ 
„Muschel", cuokkelf „irdenes Geschirr"; 
-f coccuM 2009: lucch., versil. chiocca 
„Schädel", „Schlag auf den Kopf" ; 
-1- cuscuLiUM 2424: prov. dose „Ei- 
schale", „Nußschale", „Nußkern", „Rin- 
de". — Ablt.: rum. dezghiocä „ent- 
hülsen"; log. göbidu „Wiege" AGlIfal. 
XIV, 39.5; nordsard. gökula, aret. kgök- 
kola „Muschel", chian. kyöktielo „Kiesel- 
stein" ; -j- CLERICA 1985: irp. kyerekyök- 
kola „Schädel" SBPhHKlAWWien CXLI, 
3, 18ff. — (Wallis, ko , Molkenlöffel " 
COCHLEA -\- CAUCUS 1773 ZRPh. XXXI, 
30 liegt begrifflich ab und ist auch 
darum schwer anzunehmen, weil caucus 
bisher nur im äußersten Osten des ro- 
manischen Sprachgebietes nachgewiesen 
ist. Avenez. cuogolo usw. könnte auch 
zu 2288 gehören, nicht aber die süd- 
ital. -Ä;-Formen, die Bedeutung „Kugel" 
erinnert an das deutsche Wort, doch 
ist ein Zusammenhang schwer anzu- 
nehmen, da rom. -q- und deutsches -ü- 
einander sonst nicht entsprechen, log. 
kukkurn „Spitze", „Gipfel" entfernt sich 
auch im Konsonanten von diesen Wör- 
tern. Ital. crocchio könnte zu 1 gehören, 
doch fehlt gerade die vermittelnde Be- 
deutung „Scherbe" im Tosk., vielleicht 
jzn 2339. Mail, öf öök „taubes Ei", 
portg. ot)o choco „bebrütetes Ei", agoa 
choca „faules Wasser", nprov. pero 
kluko „überweiche Birne" SBPhHKiAW 
Wien CXLI, 3, 21 sind begrifflich nicht 
klar, die prov. Form auch mit -u- auf- 
fällig. Afrz. cruise, bürg. kr'ö£, sav. 
kruez „Muschel" SBPhHKlAWWien 
CXLI, 3, 115 sind auch mit der An- 
nahme eines Einflusses von *cbosum 
2257 nicht erklärt, da die Grundlage 
-p- -f i fordert, während allerdings für 
obwald. kiies, engad. krös, grödn. 
kroza „Schale", „Muschel" -g- genügt; 
frz. coquerelle „Küchenschelle" ebenda 
S. 53 s. 1995. Log. kugurra „Schlei- 
fe", „Kinke", „Raupe", campid. ku- 
gurra furkasada „Ohrwurm" ZRPh. 



XXXIV, 211 ist formell nicht genügend 
autgeklärt, die Nebenform kurri-kurri 
RILomb. XLII, 692 ist wohl eher eine 
volkselymologische Umdeutung, da be- 
grifflich nur die Tierbezeichnung dazu 
passen würde. Bellun. sdns „Schnecke" 
ZRPh. XXIX, 225 ist im Vokal nicht 
geklärt, zu clausus 1973 ZRPh. XXII, 
477 ist begrifflich schwierig. Afrz. 
crosuel, nfrz. creuset, franche-comt. 
krnezö, prov. cruzol, wallis. kruzö, span. 
crisuelo, dann in Anlehnung an cras-^ 
sus: afrz. graisset, piknrd. krase „Lam- 
pe", iia.\. eroginolo, s\y,\n.crisol „Schmelz- 
tiegel" ZRPh. XXVI, 314 hierher zu 
ziehen ist lautlich nicht möglich, selbst 
wenn man für die „Schmelztiegel " be- 
deutenden Worte Einfluß von griech. 
ehr y SOS „Gold" annimmt, bask. krisatlu 
Diez, Wb. 443 stammt aus dem Span., 
deutsch kraus StFR. I[, 1; ZRPh. XI, 
578 ist selber dunkel. Log. kotia^ 
campid. koftsa „Keil" AGlItal. XIV, 393 
ist begrifihch nicht erklärt; pikard. 
(/> frz.) louehe, wallon. los „Suppen- 
löffel" *LOCHEA aus COCHLEA ZRPh. 
XXII, 456 zeigt eine nicht verständliche 
Behandlung der Konsonanten und setzt, 
als Stammvokal -p- voraus, das durch 
cucHLEA im Edikt des Diokletian nicht 
genügend gestützt wird. Ital. accozzare 
Diez, Wb. 112 *coictiare ist eine un- 
nötige Konstruktion, ebenso rum. dez- 
ghioeä *disglubicare R. XXXVI, 325;: 
griech. kottos für die Worte für „Kopf" 
RLRom. LI, 264 ist nicht nötig und 
lautlich schwierig). Vgl. 2009; 2257. 

2012. cochlearinm „Löflel". 

Ital. euechiaio, campid. kogardzu 
RILomb. XLII, 688, frz. euiller (> venez. 
sciilier, kuslier, bologn. kuslir, romagn. 
kulsira) GStLItal. XXIV, 270, prov. cul- 
Jier, katal. eullar, span. euchara (y log.. 
kocöari), aportg. colhara, nportg. eolher'^ 
frz. quillier „Nabenbohrer", tarrihre ä 
quillier „Hohlbohrer" Gade, Hand- 
vverkzgn. 53. — Diez, Wb. 114; ALLG. 
I, 554. [*CucHLiARiUM ZRPh. XXVI, 
318 ist nicht nötig, da ital. euechiaio 
sich wie eucina erklärt, span. euchara 
wie euchülo und das frz. -u- auf alle 
Fälle sekundär ist; span. euchara zeigt 
auffälliges -eh-, *cocclearium Gr, Gr.. 
P, 903 ist bei der Vereinzelung der 
Form wenig wahrscheinlicii, vielleicht 
Anlehnung an euchülo R. XXXIX, 441 1 
venez. kuslier als umbr. Form AGlItal. 
XIV, 352 oder *cociliarium ZRPh. 



5J013. cochuy — 2030. cogiiltus. 



163 



XXII, 398 erkliirl -«- nicht und fordert 
für ein enges Gebiet sonst nirgends be- 
zeugte (irundlagen). 

2013. cochuy (mbreton.) „lärmende 
Versammlung". 

Frz. cohtie R. XXIX, 453. 

2014. cocibllls Jeiclil kochbar". 
Kalabr. htiöirile, tarent. kuäivul^, 

abruzz. huiev^le. 

2015. •coctare „kochen", ,warm 
machen", , betreiben", „bedrängen". 

Afrz. coitier, prov. coitar, katal. coi- 
far „bedrängen", „antreiben", span. 
coi-harse „sich beeilen", aportg. coitarse 
„besorgt sein". — Ablt. : afrz. cnite, 
montbel. hiit, prov. coita „Hast", „Eile", 
portg. coita „Unglück", „Leid", coitado 
„unglückhch". — Diez, Wb. 103; ALLG. 
I, 549; III, 532; VI, 382. 

2016. *coctlare „kochen", „brennen". 
Afrz. coissier „verwunden", fläm. 

kuase „brennen", portg. co<;ar „jucken" 
Diez, Wb. 441. 

2017. coctio „Makler". 

Ital. scozzone, afrz. cosson Diez, Wb. 
112; ALLG. 1,549. (Prov. cusö, katal. 
cnsso sind mit dem Stammvokal schwie- 

•■ig). 

2018. coctio „Kochen". 

Frz. cuisson , prov. coisö „Frost", 
katal. roissd „Kitzel". 

2019. ^coctorius „zum Kochen ge- 
hörig". 

Rum. cuptor „Ofen", sublac. kottora, 
alatr. knttora, abruzz. ktittur^, agnon. 
kutteurf „Kessel". 

2020. coctara „Kochen". 

Rum. copturä, ital. coUura, afrz. cui- 
ture, prov. coitura, span. cochura. 

2021. cocnla „Kochgeschirr". 

Ital. cogola „Bratpfanne". (Fällt mit 
-p- auf, doch bleibt dasselbe Betlenken 
bei Zuweisung zu 2009 SBPhHKlAW 
Wien CXLI, 3, 188). 

2022. codex „Buch". 

Obwald. kudes. [Aital. codico, frz. 
cwle, prov., katal. codi, span., portg. 
codigo „Codex Justinianus", „Gesetz- 
sammlung"]. 

2023. coemeterinm „Friedhof". 
(Ital. cimitero, afrz. ciine(n)tire, nfrz. 

cimetiere, ille-el-vil. sötnter, prov., katal. 
cementeri, span. cimenterio, portg. cetni- 
terio]. — Diez, Wb. 99; Cohn. Suffwandl. 
286; 289; AGlItal. XIII, 242. 

2024. cofea „Haube". 

Rum. coif „Helm", siebenb. scoifä, 
Ha].^s)cHffia, frz. coiffe (> gen. kuef, 



lomb., venez. kefa), prov. coifa, span. 
escofia, portg. rdfa. (Der Urspj-ung des 
bei Venantius Forlunatus vorkommen- 
den Wortes ist unbekannt. Herleitung 
aus ahd., bzw. langob. kupphia setzt 
voraus, daß das rum., span., portg. 
Wort aus dem Ital. oder Prov. entlehnt 
ist, was beim Span, wegen der Laut- 
form, beim Rum. wegen der Bedeutung 
schwierig ist; auch das s- bedarf der 
Erklärung). — Diez, Wb. 115; RomF. 
I, 111; FrzSt. VI, 21. 

2025. <;olfa (arab.) „Ruhebank vor 
dem Hause*. 

Ital. sofä, frz. sofa^ span., portg. aofd 
„Sofa" Diez, Wb. 297; Dozy-Engel- 
mann, Gloss. 340; Eguilaz y Yanguas, 
Glos. 494. 

2026. cogere „zwingen". 

Kalabr. kw/ere „zusammendrücken" 
AASTorino XLIl, 306. 

2027. cogitare „glauben", „denken". 
Rum. cuffetä, aital. coitare, tarent. 

kusitare „für jemanden Schaden fürch- 
ten", log. kuidare „leiten", „führen", 
obwald. quitar „meinen", afrz. coidier 
„glauben", „meinen", franche-comt. 
kildt „sich irren", span., portg. cuidar 
„glauben", „sorgen". — Ablt.: rum. 
cuget „Geilanke", lecc. kiisetu „Ge- 
danke", „Sorge", kalabr. küyitu „Lei- 
den", aital. coto „Gedanke", franche- 
comt. kild „Irrtum", aspan. cuida „Sor- 
ge", nspan. cuida „erwachsene Schü- 
lerin einer Erziehungsanstalt, die eine 
jüngere beaufsichtigt"; mail. kütüi 
„Bedenken", „Zweifel", „Verlegenheit", 
„Muße", senza kiinU „gedankenlos" mit 
-n- von 2030 GStLItal. XXIV, 425. — 
Zssg. : afrz. mUrecuidant „übermütig", 
otUrecuidance „Übermut", davon otUre- 
ciiidier „übermütig behandeln". — Diez, 
Wb. 103; Rom. Gram. II, 189. 

2028. cogitatas „Sorge". 
Span., portg. cuidado. 

2029. coguatus „blutsverwandt". 
Rum. cuinnat, vegl. komnnt, log. Aron- 

nadii, engad. qidnö, friaul. A-toiaf, prov. 
cunhat, katal. cnnyat, span. cuiiado, 
portg. cunhado. Die romanische Bedeu- 
tung ist durchweg „Schwager", dazu die 
entsprechende Form für das Fem. auf 
-fi Tappolet, Venvandtschaftsn. 132. 

2030. cognitns „bekannt". 

Aital. conto „passend", sen. eontiOf 
afrz. cointe, prov. coinde „bekannt", 
„kundig", „anmutig", „zierlich". — 
Ablt. : anordital. cointar, qidntar, cuitar 

11* 



1G4 



2031. coanoscere — Ü038. coleum. 



, bekannt machen", ^erzählen", , zählen" 
AGlItal. XII, 425; StFR. VII, 176; Sal- 
vioni, P.*; afrz. cointise {> aital. con- 
tigia) , Bekanntschaft", acointier „kennen 
lernen", prov. acomo?ar „bekanntgeben". 
— Diez, Wb. 107. 

20.31. cognoscere „kennen lernen". 

Rum. cunoa§te, ital. conoscere, log. 
konnoskere, sassar. kunnissi AStSard. 
V, 219, engad. koünoser, val-ses. ko- 
näsl, trient. kafioset-, bergam. konos, 
konos, fiiaul. konösi, frz. connaitre, prov. 
conoiser, coneiser, katal. coneixer, span. 
conocei; portg. conhecer. Die -M-Forni 
gehört auch noch dem ganzen südost- 
französischen Gebiete an At. Ling. 317, 
die -e-Form ist auch nordital. Aröm., 
altumbr. conoHre „bekannt sein" GStL 
Ital. XVII, 256. 

2032. cohors „Hofraum", ,Hof", 
2. cnrte. 

2. Rum. curte^ ital. corte, alog. curte, 
engad. kuort, frz. com-t, prov., katal. 
cort, span., portg. corte. Die Bedeu- 
tung ist durchweg „Hof", in dem viel- 
fachen Sinne des deutschen Wortes. 
Ein Mask. kort findet sich im Tess. in 
der Bedeutung: „das Stück Wiese neben 
der Sennhütte" neben Ä;o;tFem.: „Mist- 
haufen" BStSvItal.XlX,151, auch engad. 
kuort bezeichnet speziell den Raum vor 
dem Stall, algarv. corte „Schweinestall", 
dagegen rum. curte „Palast", „Bojaren- 
haus". — Ablt.: ital. cortese, frz. cotir- 
tois, prov. cortes „höfisch", „höflich", 
„freundlich", ital. cortigiano (y frz. 
courtisan, span. cortesano, portg. cor- 
tesäo) „Höfling", ital. corteggiare „den 
Hof machen", corteggio (> frz. corthge) 
„Gefolge"; wallon. kotehe „Gemüse- 
garten", kotl „Gemüsegärtner" Mel. 
-Kurthll, 318; transmont. cor^m/ja „um- 
friedigter Acker". — Diez, Wb. 109; 
ALLG. I, 555; Streng, Haus und Hof 
im Frz. 50. (Die auch durch alban. 
kurte geforderte -M-Form erklärt sich 
vielleicht aus einer Flexion cohors 
*coHURTis mit -M- aus -o- in mittlerer 
Silbe). 

2033. cohortile „Hof", „Garten". 
Ital. cortile, afrz. courtil (> siz. kur- 

tiggyu, kalabr. kurtiyu „Hof"), afrz. 
courtius (> venez. kortivo, trient. kor- 
tif) „Hof", „Garten". — Mit Suff. W.: 
obwald. kurt'in „Garten". — Streng, 
Haus und Hof im Frz. 51. 

2034. colaphos „Schlag", 2. *col- 
pus, 3, kolaphos (griech.). 



1. Wefetfrz., berrich. kob. — Ablt.: 
irz.gobeter „bewerfen und bestreichen", 
copter „die Glocke mit dem Klöppel 
anschlagen" Thomas, Mel. 85. 

2. Ital. col2)o, log. kolpUy engad. ktiolp, 
frz. coup, prov. colp (> span. colpe 
„Wunde", golpe, portg. goljye), katal. 
cop. — Zssg. : frz. heaucoup „viel". 

3. Siz. golfu di siiU „Mittagsstunde", 
qolfata di suU „Sonnenstrahl". ^ Diez, 
Wb. 104; ALLG. I, 550. (Ital. accop- 
pare Caix, Stud. 137, frz. couper s. 2409). 

2035. colare „durchseien". 

Rum. curä „fließen", „reinigen", ital., 
log. colare, engad. kuler, l'riaul. kolä 
„herabfallen", frz. couler, prov., katal., 
span. colar, portg. coar. — Ablt.: rum. 
curat „rein" Pu§cariu, Wb. 454; mail. 
kor „Laugentuch", puschl., bergeil. kol, 
obwald. kul, uengad. kuols „Biestmilch" 
RILomb. XLI, 206, lucch. colo „Haut 
auf der Milch, wenn sie anfängt zu ge- 
rinnen"; ital. colaticcio „Bodensatz", 
„Tropfstein", frz. coulis „flüssiges Me- 
tall", afrz. coleis „Fallbrücke", coleice 
„Fallgatter", nfrz. coulisse „Schiebe- 
wand", Schweiz. Ä;o?isa „Wasserrinne im 
Weinberg", lyon. kniest „verschieb- 
bares Stück am Preßbaum" R. XXXIII, 
217, TproY . coladiz ; Schweiz., sa\. kulör 
„Milchlrichter"; abruzz. kulate „Lauge", 
velletr. kolata, span. colada „Wäsche". 
— Diez, Wb. 554. (Rum. curat kann 
auch zu 2412 gehören; frz. couloir s. 
2415). 

2036. coleo 1. „Hode", 2. „Entmann- 
ter", „Feigling" CGIL. II, 579,6. 

1. Ital. coglione, engad. kuluri, friaul. 
koion, frz. couillon, prov. colho, span. 
cojon ALLG. I, 549. 

2. Ital. coglione (> frz. co'ion), engad. 
ky^tun, friaul. koion. 

2037. colere „das Feld bebauen", 
„pflegen", „verehren". 

Siz. koliri „verehren", „nützen", „zu- 
sagen", „passen" StGlItal. I, 73, kalabr. 
kolire „zusagen", „passen", veltl. koler 
„das Land bebauen", borm., puschl. 
kole(r) „mähen", prov. colre „verehren", 
„müßig gehen", „erlauben", katal. col- 
dre „ehren", „verehren", „kochen", 
„schwitzen". — Ablt.: bergam. kola 
„Gartenbeet" Salvioni, P.^ Vgl. 2048. 

2038. colenm „Hode". 

Rum. com, coaie „Hodensack", aital. 
coglia, log. kodza, afrz. coli, nfrz. couille, 
prov. colhy colha „Hodensack". Die 
-«-Formen sind eigentlich Neutr. Plur. 



2039. colla — 2053. coIlum. 



16- 



— Abu.: lof,'. kodzwhi, nprov. kula 
, Widder", sainlpol. kiiyar ^Zuchlesel". 

— ALLG. 1, 049. 
2(W.). colla ,Leim\ 

Ital. colhi, frz. colle^ prov., katal, 
l-span.] cola, portfr- colla. — Ablt.: aital. 
.follare, frz. roller, |>orlg. collar , leimen*. 
(Mazed. colii, acoalä „Slärke* stammt 
aus iiKriech. kolla id.). 

2040. collacteuM ^Milchbruder", 
,Kneclit". 

Span. coUdzo, i)orlg. rolla^o Diez, 
Wb. 441; ALLG. I, 049; KJBFBPh. VL 
1,3S7. 

:2()41. "collare ,berunter und lierauf 
ziehen". Woher? 

Ailal. collare ,ani Seil herunter und 
heraufziehen", , die Segel hissen", , fol- 
tern", siz. knddari „ilberschreiten", 
.übersteigen", kalabr. koddnre ,aus dem 
Gesichtskreis verschwinden", prov. colar 
,die Segel hissen". (Mhd. kollen , quä- 
len" Diez, Wb. :W5 würde begrifflich nur 
für collare , foltern" passen, ist aber zu 
jung: *voni)VhAiit: ZRFh. XIX, 57() 
geht lautlich nicht. Ob die sfldital. 
Wörter hierhergehören, ist fraglich, sie 
erinnern eher an collis 2051, während 
die anderen an Collum 2053 anknüpfen 
kötmten, wenn die Terminologie des 
Seewesens den sachlichen Anknüpfungs- 
})unkt bietet. Man könnte auch an 
CALAHE 1487 denken, aber woher dann 
«las -0-?). 

2042. collare .Halsband". 

Ilal. collare, afrz. coller, nfrz. collier, 
prov. volar, span. collar. — Ablt.: 
mnh\m]. gorlef .Halskragen", .Wfimpe" 
Mel. Kur'th II, 320. 

2043. collutio .Zusammenkunft". 

(Ahz. colation, prov. colaciö .abend- 
liche Zusammenkunft der Mönche", 
.damit verbundene gemeinsame Mahl- 
zeit". .Abendmahlzeit der Katholiken 
an Fasttagen" (^ ital. colazione .Im- 
biß", .Frühstück")]. — AGlItal. 111,401. 
(Zu roi.F.RK 2037 ist trotz der Neben- 
form ilal. colizione nicht nötig und be- 
grifllich nicht möglich ZRPh. IV, 183). 

2044. collatum .Bericht". 
Bergam. koln .berichten". 

204."). collecta. Ernte", .Sammlung". 

Ital. colh'tta, afrz. cueilloite, prov. 
cdhecha, span. cosecha, aportg. colheita 
R. XIII, 298. (Span, cosecha i'oxskcta 
Diez. Wb. 442 ist nicht nötig). 

204G. coUeginiii .Versammlung*. 

Apav. cnleo, campid. hoddeu .Ver- 



sammlung von Personen zum Plaudern 
und zum Zeitvertreib*, log. boiji<jitti 
.Gruppe von Hirtenhütten" ASLSard. V, 
233; Salvioni, \\K 

2()4'7. colllbertus .Mitfreigelassener*. 

Afrz. cuilvert, prov. culvert «spitz- 
bübisch", .gottlos" Diez, Wh. 557. 
(Die lautliche Entwickelung des Vor- 
tonvokals ist nicht klar). 

20 48. colllgere. sammeln",, pflücken*. 

Rum. culege, ital. cogliere, log. bo^- 
(lire, auddire AStSard. V, 233, aengad. 
Mir, friaul. kuei, afrz. cueidre, cueillir, 
prov, cidhir, katal. cullir, span, coge)', 
portg, colher. — Ablt,: aital, colta 
.Steuer" nach folta 8855. — Zssg.: 
ilal. accogliere, frz. accueillir, prov. 
aculhir, katal. actillir, span. acoger, 
portg. acolher .empfangen", .aufneh- 
men". Auch bourn. ekedr .die Ochsen 
antreiben". — Rom. Gram. II, 197. 
(Auch puschl. kler .mähen" oder zu 
2037?). 

2049. coIliDa .Hügelland". .Hügel". 
Ital. collina, frz. colline, prov.. katal. 

coUna, [span. colina, portg. collina], 
Oder überall [ ]. 

2050. »colliqulalls .Rinne". 

(Frz. caniveau .Rinnstein" R. IV, 3.')2 
ist uimiöglich). 

20Ö1. colli» .Hügel". 

Ital. colle, gallur. koddu, prov. col, 
portg. colle. 

2052. collocare .sitzen", .stellen*, 
.legen", collocare in lecto .einen Toten 
auf das Paradebett legen" MSLParis 
VIII, 90. 

Rum. culcä, ital. collocare, alomb. 
(^ ital.) coricare, frz. coucher (^ ilal. 
cucciare), prov., katal.. span. collar. 
Die Bedeutung ist zumeist .liegen", 
.schlafen gehen", daneben trevis. kole- 
garsc .sich hinstrecken", romagn. kid- 
ger, wallis. kufi^ .Stecklinge (Ahleger) 
machen", imol. vid cnlgeda , Rebschoß*; 
span. colgar .hängen". — Diez, Wb. 
103; ALLG. I, 5.50. (Ital. coricare 
statt colicare nach coK 2217 StltalFCl. 
I, 28 ist gesucht, und da das Wort im 
Tosk. nicht bodenständig ist, nicht 
nötig). 

2053. coUnni .Hals". 

Ital. collo, friaul. kuel, frz. co», prov. 
cnl, katal. coli, span. cnello, portg. collo; 
ital, collo .Gepäckstück" AGlItal. XV, 
88, piem, kola .Bergjoch', — Ablt: 
engad. k-uliH.<i .Hals" AGlItal, VII, .520; 
RomF. XIV, 422; afrz. coUe, prov. co- 



166 



2054. coUuvies — 2065. columbula. 



lada (> frz. accolcide) , Ritterschlag" ; 
ital, collana , Halsband", collottola 
, Nacken"; nprov. kulino ,Tal" At. 
Ling. 1351; pikard. kuet, yonn. kuar, 
kuasö ,Hals", „Nacken" Behrens, 
PYz. Wortg. 56; frz. ecouet ,Hals" 
Behrens, Frz. Wortg. 60; galiz. 
coluga ^Nacken", portg. caluga „dickes 
Fleisch am Hals und Schulterblatt 
des Schweines". — ALLG. VI, 382. 
(Cola „Pa&" coLLis AStNSpL. CXXI, 
446 liegt begrifflich ferner, eben- 
so pikard. kuet *cauditta RomF. XIV, 
414; friaul. golaina „Halsband" kann 
nicht romanische Ableitung sein, läßt 
sich aber auch als slavisclie nicht recht- 
fertigen ASlavPh. XXVIII, 51 *J). 

2054. coUuTies „Spühcht", „Un- 
rat". 

Mail, korohia, bergam., crem., comask., 
pav. kolobia „Unrat", zum Teil auch 
„Schweinefutter", trient. skolobie „Kehr- 
richt", neuenb. karuge „Trebern". — 
Ablt.: sibergam. scolobia „Molken", mail. 
öf skorübitsa „faules Ei", trient. ovo 
skolobid id., bergam. scolobiera „Eite- 
rung am Finger", comask. skolobid 
„laut einschlürfen". — Lorck, Abergam. 
Sprachd. 174; RILomb. XXV, 977. 

2055. collyra „grobes Brot". 

Siz., kalabr. kuädura, apul. kurudda 
„Osterbrot", „Art Teigware", porig. 
carolo „grobes Maismehl", beir. carolo 
„Brotkrume", transmont. carolo „Stück 
Brot". — Ablt.: campid. kulirgoni 
„Kuchen". Die Grenze gegen co- 
ROLLA 2243 ist nicht sicher zu ziehen. 
— StGlItal. I, 73; SBPhHKlAWWien 
CXLI, 3, 24; RILomb. XL, 1048; ZRPh. 
XXXII, 240. 

2056. coloi- „Farbe". 

Ital., log. colore, engad. kolour, friaul. 
kolur, frz. conleur, prov., katal., span. 
colot; portg. cor. Vom Frz. bis Portg. 
Femininum. 

2057. colorare „färben". 

Ital., log. colorare, frz. coudrer „Leder 
färben" Behrens, Frz. Wortg. 59, prov. 
colrar, span, colorar, corl(e)ar „mit 
Goldfirnis überziehen" ZRPh. XXXHI, 
480, portg. corar. 

2058. Colostrum „Bieslmilch". 
Rum. corastä, ital. colostro, -a, abruzz. 

kelostra, girg. kulossa, log. kolostru, -a, 
friaul. kayoste, astur, kuliestrii, portg. 
costra. — Rom. Gram. I, 1 19; LBlGRPh. 
XI, 325; Salvioni, P,2; GL. 190.5, 319. 
(Engad. kuols RomF. XI, 512 s. 2035). 



20.59. colpus „Meerbusen". 

Ital. golfo (y frz. golfe), frz. goufre 
„Abgrund", prov. golf, span., portg. 
golfo; log. groffu „Herz", „Mitte". — 
Abk.: lucch. infolcarsi „in etwas ein- 
dringen" ZRPh. XXX, 300. — Diez, 
Wb. 168; ALLG. II, 442; 522. (Frz. 
goufre ist lehnwörtliches *goufe, kaum 
GOLFORA ALLG. VII, 443, da die -ora 
Plurale in Nordfrankreich fehlen und 
das Geschlecht nicht paßt; lucch. in- 
folcarsi zu folcare 3564 AGlItal. XVI, 
449 paßt begrifflich schlechter). 

2060. colubra „Schlange", 2. *cu- 
l9bra. 

2. Siz. kuloeria, log. kolora, afrz. co- 
luevre, nfrz. couleuvre, prov. colQvra, 
span. culebra, portg. cobra. — Ablt.: 
prov. colovrina „eine Art Gewehr". — 
R. V, 147; ALLG. I, 550. [Culobra er- 
klärt sich aus einer Flexion *colober 
colubri StltalFCl. I, 399 oder durch 
Einfluß des Vortonvokals: Einführung 
120). 

2061. colucula „Spinnrocken", 2. co- 
nncla Einführung 147. 

2. Ital. conocchia^ afrz, quenouille, 
prov. conolha, ostfrz. kcloü, kelui. — 
-|- CANNA 1597: log. kannuya. — Ablt.: 
prov. colonhet, colonhier „Spindelbaum" 
R. XXXIV, 297. - Auch versil. co(r)- 
woccÄio „Bratwurst" V ZRPh. XXVIII, 180. 
— Diez, Wb. 107; ALLG. I, 551. 

2062. cohim „Durchschlag", „Seih- 
korb". 

Log. kolu, obwald. kol „Milchtrichter" 
Luchsinger, Molkereiger. 21, grödn. koul 
Salvioni, P.'. — Ablt.: obwald. kolem 
„Trichter". Aus der Verwendung von 
Bärlapp als Filter erklärt sich Tavetsch: 
kulem, ert. kolina „Bärlapp". 

2063. columbare (griech.) „unter- 
tauchen". 

Astur, calumbarse ZRPh. XXV, 496. 

2064. colnmbinus „taubenfarbig". 
Ferr. klumbin „trübe". 

2065. colnmbnla „Täubchen". 
Gerign. kelumbre, neap. kolommre, 

kalabr. kolnmhra, tarent. kulummiro, 
vgl. lecc. kulummu, Bari: klumtne „eine 
Art Feige" AGlltal. XV, 93; RDRom. 
I, 256. (Die begriffliche Erklärung fehlt, 
vereinzeltes palombole kann eine sekun- 
däre Beziehung der Bezeichnung der 
Feige auf colomba „Taube" darstellen; 
coRYMhos „Traube" AGlltal. XV, .333, 
OLivA coLYMBAS sind begrifflich eben- 
falls schwierig). 



2066. columella — 2081. *comitissa. 



167 



2066. columbus, -a , Taube*. 
Rum. roninibä, ital. colonibo, -a, frz. 

folombe, nitVz. roulon, pikard., wallon. 
knlö AI. Liiig. 1016; katal. coloma; ital. 
pesce coluniho „Haifiscli". 

2067. columella , kleine Säule \ 
Venez. kolmelo, kormelo , Säule* Sal- 

vioiii, F.\ frz. coumelle, comh'e ,eine 
Art Filze* Thomas, Ess. 275; Thomas, 
M(il. .-)8. 

2068. coluinellus , Au{?enzahn*ALLG. 
Xll, 405. 

Span. colmiUo (>• porfg. cohnilho). 

2069. coluiiiiin , .Säule*. 

Rum. coninä , Stützbalken am Web- 
stuhl* Giuglea, (lere, lexic. 6, vet?). k-i- 
launa, astur, colono , Bürde Holz", 
aportg. caona, coona de manteiga „Laib 
Butter*; auch puschl. kolond „über- 
hängender, gewölbter Fels, der als 
nalürlicher Zufluchtsort dient* RILomb. 
XXXIX, .508? — Ablt.: prov. cnronel 
^Türpfosten*. — Rückbild.: prov. coronn 
„Säule* ZRPli. XXVI, 413. [Ital. co- 
lonna, afrz. colombe, nfrz. colonne, prov. 
colompna ZRFh. XXVI, 412, span. ro- 
luna, portg. rolumna]. 

2070. *coIniiiiiica. 

Bergam. kalonga „der längste Reb- 
l)fah], an welchem man die Rebschosse 
befestigt*. 

2071. coina „Haupthaar*. 

Rum. coanid „Mähne*, ital. chiotna 
AGUtal. XIII, 36.3, wallon. koin, südost- 
frz. koma, prov., aspan.. portg. coma. 
Das Wort bedeutet im Prov. auch 
„Kopf*, in der Schweiz bezeichnet es 
die beim Mähen stehen gebliebenen 
Grasbüschel BGlPSRom. VIII, 31. — 
Ablt. : friaul. skomd „die Bäume schütteln, 
damit die Früchte abfallen*, „Geti'eide 
durch Aufschlagen auf ein Brett ent- 
körnen* WS. I. 242. 

2072. comarnm (giiech.) „Erdbeer- 
baum*. 

Kalabr. kakihnbaru, siz. akiimmiru, 
frz., portg. cortne „Frucht des Sperber- 
baums *,galiz.Ä:o»ioro [-soiiBrsSl?!: 

bresc. mant. körbet, morv., berrich., 
genf. korb ZRFh. XXIV, 412. — Ablt.: 
siz. kamarnini, kamarrnneddu ,Wolfs- 
milch* StGlltal. 1,74, frz. rorm/Vr, portg. 
cormeiro „Sperberbaum*. 

2073. combattere »kämpfen*, „lie- 
kämpfen*. 

\\.n\. combattere, lo^.kitmbatfere, engad. 
combafter, friaul. kombati, frz. combattre^ 
prov. combatre, katal. combatrer, span. 



combatir, portg. combater. — Ablt.: frz. 
combat „Kampf*. — ALLG. I, 550. 

2074. coiiibinare „verbinden". 
Venez., veron., mant., parm., regg. 

kombinar, piac., parm. gomhinar, friaul. 
kumbind überall „buchstabieren*. — 
+ coMVVTAHE 2108: mant., parm. kont- 
pinar id. Mus.safia, Beitr. 45. — Mit 
Präf. W.: rum. imbinä „verbinden". — 
Zssg. : ital. sgominnre „in Unordnung 
bringen*, „in Bestürzung versetzen" 
ZRFh. IV, 182. (Ital. gomena s. 36(il). 

2075. '"coniboros (gall.) „Verhau*. 
Frz. combres „Schutt". — Ablt.: frz. 

encombrer, prov. encomh-ar „verschüt- 
ten*, frz. dicombrer, prov. descombrar 
„wegräumen* (/> ital. ingotnbrare, sgom- 
berare, aspan. escombrar) R. XXIII, 
243; ZRFh. XIX, 276. (Cumulvs Diez, 
Wb. 104, cuMERA R. XXIV, 1 14 machen 
begrifflich, jenes auch lautlich Schwierig- 
keit; porig, comoro, comlyro s. 2390). 

2076. 'conibrancam (zu 1271). 
Nprov. kumbrank „Gabelung der Aste' 

R. XXXIV, 416. 

2077. comedere „essen*. 

Span., portg. cotnei- Diez, Wb. 441 ; 
ALLG. n, 277. 

2078. comes „Begleiter", „Graf". 
Ital. conte, frz. comte, prov. comte, 

katal., span., portg. conde. — Ablt.: 
venez. kom{e)aüa „eine zum Fischfang 
abgeschlossene Vereinigung von Barken" 
Salvioni, F.^ 

2079. *cominltiare „anfangen". 
Ital. cominciare, frz. commencet-, prov. 

comesar (> aspan., aportg. comegar), 
katal. comensar (> span. comenzar). — 
-f- *j'RiNriPiARE: emil. kmintsipiä Mus- 
safia. Beitr. 4.5. — Ablt.: frz. commen- 
Qailles „Anfang*. — Diez, Wb. 105; 
ALLG. 1, 530. (Die lat. Bildung ist 
auffällig, da für com- ein Grund fehlt, 
im Ilal. fällt die Synkope auf, im Afrz. 
erwartet man *comincier). 

2080. oomitatns „Begleitung", „Ge- 
folge*. 

Ilal. cnntado „Grafschaft*, „Weich- 
bild einer Sladt*. „Dorfschatl*, afrz. 
conte Mask. und Fem. Rom. Gram. II. 
372. vgl. Franche-Coml6, afrz. contee. 
Rom. Gram. II, 493, nfrz. comti, prov. 
comtat, katal. condat, span., portg. con- 
rfffrfo.ül)erall„Grafenstand*.„Grafsciiafl'. 
— Ablt.: ital. contadino „Bauer*. — 
Diez, Wb. 107. 

2081. *coiiiitissa „Gräfin*. 

Ital. contessa. frz. cotntesse, prov. 



168 



208:2, commaler — 2094. comparare. 



comtesa, sipSin. co«c?esff, , portg. condessa. 
Die Bildung wird so alt sein, wie der 
Bedeutungswandel von comes. 

2082. commater , Gevatterin". 
Ital., log. comare, engad. komer, friaul. 

kotnari, frz. comere, prov. comaire, katal. 
comare, span., portg. comadre ; val-levent. 
komhefi, da der Ausgang -ma mit ma 
MAiAiM zusammenfiel B. XXXI, 283. — 
Ablt. : span. comadreja , Wiesel" Diez, 
Wb. 441. (Bum. cumätru, cumäträ 
, Taufpate", „Taufpatin" stammt aus 
dem Slav.). 

2083. commeatns , Urlaub". 

Ital. commiato, obwald. kumngau, frz. 
conge O ilal. congedo, congedare ^ frz. 
congidier), prov, comjat. — Zssg. : avenez, 
descomeadar, amail. descomiar „lort- 
jagen", „vertreiben" Salvioni, P.^. 

2084. couimeiidare „auftragen", 
2. cominandare „befehlen". 

1. Bum. comindä „einen Leichen- 
schmausgeben", as&r d. connndiare „be- 
auftragen" LBlGBPh. XXX, 110, span. 
comendar, portg. commendar „über- 
tragen", „empfehlen", „loben". — Ablt.: 
rum. comind „Leichenschmaus", span, 
comienda, portg. conienda „Pfründe". 

2- Ital. comandare, engSid. kommander, 
friaul. komandä, frz. commandare, prov. 
comandm; katal. comanar, span. co- 
mandar, portg. commandar. 

2085. comininsrere „besudeln". 
Bum. comingl ZBPh. XXXI, 304? 

2086. conimittere „verschulden", 
„anheim geben", „anvertrauen", reflexiv 
„wagen". 

Bum. cumetä „wagen", ital. commet- 
tere „sich zu Schulden kommen lassen", 
commettersi „sich einer Gefahr aus- 
setzen", frz. commettre „begehen", „ver- 
schulden " , prov. cometre „ anheim geben " , 
„herausfordern", span. cometer „be- 
gehen", „verschulden", cometer se „sich 
einer Gefahr aussetzen", portg. commet- 
<er „anerkennen", „unternehmen", com- 
metterse a peleja „den Kampf begin- 
nen". 

2087. comiiiiya (arab.) „Art Dolch". 
Span, gumia, portg. gomia Dozy- Engel- 
mann, Gloss. 282. 

2088. commordere „anbeißen". 

Wallon. ukmued „einen an etwas ge- 
wöhnen", montbel. akmuodr „ein Tier 
daran gewöhnen, der Herde zu folgen" 
BDGL Wallon. II, 139, (*Excommovere 
Thomas, Nouv. ess. 258 ist lautlich un- 
möglich, accomoder Rom. Gram. II, 124 



erklärt den wallon. Diphthong nicht, 
würde aber begrifflich besser passen), 

2089. comiiiovere „erschüttern". 
Ital. commuovere, prov. comoure, span. 

comover, portg. comniover. 

2090. commuuicare „mitteilen", 
2. *counninicare „das Abendmahl 
geben". 

2. Bum. cuminecä, gen. komingd, 
apad. cominicar, lomb. skuminiar, ert. 
komeligä, afrz. comengier, prov. comene- 
gar, katal. comhregar, navarr. comingar. 

2091. cominanis „gemein", „gemein- 
sam". 

Ital. camune, engad. kumün, komön 
AGlItal. I, 185, frz. commun, prov., 
katal. comü, span. comun, portg. comum; 
log. cumone „Herde von Großvieh, 
deren einzelne Tiere verschiedenen Be- 
sitzern gehören " , aneap. cowiwone, dalmat. 
komone, friaul., uengad. kumon SBPhH 
KlAWWien CXLV, 5, 1 9 ; ATriest. XXIX, 
146; B. XXXIX, 442; Plur. friaul, ko- 
muüe „Gemeindeweide", span. camunas 
„Sämereien". — Ablt.: afrz. comunel, 
prov. cominal „gemeinsam", afrz. co- 
mnnelment, nfrz. commtmiment Tobler, 
Verm. Beitr. I, 95; alomb. {a)comunarse 
„sich einigen". 

2092. *coiiipai)ia „Gesellschaft", 
Aital. compagna, afrz. com^Migne, prov. 

companha, span. compana, aportg. com- 
panha. — Ablt. : alog. campaniare „über- 
einkommen", campania, -u „Überein- 
kunft" ATriest. XXX, 62; AStSard. V, 
215. 

2093. *companio „Genosse". Nach- 
bildung von germ. gahlaiha Einführung 
42. 

Ital. compagno, engad. kumpan, afjz. 
compain, compagnon, prov. comjMnh, 
companhö, katal. companyö, span. com- 
paho, aportg. companhäo. — Ablt. : ital. 
compiagnia, frz. compagnie, prov. com- 
panhia, span. compania, portg. com- 
panhta „Gesellschalt"; prov. compan- 
hier, span. companero, portg. compan- 
heiro „Teilhaber". — Diez, Wb. 106. 

2094. comparare 1. „verschaffen", 
2, „kaufen". 

2. Bum. cump>ärä, ital. comp{e)rai'e, 
sard. comporare, engad. comprer, friaul. 
komprd, afrz. comperer, prov,, katal,, 
span., portg. comprar. Die westlichen 
Formen scheinen auf comperare zu 
beruhen, die östlichen entscheiden nicht, 
afrz. dritte Sing, compere verlangt COM- 
j>ARAT. Im Nordilal. und Nprov. findet 



2005. compassare — :211ü. concacare. 



160 



sich mehrfach krompa(r). Auf eine 
ältere Bedeutung' scheint vionn. köparä 
,sich mit Arheit abquälen" hinzu- 
weisen, während prov. comprar „hüFäen* 
sich aus „kaufen'', , bezahlen* erklärt. 

iJOUü. compassare ,. ah messen". 

Ital. compassare, af'rz. contpnsser 
, bauen", , verfertigen", nfrz. compassa- 
„messen", prov. cont]>asar , anlegen", 
Span, cotnpasar „abzirkeln", porig, com- 
jiassar id. — Ablt. : i\;i\. compasso, frz. 
compaa, span. compaso, portg. compasso 
, Zirkel", „Kompati", prov. comjxts 
.Schritt". — Diez, Wb. lüfi. 

!2ü96. couipnter „Gevatter". 

Ilal. comparc, engad. kumjter, friaul. 
kompari, frz. comph-e, prov. compaire, 
katal. compare, span., portg. covipadre. 
(Mazed. CMwirtr , Täufling" stammt aus 
dem Slav.). 

'2097. coinpensnre „ausgleichen". 

Mail, kompezd „Brot im richtigen 
Verhältnis zum Gemüse essen" Sal- 
vioni, P.^ [Ital. compensare, frz. com- 
penser, span., l)ortg. compensar]. 

^098. conipisture „zusammen stamp- 
fen". 

Lucch. compistare „streiten" AGlItal. 
XII, 128. 

2099. conipitiiui „Scheideweg". 

^wm.pe sxqyt citmpät „auf ungeradem 
Wege", „verstohlen", a sta in cumpät 
„unschlüssig sein". — Ablt.: rum. « sä 
cutnpäfit „sich mäßigen", log. kum- 
pidare „suchen"; rum. cumpät „Fas- 
sung", „Bedachtsamkeif, ital. compiio 
„Vorsicht" ZRPh. XXVIII, 680; Pu§- 
cariu, Wb. 444. 

21(J0. coinplaug^ere „beklagen". 

Ital. compiaxgere, engad. compläunger, 
friaul. komplAndzi, frz. complaindre, 
prov. complanher, katal. compJanyir. — 
ALLG. I, 5.Ö1. 

2101. complere „anfüllen". 

Arum. cnmph „beendigen", ital. comi- 
piere id., kalabr. kyiimpire, kunkyere 
„reifen", „weich werden", siz. kunkhi 
„reifen", irp. kone id., log. lompere 
„ankommen"» afrz. complir, nfrz. ac- 
jL'omph'r, prov., katal. complir, [span. 
nimplir „erfüllen", .befriedigen" (> 
aital. complire), portg. comprir]. — 
Ablt.: rum. (.-omplit *„ vollständig', 
*, übermäßig", „schreckhch* Pujcariu, 
Wb. 445; ^yAn.cumplido „vollkommen", 
«höflich*, ital. compieta, frz. complie 
„Nacht Vesper" Cohn, SufTwandl. 22.5; 
span. cumpUmento {> ital. complimeiito, 



frz. complitnent) „Erfüllung der An- 
forderungen der Höflichkeit", »Höflich- 
keitsbezeugung"; portg. comprido „lang*. 
+ affalio: regg. apiet „vollständig". 
(Irp. skufid „dreschen" SiR. VI, 54 s. 
2396). 

2102. complexare „umfassen*. 
Rum. coplefi „überschütten", „über- 
häufen" Tiktin, Wb.? 

2103. componere „zusammensetzen". 
Ital. componere, prov. compondre,. 

span. componer, portg. comjJÖr. 

2104. coiuportare „zusammen- 
tragen". 

Ital. comportare „ertragen", afrz. 
comporter „herumtragen", „ berichten "> 
im 16. Jhrh. zu coljjorter umgestaltet, 
prov., katal., span., portg. comportar 
„ertragen". 

210.5. compoäitas „zusammengesetzt". 

Ital. composta „Eingemachtes", frz. 
compote id., neuenb. käpttta „Sauer- 
kraut"; afrz. compost O engl, compost 
> nfrz. com}x>st) „Dünger". 

2106. comprchendere »ergreifen", 
.begreifen". 

Rum. cuprinde „umfassen", ital. com- 
prendere, frz. comprendre, prov. com- 
pendre, katal. comprener, span. cotn- 
prender, portg. comprender ALLG. I. 
551. 

2107.*comptIare „schmücken*, „her- 
richten". 

Ital. conciare „herrichten", „gerben*, 
teram. kungä „sieben", piem. känce 
„beschmutzen", grödn. ^•»tH^^ „flicken", 
friaul. kuinöä. — Ablt.: ital. acconcio 
„zierlich", acconciare (> span. aconchar 
„ausbessern ") „herrichten"; friaul. kuinie 
„Würze". — Diez, Wb. 366; ALLG. I, 
.551. 

2108. conipntare „rechnen", „zäh- 
len", „erzählen*. 

Vegl. computa, ital. contare „rechnen", 
engad. quinter, grödn. kumjKd^. frz. 
cotnpter „rechnen", conter „zählen*, 
„erzählen", prov. comtar „zählen", ka- 
tal. contar „rechnen", „erzählen", span.» 
portg. contar „zählen", „erzählen". — 
Diez, Wb. 107; Salvioni, P.-. 

2109. conipfitas „Rechnung*. 

Ital. conto, frz., prov., katal. comjffe,. 
span. cuento, portg. conto. 
2109a. conare „versuchen". 
Ablt.: log. konos „Brechreiz". 

2110. concacare „bescheißen*. 
Avenez. sconchigarse, afrz. conchier 

(> apav. conchiao), prov. concagar. 



170 



2111. concavare — 2128. conductum. 



2111. concavare , aushöhlen". 
Span., portg. carcavar „mit einem 

■Graben verschanzen". — Ablt.: span. 
-ocircafo „Bauchhöhle", carcat'a „Graben", 
valenc. carcau „konkav", portg. car- 
<iava „tiefer Graben", c«rc(wa „bedeckter 
Graben". 

2112. concha „Muschel". 

Ital. conca „Napf", asard. conca „Tal- 
mulde", „Tal", nlog. konka „Kopf", 
tess., misox., puschl. konka „Gefäß", 
march. Ä;onÄ;a „Wäschekorb", lolhr. kos 
„Freßtrog der Schweine", „kleiner 
Kanal", lyon. conchi „Ausguß" (in der 
Küche), prov. conca „ein Getreidemaß", 
span. cuenca „Napf", „Augenhöhle", 
■cuenco „Waschkübel", portg. conca 
„Napf", „Ohrmuschel". — + skifu 
■9068: siz. kinkti „Trog", neap. kinke 
„Kuchenform" RüRom. I, 99. — Zssg.: 
siz. rikonku „Trog", „Tümpel", neap. 
rekuongele „Versteck", „Höhle", abruzz. 
ngungd „stagnieren", 

2113. couchyla „kleine Muschel", 
„Näpfchen". 

Ital. concola „Näpfchen", gongola 
-„Miesmuschel", abruzz. kongele „Nuß- 
schale", campid. kunkula „Näpfchen", 
portg. concha „Muschel", „Ankergrund 
im Hafen", concho „Näpfchen", sapo 
concho, sa])o cönchavo „Schildkröte". 

2114. conchyliuni „ Muschel " , „ Schnek- 
ke", 2. *conculium, 3. cochylion 
<mgriech.), 4. cocnlinm. 

1. Algarv. conquilho „Art Mies- 
muschel". 

2. Abruzz. konguyijg „grüne Schale 
der Nuß", „Mandel". 

3. Frz. coquille (> ital. cochiglia) 
„Muschel". — Rückbild.: frz. coque. 
Ygl. 2011. 

4. Irp.A^wfcwra „Muschel", istr.A^M^'Mf/a, 
triest. kagoya „Schnecke", gask., perig. 
kagulo (> frz. cagouille) „Krülle", „Ver- 
zierung am oberen Ende des Galions" 
Thomas, Mel. 40. 

2115. concipere „ auffassen ", „ schwan- 
ger werden". 

[Ital. concepire], frz. concevoir, prov., 
katal. concehre, span. concehir, portg. 
conceher. 

2116. *conclaiisum „eingeschlossen". 
Portg. conchoso, quinchoso „kleiner 

ummauerter Garten" RL. IV, 72; XI, 48. 

2117. *concor(liuiu „Eintracht". 

[Avenez., gen., aret. concordio, cam- 
pid. kunkordiu, prov. concordi Rom. 
Gram. II, 404]. 



2118. concnba „Konkubine". 

Alog. cuncnha, aprov. concoa SBPh 
HKlAWWien CXLV, 5, 59. — Ablt. : 
campid. konkoinu „halbbürtig" RILomb. 
XLII, 688. 

2119. concurvare „krümmen". 
Span., portg. corcorar. — Ablt.: 

span., portg. corcova „Höcker", portg. 
corcos „buckelig" Diez, Wb. 442. 

2120. condensare „zusammendrän- 
gen". 

Span, condesar „aufhäufen", „auf- 
bewahren". — Ablt. : aspan. condesa „Ge- 
dränge", „Haufen Menschen" Diez, Wb. 
441; RomF. 1, 133. 

2121. *conderlgere. 
Prov. conderzer „erheben". 

2122. *condiinen „Würze". 

Ablt.: lucch. condominare „würzen" 
AGlItal. XII, 129. 

2123. condire „würzen". 

Ital. condire, alog. cundire „das 
Wasser vergiften", obwald. kundir, 
lyon. kodi, prov. condir. — Salvioni, P.^. 

2124. *condoma (zu domus). 
Asard. condoma „Ehepaar des dienen- 
den Standes". 

2125. coudouare „als Geschenk oder 
Gnade überlassen". 

Aspan. condonar, aportg. condoar. — 
Ablt.: portg. condäo „Gabe", „Talent", 
„Vorrecht" RL. XI, 28. 

2126. *condorsuin. 

Afrz. condos „Anhöhe", „die höchste 
Stelle zwischen zwei Furchen", vend., 
blais. ködö „eine Reihe von Furchen, 
deren mittelste gegeneinander gehen", 
prov. condors „Querstange" R. XXXVIll, 
375. 

2127. conducere „führen". 

Aital. conducere, engad. condür, friaul. 
kondüzi, frz., prov. conduire, katal. 
conduhir, span. conducir, portg. con- 
duzir. Auf die lat. Bedeutung „pach- 
ten" geht zurück: ital. condotta „Pacht", 
„Amtsbezirk", medico condotto „Ge- 
meindearzt", condottiere „Söldnerführer", 
siz. kimnutturi „Pächter". 

2128. conductnin „Röhre", „Zufuhr". 

Ital. condotto „Leitung.sröhre", „Rin- 
ne", condotta „Röhrenleitung", venez. 
kondoto „Abort", afrz. conduit, prov. 
conduch (^ aital. condutto, amail. con- 
dugio, agen. conduto) „Lebensmittel", 
aspan. conducho „Lebensmittel", „Gast- 
mahl", aportg., beir. condotto „Zu- 
speise". 



2129. *conestahulus — 2148. conjugare. 



171 



i2129; *cone8tabulo8 , Stallmeister". 

Frz. comif table (> ilal. connestabile, 
■contestahile, Span., aportjf. condestable, 
nportg. rondestavel) Diez, Wb. 107. (Der 
Begriir führt auf comks stabuli, das 
■n- ist aber schwer zu erklären, viel- 
leicht Ferndissimilation; die ital., span., 
portg. Form ist wohl erst sekundär um- 
gebildet). 

2130. confectare , herrichten ". 
Span, cobcchar „den Acker zum Säen 

herrichten". (Ilal. confetto s. 2133). 

2131. confervia „Wasser faden". 
Friaul. konfiern'e, afrz. confier{g)e, 

confierce, lothr. köfir, westfrz. köfier, 
köfiel, köß. 

2132. coiifessornm altare „Beicht- 
altar". 

[Apav. confessor] AGlItal. XIV, 207; 
ÜSPavStP. I, 202. 

2133. conflcere „herrichten". 

1. Frz. confire „einmachen" (von 
Früchten u. dergl.), prov. conpr. — 
Ablt. : frz. confit (> ital. confetto, span. 
confite, portg. confetto), prov. conf^ch 
„Eingemachtes". 

2134. confldare „vertrauen". 

Ilal. confidare, frz. confier, prov., 
kalal., span., portg. confiar. Vgl. 
3280. 

2135. conflare „zusammenblasen". 

Ilal. ffonfiare (> mfrz. t/onfler) „auf- 
blasen", „schwellen", aital. cufßare 
„fressen", siz. nnk'ari, kalabr. uHKare, 
teram. nmbld, obwald. kuflar „stö- 
bern", afrz. confier, prov. conflar, 
dauph. kufiä, glufä, ffunfd. — Ablt.: 
friaul. kuful „Schale von Weinbeeren", 
bergam. ^()ufa, comask. zgonfiada 
„Blase", bellun. zgof „Eierschale", co- 
mask. zgulfi „Windstoß" ZRPh. XXIII, 
518, tagg. skonsa „Felssturz", nprov. 
gunflo „Anschwellung, die eine Lawine 
ankündigt", veltl. zgonfld „Schnee- 
haufen", friaul. gonfedo „Schneesturm" 
Parodi-Rossi, Poes. dial. tabb. 68, ob- 
wald. kunflan „zusammengewehter 
Schneehaufen". — ALLG. 11,439; AGl 
Ital. XIII, 454; Rom. Gram. I, 427; 
Salvioni, P.*. (Rum. gvnfä, Utginifä, 
arum. gimfare „Anmaßung" Candrea- 
Hecht-Densu§ianu, Dic^. etim. zeigt auf- 
fälligen Schwund des -l-). 

2136. *conllexire. 

Siebenb. o se cofle§'i „weich zu 
werden beginnen" (von Melonen und 
Kohl) Giuglea, Cerc. lexic. 6. 



2137. conforire „Durchfall haben". 

Rum. ctifun, 

2138.conrortare „stärken", „trösten". 

Ital. confoHare, prov., katal., span., 
portg. confortar. — Ablt.: frz. confort 
Diez, Wb. 107. 

2139. confrlngero „zerbrechen". 
Siebenb. cufnnge ZRPh. XXXI, 308, 

afrz. confrelndre. 

2140. *confnndare „auf den Grund 
bringen", „versenken". 

Rum. (s)cufundä, kalabr. shtffundare. 

2141. confandere „verwirren". 

Frz. conf andre, prov. cofondre, aspan. 
cohondor „beschimpfen"; [ital. confan- 
dere, span.. portg. confnndir]. 

2142. *conforcnui „Gabelung der 
Äste", „Wegkreuzung", 2.'*'confarciani. 

1. Prov. coforc, nprov. kafur. — 
Ablt.: aspan. conforquillo „Wegkreu- 
zung". 

2. Anordital. conforzo Thomas, Nouv. 
ess. 191. 

2143. congelare „gefrieren". 
Siz. kufiilari Salvioni, P.'. 

2144. coiiger „Meeraal", 2. grongus. 

1. Ilal. congr(i)o, prov. (> frz.) congre, 
span. congrio, porig, cangro. — Ablt.: 
prov. combriero ( ^ frz. combriere) „ Netz 
zum Fang der Meeraale". — ZRPh, 
XXVII, 124; RPhFrqProv. XXUI, 120. 

2. Serb.-kroat. gang, ital. grongo, 
granca, gongro, cronchio, nprov. grunc; 
larenl. grong^, siz. rungti, grunkti, neap. 
rtiong^, tarent. rueng^. 

2145. congeries „Haufe Schutt". 
2. "^congeria. 

2. Walion. küsir, lyon. ködziri, forez. 
közeir^, nprov. cungeiro „zusammen- 
gewehter Schneehaufe" Thomas, M61. 54; 
ZRPh. XXVII, 152. 

2146. congias „ein Maß für Flüssig- 
keiten". 

Ital. cagno „Kiepe", abruzz. hiH^ 
„Holzgefäß für marinierte Fische und 
Sardinen", log. kondzu „Krug" ASt 
Sard. I, 144, friaul. kiiints. — Ablt.: 
sassar. ktiflolu „Korb". — Diez, Wb. 
365; Salvioni, P.*. (Span, cangilon, 
portg. cangiräo „ein Weinmaß' Diez, 
Wb.436, siz. A«n<5«'ffffu „Korb" AGlItal. 
XV, 339 sind lautlich nicht möglich). 

2147. conhortare „ermahnen". 
Prov. canartar, span. conhortar „trö- 
sten". 

2148. conjogare „verheiraten*. 
Log. kojuare. — Ablt.: kojn „Ehe*, 

campid. kojandza „Ausstattung* AGlItaL 



172 



2149. conjugium — 2168. consolida. 



m, 132; SBPhHKlAWWienCXLV,5,28; 
AGlItal. XV, 484. 

2149. conjugium ^Ehe". 
Log. kojujti. 

2150. conjungere , verbinden".^ 
Ital. congiungere, friaul. kudzondzi, 

frz. conjoindre, prov. conjonhet: — Zssg. : 
friaul. disMndzi „vom Joche losbinden" 
AGlItal. XVI, 223. 

2151. conju(n)gula ^Jochriemen". 
Atrient. conzobla, piac. kondzühia, afrz. 

conjongle, span. coyunda WSt. XXV, 101 ; 
ZRPh. XXIX, 16; RomF. XIX, 637.— 
Ablt.: parm., piac, comask. kondzübiä 
, zusammenfügen", bologn. skondzubia, 
mant. skondzubia, judik. skundzubla 
, Menge", piem. skunzübia „Begleitung", 
„Schar". (Conjugium o^Lev *conjuvium 
AGlItal. III, 132 ist durch die judik. 
und atrient. Form ausgeschlossen). 

2152. *conoperare „zusammenarbei- 
ten". 

Ablt. : afrz. conobrage „Dünger", poitev. 
kunövre „die zweite Getreideernte", 
prov. conobre „Feldarbeit" Thomas, 
Nouv. ess. 217. 

2153. conopeum „Himmelbett". 
Ital. O frz., span., portg.) cariap^, 

afrz. conope. 1- canna 1597: valenc. 

caüape. 

2154. conquirere „erwerben", 2. con- 
quaerere. 

1. Ital. conquidere „besiegen", „quä- 
len", „beunruhigen". — Ablt.: ital. (> 
span., portg.) conquista. 

2. Rum. CHcerl „erobern", a se 
cucerl „sich demütigen", vegl. koncaro, 
afrz. conquierre, nfrz. conquerir, prov. 
conquerre. — Ablt.: frz. conqidte. 

2155. cousacrare „weihen". 

- Ital. consacrare, prov. consagrar, 
katal. consegrar, span., portg. con- 
isagrar. 

2156. conscindere „zerreißen". 
Prov. coisendre, lyon. kuesedre. — 

Zssg.: iial. scoscetidere „abreißen", „ein- 
stürzen", afrz. esconscendre „zerreißen" 
R. V, 378. (Berrich. akuzäde Thomas, 
Mel. 4 s. 2174). 

2157. conscribillare „kritzeln". 
(Ital. scombiccherare StFR. II, 6 ist 

nicht möglich). 

21.58. consequere „erreichen". 
Ital. conseguire, log. konsigire, afrz, 
consivre, prov., katal. consegre, span., 
. portg. conseguir. 



. 2159. conserviens „mitdienend". 

Frz. concierge „Türhüter" RomF. 
XVI, 404. 

2160. conservus „Mitsklave". 

Ital. conservo; dl conserva „gemein- 
sam". 

2161. considerare „betrachten", „be- 
obachten". 

Obwald. kuzidrar, uengad. sidrar 
„vom Munde absparen", afrz. consirer 
„beobachten", soi consirer „von etwas 
ablassen", prov. cos/rrtr. — Ablt. : prov. 
cosire „Sorge" Thomas, Nouv. ess. 226. 

2162. *considerium „Sorge". 
Prov. cosier Thomas, Nouv. ess. 226. 

2163. *cou8illare „raten". 

Ital. consigliare, log. konsidzare, 
engad. kunsler, friaul. konseyd, frz. 
conseiller „raten", afrz. auch „sich be- 
raten", „ins Ohr flüstern", „leise re- 
den", prov. conselhar, katal. consellar, 
span. consejar, portg. aconselhar. (Es 
könnte sich auch um einzelsprachliche 
Neubildungen handeln). 

2164. consilinm „Rat". 

Ital. consiglio, log. konsidzu, engad. 
kusat, friaul. konsei, frz. conseil, prov. 
conselh, katal. conseil, span. consejo, 
portg. conselho. 

216.5. cousobriuus „Geschwister- 
kind". 

Mazed. cusurin, vegl. kosobrahi, lecc. 
kussuprinu, neap. kondznbrine, abruzz. 
kundzuprime, march. ksubrin, urb. kon- 
subri, pesar. subren, engad. kuzdrin, 
friaul. konsovrin, frz. cousin (^ ital. 
cugino), prov., katal. cosi, span. sobrino 
„Neffe", Tporlg. sobrinho id.; Fem. über- 
all -a. — Diez.Wb. 116; ALLG. I, 5.53; 
AGlItal. III, 341; Tappolet, Verwandt- 
schaftsn. 115. 

2166. coiisocer „Mitschwiegervater". 
Rum. cuscrti; dalmat. consegro, ital. 

consuocero, engad. konsör, span. con- 
suegro, portg. consogro, lomb. sközer 
„Schwiegervater" RlLomb. XXX, 1516; 
Fem. überall -a. 

2167. consolare „trösten". 

[Ital. consolare, frz. consoler, prov., 
katal., span., portg. consolar. — Ablt.: 
span. consuelo, portg. consolo „Trost" ; 
abruzz. rekundzele „Leichenmahl"]. 
(Frz. console „Stützbänkchen" ist sach- 
lich nicht begründet). 

2168. consolida „Schwarzwurz". 
Ital. soldola, frz. consoude, nprov. 

kusodo, katal. consolva, span. [con)- 
suelda. 



2169. conspeclus — 2189. contradicere. 



173 



2169. conspeclus , Anblick*. 
Ital. rosjtetto. 

2170. constare 1. ^Iiesleheii", 
2. „ kosten \ 

1. Rum. cusfä flehen". — Ablt.: 
rum. cuHt , Leben". 

2. Ital., log. costare, engad. kxistev, 
friaul. kontar, frz. cnuter, prov., katal., 
span. Costa r, portg. cnstar. — Ablt.: 
it;il. costo, frz. coüt, span. costo; span. 
atsta, portg. custa „ Kosten* Üiez, Wb. 554. 

2171. constlpare , stopfen*. 

Afrz. costivet , verstopft*, prov. con- 
stubar. 

2172. *con8trfttuin , Fußboden*. 
Dalmal. kostrat. 

2173. constringere , zusammen- 
ziehen*, „zwingen*. 

Ital. costringere, frz. contraindre, 
prov. costrenher, katal. costrenyer, span. 
costrenit\ portg. constranger. 

2174. consuere ,näben*. 

Rum. eoase, vegl. kosei', ital. ciicire, 
log. kozire, engad. kuzir, friaul. kttzi, 
frz. condre, prov. cozer, katal. cusir, 
span., portg. coset'. — Ablt.: Schweiz. 
kozhdaira „Näherin*, berrich. akuzädi 
„auftrennen* ZRPh. XXVI, 400. — 
Diez, Wb. 115; ALLG. I, 555; AANa- 
poli XXXI, 52. (Rerrich. akuzädi zu 
21i)€) Thomas, Mel. 4 ist lautlich und 
begrifflich schwieriger; ital. s^z-Msc/re s. 
7320). 

2175. consnescere „gewöhnen*, 
(^bwald. knzeser. — Ablt.: kuzeida 

„Gewohnheit* AGlItal. XIV, 344. 

217(5. consuetudo „Gewohnheit*. 

Ital. rostume, log. kostumcne, engad. 
kost Um, friaul. kiistum, frz. coutume {> 
aital. costuma), prov. cosdnmna, katal. 
vosdumtie, span. costmnbre, portg. co- 
utume. — Ablt.: crem, skutumaya, ju- 
dik. skndmai, skutüm, puschl. skotum, 
bergani. skolmefla „Beiname* AGlItal. 
XVI, 477. 

2177. consiil „Konsul*. 

Val-blen. kozre, val-bedr. kustni 
liDorfoberhaupl*, dauph. kicosyo „Steuer- 
einnehmer*. 

2178. coiisnnimare „vollenden*. 
[Frz. consommer, span. consumar, 

portg. corisiwimar. Das VVort ist nament- 
lich im Frz. in seiner Bedeutung durch 
roNsuMERE consumir , verzehren" be- 
einflußt worden]. 

2178a. *coiisutor „Schneider*. 

Lucch. costore, Fem. ci>strice AGlItal. 
XVI, 439. 



2179. *coiisuturn .die Naht". 

Ital. costuia, engad. kuzdüra, frz. 
coutnre, prov. rosdura, span., portg. 
costura. — Ablt.: frz. accoidrer „her- 
richten* G. l'aris, Mel. ling. 4.54. (Frz. 
accoHtret- zu a:itia SBPreuüAWBerlln 
1889,M0!t2 ist weniger wahrscheinlich; 
rum. cHsaturä „Naht* ist Neubild.). 

2180. contacioii (mgriech.) .Urkun- 
densammlung*. 

Log.coMrfflr^eSBPhHKlAWWienCXLV, 
5,49; RILomb. XLII, 818. 

2181. contente »sofort*. 

Afrz. content, franche-comt. kuto, nfrz. 
payer comptant „bar bezahlen*, urgent 
comptant (> ital. coM^nn/«) „bares Geld". 
(Nfrz. comptant als Partizip, von coinp- 
ter Tobler. Verm. Beitr. I, 17 scheitert 
daran, daß in Dampricliard das Partizip 
küte, das Adj. dagegen kiltd lautet). 

2182. coutentns „zufrieden*. 

Vegl. contiant, ital. contento, log. kon- 
tentu, engad. kontaint, frz. content, prov., 
katal. conten (> aspan. contento, portg. 
contente). 

2183. conterSre „zerreiben*. 
Span, rutiir, portg. cortir „gerben" 

Diez, Wb. 443. 

2184. contingrere 1. »berühren", 
2. „sich ereignen*. 

2. Span, contir, aspan. contescer, 
nspan., portg. acontecer Diez, Wb. 441; 
R. X, 77; Rom. Gram. II. 404. 

2185. continnus „fortwährend*. 
Agen. contignu, apad. coniugno, prov. 

contuni. 

2186. ^contorpescere .ringsum er- 
starren*. 

Rum. cntrop) „einschließen*, ,um- 
.stellen*, „überwältigen* Tiktin, Wb.V 

2187. contra „gegen*. 

Rum. cätfii, ital. contra, contro, log. 
kontra, engad. kunter, friaul. kuiniri, 
frz. contre, prov., katal., span., porig. 
contra. Contra als Verbal-Präf. s. Rom. 
Gram. II, 601. Ob einzelne dieser Bil- 
dungen, z. B. das am weitesten ver- 
breitete *COSTRA FACERK SchoD lat. 
oder ob alle erst einzelsprachliche Neu- 
bildungen sind, ist nicht auszumachen. 

2188. contraetns „gelähmt*. 

Afrz. rontrait, prov. contrach, katal. 
contret, span. contrecho, portg. contreUo. 

2189. contradicere „widersprechen*. 
Ital. contradire, log. contraigere, engad. 

kontradir, friaul. kontradi, frz. contre- 
dire, prov. contradire, katal. contradir, 
span. coniradecir, {jortg. confradizet: 



174 



2190. contrarius — 2207. cophinus. 



2190. contrarius ^feindlich". 

[Ital. contradio, frz. contraire, prov. 
eontrari, span., portg. contrario. — 
Ablt.: afrz. contralier , streiten"]. (Afrz. 
contralier *contraligäre MSLParis 
VII [, 344 ist formell und begrifflich 
unmöglich und nicht nötig). 

2191. *contrata , Gegend". 

Ital. contrada, engad. kantreda, friaul. 
Jcontrade, frz. contree, prov., katal., 
span., portg. contrada Diez, Wb. 107; 
ALLG. 1, 551. 

2192. convenire „zusammenkom- 
men", „sich schicken". 

Rum. ctiveni, ital. convenire, log. 
kwnbennere, engad. kimvflir, friaul. 
konvini, frz. convenir, prov. covenir, 
katal, span., portg. convenir. Das Wort 
ist in Nordostitalien das Modalverbum 
des Müssens und als solches stark ver- 
kürzt: avenez., apad. (s)cogner, comask. 
kini, bergam. skvini, romagn. quiüer, 
friaul. kuül, tirol. koni, kofid Schneller, 
Rom. Volksmd. 134; Mussafia, Beitr. 99. 

2193. *coavenium „Übereinkunft". 
Ital. convegno, afrz. couvin, couvine 

(^ prov. covina), katal. conveni, span. 
convenio Diez, Wb. 107 ; Rom. Gram. 
II, 404. 

2194. conventum „Übereinkunft". 
Rum. cuvint „Unterredung", obwald. 

far kurvien „sich wundern" RomF. XI, 
463. — Ablt.: rum. cuvintä „reden"; 
ligur. accoventao „wild", „gewalttätig", 
zunächst als Gerichtsausdruck: „die 
einander gegenübergestellten Personen" 
Parodi-Rossi, Poes. dial. tabb. 53; piem. 
(v}ente, lomb. ventä, bentä „müssen". 

2195.conventns 1. „Zusammenkunft", 
2, „ Kloster ^ 

2. Ital. convento, frz. couvent, prov. 
voven, [span., portg. convento]; dauph., 
lyon. (ve de) kuve „Nach wein" R. 
XXXIII, 218. 

2196. converbinm „Gerede". 

Not. skummerhiu „Tumult", „Un- 
ruhe". 

2197. conversare „verkehren". 
[Ital. conversare, frz. converser, prov., 

span., portg, conversar. — Ablt. : in- 
teram. combersado „Liebhaber"]. 

2198. conversus „verkehrt". 

Log. kumbessu „verdreht", kombessia 
„Schutzdach" Salvioni, P.»; KJbFRPh. 
IV, 1,191. (Oder convsxus AGlItal. 
XV, 485). 

2199. conviare „auf den Weg geben", 
„begleiten". 



Ital. conviare „begleiten", log. ku- 
viare „ein junges Ehepaar ausstatten",- 
frz. convoyer „begleiten". — Ablt.: log, 
kuviadu „Ausstattung"; frz. convoi „Ge- 
leite" O itai. convoglio „Geleite", „Eisen- 
bahnzug", portg. comboi(ö) „Eisenbahn- 
zug") Diez, Wb. 700. 

2200. couvitare „einladen" (invitare 
-\- convivium). 

Ital. convitare, log. kumbidare, frz. 
convier, prov. covidar, katal. (> span., 
portg.) convidar. — Ablt.: ital. convito, 
afrz. convi, prov. covit, katal. convit (> 
span., portg. convite) „Gastmahl". — 
Diez, Wb. 108; ALLG. I, 551. 

2201. couviviiiin „Gastmahl". 
Ital. conibibbia „Trinkgelage". 

2202. cookery (engl.) „Schifisküche". 
Frz. coquerie „große Küche am Hafen" 

Behrens, Frz. Wortg. 293. 

2202a. cookroom (engl.) „Küche". 

Frz. coqueron „SchifTsküche" Behrens, 
Frz. Wortg. 294. 

2203. cooperculnm „Deckel". 

Ital. coperchio, campid. koberku, 
engad. vierkel, friaul. kiivierkli, frz. 
couvercle, pvow.cobercle; ob\yald. vierkle 
des eis, lütt, koviek di Cni „Augen- 
deckel", „Augenlid" RomF. XIV, 379 
sind wohl Germanismen. — Mit Suff. 
W. : span. cobija. — Diez, Wb. 441; 
ALLG. I, 551. 

2204. cooperimeutum „Bedeckung", 
„Decke". 

Arum. coperlmänt „Dach", „Decke", 
ital. cop^Hmento, log. koberimentu „Dek- 
kel", span. cobrimiento „das Verbergen", 
portg. cobrimento „Deckel". 

2205. cooperlre „bedecken". 

Rum. {a)coi){e)r\, vegl. koprer, ital. co- 
prire, log. koberrere, engad. kuvrir, 
friaul. kuvierdzi, frz. couvrir, prov. 
cobrir, katal. cobir, span., portg. cubrir. 
— -\-GUBERNARE 3903: engad. kover- 
nir, uengad. kovernar „decken". — 
Ablt.: afrz. couvraine „Zeit der Saat", 
orl., berrich. kuvrai id., gir. kucrai 
„Herbst" Merlo, Stag. mes. 78. — ALLG. 
I, 551 ; VI, 378. 

2206. coopertorinm „Decke". 
Rum. cärpätor, siebenb. curpätory 

mazed. cülpator „hölzerner Deckel", 
„Holzteller" GL. XLII, 91, serb.-kroat. 
kupatur „Decke", ital. copertoio „Dek- 
kel", aital. auch „Decke", „Streichgarn", 
span. cobertero „Deckel". 

2207. cophinus „Korb", „Tragkorb". 
Ital. cofano, span. cu^bano. [Frz. 



4208. coprose — 2217. cor. 



175 



fdffre, coffin, span. (y*/?;i1. — Ablt.: loj,'. 
kohulzolu ^Kästclien" AGIIlal. XV, 484; 
frz. couff'eau „ein Hohlniiili'' ZFrzSpL. 
XXVI, 1-iB. — Diez, Wb. 103; ALLG. 
I, 551. (Aital. coffn Rom. Gram. II, 400 
s. 4758). 

2208. coprose (engl.) , Klatschrose ". 

Frz. coprose Behrens, Frz. Wortg. 848. 
illd. klapprose Diel. G^n. liegt lautlich 
zu lern). 

2201>. copiila „Band", 2. cloppa. 

1. Ital. coppia „Paar", guhbia , Drei- 
gespann von Maultieren" Caix, Stutl. 
352; frz. couple „Paar", pro v. coft/a (> 
portg. robra) „Strophe". 

2. Neap., tarent. hyoppa, emil., pnrni. 
öupa, venez. copa (> friaul. cope) 
„Paar" (vom Brot), log. goba „Paar", 
loba „Zwillingspaar", frades de loba 
„Zwillingsbrflder". — Ablt.: log. krö- 
bitm AGIItal. XV, 489; RILomb. XLII, 
Ü91. (Ital. combina „Mittelband am 
Dreschflegel" Caix, Stud. 79 gehört zu 
2074. Log. tipa „Schatten" Zanardelli, 
App. less. top. I, 5 s. 2409). 

2210. copulare „zusammenkoppeln". 
Log. lobare, ^obare. — Zssg. : ital. 

accoppiare, imol. aiupi, engad. s'akufler 
„sich vereinigen" ACJlItal. I, 198; lyon. 
ekoblö „SpaiHistricke anlegen", ekoble 
„Spannstrick". 

2211. copnlam „Band". 

Versil. kyoppo „mehrere gleichzeitig 
^^ewachsene Pflanzen" (z. B. Pilze), log. 
lobu, gobti „Schlinge". — (Versil. ki/oppo 
aus pyoppo J'iwvLvs ZRPh. XXVIII. 
179 ist begrifl"lich und formell nicht 
verständlich). 

2212. coqnere „kochen", 2. *cocere. 

1. Afrz. ri(/r>v „Sorge", „Bedrängnis" 
LCBl. 1870, 22. 

2. Rum. coace, vegl. kukro, ital. cuo- 
cere, log. kogere, engad. koniet', friaul. 
knei, frz. euire, prov. rozer, katal. coun; 
span. cocer, portg. cozer. Rum. auch 
„reifen", neap. in derselben Bedeutung 
kutikoöere, log. koUu „reif". — Ablt.: 
grand'-comb. kö „faul vom Holze", afrz. 
cuison, franche-comt. közd, neuenb. 
knezd „Sorge", „Qual"; prov. cozensa 
„Qual", „Pein", afrz. cnisenQon id. — 
Diez, Wb. 557; ALLG. I, 548; R. IX. 
334. (Afrz. aiisenQon *coyQrisiTiox£ 
ZRPh. III, 571 nach Form und Be- 
deutung schwierig; frz. cnisse, nprov. 
kiteiso „eine Maßeinheit Iflr Getreide" 
ZFrzSpL. XXVI, 182 nach Form und 
Begriff nicht geklärt). 



2213. coqoiua „KQche", 2. *coclna. 

1. Tess. ktivina „Aushilfsküche" R. 
XXIX, 4.55. 

2. Vegl. koiaina, ilal. rurina, log. ko- 
gina, engad. ktiiina, friaul. kuzine, frz^ 
cuiaine, prov. cozina, kalal. luina, span.. 
cocina, portg. cozinha Diez, Wb. 115; 
ALLG. I. 548. 

2214. coquinare „kochen", 2. *co- 
cinare. 

2. Ital. cucinare, friaul. kuzind, frz^ 
cuisiner, span. cocinar, portg. cocinhar. 

2215. coquistro „königlicher Vor- 
koster". 

Afrz. ciästre, cois/ron „Küchenjunge"», 
nfrz. cuistre. — Mit SufF. W.: prov. 
coguastru Diez, Wb. 557; Bulletin de 
la sociae Ramon 1898, 167. 

2216. coqans „Koch". 

Ital. cuoco, frz. qiieux, prov., katal. 
cor ALLG. 1, 549. (Frz. coquin „Spitz- 
bube" Diez, Wb. .5.52, gueiix „Bettler" 
Diez, Wb. 607 sind lautlich und begriff- 
lich abzulehnen). 

2217. cor „Herz". 

Vegl. kur, ilal. cuore, log. korOy 
engad. kotir, friaul. kiir, frz. coeiir, 
prov., katal. cor, aspan. euer, aportg. 
cor. Im Mittelaller bedeutet das Wort 
auch „Magen" und gilt außerdem al.* 
Sitz des Verstandes und Gedächtnisses, 
daher ufrz. savoir par coeur „auswendig 
lernen", aspan. de euer „auswendig", 
portg. saber, appretider de cor, nspaa.. 
de coro in Anlehnung an mit choeiir 
„Chor" verwechseltes frz. r«'«r SBPreuß 
AWBeriin 1900. 1272; MPh. VII, 50. 
— Ablt. : kalabr. kurina „Gipfel einer 
Pflanze", „eines Berges", ursprünglich 
*„das Beste", *„das Höchste*?, afrz. 
corine (> aital. corina) „Zorn", „Groll"^ 
R. XX VIII, 288; frz. cournge, prov. 
coratge (> ital. coraggio. span. coraje^ 
portg. coragem) „Sinn", „Mut"; afrz. 
coraille, pikard. korei, prov. coralha 
„Eingeweide"; prov. corn/ „Eichenholz"^ 
lyon. korö „Eiche" ; span. corazon, portg. 
cora^lo „Herz": ital. accarare „zu Her~ 
zen gehen", „ermutigen", losk. „ab- 
stechen" (besonders Schweine), log. ok-^ 
A-Wffr^ „betrüben", sfrz. acorer „töten*,, 
prov. acorar „töten*, „schwach werden*, 
nprov. rtÄ-onf „ermutigen", kalal. flcoror 
„betreiben"; auch parm. oA^ora dal fred 
„vor Kälte erstarrt", aber wie erklärt 
sich begrifflich parm. fög akorä „star- 
kes Feuer", akord „heftig", andar akord 
„rasch gehen*?; piem. skör „Ekel*» 



17ß 



2218. coracinus — 2234. cormus. 



Irz. ecoeurer ,sich übergeben"; nportg. 
decorar , auswendig lernen". — Zssg.: 
campid. koraiedu „Sauerklee" AStSard. 
I, 144; afrz. cuerpous, prov. corpos 
PULSUS „Herzklopten"; Meuse: gar- 
•göizö cocTio, lyon. goryosö, nprov. kor- 
kuisü; poitev. köi-asö amsio „Sorge" 
R. XXXVIII, 374; XXXIX, 234; engad. 
■dakuormaing, afrz. escord{r)ement „von 
Herzen". (Tosk. aschero AASTorino 
XLI, 474 ist lautlich unmöglich, s. 700). 

2218. coracinus „Umberfisch". 
Aital. carac^no, neap. guarraöine ; vgl. 

2269. 

2219. corallnm „Koralle", 2. coral- 
linm. 

1. Ital. corallo, log. koi-addu, afrz., 
prov. coral, nfrz. corail; reims. korö, 
lyon. korio „Hagebutte". 

2, Bologn. kurai, romagn. korai. 

2220. coratuin „Geschlinge" StGlItal. 
n, 96. 

Pistoj. corata, romagn. kori „Leber", 
gen., lomb. koi-ada „Lunge", prov. co- 
rada „Ochsenherz", bress.-louh. köre 
„Lunge und Herz der Tiere", nprov. 
Jcurado „Lunge", z. T. auch „Leber" 
RomF. XIV, 493; 508. — Ablt.: ital. 
•coratella, friaul. koradele „Geschlinge". 

2221. corax „Rabe". 

Aital. coracia „Mandelkrähe". 

2222. corbicnla „Körbchen". 

Frz. corheille (> portg. corhelha, gol- 
pelha) Diez, Wb. 553. 

2223. *corbicn8 „Korb". 

Bologn., ferr. korg, mirand. körag, 
regg., mail. köreg „Gehschule", comask., 
veltl. kork „Mistkarren", borm. kork 
„Verschluß, in welchem Schweine ge- 
mästet werden" ; bologn., mirand. korga. 
Auch moden., regg. hurg „Körbchen", 
romagn. horga „Getreidekorb", bologn., 
ferr. htirgot „Taubenschlag"? 

2224. corbis „Korb". 

Ital. corba, log. korve, prov. corp, 
■corha. — Ablt.: ital. corbello „Körb- 
chen", „Dummkopf", corhellare „ver- 
spotten", avicent. corbame „Leichnam", 
nprov. gorbel „Körbchen", korber „Mühl- 
trichter". (Oder ital. corbello „Dumm- 
kopf" zu 2269; rum. corfä „Korb" 
stammt aus dem Siebenb.-Sächsischen). 

2225. corbita „Transportschiff". 
Ital. corvetta, frz. corvette, span. cor- 

heta, portg. coi-veta Diez, Wb. 108. (Die 
<ieschichte des Wortes ist nicht auf- 
4jeklärt. Das -v- spricht für Sizilien als 



Ausgangspunkt und da ital. e im Siz. 
als i erscheint, könnte ein siz. *kurrifa 
in Anlehnung an die Bildungen auf 
-etta zu corvetta italianisiert worden 
sein. Die span. und portg. Form weisen 
mit -^ auf Katalanien hin; Herleitung 
des Wortes aus niederl. *corve Kemna, 
„Schiff" im Frz. 155 geht nicht, da ein 
solches Wort nicht existiert, mnd. korf 
„Schiff" formell nicht paßt). 

2226. corbula „Körbchen". 
Megl. croablä. 

2227. corculnm „Herzchen". 

Kors. km-6ii „elend", „unglücklich" 
AGlItal. XIV, 392. 

2228. cordatns „verständig". 
Rückbild.: span. ciierdo, porig, cordo 

Diez, Wb. 443. 

2229. cordoHuin „Herzeleid". 

Ital. cordoglio (> engad. kordöli), 
afrz. cordueil, prov. cordolh, katal. cor- 
doll, span. cordojo. 

2230. Corduba (Stadt in Spanien). 
Ablt.: ital. cordovano, prov. cordonn 

(^ afrz. cordouati), span. cordoban, 
portg. cordoväo „Leder aus Cordova", 
afrz. cordouanicr, nfrz. cordonnier 
„Schuster" ; afrz. corvois, prov. cortves 
„Art Leder" ZRPh. XllI, 546, awallon. 
corbesier, lütt, kuepchl, Saint-Hub. kvabSi, 
nam. kwamzl „Schuster". 

2231. coriameii „Leder". 

Ital. corame, log. koramen, engad. 
Tcüram, friaul. koream, afrz. cnrien, 
span. corambre, Y)ortg. corame. — Ablt.: 
friaul. koramel „Abzugleder für Rasier- 
messer". 

2232. coriandrum „Koriander". 
Ital. coriandolo, nprov. kuUndro 

„Stachelbeere" Thomas, Mel. 57; At. 
Ling. 670; s^^iW. culantro, portg. coe«iro 
Diez, Wb. 443; AGlItal. VII, 143; 
RomF. XV, 815. 

22.33. corium „Leder". 

Ital. cuoio, log. kordzti, altuengad. 
chiör, frz. cuir, prov. coir, katal. cur, 
span. cuero, portg. coiiro; log. kordza 
„Rinde" RILomb. XLII, 688, span. 
cuera „lederne Jacke". — Ablt.: nord- 
ital. corazza (> frz. cuirasse, prov. 
coirasa, span. coraza, portg. conraQO) 
„Panzer"; frz. cwee „der Anteil, den 
die Hunde am Fleisch, zunächst eigent- 
lich am Fell der Beute haben". 

2234. cormus (griech.) „Klotz". 

Kalabr. kurmu „Baumstamm", span. 
corma „Fußklotz" Diez, Wb. 442. (Log. 
korumeddu s. 2272). 



2235. Cornea — 2244. *corollium. 



177 



2235. Cornea ,Kornelkirsche^ 
Aital. cornia, prov. cornha. — Ablt. : 

vegl. korlir, ital. corniola (> frz. cw- 
neille, cornmiille), friaul. kuarüal, kiiar- 
fiolar Diez, Wb. 109; Cohn, Suff- 
wandl. 228. (Für das Frz. ein *cornu- 
CULA anzusetzen, empfiehlt sich nicht, 
weil cornouille erst im 15. Jhrh. an 
Stelle von filterem comeille tritt; afrz. 
covnolle ist wohl auch ital. Ursjjrungs, 
jedenfalls nicht bodenständige Entwick 8- 
lung. Die Übereinstimmung der nfrz. 
Form mit cornulia bei Oribasius M61. 
Havet 508 ist somit zufällig). 

2235a. "corneola .Kehle". 

Lyon, korüöla, cor6z. korüola, Wallis. 
korni, berrich. knrnol RomF. XIV, 433. 
(Bedeutungsentwickelung ^liornartig", 
,fest wie Hörn" oder ^hornförmig* 
oder ursprünglich , Trinkhörnchen " ? 
Mit der als zuerst angenommenen Be- 
deutung wäre wohl auch venez. kröfiolo 
, Fingerknöchel " vereinbar). 

2236. corniceii „Hornbläser*. 
Ablt.: log. korriginare , brüllen", kor- 

riglmi „Gebrüll". 

2237. cornicnla „Kornelkirsche". 
Span, corneja. — Ablt.: afrz. cormllier. 

2238. cornlcula „Krähe", 2. »cor- 
nicula. 

1. Engad. korniFa, friaul. kiwnil. 

2. Bologn. kurnäöa, obwald. kurnait, 
frz. Corneille, prov. cornelha, kalal. 
Cornelia, span. corneja; lyon. korniti 
„Traubenranke", vend. kornei „Korn- 
rade"? ^- CrRACULA'. ital. cornacchia, 

prov. cornalha, pikard. kornai ZRPh. 
XXVI, 705; AGlItal. XIII, .382. (Kalabr. 
kurnokkga, acampid. corrogla, ncampid. 
kanoga, log. korrionka, korrankra, 
korrinkla sind nicht erklärt, Umstellung 

-0- — -rt- zu -a- o- Rom. Gram. II, 

423; ZRPh. XXII, 466 wird durch die 
alte Form ausgeschlossen, Suffix -ocula 
AStSard. V, 216 müfate anderweitig be- 
stätigt sein). 

2239. corniculum „Hörnchen", 
2. cornncnlnni. 

1. Siz. kurnikkyu; romagn. kornei 
, Gemüse" Salvioni, ?.*; siz. kurnikkya 
„Bockshorn" ist Übersetzung von griech. 
Jceration, das als öirattsuni daneben be- 
steht. 

2. Aital. cornocchio „Maiskolben", 
„Bergspitze", verzas. kornoö „Zimmer- 
•ecke". 

2240. cornu „Hörn". 

Rum. com, vegl. kuarno, ital. conto. 



log. korru, engad. UUeni, friaul. kuarn, 
frz. cor, prov., katal. com, span. cuerno, 
portg. corno; Plur. runi. coame, ital. 
corna „Geweih", als Sing, engad. Äorwa, 
frz. come, prov., katal. corna, span. 
ctierna, portg. corna „Geweih"; veltl., 
verzas. Ä:o;-Mo „Fels", rum. corn „Ecke". 
— Ablt.: mazed. cärnai „Schnecke*, 
AARom.XXIX, 217, frz.comard „Hahn- 
reih", wallon. koirne „nur mit einem 
Hörn versehen"; ital. scomare, frz. 
^Corner, icornifler „verspotten*. — Zssg. : 
ital. comamusa, frz. comemuse, prov., 
katal., span., portg. comamusa, prov. 
auch mnsacorna „Dudelsack"; afrz. 
entrecor „der Teil des Schwertes zwi- 
schen Knauf und Stichblatt" R. XXXIII, 
413; ZRPh. XXIX, 249. — Diez, Wb. 
109; 566; ALLG. VI, 383. 

2241. cornas „Kornelkirschbaum". 
Rum. com. — Ablt.: span. cnmizo 

(/> portg. corniso), comizola, portg. 
cornisola. 

2242. comntns „gehörnt*. 

Rum. cormit, vegl. karnoit „Horn- 
viper", ital. cornuto, log. kornidu, 
uengad. kornil, friaul. komut, frz. cornu, 
prov., katal. cormit, span., portg. cor- 
nudo; lyon. komäa „Tragekorb", nprov. 
kornüdo „Kübel" At. Ling. 375; span., 
portg. cornuda „ein Fisch" (zygaena 
mnlleus) RLRom. LH, 103; RDRoni. 
n, 158. 

2243. coröUa „Krönchen". 

Ital. corolla „Blumenkrone*, sen. co- 
rolla „Tragpolster", pistoj. corolla, co- 
rollo „Kringel", sen. corollo „rundes 
Anisbrot", kalabr. knrudda, lecc, siz. 
kud(^ura „Bretzel", „Kringel", messin. 
kud^ura „Tragepolster" Salvioni, P.*; 
RILomb. XL, 1048; ZRPh. XXXII, 240, 
kalal. curiill „kleines Dach Ober dem 
Schornstein*, „das, was vom Mehl und 
dergl. sich über den Rand des Meß- 
geföfjes erhebt* R. XVII. 59; auch 
transmont. Ä.-flfro/o „Stück Brot"? (Norm. 
kröl „an einem Slnck zusammengebun- 
dene kleine Fische" Thomas, Mel. .59 
fällt mit -5- auf; siz. kuddnra zu collyra 
2055 AGlItal. XII. 91; ZRPh. XXX, 
656 wird durch die kalabr. Form un- 
wahrscheinlich; frz. Carole ZRPh. VI, 
109 s. 1884. 

2244. *oorolllain „Tragpolster*. 
Neap. koruoff, aret. korofo, bologn., 

kroi, parm. kröi, urb. kroia AGIIU»!. 
II, 337. 



Meyer- Lübke, Roman, etjinolog. Wörterbuch. 



la 



178 



2245. Corona — 2257. corrosus. 



2245. Corona , Krone", , Kranz". 
Rum. ctcntinä „Kranz", mazed. curunä 

auch , Menge", ital,, log. corona, engad. 
koruna, friaul. kurune, frz. coiironne, 
prov., katal., span. corona, portg. coröa. 

— Ablt.: veron. karnela , Nadelöhr " ; 
span. coronilla (y frz. cor onille) „Kronen- 
wicke". (Auch ital. cruna „Nadelöhr" 
AGlItal.III, 323; X, 28 mit unerklärtem 
-u- und abruzz. krume id. mit auf- 
fälligem -m-?). 

2246. coronare „krönen". 

Rum. amim« „trauen", ital. coronare, 
frz. couronner, prov., katal., span. co- 
ronar, portg. coröar. — Ablt.: megl. 
curunä „Trauung". 

2247. coronis (griech.) „kleiner 
Kranz". 

Ital. cornice (^ frz. corniche, span. 
cornisa, portg. cornija) „Kranzleiste" 
Diez, Wb. 109; Rom. Gram. I, 39. 

2247 a. *coroninm? (zu corona 2245). 

Acampid. corongiu demaialis „Schwei- 
nestall", ncampid. „Felsmasse, meist auf 
einer Bergkuppe". 

2248. corpus „Leib", „Körper". 
Megl. corp, ital. corpo, log. corpus, 

engad. kiierp, friaul. kuarp, frz. corps, 
prov. C01-S (y portg. cos „oberer Teil 
des Hemdes", „Gürtel an der Hose" oder 
am „Rock"), katal. cos, span. cuerpo, 
portg. corpo, alomb., abologn. corpo 
„Leichenbegängnis" GStLItal. Vm,419; 
BSPavStP. I, 223. — Ablt.: ital. corpetto, 
frz. corset (> ital. corsettö), afrz. cor- 
selet iy ital. corsaletto), katal. cossar 
„Leibchen". — ALLG.VI,383; AGlItal. 
III, 364. 

2249. ^orrah (arab.) „Geldbeutel". 
Katal. sarro, span. zurron, portg. 

surräo Diez, Wb. 500; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 533. 

2250. correctarlns (mlat.) „Makler". 
Frz. courtier, prov. couratier Fehr, 

Die Sprache des Handels in Alt-Eng- 
land 62. (Aus prov. couratier zu correr 
„laufen" Dict. Gen, geht begrifflich 
nicht). 

2251. correctns „korrekt". 
Interam. correito „glatt", „einfach", 

„gut", mal correito „nicht disponiert", 
portg. escorreito „gesund", „munter". 

— Ablt.: portg. acorreitar „genesen". 

2252. *corredare „herrichten" (zu 
73S9). 

\\.s\. corredare „anrichten", frz. cour- 
royer „herrichten", „gerben", prov. 
conrear, span. correar „Wolle geschmei- 



dig machen". — Ablt.: ital. corredo 
„Ausstattung", frz. corroi „die Herrich- 
tung von Fellen", prov. conrel, katal. 
correiu „Wohltat", span. cor reo „Ab- 
fertigung". — Einführung 42. 

2252a. corrigere „verbessern". 

Amail. corzer „auftragen", „einen 
Auftrag geben" Mise. Ceriani 493, aspan. 
correr „beschämen", katal. acorrer id., 
auch vionn. korde „wegnehmen"? 

2253. corrigia "„Riemen", „Peitsche". 
Rum. cureä, tosk. coreggia, log. kor- 

ria, friaul. koreye, frz. courroie, prov. 
coreia, katal. corretja, span. correa, 
portg. correia. — Ablt.: ital. coreg- 
giolo, velletr. krivuolo, abruzz. kriyole, 
nprov. kuredzolo, span. corregiiela; afrz. 
escorgie, südwallon. sikoriy, lothr. kngi^ 
Schweiz, ekori „Peitsche" At. Ling. 599; 
vgl. 2987; ital. coreggiato „Dresch- 
flegel" WS. I, 238; lomb. korengöla, 
siz. kurriyula, nprov. kureSado, kuri- 
£olo, span. corregiiela „Winde" (con- 
volvulus arvensis) At. Ling. 777. — 
Diez, Wb. 119; ALLG. I, 552. (Rum. 
cweä „Riemen" corella zu corium 
2233 Pu§cariu, Wb. 459 ist lautlich 
nicht nötig und begrifflich nicht un- 
bedenkhch). 

2254. corrimare „spalten". 

Rum. curmä „durchschneiden", „ab- 
brechen". — Zssg.; scurniä „durch- 
wühlen", „durchstreichen" Tiktin, Wb.; 
Giuglea, Cerc. lexic. 25. 

2255. corrogafa „Aufgebot", „Fron- 
dienst". 

Frz. corvSe. 

2256. corrosare „benagen". 

Pistoj. carosare, march. karozä, vel- 
letr. kasorä, abruzz. karusä, kasurä,. 
neap., kalabr. karusare „die Haare 
schneiden", siz. karusari „die Füße 
der Pferde scheren". — Ablt.: neap. 
karuse „geschoren", siz. karusu „Junge" ; 
neap., karusielle „geschorenes Köpf- 
chen", „Sparbüchse", in letzterem Sinne 
auch siz., kalabr., abruzz., röm. ZRPh. 
XXX, 20. (Auffällig ist -r- statt -;•/•-, 
Anlehnung an cara 1670 oder Ab- 
leitung davon AGlItal. IV, 404 geht 
aber auch nicht wohl. Der Anklang an 
alban. kp-os „Grindkopf" cariosus ist 
wohl nur zufällig). 

2257. corrosus „zernagt". 
(Nordital. krös BStS vital. XIX, 151, 

engad. krös, afrz. crues, nfrz. creux, 
prov. crQs „hohl" Diez, Wb. 556 geht 
nicht, da die rom. Formen -g- ver- 



iJsJöS. corrotare — ^269. corvus. 



179 



I 



langerv AGlltiil. I, G5; R. X, 47; ZRPh. 
VI, 109; Einlührung 88; Einfluß von 
COCHLEA 2011 SMPhHKlAWWien CXLI, 
3, 188 ist wenig wahrscheinlich. Hier- 
her gehört wohl noch gen. kröttza da 
man „die hohle Hand", hergell, k-rös 
rf'ö/, Eischale* ; lyon. kriles „Ohstkern", 
sav. kroza , Schote", , Hülse" RlLomb. 
XLI, 1207. Lyon., sav. kroza, genf. 
kraze , abschüssiges Ufer", „Schlucht" 
SBPhHKlAWVVien CXLI, 3, 189 weichen 
nach Form und Bedeutung ab; lyon. 
kriles „Wiege", bress. kr(ü)et ebenda 
S. 190 sind vollends unmöglich, da die 
Nebenform krosö und aprov. crosar 
„hin und her bewegen", „wiegen" 
tonlosen Stammauslaut zeigen). 

2258. *corrotare „zusammenfallen", 
„einstürzen". 

Bologn. kruder, lomb. krodd, engad. 
kruder. — Ablt. : venez., trient., tirol. 
kroda, friaul. krode „Absturz". „Fels", 
ferr. kroda „Abfall" AGlltal. XVI, 297, 
misox. kref, arbed. kröf „Überbleibsel 
in der Krippe", parni. Avw/r/ „Fallobst"; 
val-blen. sA-r/ew^o/ „Spreu" AGlltal. XVI, 
174; R. XXXVl, 231; ohw i\k\. karientas 
„Spreu" AGlltal. XVI, 394. — RFICl. I, 
388; AGlltal. I, 59; Schneller, Rom. 
Volksmd. 231. 

2259. *corroteolare „zusammen- 
rollen". 

Ablt.: aital. gruzzolo „Gruppe von 
Personen", „Herde Vieh", „Haufen Geld", 
nital. „Sparpfennig". — Rückbild.: aital. 
grnzzo , Sparpfennig" Caix Slud. 89; 
AGlltal. XV, 389. 

22()0.*corrotnlare„zusammenrollen', 
„erschüttern", „stürzen". 

1. Ital. crocchia „Schopf", „Haar- 
knoten", mail. kröS „Vereinigung, na- 
mentlich zu schlechten Streichen", val- 
magg. kröK^ „Tierlager", valblen. ^•ms 
„Zauberer", „Heide" BStSvItal.XIX, 151. 

2. Ital. croUare, frz. crouler, prov. 
crotlar „schütteln". 

3. Crem, ffrogol .Klub" AGlltal. XVI, 
U)2. (Ifal. crocchio „Piaudergesell- 
schaft", „Klub" kann hierher gehören, 
doch vgl. 2339. Ital. grnllo „klumpig", 
„dicht" StFR. VII, 94 ist schon wegen 
des -M- abzulehnen). 

226ir *corruptiare „erzürnen* (zu 
corrumpere). 

Afrz. correcier (> avenez. corezar, 
apad. inscorezzar, gen. insktirsou »zor- 
nig" R. XXII, 307), coiirrottcier, prov. 
corosar (> ital. cmi^icciarsi, aspan. 



corrogar R. XXIX, 348; KJBFRPh. 
VI, 1,389). — Ablt.: frz. cmirroux, 
ital. corruccio „Zorn", span. escorrozo 
, ärgerlich". — R. 1,309; XXVIII, 287. 

2262. '^corraptiini „Trauer". 

Aital. corrotto, afrz. courout, prov. 
corrot, aspan. corroto ALLG. I, 552; 
ZRPh. XXIV, 1.54; WS. II, 14^). — 
(Zweifelhaft. Afrz. rourout könnte aus 
conrotiz 2261 neugebildet sein, vgl, 
frz. cffort zu efforcer Frz. Gram. 251, 
die anderen rom. Formen wären daraus 
entlehnt, cor rui'TVM ist auch mög- 
lich, vgl. rum. CM inima ruptä „trau- 
rig"). 

2263. cortex „Rinde". 

Log. koHege, — Zssg. : log. kortiarvu 
ALBUS „Pappel", auch pustt'armt, fu- 
stiarmi in Anlehnung an fustis 3618. 

2264. corticatas „mit Rinde ver- 
sehen". 

Venez. cortegae „Korkschwimmer", 
vgl. istr. kartitsade. — Ablt.: aital. scor- 
ticarki „Art Zugnetz" Schuchardt-Mus- 
safia 30. 

2265. corticea „Rinde*. 

Ital. corteccia, span. corteza, portg. 
corti^a. - Diez, Wb. 109; ALLG. VI, 
383 

2265a. *corticuIns „Rinde". 

Campid. ortigu, log. otiigii „Kork- 
eiche", nuoT.fortiku „Korkrinde" Rolla, 
Fauna pop. sard. 58; Mise. Ascoli238; 
RlLomb. XLII, 837. 

2266. cortiiia „Vorhang". 

Ital. cortina, frz. courtine, prov., ka- 
tal., span. O portg.) coWi««. — + col- 
trice 2372: venez. koltrina Diez, Wb. 
109; ALLG. I, 553. 

2267. cornscare „blitzen", 2. co- 
riscare. 

2. Portg. coriscar, freib. kuril Diez, 
Wb. 442. 

2268. coriiscns „Blitz", 2, coriscns. 

1. Mit Präf. W. : siz. surrnsku 
RlLomb. XL, 1159. 

2. Portg. corisco. 

2269. corvus „Rabe". 

Rum. corb, ital. corvo, päv. krof, log. 
körnt, engad. korf, afrz., prov. corp, 
katal. corb, span. cuervo, portg. coito; 
mazed. korbti „arm", „unglücklich"; 
serb.-kroat. krb, ilal. cortx), frz. corp 
„Umberfisch". — Ablt.: frz. corheau^ 
friaul. korvat „Rabe" ; ital. cotrolo, siz. 
k-urbeddu, ktitve^dn „Umberfisch", vgl. 
2218; ital. corbeÜare „verspolten". — 
Zssg.: prov., katal. corb man', portg. 

12* 



180 



2270. coryleus — 2285. cotinus. 



Corvo marinho marinus, afrz. cormo- 
rage, cormarage maraticus, frz. cor- 
moran MARiXG „ Seerabe " Thomas, Mel. 
269; R. XXXII, 308. — ALLG. I, 552. 
(Ital. corbellare vielleicht zu 2224; frz. 
cormoran aus breton. mörvran „ Meer- 
rabe " Diez, Wb. 553 kann nicht mehr 
in Betracht kommen). 

2270. coryieus „aus Haselholz", 
2. *colureu8 , Haselstrauch ". 

2. Tess. kulör, val-ses. klöra, bologn. 
klur; val-anz. kilöra „Buche" Mussafla, 
Beitr. 46; BStSvItal. XX, 19. 

2271. corylus „Haseis laude", 2. *co- 
lurus. 

2. Comask., veltl., borm., obwald., 
uengad. köler, bergell., judik. kolar, frz. 
coudre, pikard. caure; prov. coldra 
„Faßreif". — AASTorino XV, 829; Sal- 
vioni, P.i. 

2272. coryinbos (griecb.) „Blüten- 
traube". 

Log. koromedda „Herz des Kohls" 
AStSard. III, 398. (Südital. kolombra 
„Art Traube" AGlIlal. XV, 333 s. 2065). 

2273. corytos (griech.) „Köcher". 
Span, goldre, portg. coldre Diez. Wb. 

456; JbRESpL. XIII, 213. 

2274. coryza (griech.) „Schnupfen". 
[Ital. corizza]. 

2275. cos „Wetzstein", „Schleif- 
stein". 

Rum. cute, ital. cote, engad. kut, friaul. 
kot, afrz. keu, prov. cot, minh. godo; 
frz. qneux petra cotis G. Paris, Mel. 
ling. 238. — Ablt.: rum. cujit „mit 
einem Schleifstein geschliffenes Messer", 
„Messer", mazed. cu}ut, rum. ascufi 
„wetzen", „schärfen" SBPhHKlAWWien 
C, 296; ZRPh. XVllI, 448, custnrä 
„Klinge" ; sublac. akkota „schleifen", 
log. afcÄ:oc?are „glätten", „polieren". (Frz. 
queux vielleicht zu 2286). 

'^'^76. coscinum (griech.) „Sieb". 

Abruzz. kösene „Weidenkorb". 

2277. cosmetica „Schönheitspflege". 
Mail, zmitiga, tess. uzmetik, val-ses. 

zmitola „Manier", „Geschicklichkeit", 
„Schlauheit" ZRPh. XXXI, 106; R. 
XXVIII, 97. {Methodus Mise. Rossi- 
Teiss 414 liegt weiter ab). 

2278. cossus „Larve". 

Rum. coj „Finne" ZRPh. XXXI, 307 ; 
ital. cosso „Finne", „Warze", puschl. ob- 
wald., trient., uengad. kos „Engerling", 
bress.-louh., morv. ko „Motte", franche- 
comt. ko „Engerling". — Ablt.: frz. 
cosson, prov. coso „Kornwurm" Diez, 



Wb. 554; ALLG. I, 553. (Mail, küza 
„Korn wurm", span. (> portg.) gusano, 
gaiiz.busano „Wurm" liegen lautlich ab). 

2279. Costa „Seite", „Rippe". 
Rum. coastä, vegl. kuasta, ital., log. 

kosta, engad. kosta, friaul. kueste, frz. 
cote, prov., katal. costa, span. cuesta, portg. 
costa ; das Wort bedeutet in Frankreich 
mehrifach „Berg" At. Ling. 874; frz., 
prov. ist es die Bezeichnung eines zum 
Transport und zum Messen von Wein- 
trauben bestimmten Korbes ZFrzSpL. 
XXVI, 129; aital., prov., katal. costa, 
acampid. costas „neben" Rom. Gram. 
III, 441. — Ablt.: ital. costola „Ripp- 
chen", montbel. koti „geräucherte 
Schweinsrippen", lyon. kotio de mier 
„Honigwabe", frz. coteau „Abhang", 
cütelette „Rippenstück", cotret „Holz im 
„Windmühlenflügel", „Brett am Hoch- 
schaftwebstuhl", „Reisigbündel", ur- 
sprünglich vielleicht die Bezeichnung 
der Knebel, die an Obst-, Sand-, Mist- 
wagen die seitlichen Stützen der Bretter- 
wände bilden SBPreußAWBerlin 1893, 
23 ; Thomas, Nouv. ess. 845 ; gask. kosto 
„Böschung" R. XXXIX, 193; ital. ac- 
costare (> frz. accoster) „sich nähern", 
frz. accoter, lothr. akostS „stützen", frz. 
accotoir „hölzerner Keil" Behrens, Frz. 
Wortg. 331. — Diez, Wb. 110; ALLG. 
VI, 383. (Frz. accoter accubitare 
ZRPh. XXVII, 123 wird durch die lothr. 
Form widerlegt). 

2280. *costatum „Seite". 

Ital. costato, frz. cötS, prov., katal. 
costat, span., portg. costado Diez, Wb. 
110. 

2281. *cotariiiin „Schleifsteinfutteral". 
Bologn. kudär, piem. ku4, trevis. koer, 

engad. kodev, frz. coyer, jur. kuvie, freib. 
hovei, prov. codier ZRPh. XVIII, 234; 
BGlPSRom. n, 34. 

2282. cothurnus „Stiefel", 2. *cot- 
turiiiis Einführung 79. 

2. Tarent. kuturnu, abruzz. kuturne, 
mirand. katüran „Halbstiefel" ; alemt., 
beir. katurno „Socken". 

2283. *cotiariuni „Schleifsteinfutte- 
ral". 

Puschl. kusie, obwald. kuze, südostfrz. 
kotsal, wallon. koM ZRPh. XVIII, 234; 
XXV, 552. 

2284. *coticula „kleiner Schleifstein". 
Siz. kutikkyu, kalabr. kutikkya „Stein- 
chen" RILomb. XLIII, 628. 

2285. cotiuus „Gelbholz". 
Aital. scotano. 



i2l286, •colius — 2297. crassantus. 



181 



2286. *cotln8 „Schleifstein'. 

Abruzz. k-ottse , Schneide des Rasier- 
messers", frz.qiicitx, ostfrz. ^'ö.s ,, Schleif- 
stein" ZRPh. XVIII, 233. (Oder qumx 
zu Ü275. Für dieses spricht der Vokal, 
für jenes die ostfrz. Form mit ihrem 
gesprochenen -.s). 

228(»a. oottabus (griech.) „Schale". 
Aneap. coctavo „Kopf". 

2287. cottizare (griech.) 1. .würfeln", 
2. „wagen". 

2. Rum. cutezii, altaquil. scnitiare, 
altapul. ficoteare, avenez. scotezar, ro- 
vign., dign. kutizä; siz. kuttiatu „un- 
verschämt" R. XXVIII, ()G ; Densusianu, 
Hist. 1. roum. 1, 224; RILomb. XL, 1049. 

2288. cotnliis „Steinchen". 

1. Arbed. kuö „Kiesel". 

2. Venez. kuogolo „Kiesel", log. ä;o<7mZm, 
friaul. kuedul, prov., katal. codol. — 
Mit Suff. W.: lucch. cotano, mail. köden 
Diez, Wb. 550; Caix, Stud. 290. (Ro- 
magn. kodal „Scholle" wohl eher zu 
2432). 

2289. cotiirnix „Wachtel", „Reb- 
huhn". 

Prov. codornitz, span.,.portg. codorniz 
„Wachtel" ; venez., triest. kotorno, grödn. 
kator „Rebhuhn", galiz. kotorrn „El- 
ster" ; aspan. guadarniz mit gua- von 
2004 RomF. I, 142. — Ablt.: rum. 
potirniche. (Die -f-Formen und das 
rum. p- sind nicht erklärt, letzteres 
auf qtio- zurückzuführen Densusianu, 
Hist. 1. roum. I, 172 hilft nicht, da 
auch für quo- zu po- eine Parallele 
fehlt). 

2290. cotylos „Näpfchen", 2. *cia- 
tnlns. 

1. Campid. gotttilu „Weinbecher". 

2. Rum. ciulurä „Holzflasche", ital. 
ciotola „Trinkschale" Puscariu, Wb. 382 ; 
AGlltal. XV, 382. 

2291. conntrydancc (ejigl.) „Art 
Tanz". 

Frz. contrednnse RomF. III, 504. 

2292. coxa „Hüfte". 

Rum. coap.-iä, serb. -kroat. kopsa, 
ital. coscia, log. koso, uengad. kosa, 
friaul. knese, frz. aiisse, prov. ciieisn, 
katal. ciixa, aspan. coxa, portg. coxa. 
Das Wort bezeichnet im Rom. fast 
durchweg den Schenkel, nur mazed. 
coapsä scheint die alte Bedeutung 
bewahrt zu haben RomF. XIV, 458; 
lütt. koJi, nam. kos, lothr. köK 
„Asl"; span. ruja „lederner Beutel" 
ZRPh. V, 243; ital. coscio „Schlögl", 



„Keule". — Ablt.: rum. copsar, ital. 
coaciale, frz. cuissard, prov. coisal „Bein- 
schiene"; frz. amsot „Schlögl"; afrz. 
coistsin, prov. coisi (^ ital. cuscfno, 
span. cojin), nfrz. coiissin „Kissen* 
R. XXI, 83: nam. askosi „überschreiten". 
— + slav. f/otse: triest. kotsa ZRPh. 
XXX, 202. - Diez, Wb. HO. (Die 
Lautverhältnisse von ital. coscia sind 
nicht klar, *coxia ALLG. I, 509 ist 
morphologisch bedenklich, Annahme 
einer Entlehnung aus dem Prov. der 
Bedeutung wegen nicht recht einleuch- 
tend; frz. coussin zu culcita 2372 
Diez, Wb. 104; ALLG. I, 536 ist laut- 
lich unmöglich; rum. copsar usw. 
entfernen sich begrifflich von coxale 
„Schürze"). 

2293. crabro „Hornisse". 

Rum. (gär)gdun, ital. scarahone, {s)ca- 
lab(r)one, venez. gvaJaon, trient. grauil, 
trevis. garlaon, lomb. galan-on, glava- 
ron, pav. gravelon, gen. gravalon, bel- 
lun. galegron, franche-corat. gravalö, 
givorö, grevolö, grärolö, prov. grava- 
hron, gratdun; siz. skalambruni, ska- 
lambrn, regg.-kalabr. skalambra, portg. 
cambräo. — Rückbild.: prov. graule. 
Die Zerdehnung von crab- zu carab- 
und das s- der ital. Formen dürfte 
durch SCARABAEUS 7722 veranlaßt wor- 
den sein. — Diez, Wb. .361; Salvioni, 
P.^ Thomas, Mel. 87; ZRPh. XXVI, 
587; StR. VI, 52; RILomb. XLIII, 628. 
(Oder rum. gärgäun Reduplikationsbil- 
dung aus gäun 1794). 

2294. crama (gall.) „Sahne". 
Gomask. krama, engad. grama, 

Schweiz, kräma, hewcn. grama „Schaum'i 
mimnd. krama de Foli „Ölhefe". — 
Ablt. : tess. skramin, Tavelsch : garm^ra 
„Rahmgefäß" Luchsinger, Molkereiger. 
24. — Auch grödn. brama, friaul. 
brume, letzteres mit dem Vokal von 
sbrume spvma'^ — ZRPh. XI, 253. 
(Oder friaul. brume einfach zu 1335). 

2295. crauberries (engl.) „Moos- 
beere". 

Frz. canneberge, porig, canaberga 
MLN. XIX, 2; Xyon.kaber , Hagebutte". 

2296. cras „Morgen". 

Log. kraze, tosk., südital. krai, aspan., 
aporig, a'as. 

2297. crassautns „Kröte". 

Aprov. graisan. — Mit Suff. W.: 
teram. grassella, march. (g)rnsseHaf 
friaul. krdsnle, frz. graisset „Laub- 
frosch", lothr. krasat „Laubfrosch", 



182 



2298. *crassia — 2307. credere. 



„Salamander". Die romanischen Formen 
zeigen Anlehnung an crassia 2298. 
(Direkte Ableitung von crassia Beh- 
rens, Frz. Wortg. 294 oder romanisches 
Schallwort ZRPh. XXVII, 613 sind nicht 
nötig). 

2298. *crassia „Fett*. 
MidX.gvascia, irz. graisse, pro\. g7-aisa, 

katSil. graxa, portg. graixa; Plur. nital. 
grasce „Lebensmittel". — Ablt.: tarent. 
rasnle „Viktualienhändler". — Diez, 
Wb. °377; Caix, Stud. 38; AGlItal. III, 
370. (Ital. grasce aus griech. agorasia 
Diez, Wb. 377 oder aus frz. grange Caix, 
Stud. 38 ist nicht möglich). 

2299. crassns „fett", 2. grassns aus 
crassus + grossus. 

2. Rum. gras, ital. grasso, log. rassu, 
engad., friauL, frz., prov., katal. gras, 
span. graso; portg. graxo mit -x- von 
2298; pikard., wallon. kra. — Ablt.: 
frz. grasseyer „das r ungewöhnlich aus- 
sprechen". 

2300. *cratalia (zu 2304"^). 

Triest. graya „Gestrüpp" ZRPh, 
XXVII, 754. 

2301. *cratali8 „Gefäß". (Umgestal- 
tung von griech. hratera). 

Afrz. graal, greal (> aspan. grial, 
aportg. graal, nportg. gral „Mörser"), 
]\x\\gre, grio, bourn. gre „kleiner VVeiden- 
korb", „Eichelnäpfchen", grand'comb. 
gre „kegelförmiger Korb, in welchem 
man den Teig gibt, bevor man ihn 
in den Ofen schiebt", prov. grazal 
(/> katal. gresal). — Ablt. : amail. 
graellin „Schüssel". — Diez, Wb. 601. 
("Grad ALIS von gradus „Stufe" läßt 
sich begrifflich nicht rechtfertigen, 
*GRATALis von GRATUS „angenehm" 
setzt die literarische Verwendung als 
die ältere und Übergang von der Lite- 
ratur in die östlichen Mundarten voraus, 
was ganz unwahrscheinlich ist). 

2302. craticius „aus Flechtwerk be- 
stehend". 

Ital. graticcio „Gitterwerk", „Reuse", 
bellun. gardiz id., Aosta: grise, Var: 
greiso „Rost, um Nüsse, Kastanien und 
Feigen zu trocknen" ; auch piem. grisa, 
grisya „Reihe aneinandergereihter Ge- 
genstände"? AGlItal. XIV, 366. 

2303. craticula „kleiner Rost", „Git- 
ter". 

Log. hadriya, campid. kardiga, afrz. 
graille (>aital., neap. gratiglia, siz. 
gradiggya, gallur. graila), nfrz. grille 
(> ital. griglia, nprov. grito, portg. 



grelha), frz. icrille „Fischreuse" Behrens, 
Frz. Wortg. 354. — Ablt.: aital. inca- 
tricchiare „verwirren", „in Unordnung 
bringen", scatricchiare „auseinander- 
bringen" sccttricchio „weiter Kamm", 
trient. engartiar, desgartiar; friaul. 
ingreded Caix, Stud. 357 ; Mussafia, 
Beitr. 68; Rom. XXXVI, 230. - Diez, 
Wb. 172; ALLG. 11,440. (Log. kardiare 
AGlItal. XV, 484 s. 1506). 

2304. cratis „Gitter". 

Rum. gratie „Hürde", ital. grata 
„Gitter", lomb. grat „Flechtwerk", aber- 
gam. ol grat de la ma „Handrücken", 
apav. le grae di ^;e „Spanne des 
Fußes" Lorck, Abergam. Sprachd. 18; 
obwald. grad „Tragbahre", friaul. grade 
„Gitter", garde, emil. karda „Gatter" 
R. XXXVI, 230, span. grada, portg. 
grade; ^a\iz. grada, ^ovb^. grade „Egge", 
— Ablt.: rum. grätar „Gitter", abruzz. 
ratare „Flechtwerk"; ital. gratella 
„Rost", gradella „Reuse", ksXdl.graella; 
ital. graticella, comask. gravizela, gen, 
griiela „Gitterwerk", bologn, gradizela 
„Netz im Leibe". — Diez, Wb. 272; 
ALLG. II, 440; Mussafia, Beitr. 65. 
(Log. skarteddu „Körbchen" Rolla, Etim. 
dial. sard. 21 gehört vielmehr zu 1722; 
ital. catro ZRPh. XXIV, 467 s. 1966). 

2305. creare „schaffen", „erzeugen". 
Ital. creare, log. kriare, afrz. crler, 

prov., katal., span., portg. criar „er- 
ziehen". — Ablt.: ital. cria „Nestküch- 
lein", „junger Aal" Caix, Stud. .300; 
tirol. kria „kleines Kind", span. cria 
„junges Tier", portg. cria „Säugling", 
„saugendes Tier"; span., portg. criado 
„Diener", eigentlich: „der im Hause 
Aufgezogene", portg. crioulo O span. 
criollo, frz. creole) „der im Hause ge- 
borene Neger", aportg. gallinha criotda 
„die im Hause aufgezogene Henne" (im 
Gegensatz zur gekauften) ; portg. crianga 
„Kind". 

2.306. *credentare „bürgen". 

Afrz. creanter. — -(- garantir 9821: 
graanter Diez, Wb. 556. — Zssg. : vionn, 
ekretd „sich verloben", 

2307, credere „glauben", 

Rum, crede, vegl, kredro, ital, credere, 
log. kreere, engad. kraier, friaul. krodi, 
frz. croire, prov. creire, crezer, katal, 
er eurer, span. creer, portg. er er. — 
Ablt.: rum. credinfä „Treue", ital. cre- 
denza, frz. creance, eroyance, span. 
creeneia, portg. crenQa „Glaube"; ital. 
credenza „Kredenztisch", Ableitung da- 



2308. creditus — 2316. crepilare. 



183 



von ilal. credenziet'e (> frz. cridencier, 
span. credenciefo) , Mundschenk*. — 
Zssg. : afrz. soi recroire, prov. se reci'eire 
O ital. ricredersi, aspan. recreer ^den 
Mut verlieren") ,sich für besiegt er- 
klären", reci'4ant „besiegt", npikard. 
örkrä, sUrkrä , ermüdet" ZRPh. XXVI, 
706. 

2308. creditus „geglaubt". 
Alomb., obwald. cret Rom. Gram. II, 

340; venez. kreto „vertrauenswürdig* 
Salvioni, P.'. — Ablt. : trevigl. kreta 
, Glaube", „Vertrauen". 

2309. cremare „verbrennen". 

Mail, kremd, pav. gremd, afrz. cramer, 
morv. krönte, saintong. krame, lyon. 
kremö, prov. cremar, wald. kermä. — 
Diez, Wb. 479. — Ablt.: regg. gremlir 
„anfangen zu sieden". (Span, quemar, 
portg. queimar „verbrennen" sind aus 
CHEMAKE kaum zu erklären. Schwund 
des -r- ist wenig wahrscheinlich und 
erklärt das portg. -ei- nicht, die Reihe 
kermar, kelmar, kenmar, keimar Gr. 
Gr. P, 976; AGlItal. XI, 447 steht voll- 
ständig in der Luft. Lautlich würde 
nigriech. kaima „Hitze" genügen, vgl. 
caimata: calores CGIL. Ill, 558; Rom. 
Gram. I, 180). 

2310. creniaster (griech.) „Kessel- 
haken", 2. '^cremaäclum, 3. *crema- 
clnui. 

1. Dalmat. camastro, kalabr. ka- 
mastre, tarent. kamastre. 

2. Lyon, kumakto, alothr. cromasle, 
morv. kyeram Thomas, Mel. 120, nprov. 
kramasklo, valenc. kamasklers, kala- 
niasteks. 

3. Burg., franche-comt. kramai, 
wallon. krame. — Ablt.: frz. crimailUre, 
crimaillon ZRPh. XXI, 453. — Auch 
uengad. pl'dmar, bergün. plümet, ob- 
engad. pliimer; lothr. kremz6, kretnzd 
ZRPh. XVI II, 216? (Nieder!, kram 
„eiserner Haken" Diez, Wb. 556 paßt 
formell nicht). 

2311. creua „Kerbe". 

Moden, krena, ailal. crena „Rinne", 
mail. krena „Spalt", „Riß", .crem. 
krena „Scheitel", bologn. kraina 
„Schraubengewinde", viver. karna „Ker- 
be", [afrz. c/VHc]. — Ablt. : bologn. kri- 
när, ital. incrinarsi „Risse bekommen" 
Caix, Stud. 361; frz. criner „mit Ker- 
ben versehen", cran „Kerbe", crineau, 
prov. crenel „Schießscharte". — Diez, 
Wb. 555; ALLG. I, 555. (Span, carnero 
Diez, Wb. 437 s. 1706; span., portg. 



crencha Diez, Wb. 443 s. 2325; frz. 
Manche ZRPh. VII, 116 s. 7748). 

2312. crepantare „bersten machen *• 
Lomb. kraventd, kreventä „erbrechen", 

afrz. craventer, cravanter, prov., katal. 
crebantar, span., portg. quebrantar 
„brechen" Diez, Wb. 112; Salvioni, F.*. 
(Die Formen mit -ent- zeigen Vokalum- 
stellung, begründen nicht ein *crepes- 
TÄRE Thomas, M61. 58; ital. scaraven- 
tare „schleudern", „mit Gewalt werfen", 
bergam., venez. (^ friaul.) zgaventu(r) 
ZRPh. XXII, 469 sind nach Form und 
Bedeutung abzulehnen). 

2313. crepare „bersten". 

Rum. cripä, vegl. krepur, ital. cre- 
])are, log. krebare, campid. öerbai „ein 
Geschwür aufschneiden", gallur. kiprd, 
frz. crerer, prov. crebar, span., portg. 
quebrar. — Ablt.: &u. kripa „Runzel", 
bergell. kreva „die Linien in der Hand* 
RILomb. XLI, 207; ital. creim-e „Groll", 
romagn. karvaya „Riß" ; log. kerra, 
kesca „Scholle" KJBFRPh. VIU, 1, 165; 
RDRom. II, 59. — Zssg.: ital. screpo- 
Iure „bersten'^ , screpoh „Riß"; span. re- 
quebrar „'die Stinime biegen", „Schmei- 
cheleien sagen", requiebro „Schmeiche- 
lei". — Ganz Norditalien und Rätien 
zeigt heute die Buchform krepar, kar- 
par, doch findet sich in den alten Texten 
noch mehrfach crevar. — Diez, Wb. 
112. (Nordital. krep „Fels" s. 4755; 
log. kesra caespes KJBFRPh. I, 144; 
ACERVUS, CAESUARE Subak, Propos. 
test. sard. 11 sind lautlich und begriff- 
lich nicht möglich). 

2314. *crepatura „Riß", „Spalte". 
Rum. crSpäturä, ital. crepatnra, log. 

krebadura, afrz. crereure, prov., katal. 
crebadura, span., portg. quebradura. 

2315. '"oreplcella „Klapper*. 

Frz. crk'elle Dict. Gen. {Kyrie eleison 
R. VIII, 619 setzt eine zu gewaltige 
Umgestaltung voraus ; der Einwand, daß 
*CREPACELLA ZU erwarten wäre Cohn. 
Sufifwandl. 27, zieht zu wenig in Be- 
tracht, daß das Pai'tizip von crepare 
nicht *VREPATUS sondern crepitvs 
lautet). 

2316. crepltare „platzen". 

Ital. crettare, span. gn'etar, portg. 
gretar. — Ablt. : ital. cretto, alatr. kretta. 
span. grieta „Spalte" ; afrz. cretel 
„Schießscharte" ; abruzz. skrett^ .Riß 
in den Mauern und in der Erde". Auch 
avenez. creto, friaul. kret „Fels", ,Bei^- 



184 



2317. crSscere — 2329. crlspus. 



spitze" ZVglSpF. XVI, 208? — Diez, 
Wb. 456; AGlItal. III, 329. 

2317. crescere ^wachsen". 

Rum. cremte, vegl. krashro, ital. 
crescere, log. kreskere, engad. kreser, 
friaul. krisi, frz. crotire, prov. creiser, 
katal. crexer, span. crecer, portg. crescer. 
— Ablt. : afrz. crestine, norm, kretin, 
kertin „das plötzliche Anschwellen eines 
Flusses". — ALLG. VI, 383. (Frz. cres- 
son s. 4766). 

2318. crescinionia , Wachstum". 
[Siz. krisimofla, bologn. karsmoHa, 

romagn. kresimoüa]. 

2319. creta ^Kreide". 

Ital. creta, bergam. grea, uengad. 
kraida, frz. craie, prov., südostfrz. greda, 
katal., span., ^ori^. greda. — Ablt.: frz. 
crayon , Bleistift" Diez, Wb. 555; ALLG. 
II, 440. (Obengad. krida stammt aus 
dem Schweizd.). 

2320. cribellare , sieben". 

Ital. crivellare, lyon. grivelö, prov., 
katal. crivelar; aital. gherhellare. 

2321. cribellnm „Sieb", 2. *garbel- 
lum aus cribellum + arab. gerbal. 

1. Ital. crivello, prov. cruvel; piem., 
monferr. kr Ivel, gen. krivelu, siz. kri- 
veddu, nizz. eskriveu, nprov. eskreviau 
,Falke", vgl. 2324. — Ablt.: campid. 
inkrieädai „verflechten", krieddu „Tür- 
riegel" ZRPh. XXXIII, 667. 

2. Aital. garhello, gherbello, apisan. 
gherbello, span. garbillo. — Rückbild.: 
ital. garba „Art Sieb" StR. II, 41, siz. 
garba, garbula „Reifen des Siebes". — 
Diez, Wb. 454; Caix, Stud. 106. 

2322. cribrare „sieben". 

Lomb. kribyä, engad. krivler, frz. 
cribler, afrz. auch cliver, lothr. työvi, 
prov. criular, span. cribar, portg. crivar; 
log. kilibrare „zerstückeln" mit -b- von 
kei-bare 2313 RILomb. XLII, 687. — 
Zssg.: wallon. hrille ex- „sieben" Mel. 
Kurth II, 321. 

2323. cribrarius 1. „durchgesiebt", 

2. „Siebmacher", 3. „*Sieber". 

1. Log. kivardzu, campid. civrazu 
„Kleienbrot" RILomb. XLII, 687. 

3. Rum. ciurar, frz. criblier, span. 
cribero. 

2324. cribruni „Sieb", 2. ciribrnm, 

3. cibrnm, 4. criblum, 5. cribnm. 

2. Log. kiliru Mise. fll. Hng. 201; 
AStNSpL. CXXII, 406. 

3. Rum. ciur, mazed. t»ir ZRPh. 
VIII, 141; IgF. VIII, 116; R. XXXI, 305. 

4. Lomb. kribi, istr. kribio, puschl. 



kriblti, frz. crible, vi'estfrz. krilb, lütt. 
krül; morv. klif, nordprov. auch mit 
gr- anlautend At. Ling. 354; val-tourn. 
kröblo „Wannenweihe" (nach der Art 
des Fluges, die dem Schwingen des 
Siebes verglichen wird) AASTorino 
XLIII, 623, vgl. 2321. 

5. Südital. krivo, siz. kripu, span. 
cribo, criba, portg. crivo. 

2325. *criiiicula „Härchen". 
Portg. crencha (> span. crenchä) 

„Scheitelhaar" RL. II, 168. (Die Er- 
klärung ist nur möglich, wenn sich 
Entlehnung aus dem Portg. rechtfer- 
tigen läßt). 

2326. crinis „Haar". 

[Ital. crine „Haar"], crino „Roßhaar", 
crina „Scheitel der Berge", log. krine, 
frz. crin, prov., katal. cri; afrz. crigne 
„Haare", „Mähne", val-de-Saire: kren 
„Mähne" ; aital., venez. krena, ir\?i\x\.greft,e 
„Roßhaar" scheint aus dem Moden, zu 
stammen, wo -en- aus -in- berechtigt ist 
Vidossich, Stud. dial. triest. 29; [portg. 
clina, crina, galiz. kina „Mähne" nach 
koma]. (Arcev. grino „großer Weiden- 
korb", march. kri, urb. kre, aret. kn'no, 
abruzz. krine „Hühnerkorb", nprov. kri- 
neu id., urb. krinella „Mrtulkorb aus 
Weiden für Kühe", friaul. kriüe „Schaf- 
stall", grödn. krina „Futterkanal" sind 
sachlich und sprachlich nicht aufgehellt. 
Ambesten würde ein Verbum *crinare, 
*CRINIARE „flechten" als Grundlage pas- 
sen. Galiz. kina durch cyma 2438 be- 
einflußt ZRPh., Bhft. VI, 20 ist weniger 
wahrscheinhch. Siz. grifia „Mähne" 
gehört wohl eher zu 3864). 

2327. crinitus „behaart". 

[Ital. crinito], prov. crenit. — Mit Suff. 
W.: afrz. crenu R. XIV, 571. 

2328. *crinos (gall.) „Schwein". 
Piem. k{u)rin ZVglSpF. XXVIH, 169. 

2329. crispus „kraus". 

Ital. Crespo, log. krispu, engad. kraisp 
„leicht gebacken", afrz., prov., katal. 
cresp, span., portg. crespo; ital. crespa, 
friaul. grespe „Runzel", frz. crepe 
„Krapfen", „Pfannkuchen", „krauser 
Stoff", morv. krop „Hahnenkamm". — 
Ablt.: terani. skrep>pine, aperug. cris- 
pignie, aret. grispignuolo „Gänsedistel" 
Caix, Stud. 349, afrz. crespin, bürg. 
krapyö, grapyö, krep>y6 „Pfannkuchen", 
„Omelett" At. Ling. 940, franche-comt. 
krapd auch „Kuhfladen", prov. crespelet 
„Art Kuchen"; fvz. crepir „mit Kalk be- 
werfen". - Diez, Wb. 556 ; ALLG. 1, 555. 



233Ü. crtsta — 2345. crüsta. 



185 



2330. crtsta ,Kamm*. 

Rum. creastä, ital. cresta, log, krista, 
engad. krusta, friaul. krexte, frz. crete, 
prov., katal., span. cresta, portg. crista. 
Die portp. Form kann -f- statt -e- von 
Ableitungen haben, in denen in tonloser 
Silbe -i- vor gedecktem -s- aus -e- ent- 
standen ist. In frz. Mundarten lautet 
das Woil mehrfach krep infolge von 
Verwechslung mit 2329. — Ablt.: 
franche-comt., lyon., forez., delph. kre, 
rouerg. krest , Berggipfel"; rum. cresta 
, kerben*; siz. akkrastari „beim Schöpfe 
fassen". — ALLG. VI, 384. 

2331. cristatas „mit einem Kamme 
versehen". 

Rum. crestat, ital. crestato, span. cre- 
atado. 

2332. crithmum (griech.) , Meer- 
fenchel". 

llal. crefano. 

2333. criticus .kritisch". 

[Amaii. crctico ,am Fieber leidend"]. 

2334. Croate „Kroate*. 

Ital. cravatta, frz. cravate, span. cor- 
bata, portg. gravata „Halsbinde" Diez, 
Wb. 112. 

2335. *crocea „safranfarbige Seiden- 
kleider". 

Porfg. c{o)roQa „Strohmantel" RL. 
XI, 135. 

2336. crocitare „krähen". 
Ital. crocfdare. 

2337. crociis „Safran". 

Aital. gruogo, log. grogu „gelb". — 
Abu.: amant. grogregtt „salranfarbig". 
(Istr. vin guoro „roter Wein" ATriest. 
XXX, 144 ist lautlich und begrifflich 
schwierig, vgl. 3319). 

2338. *crödlu8 (gall.) „hart", „fest". 
(Ir. crufiidh). 

Nordital. crojo {y aital. croio), prov., 
katal. croi „hart", „grausam", Schweiz. 
kriiaif franche-comt. kruyti „schlecht" 
At. Ling. 826; auch friaul. Ä-r^» „wenig 
gebraucht", „neu", „frisch", eigentlich 
„roh" AGlItal. I, 496. — Ablt.: ital. 
ineroiare „hart werden". — Thurn- 
eysen, Keltorom. 83. {^Crudivs Diez, 
Wb. 366 ist lautlich unmöglich). 

2339. crotalom (griech.) „Klapper". 
Puschl. grot „runde Schelle". — 

Ablt.: ital. crocchiare „klirren", „klap- 
pern", „knallen", „knistern", reat. 
krokkyd „prügeln", ital. crocchio „Ge- 
klirr", „Flaudergesellschafl". — Diez, 
Wb. I, 366; ALLG. 1,555. (Die Grenze 
gegen 2260 ist schwer zu ziehen, doch 



gehört frz. crouller „schütteln" Dict. 
G6n. eher dorthin; ital. scricchiolare 
StFR. VII, 247 „knistern" ist eher 
Schallbildung; kz.grelot „Schelle" Diez, 
Wb. 603 s. 3879). 

2340. crflca(gall.) „runde Erhöhung*. 
(Ir. atiach, kymr. crOg „ErdhOgel"). 

Guyenn. krilk „Kopf", „Scheitel". — 
-f cor CUM 2009: afrz. cuche, mars. 
käko „Haufen", „Heuschober", dauph. 
kiltso „kleiner ErdhOgel". — Ablt.: 
alyon. cuchon, dauph. kiltsun „kleiner 
Haufen", lyon. aküii, nprov. enkilkd 
„anhäufen". — ZRPh. XXVI, 316. 

2341. crndelis „grausam". 

[Ital. cnidele, campid. krtieli, frz. 
ci'uel, prov. cruzel, katal., span., porig. 
cruel]. (Crudalis ALLG. I, 555 für das 
Frz. ist nicht nötig und bei dem Mangel 
einer entsprechenden Form in den an- 
deren Sprachen nicht wahrscheinlich 
Rom. Gram. II, .357; ZRSch. XXVI, 65). 

2341 a. cradelitas „Grausamkeit". 

[Ital. cnidehä, frz. cruantd Cohn, Suff- 
wandl. 61, prov. cntzeldat, span. cruel- 
dad, portg. a'iieldade]. 

2342. crnduä „roh". 

Rum. crxid, vegl. kroit, ital. crudo, 
log. kruu, engad. krü, friaul. krtid, frz., 
prov., katal. cm, span. cnido, portg. 
C7'u; fläm. krü „feucht", „kalt". — 
Ablt.: arum. crudätate „Grausamkeit", 
obwald. kreuadat „Hartherzigkeit" ; ta- 
rent. krudivolo, abruzz. krudev^l^ „nicht 
kochbar", siz. skrwia „nicht gar ge- 
kochtes Gemüse"; fläm. krilö „Unkraut", 
krüodi „jäten"; transmont. cnieiro 
„magere Erde". — Zssg. : log. inhutes- 
kere „hart werden". (Critditas „Über- 
ladung des Magens" entfernt sich von 
den entsprechenden romanischen For- 
men zu sehr, als daß ein Zusammen- 
hang möglich wäre). 

2343. crnentns „blutig". 
Rum. crunt, engad. kriaint. 

2344. crnppa „dickes Tau* CGIL. II. 
118,16. 

Ital. groppo, friaul. grop „Knoten", 
vgl. 4785. 

2345. crüsta „Rinde". 

Ital. crosta, parm. grosta, frz. croiite, 
prov., katal. a-osta, span. costra, portg. 
crosta; neap. knwskf „Schorf", log. 
rusta „Wanze" Rolla, Second. sag^. di 
un vocab. etim. sard. 55. — 4- <-'ä£- 
PAiiK2313: engad. kraruesta Walberg, 
Sagg. sulla fönet, di Celerina 84, — 
■i- PELL IS 6489: arcev. jrrosp^/to „Haut- 



186 



2346. cruslosus — 2354. cubitus. 



eben". — Ablt.: frz. coutarde ,ein Ge- 
bäck" Behrens, Frz. Wortg. 350. — 
Diez, Wb. 442; ALLG. VI, 384. 

2346. crustosus ^rüstig". 

Ital. crosfoso, frz. crouteux, prov., 
katal. crostos, spaii. costroso, portg. 
crostoso. 

2347. crastulnui ^ Zuckerplätzchen ". 
Cerign. kruske „geröstetes Brot", 

kalabr. krustulu, Venez. krostolo, friaul. 
krostul. 

2348. crux , Kreuz". 

Rum. cruce, vegl, krank, ital. croce, 
log. rüge, engad. krus, friaul. kros, frz. 
croix, prov. crotz, katal. creu, [span., 
portg. Cruz]. — Ablt.: aital. crociare, 
frz. croiser, prov. crozar, span., portg. 
cruzar „kreuzigen", „kreuzen"; afrz. 
croisie, prov. crozat „Kreuzfahrer"; 
prov. crozada O frz. croisade) „Kreuz- 
zug"; grödn. kruieda, tirol. krozara 
„Hüfte"; frz. croisie „Fensterkreuz", 
„Fensteröffnung" ist im Westen und 
Norden und im Gask. in der schrift- 
sprachlichen Form das Wort für „Fen- 
ster" At. Ling. 549. (Log. rugare 
„kreuzen" Caix, Stud. 19 s. 3i53). 

23 19. crypta „Grotte", „Gruft", 
2. crnpta. 

2. lidX.grotta (> frz. grotte) „Höhle", 
„steiler Fels", bresc. krota „Brücken- 
bogen", piem. krota „Keller", log. grutta, 
friaul. gt-ote, afrz. croute, prov. crota, 
katal., span., portg. gruta, T^ovig. grota. — 
-f clausum: prov. clot „Höhle", „hohler 
Baum" SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 189. 

— Ablt.: piem. krot, krutin „Gefäng- 
nis"; ital. grottesco. — Diez, Wb. 174; 
ALLG. I, 555; II, 442. 

2350. crystallos „Kristall". 
Afrz. crestail. 

2351. cubare „ruhen", 2. *cufare 
WSt. XXIV, 327. 

1. Ital. covare „brüten", „verborgen 
liegen", „glimmen", log. kuare „ver- 
bergen", engad. kover „brüten", friaul. 
kovd id., frz. couver id., prov. coar id. 

— Ablt.: ital. covo „Höhle", „Nest", 
aital. covolo, altengad. kowel, uengad. 
küal, küel „Nest", log. huada „Lager des 
Ebers"; frz. couvain „Insektenbrut"; 
piem. kuvis RILomb. XXXVII, 515, afrz. 
uef coveiz, nfrz. ceuf couvi „ausge- 
brütetes Ei", davon couvir „ausbrüten" 
Gohn, Suffwandl. 201 ; lomb., piem. kuatä, 
afrz. couveter „bedecken", „verbergen". 

H COPERCULUM 2203: log. kovakare 

„bedecken" RILomb. XLII, 689. — Zssg.: 



atrz.acouver „bedecken", b.-manc. rtÄ;wf^ 
„eine Henne auf die Eier setzen", lothr. 
akove „hocken"; Sifrz. acouveter, alothr. 
acouvateir „bedecken" R. XV, 628; 
ZRPh. XXVI, 326; lothr. ekoarje „hok- 
ken". 

2. Puschl. kofi „schlafen", venez. kii- 
f{ol)arse, friaul. kufäsi. — Ablt.: sublac. 
kofa „Höhle"; hologn.aguflärse, moden. 
kuflirs, akuflir, siz. akkufftilarisi, ma- 
yenn. s'akufie, yonn. s'ekufle „hocken"; 
bologn. nieters in guflein „hocken" 
(namentlich von Hühnern); katal. aclo- 
farse „sich niedersetzen" (von Hühnern) 
Salvioni, P.^; R. XXVIH, 98; SBPhHKl 
AWWien CXLI, 3,51. (Das Verhältnis 
von 2 zu 1 ist nicht klar, lat. cubare 
hat altes -&-, nicht -bh-, daher auch im 
Osk. und Umbr. -b- nicht -f- entsprechen 
würde, ein *cufare also nur als um- 
gekehrte Sprechweise zu erklären wäre. 
Einfluß von gufo 3909 ZRPh., Bhft. X, 25 
kann bis auf einen gewissen Grad an- 
genommen werden, doch erklärt sich 
auch damit das -ff- nicht, das ein Teil 
der romanischen Formen verlangt. Frz. 
icoufle «Gabelweihe" ZRPh. XXXI, 263 
s. 8094). 

2352. cubicnlum „Schlafgemach". 
Abruzz. kuvikkye, kufikkge Fem. 

Salvioni, P.^ 

2353. cubile „Lagerstätte". 

Ital. covile, log. kuile, span. cubil 
„Lager wilder Tiere", portg. covil; 
lothr. kevt, kevei -ilia „Streu" At. Ling. 
779. — Ablt. : alog. gulbare, vulbare 
„eingezäunter Platz, in welchem das 
Vieh nächtigt" StGlItal. II, 110; SBPh 
HKlAWWien CXLV, 5, 26. (Rum. aciuä 
Candrea-Hecht-Densu§ianu, Dic^. etim. 
s. 1802, ital. coviglio s. 2401). 

2354. cubitus „Ellbogen". 

Rum. cot, tosk. govito, aital. gombito, 
avenez. gombio, nital. gomito, velletr. 
lovito, lucch. govoro „der obere Teil am 
vorderen Beine des Pferdes", log. kuidu, 
afrz. coude, coute, nfrz. coude, prov, 
coide, auch ein Längenmaß ZFrzSpL. 
XXVI, 110, katal. colde, colze, span. 
codo, portg. covado. — Ablt.: engad. 
kundun, friaul. comedon „Ellbogen"; 
lucch. sgovorato „mit ungleich hohen 
Schultern" StR. I, 43; span. codillo 
„Strunk eines abgehauenen Astes am 
Baumstamm". — Zssg.: sav. trekaudä, 
freib. trekudpiä „die Kirchenglocken 
läuten" R. XXXIV, 301 ; span. (> portg.) 
escodar „Steine behauen" Diez, Wb. 448. 



2355. *cubium -^ 12365. Cucurbita. 



187 



— Diez, Wb. 114. (Katal. colze ist 
nicht erlclärt, Rückbildung' aus einem 
nicbt l)ezeugteii und in seiner Bedeu- 
tung schwer verständUchen *cuiiiTiAKt: 
ZRFh. XXXIII, 480 ganz unwahrschein- 
lich). 

2355. "^cubium , Lager". 

Rum. cuih, ferr., nioden. kuhi, parm., 
regg., crem, kohi AGlItal. 11,338; Rom. 
Gram. II, 404. — Ablf.: l)earn. Ä-a//o?rtr, 
koi/ald „Sennhütte" Thomas, Nouv. ess. 
228? 

2356. cuculla , Mönchskapuze ". 
Ital. cocoUa, frz. coule, prov. cogolla, 

katal., span. cof/uUa, portg. cogula 
, Obergewand der Mönche" ; abruzz. 
kokolla , Nacken", campid. hiigudäa 
, Hülse der Kastanie", portg. cogolla 
,das Zuviel des gehäuften Maßes". — 
ALLG. I, 555; VI, 384. Vgl. 23Ö9. 

2357. ^cncnlliatn „Haubenlerche". 
Katal. cogidlada, span. cogujada, vgl. 

portg. cogiilher Fem. Diez, Wb. 441; 
ALLG. I, 555. 

2358. "^cucnllio „Kapuze". 

Poitev. kaguyö „Hülse der Getreide- 
körner" Thomas, Mel. 42; nprov. ku- 
ffttfun „Gipfel", span. coqujon „Ecke 
eines Kissens" Diez, Wb. 441 ; ALLG. 
I, 555. 

2359. cucuUds „Kapuze". 

Tosk. cocollo „Strohmiete" AGUtal. 
X, 312; siz., kalabr. kukufhju, San- 
Fra.t kukuodd (y gen. kukulu) „Seiden- 
kokon", venez. kogölo, kögolo, parm., 
piac. kogöl, mant. kugöl, bologn. bgol, 
friaul. kogöl „Garnreuse" Schuchardt- 
Mussafia 31 ; log. kuguddn, kubud(fu 
„Kapuze", kuhudilu de lande „Eichel- 
näpt'chen"; tirol. kogol „Heuschober", 
katal. cogul, span. cogollo „Herz des 
Kohls" oder „des Salates", „Gipfeleines 
Baumes" ZRPh. XII. 559. — -f coc- 
CUM 2009: log. kukkure^^u „Deckel", 
ktikkureddii de piliis „Haarschopf", 
Rückbildung davon kükkuru „Gipfel", 
pienn a kukkuru „bis zu oberst voll" 
Mise. Ascoli 236, log. kiikkura „Spindel- 

kerlie " . 1- cristä 2330 : log. kugiin'sta, 

kigirista „Kamm". \- culmus 2378: 

aspan. cogolmo „übervoll", valenc. cur- 
ninll. — Rückbild.: rum. nie« „Hügel". 

— Ablt. : span. cogidlada „Brustdrüse 
der Schweine"; portg. cogular „häufen", 
cogiilo „Übermaß". (Span, cogollo cau- 
rjcvLvs Diez, Wb. 441 oder coccvm 
2009 R. XVII, 58 sind lautlich unmög- 



lich, portg. cucunita „Gipfel" ist laut- 
lich ganz unklar). 

2360. cuculns „Kuckuck". 

Rum. cuc, aital. cucco, nital. cuculo, 
log. kukku, engad. kukü, friaul. kuk, 
frz. coucoti, aprov. cogul, nprov. knkilil), 
ktigieu At. Ling. 1.580, span. cuqnillo, 
portg. CMco; Ha.\. vecchio cucco „dummer 
alter Mann", mail. veö kilk „unver- 
mögender alter Mann", danach öf kilk 
„taubes Ei", crem. AröX- „unvermögend", 
„verdorben", nprov. iou kugieu „taubes 
Ei"; span. cuco „schlau", „verschmitzt"? 
Die Formen entsprechen nur zum Teil 
dem Lat., Schallnachahmung spielt ge- 
rade hier eine große Rolle. — Diez, 
Wb. 114; ALLG. 1, .556. (Afrz. coup, 
daraus, mit Anlehnung an coq, nfrz. cocu 
„Hahnrei" gehört nicht hierher). 

2361. cucuiiia „Kochtopf". 

Trient. ködoma, veron., bresc. kügema 
„kupfernes Kaffeekännchen", friaul. kö- 
gume, engad. kogma. [Ital. cticcuma 

RomF. XXIll, 756). 1- coxcha 2112: 

siz. kunkumu RILomb. XLI, 888. — 
Ablt.: asüdital. concubella AGlItal. XVI, 
22, portg. cogumelo (> span. cogotnelo, 
log. kugumed^u), nprov. kuknmeu, kn- 
kumello (^ frz. coucoumelle) „Erd- 
schwamm" ZRPh. XXVllI, 157. 

2362. *cncnmarium „Kochtopf", 
2. cocaninrion (mgriech.). 

2. Frz. coquematit). — Mit SufT. W.: 
mfrz. cocotte, coquasse „Art Kasserolle", 
Schweiz, „zinnernes Weingefäß", „be- 
trunkene Frau", nfrz. cocasse „drollig", 
nprov. kiikelo, lyon. kokela „dreifüßiger 
Kessel". — ZRPh. XXX, 307 ; XXXII, 46. 
(Rum. cumar „Nachttopf" stammt aus 
ngriech. cumari; frz. cocotte zu coque 
2111 ist wenig wahrscheinlich, da für 
coque eine annähernd passende Bedeu- 
tung fehlt; frz. coquemar aus ccci'MA 
-\- coccuM SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 
188 historisch nicht wahrscheinlich und 
formell nicht genügend). 

2363. cucuinerarinm „Gurkenbeet". 
Ital. cocotneraio, katal. cogombrer. 

2364. cucumis „Gurke". 

Ital. cocomero, prov. cogombre (> 
frz. concombre), span. cohombro, portg. 
cogombro. Auch prov. cogoma, cogonia 
„Koloquinte" ? 

2365. cncnrbTta „Kürbis". 

Rum. cucurbetä, mazed. cucurbetä 
auch „Nacken", prov. cogorda. frz. 
gourde; galiz. kogorda „Baumschwamm*. 
— Mit Suff. W.: frz. coiu-gt; langued. 



188 



2366. *cucurbitea — 2381. cultellus. 



kugurlo, lyon. Tcurla ZRPh. XXVIII, 
157. — Diez, Wb. 115; ALLG. I, 556. 
(Ital. ziicca s. 2369). 

236H. *cucnrbitea ^Küibis". 

Aital. corbezza, nital. corbezzolo ,Meer- 
kirsche". — Mit Suff. W. : moden. kur- 
&e«aZRPh. XXIII, 416; XXIV, 412. 

2367. caciirbitella , Kürbis". 
Rum. cucuberpea. 

2368. eucurbitnia , Kürbis". 

Nuor. kurkufika ASlSard. V, 231. 
(Log. korkoriya s. 4738). 

2369. ciicutia ,eine Frucht". 

Ital. zucca „Kürbis", piem. kusa, 
abruzz., röm. kottsa id., log. kurkuta id., 
Doubs, jur. kus id , ital. cociizza, zucca, 
nizz. kuguso „Kopf" ZRPh. XIX, 104; 
afrz. cosse, piera. koae, friaul. koce „Kür- 
bis", „Kopf" SBPhHKlAWWien CXLI, 
3,36. — Ablt.: ital. cocuzzolo „Scheitel"; 
bologn. tsukara, moden. bega zucchei-a, 
friaul. kotsate, skotseze, mail. tsuketa 
„Maulwurfsgrille". (Ital. coccia, neap. 
kottsa StR. I, 157 s. 2011. Die Quan- 
tität des lat. -ü- ist nicht bekannt, daher 
auch nicht zu entscheiden ist, ob die 
ital. -?<-Formen etwa aus dem Süden 
stammen. Ob und inwieweit slav. ti/ky 
9289R ZRPh. XXVIII, 149 eingewirkt 
hat, ist schwer zu sagen). 

2370. cucntiniii „Haube". 

Log. kugutttc, avenez. cogoqo, prov. 
cogotz, mit neuem Obliquus cogot (^ 
span. cogote) „Kopf"; [aital. cucuzzo 
„Kopf"]. — Ablt.: prov. ^sco^os«r „Bäu- 
me putzen". (Span, cogote zu coccuM 
2009 SBPhHKlAWWien CXLI, 3, 13 ist 
lautlich nicht möglich). 

2371. cnjns „gehörig", „wessen", 
„dessen". 

Log. kugu, span. cugo, portg. kiijo. 

2372. culcita „Kissen". 

Dalmat. colkitra, aital. coltrice „Ma- 
traze", afrz. coutre, coitre, nfrz. coite, 
couette „Federbett", prov. cosera, aspan. 
colcedra, cocedra., acolcetre, colcha (> 
portg. colcha). — Zssg.: frz. coutepointe 
„Steppdecke". — Diez, Wb. 104; ALLG. 
I, 556; R. Vni, 611. (Die lautlichen 
Verhältnisse bedürfen noch der Auf- 
klärung, zum Prov. s. Thomas, Nouv. 
ess. 215). 

2373. Culex „Mücke". 

Portg. couce „Schabe". (Nprov. kuise 
, giftige Ameise" ZRPh. XXXI, 664 ist 
lautlich schwierig). 

2374. *cnlicinus „Mücke". 

Prov. cozin (> frz. cousln); mit auf- 



fälligem Vokal: saintong. filze. — Diez, 
Wb. 554; ALLG. I, 556; VI, 384. (Ka- 
labr. kulerca, kuliröa .geflügelte Amei- 
se" *cuLiciA ZRPh. XXXI, 664 ist un- 
sicher, da das -r- nicht erklärt ist, 
noch schwieriger ist ital. (s)cuterzola 
ebenda). 

2375. cniliola „grüne Schale der 
WälniissG ** 

Kors. kiinuhi AGlItal. XIV, 145. 

2376. culnien „Gipfel", 

Rum. cnlme „Gipfel", „Firstbalken", 
mazed. kulmu „Giebel", ital. cohno, 
piem. korme „First", engad. kuolm, 
afrz. coume, span. cumbre, portg. cume. 

— Ablt. : ital. colmare, katal., span., 
portg. colmar „bis zum Übermaße fül- 
len", ital., span. cohno „voll". — Diez, 
Wb. 104; ALLG. VI, 384. 

2377. *calminenm „First". 

Mail, kulmena, piac, regg. culmifia, 
bologn. knlmaiüa, aret. kulmeüa; lucch. 
colmigno, versil. colmiglio, log. kolu- 
mindzu. — Mit Suff. W. : engad. kul- 
maina. — Ablt.: aret. colmignolo, ital. 
comignolo. — Caix, Stud. 294; Sal- 
vioni, P.^ 

2378. culmus „Halm". , 

Portg. colmo „Dachstroh". (Span. 
colmena, portg. colmeia „Bienenkorb" 
ist morphologisch nicht versländlich, 
Herleitung aus dem Gall. Diez, Wb. 441 
hat in den kelt. Sprachen keine Stütze 
Thurneysen, Keltorom. 86). 

2379. culpa „Schuld". 

Ital. colpa, engad. kuolpa, afrz. coupe, 
prov. colpa, [katal., span., portg. culpa] 
ALLG. VI, 384. Trotz der lautgerechten 
Behandlung dürfte das Wort nirgends 
Erbwort sein. 

2380. cultare „düngen". 

Bellun., trevis. kolta(r), grödn. kolte. 

— Ablt. : obvvald. kultem, astur, ktdtu 
„Dünger". 

2381. cnltellns „Messer", 2. cun- 
tellns. 

1. Vegl. kortial, ital. coltello, cerign. 
knrtiedde, reat. kortellu, veron. kortielo, 
log. (b)urteddu, engad. kurtel, friaul. 
kurtiel, fi'z. couteau, prov. coltel, katal. 
coltell, span. cuchiUo, portg. cutelo ; ital. 
coltella, span. ciichilla, portg. cutela ; 
nprov. kntela „Schwertlilie" At. Ling. 
1599. — Ablt.: ital. coltellaccio (> frz. 
coutelas), comask. koj-las „großes Mes- 
ser". 

2. Agnon. kuntlelle StR. VI, 15, ob- 
wald. kunti. 



23812. culter — 2396. cuneus. 



181» 



2382. culter , Pflugschar*. 

Dal. coltro, comask. kolira, kontra 
^l'flug", frz. coutre, prov. coltre auch 
, Pflug ohne Räder", bearn. kudre, 
arag., navarr. aiitre. — Ahlt.: span. 
mitral, cotral , alter, zum Schlachten 
bestimmter Ochse", astur, kuitrala 
„alle Kuh"; navarr. acutrar ,die Erde 
bearbeiten" R. XXIX, 33.5. {Frz. accoutrer 
„herrichten" SBPreußAWBerlin 1889, 
1098 s. 2170). 

2383. cultnrn „angebautes Land". 
Ital. coltura, a(rz. couture, fläm. kiitür. 

2384. culus „Hintern". 

Rum. cur, vegl. dol, ital. ctilo, log. 
kühl, engad. Ml, triaul, k-ul, frz., prov., 
katal. ml, span. culo, portg. cno. — 
Zssg. : neap. kiilihid§t^, kalabr. kuUnu- 
dula LUCIDA, p9.\\kilros Bussus, lomb. 
kiilars ARSUS, lomb. lüzinkül, mit Um- 
gestaltung nach coRyu: abruzz. cor- 
nüttsola, piac. skornüzla, log. knliluke, 
vend. ^kl^rfU „Leuchtwürmchen" Sal- 
vioni, Lampyr. ital. 13; R. XXXVI, 231 ; 
At. Ling. 1372; Irz. mlbute, champ. 
kutihner^, bürg, kütiimariö „Purzel- 
baum" R. XXXVIII, 379; ital. rincti- 
lare, frz. remler, span. recular, portg. 
recuar „zurückweichen". 

2385. cum „mit". 

Rum. m, ital. con, log., engad. knn, 
span. con, portg. com. — Zssg.: aital. 
coniutto „mitsamt", lomb. kont „mit" 
Rom. Gram. III, 444; GStLItal. XLIV, 
425; RILomb. XL, 1108; XLII, 693. 

2386. cumba (gall.) „Tal", „Schlucht". 
Nordital. komha, frz. combe, Schweiz., 

prov. comba At. Ling. 1352, land. konie 
„Düne". Das Wort spielt namentlich 
in der Toponomastik eine große Rolle. 

— Thurneysen, Keltorom. 55. (Ctfmba 
„Kahn" 2440 R. V, 175; ZRPh. XXIII, 
185 ist begrifflich und wortgeograpbisch 
schwierig). 

2.387. cumbus (gall.) „gebogen", „ge- 
krünunt". 

Prov. co»m6, span. combo; span. combos 
„Faßlager". — Ablt.: span. combar 
„krümmen" Thurneysen, Keltorom. .55. 

— Auch portg. comböa, combona, cam- 
böa „Fischwehr" y — ZRPh. XIX, 276. 
(CoxcAvcs Diez, \Vb. 104 ist lautlich 
unmöglich). 

2388. cummi „Klebstoff", „Gummi". 

Ital. gomma, frz. gonime, prov., katal., 
span. goina, portg. gomma. — Ablt.: 
yal-blen. gumar „tropfen", boxxvn. gume 
„sich mit Wasser voll saugen". — Zssg. : 



aital. bomberaca ahabica. — ALLG. II, 
442. 

2389. cumnlare „anhäufen". 

Frz. combler, prov. comolar. (Frz. 
encombrer s. 2075 ; span. colmar s. 
2376). 

2390. cnmulus „Haufen". 

Frz. comble, prov. comol, portg. com- 
bro, comoro „Erdhaufen", „Anhöhe", 
„steiles Ufer" ; frz. comble, prov. comul 
„voll". — Diez, Wb. 104; ZRPh. XIX, 
276. (Ital. mucchio s. 5S00; mazed. 
gumolu „Haufe" *cumulevs AARom. 
XXIX, 225 ist lautlich und morpho- 
logisch bedenklich). 

2391. cuna „Wiege". 

Romagn. kona, lomb. kiina, monferr. 
kina, piem. kilna, engad. küna, friaul. 
sktme, sav. kilna, span. cuna. — -\- 
ninna: gen. kina AGlItal. XVI, 120. 
— Ablt.: ital. cunetta „Gosse"; mail. 
ki'inih, piac. kiinein „wiegenförmiger 
Feuerbock" Schuchardt-Mussafia 4; gask. 
kiiere „Wiege" At. Ling. 230. 

2392. cuneare „schließen". 

Log. kundzare AGlItal. XIII, 118. — 
Ablt.: alog. cuntadu „geschlossen", log. 
kundzadu „Umzäunung", rum. incuiä 
„verschließen", verstopfen"; campid. 
congadura „Verschluß". — Zs.sg. : acam- 
pid. incungiai „Getreide einheimsen". 

2393. cuueatns „keilförmig zuge- 
spitzt". 

Frz. cognh „Axt". Das Wort ist 
nur pikard., hier auch mit Suff. W. 
köflet At. Ling. 680. 

2394. *cuiieo „Keil". 

Frz. quignon „Ranken Brot" Diez, 
Wb. 706. (Oder zu 2394) 

2395. cuneolus „kleiner Keil". 
Crem, kifiöl, pikard. koüö, wallon. 

koüu, lothr. köRö, freib. kiiilii, neuenb. 
kflö, sav. k^flud überall „ein meist keil- 
oder halbmondförmiges Gebäck, das 
namentlich zu Weihnachten oder zu 
Hochzeiten gebacken wird". — ZRPh. 
XVIII, 216; BGlPSRom. H, 35. 

2396. cnneus „Keil". 

Rum. cuiH „Nagel", lucch. citgno, siz. 
kuflH „Hügel", neap. kttiif „Gipfel der 
Getreidegarbe", log. kondzu „Zapfen 
am Pfluge" ZRPh., Bhft. XII, 20, engad. 
knoii, frz. coin „Keil", „Ecke", prov. 
conh, katal. cony, span. cufio „Münz- 
stempel", portg. con/io „vereinzelter Fels 
in der Mitte eines Flusses", alenit, 
conho „Kiesel*; span. cuna, portg. 
cunha „Keil". — Ablt: frz. guigneUe 



190 



2397. cuniculus — 2407. cupidus. 



^Kalfateisen" Behrens, Frz. Wortg. 127; 
norm, kinet ,,kleiner Bolzen zum Ver- 
schließen des Schulsackes" ; frz. cogner 
„stoßen", , prügeln", ^vov.conhar „kei- 
len", wallon. goüi, lothr. goiie „ein- 
stoßen", — Zssg. : neap. skoild „die 
Stange aus dem Strohhaufen heraus 
nehmen und das Getreide zum Dreschen 
hinlegen", „dreschen" WS. 1,242; irp. 
skunare „dreschen", kalabr. skuüare 
„ein steiniges Feld bearbeiten", sknüa 
„FrühUng", siz. skuMH „den Weinberg 
umgraben"; span. aconar „Münzen prä- 
gen". (Irp. skuüare zu 2102 StR. VI, 54 
steht formell und begrifflich ferner). 

2397. cnnicnlns 1. „Kaninchen", 
2. „unterirdischer Gang". 

1. Trevis. kunico, veltl. kuniö, ber- 
gam. konic, afrz. conil, prov. conilh 
O ital. coniglio), katal. conill, span. 
conejo, portg. coelho, — Mit Suff. W. : 
bergam. kunl, triest., friaul. kunin, afrz. 
conin, heute nur in Freiburg, Neuenburg 
und neben lapin in Lüttich gebräuch- 
lich At. Ling. 7.52; .Jaberg, Sprachgeo- 
graph. 11. — + donnola 2733: piac. 
donei7i. 

2. Bergam. kante, bellun., trevis. ku- 
nico: trient. korni^o. — Ablt. : uengad. 
kunitar „eine Wasserrinne herstellen, 
die unter dem Hause durchläuft". — 
Diez, Wb. 107; ALLG. I, 384; AGlltal. 
XIII, 429; 433; StFR. VII, 224. 

2398. cnnire „beschmutzen". 
Moden, skunir „Fässer und Gläser 

umstürzen, damit der Schnmtz ausläuft"; 
friaul. skuni „verderben". 

2399. cuiinus „weibliche Scham". 
Vegl. kon, ital. conno, frz., prov., 

katal. con, span. cono. — Ablt. : lothr. 
konin in Anlehnung an 2397, Schweiz. 
^ono. — Zssg.: neap. andekonnal§ 
„Schürze". (Lothr. keiö *cunneone 
Mel. Wilmotte 237 ist bei der ört- 
lichen Begrenzung wenig wahrschein- 
lich). 

2400. cunula „Wiege". 

Ital. culla, abruzz. kunele, canistr. 
kimnia, romagn. konla; neap. konnele, 
campob. konnela mit -o- von 27''i8. 
(Griech. con(^«/ ° AGlltal. IV, 170 ist un- 
wahrscheinlich und nicht nötig). 

2401. cupa „Kufe". 

Frz. cuve, wallis. kyilva „Mistgrube", 
prov., katal., span. cuha\ neap. kupe 
Mask. „Bienenkorb"; ital. cupo „hohl"" 
„tief". — Ablt.: tosk. ciipile, imol. 
kuei, bologn. kuvei (> ital. coviglio, co{m)- 



piglio), venez. kove^a „Bienenkorb", val- 
levent. ^öt „kleiner Zuber", val-anz. <;«- 
vei „Kasten für Hirsemehl", val-ses. 
govieu „Butterfaß" , uengad. knivail, judik. 
Ä-«<c»7 „Melkeimer" ZRPh. XXII, 472; frz. 
cuvier „Zuber", prov. cubel „Kübel"; 
siz. kupari „verbergen", vgl. aital. co- 
vigliarsi „sich verstecken"; siz. akku- 
pari „ersticken". (Cui'A „Kufe" ist 
formell und begrifflich zu trennen von 
CUPPA „Becher" 2i09 WSt. XXV, 97; 
ital. coviglio zu 2353 macht formell und 
begrifflich Schwierigkeit; ital. ctcpo zu 
occuPARE AGlltal., Suppl. V, 124 liegt 
begrifflich ferner). 

2402. cupella „kleine Tonne". 
Dalmat. copella, röm. cupella, neap. 

kupielle „Waschfaß", kalabr. kiqneddic 
„Bienenkorb", pikard., wallon. küvel, 
span. alciihilla „Wasserturm". 

2403. cupere „wünschen", 2. cnpire. 

2. Log. knbire, obwald. kuvir „gön- 
nen", neuenb. kvi „zugestehen" BGIPS 
Rom. VII, 53; prov. cohir „wünschen", 
„gönnen". — Ablt.: bürg. rekutnS „et- 
was wünschen" RDRom. I, 424. — 
Zssg.: afrz. encouvir, prov. encobir 
„wünschen" Diez, Wb. 116. 

2404. *cupidia „Gier". 
Anordital. covea, gen. kuae, monferr. 

queya, ohwsXd. kueida. — Ablt.: amail. 
covedezo „gierig" AGlltal, VHl, 342; 
Xn, 397; Salvioni, P.^; RomF.XI,470; 
GStLLig. XXIIl, 386. (Die lautlichen 
Verhältnisse sind nicht klar. Amail. 
covedha scheint -t- oder -d- zu verlangen. 
CUPFES „Leckerbissen" steht lautlich 
und formell fern). 

2405. *cupi(lietare „wünschen". 
Afrz. covoitier, nfrz. convoiter, prov. 

coheitar. (Die lautlichen Verhältnisse 
sind schwierig, zugrunde liegt cupidi- 
TABE, das sich aber wohl unter Einfluß 
eines anderen Wortes, etwa *cupidia 
2404 weiter entwickelt hat. — ZRPh. 
Vm, 234; Rom. Gram. I, 117; Herzog, 
Streitfr. z. rom. Phil. I, 114; R. XXIH, 
285). 

2406. *ciipidietas „Begier". 

Afrz, coveitii, prov. cobeitat. — Ablt. : 
afrz, covoiteus, prov. coheitos. 

2407. cnpidus „begierig". 

Prov. cohe. — Ablt,: aital. covidoso, 
altengad. cufdus „gierig"; prov, cobe- 
zeza, span, codieia, portg. codiga „Hab- 
sucht"; prov. cobejar „wünschen" Diez, 
Wb. 116. 



12408. cupiscere — 2415. currere. 



191 



2408. cupiscere , wünschen*. 
Franche-conil. kvatre, kvotre. 

2409. cnppn , Becher". 

Rum. cupä, ital. coppa, campid. kuppa 
»Kohlenbecken", engad. kojja , Becher", 
«Schüssel", frz. coj(^e,Becher", „Tasse", 
prov., katal., span., portg. copa; nordital. 
coppa „Hinterkopf", engad. kojM del 
Uo „Schädel"; ital. copim „Krug", piem. 
kup, einil., lonib. kop, venez. kopo, 
friaul. kop „Hohlziegel" ; log. npu 
„Schfipfeimer" ZRPh. XI, 272; misox. 
kop „Molkenlöffel", prov. cojd „Schädel", 
„Eichelnäpfchen"; span. copo „Büschel 
Haare", „Kräuter", „Blumen", „Spinn- 
rocken voll Flachs, Wolle", „Flocke", 
portg. copo „Spinnrocken voll Flachs", 
.Flocke". — Abu.: versil. coppetta „Hin- 
terkopf", „Kniescheibe", ancon. knpitsa 
„Nacken",march. /.-opf^Äfl „Kopf", frz. co- 
j:>w« „Bergspitze" ; lo^.tijmale „Eimer", 
nuor. 7t^>jrfmaid.,sassar. gupu „Schöpfer, 
um Wasser aus dem Eimer zu schöpfen" 
WS. n, 20.Ö; log. kupudu, prov. coput 
„hohl"; afrz. coupie, aprov., aspan. 
copada „Haubenlerche"; \\,d\. accoppare, 
piem. kiqyS, lomb., venez., friaul. kopa{r) 
„töten", kalabr. koppare „Bäume be- 
schneiden", frz. cmiper „schneiden", 
eigentlich „köpfen" AASTorino XLH, 
296; log. akkupjiare, span. acoparse 
„sich zur Gestalt einer Kugel runden" 
(vom Laub der Bäume, Salat, Kohl 
u. dergl.), Xo^.auppare „dicht werden", 
(,a)ti(p)pa „Schatten" Mise. Ascoli 245; 
WS. II, 203. — Bask. kopor, daraus span. 
porron „irdener Wasserkrug" ZRPh., 
Bhft. VI. 31. — Diez, Wh. 108; ALLG. 
1,550. (Sen. 5roW>o?o „Krug", afrz. (/ofteZ, 
nfrz. gohelet „Becher" Caix, Stud'. 342, 
span. cidnlete „Würfelbecher" sind laut- 
lich nicht möglich; log. kupetta „Kopf- 
salat" ist im Suff, unverständlich; log. 
fubitfuu, sassar. tubbcftsii „Nacken" AGl 
Ital. XIV, 407 ist wegen -b- und -t- 
zweifelhah, Einfluß von cabo und iiila 
AStSard. V, 241 zu kompliziert; log. aupa 
coiTLA Zanardelli, App. less. top. I, 41 
ist lautlich und begrifflich unmögHch; 
frz. coiiper „schneiden" i.st im Afrz. 
von colper „schlagen* 2034 in der Or- 
thographie zumeist geschieden). 

2410. cupula „Grabgewölbe". 

Ital. cnpola (> frz. coupole) „Kuppel" 
Diez, Wb. 108; ALLG. II, 556. 

2411. cnra „Sorge". 

Ital. cura, frz. eure, val de Saire : 
Vilr .Pfarrhaus", span., portg. «</•« 



„Seelsorge", .Seelsorger*; abruzz. pe- 
kure PONE cvräm ,paß auf*. — Diez, 
Wb. 116. 

2412. curare „sorgen*, „besorgen". 

Rum. ctira „roden", ital. curare, ve- 
nez. kurar „Getreide reinigen", piem. 
gilrd „ausweiden", obwald. firar „durch- 
seihen", frz. eurer, lyon. kerd „die 
Bäume putzen", prov., katal., span., 
portg. curar. — Ablt.: mazed. curatä 
„Hoffnung", eigentlich „Sorge" AARom. 
XXIX, 216. — Zssg.: agen. bescurarae, 
loinb. abescurarse „sorglos sein", „ver- 
gessen". — Aspan. curiar „beschützen" 
R. IV, 35; X, 77 ist von ixcujtiA, cu- 
Jiiosus abhängig ZRPh. VI, 167; rum. 
curat „rein" kann hierher oder zu 2035 
gehören. 

2413. curatus „Seelsorger". 

Ital. cnrato, frz. c\ir4 Diez, Wb. 116. 

2414. curculio ,. Kornwurm". 
Aital. gorgoglio, gorgoglione, log. iz- 

gurdzone, frz. gourguillon, Ivon. gurgitö 
R. XXXIII, 223, prov. gorgolh, katal. 
corcoll, span. gorgojo, portg. gurgulho. 
— Mit Suff. W. : rum. curculez, prov. 
corgosö, nprov. gurgii, katal., valenc. 
corc(} „Holzwurm". — Rückbild.: katal. 
corch. — -|- cossus: sOdoslprov. kur- 

ktisü At. Ling. 1492. 1- eomer: portg. 

corcoma „Holzwurm" ZRPh. XXVI, 411 ; 
R. XXXV, 172. Auch rum. gärgärä, 
gärgärizä „Kornwurm" ZRPh. XXVI, 
586? — Ablt.: katal. escorcollar „durch- 
forschen*. — Diez, Wb. 456; ALLG. VI, 
391. 

2415. currere „laufen*. 

Arum. eure, nrum. curge n^chmerge 
5521, vegl. kotieja), ital. correre, log. 
kurrere, engad. kuorer, fri.iul. kort, frz. 
conrre, courir, prov. corre, katal., span., 
portg. correr; rum. curind, curund, 
venez. korando, friaul. ktirind „rasch* 
GL. XXXV, 816. — Ablt.: venez. korlo, 
friaul. korli „Garnwinde", neap. k^irrulf, 
lucch. erullo, lomb. korlo „Winde, um 
Lasten zu heben", „Walze", mant. tor/o 
„Kreisel", „Wirbel an der Spindel*, 
comask. gurla, friaul. gurli „Kreisel*, 
dazu abergani. korlare „foltern*, obwald. 
kierl „Folterbank", engad. l'ilrler „fol- 
tern* ; siz. ktirrula, abruzz. krull^ 
„Flaschenzug* Mussafia Beitr. 46; 
Schuchardt-Mussafia 23: ital. corriro 
„leichtsinnig*, „leichtgläubig*, südital. 
„zornig", romagn. kuHf „leicht zu be- 
friedigen", „leichtgläubig", acampid. 
curriva de terra „ein bestimmtes Maß 



192 



2416. cursorius — 2424. cuscülium. 



Land" AGItal. LXXIII, 65; aprov. cor- 
rieu O frz. coutv-ier, ital. corriere, span. 
€07-reo) , Läufer" ZRPh. XXXII, 32; 426; 
afrz. couroir, nfrz. couloir , Verbindungs- 
gang zwischen zwei Zimmern", , Wandel- 
gang", prov. (^ frz.) couradoux „Zwi- 
schendeck"; span. corro „Kreis von 
Personen", „Rundtanz", nprov. kurü, 
katal. con-6 „Lasten walze", span. cor- 
rido „ausgelernt", „listig", „aufge- 
bracht". — Zssg. : frz. accourres „Lauer- 
stelle für die Jagdhunde" aus ä courre; 
afrz. cour-lieu „Läufer" ZRPh. I. 430; 
portg. escorrer, escorregar „gleiten", 
, ausgleiten", „auslaufen lassen", „aus- 
gießen". — Diez, Wh. 442; ALLG. VI, 
584. (Frz. courtiere „Laufraum für das 
Rad einer Wassermühle", wallon. ktirtö 
„Klicker" (kleine Kugeln) Behrens, Frz. 
Wortg. 62 ist zweifelhaft, jenes gehört 
-wohl eher zu 2032 ZFrzSpL, XXXII, 297 ; 
frz. courtier „Makler" s. 2250; log. kur- 
rikurri „Ohrwurm" RILomb. XLII, 692 
ist eine Umbildung aus kugurra 2011 ; 
frz. cour-lieu leve Diez, Wb. 553 ist 
lautlich unmöglich, frz. courlieu „Brach- 
vogel" s. 4738; span. corral „Hof" ist 
hegrifflich nicht erklärt, vielleicht „der 
Ort, wo man tanzt" ; engad. kiirler 
*CHORDULARE ZRPh. XIX, 576 ist laut- 
lich unmöglich). 

2416. cursorins „etwas das läuft 
oder zum Laufen dient". 

Ital. corsoio „beweglich", alog. gu- 
■sorgiu „Kloake", nlog. kussordza „Di- 
strikt" Salvioni, P.^; vionn. ekosairf 
„Haspel", portg. cossouro „Spornrad", 
^Wirbel an der Spindel" RHisp. V, 135. 

2417. cnrsus „Lauf". 

Rum. curs, ital. corso, log. kursu, 
•engad. kuors, friaul. kors^ frz. cours, 
prov., katal. cors, span. coso, portg. 
_-cosso „Rennbahn". — Ablt.: afrz. cour- 
■sier (y ital. corsiere, span. corsero) 
„Renner", mlat. cursaritis (> ital. cor- 
saro, corsale, prov. corsar, frz. corsaire, 
span., portg. corsario) „Seeräuberschiff", 
„Seeräuber" Kemna „Schiff" im Frz. 42; 
portg. corseiro „unstet"; ital. corsivo 
„laufend", corsm „Strom", „Gang" ; lothr. 
Jeoso „Geflügel-", „Eier-" und „Butter- 
händler", wallon. p-oso „Getreidehändler, 
der von Markt zu Markt zieht"; gask. 
■kuseyd „den Faden abwinden", kuseye 
„Garnwinde" Schuchardt-Mussafia 26. 
— Zssg.: afrz. encorse „gierig"; span. 
'Ocosar, portg. acogar „nachsetzen", „be- 
^Irängen". 



2418. curtare „kürzen". 

Span., portg. cortar. — Zssg.: rum. 
scurtä, aital. scortare, frz. ecourter, prov. 
escortar. — Ablt.: bergeil. sfürtaröl 
„Abkürzungsweg" RILomb. XLII, 975. 

2419. curtiare „kürzen". 

Rum. cur^ä „sparen" JBlRumSpLeip- 
zig XI, 43. — Ablt.: abruzz. kurce 
„Ziegenbock", katal. corso, span. corzo, 
portg. corgo „Reh" (nach dem kurzen 
Schwänze) ZRPh. XXIII, 189; XXIX, 
558. — Zssg.: ital. accorciare, afrz. 
acoiircier, prov. acorsar, arag. acorgar 
„abkürzen", „verkürzen". — Ablt.: frz. 
accourse „Abkürzungsweg". (Span. 
cwzo CAPREA Diez, Wb. 442 ist lautlich 
unmöglich). 

2420. curtio „Schlange". 

Ital. scorzone, canav., bergam. skürs, 
apav. scurgo, log. iskurtone. — Zssg.: 
lucch. corso boddaglio „Wasserschlange". 

— WSt. XXV, 98; RoUa, Fauna pop. 
sard. 1. Das s- kann von scortea 
7816 oder von excurtiare 2994 stam- 
men. (Lucch. corso- kann auch Cursor 
sein ZRPh. XXX, 298). 

2421. curtiis „kurz". 

Rum. scurt, ital. {s)corto, engad. ktiart, 
frz. court, prov., katal. cort, span. 
cotio, portg. curto. Das s- stammt von 
EXCURTIARE 2994, portg. -u- fällt auf, 
findet sich aber auch in nordital. kürt, 
friaul. kurt, vegl. korie wieder; log. 
kwtsu scheint eine Entlehnung aus dem 
Campid. zu sein, wo -ts- sich durch 
Anlehnung an 2419 erklärt. — ALLG. 
VI, 384. 

2422. cnrvare „krümmen". 

[Ital. curvare], comask. korbä, frz. 
cowber, prov. corbar, aspan. corvar. 

— Zssg.: istr. zgurbarse „sich neigen 
und einstürzen" (von Mauern). 

2422 a. *cnrvea. 

Frz. courge „Tragstange für zwei 
Eimer" Dict. Gen.? 

2423. curvus „krumm". 

[Ital. curvo], afrz. corj), nfrz. courbe, 
prov. cor2), span. corvo, [portg. curvo]; 
span. corca „Kniekehle". — Ablt.: 
ital. corvetta (> frz. courbette, span. 
corveta) „eine Art Sprung des Pferdes"; 
frz. conrbet „Holzhippe", valenc. cor- 
bella, span. corvillo „Rebmesser". 

2424. cusciilium „Scharlachbeere". 
Log. kuskudza, prov., coscolha, katal. 

coscoll, span. coscojo; log. kiskudzu 
„Kehricht", „Abfall" Mise. Ascoh 237; 
prov. coscolha, cascolha „Hülse von 



2435. cuspis — i2436. cydoneum. 



193 



FrQchten", »Schale von Tieren", nizz. 
kaskito[ »Made*, span. (> portg.) cosco- 
Jas , kleine Räder am Gebisse des 
Zaums", portg. casculho „Schale von 
Kastanien", „Kehricht". — Mit Suff. W.: 
span. casquijo „Kies", „Sand", casquillo 
„dünne Schale am Obst", span. cascajo, 
porig, cascalho „Kies". — Rückbild.: 
siz. koska „Brotschale", span. cuesco, 
portg. cosco „Obslkern", „Brotrinde", 
span. coscorron, portg. coscorräo „Kopf- 
nuß", „Beule am Kopf". — Auch va- 
lenc. cuscuro „Brei"? — SBPhHKlAW 
Wien CXLI, 3,48; ALLG. VI, 385. 
(Bask. koska „Stoß des Widders" Diez, 
Wb. 443 ist, wenn es mit den rom. 
Wörtern zusammenhängt, daraus ent- 
lehnt). 

2425. cnspis „Spitze". 

Venez. cospo. — Ablt. : lucch. guspello 
„Metallspitze derMiederschnüre", avenez. 
cospelo „eisernes Band an der Spitze 
der Schwertscheide" Mussaüa, Beilr. 47. 
{Frz. cojjeau Diez, Wb. 552 s. 7268). 

2426. cuspus „Holzschuh" CGIL. II, 
119,30. 

Avenez. cospo, coraask., romagn. kosp, 
engad. Ictiosp, grödn. kospes. 

2427. cnstos „Wächter", 2. castor 
„Küster". 

2. Engad. kalnoster, afrz. coustre. — 
Ablt. : val-ses. kustöryu, lomb. knstoryö 
ZRPh. I, 124; StM. I, 414. 

2428. *cntere „schlagen". 

(Prov. cotir, span. cutir R. V, 176 ist 
lautlich unmöglich). 

2429. cutica „Haut". 

Aneap. coteca, röm. kotika, lomb. 
küdcga, trevis. kol^ga, bergam., pav. 
koeya, piem.^•Jiya, emil. kodga „Scholle", 
triest. krodeqa, engad. kudija „Schwarte", 
iriaul. kroiiie, wallon. kot ZRPh. XV, 
494; XXX, 457; auch obwald. kmfna 
„Schwarte" RomF. XI, 517? — Ablt.: 
tViaul. skrodid „schinden" AGlItal. XVI, 
236. — AGlItal. III, 135. 

2430. *cuticea „Haut". 

Vicent. koesa; veltl., bellinz. skodeda 
.Hastband", „Weide zum Binden". 
(Skodeöa CAUDICEUS Salvioni, P.* paßt 
begrifflich nicht). 

2431. *cntiua „Haut". 

Aneap. cötena, siz. ktitina, piem. kuna, 
ital. cotenna, frz. coiientie, prov. codena, 
katal. cotna, conna „Speckschwarte", 
valenc. co{l)na, corna id., span. codena 
„Diciitigkeit eines Gewebes", portg. co- 
■dea „Kruste". — Ablt.: freib. leuini 



„das erste noch mit Rinde bedeckte 
Brett, das von einem Stamme abgesägt 
wird" BGlPSRom. II, 34. — Auch ro- 
magn. ködal „Scholle" oder zu 2288'f 
(^Cutanea Diez, Wb. 111; *cutinea 
AGlItal. III, 134 sind lautlich unmög- 
lich, doch bedarf ital. cotenna, frz. 
coutnne noch der Aufklärung). 

2432. catU „Haut". 

Rum. cutä „Runzel" GL. XXXIX, 61, 
siz. kuti, piem. kü, log. kude. — Ablt: 
bologn. kudreü, moden. skiidren, piem. 
gureü, piazz. kutreü, s'iz.kutroflu „hart" 
AGlItal. III, 135; MILomb. XXI, 265. 
(Oder piem. gtirefl zu 2233). 

2433. cyatliina „kleiner Becher". 
Pav., bergam., crem, .taina „Becher", 

namentlich auch ein „Flüssigkeitsmaß", 
mail., comask. tsaina „Becher", päd., 
venez. tsaina „große Schüssel", „Wasch- 
becken", „Glas" O altuengad. zaena 
del vin „Weinglas"). — Ablt.: mail. 
tsainera „Gläserbrett" Lorck, Abergam. 
Sprachd. 146; Walberg, Sagg. suUa fönet 
di Celerina 72. (Bergün. tnana „Gestell", 
tsana döfs „Eiergestell" ist begrifflich 
nicht ganz klar; uengad. tsaina, tsena 
„niedriger Korb" ist gleichbedeutendes 
schweizd. zaine). 

2434. cyathos (griech.) „Kelle", 
2. cattia CGIL. II, 521, 54. 

1. Mazed., megl. cätia „Kohlenschau- 
fel". 

2. Ital. cazza „Schmelztiegel", prov. 
casa O frz. casse), span. cazo, portg. 
cago. — Ablt.: ital. cazziiola, frz. cas- 
serolle, katal. cassö „Pfanne". — -f m€S- 
cola: misox. kaspola, arbed. kaspra 
„Ziegerlöffel" Luchsinger, Molkereiger. 
38; BStSvIlal. XVIH, 36. — RomF. I, 
106; WSt. XXV, 96; JBIRumSpLeipzig 
XI, 53. (Ahd. chazzi Diez, Wb. 94 
stammt erst aus dem Rom.). 

2435. cycnos (griech.) „Schwan", 
2. cyciiios. 

1. Ital. cigno, siz. öinnu StFR. IX, 421. 

2. Aital. cecino, cecero, veron. tsezeno, 
venez. siezeno (> friaul. iezeno), avicent. 
cisano, campid. sisini, afrz. (> prov., 
span., porig.) cisne, nfrz. eigne; apul. 
<^eö§nf, cerign. öiffnf „ein Wassergefaß 
von besonderer Form". — Diez, Wb. 94; 
ALLG. I, 545; Mussaüa, Beitr. 124. 

2436. cydoneum „Quitte", 2. co- 
toneum. 

2. Ital. cotogno, log. kidondza, cam- 
pid. tidonga RILomb. XLII, 686; txz. 
coing, prov. codonh, katal. codony. — 



Meyer-Lübke, Roman, etymolog. Wörterbuch. 



13 



194 



2437. cyllndros — 2449. ßaola. 



4- pomum: castel. pum pudon. 1- Pi- 

Rus: campid. pirortga. — Auch portg. 
melgotäo, maracotäo „Herzpfirsich"? — 
Diez, Wb. IH; ALLG. I, 554; Mussafia, 
Beitr. 44. (Rum. gutuiu stammt aus 
dem Slav.). 

2437. cylindros (griech.) „Walze", 
2. *colondra (aus cylindros + columna). 

1. Neap. celindra, ceUndra. — Ablt. : 
log. akkilandrare ,das Maul der Rinder 
mit den Füßen zusammenbinden, damit 
sie nicht weglaufen können". 

2. Rom., umbr. kolonda, log. kolon- 
dra, vionn. kolöda „Säule", „Pfosten", 
„Balken", prov. kalandra „Walze" (/> 
frz. calandre „Walze", calende „Hebe- 
maschine", span., portg. calandra 
„Wäscherolle"), astur, kolondro „ein' 
am Dache angebrachtes Stück Holz, um 
den Dachvorsprung weiter herauszu- 
rücken". — Ablt.: vionn. kolödi „Pfo- 
sten"; prov. corondel „Zaunpfahl"; 
Rückbildung davon coronda, katal. co- 
rondell (^ span. corondel) „Schrift- 
kolumne". — Diez, Wb. 538; ZRPh. 
XXVI, 410. (Span. c%ir{u)ena „Laffette", 
portg. c{o)ronha „Flintenschaft", „Pisto- 
lenschaft" gehören kaum hierher). 

2438. cyma (griech.) „junger Sproß", 
„Spitze", 2. ciraa „Gipfel". 

1. Rum. ciuma fett „Stechapfel", 
mazed. cumä „Beule", „Geschwür" 
JBIRumSpLeipzig XI, 60. 

2. Ilal. cima, log. kima „Lauch", 
engad. cima, frz. cime, norm, sim „Kohl- 
kopf", prov., katal. cima, span. cima 
„Distelsprossen", portg. cima. — Ablt.: 
galiz. simo, simon „Herz des Kohls" ; 
frz. cimier Q> ital. cimiero, span. cimera) 
„Helmstutz". — -\- vimbre 9656: span. 
cimbrar „biegen", cimhreno „biegsam". 

— Auch aspan. quimas „Spitzen der 
Zweige" ZRPh , Bhft. VI, 20? — Diez, 
Wb. 99; ALLG. I, 545. (Span, cimhrar 
zu bask. cimel „biegsam" Diez, Wb. 441 
paßt weder formell noch auch begriff- 
lich, da das bask. Wort „welk", „ver- 
welkt", „trocken" bedeutet). 



24.39. cymatinm (griech.) „Rand". 
Lomb. (> ital.) cimasa, frz. cimaise 
„Karnies" Mise. Rossi-Teiss 405. 

2440. cyinba (griech.) „Kahn", „un- 
terster Teil des Schiffes". 

Katal. com „Trog". — Ablt.: mail., 
bresc. komhal „großes Lastschiff". (Com- 
ba „Tal" s. 2387). 

2441. cymbaluin (griech.) „Schall- 
becken". 

Ilal. Cembalo, siz. cimuli „Glöckchen", 
afrz. dmble, prov., katal. cembol. — 
Ablt.: afrz., prov. cembel „Signalglocke", 
„Pfeife" (/> ital. zimbello. span. cimbel 
„Lockvogel") Diez, Wb. 346. 

2442. cyminum (griech.) „Kümmel",. 
2. cominnin. 

1. Aneap. cimino, abruzz. cemine. 

2. Ital. comino, frz. commin, span. 
comino, portg. cominho. 

2443. cyparissns (griech.) „Zypres- 
se". 

[Tosk. arcij)resso, accipresso, anci- 
presso, arcev. nucipriesso, prov. ancipres 
Mussafia, Beitr. 27]. 

2444. cypreus „Kupfer". 

Frz. cuivre. Die Grundlage verlangt 
-Q-. — Diez, Wb. 557 ; ALLG. I, 551 ; 
G. Paris, Mel. ling. 248; 251; ZRPh.. 
VJI, 116; ZFrzSpL. XXXIV, 302. 

2445. cyprnm „Kupfer". 

Alomb. covro, afrz. cuevre, prov., katal. 
coure, prov. auch coire, span., porig. 
cohre ALLG. I, 552. 

2446. cypselos (griech.) „Erdschwal- 
be". 

Avenez. zesila, nvenez. tsizila, friaul. 
sizile. — Mit Suff. W. : avicent. cesiola, 
päd. siziola, valenc. sisseta „Brach- 
vogel". — Ablt.: tirol. feZowt Mussafia , 
Beitr. 124. (Zweifelhaft, da man auch 
in Italien stimmloses -s- erwarten 
sollte). 

2447. cytisiis (griech.) „eine Art 
Klee". 

Span, codeso, portg. codego Diez, Wb. 
441; ALLG. I, 556; ZRPh. XXVI, 410;. 
RomF. XV, 848. 



c. 



2448. öaliata (türk., pers.) „Über- 
ziehstiefel". 

Ital. ciabatta, frz. savate, span. zapata 
Diez, Wb. 97; DSchAWPhHKlWien 
XXXIV, 34; ZRPh. XXVm, 195. (Rum. 
ciobotä aus dem Russischen). 



2449. caola (Schallworl) „Krähe". 

Rum. cioarä, siz., kalabr. caula, neap. 
öaole, tarent. cola, comask. corla; nprov. 
chavo, chamno, cJiarvio, piem. coya; 
prov. choya, chura; sav. save „Saat- 
krähe". — ZRPh., Bhft. I, 102. (Mhd. 



2450. ßap — !2455a. dabla. 



195 



chonh .Eule", niederl. k-aiiir „Krähe" 
Diez, Wh. 547 sind lautlich uiiniögUch; 
l'rz. chatie „Käuzohen" eiitternl sich in 
Form und Bedeulun^', s. 17H5). 

"2400. ßap, gap (Schallworl) , kläf- 
fen", , hellen". 

Ni)r(JV. tsajHt, tsopä, dzapd, sOdoslfrz. 
zapa. — -f BAUBARE'. sfldproT., nord- 
katal. zaupil. Das Wort gehört mit £- 
auoh dem siidl. Nordfrankreich und den 
südwestfrz. Mundarten an und dürfte 
einst den ganzen Westen beherrscht 
haben, da es in Calvados und Manche 
wiedererscheint At. Ling. i2. 

ii451. Car (Schallvvort) , reden", 
, schwatzen". 

Ital. ciarlare, prov. charrar, norm. 
.sf//V, katal. xarrar, span., portg. char- 
lar. — Ablt.: prov. charrado (> frz. 
charade) , Plauderei", , Rätsel" Diez, 
Wh. 98; 543. (Ital. ciarlatano s. 1836, frz. 
charade zu 1803 ZRPh. IV, 423 ist un- 
möglich). 

!2452. ßoö, tn6 (Schallwort) , sau- 
gen". 

Ital. ciocciare „saugen", „trinken", 
mail. trifft, engad. öUder, pikard. süsd, 
frz. sucer, prov., portg. " chuchar. — 
Ablt.: ital. cioccia „Brustwarze", mail. 
sisö, span. chucha, „BeuteUier", span. 
chucho, gen. dilöti, march. Suso „Horn- 
eule" (mylohatus aquila) RILomb. XLIII, 
31 ; portg. chucha „Milch" (Kinderwort), 
\)ortg. chnchado „ausgesogen", „trocken", 
„mager". — Mit Dissimilation: span., 
portg. chiipar „saugen". — Diez, Wh. 
44t). (SucTiAJiE 8498, das nur im Frz. 
lautlich paßt, ist wohl ganz fern zu 
halten). 

24.53. Cof (Schallwort) „dick", „auf- 
geblasen", „dumm". 

Neap. ^off^ Fem. „bauchige Schleife", 
aital. ciofo „Mann von verächtlichem 
Stande", sen. dobo „Faulpelz", „Feig- 
ling", istr. doubo „dicker Mensch", 
„Maulwurf"; röm. ihif^kn „dumm", „ein- 
fältig", „tölpelhaft", pi.stoj. iofeka „Lap- 



palie", „wertlose Sache"; aital. ciheca, 
abellun. cibega „ Dummkopf", aret. iepeka 
„unbedeutender Mensch", piac. Uihega 
„Zieraffe"; ahruzz. f:nf^, regg. Uuf, 
bologn. tsof „finsteres Uesicht", mail. 
tsMf „anmaßender, unverschämter 
Mensch"; lucch., chian. iaffo „dickes, 
rundes Gesicht", siz ^«/f« „pausbackig", 
öäfalu, ööfeu „Dummkopf", piazz. öaf- 
fardü „dick", „stämmig", daflu, iaflonn 
„dick", piem. öafe(r)la „Wange", uengad. 
daflun „Bauch", pistoj. ciaffone „Maul- 
schelle" ZRPh. XXXI, 1. (Ob alle diese 
Wörter wirklich zusammengehören und 
wie ihr gegenseitiges Verhältnis ist, 
bleibt noch zu untersuchen; aital. ciofo 
aus hd. schuft Diez, Wb. 365 ist laut- 
lich schwierig und begrifflich darum 
unwahrscheinlich, weil das erst im Jahre 
lull auftretende Wort zunächst ein 
Schimpfwort für Edelleute ist). 

2454. öott „Klotz", „Klumpen". 
Woher? 

Rum. c?b< „Astknorren", cioatä „Baum- 
strunk", ital. cioUo(lo) „Kieselstein", 
abruzz. öott^ „großer, schwerer Stein", 
ital. ciotto „hinkend", ursprünglich wohl 
piede ciotto „Klumpfuß", friaul. tsnet 
„hinkend", irp. iuotto „dick", „fleischig", 
neap. öuottf de friddf „vor Kälte steif"; 
pistoj., lucch. dotta „Kuhfladen", mail. 
sot „fester Darmkot", bergam., gen. 
sota „Kuhfladen"; frz. so^, span., portg. 
zote „dumm". Mit -a-Ablaut: mail. sat 
„kurz", „dick", „ungestilt", comask. 
sat „Zwerg", lomb. sat „Kröte"; lomb. 
sat, §ata und nun wieder mit -o-: sot, 
sota „Sohn", „Tochter". — ZRPh. XV, 
111; XXVIII, 145; RILomb. XXX, 1506. 
(Frz. sot, span., portg. zote idiotici'S 
Caix, Stud. 68 ist lautlich unmögUch; 
uengad. <!ot „Schaf", öotin „Lanmi*, 
borm. Sotin „Lamm" können auch 
hierher gehören, doch weist obwald. 
cut „Lamm" eher auf ein Schallwort. 
Der Anlaut von lomb. Sat paßt üb- 
rigens genauer zu tosk. chiatto „flach"). 



D. 



2455. daal (niederl.) „Tal". „Diele", 
„Pumpendahl". 

Frz. dalle „Fliese", „Pumpendahl" 
O span. adala „Pumpendahl". portg. 
data id., „Engpaß") LBlGRPh. XIII, 24. 
(Arab. dalä Diez, Wb. 116 wird von 



Diez selber Wb. 415 als unrichtig be- 
zeichnet). 

24.55a. dabla (arab.) „eiserner Riegel". 

Span, aldaba, portg. aldrava ,TOr- 
riegel", „Türklopfer". — Ablt.: span. 
aldabilla „kleiner Türriegel" Dozy- 

13* 



196 



2456. *daca — 2465. Damascus. 



Engelmann, Gloss. 96; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 147. 

2456. *daca ,dakisches Messer", 
, Dolch". 

Neap. dahe, ital. daga (> frz. dague), 
prov., span. daga, portg. adaga. — 
+ VNICORNIS , einhörnig" : frz. dagorne 
„Kuh mit einem Hörn", rouerg. kadorno 
„altes Weib" Diez,Wb.558. — Ablt.: ital. 
daghetta „kleiner Dolch", aital. daghinaz- 
zo „großer Dolch", frz. daguet „Spieß- 
hirsch" ; frz. daguer le lin „den Fiachs 
schwingen" knüpft an dague „Schwing- 
raesser" an, daguer „beschlagen" (vom 
Hirsch) an dagues „Spießer des Hirsches", 
— G. LXXX, 207; ZRPh. XXVI, 115; 
XXXI, 657. (Auffällig ist, daß die lat. 
Überlieferung eine solche Bedeutung 
von DACUS „dakisch" nicht kennt und 
daß, nach 2458 zu schließen, der Aus- 
gangspunkt des Wortes Südfrankreich 
ist. Frz. daguer aus fläm. daken „be- 
rühren" Behrens, Frz. Wortg. 81 ist 
nicht nötig; lothr. daguoan, dagon 
„Schwarte" LBlGRPh. XXXI, 204 paßt 
lautlich zu dagwne, ist aber begrifflich 
nicht aufgeklärt). 

2457. dactylus 1. „Dattel", 2. „Bohr- 
muschel". 

1. Ital. dattero (/> frz. datte), neap. 
lattere, prov., span., portg. dätil, valenc. 
atil Diez, Wb. 117. 

2. Ital. dattero di mare, neap. latter ^, 
hz.dail G. LXXX, 208; RDRom. I, 263, 
span. ddtil. (Frz. daillot, andaillot 
„Säuger der Stagsegel", dail „Sichel" 
RDRom. I, 266 passen begrifflich nicht). 

2458. *daculam, -a „Sichel" (zu 
24:56). 

Afrz. dail, daille, morv. der, prov. 
dalh, katal. dalla (y span. dalle), sav. 
dar, lyon. däyi „Sense", katal. dail, 
menork. day „Hippe". — Ablt.: afrz. 
dailUer „mit der Sichel mähen", „fech- 
ten", „hauen", lothr. day^ „necken", 
prov. dalhar „mit der Sichel mähen", 
gask. redalh, katal. redall „Grummet"; 
lothr. f7ot/eme„Spinnstubenunterhaltung" 
ZRPh. XVIII, 217. — G. LXXX. 208. 

2459. dahul (arab.) „Betrüger". 

(Afrz., prov. to/Mr „Spitzbube", „Bett- 
ler", span. tahur, portg. taful „falscher 
Spieler" Diez, Wb. 313 ist lautlich nicht 
möglich Dozy-Engelmann, Gloss. .386). 

2460. daiah (arab.) „Grundstück". 
Katal., span., portg. aldea „Dorf" 

Diez, Wb. 418; Dozy-Engelmann, Gloss. 
97; Eguilaz y Yanguas, Glos. 148. 



2460 a. daker (niederl.) „zehn Stück 
Felle". 

Afrz. dacre, tacre, traque; bearn. 
trake „eine Partie Reifen", nprov. trako 
„Stoß Bauholz" Thomas, Mel. 61. 

2461. drtlil (arab.) „Wegweiser". 
Span, adalil, adalid, portg. adail 

„Heerführer" Diez, Wb. 415; Dozy- 
Engelmann, Gloss. 40; Eguilaz y Yan- 
guas, Glos. 44. 

2462. dalniäta „Holzschuh" (aus 
Dalmaticn). 

Trevis., ampezz. dälmeda, friaul. dal- 
mide, ddlnüne, tdlmine, gdlmine, veron. 
zgdlmera, buchenst, dirmena, val-sug. 
dambra; bresc. zgälmera „Stelzen" 
Bartoli, Dalmat. I, 264. 

2463. dalmatica „Meßgewand". 
[Ital. dalmatica, afrz. daumaie, dau- 

maire, poitev., berrich. dom^, anj. do- 
muer, morv. dom^r „Bluse", „Mantel" 
und dergl., span., aportg. almatica 
RHisp. V, 418]. 

2464. damascenns „Pflaume aus 
Damaskus", 2. *dava8ceims, 3. *dainas- 
kenos. 

1. Ital. {a)moscino, amoscino, mail. 
brüüa inasina, piem. darmasin, ligur. 
brifia darmasina, frz. demoisine, da- 
moisine, sav. amezna, span. amacena, 
portg. ameixa. — Ablt. : portg. ameixial, 
ameixiera, ameixoal, ameixoeira „Pflau- 
menbaum". (Portg. ameixa *myxula 
zu griech. myxa „Pflaume" RL. XI, 58 
reißt das Wort unnötigerweise von den 
anderen los und gibt über das -/- der 
Ableitungen keine Rechenschaft). 

2. Aital. aboscino, amant. avoxina, 
afrz. davoisne, orl., gay. davpi, forez. 
dav^n, lyon. davani AGlItal. IV, 387; 
XV, 97; Gr. Gr. \\ 767; Thomas, Nouv. 
ess. 287; R. XXX, 401; ZRPh. XXVI, 
263; RILomb. XXXV, 967. 

3. Piem. brüna damaskina, bologn. 
profia del meskein. — Mit Suff. W. : 
piazz. maskareu MlLomb. XXI, 281. 

2465. Damascus „Damaskus" (Stadt 
in Syrien). 

1. Ital. damasco, frz. damas (> ital. 
damasto), span. damasco, portg. danias- 
cado „Damast"; engad. tamask mit ^ 
aus dem Aleman., neap. tommaske, log. 
tammasku mit unerklärtem t- RILomb. 
XLII, 858. 

2. Frz. dama[r)s, reims., gay. damä, 
lyon. domo, bourn. demot, norm, ameg, 
b.-manc. demas „Art'Pflaume", Aisne: 
seris dem^, seris deme$ „Art Kirsche" 



2466. damma — 2478. •darnos. 



197 



Rolland, Flore pop. V, 353; 377. (D^meS 
zu MVXA R. LXllI, 142 wird durch die 
Formen mit da- widerlegt; zu domksti- 
rrs 2732 Thomas, Mel. 13 ist begriff- 
lich nicht genügend gestützt). 

24()(). dumina „Damhirsch", 2. ""da- 
in 118. 

2. Frz. dain (> ilal. daino, aspan. 
daync), Fem. daine C> katal. doina), 
prov. dam Diez, Wb. 558; ALLG. II, lÜO. 
(Das V^erhältnis zu span., portg. gamo 
„Damhirsch" ist unaufgeklärt, Zu- 
sammenhang mit VAMOX 1555 ZVglSpF. 
XXVIII, 170 schwierig, da dieses den 
Zentralalpen angehört). 

24()7. damiiare „schädigen". 

Ital. dunnare, [frz. damner, prov. 
damnar], span. daüar, portg. danar; 
piem. daü^, vionn. da>iä „rinnen" (von 
Gefäßen), venez. far dano id. — Diez, 
Wb. 444. 

2408. damnniu „Schaden". 

[Rum. d((un(i], vegl. damno, ital. 
danno, log. damnu, engad. dan, friaul. 
dam, afrz. dämme, prov. dan, katal. 
dany, span. rfa^o, portg. dano. — Ablt.: 
frz. dommage Q> aital. dabnagio, piem. 
darma^i, val-ses. darma^u, aspan. do- 
maje) Diez, Wb. 562. (Das frz. -o- ist 
unerklärt, Einfluß von dominus 2741 
R. XIX, 123 wenig wahrscheinlich). 

2409. danea (fränk.) „Tenne". 
Afrz. daigne, wallon. deü Bohrens, 

Frz. Wortg. 69; RomF. XII, 640; At. 
Ling. 23. 

2470. Danemark „Dänemark". 
Afrz. anemarche, alemarche ,eine Art 

Holz". 

2471. daraka (arab.) „Lederschild". 
Span., porig, adarga Diez, Wb. 315; 

Dozy-Engelmann, Gloss. 41 ; Eguilaz y 
Yanguas, Glos. 48. 

2472. darb (arab.) „enger Weg". 
Span., aportg. adarve „Mauerkranz" 

Diez, Wb. 415; Dozy-Engelmann, Gloss. 
41; Eguilaz y Yanguas, Glos. 50. 

2473. *darbo (gall.V) „Maulwurf". 
Vgl. darpics bei Polemius Silvius. 

Südostfrz., südostprov. darbu, drabö, 
darhü, derbii. — Ablt.: franche-comt. 
drari^, drevi^ R. XXXV, 172; At. Ling. 
1286. 

2474. dar(;;anali (arab.) „Schiffsbau- 
haus", 2. attai'sana. 

1. l\.a\. da rsena (> afvz. da rse) „Bin- 
nenhafen", avenez. arzand (> aital. ar- 
zanale, nital. arsenale > frz., span., 



portg. arsenal) , Zeughaus", katal. adras- 
sana. 

2. Aital. tarcenale, siz. tirzand, neap. 
tdröcna, lucch. terzonaio AGIItal. XVI, 
474, spvcn. atarazana(t); portg. taracena, 
tercenn „Schuppen", „Speicher*. — 
Diez, Wb. 27; Dozy-Engelmann, Gloss. 
205; Eguilaz y Yanguas, Glos. 304. 

2475. '"dardänns „Bienenfresser". 
Woher? 

Ital. dardano, moden. derder, terder, 
trient. tat-i^r, parm. tai-tarel; lomb. 
dardan, veron. dardano, bergam. dardii 
„Schwalbe". (Zusammenhang mit dem 
Ortsnamen Dardaneven AGIItal. XIV, 
283 ist trotz venez. tsiprioto „Schwalbe" 
(eigentlich „Vogel, der aus Zypern 
kommt") formell und begrifflich schwie- 
rig. Zusammenbang mit 2479 ist mor- 
phologisch nicht verständlich. 

2476. dare „geben". 

Rum. da, vegl. duor, ital., log. dare, 
engad. der, friaul., prov., katal., span., 
portg. dar. Das Verbum fehlt im Afrz., 
wo nur 1. Sing, doins aus don -\- *dois 
eine indirekte Spur zeigt, und hat sich 
auch anderswo mit donare 2747 ver- 
mischt Rom. Gram. II, 220. — Ablt.: 
rum. dat „Zauber", „Brauch", data 
„mal", dat §i Itiat „Handelsgeschäft", 
eigentlich „geben und nehmen". 

2477. darn (breton.) „Stück". 

Frz. dcrne (> prov. darno) „Schnitte 
von einem Fisch" Diez, Wb. 559; 
Thurneysen, Keltorom. 97. (Frz. aderne 
Dict. G6n. s. 988). 

2478. '^darnos (gall.?) „verwirrt". 
Wallon., ardenn., lothr., champ. dam, 

don, dem. — Ablt.: ostfrz. edam4 
„verblüffen", parm. adarnir „betäuben", 
lothr. darnil, champ. darnö „schwin- 
delig", lütt, darniz, nam. dorniz „be- 
trunken", frz. darnel, darnelle, darnette 
„Lolch"; wallon. doneyi „sich um sich 
selbst herumdrehen", lothr. dardeyi 
„taumeln wie ein Betninkener". — 
ZRPh., Bhfl. VII, 34; RLRom. L, 343; 
R. XXXVII, 471 ; Behrens, Frz. Wortg. 73. 
(Fränk. *darni „heimlich", „versleckt" 
ZRPh., Bhfl. VII, 34 paßt begrifflich 
nicht, wenn auch die geographische 
Verbreitung des Wortes germ. Ursprung 
näher legt als gall. Piem. derüa, dauph. 
derna, lyon. derne, dertiö, lyon. dar- 
nayä. prov. damagas (> frz. darna- 
gasse) „grauer Würger" ist wegen der 
Nebenform prov. tarnaga, tantigas sehr 
zweifelhaft). 



198 



2479. daroj) — 2497. decem. 



2479. darol) (fränk.) .Wurfspeer». 
Frz. dard, prov. dart (> ital., span. 

dardo); poitev. dar , Schlange ^ — 
Diez, Wb. 107; FrzSt. VI, 68; Beitr. 
z. rom. u. engl. Phil. 215. 

2480. darsus (gall.) , Lauben" (Fisch). 
Afrz. dars, nfrz. dart. — Ablt.: afrz. 

darset R. XXXVI, 91. 

2481. *dasia „mit Nadeln versehener 
Ast von Tannen^ „Fichten" usw. 

Bergeil. deza, puschl., tirol. daza, 
obwald. dais, sav. ade, franche-comt. da ; 
borm. daga „eine Art Alpenfichte" 
Schneller, Rom. Volksmd. 137; RlLomb. 
XLI, 208. 

2482. daß dich Gott — (nhd.). 
Frz. dasticoter „deutsch sprechen", 

mfrz. asticoter „nörgeln" RomF. VII, 413. 
(Daß frz. asticot „Made als Fischköder" 
damit zusammenhänge, ist schwer zu 
glauben). 

2483. dasypus (griech.) „eine Art 
Hase". 

(Span, gäzapo (> katal. caxap > cam- 
pid. gacapu), portg. cagapo „junges 
Kaninchen" Diez, Wb. 454 ist lautlich 
unmöglich, noch mehr Zusammenhang 
mit cacho 1771 ZRPh., Bhft. X, 25). 

2484. datio „Abgabe", „Zoll". 

[Ital. dazio, afrz. dace, span. dacio 
Diez, Wb. 117]. 

2485. datlTUS „zum Geben gehörig". 
[Span., portg. dddiva, algarv. däveta 

„Gabe"] Diez, Wb. 444; Rom. Gram. I, 
605. 

2486. *datum „Würfel". 

Ital. dado, neap. dale, cerign. däl^, 
siz. yok e ?«/« „Würfelspiel", log. dadu, 
engad. det, frz. de, prov. dat, katal. 
dau, span., portg. dado Diez, Wb. 116. 
— (Von den rom. Formen führen die 
ital. zu *J)ADUM, die prov. zu *datum, 
so daß die Erklärung zweifelhaft ist; 
siz. dali alea 333 StGlItal. IV, 321 ist 
weniger wahrscheinlich). 

2487. David (Eigenname). 

Afrz. davü, nfrz. daviet, (lavier „Reif- 
zwinge", „Zahnzange" Dict. Gen.; R. 
XXXIII, 344. 

2488. de „von". 

Rum. de, ital. dt, log. de, engad. da, 
friaul., frz., prov., katal., span., portg. de. 
Die Präp. ist im späteren Lat. und im 
Rom. in die Funktionen des Genitivs 
eingerückt. — P. Ciairin, Du genitif 
latin et de la preposition de. 1880; 
Rom. Gram. III, 44. 



2489. deaiirare „vergolden". 

Ital. dorare, engad. surdorer, frz. 
doret; prov. dawar, katal., span. dorar, 
portg. dourar. — Ablt. : portg. dourada 
„Goldfisch". 

2490. debere „müssen". 

Ital. dovere, log. devere, engad. dovair, 
friaul. dove, devi, frz. devoir, prov., ka- 
tal. dever, span. deher, portg. dever. 

2491. debilis „schwach". 

[Ital. dehole], norm, dieble, prov. de- 

vol, nprov. deuve. 1- gracilis: filis. 

deiM Rom. Gram. II, 360. — Ablt.: 
rum. datilä ZRPh., Bhft. XXVI, 70. 

2492. debita „Schuld", 2. debitum. 

1. Agen. deveo, obwald. deivet, pröv. 
deute. 

2. Aital. detta, frz. dette, prov. 
deuta, katal., span. deuda, portg. divido. 
— Diez, Wb. 560; Salvioni, P.^. 

2493. debitor „Schuldner". 

Rum. dator, [ital. debitore], aperug. 
devetore, afrz. detere, detour, prov. deu- 
dor, katal. deutor, span. deudor, portg. 
devedor. 
. 2494. *decadere „abfallen". 

Frz. dechoir, prov. decazer. — Ablt.: 
afrz. decket „Fall", „Abweisung einer 
Klage", nfrz. dachet „Abgang", „Abfall 
von Rohstoff". (Nfrz. decket als dritte 
Sing.: decket deux Ucres „es gehen ab 
zwei Pfund" SBPreußAWBerlin 1889, 
1085 ist kaum nötig). 

2495. decania „die Herrschaft eines 
Dekanus". 

Lomb. degana „Dorfteil", span. de- 
gaüa „Meierei bei einem Kloster". 
(Aspan. adegano „zugehörig" R. XXIX, 
335 ist begriffUch nicht genügend be- 
gründet; \\cex\\. degana „Netz" Thomas, 
Mel. 62 s. 7096). 

2496. decanns „Vorsteher" (zunächst 
einer geistlichen Körperschaft). 

Avenez. degan „Dorfvorsteher", ber- 
geil, dagan „Gerichtsvollzieher", engad. 
diatm „Richter in Ehescheidungsfragen", 
friaul. dean „Dorfvorsteher", frz. doyen 
(> aspan. dean, aportg. deäo) „Dekan", 
prov. degan id., agaliz. degano „Ver- 
walter eines Landgutes". — Mussafia, 
Beitr. 49; AGlItal. XII, 398; RILomb. 
XLI, 207; XLII, 979. 

2497. decem „zehn". 

Rum. zece, vegl. dik, ital. dieci, log. 
dege, engad. diesck, friaul. dis, frz. dix, 
prov. detz, katal. deu, span. diez, portg. 
dez. — Ablt.: obwald. sckeina „eine 
Anzahl von zehn", „Häuserabteilung". 



24«8. december — 2514. de ex. 



19» 



i24l)<S. deceiiibor , Dezember", 2. de- 
cembrhis« 

1. Ital. deremhre, engad. {jemhre, [frz. 
ili'cemhre], prov. dezemhre, katal. dehem- 
hre, spaii. dieiemhre. 

2. Aital., avenez., avicent, aspan. 
dvcembrio, portg. dezembro, — Merlo, 
.stag. mes. 169. 

2499. *decepta *„ Täuschung", .Man- 
gel". 

Teram. deSetfe, anordilal. dexeta, frz. 
disette AGlItal. Vlll, 349; R. XXXII, 124. 
(Frz. -I- ist nicht erklärt, Anlehnung an 
dire SBPreußAWBerlin 1904, 926 be- 
grifflich nicht recht verständlich; />/;- 
sfXTA Diez, Wb. 562 ist lautlich un- 
möglich). 

2500. decere ,sich ziemen". 
Avenez., averon. diece, amant., amail. 

dece, ogen. dexe, nonsb. dies, log. de- 
ffere, obwald. de£et: — + conviene: 
altaquil. convece. — Zssg.: siz. zdeöiri 
,nicbt passen". — R. II, 117; AGlltal. 
Xll, 401; XV, 59. 

2501. decibilis „schickUch". 

li^\. dicevole, alog. dechivile. — Zssg.: 
alomb. desdexeve , unschicklich". 

2502. Mecidentare , anschneiden". 
Span, decetitar. (Da gerade im Westen 

-t'«/«/- Bildungen häufig sind, Rom. Gram. 
II, 592, darf eine solche Ableitung von 
DKciOERE wohl gewagt werden. Laut- 
lich und begriffhch kaum möglich sind 
DKCKi'TARE Diez, Wb. 446 ; *desectare 
ZRPh. III, 561). 

2503. decima ,Zehnte(n)". 

Ital. decima, log. deguma, obwald. 
dieimo, friaul. gezime, frz. dime, prov. 
deznta, katal. deunm (> aspan. delma) 
Salvioni, P.'*. (Arum. dejmä ist sla- 
visch). 

2504. deciperc , täuschen". 
Frz. decevoir, prov. decebre. 

2505. declinare , abbiegen". 

Aital. dichinare „sich senken", amail. 
deginar, afrz. declinet- ,zu Ende gehen", 
prov. declinar. 

2506. decollare ,den Hals abschnei- 
den". 

Aital. dicollare. 1- GVLAx avenez., 

gen., prov. degolar, span., porfg. degol- 
lar. — Ablt.: valenc. degolla , Strafe 
für das Vieh, das am verbotenen Orte 
weidet". — ALLG. VI, 389; R. XXII, 
302; AGlltal. XV, 56. 

2.507. decoratns , geschmückt". 

[Afrz. diore R. XIV, 274]. 



2508. decnria .zehn Stück". 
Val-levent. digura AGlltal. I, 264. 

(Puschl. digöir, engad. adgüir .Grum- 
met" als .das im zehnten Monat ge- 
mäbte Gras" ist sachlich nicht annehm- 
bar und auch lautlich bedenklich). 

2509. decurrere .abfließen". 
Tirol, degarre, obwald. digerd RoraF. 

XI, 535. — Ablt.: friaul. deyorint, 
diurint .Bach", dazu Rückbild, yorint 
Salvioni, P.^ pav., m.ail. degora .Was- 
seruhr" ZRPh. XXII, 469; norm.dekors 
.Diarrhöe der Tiere". (Degora kann 
auch zu DECOLAME gehören). 

2510. decossis .das Zeichen X", mlat. 
.Zeichen an den Bäumen, die eine 
Grenze bilden". 

Prov. d^c .Grenze" R. X, 268. -h- 
Ablt.: prov. deguier, degatier .Feld- 
hüter" Thomas, Nouv. ess. 232. (Das 
offene -g- fällt auf, auch mOßte man 
wohl annehmen, daß in *decos das -os 
als Suffix gefaßt und d^c daraus rOck- 
gebildet worden wäre. Die Annahme 
einer Betonung dicussis stößt auf noch 
größere Schwierigkeiten, edictvm Diez. 
Wb. 560 ist lautlich, decvs .Zier* 
begrifflich ausgeschlossen). 

2511. dedare .hingeben". 

Rum. « se dedä .sich hingeben", 
dedä .gewöhnen" Pu§cariu, Wb. 193. 

2512. dedicatio .Widmung", 

[In vielen frz. Mundarten däkas 
.Kirchweih" At. Ling. 536]. 

2513. de ea re .daher". 

Afrz. gieres, fourg. dzar, neuenb. ^ir 
BGlPSRom. VII, 51. — Rom. Gram. III, 
259. (IGITUR R. X, 391 ist lauthch 
nicht möghch, de ha re ZRPh. I, 431 
setzt eine nicht überlieferte lat. Form 
voraus, ea de re Thomas, Nouv. ess. 
274 ist eher möglich). 

2514. de ex .von", .von her". 
Frz., prov. (/e«. — Zssg.: katal., span., 

portg. desde .seit" Diez, Gram. II, 482; 
ALLG. II, 279; ZRPh. XXXII, 673. De 
EX verhält sich zu ex wie de a zu a, s. 1. 
Im ganzen schließen sich die beiden 
Präpositionen räumlich aus, so zwar, 
daß des Frankreich und dem Westen, 
da der italischen Halbinsel und den drei 
Inseln eignet, nur in der Verbindung 
mit POST 6771 und *qci 473:i greift 
des nach Italien hinüber. (De ipso 
Rom. Gram. III, 250. das begrifflich 
ansprechender ist und durch ostfrz. da 
lautlich näher gelegt wird, muß viel- 



200 



2515. *deexcitare — 2535. deliberare. 



leicht darum abgelehnt werden, weil 
DE EX in lat. Zeit belegt ist). 

2515. *deexcitare , aufwecken". 
Ital. destare, lomb. desedd, emil. dezdi, 

gen. addesä, apul. desetä ; [prov. deisidar] 
Thomas, Mel. 123; ZRPh. XXVII, 506; 
auch rum. de§teptä nach a§teptä 3039, 
megl. di^tetä Pu§cariu, Wb. 528. — 
Diez, Wb. 368. (Dispectare für rum. 
de§teptä R. XXXI, 307; discitase für 
ital. destare R. V, 177 liegen begriff- 
lich ab). 

2516. defalcare , abschneiden". 
Ital. diffalcare (> frz. d^falquer), 

prov. defalcar, span. desfalcar bedeutet 
überall „von einer Summe abziehen". 
Vgl. 3153. (Ahd. falgan „berauben" 
Diez, Wb. 132 ist lautlich und begriff- 
lich abzulehnen). 

2517. defendere „verteidigen". 

Ital, difendere, frz. difendre, prov., 
katal. defendre, span., portg. defender 
ALLG. II, 100. 

2518. defensnm „verboten". 

Afrz.defois „verbotener Platz", „Wei- 
de", „Wiese", „Verschanzung", prov. 
deves, deveza „abgeschlossenes Gebiet", 
nprov. deven{s) „Gemeindeweide", „Ge- 
meindeholz", katal. devesa, span. dehesa, 
portg. deveza „Weide", portg. auch 
„Forst", alemt. defesa „großer Besitz". 
~ Diez, Wb. 144. 

2519. deflngere panem „das Brot in 
Formen bringen". 

Mit Präf. W.: mazed. disfindzere. 

2520. deforis „draußen". 

lta\. difuori, irz. dehors, Tprov. defors; 
molfett. defour§ „Bauer". 

2521. def andere „herabgießen". 
Bergam. degond „herabstürzen", veltl. 

degondä „schwanken", borm. degondar 
„zu Falle kommen" ZRPh. XXII, 470. 
-2522. *degelare „auftauen". 
Mazed. dedzirare, dzedzirare. (Rum. 
degerä „erfrieren" Pu§cariu, Wb. 496 
scheint unter slav. Einfluß zu stehen, 
wo das Präf. iz-, das bis auf einen ge- 
wissen Grad dem rum. de- entspricht, 
bei dem Verbum des Gefrierens intensiv 
ist ATriest. XXX, 424). 

2523. *degradus „Stufe". 

Frz. degre, prov. degrat (> portg. 
degrado) Diez, Wb. 560. 

2524. dehonestare „entehren", 
Span, denostar, portg. doestar, deostar. 

— Ablt.: denuesto, portg. doesto „Be- 
schimpfung" Diez, Wb. 444. (Prov. 
desnot „Spott" gehört eher zu Notare). 



2525. deinde „davon". 

Avenez. dende, prov. den, span,, 
aportg. dende ALLG. III, 267. 

2526. deinter „zwischen". 
Rum. dintre, vegl. drante. 

2527. deintro „innerhalb". 

Ital. dentro, drento, span., portg. dentro 
ALLG. III, 268. 

2528. deintus „innerhalb". 

Afrz. denz, prov. dins. — Zssg. : ob- 
wald. endadens „Eingeweide"; frz. de- 
dans, dans Rom. Gram. III, 434; ob- 
wald. endadens „Eingeweide", (Awallon, 
devenz s. 30). 

2529. dejectns „verworfen". 

Afrz. degiet, prov. degeit „aussätzig" 
Thomas, Mel. 62. 

2530. dejicere „herabwerfen". 
Span, dizer, decir, portg. descer 

„herabsteigen" ZRPh., Bhft. XXVI, 139. 
{Desidere Diez, Wb. 444, decidere 
R. VII, 595 stehen begrifflich, jenes 
auch lautlich ferner). 

2.531. *delaptns „Bergsturz". 

Romagn. dlat, dlat de nef „La- 
wine". — Mit Präf. W.: regg. s(data 
„Bergsturz". 

2532. delectare „ergötzen". 

Ital. dilettare, engad. daleter, afrz. 
delitier, prov. (> span., portg.) deleitar. 
— Ablt.: ital. diletto, engad. dalet, afrz. 
delit, prov. delett (> span., portg. de- 
leite). — Salvioni, P.*. (Delectus „Aus- 
wahl" und DiLEcrus „Liebe" stehen 
begrifflich dem rom, Subst. zu fern, 
DELicERE, wozu ein Subst. *delectus 
möglich wäre, gehört nur dem älteren 
Latein an). 

2533. delere „zerstören". 
Prov. delir. 

2534. delerns „närrisch". 

Afrz. deloir, prov. deler, daler „De- 
zember" Thomas, MeL 171. (Die An- 
nahme, daß der Monat der Saturnalien 
MENSIS DELERUS genannt worden sei, 
ist an sich wahrscheinlich, doch fehlt 
ein Beleg aus röm. Zeit. — Ablt.: aber- 
gam. lirgat „betäubt", nbergam. Urga, 
lerga „Schwindel", bergam., mail. Urga 
„Taumellolch" Lorck, Abergam. Sprachd. 
77 ist schwierig). Vgl. 254:3. 

2535. deliberare „befreien". 

Frz. deltvrer, prov. deliurar. — Ablt. : 
alomb. delivro, afrz. delivre, prov. de- 
liure „frei" ; prov. deliurier „Befreiung". 
— Salvioni, P,^. 



253G. delicare — 2552. demorare. 



901 



2536. delicare , erläutern". 

Astur, endilgar, galiz. indilgar , wahr- 
nehmen". 

2537. *dellcatlare. 

Span. {a)ihl(jazar „verfeinern", , ver- 
dünnen". 

2538. delicatus „zart", „fein". 
Münstert. delia , mager", afrz. dougie, 

anj. dtiz^, prov. delgat, dalgat, span. del- 
gado. — Rückbild. : log. diligu , schwach", 
,zart", südital. ndileku id. [Ital. deli- 
cato, afrz. delid], — üiez, Wb. 560; 
.'^alvioni, P.*. (Log. diligu delicvs , ent- 
wöhnt", seu. dilegine, aret. /mM<> „weich- 
lich", „schwach" *DKLiruLVs Caix, 
Stud. 26 passen begriff lieh, das zweite 
auch lautlich nicht). 

253'J. deliciae „Ergötzlichkeit". 

[Ital. lezio „Ziererei", frz. dilices, 
span. delicia] Diez, Wb. 381. [Lezio 
fällt mit dem Geschlecht und -z- für 
lat. -c- auf, DELiciUM AGlItal. III, 395 
ist noch weniger annehmbar, da das lat. 
Wort nur archaisch ist]. 

2540. dellgerc „auswählen", 2. de- 
legere. 

2. Bologn. adUdzer, trient, deledzer, 
afrz. delire, bürg, dalir, delir, franche- 
comt. dler, dlir bedeutet in Frankreich 
namentlich „Gemüse und Getreide 
reinigen" R. XXXVUI, 380; grand'-comb. 
dler „entwirren". 

2541. deliiiiare „abfeilen". 

Aital. dilimarsi „sich auflösen", ro- 
magn. dlimers, bologn. dlimärs, lomb. 
deliniars „sich aufreiben", veltl. delimar 
„lästig fallen". 

2541 a. delinctus „abgeleckt". 

Irp. delinio „zart", „mager". (Zu 
DKLiQUESCERE StR. VI, 15 liegt formell 
und begrifflich ferner). 

2542. dellqnare „auflösen". 

Ital. dilegnare „zerstreuen", „aus- 
einandertreiben", lomb., chiogg. dehn- 
giia(r) „herunterkommen", engad. alguer 
„schmelzen", „flüssig werden", obwald. 
Inar id. — Mit Präf. W. : piem. dezliii- 
gm', avenez. desleguar, prov. deslegar. 

— Ablt.: parm. dol^g „Schweine- 
schmalz", bergan». de/eÄ- „Bratensauce". 

— Diez, Wb. 119; Salvioni, P.». (Frz. 
delayer s. 2671). 

2543. delirare „von der Furche ab- 
gehen". 

Ital. delirare Caix, Stud. 304. — 
Ablt.: bresc., crem, lirü, pav. liron 
„dummer, träger Mensch", mail. lirond 
„stammeln", tirol. her un liron „hin 



und her schwanken" Lorck, Abergam. 
Sprachd. 77, vgl. 2534. — Auch mazed. 
a 86 dirinnre „sich abquälen vor 
Schmerzen" JBIRumSpLeipzig XII, 100? 
Vgl. 2581. 

2544. delplilnas „Delphin". 

Ital. dolfino, tarenl. garfino, prov. 
dalfl O frz. dauphin), galiz. golfin, 
portg. golfinho. Die ^r-Formen sind 
nicht erklärt. — Ablt.: Ariege: dalfind 
„blitzen", dalfl „Blitz". 

2545. dema (griech.) „Band". 

Ablt.: log. demare „zusammen- 
drücken", campid. demau „kränklich" 
(von Tieren). 

2546. de niagis „mehr". 

Prov., span. demaa, porig, demais, 

— Ablt.: span. demasia „Übermatj" 
Diez, Wb. 200. 

2547. deinandare „beauftragen", 
„fordern", „fragen". 

Mazed. dimindare „anordnen", ital. 
domandare, engad. detnander, frz. de- 
mander, prov., katal., span. demandar. 
Die rom. Bedeutung ist außer im Rum. 
durchwegs „fragen". 

2548. de maue „morgen". 

Ital. domani, engad. damaun, friaul. 
dotnan, frz. demain, prov., katal. demd; 
aital., namentlich apav., avenez. dimane 
Fem. „Morgen", amoden. rfewan „Osten". 

— Ablt.: rum. diminea^a. — Zssg. : 
rum. desdemäneafä, vegl. desmun de 
IPSO JBIRumSpLeipzig VI, 203; XI, 401 ; 
afrz. en demain, nfrz. lendemain „fol- 
gender Tag". 

2549. demas (griech.) „Körper". 

Moden., parm. dema „Brauch", „Ge- 
wohnheit", bresc. dema „Modell", ber- 
gam. in dema „in Ordnung". — -f- for- 
ma: niarch. derma. (Zweifelhaft. Be- 
grifflich unerklärt bleibt regg., parm., 
piac. dema „Falte", trient. deniar „fal- 
ten", „krümmen", „bezwingen", letzteres 
zu üOMARE Schneller, Rom. Volksmd. 
138 ist lautlich nicht möglich). 

2550. demeutare 1. „des Verstandes 
berauben", 2. „toben". 

1. Aital. dimentare, prov., katal., span., 
portg. dementar. 

2. Afrz. dementer „toben". 

2551. *deniicare „zerkleinem", „zer- 
stückeln". 

Rum. dumicä. 

2552. deniorare .bleiben", „ver- 
weilen". 

Ital. dimorare, engad. demurer, frz. 
demeurer, prov., katal., span., portg. 



202 



2553. denarius — 2569. depanare. 



demorar; pieinj denmrSsi, vionn. de- 
morä ,sich unterhalten". — Ablt.: 
frz. demeure, proVi demor[a) ^Wohnung" ; 
piem. dumura ^Unterhaltung". 

2553. denarius „eine Münze", „Geld", 
2. dinarins. 

2. Ailal. danaio, avenez., alomb., aber- 
gam. dinaro, piac. dine, log. dinari, 
engad. daner, frz. denier, prov. denier, 
dinier, span, dinei-o, poitg. dinheiro. 

— Ablt.: frz. danree (> ital. derrata), 
prov. denairada „Ware". (Die -/-Form 
scheint griech. zu sein Ital. Gram. 
139; ZRPh. XXX, 203 und kann auch 
dem frz. denier zugrunde hegen, vgl. 
Premier PRIMARIUS; engad. daner 
stammt vielleicht aus dem Ital., rum. 
dinar aus dem Bulgar. oder Serb.). 

2.Ö54. denegare „verweigern". 

Ital. dinegare, log. dennegare, frz. di- 
nier, prov. denegar, span., portg. dene- 
gar. — Mit Präf. W. : engad. snajer. — 
Ablt.: ital. diniego, frz. deni, prov. 
denec. 

2555. denotatns „bekannt", „aus- 
gezeichnet". 

Span., portg. denodado „kühn". — 
Ablt: span. denodar „unerschrocken 
sein", denuedo „Kühnheit" R. XIII, 300. 
{*Dekodatus „entfesselt" Diez, Wb. 
300; ZRPh. XXXV, 303 ist wegen des 
-d- kaum möglich). 

2556. dens „Zahn". 

Rum. dinte, ital., log. dente, engad. 
daintf friaul. dint, frz., prov., katal. 
dent, span. diente, portg. dente. Das 
Wort ist im Frz. Fem., bewahrt aber 
im Pikard., Wallen, und Lothr. das alte 
Geschlecht Rom. Gram. II, 328; afrz. 
a dem, prov. a dens „mit dem Gesicht 
zur Erde", friaul. la yus a dintons 
jkopfüber fallen". — Ablt.: ital. den- 
tello, span. dentellon (y portg. dentilhäo) 
„Zahnschnitt", frz. dentelle „Spitzen". 

— Zssg. : frz. redan „Flesche", afrz. 
sordent „Überzahn" Thomas, Mel. 144. 

2557. deusare „dicht machen". 
Katal. desar „verstecken". — Ablt.: 

deso „Versteck" RomF. I, 133. 

2558. densus „dicht". 

Rum. des, vegl. dais. — Zssg.: rum. 
ades „oft". 

2559. dentale „Pflugschar". 

Ital., log. dentale, friaul.^ prov., katal., 
span. dental, portg. dentaes. 

2560. dentatus „gezähmt". 

Ital. dentato, log. dentadu, frz. dente, 
prov., katal. dentat, span., portg. dentado. 



2561. dentex „Zahnbrassen". 

Ital. dentice, log. dentige, prov. O frz ) 
dente. — Mit Suff. W. : tarent., abruzz. 
dendale, parm., venez. (y {v\Sl\x\.) dental, 
frz. denti; rum. dintaiü, span. denton, 
portg. dentäo; valenc. dintol Rom Gram. 
II, 361. 

2562. *deutiare „mit Zähnen ver- 
sehen". 

Afrz. dencier, nfrz. danche „sägen- 
artig ausgezackt". Dazu afrz. dancier 
(/> prov. dansar, ital. danzare, katal. 
dansar, span. danzar, portg. dangar), 
nfrz. danser „tanzen"? (Die Bedeu- 
tungsentwickelung von danser ist nicht 
verständlich, doch hilft *demptiare 
ZRPh. XXXII, 35 auch nicht weiter; 
ahd. äanson „ziehen" Diez, Wb. 117; 
FrzSt. VI, 73 geht lautlich und begriff- 
lich nicht). 

2563. denticare „Zähne bekom- 
men". 

Mant. dentgar. — Ablt.: avenez. den- 
tegado „gezähnt". — Mit Suff. W. : siz. 
dintikutu. 

2564. denticiilus „Zähnchen". 
Prov. dentelh „Zahnabstand", „Schieß- 
scharte", 

2565. dentitio „Zahnen". 
Parm. dindzon. 

2.566. *deorsanus „nach unten ge- 
wendet", 2. jnsanns. 

2. Prov. /M2rtn O frz. jusant, spsM.ju- 
sente, portg. jnsante) „Ebbe". 

2567. deorsnul „abwärts", 2. jnsiim 
Gr. Gr. P, 472 (mit ü- von säsum 8384). 

1. Rum. JOS, aital. ^'ioso, pisan., lucch. 
gio, log. gosso, engad. go, prov., katal. 
Jos. 

2. Ital. giu{so), friaul. yu, afrz. jus, 
aspan. guso, aportg. jiiso. — Diez, Wb. 
167; 622; ALLG. II, 100. 

2568. depalare „gründen". 

Mazed. andupärare, andrupare „stüt- 
zen" AARom. XXIX, 204. 

2569. depanare „abhaspeln". 
Mazed. zdupinare, ital. dipanare, ar- 

cev. dopanä, emil. dvaner, piem. davane, 
prov. debanar, span. devanar, portg. 
debar, dobar Mise. fil. ling. 124; Sal- 
vioni, P.i; At. Ling. 399. — Mit Präf. W. : 

portg. espiar. 1- penna : estrem. dejie- 

nar, galiz. espenar RL. III, 158. -^ Ablt.: 
gask. daban, westprov. ddbanel „Haspel" 
At. Ling. 1535. — Zssg.: lomb. inde- 
venä, sulzb. andvanar, bergam. indemnd 
„aufhaspeln". 



2570. de parte — 2588. descendere. 



203 



2570.. de parte ,von .seilen". 
Obwald. (lavaH «von", noudvart , dies- 
seits", vidvart , jenseits". 

2571. depilare „die Haare aus- 
raufen". 

Rum. däpärit, niazed. dipirare , ver- 
zweifeln", dipirat , verzweifelt" JBI 
Rurn.SpLeipzig XII, 101, aital. dipelare, 
prov. depilar. 

2572. deponere , niederlegen". 
Rum. Odin depune „das trächtige 

Schaf lagert die Milch in die Euter" 
ZRPh. XXVII, 740, mazed. a se depune 
„iierabsteigen", ital. deporre, log. de- 
ponnere, friaul. devöni ,Nösse* oder 
, Kastanien herabschlagen und sam- 
meln", prov., span. deponet; portg. 
depor. — Salvioni, i*.^, 

2573. depositum „Niederlage". 
Rum. adäpost „Schutzdach" Tiktin, 

Wb.; Pu§cariu, Wb. 21. 

2574. deprehendere „ergreifen". 
Rum. deprinde „erfassen", „ange- 

wöluien", „üben". 

2575. deprimere „herabdrücken*. 
Afrz. depriemhrc „demütigen". 

2576. depsere „kneten". 
Siebenb. dip.n? 

2577. *deradlcare „entwurzeln". 
Ital. diradicare „ausrotten", aspan. 

deraigar. (Rum. deretkä „aufräumen" 
(Jandrea-Hecht-Densu§ianu, Dic^. etim. 
ist trotz mold. derädicä auffällig, auch 
wenn man, wie in ital. 3. Sing, dirddica, 
Suff. W. oder Einfluß einer Abteilung 
auf -icare von rädere annimmt, da 
das -t- immer noch unerklärt bleibt, 
auch paßt die Bedeutung schlecht, vgl. 
^6-48). 

2578. deraniare „entästen". 

Vegl. draniHor „schlachten", „töten" 
Bartoli, Dalmat. I, 290, engad. sdranti, 
puschl. zdramä „zerreißen" (namentlich 
Kleider) RILomb. XXXIX, 615; obwald. 
sdrumar, ^rfidn.dravt^ „entästen"; auch 
grftdn. zdrame „heftig regnen"? (In 
der Bedeutung „zerreißen" zu tüama 
9132 „Einschlag des Gewebes" ZRPh. 
XXX, 747 ist nicht nötig und lautlich 
nicht ohne Schwierigkeit; rum. därXmä 
s. 2584). 

2579. *derapinare. 

Rum. däräpänä „zerstören" Puscariu, 
Wb. 484. 

2580. derblta (gall.) „Flechte". 
Mail, derbeda, piac. derbga, piem. 

derhi, engad. dert, obwald. dierc^t, frz. 
dartre, prov. detii, derbi, berhi, katal. 



berbol. — Ablt.: bourn., grand'comb. 
r/(;A7 „Hühnerauge". — Auch aila]. der- 
bio, frz. darire „lichia glauca" (Name 
eines Seelisches) RLRom. LI. .393. — 
Diez, Wb. 595; Thurneysen, Keltorom. 
97; AGlItal. VII, 524; ZRPh. XX, 86; 
WSt. XXV, 98. (Griech. Herpes liegt 
ferner, doch scheinen die rem. Wörter 
z. T. auf *derbite zu beruhen, dessen 
Auslaut an herpete angelehnt wäre). 

2581. *derenare „lendenlahm ma- 
chen", „lähmen". 

Ital. direnare, comask. darenä, val-ses. 
darnd. Vgl. 2685. — Auch mazed. di- 
rinare oder zu 25437 

2.582. deretro „hinter". 

Ital. dietro, drieto, frz. derrt'h'e, prov. 
dereire. — Ablt.: aiial. deretano, avenez. 
derean, bergell. drian, afrz. deerrain, 
prov. dereiran „der letzte", nfrz. der- 
nier. — Zssg.: ram. indärät, lült. podri 
„hinter". — Diez, Wb. 268. (Siz. a la 
zdirrera „zuletzt", zdirri „die letzten 
Tage des Faschings", „Fasching" über- 
haupt RILomb. XL, 11.56 ist in der 
lautlichen Entwickelung nicht klar, wenn 
man es nicht als Entlehnung aus dem 
Frz. auffassen will). 

2583. Meridiare „verspotten". 

Ital. dileffgiare Mise. Ascoli 84. (Zwei- 
felhaft, die Grundlage wäre *deridivm, 
das sich zu deridere verhält wie gati- 
dium zu gaudere. Zusammenstellung 
mit prov. deslejar „sich gegen die 
Gesetze vergehen" Diez, Wb. 368 ist 
begrifflich, titillicare ZRPh. III, 575 
lautlich und begrifflich abzulehnen). 
Vgl. 2585. 

2584. derimare „untergraben". 
Rum. därimä „zerstören". Oder DK- 

RAMARK 2578. (Mazed. dirimare ZRPh. 
XXVII, 738, das entscheiden könnte, 
besteht nicht JBIRumSpLeipzig XII, 101). 

2.585. derisio „Verspottung". 

Ital. dilegione, alomb. dereson, engad. 
rf/Yiiu« ZRPh. III, 576; Salvioni, P.». 
Dazu dileggiare ZRPh. XXX, 298? Vgl. 
2583. 

2.586. dernere „herabstürzen". 

Log. dernere „beschädigen" Salvioni, 
P.^ — Ablt: kalabr. din^uoyitu „Ein- 
sturz". 

2587. dernptns „abschüssig". 

Ital. dirotfo, friaul. dirot „mit einem 
Bruch behaftet". 

2588. descendere „herabsteigen*. 
Arum. de^tinde, ital. srendere, frz. des- 

cendre, prov. deisender, katal. deixendtr, 



204 



2589. descensus — 2610. deus. 



span., portg. desctnder; viver. skendi, 
pikard. dekedre mit schwer zu erklären- 
dem -k- AGlItal. XVI, 369 ; ZRPh. XXXII, 
497. 

2589. descensus „Herabsteigen". 
[Span, decenso „Schnupfen"]. 

2590. *desedinm „Wunsch", „Sehn- 
sucht". 

Ital. disio, prov. desieg, katal. desig 
O log. dizidzu, campid. dizi^u), span, 
deseo, portg. desejo. — Diez, Wb. 120; 
Rom. Gram. I, 115; ZRPh. XIII, 533. 
(Die Bedeutung paßt zu desweeium, 
doch ist keine der rom. Formen damit 
vereinbar. Man könnte von desidia 
ausgehen, das die Bedeutung des mhd. 
„Verliegen" hat RomF. I, 244, nur 
müßte man eine Rekomposition *dese- 
DiA und Umbildung nach dissidium 
„Trennung" annehmen ; oder man könnte 
zunächst vom Verbum *desediabe aus- 
gehen. Sollte ital. disio ein Lehnwort 
aus dem Prov. sein ZRPh. XII, 511, so 
wird dadurch die Erklärung auch nicht 
vereinfacht). 

2591. *desentare „fehlen" {zu deesse, 
*desens). 

Alomb. desentar, agen. xentar ZRPh. 
XI, 555. (Zweifelhaft, *exemptaee 
AGlItal. VIII, 403 ist auch nicht ein- 
leuchtender). 

2592. desertus „verlassen". 

Rum. de^ert „leer", ital. diserto, emil. 
dzert „elend", engad. zert „arm", frz. 
dhert, prov., katal. desert, span. desierto, 
portg. deserto. 

2593. desiderare „wünschen". 
Arum. defiderä, ital. desiderare, anord- 

ital. desirar, tirol. gire, frz. desirer, 
prov. dezirar Salvioni, P.^. — Ablt.: frz. 
d^sir, prov. dezire. 
, 2594. desideriam „Wunsch". 

Afrz. desiier R. II, 243; prov. dezier 
Thomas, Nouv. ess. 223. 

2595. desiderosns „begierig". 
Frz. desireux, prov. deziros. 

2596. designare „zeichnen". 

lial. disegnare Q^irz. dessiner), portg. 
desenhar. — Ablt.: ital. disegno (> frz. 
dessin) „Zeichnung". 

2597. despectare „verachten". 
Aital. dispetlare, afrz. despitier, prov. 

despechar; span. despechar „erbittern", 
portg. despeitar „ärgern". 

2598. despectns „Verachtung". 

Ital. dispetto, frz. depit (> aital. dis- 
pitto) „Verdruß", prov. despiech „Un- 
wille", span. despecho „Verdruß", portg. 



despeito „Verachtung", „Unwille" Diez, 
Wb. 160; ALLG. II, 101. 

2599. desperare „verzweifeln". 
Ital. disperare, prov., aportg. desperar, 

(Frz. desesperer, span., portg. desesperar 
sind Neubild., auch ital. disperare kaim 
es sein). 

2600. despicare „Vögel rupfen". 
Rum. despicä „spalten". — MitPräf. 

W. : rum. räspicä „zerstückeln" R. 
XXXI, 307. 

2601. despicere „verachten". 
Afrz. despire. 

2602. despoliare „berauben". 
Rum. despoia, ital. spogliare, log. is- 

podzare, engad. spoglier, friaul. spiiyar, 
frz. dSpouiller, prov. despolhar, katal. 
despullar, span. despojar (^ portg. des- 
]}0jar). — Rückbild.: westfrz., zentral- 
frz. 2niy4 „anziehen" Thomas, Nouv. 
ess. 320. — Diez, Wb. 304. 

2603. desqnamare „abschuppen". 
Rum. descämä „ausfasern", span. des- 

camar. 

2604. *destiliare (zu stilus „Stiel"). 

Aveyr. desteTA „vor der Reife ab- 
fallen". — Ablt.: destel „wurmstichiges 
Obst" Thomas, Nouv. ess. !ä42. 

2605. *destrnctiare „zerstören". 
Aspan., portg. destrogar. Auch parm. 

strusiar „verderben" oder dieses von 
[strusi „Qual" destructio]. 

2606. destruere „zerstören". 

Ital. struggere, siz. striidiri, neap. 
strudere, engad. desdrür, friaul. distruzi, 
ital. struggere „schmelzen", „zergehen 
lassen", struüo „Schweineschmalz", frz. 
defruire, prov., katal., span., portg. 
destruir; crem, strudzer „mit Ruß oder 
Kohle beschmieren". — Mit Konj. W.: 
m?i\\.dcstrügä. — Diez, Wb. 404; ALLG. 
II, 101; VI, 385; Rom. Gram. II, 212. 

2607. de subito „plötzlich". 

Afrz. desoute, prov. en desopte, poitev. 
e desoud „hinterrücks". — Ablt.: afrz. 
dessoter, prov. desoptar „überraschen"; 
poitev. desodo, prov. desoi^tos „plötzlich" 
R. XXXVIII, 382. 

2608. deterere „abreiben". 

(Span. derretir, portg. derreter 
„schmelzen" Diez, Wb. 444; Mise. fil. 
ling. 124 ist nach Laut und Form nicht 
annehmbar). 

2609. detonare „donnern". 

[Rum. detunä, frz. detonner, span., 
portg. detonar]. 

2610. dens „Gott". 

Arum. zeu, heute noch als Beteu- 



2611. develleie — 2624. Diana. 



205 



runjii'sCormel ,bei Gott", , wahrlich", 
ital. dio, log. detts, engad. dien, friaul. 
(Jio, frz., prov, dien, katal. den, span. 
dios, judspan. dio, portg. deua, aportg. 
auch des; ital. iddio aus ü dio. — 
Abu.: span. diosa .Göttin", endiosar 
O lotr. indeomre) , vergöttern" Mise, 
iil. ling. 201. — Ablt. : obwald. nnirdeu 
AMOK , Bettler", vgl. span. jxrrdioset-o 
id.; aital. madio, madie, apav. madi, 
bergell. ntadasl, puschl. madi, veltl. 
maide, friaul. maideu, aspan. madios 
, aber Gott' als Verstärkung von ,aber"; 
bergam., mail. maidi ,aber nein", ital. 
eziandio, amail. almendeo, quamvisdeo, 
jjemordr, val-magg. fordi „vielleicht". 
Vgl. 2!)20 und Tobler, Verm. Beitr. III, 
122; afrz. deM , verwünscht", eigentlich 
.Gotteshaß" R. XVIII, 429; frz. marbleu 
MORTK, sangbleu sangue, tudieu vir- 
TVTE, ferner rerlugoi, pardie, ^xn'dienne 
usw. als Bekräfligungsformel Zöckler, 
Beteuerungsform. 25, span. pardiez 
, wahrlich". , meiner Treu". (Span, san- 
dio Üiez, Wb. 485 s. 8005). 

2611. devellere „abreißen*. 
Aital. diverre. 

2612. de venire „werden". 

Ital. divenire, frz., prov., span. de- 
venir. 

2613. *deventare „werden". 
Ital. direntare, engad. dvanter. 

2614. *devolutare „wälzen". 

Afrz. deionter Förster, Yvain 4536. 
(Fraglich, da die Nebenform devoutrer 
auf 9761 weist). 

2615. devolvere „abwinden". 
Friaul. daruolzi, grödn. df£ouifr, 

prov. dei'olrer. — Ablt.: friaul. davol- 
tedor „Haspel". 

2616. devorare „verschlingen". 

Ital. divof-are, afrz. devorer „ver- 
schlingen", „mißhandeln", „verheeren", 
prov., katal. derorar. 

2617. devotere „verfluchen". 

Afrz. devorei' mit -r- von orer 6071 
ZRPh. I, 480; R. X, 44. 

2618. dexter 1. „rechts", 2. „ge- 
schickt", „gewandt", „schlau". 

1. Alog. destni „Westen" LBlGRPh. 
XXX, 112. — Ablt.: afrz. desfrei, prov. 
destral „Brautjungfer", „Kupplerin"; 
frz., prov. destrier (> aital. destriere) 
„Streitroß". 

2. Ital. destro, log, desti'u^ engad. 
adestei-, friaul. ^e'stri, afrz., prov., katal. 
destre, span. diestro, portg. destro; ital. 
rfi'.s^ ro „Bequemlichkeit", aital. „Abort"; 



judik. destni „bequem", «langsam*; 
bellun. n destre „in Menge". Auch runi. 
zestre „Mitgift?" — ALLG. II, 101; 
Mussaßa, Beitr. 50; Fryklund, Changem. 
de signif. de droite et gauche 28; 107. 

2619. dextrale „Armband". 
Aital. destrale. 

2620. dextralis „Axt". 

Log. {b)istrale, ostfrz. detrö At. Ling. 
680, prov. destral, katal. dastral, va- 
lenc. astrel, span. destral. — Salvioni, 

P.2. 

2621. "dextrans. 

Afrz., prov. destre „Bezeichnung eines 
Länge- und Flächenmaßes" ZFrzSpL. 
XXVI. 207. 

2622. diabolos „Teufel". 

[Rum. diavol, vegl. diaul, ital. diavolo, 
log. diaulu, engad. diavel, friaul. deanl, 
frz., prov., katal. diable, span. diablo, 
portg. diabo. Dazu Entstellungen wie: 
ital. diascolo, diamine, friaul. diambri, 
frz. diantre, diacre, quebleusw. Zöckler, 
Beteuerungsform. 132]. 

2623. diaconus „Kirchendiener", 
2. diacos (mgriech.). 

1. [Ital. diacono, log. gaganti, frz. 
diacre, pvoY. dingue, aporlg. diagoo; siz. 
tjakuna „Klosterschölerin"]. — Bergam. 
zagan „verwachsen* V 

2. Venez., bergam., bresc. zago; ber- 
gam. fa de zago „sich brüsten", „groß 
tun", zago „tölpelhaft höfliches Be- 
nehmen".— Mussafia, Beitr.121; AGlItal. 
XII, 440; Lorck, Abergam. Sprachd. 290. 
(Rum. diag stammt aus dem Magvar.). 

2624. Diana „Göttin der Jagd"." 
Rum. zinä „Fee", atosk. Jana „Hexe" 

R. XXXV, 112, log. yana id. R. XX, 68, 
afrz. gene, aprov. Jana, astur, sana 
„Quellnymphe", algarv. zäs „Feen, die 
nachts spinnen" R. XXIX, 376. — Ablt.: 
mazed. dzinu „Götze", rum. dzanatic 
„Phantast* ; mail. gan „Zauberer", 
abruzz. yanar§ „Zauberer*, neap. ya- 
nara „Harpyie* ; Xo^.irganadu „unglück- 
lich" RDRom. II, 99; afrz. genaische 
„Zauberin", (/«»«cscAfer „Zauberer", mfrz. 
genatit, lolhr. ino „Zauberer", lothr. 
snaK „Hexe", fiinorf^ „ verhexen *, „zau- 
bern" ZRPh. XVIII, 218. (Die Zweifel 
an der Herleitung von afrz. gene ZRPh. 
XXXI, 274 sind kaum begründet, nur 
die Ableitung auf -aische könnte sprach- 
lich gall. Ursprung nahe legen. Zu- 
sammenhang mit oEyir.s ZRPh. XVIII, 
218 ist jedenfalls abzulehnen: rum. 
zinä DiriXA 2705 Densusianu, Hist 



206 



2625. *diaiia — 2639. dignare, 



1. roum. 102 ist lautlich und begrifflich 
unwahrscheinlich, vgl. vecin viciNUS). 

2625. *diaria „Tagewerk". 

Span. jVra „soviel Land, als ein Paar 
Ochsen an einem Tage pflügen kann", 
porig, geira „Joch Land" Gr. Gr. P, 924; 
RL. IV, 268. 

2626. dib (arab.) „Schakal". 

Span, adiva, adive, portg. adibe Diez, 
Wh. 415; Dozy-Engelmann, Gloss. 65; 
Eguilaz y Yanguas, Glos. 56. 

2627. diba (fränk.) „Verbrennung". 
Aital. debbio, gallur. dipm „Ab- 

forstung". 

2628. dicere „sagen". 

Rum. zice, vegl. dekro, ital. dire, gal- 
lur. dt, engad. dir, friaul. di, frz., prov. 
dire, katal. dir, span. decir,